Linksammlung Anything Goes, Gärtnerplatztheater

Der Trailer des Gärtnerplatztheaters

Auch einen Einführungsfilm hat das erstellt.

Besprechungen sind online erschienen in der Abendzeitung, dem BR, klassik.com, Musical Reviews, Die deutsche Bühne und mucbook. Jede Menge Bilder finden sich bei Pictures Berlin.

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Bryn Terfel sings Rodgers & Hammerstein – Something Wonderful

Die Songs dieses uramerikanischen --Erfolgsduos werden hier von gesungen; das ist ganz große Klasse. kann sich seinen Mangel an Snobismus leisten: Er singt außer Oper (an der Met und anderswo) auch und hier eben , und das klingt wirklich großartig. Obwohl die Songs aus vielen verschiedenen Musicals entnommen sind, ist der Gesamteindruck wunderbar stimmig.

Ganz entzückend sind bei immer die Texte. Sie bestätigen mal wieder meine Theorie, dass Männer oft romantischer und sentimentaler sind als Frauen. Liebe ist hier zuweilen ganz einfach: Ein Mann, eine Frau, ein verzauberter Abend. In Some Enchanted Evening heißt es sinngemäß: “The heart has reasons reason does not know.” - Das ist allerdings nicht wörtlich.  formulieren es noch schlichter: “Who can explain it? Who can tell you why? Fools give you reasons, Wise men never try.” In It Might As Well Be Spring möchte sich ein Mann endlich mal wieder verlieben: “I’m starry-eyed and vaguely discontented, Like a nightingale without a song to sing.” Kompliziert werden die Dinge von ganz alleine, und dann wird es auch ziemlich schnell zuviel, bzw. zuwenig, wie in No Other Love: “Set me free, Free from doubt, And free from longing.”

Aus dem -Klassiker The King and I singt  (im Original eigentlich gesungen von Lady Thiang). Es geht um einen Mann, der die Frau seines Herzens regelmäßig auf die Palme bringt. Aber zuweilen, ganz unerwartet, macht dieser Mann etwas, was seine Liebste so zauberhaft findet, dass er sich ansonsten den Rest des Jahres so bescheuert anstellen kann wie er will… Am nettesten aber sind die Zeilen: “This is a man who thinks with his heart, His heart is not always wise. This is a man who stumbles and falls, But this is a man who tries.” Das klingt doch vielversprechend.

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Premiere Anything Goes, 28.02.2013, Gärtnerplatztheater (im Deutschen Theater) – Nachtkritik

»Anything Goes« Mit der zweiten Musicalpremiere innerhalb einer Woche setzt das Team des Gärtnerplatztheaters neue Maßstäbe in der Unterhaltungsmusiktheaterlandschaft in . Obwohl beide Stücke in der gleichen Zeit spielen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Während in eher eine düstere Grundstimmung vorherrscht, regiert hier die Fröhlichkeit und die Lebenslust. Natürlich ist Anything Goes kein Stück mit Tiefgang, aber darf Musiktheater auch nicht einfach nur unterhalten? Natürlich darf es das, vor allem, wenn die Unterhaltung so gut gemacht ist wie an diesem Abend.

Ausgangspunkt für die Entstehung des Musicals war der Produzent Vinton Freedly, dem die Idee dazu auf einem Schiff kam, mit dem er sich vor seinen Gläubigern aus dem Staub machte. Er beauftragte Guy Bolton und P.G. Wodehouse damit, das Buch dazu zu schreiben, letzterer vor allem bekannt durch seine köstlichen Romane, unter anderem die Jeeves & Wooster-Serie, genial verfilmt mit Stephen Fry und Hugh Laurie. Die Story beinhaltete eine Bombendrohung und einen Schiffbruch und muss ziemlich chaotisch gewesen sein. Als wenige Wochen vor der vor der Küste New Jerseys ein Feuer auf einem Luxusliner 138 Menschen das Leben kostete, musste die Geschichte schnellstmöglich umgeschrieben werden. Da die originalen Autoren gerade nicht verfügbar waren, stammt das Libretto, so wie wir es heute kennen, von Howard Lindsay und Russell Crouse, die hier erstmals zusammenarbeiteten. Die Musik stammt von , der nach Roger Hammerstein und George Gershwin eigentlich nur die dritte Wahl war, und so ist es nur natürlich, dass sie sofort ins Ohr geht und sich da festsetzt. Praktisch jeden Song hat man schon mal in der ein oder anderen Version gehört, der Wiedererkennungseffekt ist beträchtlich und das Publikum ist von der ersten Minute voll dabei.

Das hat sich entschieden, nur die Dialoge auf Deutsch zu bringen und die Songs im Original zu belassen. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wenn man die Dialoge immer gut verstehen könnte, was insbesondere am Anfang ein bisschen schwierig ist. Überhaupt kommt das Stück erst langsam auf Touren und zu Beginn ist man etwas überwältigt von dem schieren Überangebot an visuellen Reizen. Sieht man einer kleinen Detailhandlung rechts zu, verpasst man links was. Sehr geschickt, so muss man sich das Stück mehrfach ansehen. Es lohnt sich aber wirklich, denn es ist wirklich alles perfekt erarbeitet, die Choreografien sitzen, die Bewegungen erfolgen exakt im Takt der Musik, man wird absolut mitgerissen von der prallen Lebensfreude.

