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Adventskalender 2017 Tag 20: Wiederaufnahme der Zirkusprinzessin im Gärtnerplatztheater

Nach unserer Kritik zu Priscilla bleiben wir gleich mal im Gärtnerplatztheater, denn am 29. Dezember kehrt ein Stück ins Repertoire zurück, dass mir persönlich sehr am Herzen liegt. 2014 feierte Emmerich Kálmáns Zirkusprinzessin  im Zirkus Krone Premiere und zu diesem Zeitpunkt war ich schon ganz tief in die Welt des Gärtnerplatztheaters eingetaucht. Denn ich hatte die Ehre, das Ensemble um Regisseur Josef E. Köpplinger als Hospitantin bei der Probenarbeit begleiten zu dürfen. Damals auf der Wanderschaft durch München schien alles noch ganz kompliziert und trotzdem wurde mit wenigen Requisiten und Bühnenbildteilen in der Manege eine Traum-Operetten-Welt erschaffen. Die zieht jetzt auf die Bühen um, doch ich bin sicher, dass dem Zauber auch hier kein Abbruch getan wird.

Im St. Petersburg der 20er Jahre trifft die verwitwete Fürstin Fedora auf den Zirkusartisten Mr. X, die Standesunterschiede lassen jedoch keine Romanze zu. Anders sieht es aus mit dem adeligen jungen Mann, den ihr der eifersüchtige Prinz Wladimir vorstellt und den sie kurzerhand auch heiratet und der sich dann als Mr. X herausstellt. Natürlich hält die Kränkung der Fürstin nicht lange an und es ist am Ende doch alles passender, als es scheint.

Für Humor in dieser Operette sorgt der Wiener Hotelierssohn Toni, der sich unsterblich in die Artistin Mrs. Mabel verliebt und ihr durch ganz Europa hinterher reist. Von dieser Wahl ist Tonis Mutter gar nicht begeistert und würde der Verbindung niemals zustimmen, hätte sie nicht selbst ein kleines Geheimnis mit ihrem Oberkellner Pelikan.

In dieser Inszenierung bietet Köpplinger tatsächlich alles auf, was das Theater zu bieten hat. Neben den vielen bekannten Solisten wie Sigrid Hauser, Daniel Prohaska, Gisela Ehrensperger, Franz Wynzer und Volksopern-Chef Robert Meyer sind auch das Ballett, der Chor, das Orchester und zahlreiche Statisten mit von der Partie.

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/die-zirkusprinzessin.html/ID_Vorstellung=1508&m=279

Foto: Christian POGO Zach

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Premiere Die Csárdásfürstin, 12.01.2013, Theater Dortmund

Die Csárdásfürstin Die Csárdásfürstin ist ein gern gespieltes Werk und Emmerich Kálmáns erfolgreichste Operette. An der Oper Dortmund hatte jetzt eine umjubelte Neuproduktion mit der fabelhaften Heike Susanne Daum in der Titelrolle Premiere.

Das Theater Dortmund ist in vieler Hinsicht ein ungewöhnliches Haus. Der typische Bau der Sechziger Jahre bietet fast 1200 Zuschauern Platz. Die Sessel mit stärker zurück geneigter Lehne als üblich sind gewöhnungsbedürftig, aber auf die Dauer doch erstaunlich bequem. Es war nur, sowohl im Foyer wie auch im Zuschauerraum, über weite Strecken viel zu kalt. Dass die Zuschauer dies gewöhnt sind, konnte man an den vielen Schals und Jacken erkennen, die auch im Zuschauerraum getragen wurden. Ebenfalls ungewöhnlich sind die Garderobenschränke wie im Freibad. Dieses System hat sicher auch Vorteile, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig für Stammbesucher ein vertrautes Gesicht an der Garderobe ist. Das Programmheft, eigentlich nur ein Flyer, ist sehr dürftig ausgefallen. Man findet weder die Biografien der Beteiligten noch eine über einen kurzen Artikel und die Inhaltsangabe hinausgehende Beschäftigung mit dem Werk.

Die Csárdásfürstin ist eine Operette über Standesunterschiede und die Überwindung derselben durch die wahrhaftige Liebe. Obwohl, hätte sich Edwin wirklich am Ende gegen seinen Vater gestellt, wenn der ihm die Heirat nicht doch noch erlaubt hätte? Der hatte Standesdünkel ohne Ende und knickt erst ein, als er erkennen muss, dass er selbst schon seit langem mit einer Varietéhure, wie er die Chansonette Sylva Varescu mal abfällig genannt hat, verheiratet ist. Sein Sohn Edwin liebt Sylva zwar, aber er ist schwach und kann das Heiratsversprechen nicht einlösen, dass er ihr gegeben hatte. Da müssen halt wieder die Frauen die Sache in die Hand nehmen und so erzwingt Anhilte, seine Mutter, die Einwilligung des Vaters zur Heirat. Dazwischen gibt es sehr schöne, weit über diese Operette hinaus bekannt gewordene, Melodien. Kálmán spannt den musikalischen Bogen von Budapest nach Wien, von Csárdás bis Walzer, ohne in Operettenseligkeit zu versinken. Vielmehr spiegelt sein Werk ebenso wie das Libretto von Leo Stein und Béla Jenbach die Entstehungszeit 1914/15 wieder.

Die Inszenierung von Ricarda Regina Ludigkeit nach einem Regiekonzept von Josef Ernst Köpplinger (eine Übernahme vom Staatstheater Nürnberg) greift diese Zeit auf, da marschieren am Ende die Soldaten in eine ungewisse Zukunft. Die Hinterbühne des Orpheums, der Salon der Lippert-Weilersheims, Edwins Eltern, selbst die Hotellobby, in dem der letzte Akt spielt, alles besteht aus den gleichen Mauern, von denen der Putz abblättert, mit mal mehr, mal weniger luxuriösem Interieur (Bühne Rainer Sinnell). Wenig Sinn habe ich in den Tanzeinlagen gesehen. Was sollten uns schwarz maskierte Edwin/Sylva-Doubles sagen? Ober Clowns, die die Sänger bewegen wie Puppen? Ohne diese hätte man den Fokus noch mehr auf die ganz ausgezeichneten Sängerdarsteller legen können und noch ein bisschen mehr Temperament rauskitzeln können. Die Kostüme von Marie-Luise Walek sind sehr schön und passend zur Zeit, vor allem die Kleider der Damen.

