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Heute hier, morgen dort – Abschiedsgala, 22.04.2012 (20.00 Uhr), Gärtnerplatztheater

Abschied Selten hat ein Songtext auf eine Situation besser gepasst als dieser. Es war ja nicht nur ein Abschied von einem liebgewordenen Haus, sondern auch von vielen liebgewordenen Menschen. Meine Theaterleidenschaft begann im Mai 2007 und so konnte ich an diesem Abend viele Stücke noch mal Revue passieren lassen. In diesem Haus habe ich gelernt zu sehen, zu hören, zu fühlen und Gefühle zuzulassen. Ich bin sehr dankbar, dass ich so viel Neues kennenlernen durfte. Ich werde sicher noch viele Jahre davon profitieren.

Die musikalische Leitung dieses Galaabends hatten Lukas Beikircher, Andreas Kowalewitz, Jörn Hinnerk Andresen und Liviu Petcu inne. Die meisten Stücke wurden vom Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz begleitet, das damit mal wieder seine Vielseitigkeit und Ausdauer unter Beweis stellte. Die Choreografie des TTM stammte von Hans Henning Paar, der Chor wurde von Jörn Hinnerk Andresen einstudiert, die wahrlich nicht leichte Aufgabe der Programmkoordination hatte Gabriele Brousek zu bewältigen. Für die szenische Einrichtung und Spielleitung zeichnete Thomas Schramm verantwortlich, am Inspizientenpult saß Andreas Ehlers. Rolf Essers beleuchtete ganz ausgezeichnet und Dirk Buttgereit und Daniel Ployer betreuten den Ton hervorragend.

Der Abend begann mit einem Stück, mit dem ich auch meine erste aktive Erinnerung an das schönste Theater Münchens verbinde. Irgendwann in den Neunzigern hatte ich hier eine MY FAIR LADY gesehen und bis heute ist es eines meiner Lieblingsstücke. Marianne Larsen, die die Rolle der Eliza lange hervorragend verkörpert hat, trat im Kostüm ihrer anderen Glanzrolle auf: Mrs Lovett aus SWEENEY TODD. In diesen beiden Partien konnte sie ihr großartiges Musicaltalent voll ausspielen, wollte man mehr davon sehen, musste man ziemlich weit nach Osten fahren. Sie bot ihrer würdigen Rollennachfolgerin Milica Jovanovic dann auch Pasteten an, die erste war voll Alkohol (was da wohl drin war 😉 ), die letzte war marode und das war natürlich ganz klar das Gärtnerplatztheater. Unterstützt wurden die beiden von Sebastian Campione, Cornel Frey, Hans Kittelmann, Holger Ohlmann und dem Herrenchor.

Nach einem Prolog von Thomas Peters ging es weiter mit dem Überraschungserfolg DIE PIRATEN VON PENZANCE von Gilbert & Sullivan. Diese Stück hat bei mir das Interesse für die Musik des genialen Duos geweckt und seitdem beschäftige ich mich intensiv damit. Wenn das Kampfsignal ertönt schmetterten Thérèse Wincent, Frances Lucey, Ulrike Dostal, Martin Hausberg, der Chor und die Bobbies tanzten ein letztes Mal dazu. Als Schmankerl folgte dann noch das beliebteste Terzett im G&S-Kanon, Als Du uns schnöd verlassen hast, wie immer hinreißend vorgetragen von Rita Kapfhammer, Holger Ohlmann und Robert Sellier.

Sandra Moon sang Tschaikowsky, begleitet von Andreas Kowalewitz, und Neel Jansen und David Valencia zeigten Twin Shadow aus AUGENBLICK VERWEILE. Und weil so ein Dirigent auch wieder von der Bühne in den Graben muss, suchten in der kleinen Pause bis zum nächsten Stück drei fesche Herren im Bademantel die Sauna.

Das Warten hatte sich gelohnt, denn als nächstes stand Gary Martin mit To dream the impossible Dream aus DER MANN VON LA MANCHA an. Schade, dass ich das Stück nie live gesehen habe. Sebastian Campione brachte danach das Haus zum Kochen mit einer extralangen Version seiner Beatbox aus VIVA LA MAMMA. Im Anschluss unterlegte er dann auch noch den etwas abgewandelten Küchenrap aus der OMAMA IM APFELBAUM rhythmisch. Thérèse Wincent und Susanne Heyng zeigten nochmals, dass sie es drauf haben.

Der Chor sang danach Universal Good aus CANDIDE, noch ein Stück, bei dem ich mich ärgere, es nicht gesehen zu haben. Der nächste Programmpunkt, angekündigt durch Hans Henning Paar und Ursula Pscherer, hatte einige interessante Komponenten: konzipiert und einstudiert wurde das Stück von Artemis Sacantanis, ehemalige Solotänzerin und nun Probenleiterin am Haus. Ihr zur Seite standen ehemalige Tänzer des Gärtnerplatztheaters, die jetzt in anderen Berufen am Haus, zum Beispiel Orchesterwart, Probenleiterin oder Leiterin der Kinderstatisterie beschäftigt sind. Ihre Wandlung von „Auf der Bühne“ zu „Hinter der Bühne“ drückte sich sehr schön im Titel inVISIBLEs aus.