Um was geht’s, wenn alles geht? Billy Crocker ist ein kleiner Wallstreetbroker, der sich in ein Mädchen verliebt. Als er seinen Boss Elisha Whitney zum Schiff bringt, das in Kürze nach England ablegen soll, sieht er das bezaubernde Wesen wieder. Er erfährt, dass sie Hope Harcourt heißt und mitsamt ihrer überdrehten Mutter und dem stinkreichenVerlobten Lord Evelyn Oakleigh, der die Familienfinanzen sanieren soll, in die neue Heimat fährt. Mit von der Partie ist auch noch seine Bekannte Reno Sweeney, eine Nachtclubsängerin, die zur Predigerin mutiert ist, sowie der Staatsfeind Nummer 13, der so gerne die Nummer 1 wäre und dessen Freundin Erma. Billy schleicht sich an Bord, um die Heirat zu verhindern und Hope für sich zu erobern. Um an sein Ziel zu kommen, muss er in die verschiedensten Rollen schlüpfen. Für die Uraufführung 1934 war diese Rolle dem Komiker William Gaxton auf den Leib geschrieben, der berühmt für seine Verwandlungskünste war. Es kommt zu den absurdesten Situationen, befeuert durch viel Wortwitz und exzellente Darsteller auf der Bühne. Und weil nicht nur der Titel, sondern auch das Motto heißt, werden die Paare bis zum Ende schön durcheinandergewürfelt.

»Anything Goes« Obwohl das Stück als Screwballcomedy daher kommt, schwingen auch sozialkritische Untertöne mit. Geschrieben kurz nach dem Ende der Prohibition und unter dem Eindruck der gerade überstandenen Weltwirtschaftskrise, sind die Gangsterverherrlichung und Bußprediger ein Thema, ist das Schiff mit Trinkern, Spielern und Betrügern bevölkert. So kann man schon darüber nachdenken, wenn Billy feststellt, dass er als kleiner Börsenmakler in das Gefängnis geworfen werden würde und man ihm als Gangster Nummer 1 den roten Teppich ausrollt. Auch wenn man darüber lacht, dass der Mann von Mutter Harcourt wie ein Gentleman gefallen ist nach dem Sprung aus dem Fenster, weil man beim Börsencrash alles verloren hat, ist das doch eine tragische Geschichte. Das hat sich mit den Jahren beständig verändert, es wurden Songs umgestellt und Cole-Porter-Schlager aus anderen Stücken eingebaut. Auch Regisseur hat eine Szene hinzugefügt und einige aktuelle Bezüge aufgenommen, die sehr gut ankamen beim Publikum. Zu lachen gibt es viel an diesem Abend, Köpplinger setzt auf Tempo und exakt getimte Abläufe. , der auch für die zeitlich passenden Kostüme verantwortlich ist, nutzt eine Drehscheibe, um das Vorderdeck des zweistöckigen Schiffes in intime Kabinen zu verwandeln. Das Schiff nimmt im ersten Teil langsam an Fahrt auf und ist dann kaum mehr zu stoppen. Ähnlich wie in gibt es auch hier leicht bekleidete Menschen, aber anders als in der wirkt es hier nicht ordinär, sondern lustig. Das Ende kommt etwas abrupt, aber nach einem so temporeichen Abend verzeiht man das gerne.

Viel zu dem schwungvollen, temporeichen Abend trägt auch die Choreografie von bei. Sie lässt das Ensemble sich die Seele aus dem Hals steppen und es gleichzeitig so leicht aussehen, dass es auch noch Spaß machen könnte. Sie gibt den Akteuren eine tolle Körpersprache von lasziv bis Czardas. Bei diesem ist wirklich alles gefragt, die Akteure müssen singen, steppen und darstellen können. Fällt nur eines unter den Tisch, geht ein Teil des Zaubers verloren. Ganz hinreißend waren auch die Projektionen von Raphael Kurig und Thomas Mahnecke. Sie beschwörten zahlreiche Stimmungen herauf und schafften es, ein Schiff, dass sich nicht vom Fleck bewegt, mal in New York, mal auf hoher See zu zeigen.

Die Rollen sind mit ziemlicher Sicherheit für diese Münchner Erstaufführung 79 Jahre nach der Uraufführung am optimal besetzt. gibt der Reno Drive, aber auch besinnliche Momente. ist eine herrlich überdrehte und dabei immer absolut süße Erma. Die Figur könnte einem auf die Nerven gehen, aber in der Interpretation von möchte man sie eher mal fest in den Arm nehmen. singt und spielt die Hope Harcourt mit sehr viel mädchenhaften Charme, kein Wunder, dass Billy ihr zu Füßen liegt. Es ist wirklich sehr schön, sie mal wieder auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters erleben zu dürfen. als ihre Mutter konnte mich anfangs nicht überzeugen, aber bei Birds do it, bees do it drehte sie dermaßen auf, dass es eine reine Freude war. Komplettiert wurde die sehr gute Frauenriege durch die tanzfreudigen Angels und als Frieda, die hervorragende Akzente setzte.

»Anything Goes« Bei den Männern ist natürlich Billy Crocker der unbestrittene Chef im Ring. spielt alle Facetten der Rolle aus und singt und tanzt dabei noch wie ein junger Gott. Naja, fast. Die Auftritte von als Lord Evelyn Oakleigh zählten für mich zu den Highlights des Abends. Er strahlte bis in den kleinen Zeh Aristokratie aus und hat doch Paprika im Blut. als Elisha Whitney ist lustig und tiefgehend zugleich, und als Moonface Martin verkörpert den etwas schmierigen Gangster perfekt. Besonders beeindruckend ist die Stimme von , der den Kapitän auf diesem Tollhaus namens M.S. Amerika mimt und Night and Day wirklich ganz wundervoll interpretiert. als Steward und neben anderen die drei Matrosen , und sowie eine engagierte Statisterie komplettieren das praktisch perfekte Ensemble. Der Hund Chuseok erwies sich als nervenstark und zeigte sich unbeeindruckt von seiner Rolle als Benjamin Franklin. Das kleine Orchester mit großer Rhythmusgruppe unter kreierte den perfekten Bigbandsound passend zum Stück, und der hauseigene Chor zeigte sich zum wiederholten Male bewegungsfreudig und sehr gut einstudiert von Jörn Hinnerk Andresen.