Musikalisch und szenisch blieben keine Wünsche offen. Hier hat man wirklich nur die besten verpflichtet. Heike Susanne Daum ist die Rolle der Sylva Varescu auf den Leib geschneidert. Mit ihrer ebenso temperamentvollen wie anrührenden Darstellung und mit makellosem Gesang feierte sie eine umjubelte Rückkehr an ihr früheres Stammhaus. Die Duette mit Edwin waren die Höhepunkte des Abends, denn in Peter Bording fand sich ein kongenialer Partner. Aber auch die anderen zwei Paare, Stasi und Boni und Edwins Eltern, waren echte Traumpaare. Tamara Weimerich und Philippe Clark Hall sowie Johanna Schoppa und Andreas Ksienzyk zeichneten tolle Rollenportraits, ebenso Hannes Brock als Feri Bácsi. Der Chor bestach durch Spielfreude und war von Granville Walker sehr gut einstudiert. Philipp Armbruster leitete die Dortmunder Philharmoniker mit genau der richtigen Mischung von Temperament und Zurückhaltung. Am Ende großer Jubel für alle Beteiligten.

Choreinstudierung: Granville Walker, Leopold Maria, Fürst von und zu Lipper-Weylersheim: Andreas Ksienzyk, Anhilte, seine Gemahlin: Johanna Schoppa, Edwin, beider Sohn: Peter Bording, Stasi, seine Cousine: Tamara Weimerich, Graf Boni Káncsiánu: Philippe Clark Hall, Sylva Varescu, Varieté Sängerin: Heike Susanne Daum, Feri von Kerekes, genant Feri Bácsi: Ks. Hannes Brock, Eugen von Rohnsdorff: Bastian Thurner, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster, Inszenierung und Choreografie: Ricarda Regina Ludigkeit, Regiekonzeption: Josef Ernst Köpplinger, Bühne: Rainer Sinell, Kostüme: Marie-Luise Walek

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Neujahrs-Konzert, 01.01.2013, Veranstaltungsforum Fürstenfeld

Einen schönen musikalischen Start ins Jahr 2013 bescherte die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck zusammen den Solisten Christina Gerstberger, Christian Bauer und Torsten Frisch sowie mit dem Leipziger Symphonieorchester unter der Leitung von Klaus Linkel dem zahlreich erschienenen Publikum am Neujahrstag.

Durch das sorgfältig zusammengestellte Programm führt charmant und kenntnisreich Lilli Linkel. Im ersten Teil gab es Melodien aus Jacques Offenbachs selten außerhalb Frankreichs gespielter Operette Die schöne Helena. Schon bei der Ouvertüre zeigte sich das Orchester bestens disponiert. Die Melodien waren sehr spritzig und mehr als einmal an diesem Abend habe ich mich gefragt, warum dieses Stück nicht zum Standardrepertoire gehört. Allerdings zeigte es sich, dass die Gesangspartien musikalisch sehr anspruchsvoll sind. Christina Gerstberger in der Titelrolle überzeugte mit glockenhellem Soran ebenso wie Christian Bauer als Paris und Torsten Frisch mit wohlklingendem Bariton als Menelaus. Quasi ganz nebenbei spielten die drei auch noch die Szenen an, die sie sangen.

Ebenfalls bestens vorbereitet waren die Damen (sehr schön: einheitlich gekleidet im ersten Teil, ein buntes Bild im zweiten Teil) und Herren der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck. Teils sangen sie Chorstücke, teils begleiteten sie die Solisten, das war wirklich alles perfekt. Beschwingt durch das Finale 2. Akt ging es in die Pause.

Eine Nacht in Venedig präsentierte das Ensemble im zweiten Teil und glänzte auch mit den bekannten Melodien von Johann Strauss. Besonders gefallen haben mir jedoch die Ausflüge in andere Operetten. Das Duett von Boccaccio und Fiametta Mia bella fiorentina (leider auf deutsch, in der Operette wird es meist italienisch gesungen). Christina Gerstberger empfand ich schon am Gärtnerplatztheater in dieser Rolle als ideal, Torsten Frisch übernahm die Mezzorolle des Boccaccio. Zuvor sang er noch Dunkelrote Rosen aus der Operette Gasparone mit herrlichem Schmelz, da wunderte es einen dann doch, dass immer nur die Tenöre die hübschen Soprane abbekommen. Christian Bauer konterte mit einem traumhaften Lagunenwalzer. Der Aufzugsmarsch Horch, von San Marco der Glocken Geläut setzte einen schönen Schlusspunkt, bei dem nochmal alle auf der Bühne ihr Bestes gaben.

Am Ende gab es stürmischen Applaus für alle Beteiligten und das Publikum entliess Solisten, Chor und Orchester erst nach nicht weniger als drei Zugaben. Ein musikalisches Jahr, das so anfängt, muss ja gut weitergehen!

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Spielzeit 2011/2012 – Ein Rückblick

Innenraum des Gärtnerplatztheaters Die neue Spielzeit hat schon begonnen und es ist wirklich an der Zeit, Bilanz zu ziehen für die vorhergehende. Die Zeit zwischen September 2011 und August 2012 stand unter dem düsteren Stern des Abschieds. Abschied von lieben Menschen, Abschied von einem Haus, das ich in den letzten fünf Jahren sehr lieb gewonnen habe. Es war ein Abschied auf Raten und deshalb besonders schmerzhaft. Aber aus den Augen heißt nicht aus dem Sinn. Ich denke oft an die bewegenden, lustigen, emotionalen Momente in Münchens schönstem Theater zurück, ich bleibe mit den Menschen in Kontakt, meine Freunde geworden sind. Aber so banal es klingt, jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne, und ich hoffe sehr, Altes und Neues in der nächsten Spielzeit vereinen zu können.

Alle besuchten Vorstellungen des Gärtnerplatztheaters in der Spielzeit 2011/12

Auftakt3
Der geduldige Socrates1
Die Fledermaus13
Die Liebe zu den drei Orangen5
Die verkaufte Braut11
Die Zauberflöte6
Künstlergespräch2
Matinee1
Theatervergnügen1
Die Omama im Apfelbaum2
Der Mikado11
Hänsel und Gretel6
Operncafé2
Der Freischütz5
Weihnachtskonzert1
La Cage aux Folles3
Der Nußknacker2
Neujahrskonzert1
Der Zauberer von Oz1
Soirée4
L'Italiana in Algeri6
Der Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny1
Faschingskonzert1
Joseph Süß10
Heimatlos3
Abschiedsgala1
La Traviata (Gastspiel in Ingolstadt)2
Falstaff (Prinzregententheater)8
Die Zauberflöte (Prinzregententheater)2
Das schlaue Füchslein (Prinzregententheater)5
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Gastspiel in Fürth)1
Orpheus in der Unterwelt (Gastspiel in Heilbronn)2
Das waren 32 verschiedene Veranstaltungen, insgesamt 123.

Besuchte Vorstellungen der Bayerischen Staatsoper in der Spielzeit 2011/12

Einführungsmatinee2
Les Contes d'Hoffmann1
Turandot1
Parsifal1
Ringmatinée 4: Geschlechter1
La Cenerentola4
Siegfried1
Das schlaue Füchslein (Opernstudio im Cuvilliés-Theater)1
Liederabend Simon Keenlyside (Prinzregententheater)1
Das waren 9 verschiedene Veranstaltungen, insgesamt 13.