Thomas Peters, der am Haus in vielen, vielen Rollen glänzte (unter anderem Freddie in MY FAIR LADY, Dirigent in ORCHESTERPROBE, Toby in SWEENEY TODD und ganz besonders Frosch in der FLEDERMAUS) erinnerte nochmal an sein bezauberndes Stück SHOCKHEADED PETER mit dem Song Der fliegende Robert. Leider habe ich es nur einmal gesehen, anfangs war ich noch nicht ganz so süchtig, zuletzt war ich ja durchschnittlich an vier Abenden in der Woche im Gärtnerplatztheater. Ursache dafür war die Vielfalt und das interessante Programm des Hauses – und das wunderbare Ensemble.

Sehr bewegend war auch der persönliche Abschied von Gunter Sonneson mit Hier im Grandhotel. Ich bin sehr froh, diesen Ausnahmekünstler noch fünfmal als John Styx in ORPHEUS IN DER UNTERWELT erleben zu dürfen. Halt nur leider nicht in München, sondern in Heilbronn.

Im letzten Stück vor der Pause hatten die drei Herren endlich die Sauna gefunden. Das Schiff aus der L’ITALIANA IN ALGERI ist zwar schon vor ein paar Wochen gesunken, aber die beliebteste Szene hatte man offensichtlich retten können. Für Publikumsliebling Stefan Sevenich natürlich ein Heimspiel, für seine beiden Begleiter Cornel Frey und Juan Fernando Gutiérrez hätte ich mir jedoch einen etwas „würdigeren“ Abschied gewünscht.

Zu Beginn des zweiten Teiles erinnerten das Preludio und die Arie Tu del mio Carlo al seno, wunderbar vorgetragen von Elaine Ortiz Arandes, an die sehr gelungene Inszenierung von I MASNADIERI. Das Schlussbild von HÄNSEL UND GRETEL gibt zwar einen wunderbaren Auftritt des Kinderchores her, aber die Solisten Rita Kapfhammer, Ann-Katrin Naidu, Thérèse Wincent und Gary Martin standen etwas verloren herum. Ich kann nur hoffen, dass diese zauberhafte Produktion wiederaufgenommen wird und nicht zu Gunsten einer Eurotrashregie in der Versenkung verschwindet. Das Balkon-Duett aus ROMEO UND JULIA wurde von Hsin-I HUANG und Marc Cloot sehr ansprechend getanzt, wenn mal keine Blätter auf der Bühne rascheln oder unaufhörlich Schnee fällt, gefällt mir moderner Tanz sogar fast.

Der scheidende Staatsintendant Dr. Ulrich Peters hielt eine persönlich gehaltene Abschiedsrede und ich kann mich seinen Worten nur anschließen: das Ensemble in Zeiten der Heimatlosigkeit aufzulösen ist in meinen Augen ein schwerer Fehler. Damit und mit der anscheinend unvermeidlichen Ablösung des im Stadtbild mittlerweile fest verankerten Logos nimmt man der Institution zumindest einen Teil ihrer Identität.

Im Anschluss sangen Franziska Rabl und Ella Tyran mit Unterstützung des Chores die Barcarole aus HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN, auch ein Stück, dass schon länger zurück liegt und das ich nicht gesehen habe. Im FREISCHÜTZ war ich trotz der schrecklichen Inszenierung ziemlich oft, was für die Qualität der Sänger spricht. Christina Gerstberger und Sandra Moon sangen das Duett Ännchen-Agathe vom Beginn des zweiten Aktes. Das Duett Hans-Kezal gehört zu meinen Lieblingsstücken aus DIE VERKAUFTE BRAUT und es war schön, Derrick Ballard und Tilmann Unger damit noch einmal zu hören. Es folgte das Quintett aus der ZAUBERFLÖTE, gesungen von Sandra Moon, Ann-Katrin Naidu, Franziska Rabl, Daniel Fiolka und Robert Sellier. Danach kam noch ein Ausschnitt aus AUGENBLICK VERWEILE und da war ich dann doch ganz froh, dass ich es nicht gesehen habe, denn bei so schnell vorbeihuschenden Szenerien wird’s mir immer schlecht, ganz abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, was im Kreis laufen mit modernem Tanz zu tun hat.