Am Ende wurden die Beteiligten frenetisch mit Standing Ovations gefeiert, damit waren sicher auch die vielen unsichtbaren Helfer gemeint, die Werkstätten, die diese schier unglaubliche Anstrengung zweier Premieren in einer Woche gemeistert haben, die Technik, die Kostümabteilung, die zwei Spielstätten gleichzeitig betreuen muss, die Maske, Souffleuse und Inspizient. Ein Stück zum Wiedersehen, ich bin mir sicher, auch beim dritten Besuch lassen sich noch weitere Details entdecken. Weitere Vorstellungen bis 22.03. jeweils Dienstag bis Sonntag, Karten von 25 – 60 € bei den bekannten Vorverkaufsstellen.

 

Musikalische Leitung / Regie / Choreografie / Bühne und Kostüme / Dramaturgie / Reno Sweeney / Billy Crocker / Elisha Whitney / Evangeline Harcourt / Hope Harcourt Milica Jovanović / Lord Evelyn Oakleigh / Moonface Martin / Erma / Kapitän / Steward / 1. Matrose / Reporter, 2. Matrose /Reverend Henry Swiss Dobson, 3. Matrose / 4. Matrose / Chinese Luke, 5. Matrose / Chinese John, 6. Matrose / Reinhild Reinheit, Angel / Kirsten Keuschheit, Angel / Niki Nächstenliebe, Angel / Trude Tugend, Angel / Frieda, Whitneys Sekretärin / Benjamin Franklin, Hund Chuseok

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Premiere Cabaret, 21.02.2013, Gärtnerplatztheater (in der Reithalle) – Nachtkritik

Cabaret Der Interpretationsansatz von Regisseur konnte mich trotz einiger sehr starker Szenen nicht immer überzeugen, aber eine fantastische in der Rolle der und Münchner Publikumslieblinge und als Fräulein Schneider und Herr Schultz machen den Abend zu einem Erlebnis.

Als das am 20.11.1966 am New Yorker Broadhurst Theatre feierte, stellte es etwas Besonderes dar. Die Geschichte war anspruchsvoll und die dafür geschriebene Musik war spezifisch, in diesem Fall repräsentierte sie die frühen Dreißiger Jahre in Berlin. Anders als in den restlichen Großstädten Europas tobte hier das pralle Leben, man genoss den Augenblick und dachte nicht an den Morgen. Nachtclubs schossen aus dem Boden und verschwanden wieder, die Prostitution blühte und das Erstarken der Nazis überzog alles mit einem dunklen Schatten.

Christopher Isherwoods Novelle Goodbye to Berlin wurde von John Van Druten in das Theaterstück I am a camera adaptiert, auf dem wiederum das beruht. Der Titel des Theaterstück trifft die Erzählweise sehr gut, denn es sind nur Momentaufnahmen, die hier präsentiert werden, es wird nur registriert und nicht kommentiert. Der Produzent Harold Prince kaufte die Rechte an Isherwoods und Van Drutens Werken und beauftragte mit der Umsetzung, später kamen noch und dazu, die heute allgemein als Schöpfer des Musicals gelten. Vor allem das 1987er Revival brachte einige Änderungen mit, so kam der weltbekannte Song Money dazu. Der gleichnamige Film von 1972, der allerdings nur lose auf dem beruht,  machte die junge Liza Minelli weltberühmt.

Clifford Bradshaw ist ein junger amerikanischer Schriftsteller, der nach Berlin auf der Suche nach Inspiration kommt. Im Zug aus Paris trifft er auf Ernst Ludwig, der ihm hilft, ein billiges Zimmer zu finden und ihm für den bevorstehenden Silvesterabend den Kit-Kat-Club empfiehlt. Clifford bekommt tatsächlich ein Zimmer in der Pension von Fräulein Schneider, einer ältlichen Jungfer, die Zimmer vermieten muss, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Herr Schultz, ein älterer jüdischer Obsthändler und die Prostituierte Fräulein Kost wohnen ebenfalls dort. Den Abend verbringt er tatsächlich in dem Club und trifft dort auf , eine junge Sängerin aus England. Die Nummern werden von einem Conférencier angesagt, der auch später immer wieder auftaucht. Am nächsten Tag erscheint Sally bei Cliff in der Pension, ihr Geliebter und Betreiber des Clubs Max hat sie hinausgeworfen, und zieht bei ihm ein. Monate später besteht dieses Arrangement immer noch, Sally und Cliff haben sich ineinander verliebt. ALs Sally bemerkt, dass sie schwanger ist aber nicht sicher sagen kann, ob Cliff der Vater ist, bestärkt dieser sie darin, das Baby zu bekommen und mit ihm eine Familie zu gründen. Herr Schultz macht Fräulein Schneider den Hof und wird von Fräulein Kost dabei erwischt, wie er das Zimmer seiner Vermieterin verlässt. Um den Schein zu wahren, erzählt er ihr, dass er und Fräulein Schneider bald heiraten werden. Die Vermieterin verbietet der Prostituierten, ihre Kunden mit aufs Zimmer zu nehmen und als Rache verrät diese Ernst Ludwig, der mittlerweile offen als Nazi auftritt, dass Herr Schultz Jude ist. Unter dem Druck der aufkommenden Herrschaft der Nazis sieht sich Fräulein Schneider gezwungen, die Verlobung wieder zu lösen. Cliff sieht die drohende Gefahr und möchte das Land verlassen, Sally möchte jedoch ihre Karriere im Nachtclub fortsetzen. Es kommt zum Bruch und Sally treibt das Kind ab. Sie singt im Club Life is a während Clifford im Zug sitzt und beginnt, seine Erinnerungen aufzuzeichnen.