Sonstige besuchte Vorstellungen in der Spielzeit 2011/12

Oliver!Alte Kongresshalle1
GötterdämmerungAnhaltisches Theater Dessau1
The SorcererBuxton Opera House1
HMS PinaforeBuxton Opera House1
PatienceBuxton Opera House1
The MikadoBuxton Opera House1
Avenue QDeutsches Theater1
Die Blume von HawaiiFreilichtbühne Eutin1
La CenerentolaKammeroper München im Hubertussaal1
Die lustigen NibelungenKammeroper München im Künstlerhaus1
Die schöne Galathée/Häuptling AbendwindKammeroper München im Künstlerhaus1
Der WildschützMainfrankentheater Würzburg1
ToscaPasinger Fabrik1
Hilfe, wir verreisen!Pasinger Fabrik1
Don GiovanniPasinger Fabrik1
In stiller Nacht und monogamen BettenSaal der Sebastianskirche München1
The Sound of MusicSalzburger Landestheater1
Der Kaiser von AtlantisSt. Thomas Augsburg1
La TraviataStaatsoper Hannover1
Der Teufel mit den drei goldenen HaarenStaatsoper Hannover1
Il viaggio a ReimsStaatsoper Hannover1
Un Ballo in MascheraSüdthüringisches Staatstheater Meiningen1
La finta GiardinieraTheaterakademie im Prinzregententheater1
Das waren 23 verschiedene Veranstaltungen.

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Die Fledermaus, 20.02.2012, Gärtnerplatztheater

Die Fledermaus

Die Fledermaus am Rosenmontag mit einem bestens aufgelegten Ensemble und ein ausverkauftes Gärtnerplatztheater – was braucht man mehr!

In der Inszenierung von (Noch-) Intendant Ulrich Peters tummelten sich die Ensemblemitglieder des Theaters. Heike Susanne Daum und Tilmann Unger standen als Ehepaar Eisenstein auf der Bühne. Tilmann Ungers Tenor passt sehr gut zum Eisenstein, und Heike Susanne Daum beeindruckte nicht nur schauspielerisch: sehr schön gelang den beiden das Uhrenduett. Mit ausdrucksstarker Stimme interpretierte Frau Daum die Rosalinde und bot auf dem Ball des Prinzen einen feurigen Csardas. In weiteren Rollen Ella Tyran als quicklebendige Adele und Ulrike Dostal als Ida. Torsten Frisch verlieh dem Dr. Falke seinen Bariton und Spielfreude. Mit schönem sattem Mezzo sang Franziska Rabl den Prinzen Orlowsky. Robert Sellier als Gesanglehrer Alfred und Hans Kittelmann in der Rolle des Advokaten Dr. Blind brachten die Figuren überzeugend auf die Bühne. Auch immer wieder schön: der Gefängnisdirektor Frank, von Dirk Lohr verkörpert. Mit Thomas Peters hat das Haus einen ausgezeichneten Gefängniswärter Frosch gefunden. Es kommen keine Längen, wenn er zu den alten Gags den Bezug auf die Politik und aktuelle Themen aufnimmt.  Einfach super!

Der Chor war wie gewohnt in dieser Produktion gut und hatte an diesem Tag besonders viel Spaß. Auch das Orchester war in Champagner-Laune: Dirigent Andreas Puhani entlockte dem Orchester mit leichter Hand schmissige Rhythmen, schnelle Tempi, und die Funken sprühten. Danke!

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Faschingskonzert, 21.02.2012, Gärtnerplatztheater

Andreas Kowalewitz und das Orchester eröffneten den Abend mit dem Hauptthema des Te Deums in D-Dur von Marc-Antoine Charpentier, weithin bekannt als sogenannte Eurovisionsmelodie. Danach gab es ein Uraufführung eines Werkes von Charles Kalman, der anwesend war. La Parisienne hieß der Walzer und lies tatsächlich so etwas wie Pariser Frühlingsluft durch das schönste Theater Münchens wehen.
Danach folgte das fast schon obligate Musikquiz, diesmal allerdings in neuer Form: Nationalhymnen sollten erkannt werden, ganz ehrlich, ich hätte keine einzige gewusst. Erschreckt haben mich allerdings die Leute, die um mich rum sassen. Da wurde debattiert und sich unterhalten, als würde man sich im Café befinden und im Hintergrund klimpert einer auf dem Klavier. Ich finde so ein Verhalten respektlos gegenüber denjenigen, die vielleicht viel Arbeit in so einen Abend gesteckt haben und auch in diesem Moment arbeiten.
Ähnlich wie mir ging es wohl den Kandidaten. Bei der Auflösung kamen teilweise die Botschaftsvertreter des jeweiligen Landes auf die Bühne und Marianne Larsen sang die Hymne ihres Heimatlandes Dänemark. Sozusagen außer Konkurrenz sang Cornel Frey dann noch den Schweizer Psalm, ziemlich anspruchsvoll für eine Nationalhymne. Nachdem es einen Gleichstand bei den Punkten der Kandidaten gab – oder auch nicht, ich bin da nicht so ganz durchgestiegen – sollte passend zum Thema Fußball EM ein Torwandschießen das Quiz entscheiden. Hier bekam Andreas Kowalewitz neben seinen beiden bezaubernden Assistentinnen prominente Unterstützung: Sepp Maier, die Katze von Anzing, stand ihm zur Seite und versorgte die Kandidaten mit Profitipps. Nicht nur ein toller Fußballer, sondern auch ein begnadeter Entertainer. Ich habe bisher nicht gewusst, dass Torwandschießen so unterhaltsam sein kann. Nachdem er dann auch mal dirigieren durfte, natürlich den Bayerischen Defiliermarsch, ging es nach einer unterhaltsamen ersten Hälfte in die Pause.
Den zweiten Teil eröffneten die beiden reizenden Assistentinnen, die sich als Geigerinnen entpuppten. Danach spielte eine Putzfrau mit fesche Wadln auf einer roten Posaune und Rita Kapfhammer sang eine herrliche Parodie der Schönheitskönigin von Schneizlreuth. Es folgten weitere Musikstücke wie das Katzenduett von Rossini, Casta Diva aus Norma von Cornel Frey, die Arie von Frau Fluth aus den Lustigen Weibern von Windsor von Stefanie Kunschke und das Couplet der Herzogin von Gerolstein von Rita Kapfhammer. Geleitet wurde das Orchester in diesem Teil von Lukas Beikircher, die Solisten begleitete teilweise Martin Steinlein am Flügel. Das war ein herrlicher Spaß, am Ende gab es viel Applaus und eine Zugabe, den Galop Infernal aus “Orpheus in der Unterwelt”, das man ja diese Spielzeit leider nur noch außerhalb Bayerns zu Gesicht bekommt.
Leider war dies auf absehbare Zeit das letzte Faschingskonzert im schönsten Theater Münchens. Aus is und gor is, und schad is, daß wor is!