Im Anschluss gabs noch das schöne Duett Marie-Wenzel aus DIE VERKAUFTE BRAUT, Stefanie Kunschke und Hans Kittelmann wären auch ein prächtiges Paar gewesen, wenn sie sich nicht jeweils anders entschieden hätten. Der Weibermarsch aus DIE LUSTIGE WITWE machte nochmal so richtig Laune. Daniel Fiolka, Sebastian Campione, Mario Podrečnik, Robert Sellier, Gunter Sonneson, Tilmann Unger und Martin Hausberg mussten sich mit der geballten Weiblichkeit des Theaters zu einer schönen Choreographie von Fiona Copley auseinandersetzen. Thomas Peters hatte noch einen allerletzten Auftritt als Frosch, seine Paraderolle, bevor mit Tutto nel mondo è burla (Alles ist Spaß auf Erden) aus FALSTAFF ein positiver Schlusspunkt gesetzt wurde. Heike Susanne Daum, Sandra Moon, Christina Gerstberger, Ella Tyran, Ann-Katrin Naidu, Franziska Rabl, Gregor Dalal, Martin Hausberg, Hans Kittelmann, Gary Martin, Mario Podrečnik, Robert Sellier und der Chor machten Lust auf die nächste Premiere am 18.05., dann im Prinzregententheater. Am Ende winkten Publikum und Ensemble sich gegenseitig mit weißen Taschentüchern zu und nicht nur bei mir flossen ein paar Tränen.

Mir bleibt nur Danke zu sagen. Danke an alle Beschäftigten des schönsten Theaters Münchens, die für mich die letzten fünf Jahre zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Ich werde die Erinnerung an diese Zeit immer in einer ganz speziellen Stelle meines Herzens bewahren. Danke für viel Heiterkeit und viele Tränen. Danke für emotionale, aufwühlende Stunden und für Lehrreiches.

Danke für so viel Schönes, liebes Gärtnerplatztheater.

 

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Von Frauen, Liebe und Leben, 15.04.2012, Gärtnerplatztheater

Robert Schumanns Liedzyklus Frauenliebe und -leben beschreibt ein für die Romantik wohl typisches Frauenleben von der ersten Liebe bis zum Tod des Ehemannes. Er erfordert von der Sängerin viel stimmliches Ausdrucksvermögen, um die verschiedenen Emotionen von Verliebtheit bis Trauer gut transportieren zu können. Wer jemals Rita Kapfhammer live auf der Bühne erlebt hat, weiß, dass ihr dieser Zyklus quasi auf den Leib geschrieben ist. Von Henning Kussel am Flügel wurde sie einfühlsam begleitet.

Danach sang Stefanie Kunschke Vier Lieder op. 2 von Arnold Schönberg. Ich bin ja nicht so der Experte im Liedgesang, also genauer gesagt eigentlich blutige Anfängerin, aber mir hat der klare Sopran von Frau Kunschke in diesen Liedern ausgesprochen gut gefallen. Weiter ging es nach der Pause mit Sechs deutsche Lieder op. 48 von Edvard Grieg, ebenfalls von Stefanie Kunschke gesungen. Auch hier überzeugte sie mich mit ihrem einfühlsamen und doch ausdrucksstarken Gesang.

Das Schmankerl des Abends hatten sich die beiden Sängerinnen jedoch bis zum Schluss aufgehoben: Duette von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Beide Stimmen harmonierten so wunderbar miteinander, dass man sich schon fragen muss, warum man diese Kombination nicht öfter gehört hat. Vor allem die Zugabe, das Herbstlied op. 63 Nr 4 nach einem Text von Karl Klingemann, rührte mich fast zu Tränen, nicht nur die Ausführung war sehr schön, sondern auch der Inhalt.

Ach, wie so bald verhallet der Reigen,
Wandelt sich Frühling in Winterzeit!
Ach, wie so bald in trauendes Schweigen
Wandelt sich alle die Fröhlichkeit!
Bald sind die letzten Klänge verflogen!
Bald sind die letzten Sänger gezogen!
Bald ist das letzte Grün dahin!
Alle sie wollen heimwärts zieh’n!

Wandelt sich Lust in sehnendes Leid!
War’t ihr ein Traum, ihr Liebesgedanken?
Süss wie der Lenz, und schnell verweht?
Eines, nur eines will nimmer wanken:
Es ist das Sehnen, das nimmer vergeht.

Karl Klingemann (1798-1862)

Kann es einen schöneren Abschied von den Foyerveranstaltungen geben?

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Faschingskonzert, 21.02.2012, Gärtnerplatztheater