Cabaret Das  präsentiert das in der sogenannten , ein Spielort, der leider zu wünschen übrig lässt. Der Vorraum ist sehr klein, bei ausverkauftem Haus staut sich das Publikum beim Verlassen über Treppen bis in den Zuschauerraum zurück. Es ist auch alles offen, bei ruhigen Szenen stört das Klirren der Flaschen von der Gastronomie. In der Halle ist es sehr warm und die unbequemen Plastikstühle tragen dazu bei, dass ich am Ende zumindest auf der Rückseite total nassgeschwitzt war. Zudem gibt bei den Stühlen bei einem Schwergewicht wie mir die Lehne nach, was zu einer sehr ungemütlichen Sitzposition führt. Mich lädt das nicht zu wiederholten Besuchen ein.

Die Bühne ist etwas zweistöckig mit der Band oberhalb der Spielfläche, davor sind versenkt Tische platziert, an denen Zuschauer sitzen können. Leider ist die Bühne nicht erhöht und die Zuschauerreihen steigen erst ab der vierten Reihe an, so dass ich in selbst in der zweiten Reihe keine freie Bühnensicht hatte. Das Bühnenbild () ist spartanisch, aber sehr wandlungsfähig. Zwei Spiegelwände können mal geöffnet, mal geschlossen werden und zeigen mal den Kit-Kat-Club, mal Cliffs Zimmer oder die Eingangshalle in der Pension, mal den Obstladen von Herrn Schultz. Ein paar Stühle halten für alles her und werden schon mal zum Bett. Das engt die Fantasie nicht ein und passt in den zeitlichen Kontext ebenso wie die Kostüme von . Die Choreografie von ist schwungvoll und hat starke Momente. Das Licht () besticht vor allem in den Clubszenen.

Der Kit-Kat-Club ist ein schäbiger Nachtclub und schäbig sind  auch seine Angestellten. Die Mädels treten in ausgeleierter Unterwäsche auf und auch die Jungs zeigen viel nackte Haut und Tattoos. Der Regisseur sagte in der , es soll ein Club sein, in den man nicht gerne geht, und das ist ihm wahrlich gut gelungen. Dieses ständige Betatschen männlicher und weiblicher Geschlechtsorgane und die stilisierten Geschlechtsakte sind weder antörnend noch erotisch, sondern einfach nur abstoßend. Das ist nicht lasziv, sondern schlicht ordinär. Ich kann zwar verstehen, was damit bezweckt werden soll, aber es gefällt mir nicht, und das wirkt sich leider auf das gesamte Stück aus. Und wenn sich der Conférencier bei „Gentlemen“ in den Schritt greift, hat das nach dem zweiten Mal jeden Reiz verloren. Ob das wirklich das Lebensgefühl der Zeit, in der Cabaret angesiedelt ist, wiederspiegelt, bezweifle ich. Hier wurde übers Ziel hinausgeschossen, ebenso wie bei der Figur der . So aufgedreht kann man doch nur unter schweren Drogen sein, oder? Aber wenn ich das richtig gesehen habe, schnupft sie ja in einer Szene Kokain. Mir ging sie jedenfalls mächtig auf den Keks und ich konnte bis zum Schluss, in der sie eine wirklich berührende und sehr starke Szene hatte, kein Mitleid für sie haben. Auch Ernst Ludwig, den Nazi, fand ich zu keinem Zeitpunkt sympathisch. Gleich zu Anfang schiebt er seinem Mitreisenden gefährliches Gepäck unter, wie kann ich so jemanden sympathisch finden? Irgendwie war mir das alles zu überdreht, zu laut und damit meine ich nicht die Band, die unter am Klavier wirklich hervorragend war. Bacchantisch sollte der Conférencier sein, für mich war er einfach nur eine traurige Gestalt. Dabei ist , der durch eine Erkältung gehandicapt war, was man aber nicht hörte, sehr ausdrucksstark und könnte meiner Meinung nach der Figur noch mehr Tiefe geben. Er tritt in einer Szene als Sally-Double auf, das ist schon genial.

Stark war auch das Ende der Verlobungsfeier, hier fühlte ich wirklich die Bedrohung, die von den Nazis ausgeht und sich wie ein Schatten über die Menschen legt. In diesem Stück verwandelt sich vieles, vom bezaubernd vorgetragenen Der morgige Tag ist mein durch den Hitlerjungen (überragend ) zum fast schon Kampflied, angeführt von Fräulein Kost und Ludwig Ernst. Da wird aus dem  leichten Tanztee ein stampfender Rhythmus und aus den Girls marschierende Soldaten. Absolut fantastisch war die letzte Szene der , als sie frisch von der Abtreibung kommt. spielt absolut grandios und sie singt, dass man die Tränen in ihrer Stimme hört. Die junge Österreicherin schafft die ganze Bandbreite von dem mädchenhaften, leider etwas zu überdrehten Sags nicht Mama über ein zackiges Mein Herr zu einem intensivem Maybe this time. Sie ist ein Ausnahmetalent, das ich gerne öfter auf Münchner Bühnen sehen würde. Mit und stehen ihr zwei in wohlbekannte und beliebte Sänger zur Seite, die das zweite tragische Paar wirklich ganz bezaubernd verkörpern. wirkt als Clifford Bradshaw sehr authentisch, kein Wunder, er ist ja auch erst 23 Jahre alt. Überhaupt passen die zwei Paare wirklich ganz ausgezeichnet zusammen. als Fräulein Kost, als Ernst Ludwig und in verschiedenen Rollen komplettierten das wirklich hervorragend besetzte Ensemble.

Ich habe mindestens einen weiteren Besuch geplant, ich glaube, es könnten auch noch mehr werden, der unschönen Spielstätte zum Trotz. Die abstoßenden Effekte werden sich abnutzen und was bleibt, ist ein großartiges musikalisches Erlebnis. Das Premierenpublikum feierte das Ensemble frenetisch und auch das Regieteam wurde heftig beklatscht. Wenn man nicht leicht zu schockieren ist, ein sehr sehenswerter Abend.