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Die lustigen Nibelungen, 20.02.2012, Kammeroper München im Künstlerhaus

Gestern war die wohl leider letzte Wiederaufnahme der schönen Inszenierung dieses selten gespielten Stückes. Ich habe drüben bei mucbook drüber berichtet.

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Premiere Die schöne Galathée/Häuptling Abendwind, 08.01.2012, Kammeroper München im Künstlerhaus

Über diese Premiere habe ich drüben bei mucbook geschrieben.

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Der Mikado, 08.12.2011, Gärtnerplatztheater

Der Mikado

Das Staatstheater am Gärtnerplatz und der Regisseur Holger Seitz haben sich für eine deutsche Fassung des Stücks “Der Mikado” von Gilbert & Sullivan entschieden. Diese deutsche Fassung ist von Walter Brandin und Arno Assmann und hat einen Erzähler, diesen gibt es im englischen Original nicht. Am Gärtnertheater wird diese Rolle von Thomas Peters sehr eindrucksvoll gestaltet, aber die Dialoge sind an einigen Stellen zu lange. Es hätte gerne gekürzt werden können, und die Übergänge der Szenen Dialog-Musik wäre schneller auf den Punkt gekommen. Nun aber genug davon. Es gibt ja so viel Schönes an der Produktion: Das schlicht gestaltete Bühnenbild von Peter Engel, das von der gelungenen Lichtgestaltung von Hans Guba zum Leben erweckt wird und in jeder Minute eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt. Schon wenn sich beim langsamen Satz der Ouvertüre der Vorhang öffnet und die roten Lampions leuchten. Kostümbildnerin Sandra Münchow hat zeitlose Kostüme gestaltet, Anzüge in verschiedenen Graustufen mit Zeitungsaufdrucken, beim großen Auftritt des Mikado schwarze Anzüge mit goldgelben Ärmeln und für den Frauenchor bunte blumenbedruckte Kleider mit Schleifen. Holger Seitz kann bei seiner Regie und der Entwicklung der Personenführung ganz auf das spielfreudige Ensemble des Theaters setzen. Ein Glücksgriff ist auch der Dirigent der Produktion Benjamin Reiners: mit dem gut gelaunten und spielfreudigen Orchester blühen die Melodien von Sullivan aus dem Orchestergraben; an dieser Stelle ein besonderes Lob an die Holzbläser.

Der Mikado

Yam-Yam, Mündel von Co-Co, und Nanki-Poo wurden an diesem Abend von Therese Wincent und Mario Podrecnik gespielt. Therese Wincent beeindruckte während der ganzen Aufführung mit ihrer Bühnenpräsenz. In Gesang, Spiel und Choreographie war sie ideal für die Rolle der Yam-Yam. Der gut geführte Tenor von Mario Podrecnik stand ihr in nichts nach. Einen gelungenen Auftritt hatte auch Derrick Ballard als Mikado, mit kräftigem Bass und enormer Autorität. Rita Kapfhammer als älteres Hoffräulein Katisha war voll in ihrem Element, ausgestattet mit kräftigem Mezzo und großer Bühnengeste. Der Scharfrichter von Titipu, Co-Co, der kein Blut sehen kann, mit der Vergangenheit eines Schneiders, wurde gelungen verkörpert von Hardy Rudolz. Dieser hatte an diesem Abend Glück und bekam viel sichere Unterstützung aus dem Orchestergraben. Sehr aufmerksam! Die restlichen Rollen waren rollendeckend und gut besetzt: Sebastian Campione (Pooh-Bah, Minister für alles), Carolin Neukamm (Pitti-Sing), Ulrike Dostal (Peep-Bo) und Gregor Dalal (Pish-Tush, ein Edelmann). Der Chor, in der Einstudierung von Inna Batyuk, sang an diesem Abend sehr klangschön, und auch die Darstellung war wieder sehr gelungen.
Es ist schön, dieses Stück von Gilbert & Sullivan am Staatstheater am Gärtnerplatz zu sehen und zu hören mit dem noch existierenden Ensemble.

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Interview mit Rita Kapfhammer

Rita Kapfhammer

Liebe Frau Kapfhammer, herzlichen Dank, dass Sie sich bereiterklären zu einem Interview auf dem Blog „Nacht-Gedanken“. Würden Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang erzählen?

Ich habe eigentlich Hotelfachfrau gelernt und mich erst nach ein paar Jahren durch Zufall oder durch äußere Einflüsse entschieden, ein Gesangsstudium als Solist zu beginnen. Ich habe dann in München an der Musikhochschule studiert, von 1988 bis 1993, und zwar Konzertfach, weil ich dachte, Oper und vielleicht auch längere Aufenthalte irgendwo, das würde sich nicht mit einer Familie vereinbaren lassen. Dann nach dem Studium hatte ich noch keine großen Engagements. Ich habe mich auch nicht sehr dafür eingesetzt. Dann habe ich mich an der Opernschule  der Hochschule, nicht im Opernstudio, angemeldet, um als Gast Opernliteratur mitzustudieren. Dort werden ja etliche Produktionen im Jahr gemacht, und da es in meinem Fach nicht ganz so viele gibt, konnte man mich ganz gut einsetzen und ich war eben durch meine erste Lehre schon ein bisschen älter. Unter Professor Kertz habe ich etliche Sachen dort gemacht: Poulenc zum Beispiel, „Gespräche der Karmelitinnen“. „Figaros Hochzeit“ mit Sir Colin Davis war auch damals auf dem Programm. Ich habe auch im Prinzregententheater unter ihm im „Rosenkavalier“ Alina gesungen. Dann natürlich auch viel mit zeitgenössischen Komponisten. Das hat mir wahnsinnig viel Spass gemacht, und ich war überrascht, dass ich eigentlich viel lieber spiele, beziehungsweise die Kombination so genieße von Spiel und Singen. Wobei ich schon mehr Wert auf Gesang lege, aber eben das Spiel eher als hilfreich, eher als Chance sehe und nicht als Hindernis, und mir deswegen die Kombination einfach zusagt. Mein erstes Engagement war in Ulm, und da war ich dann auch zehn Jahre. Das ging durch die ZAV-Künstlervermittlung der Agentur für Arbeit, die auch die Hochschulproduktionen immer angeschaut und betreut hatten. Die haben mich dort hingeschickt. Ich habe nur zwei, drei Vorsingen absolviert, und das hat geklappt, es war eine Schwangerschaftsvertretung. Und da dachte ich: “Naja, sowas kann man vielleicht schon mal annehmen, für ein halbes Jahr, das ist absehbar.” Mein Mann hat sich dem auch nicht in den Weg gestellt sondern gesagt: „Ja, mach nur!“ Daraus sind zehn Jahre geworden, dort habe ich Rollen wie Santuzza in „Cavalleria Rusticana“, Adalcisa in „Norma“, Amneris in “Aida”, Dalila in “Samson und Dalila”, sowie die Jane Seymour in “Anna Bolena” gesungen. Während des Studiums habe ich immer im Hotelfach gearbeitet, und das Studium immer als Auszeit betrachtet, weil ich nie gedacht hätte, dass man gerade auf mich warten würde. Ich hatte wahnsinnig Spaß daran, und das habe ich heute noch. Es hat sich einfach so ergeben. Der Herrgott hat ein bisschen dazu beigetragen und ein bisschen Glück, und vielleicht auch die Gelassenheit, die man braucht, wenn man nicht muss, sondern auch andere Alternativen sieht. Diese Kombination hat mich vielleicht auch jetzt hier an den Gärtnerplatz gebracht.