Andreas Kowalewitz und das Orchester eröffneten den Abend mit dem Hauptthema des Te Deums in D-Dur von Marc-Antoine Charpentier, weithin bekannt als sogenannte Eurovisionsmelodie. Danach gab es ein Uraufführung eines Werkes von Charles Kalman, der anwesend war. La Parisienne hieß der Walzer und lies tatsächlich so etwas wie Pariser Frühlingsluft durch das schönste Theater Münchens wehen.
Danach folgte das fast schon obligate Musikquiz, diesmal allerdings in neuer Form: Nationalhymnen sollten erkannt werden, ganz ehrlich, ich hätte keine einzige gewusst. Erschreckt haben mich allerdings die Leute, die um mich rum sassen. Da wurde debattiert und sich unterhalten, als würde man sich im Café befinden und im Hintergrund klimpert einer auf dem Klavier. Ich finde so ein Verhalten respektlos gegenüber denjenigen, die vielleicht viel Arbeit in so einen Abend gesteckt haben und auch in diesem Moment arbeiten.
Ähnlich wie mir ging es wohl den Kandidaten. Bei der Auflösung kamen teilweise die Botschaftsvertreter des jeweiligen Landes auf die Bühne und Marianne Larsen sang die Hymne ihres Heimatlandes Dänemark. Sozusagen außer Konkurrenz sang Cornel Frey dann noch den Schweizer Psalm, ziemlich anspruchsvoll für eine Nationalhymne. Nachdem es einen Gleichstand bei den Punkten der Kandidaten gab – oder auch nicht, ich bin da nicht so ganz durchgestiegen – sollte passend zum Thema Fußball EM ein Torwandschießen das Quiz entscheiden. Hier bekam Andreas Kowalewitz neben seinen beiden bezaubernden Assistentinnen prominente Unterstützung: Sepp Maier, die Katze von Anzing, stand ihm zur Seite und versorgte die Kandidaten mit Profitipps. Nicht nur ein toller Fußballer, sondern auch ein begnadeter Entertainer. Ich habe bisher nicht gewusst, dass Torwandschießen so unterhaltsam sein kann. Nachdem er dann auch mal dirigieren durfte, natürlich den Bayerischen Defiliermarsch, ging es nach einer unterhaltsamen ersten Hälfte in die Pause.
Den zweiten Teil eröffneten die beiden reizenden Assistentinnen, die sich als Geigerinnen entpuppten. Danach spielte eine Putzfrau mit fesche Wadln auf einer roten Posaune und Rita Kapfhammer sang eine herrliche Parodie der Schönheitskönigin von Schneizlreuth. Es folgten weitere Musikstücke wie das Katzenduett von Rossini, Casta Diva aus Norma von Cornel Frey, die Arie von Frau Fluth aus den Lustigen Weibern von Windsor von Stefanie Kunschke und das Couplet der Herzogin von Gerolstein von Rita Kapfhammer. Geleitet wurde das Orchester in diesem Teil von Lukas Beikircher, die Solisten begleitete teilweise Martin Steinlein am Flügel. Das war ein herrlicher Spaß, am Ende gab es viel Applaus und eine Zugabe, den Galop Infernal aus “Orpheus in der Unterwelt”, das man ja diese Spielzeit leider nur noch außerhalb Bayerns zu Gesicht bekommt.
Leider war dies auf absehbare Zeit das letzte Faschingskonzert im schönsten Theater Münchens. Aus is und gor is, und schad is, daß wor is!

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Ist wie ein Gruß vom Himmel, 05.02.2012, Gärtnerplatztheater

Ein reines Richard Strauss Programm mit dem Titel “Ist wie ein Gruß vom Himmel” war im Foyer des Gärtnerplatztheaters zu erleben. Gleich drei Solistinnen des Hauses, Sandra Moon, Stefanie Kunschke und Ann-Katrin Naidu, hatten ein Konzert mit Liedern und Ausschnitten von Bühnenwerken zusammengestellt. Am Flügel beeindruckte solistisch und auch in der Begleitung der Stimmen Liviu Petcu.

Zu Beginn des Nachmittages stand das Terzett Najade/Dryade/Echo aus Ariadne auf Naxos (1912) mit anschließendem Duett Komponist/Zerbinetta, gesungen von Frau Naidu und Sandra Moon. Stefanie Kunschke interpretierte dann mit schöner Mittellage zwei Lieder, Nichts und Die Zeitlose. Im weiteren Verlauf des Konzertes hörte das Publikum Allerseelen, Die Nacht sowie Zuneigung ausdrucksstark gesungen von der Mezzosopranistin Ann-Katrin Naidu. Diese Lieder sind nach den Texten von Hermann von Gilm im Jahr 1883 entstanden. Der berührende und innige Sopran von Sandra Moon ließ September aus Vier letzte Lieder erklingen.

Der Pianist Liviu Petcu brillierte mit einem Stück aus Fünf Klavierstücke op. 3 Nr.1 (1881) und der Träumerei für Klavier op.9 Nr.4 (1882); es machte viel Freude, diese Stücke von ihm zu hören. Mit einem Duett aus Arabella präsentierte sich Stefanie Kunschke als Arabella und Sandra Moon als Schwester Zdenka. Dramaturg Christoph Meier-Gehring führte durch das Programm. Es machte ihm sichtlich Spaß, immer wieder Geschichten und Briefwechsel zwischen Richard Strauss und seiner Frau Pauline zu zitieren, aber auch zwischen Strauss und Hugo von Hoffmannsthal, dem Textdichter vieler Strauss-Opern. Das war sehr unterhaltsam!

Der Rosenkavalier, uraufgeführt 1911, darf bei einem reinen Strauss-Konzert natürlich nicht fehlen, ist dies doch eines der wichtigsten Werke des Komponisten. Es erklang das Duett Octavian/Sophie (Rosenüberreichung) mit Ann-Katrin Naidu und Stefanie Kunschke. Als vorletzte Darbietung wieder Klavier solo, die Mondscheinmusik aus Capriccio (1941), dem Konversationsstück für Musik. Zum großen Finale hörte man das eindrucksvoll gestaltete Schlußterzett Marschallin/ Octavian/ Sophie aus Der Rosenkavalier, mit allen Solistinnen.