Musikalische Leitung / Regie / Choreografie / Bühne / Kostüme / Lichtdesign / Dramaturgie / Conférencier  / /  Cliff Bradshaw / Fräulein Schneider / Herr Schultz / Ernst Ludwig / Fräulein Kost, Rosi / Fritzi / Helga / Inge / Betti / Max, Hermann, Gorilla / Bobby / Hans, Zollbeamter / Viktor / Two Ladies , / Hitlerjunge

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Einführungsmatinee Anything Goes, 17.02.2013, Gärtnerplatztheater (im Akademietheater)

Probenfoto »Anything Goes« Unterhaltsam, sehr informativ und mit großem Aufwand – die Einführungsmatineen entwickeln sich zum echten Renner.

Diesmal ging es um die nächste Musicalpremiere, die Münchner Erstaufführung von . Was geht? Alles! Ist derzeit in des Öfteren zu lesen. Nur eine Woche nach der des Musicals in der folgt schon der nächste Streich im Zelt des Deutschen Theaters in Fröttmaning. stellte in mittlerweile gewohnt souverän-charmanter Art das Stück vor und Regisseur Josef. E. Köpplinger – den Intendanten hatte er zu Hause gelassen – erläuterte nicht nur seine Sicht auf das Stück, sondern steuerte auch erheiternde Anekdoten von der Probenzeit in Klagenfurt bei, wo er 2001 das Stück zum ersten Mal inszeniert hat. Interessierte Besucher können ja mal nach der bleibenden Erinnerung am Stadttheater Klagenfurt suchen ;-)

Die erste musikalische Einlage kam von und , sie zeigten wirklich ganz bezaubernd It’s delightful mit voller Choreografie und Teilen des Bühnenbildes. Das ist es, was den Reiz der Einführungen in dieser Spielzeit ausmacht: man bekommt nicht nur musikalische Kostproben, sondern tatsächlich schon szenische Eindrücke. Natürlich wäre so etwas in den beengten Platzverhältnissen des oberen Foyers im Stammhauses nicht möglich gewesen, aber trotzdem wird hier schon ein Aufwand getrieben, der einen Besuch unbedingt empfehlenswert macht. Wenn ich richtig gezählt habe, waren bei dieser allein 25 Personen auf der Bühne, von den “unsichtbaren” Mitarbeitern der Technik, Beleuchtung, Requisite, Möbler ganz zu schweigen. Der Zuschauer bekommt wirklich einen tiefen Einblick in die Produktion und die dazugehörige Probenarbeit, das hilft auch, die unglaubliche Anstrengung, die in einem Stück von der ersten Korrepetition bis zur stecken zu würdigen.

als Reno Sweeney riss das Publikum mit ihrer temperamentvollen Darbietung quasi von den Sitzen. Sowohl mit als Moonface Martin wie auch mit als Lord Evelyn Oakleigh als Partner rockt die sympathische Musicaldarstellerin, die es als dritte Deutsche nach Hildegard Knef und Ute Lemper an den geschafft hat, das Haus.Begleitet wurden die Solisten von Anke Schwabe.  Ein weiterer Höhepunkt dieses Vormittags war die ziemlich umfangreiche in die Kunst des Steptanzes durch die Choreografin . Wirklich sehr beeindruckend, und in den musikalischen Teilen dieser Matinee konnte man schon einen guten Eindruck ihrer schönen Choreografie gewinnen. als musikalischer Leiter ging  auf die Besonderheiten des Stückes ein. So gehen die Songs von vom Wort aus. Das und die vielen feinen Wortspiele hat wohl das Produktionsteam dazu bewogen, die Songs auf Englisch zu belassen und nur die Dialoge aus Deutsch zu bringen. Ob es eine Übertitelung gibt, blieb offen. Am Ende ging Regisseur noch auf die tierische Hauptrolle, die erst ein paar Tage zuvor vergeben worden war, ein. Damit hat er einen PR-Coup gelandet, selbst überregionale Zeitungen wie Die Welt berichteten darüber. Vier kleine Hunde werden dann in den Vorstellungen alternierend als “Benjamin Franklin” über die Bühne getragen. Sie steigen erst ab den Proben im Zelt des Deutschen Theaters ein, damit sie sich nicht an verschiedenen Spielorte gewöhnen müssen.

Diese Matinee war wirklich außerordentlich gut dazu geeignet, Lust auf die am 28.02. im Zelt des Deutschen Theaters in Fröttmaning zu machen. Weiter Vorstellungen bis 22.03. jeweils Dienstag bis Sonntag, Karten von 25 – 60 € bei den bekannten Vorverkaufsstellen.

 

 

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Dracula, 02.02.2013, Akademietheater

proudly presents: Das , aufgeführt von Studierenden des 2.-4. Jahrgangs . Die Darsteller waren mit Enthusiasmus dabei, das Publikum war begeistert, und wenn man keine Angst vor Kitsch hat, ist dieses Stück von eine feine Sache. Ich selbst bin da mittlerweile relativ schmerzfrei, aber bei der deutschen Übersetzung von bin ich dann doch hin und wieder zusammengezuckt. Die Atmosphäre auf dem Video trifft es ziemlich genau, da bräuchten Sie eigentlich gar nicht weiterlesen. Musikalisch war es streckenweise ganz klasse, streckenweise aber auch nicht, weil die Tontechnik immer noch Probleme machte. Manchmal habe ich mir die Ohren zugehalten, weil es mir zu laut war.