Das Können haben Sie noch vergessen!

Okay, das Können, aber das müssen dann vielleicht auch andere beurteilen. Ich glaube, das Können können viele. Aber man braucht schon auch mehr. Ja, Liebe dazu, die Bereitschaft, auch viele Ungelegenheiten in Kauf zu nehmen. Gelassenheit. Auch viel Zuspruch von der Familie, einfach, dass man keine Klötze ans Bein gelegt bekommt oder irgendwelche anderen „Bremserer“. Ja.

Sie haben vorhin von äußeren Umständen gesprochen, die Sie dann dazu bewogen haben, das Studium aufzunehmen. Was waren diese äußeren Umstände?

Ganz konkret hatte ich bei Dietrich Schneider Gesangsunterricht. Der hat damals den Kirchenchor betreut. Dann baute er seine Gesangsschule auf, und da hatte ich Unterricht bei ihm. Der war ziemlich schnell dahinter, dass ich unbedingt studieren muss. Ich verdanke ihm den Schritt, dass ich es gemacht habe. Ihm auf alle Fälle.

Welche Musik haben Sie als Kind gehört?

Das ist eine gute Frage, aber es ergibt sich, ich bin Bayerin. Ich habe viel Schlager gehört, so nebenbei eigentlich nur, aber mein Liebling war bayerische Musik, das heißt, Dreigesang habe ich gemacht als Kind, mit meiner Schwester und meinem Bruder, ich habe Stubnmusi gespielt, ich habe Hackbrett gespielt und bin einfach mit bayerischer Musik groß geworden. Mein Vater war nur an Blasmusik interessiert, das hat mich jetzt weniger erfreut, das war mir einfach zu martialisch, aber die Richtung war bayerische Musik. Volksmusik, also richtige, ursprüngliche Volksmusik.

Haben Sie das absolute Gehör?

Nein. – Das heißt, ich stelle fest, dass ich natürlich, wenn man sich viel mit Musik beschäftigt und tagtäglich ja nur singt und Musik hört oder halt auch sich zurechtfinden muss in verschiedenen Tonlagen, dass das Gehör sich natürlich verbessert. Aber das absolute Gehör habe ich nicht, nein.

Spielen Sie ein Instrument?

Leidlich Klavier. Ich habe nie viel Spaß daran gehabt, aber es hilft ungemein. Hackbrett eben, aber sonst nichts.

Sie haben gerade schon gesagt, Sie haben als Kind viel bayerische Volksmusik gehört. Mögen Sie auch noch andere Musikrichtungen?

Hmm. Da bin ich wahrscheinlich ziemlich einschlägig. Ich höre also privat gar nicht mehr so viel Musik. Zuhause, wenn ich nichts zu tun habe, habe ich es eigentlich eher still und ruhig. Also, ich habe ja Familie, meinen Mann und meinen Sohn, die haben natürlich ihre Musikrichtungen. Es läuft immer irgendwas, aber wenn ich allein bin, bin ich ganz froh, wenn eben nichts läuft. Ich höre schon ganz gerne moderne Musik, aber ich kann Ihnen nicht mal sagen, was das für eine Richtung ist, weil ich dann nicht jetzt speziell irgendwas mir anschalte, sondern am Radio herumdrehe, und dann gefällt mir etwas, oder es gefällt mir eben nicht, und dann mache ich aus. Aber generell habe ich es lieber ohne Hintergrund.

Welche Sprachen sprechen Sie, und in welchen Sprachen singen Sie?

Ich kann einigermaßen Englisch und auch Italienisch, leider nie so gut, wie ich es gerne hätte. Ich habe in Französisch gesungen. Ich habe mal einen Kurs belegt, das Wichtigste verstehe ich, aber auch viel zu wenig. Ich habe einen Traum, dass ich mir noch mal die Zeit nehme, um einfach mal nach Italien oder nach Frankreich zu fahren, um diese Sprachen besser auch im Alltag zu benutzen, weil ich sie einfach schön finde. Ich habe auch schon auf Tschechisch Lieder gemacht und werde wahrscheinlich um das russische Programm nicht herumkommen, das finde ich total schön, aber ich kann natürlich kein Wort Russisch oder Tschechisch, keine Frage. Aber viele Sachen gehen auch phonetisch. Man muss sich halt dann viel mehr Zeit nehmen, um die Texte übersetzen zu lassen oder auch mit einem Coach direkt durchzugehen. Damit man weiß, was es bedeutet. Es kommt oft auf Worte, auf Wortwendungen an, und es ist schon sehr wichtig, dass man weiß, was man spricht. Es dauert halt dann einfach länger, wenn man die Sprache nicht wirklich versteht oder kennt.

Haben Sie musikalische oder szenische Vorbilder?

Ganz aktuell habe ich, ich glaube vor zwei Jahren war das, die Frau Damrau gehört, das erste Mal eigentlich ganz bewußt, in diesem Neujahrskonzert, und das hat mich schwer beeindruckt. Also diese Beweglichkeit und dann diese Power von dieser Frau. Das fand ich ganz genial. Deswegen hätte ich mir so gewünscht, in „Hoffmanns Erzählungen“ zu gehen, aber das ist ja ausverkauft, und ich weiß nicht, ob ich da irgendwie an gute Karten herankomme. Sonst gibt es verschiedene. Kerstin Ferrier fand ich auf den Aufnahmen immer so gut. Oder auch Marilyn Horne ist nicht schlecht, aber da ist niemand, wo ich einfach alles gut finde, sondern es gibt immer irgendwas, was mir nicht gefällt. Aber ich finde es auch ganz gut, wenn man mehr Sachen vergleicht, anhört, und dann einfach sagt: Das gefällt mir bei dieser Person, und das bei der anderen, oder auch mal sagt: „Okay, das ist schön, aber ich kann es vielleicht gar nicht so, oder: das würde ich anders machen.“ Und musikalisch – wie meinen Sie das noch?

Personen, die Sie geprägt haben, zum Beispiel in der Ausbildung.