Den begeisterten Zuhörern sangen die Sängerinnen als Zugabe noch ein Terzett aus der Ariadne auf Naxos. Strauss hätte viel Freude bei diesem Konzert im Foyer des Gärtnerplatztheaters München gehabt.

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Sterne der Bühne, 29.06.2011, Gärtnerplatztheater

Zuerst mal muss ich ein wenig meckern: auch wenn es diesmal wesentlich besser verkauft war als beim ersten Mal Anfang Juni, das Durchschnittsalter war jenseits von Gut und Böse. Und auch wenn sich meine 80-jährige Theaterfreundin beharrlich verweigert, scheint es im fortgeschrittenen Alter in Mode zu kommen, bei Liedern, die einem vage bekannt vorkommen, mitzuklatschen. Und weil das mit dem Hören oft nicht mehr so gut funktioniert, haut das halt auch mit dem Takt nicht immer ganz so hin. An diesem Abend wars ganz besonders schlimm. Und der Boden des Orchestergrabens, der hochgefahren zur Vorbühne wird, ist schon arg schäbig. Kann man da nicht was drüber tun? Dann tanzt es sich bestimmt auch besser.

Aber genug des Gemaules, der Rest war fabelhaft. Angefangen bei der Stückauswahl, die halt nicht das übliche Repertoire einer Operettengala abspulte, sondern Highlights aus bekannten, aber nicht ganz so oft wie die Fledermaus gespielten Operetten bot. So gab es zum Beispiel drei Lieder aus “Wie einst im Mai”, auch der “Ball im Savoy” war mit zwei Stücken vertreten, “Paganini”, “Die Zirkusprinzessin”, “Das Feuerwerk” und die “Hochzeitsnacht im Paradies” ergänzte die ungewöhnliche Stückauswahl. Und selbst bei den drei Liedern aus “Im weißen Rössl” standen die nicht ganz so bekannten Stücke am Beginn, bevor das titelgebende Lied den Schlusspunkt setzte. Diese Auswahl hört man nicht alle Tage, schade, dass das Operettenkonzert nur zweimal auf dem Spielplan des schönsten Theater Münchens stand.

Fabelhaft agierte das Orchester unter dem jungen, enorm talentierten und leider, leider scheidenden Dirigenten Benjamin Reiners. Fabelhaft waren auch die Solisten, die nicht nur ganz hervorragend sangen, sondern auch, wie es in der Operette halt so üblich ist, tanzten und sich den Stücken entsprechend verkleiden. So sang die famose Rita Kapfhammer, die sich hier einmal mehr für das Genre empfohlen hat, “Spiel auf Deiner Geige” aus “Venus in Seide” in einem wirklich atemberaubenden Kleid und Christina Gerstberger gab eine barocke Primadonna bei dem entsprechenden Lied aus “Der arme Jonathan”. Für Heiterkeitsausbrüche beim Publikum sorgte auch das Kostüm von Marianne Larsen als “Julischka aus Budapest”. Die männlichen Solisten nutzten ihre Möglichkeiten ebenfalls und so trug Daniel Fiolka bei dem Gassenhauer “Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin” einen passenden gestreiften Anzug. Stimmlich waren alle Solisten, noch nicht genannt sind Stefanie Kunschke, Tilmann Unger, Dirk Lohr und Mario Podrečnik, in allerbester Form und trugen die genau auf sie zugeschnittenen Stücke hervorragend vor. Besonders Frau Kunschke, die am nächsten Tag die Premiere vor sich hatte, und Frau Gerstberger, die am Sonntag “dran” ist, ist es hoch anzurechnen, dass sie den Wechsel von Barockoper zur Operette (und hoffentlich auch wieder zurück) spielend geschafft haben.

Ein sehr schöner Abend, der mit der Zugabe “Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände” aus “Viktoria und ihr Husar” ein bisschen wehmütig zu Ende ging.

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Interview mit Stefanie Kunschke

Stefanie Kunschke

Frau Kunschke, vielen Dank, dass Sie uns ein Interview geben. Würden Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang erzählen?
Ich habe an der Musikhochschule in Köln studiert. Zunächst Schulmusik und evangelische Religion auf Lehramt. Und kam dann zum Operngesang, weil mir das Singen im Studium sehr viel Spaß gemacht hat. Dann bin ich relativ bald in Gast-Engagements schon während meines Studiums gewesen, an der Oper Bonn und auch am Theater Hagen.
Das Theater hat mich dann nicht mehr losgelassen. Es macht einfach großen Spaß. Ich bin dann in mein erstes Festengagement nach Lübeck gegangen. Da war ich knapp vier Jahre. Dann war ich kurze Zeit in Augsburg, habe auch einen Fach-Wechsel gemacht, und konnte dann mit nach München ans Gärtnerplatztheater kommen. Und darüber freue ich mich ganz besonders.