Das Eingangsbild war hochinteressant: wunderschöne Vampirfrauen in aufreizender Kleidung und lasziven Posen, die (trotzdem oder deswegen) auf mich völlig steril und unsexy wirkten. (Was übrigens zur Handlung passt, so ist es nicht.) Nachdem ich leider zu den Frauen gehöre, die ihr Gehirn benutzen müssen, wenn sie gut aussehen wollen, fand ich diesen Effekt faszinierend. Kurz hatte ich eine Vision von einem Mann, der gelangweilt durch ein Luxusbordell wandert, sich schließlich in der Küche an die Spüle lehnt und dem Küchenmädel Gedichte von Baudelaire im französischen Original vorträgt … Sie entschuldigen meine schmutzige Fantasie, ich schweife ab. Irgendwie hatte das Ganze Ähnlichkeit mit einem Softporno, obwohl die Hauptfiguren durchaus differenziert gezeichnet waren. Vielleicht, weil sich die klassische Frage (wie nähere ich mich jemandem, ohne ihm zu nahe zu treten) bei Vampiren nicht stellt. Naja, jeder so wie er kann. Insofern finde ich die aktuelle Sexismus-Debatte fast komisch, weil da jeder Leitartikler von irgendwelchen Politikern erwartet, dass sie für irgendwelche Zufallsbekanntschaften im Dirndl mehr Sensibilität aufbringen sollen als die Frau Gemahlin das in soundsovielen Jahren Ehe jemals erlebt hat. Wünschen darf man sich ja alles, aber realistisch ist das nicht… Graf braucht aber nicht sensibel sein, Mina und Lucy schätzen seinen Sex-Appeal. Die anderen Männer sahen aber auch gut aus. Bis auf einen: Völlig unsexy und absolut brilliant war der verrückte Renfield, an dem sich ein fantastischer Maskenbildner verwirklicht hatte. Hin-rei-ßend in jeder Hinsicht die beiden Gargoyles, Steinstatuen mit Monsterkopf, auch bekannt als Wasserspeier. Tolle Bewegungen, und ein tolles Kostüm. Die würde ich mir gerne jede Woche ansehen.

. von . Texte: , Christopher Hampton. Übersetzung: . Musikalische Leitung: . Inszenierung: . Choreografie: . Bühnenbild: . Kostüme:

Jonathan Harker: . Graf : . Mina Murray: . Renfield: . Dr. Jack Seward: . Lucy Westenra: . Quincey Morris: . Arthur Holmwood: . Prof. van Helsing: . 1.-3. Vampirin: , , . Ensemble: , , , , . Kind: Maya Kühner.

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La Cage aux Folles, 21.10.2012, Staatstheater Darmstadt

Am 21.10.2012 besuchte ich die Nachmittagsvorstellung des Musicals () im . Die Produktion stammt vom Intendanten des Theaters, dem Regisseur . Er gestaltete einen sehr unterhaltsamen Theaternachmittag, findet aber immer im richtigen Moment, an den Stellen, wo es ernst wird, die Ruhe der Bühne. Die Aussage über Toleranz in diesem Stück wird sonst leicht vom bunten Geschehen auf der Bühne erschlagen. In dem schlichten aber sehr wirkungsvollen Bühnenbild von entfalten sich die phantasievollen und in allen Farben schillernden Kostüme der Darsteller, entworfen von .

Zu den Solisten: Die Hauptpartie Albin/Zaza war mit , einem wunderbaren Musicaldarsteller und Tänzer, treffsicher besetzt: In Darstellung, Timing und Gesang begeisterte er die Zuschauer vom ersten bis zum letzten Moment der Aufführung. Dicht an seiner Leistung war der Tenor , als Albins Lebensgefährte Georges, der auch nach 20 Jahren Partnerschaft noch in Albin verliebt ist. In den weiteren Rollen überzeugten (Tenor) als Jean-Michel, Sohn von Albin, die junge Sopranistin (Anne), als Abgeordneter Edouard Dindon und als Marie Dindon. In der Rolle der Restaurant-Besitzerin Jaqueline machte eine gute Figur.

Alle Hände voll zu tun hatte der Choreograph . Er brachte mit seinen abwechslungsreichen Einfällen für die Darsteller der “Cagelles” viel Schwung auf die Bühne. Im Graben sorgte das gut aufgelegte mit Dirigent für heitere Stimmung im Theater. Vom Publikum gab es stehende Ovationen!

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Einführungsmatinée: Das Dschungelbuch, 18.11.2012, Gärtnerplatztheater (im Akademietheater)

Da waren eine ganze Menge Musicalprofis auf der Bühne. Auch der Zuschauerraum im war rappelvoll, hauptsächlich mit Kindern und Großeltern, alle sehr artig. Das kann man durchaus schon als Jugendarbeit verbuchen: Die Dramaturgin führte sehr liebenswürdig und kindgerecht durch diese Veranstaltung, aber natürlich war das nicht die Sendung mit der Maus, sondern die mit Bär, Panther und Schlange. Der Darsteller des Mogli sang zwar nicht, sondern erzählte nur von seiner Ausbildung – aber mit einer ungewöhnlich schönen Sprechstimme. Ansonsten purzelte er sehr akrobatisch über die Bühne. Man darf gespannt sein auf die Gesamt-Choreografie der Regisseurin , das sah vielversprechend aus. Balu und Kaa sangen und tanzten (natürlich nicht im Duett, die beiden sind sich ja spinnefeind), und dann gab es noch ein Ensemblestück, das war sehr mitreißend und machte richtig Laune.

Was haben wir also heute gelernt? kann Klavier spielen, hat eine sehr ansprechende ausgebildete Musicalstimme, und, liebe Kinder, schaut genau hin, wie die Großen es machen: Im Theater trägt man Jeans. Am faszinierendsten fand ich aber, wie der Bühnenbildner  aus dem Nähkästchen plauderte, beziehungsweise von der Werkstattarbeit erzählte: Die Kostümbildnerin  hat tolle Kostüme entworfen, die Zeichnungen waren farbenfroh und verspielt, denn außer dem Menschenjungen Mogli treten ja nur Tiere auf. Die Entwürfe für das Bühnenbild gefielen mir supergut, wobei mir erfahrungsgemäß oft der vorletzte Entwurf noch mehr zusagt als die endgültige Version, aber da lasse ich mich einfach mal von dem Bühnenbildner meines Vertrauens überraschen. Logischerweise spielt im Dschungel kein Sinfonieorchester, sondern es ist eher ungewöhnlich instrumentiert, mit Keyboard, Saxophon, Geige, Gitarre, Hupe und natürlich Percussion … die anderen Instrumente habe ich vergessen, aber sehr viel mehr waren es auch nicht. Das wird gut werden, ich freue mich schon auf die . Meine Blog-Kollegin wird ihr Premieren-Double schicken, allerdings aus organisatorischen Gründen, sie ärgert sich schon. Aber es gibt ja genügend Termine.