In der Ausbildung? Ich hatte ja Unterricht bei Frau Reri Christ, und diese Frau ist schon sehr beeindruckend, wie sie so selber auf der Bühne steht. Ich habe sie ja nicht mehr live gehört, wie sie noch Auftritte hatte, aber wenn sie etwas vorgemacht oder gezeigt hat, das ist schon – das ist eine richtige Persönlichkeit. Ich hatte dann auch bei Jan Henrik Rotering Unterricht. Ich habe ganz, ganz viel bei ihm auch technisch gelernt. Bei Professor Hellmann war ich im Oratorienfach. Der Mann hat mir nie was vorgesungen, aber was er mir an Interpretation und an Ideen für diese Darstellung gegeben hat, fand ich immer ganz großartig. Ich glaube, generell ist es ganz wichtig, dass man selber so selbstständig und auch mündig, wenn ich das so sagen darf, ist und selber herausfindet, was einem gut tut, was die Stimme betrifft, und auch gut tut in Bezug auf die Musikalität – oder was einem gefällt. Es geht dann gar nicht so darum, ob man irgendetwas nachmacht, denn das, glaube ich, wird niemals so identisch oder authentisch sein. Wenn man sich also zuerst einen Überblick verschafft oder einfach eine Idee davon hat, wie man etwas machen möchte oder wie man etwas singt und sich auch mal etwas anhört, aber dann seinen eigenen Weg damit findet, das ist das Wichtigste für mich.

Hatten Sie schon internationale Auftritte?

Noch nicht allzuviele. Aber ich war mit „Musica Mallorca“ schon vier Mal in Palma de Mallorca und habe konzertant „Cavalleria“ gesungen. Ich habe die „Carmen“ dort gemacht und auch Rossini, „Stabat Mater“. Dann war ich in Danzig, das ist schon ein paar Jahre her, habe dort die Premiere gesungen in „Anna Bolena“ und habe dann hier auch gastiert mit einem Tourneetheater. Danzig war schon eine sehr spezielle Erfahrung und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich mache Galas in der Toskana, seit ein paar Jahren immer wieder, aber eher in kleinem Rahmen. Ich finde das einfach schön, wenn man näher an den Leuten dran ist. Ich glaube, das war’s. Sonst war ich noch nicht allzuviel im Ausland, als Musiker.

Sie haben vorhin erwähnt, Sie haben Familie. Was für Komplikationen ergeben sich aus dem speziellen Arbeitsrhythmus eines Opernsängers?

Mit Komplikationen möchte ich das gar nicht jetzt in Verbindung bringen. Es ist halt so: Ich habe wenigstens das Glück, dass ich einen Mann an der Seite habe, der das gutheißt, was ich mache. Er will jetzt nicht unbedingt immer dabei sein, aber er findet das gut. Und dann ist mein Sohn die meiste Zeit natürlich auch abends betreut, weil er einen „anständigen“ Beruf hat. Es gibt natürlich immer Komplikationen, weil ich als Mutter und Hausfrau, das bin ich natürlich auch – und die Rollenverteilung ist bei uns auch ziemlich klar – auch irgendwie immer einen Spagat machen und erleben muss, aber ich habe das in Kauf genommen. Das klingt jetzt ganz blöd, aber ich finde das gar nicht so schlimm. Ich mache mein Ding, und ich darf diesen Traum als Opernsängerin – und das ist auch ein Traum für mich – leben. Und dafür ist es manchmal einfach so, dass man zu hause mal schnell diese Welt draußen lässt und ganz normal wie jede andere Hausfrau diese Sachen erledigen muss, und das ist manchmal mühsam oder dauert einfach, dass man da den richtigen Drall findet, dass es halt auch schnell gehen muss.. Dass man die Prioritäten setzt, ob jetzt mein Sohn die Hausaufgaben und das alles auch geregelt kriegt, und ich bin auch ziemlich streng, aber das funktioniert ganz gut. Wie gesagt, ich glaube, dieser Spagat ist in allen Berufen nicht einfach und als Sängerin vielleicht noch schwieriger, denn im normalen Alltagsleben hat man auch einen regelmäßigen Tagesablauf. Der ist bei der Sängerin eben unregelmäßig. Da geht es einfach darum, dass man das organisiert und diese Logistik auch den Beteiligten, eben meinem Sohn oder meinem Mann, gut mitteilt, und dann ist es ganz okay.

Was tut Ihrer Stimme gut, und was mag sie überhaupt nicht?

Singen tut meiner Stimme gut. Ich hatte noch nie Probleme damit, auch wenn es ein bisschen mehr ist. Was nicht gut ist, ist, wenn ich kalte Füße bekomme, wenn ich wirklich in den Regen komme oder einfach mich friert: komischerweise schlägt sich das auf die Stimme. Was auch nicht gut ist: Wenn ich in einem Raum, wo es ziemlich laut ist, immer über die anderen darüber reden muss, also wenn man ziemlich laut immer am Anschlag sprechen muss. Das mag ich nicht, das macht mir auch keinen Spaß, und da merke ich, dass auch die Stimme sehr anfällig dafür ist. Singen tut ihr sehr gut, und sonst mache ich keine großen Umstände damit. Das ist ja ein Instrument, sage ich jetzt mal, das man auch immer braucht, das ist einfach da, und wenn man sie gut hält, dann ist alles okay.

Tun Sie etwas für Ihre Kondition?

Ja. Früher dachte ich, ich bin total unsportlich und hatte nie wirklich Lust am Sport. Aber seit ein paar Jahren merke ich, dass mir das von der Kondition und vom Atem her einfach gut tut. Ich gehe walken, zweimal die Woche, oder auch joggen. Wobei ich Joggen zwar viel schlimmer finde, aber ich danach einfach mehr das Gefühl habe, ich habe wirklich etwas für mich getan. Es geht natürlich immer ums Gewicht, aber das hat sich noch nie verändert, bzw. also ist nicht viel weniger geworden, aber das ist ein Problem, das viele Frauen haben. Solange ich es noch einigermaßen im Griff habe, und das, glaube ich, ist so, ist es okay. Also, ich schwimme sehr gern, aber dieses Walken und das Joggen mache ich regelmäßig.

Wie diszipliniert müssen Sie leben?

Wie gesagt, ich mache keine großen Umstände wegen meiner Stimme, dass ich deswegen diszipliniert wäre, aber ich merke wohl, dass ich mich gegenüber früher verändert habe. Gerade, was meinen Freundeskreis betrifft, meine Geschwister, die gehen teilweise auch viel aus, sie trinken auch gern mal was, denen ist es jetzt auch egal, ob sie eine Jacke mitgenommen haben oder nicht. Ich habe einen anderen Rhythmus bekommen, auch durch meine Arbeit, weil es oft spät wird, so dass ich länger schlafe, als ich es früher getan habe. Das bedeutet nicht an Stunden länger, aber eben morgens ein bisschen länger, weil ich abends später ins Bett gehe. Ich glaube, als Künstler oder Darsteller wird man einfach ein bisschen feinfühliger und ein bisschen empfindlicher – empfindlicher in dem Sinne, dass man auch Empfindungen mehr spürt, was den anderen betrifft oder was den Umkreis, wo man sich befindet, angeht. Das hat sich verändert. Dass ich da einfach rücksichtsvoller bin oder einfach oftmals Schwingungen spüre, die der Normalbürger jetzt nicht unbedingt wahrnimmt.