Welche Musik haben Sie als Kind gehört?
Als Kind habe ich ganz unterschiedliche Musik gehört. Ich habe selber früher viel im Chor gesungen. Erst im Kinderchor in der Schule, später dann in A-cappella-Gruppen. Die Musik habe ich natürlich auch gerne zu Hause gehört. Ich habe später Querflöte gespielt und daher im klassischen Bereich mehr sinfonische Musik gehört.
Ansonsten waren ABBA und  Boney M in der Grundschule so meine Gruppen. Später ganz viel Neue Deutsche Welle: Ideal, UKW, Nena, Spliff. Danach Sting, U2, die Stones oder Genesis, die höre ich heute noch sehr gerne. Aus dem Jazz Al Jarreau oder Diane Schuur, Lee Ritenour (E-Gitarre) oder Jamie Cullum. Ganz unterschiedliche Sachen: Gwen Stefani, Mary G Blidge aber auch mal Mariza, die Fadosängerin. Das heißt, privat höre ich als Ausgleich sehr wenig Opernmusik.

Machen Sie auch noch andere Musik außer Oper bzw. klassischer Musik?
Früher habe ich im Studium in mehreren A-cappella-Gruppen gesungen, zum Beispiel Jazz-Standards mehrstimmig oder auch Stücke im Unterhaltungsbereich. Jetzt im Augenblick bin ich schon eher auf die Oper konzentriert. Innerhalb dieses Bereiches glaube ich, dass ich sehr flexibel bin. Durch mein Schulmusikstudium, in dem ich auch Blockflöte als Hauptfach hatte, mache ich sehr gerne häufig Alte und auch Neue Musik.

Sie haben schon erwähnt, Sie haben Querflöte gespielt – spielen Sie noch andere Instrumente?
Wir müssen alle im Studium Klavier als Nebenfach nehmen. Das habe ich dann auch gehabt. Blockflöte war in der Schulmusik mein Hauptfach. Gesang war ursprünglich  mein Pflichtfach. Da bin ich erst im Laufe des Studiums draufgekommen, als ich für meinen Pflichtfachabschluß an einem Kurs der Hauptfächler teilnehmen durfte. Blockflöte habe ich später als Instrument innerhalb der Instrumentalpädagogik studiert. Das Fach Blockflöte habe ich dann auch –neben dem Fach Gesang- an Musikschulen unterrichtet und war öfter Mitglied der Jury für Jugend musiziert.

Haben Sie das absolute Gehör?
Nein, habe ich nicht. Aber ich fühle beim Singen mittlerweile die Tonhöhen relativ genau.

In welchen Sprachen singen Sie, und welche Sprachen sprechen Sie?
Ich verstehe verschiedene deutsche Dialekte, aber ich spreche sie nicht: Kölsch, westdeutsches Platt, was sehr an das Niederländische erinnert. Dann natürlich Englisch und Französisch. Französisch spreche ich auch sehr gerne. Man singt natürlich Italienisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch (einige Lieder habe ich auf Spanisch gesungen). Auch Schwedisch, in bestimmten Liedern von Grieg. Aber ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich diese Sprachen spreche. Da muss man sich sehr gut coachen lassen, damit man das singen kann und ganz genau weiß, welches Wort welche Bedeutung oder was für ein Bild vermittelt.

Welche Vorbilder haben Sie, musikalisch oder auch szenisch?
Schwierig zu sagen. Über viele Jahre war Barbara Bonney mein ganz großes Vorbild. Die berührt mich als Sophie und Pamina. Lucia Popp ist es aktuell  immer wieder. Und in der Popmusik  bin ich fasziniert von dem Phänomen Michael Jackson: Wie ein Mensch in so einer Perfektion existieren kann auf der Bühne und sich so ausschließlich als Mensch dahingeben kann. Das ist schon sehr extrem, und das gibt einem vielleicht auch zu denken. Das finde ich unglaublich. Es hat aber gleichzeitig eine ganz große Gefahr als private Person den Boden unter den Füßen zu verlieren, wenn man sich so ausschließlich und extrem hingibt. Aber das finde ich schon faszinierend. Im klassischen Bereich sind es immer wieder ganz unterschiedliche Vorbilder. Ich bin ein Fan der Sopranistin Anja Harteros. Es gibt so viele. Das wechselt immer mal je nach Partie.

Hatten Sie schon internationale Auftritte?
Ich war schon mit einigen Chören im Ausland unterwegs und habe viele Oratorien gesungen. In Moskau habe ich im Tschaikowski-Konservatorium gesungen. Im Tschaikowsky-Saal das Brahms-Requiem. Wir waren in Belgien mit einer Gruppe. In Brüssel mit Alter Musik, über das Goethe-Institut. Ich war schon in England, in Spanien, in der Schweiz, in Schweden, in Italien, mit Orchestern und mit Kammermusik, aber auch mit Oratorienkonzerten. In Sachen Oper war ich schon in Holland unterwegs.