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Einführungsmatinée: Im Weissen Rössl, 30.09.2012, Gärtnerplatztheater (im Akademietheater)

Im Weissen Rössl Na, das lässt sich ja schon mal sehr vielversprechend an. Ich bin anscheinend der einzige Mensch in Deutschland, der das Weisse Rössl noch nie gesehen hat. Wenn das Stück genauso charmant und abwechslungsreich ist wie die Einführungsmatinée dazu, dann ist das tatsächlich eine Bildungslücke, die schnellstens aufgefüllt gehört: ist am 11. Oktober. Eines der vielen Highlights bei dieser sehr unterhaltsamen Veranstaltung war , der einem breiteren Publikum als Kommentator des Wiener Opernballs bekannt ist. Mit österreichischem Charme und Esprit erzählte er von dem “Vaterschaftsprozess” des Weissen Rössls. In diesem Fall hat der Erfolg sehr viele Väter, nämlich viele große Namen der damaligen Unterhaltungsbranche, die ich alle sofort wieder vergessen habe (das war nämlich vor meiner Zeit).

Es fängt an im Jahre Achtzehnhundertweißkohl, mit der Uraufführung des Stückes 1897. Im Jahr 1926 gab es einen Stummfilm, und die Uraufführung der war 1930 (das Jahr, in dem auch der Tonfilm aufkam). Das Weisse Rössl wurde ein riesiger internationaler Erfolg, mit sehr großen, teuren Produktionen (in der englischsprachigen Welt lief es als The White Horse Inn). Die besten Leute haben sich damals des Unterhaltungstheaters angenommen, und auch der Regisseur ist der Ansicht, dass Theater ganz generell und prinzipiell unterhalten muss. Da bin ich unbedingt seiner Meinung: schlafen kann man auch zuhause. Herr Köpplinger sagte, dass der Regisseur im Dienst des Werkes stehen soll. Seiner Erfahrung nach wirkt die Originalfassung meistens am besten, so auch in diesem Fall: Das Weisse Rössl ist eine Berliner , ein Lustspiel im Stil der “Roaring Twenties”, also der wilden 20er Jahre. Die Originalfassung von 1930 war zwischenzeitlich verloren gegangen und wurde erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. Die Fassung, die wir in zu sehen bekommen, ist musikalisch spritzig und rasant, frech und fast subversiv im Tonfall. Sie unterscheidet sich deutlich von der gediegenen Variante, die das Publikum kennt: Es wurde ein Ausschnitt aus dem Film mit Peter Alexander von 1960 gezeigt (der aber mit seinem Retro-Look durchaus auch heute noch seinen Charme hat).

Die Uraufführung dauerte über vier Stunden, mit einem Riesen-Orchester (hat er tatsächlich “zweihundert” gesagt?) und der unglaublichen Zahl von 400 Mitwirkenden. Man braucht nicht weiter zu erwähnen, dass das Weisse Rössl damals in Berlin eine Sensation war. , nicht nur Regisseur dieses Stückes sondern auch neuer Intendant des Gärtnerplatztheaters, bietet in dieser Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit 104 Mitwirkende auf, die das Publikum zweieinhalb Stunden lang unterhalten werden. (Achtung: Da das Stammhaus renoviert wird, wird das in der nächsten Spielzeit an vielen Spielstätten in spielen, bloß nicht am selbst. Das Weisse Rössl wird im Zelt des Deutschen Theaters in Fröttmaning aufgeführt.) Bei der Uraufführung 1930 waren schon Riesen-Mikrofone in Blumenkübeln oder so versteckt, heute ist die Technik etwas weiter.

Der gutaussehende Dr. Otto Siedler sang mit seiner entzückenden Ottilie alias das Duett “Mein Liebeslied wird ein Walzer sein”. Liviu Petcu begleitete am Klavier. Der Tenor ist seit vielen Jahren eine feste Größe am Münchner und beim Publikum sehr beliebt. Er erzählte, dass diese Rolle des Doktor Siedler tatsächlich sein Berufseinstieg war, die erste Rolle nach dem Gesangsstudium in Würzburg. Sigismund und Klärchen, das zweite Pärchen auf der Bühne, werden dargestellt von und . sah etwas zerknittert aus, aber einen schönen Mann kann nichts entstellen, nicht mal ein Besuch auf dem Oktoberfest. Er ist ein Wahlmünchner, der seine Berliner Schnauze beim besten Willen nicht verbergen kann. Bis auf mich kennt ihn in anscheinend jeder Theaterbesucher (Sprechtheater allerdings), aber ich habe eine Zeitlang im Ausland gelebt. Im Fernsehen sehen kann ich ihn auch nicht, weil auf meinem Fernseher so eine dicke Staubschicht liegt. (Ja, ich bin tatsächlich blond, weshalb fragen Sie?) Im Gegensatz zum schönen Sigismund ist ein echtes Münchner Kindl, derzeit abonniert auf die Partie der dümmlichen aber ganz reizenden Blondine – eine Charakterrolle, die meistens schwerer zu spielen ist als die der intellektuellen Brünetten. Die beiden sangen ein sehr hübsches Duett, aber ich habe vergessen, was es war. Ich war mit Gucken beschäftigt, und Blondinen können ja bekanntlich nicht alles gleichzeitig machen.