Dann kommen wir zur Neuproduktion DER MIKADO. Sie werden die Rolle der Katisha übernehmen. Wenn ich so an die Carmen zurückdenke: Neben einer wirklich tollen Stimme beeindrucken Sie ja auch immer durch ein sehr ausdrucksvolles Spiel. Wie haben Sie sich denn auf die Rolle der Katisha vorbereitet?

Das ist ein bisschen verfänglich, natürlich lese ich den Hintergrund ein bisschen, von Gilbert und Sullivan, ich lese mir die Geschichte durch. Aber ich mache mir erst mal nicht so ein großes Bild, wie ich es anlegen möchte, sondern wenn ich zum Beispiel die Musik erst einmal lerne – zum Probenbeginn muss man einfach die Musik auswendig kennen – habe ich mir einen vagen, einen ganz vagen Faden durch dieses Stück gestrickt. Aber ich möchte mich eigentlich nicht so festlegen, weil ich einfach noch offen sein will für den Regisseur, was der eigentlich von mir will, um dann auch umschwenken zu können, wenn ich denke: “Das muss jetzt gar nicht so sein”, oder ich habe mir das so zurechtgelegt, aber der will eigentlich ganz was anderes. Und dieser Faden zurrt sich eigentlich mit jeder Probe, die ich dann in der szenischen Arbeit mache, fest. Das macht mir Spaß, dass es eben nicht nur ist, wenn ich auf der Bühne bin, sondern auch der Rest von Szene zu Szene, die ich dann habe, wenn zwischendrin auch Löcher passieren, dass dieser Faden weitergeht. Das finde ich so spannend, und darum sind diese sechs Wochen, die ohnehin immer meistens zu kurz sind, wirklich sehr wichtig, und in der Zeit prägt sich mein Bild von der Rolle. Vielleicht macht es auch etwas aus, dass man so eigentlich immer frisch bleibt oder ich mich wohlfühle, weil ich dann nicht so festgefahren bin in irgendeiner Richtung, die ich mir ausgedacht habe. Das macht man natürlich, aber man muss natürlich auch beweglich bleiben. Ein Satz, der ist gegeben, und den kann man in fünf verschiedenen Varianten sich dann auch ausdenken. Man muss nur wollen, oder man muss nur einfach den Tipp oder den Anstoß dazu haben, und das finde ich spannend.

Erzählen Sie uns ein bisschen von der Partie der Katisha.

Die Katisha ist eigentlich eine alternde Jungfrau, denke ich mal, in diesem asiatischen Umfeld, die den jungen Nanki-Poo heiraten soll, oder darf, also sie ist ganz glücklich darüber, und er will sie natürlich nicht heiraten. Er ist ein junger, hübscher Bursche, und die Katisha soll sogar hässlich sein, also ganz unakzeptabel. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich hässlich bin, wobei ich da nichts dagegen gehabt hätte, aber das war von der Maskenbildnerin und der Kostümbildnerin nicht so angelegt. Aber ich glaube, es ist auf alle Fälle eine Frau, die Männer erschreckt. Es muss jemand sein, die stark ist, die selbstbewusst ist und sich den Mann auch selber aussucht und mit dieser Härte und mit dieser Strenge die Männer einfach eher verschreckt und deswegen ungeliebt ist, sage ich jetzt mal, so haben wir das auch angelegt. Und in unserem Fall, wenn ich das verraten darf, ist es dann auch eher diese erotische Schiene, Sado-Maso oder wie auch immer. Ganz so schlimm ist es nicht, aber so ein bisschen auf das angelegt. Am Schluss kriegt sie eben dann ihresgleichen, mehr oder weniger, mit vielen Verwirrungen. Ich habe jetzt heute den ersten Durchlauf auch gesehen, und dabei vieles, was ich vorher gar nicht mitbekommen habe, weil ich eben in diesen Szenen nicht dabei bin. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, und ich glaube, das geht auch auf.

Wird Katisha glücklich mit Koko?

Ich denke ja! Die zwei haben sich dann doch gefunden. Ich meine, es war am Anfang eher so eine Zufallsbeziehung oder Zufallstreffer, weil der Koko den Auftrag hatte, diese Katisha wegzuräumen: Er soll sie heiraten, damit Nanki-Poo frei wird für Yum-Yum. Und somit ist aber eigentlich jedem gedient. Doch, ich glaube, die werden glücklich.

Was ist das Schönste an Ihrer Partie, und was ist das Nervigste?

Also, das Schönste an der Partie ist, dass diese Rolle doch wirklich gesungen werden muss. Da kann man jetzt nicht säuseln. Ich will nicht sagen Wagner, denn dafür ist einfach die Musik nicht so genial wie bei Wagner. Aber man kann das auf keinen Fall als leichten lyrischen Mezzo betrachten, da braucht man eine dicke Stimme. Da ist die Kunst, dass man nicht so viel reingibt, dass nicht dadurch sich irgendwie stimmliche Probleme ergeben. Das fordert mich schon heraus, das macht Spass. Ich mag auch diesen Witz der Katisha. Ich habe einfach Spaß am Spielen und an dieser Komik. Und was mich nervt, kann ich jetzt gar nicht sagen. Da ist mir noch gar nichts aufgefallen.

Hatten Sie Freiheiten bei der Interpretation der Rolle?

Ja, die Freiheiten hat man ja schon. Die wenigsten Regisseure legen das ganz knallhart fest, was man da jetzt denkt. Ich meine, die Gedanken sind frei, das ist so, und solange ich mir meine Gedanken gesponnen oder meinen Faden gesponnen habe, und der Regisseur aber das sieht, was er sehen will, ist es vollkommen egal, was ich jeweils dazu denke. Es ist mir überlassen, wie ich zu dem Urteil oder zu dem Ergebnis komme. Wenn es hakt oder wenn der Regisseur sagt: Nein, das will ich lieber anders haben, dann ist auch oft der Gedanke wirklich falsch, aber das ist ja eben dieser Spaß, den ich dann habe, das umzustellen oder das zu suchen, mit meinen Gedanken eben unterlegt.

Waren Sie schon mal in Japan?

Nein! Leider. (Lacht.)

Beim MIKADO ist ja die Kritik an der damaligen britischen Gesellschaft in das Japanische verpackt, durch diesen sogenannten Exotismus. Sehen Sie da aktuelle Bezüge?

Ich glaube, dass in allem schon auch hier und heute immer noch Wahrheiten dabei sind. Vielleicht nicht so überzogen, und vielleicht sind manche Sachen auch wirklich extrem dargestellt. Aber ich glaube, das kann man ganz gut auch heutzutage so nehmen. Ja.

Können Sie uns erklären, warum der MIKADO das erfolgreichste Stück von Gilbert & Sullivan ist?