Würden Sie sagen, Sie haben eine 38-Stunden-Woche?
Das kann man bei uns ganz schwierig umrechnen. Was den Kopf betrifft, sind es viel, viel mehr Stunden, von der Art und Weise her, sich damit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Wenn man jetzt nur die Zeit nimmt, in der ich dort stehe und probe, sind es manchmal weniger, manchmal aber auch mehr. Das variiert sehr stark. Wenn ich jetzt z.B. für ein Projekt sehe, wie viel Zeit ich zum Beispiel an Unterricht investiere – denn ich nehme ja immer noch begleitend Gesangsunterricht oder Korrepetitionen für eine Partie, die vielleicht im kommenden Jahr auf mich zukommt – dann sind es mehr Stunden. Das wäre mal eine interessante Sache auszurechnen, wie viel Mehrarbeit ich da investiert habe. Sicher, wenn das Theater aus seiner Sicht die Stunden errechnet, die ich hier stehe, würde ich sagen: das schwankt. Es gibt sicher Tage, wo ich morgens aufstehe und schon vor dem Frühstück darüber nachdenke, wie ich mich ernähre, weil wir gleich Probe haben. Dann habe ich eine Mittagspause von vielleicht zwei bis drei Stunden, und danach gibt es schon wieder den Maskentermin, weil abends eine Klavierhauptprobe ist. Die geht dann vielleicht bis 23 Uhr. Das kann passieren, aber es gibt eben auch Tage, wo man nur etwas musikalisch vorbereiten muss.

Gibt es Komplikationen, die sich aus dem besonderen Lebensrhythmus eines Opernsängers ergeben?
Es gibt schon Abspracheprobleme, sicher. Wenn man gerne etwas regelmäßig machen möchte -einen Tanzkurs oder eine Sportart- wird es schon schwierig, das zu organisieren, weil unser Tagesplan immer erst einen Tag vorher bis 14 Uhr bekannt gegeben wird. Das heißt, ich kann nicht sagen, ob ich in einer Woche am Dienstag wirklich irgendwo hingehen kann. Das ist ein Problem. Aber es gibt im Laufe der Zeit schon Spielräume. Man kennt sich ja innerhalb des Ensembles, und dann kann man auch mal etwas absprechen. Ich kann nicht im Voraus sagen, ob ich jetzt zum Geburtstag meiner Eltern ins Rheinland fahren kann. Das ist manchmal wirklich schwierig.

Was tut Ihrer Stimme gut, und was verträgt sie überhaupt nicht?
Das richtige Maß zwischen Einsatz und auch wieder Ruhe, das tut ihr gut. Was tut meiner Stimme nicht gut? Schreien vielleicht nicht unbedingt. Es sei denn, es ist wirklich gestützt und einmal, dann kann man das vertragen. Was verträgt meine Stimme nicht? Ja, Zugluft. Lebensmittel? Nein. Ich würde jetzt nicht direkt vor dem Singen Nüsse oder Eis essen. Aber es ist auch keine Katastrophe. Ich würde sagen, das Wesentlichste für die Stimme ist Wasser und Schlaf. Das ist das Beste.

Für so eine Aufführung braucht man ja auch Kondition. Was tun Sie dafür?
Man muss schon gucken, dass man sich eine gewisse Flexibilität erhält. Das heißt, Sport schadet nicht. Einfach immer wieder für eine gute körperliche Disposition zu sorgen, also sich auch immer mal wieder entspannen, wenn man Stress hat. Einfach mal in die Badewanne legen oder sich massieren lassen. Das wäre eigentlich für mein Traum-Opernhaus eine echte Investition: ein Fitness-Studio oder einen Masseur am Haus zu haben. Wir sind Hochleistungssportler bezogen auf unser Stimmorgan, die Halsmuskulatur und die Arbeit mit dem ganzen Körper.

Wie diszipliniert muss ein Sänger leben?
Schon sehr diszipliniert. Also, man muss sich wirklich auf jede Probe sehr unterschiedlich einstellen. Einrechnen, wie viel Zeit man braucht, um sich einzusingen. Die Woche auch im Voraus sehen. Was kommt noch auf mich zu. Singe ich wirklich in der Probe aus, oder was habe ich für Vorstellungen in der Woche. Das heißt, man muss wirklich ein bisschen vorausschauend sein. Mit seinen Energien und auch mit seiner Planung.