Es wird allerdings der Leopold sein, der die Herzen der stolzesten Frauen brechen wird. Was für ein süßer Bengel! Eine Fotostrecke mit dem in der Bravo-Girl, und dann gehen auch die blasiertesten fünfzehnjährigen Mädels ganz freiwillig ins Musiktheater. – Obwohl, nein, blöde Idee, bloß nicht, das lassen wir besser! Der Oberkellner Leopold hat sowieso nur Augen für seine Wirtin, die Josepha Vogelhuber. “Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden”, singt er und fällt vor ihr auf die Knie. Hach, Romantik pur! Die einzige, die das kalt lässt, ist Josepha; die will kein Herz geschenkt haben, sondern sie will nur, dass er seine Arbeit tut. ist vermutlich der überqualifizierteste Leopold in der Geschichte dieses Stücks: Man braucht gar keine so große Stimme, um den Leopold zu singen; aber wenn er sie nun mal hat, beschwere ich mich auch nicht. , die Gastwirtin, ist zwar dunkelhaarig, aber sie hat so eine tolle Ausstrahlung, dass man darüber großzügig hinwegsehen kann. In Wien ist sie ein Star, in zwar noch unbekannt, aber das wird sich ändern. Sogar gab sich die Ehre, erzählte ein paar Anekdoten und zeigte im Gespräch eher beiläufig einige Kostproben seines beachtlichen Könnens. Er wird den Kaiser darstellen; der Bart ist noch in Arbeit, aber bis zur wird er lang genug sein. Insgesamt dauerte diese kurzweilige zwei Stunden, da bekam das Publikum wirklich etwas geboten. Diese Operettenlustspielrevue wird amüsanter als ich dachte.

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Premiere: Bésame Mucho, 12.09.2012, Deutsches Theater – Nachtkritik

BÉSAME MUCHO (18-02-2011) Mitreißende Salsa-Rhythmen, attraktive Tänzer. Wunderschöne Frauen, knapp bekleidet, mit Beinen bis zum Boden. Eine tolle Choreografie von der Regisseurin  - insgesamt eine spritzige Produktion, die gute Laune macht. Strenggenommen war es keine , sondern eine Wiederaufnahme, aber geschenkt. Auf meiner Eintrittskarte stand jedenfalls “”. Passenderweise habe ich heute von einer Studie der Université Libre in Brüssel gelesen, bei der man herausfand, dass eine Frau in Dessous als Sexualobjekt betrachtet wird (wer hätte das gedacht!) – ein Mann in Unterwäsche wird dagegen immer noch als Mensch wahrgenommen, und zwar von Männern genauso wie von Frauen. Ich nehme doch an, die betreuenden Psychologen waren von den Ergebnissen der Studie entsetzt: Dieser grassierende Sexismus in unserer oberflächlichen Gesellschaft! Schrecklich, grauenvoll, fürchterlich! Wobei ich leider sagen muss: Das Resultat überrascht mich nicht besonders – ich selber ticke auch so. Es gibt nämlich sehr viele Frauenkörper, die verdammt sexy aussehen – bei den meisten Männerkörpern dagegen muss man schon die inneren Werte mitrechnen, wenn man sich daraus ein Sexsymbol konstruieren will. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ein Mann mit einem richtig guten, durchtrainierten Oberkörper ganz genauso als Sexualobjekt gesehen wird.

Womit wir wieder bei dieser Produktion wären: Die Bühne war vollgestopft mit großartigen Tänzern und einer sehr guten Band. Gesungen wurde (für ein ) auch sehr gut. Die Handlung versteht man besser, wenn man Spanisch kann, aber im Prinzip ist sie nicht weiter wichtig: ein netter Vorwand, um kubanische Lebensfreude zu verbreiten. Eduardo verlobt sich mit Camila. Camila ist eines dieser perfekten Geschöpfe, die Gott geschaffen hat, nachdem er zuvor drei Milliarden Probeexemplare produziert hatte. Eduardo – nun, Camilas Mama kann ihn nicht leiden und schickt die Tochter also fort, ins ferne Madrid. Der verlassene Eduardo tröstet sich schließlich mit Maria, die schon lange hinter ihm her ist und ihn mit vollem Körpereinsatz erobert. Wer auf die abstruse Idee gekommen ist, ausgerechnet diese Frau mit diesem Mann zusammenzuspannen, ist mir nicht so ganz klar. Eduardo hat die Kopfhaltung einer Schildkröte und den Blick eines Dackels. Charisma definiert man auch in anders. Maria dagegen ist eine dunkle Schönheit, mit dem intensiven Blick, dem spöttischen Lächeln und der lasziven Körpersprache von Peta Wilson (das ist zwar eine blonde australische Schauspielerin, aber die Ähnlichkeit war trotzdem frappierend). Camila kehrt dann irgendwann nach zurück, kommt wieder mit Eduardo zusammen, Friede, Freude, Eierkuchen.

BÉSAME MUCHO (18-02-2011) Ich hatte irgendwie mit einem Showdown gerechnet, aber es wurde dann einfach noch ein bisschen gesungen und getanzt. Das ist sehr löblich, und für das Herz ja auch in jeder Hinsicht gesünder. Wer einen Hang zum großen Drama hat, der ist erfahrungsgemäß in der Oper besser aufgehoben als im : Niemand hat sich hier in sein Schwert gestürzt, keiner wurde im Affekt erdolcht oder aus Verzweiflung vergiftet. Es war aber trotzdem sehr schön. Und ich habe mal wieder festgestellt: Bauch, Beine, Po ist ja ganz wunderbar fantasieanregend (oder entsprechend bei Männern: Schultern, Bizeps und Sixpack). Was mich aber wirklich fasziniert, ist ein gewisser Blick und ein gewisses Lächeln.

 

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