Nein, das kann ich Ihnen nicht sagen, denn ich kenne eigentlich nur die PIRATEN und MIKADO, wobei MIKADO das bessere Stück ist.

Was für Gemeinsamkeiten gibt es mit den PIRATEN, und was sind die grundlegenden Unterschiede?

Also, Gemeinsamkeiten – ich weiß, nicht nur von diesen beiden Stücken, weil ich mir das auch angelesen habe – Gilbert und Sullivan, die haben sich immer praktisch die gleichen Personagen zurecht gestrickt. Es ist immer die gleiche Anzahl, und eben diese komische Alte, und ein Liebespaar, und dann die Mädels – diese Grundpersonage ist eigentlich immer gleich, und dann strickt Gilbert halt irgendeine Geschichte dazu.

Ist es eine traditionelle Inszenierung?

Hm. Gute Frage. Auf alle Fälle ist es mehr oder weniger eine Fortführung der PIRATEN für mich. Das ist wie PIRATEN zweiter Teil, nur besser. Glaube ich. Ich hoffe es. (Lacht).

Haben Sie Lampenfieber, und wenn ja, was tun Sie dagegen?

Ich glaube, wenn jemand sagt, er hätte kein Lampenfieber, der lügt! Ich habe Lampenfieber, aber ich finde es eher angenehm. Es ist niemals etwas gewesen, was mich hindert, oder dass ich panisch bin oder Angst habe, sondern das ist eher so was wie: „Ha, und jetzt raus da!“ oder irgendwie so eine Motivation und ein Spaß. Und das ist glaube ich eher das gute Lampenfieber, das habe ich auch immer so empfunden. Ganz, ganz selten, wenn ich mir nicht sicher war oder wenn Sachen vielleicht noch zu früh waren, also stimmlich, dass man wirklich ein bisschen fast – überfordert will ich nicht sagen, aber einfach an die Grenzen geht, dass man natürlich da Angst hat zu versagen, das gibt es, gerade bei Premieren. Aber es war nie irgendwie ein Hindernis. Und ich tue nichts Großartiges. Ich beschäftige mich einfach vorher, ich nehme mir die Zeit, dass ich nicht nur eine halbe Stunde oder Stunde vorher da bin, wenn die Maske beginnt, sondern ich bin oft zwei Stunden vorher da, ich singe mich in Ruhe ein, ich gehe auch noch mal einen Kaffee trinken. Also einfach keinen Stress aufkommen zu lassen vorher. Leider plappere ich auch viel, das mag auch Nervosität ausdrücken, was vielleicht auch mal die Kollegen nicht so schätzen. Aber sonst ist, glaube ich, alles ganz normal.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf, und was ist das Nervigste?

Das Beste ist, dass man eigentlich Sachen darstellen oder spielen oder sein kann, Personen sein kann, die man ja sonst niemals irgendwie erreicht, oder auch Kleider tragen kann, auch Sachen ausprobieren kann, die man im Alltag so mit Sicherheit niemals für sich finden würde. Natürlich auch, dass man einfach den Zuhörer so mitnehmen kann, dass man etwas bewirkt im Zuhörer. Bei einer Opernvorstellungen ist es ein bisschen schwieriger, eine Rückmeldung zu bekommen, weil man die Zuhörer danach nicht mehr sieht. Es ist bei Konzerten leichter, wenn man Liederabende gibt, denn die Leute warten dann, und man bekommt richtig hautnah mit, dass sie einfach entweder einen schönen Abend hatten oder irgendwie durch die Musik etwas im Herzen mit nach Hause nehmen, und nicht nur an dem Abend, sondern auch später noch Erinnerungen haben an solche Abende. Und das, finde ich, ist eine ganz tolle Variante. Das ist eigentlich ein Geschenk, dass man sowas kann oder dass man das darf. – Nervig? Also, ich kann Ihnen das nicht sagen, da fällt mir jetzt nichts ein.

Der Mikado

Haben Sie noch eine Wunschpartie?

Ich bin ja mehr oder weniger durch Zufall, wie gesagt, zur Oper an sich gekommen und hatte vorher gar nicht so viele Berührungspunkte. Deswegen ist mein Wissen, was es an Partien für mich speziell gibt, fast zu wenig. Denn man muss auch sagen – mit Oper habe ich mich vorher nicht beschäftigt, nur mit Konzert. Ich war auch, dadurch dass ich Hotelfach gelernt habe und die ganze Studienzeit gearbeitet habe, nicht viel in anderen Inszenierungen oder in Opern. Dann ist es auch eine Frage: Wie schätze ich mich selber ein? Ich hatte einfach immer sehr viel Spaß an Vielfalt. Ich mag Operette, ich mag Musical. Und große Oper – ich habe inzwischen auch Spaß an Wagner, muss ich gestehen. Ich hatte immer gedacht: „Nein, Wagner verstehe ich nicht, das ist mir zu hoch, und auch die Sprache finde ich nicht mehr so zeitgemäß“, und das hat sich total geändert, ich finde die Sprache wunderschön. Man kann wirklich an einem Satz, wenn man fünf Mal den gleichen Satz spricht, fünf andere Varianten finden oder zehn. Was man mit Sprache alles machen kann, gerade im Deutschen finde ich das spannend. Ich habe immer vertraut, dass die Intendanten mir die richtigen Partien geben. Und ich habe eigentlich dann Spaß. Ich mache mir den Spaß an dem und suche an jedem Stück irgendetwas anderes. Natürlich werde ich mich bei Operette nicht nur verzetteln in schönem Singen, denn das ist nicht der Hauptpunkt. Natürlich ist es bei Wagner wieder anders als bei Musical; Musical macht auch viel Schauspiel aus. Da muss man für sich selber den richtigen Weg dazu finden. Was ich immer noch gerne möchte, ist: einfach noch mal „Samson und Dalilah“, diese Dalilah noch mal wirklich als Produktion zu singen, nicht nur einzuspringen, und ich würde wahnsinnig gerne noch mal diese Belcanto-Opern machen: Ich habe gesungen „Maria Stewart“, diese Jane Seymour,  in „Anna Bolena“ noch mal – ja, und für Elisabetta eben. Das würde mich sehr interessieren.

Können Sie uns schon einen Ausblick auf die Zukunft geben?

Nein, leider noch nicht so viel. Wir sind ja alle gekündigt, das ist nun mal so. Natürlich gibt es ein paar Anfragen, aber konkret habe ich für die nächste Spielzeit noch nichts. Ich habe auch jetzt eigentlich noch wirklich viel zu tun, so dass ich auch gar nicht so richtig auf den Gedanken komme, irgendwie panisch zu werden. Ich glaube, das kommt dann so im neuen Jahr, wenn man dann noch immer nichts haben sollte. Ich hoffe jetzt schon, dass es irgendwie weitergeht, und – mal sehen.

Herzlichen Dank für das Gespräch, und Toi-toi-toi für die Premiere!

Danke schön!

Interview vom 10.11.2011

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