Wie bereiten Sie sich auf eine neue Rolle vor?
Ich lese mir als erstes einmal den Klavierauszug durch. Richtig wie ein Theaterstück oder einen Roman. Und sehe erst mal, was mir das sagt. (lacht) Dann lese ich etwas darüber und versuche, mich in Form von verschiedenen Medien zu informieren. Dann fange ich an mit Proben. Erst alleine, dann entweder mit dem Korrepetitor oder ich gehe zum Unterricht zu meiner Lehrerin. Dann habe ich zu einem viel späteren Zeitpunkt – meistens Monate später- die erste Korrepetition im Haus. Vielleicht auch eine Probe mit dem Dirigenten, der mir sagt, was er sich ganz konkret musikalisch vorstellt. Dann gehen irgendwann die szenischen Proben los.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf, und was ist das Nervigste?
Das Beste ist, nach einer Vorstellung ins direkte Gespräch mit Zuschauern zu kommen. Denn es ist ein Luxus, wenn man so ein direktes Feedback zu seiner Arbeit bekommt. In diesem Zusammenhang ist natürlich der Applaus das Tollste. Wenn man den Austausch zwischen Publikum und Bühne spürt oder jemand sagt, dass ihn etwas berührt hat, freut mich das. Es ist ein Luxus, den ein anderer Beruf leider nicht hat. Ich kann ja dem Bäcker um die Ecke leider nicht für sein leckeres Brot applaudieren. Aber das Tollste sind einzelne Momente, die man auf der Bühne hat, wo man denkt: Ah, jetzt bin ich mit der Rolle verschmolzen, oder es macht besonderen Spaß zu singen. Das ist so ähnlich wie beim Sport – wie so eine Art Flow. Das stellt sich nicht immer ein, aber den gibt es. Und das ist etwas ganz Tolles, ein erhebendes, zeitloses, unerklärbares Gefühl. Da hinzukommen  ist aber manchmal auch das Nervigste, weil es ein nicht ganz einfacher Weg ist. Aber das nimmt man dann auch in Kauf.

Was wären Sie in einem anderen Leben geworden?
Tierärztin war ein Berufswunsch von mir bis ich achtzehn war. Ich finde, es gibt sehr viele Dinge, die Spaß machen können. Ich unterrichte sehr gerne. Also zum Beispiel Gesangslehrerin. Da sind wir wieder beim Gesang. Ich lerne gerne andere Kulturen kennen. Vielleicht Reiseführerin. Eine Reisende.

Der geduldige Sokrates

Erzählen Sie uns bitte von Ihrer Partie in der aktuellen Produktion „Der geduldige Sokrates“.
Meine Partie ist die der Rodisette. Sie hat einen Gegenpart, die Edronica. Wir sind beide athenische Prinzessinnen und beide verliebt in den Prinzen Melito. Wir kämpfen beide um die Gunst dieses Prinzen. Ich bin die Zurückhaltende, Schüchterne, die am Anfang nicht so richtig weiß, wie man ein männliches Wesen erobert. Edronica ist da schon etwas forscher. Ich komme erst im Laufe der Geschichte darauf, während ich Edronica sehe mit ihren Tricks und Maschen. Und  ich lerne im Verlauf des Stücks, mir auch ein paar Tricks einfallen zu lassen, um ihn zu gewinnen. Rodisette ist auf jeden Fall eine sehr empfindsame Frau. Sie spielt nicht mit Gefühlen, sondern sie ist eher ein ernsthafterer Typ. Edronica spielt ein bisschen mehr mit den Männern und setzt Mittel ein, um sie zu gewinnen. Man kann sie schnell wieder überzeugen, vielleicht auch jemand anderes zu lieben. Das ist bei mir in der Rolle als Rodisette nicht möglich, bei mir ist es klar: Ich liebe den einen, und ich setze mich für den einen ein, um die Liebe des Lebens zu gewinnen. Ich will auf keinen Fall eine von zwei Frauen sein. Es war im alten Griechenland sehr oft der Fall, dass man zwei Frauen hatte. Und es wird in dem Stück auch diskutiert  mit Sokrates, ob es vielleicht eine Möglichkeit ist, dass man zwei Frauen hat. Es gab auch Griechen, die noch Knaben zu Hause hatten neben ihrer Ehefrau. Sokrates beschließt im Lauf der Geschichte: Nein, zwei Frauen soll es nicht geben. Das ist etwas, was Rodisette entspricht, wo sie sich treu bleibt und sagt: Ich will wirklich alleine diesen Mann haben. Das ist der Hauptkernpunkt dieses Stücks – für mich als Rodisette.

Ist das Frauenbild, das in dieser Oper vermittelt wird, heute noch zeitgemäß?
Nein, das glaube ich nicht. Das antike Griechenland hatte ja ganz andere Vorstellungen davon, was Frauen so machen und wie viele Frauen jemand  hat. Nein, nein. Die gegenwärtige Gesellschaftsordnung hat sich zumindest offiziell geändert, aber sie ist auch aus ihr entstanden.

Kann man als emanzipierte Frau trotzdem Spaß an dieser Oper haben?
Ja. (lacht) Kann man. Sicher. Mit einem Augenzwinkern kann man das, und man lernt dabei auch sehr viel.

Welche Freiheiten haben Sie bei der Interpretation der Rolle?
Ich denke, es muss schon am Klavierauszug, an der Musik oder am Text bleiben. Wenn man den Text genau kennt und gelesen hat, ist eigentlich klar im Klavierauszug vorgegeben, dass ich die Rolle jetzt nicht völlig anders interpretieren kann. Den Rest kann man schon ein bisschen mit beeinflussen. Ob Rodisette immer nur dieser weiche Typ bleibt oder ob sie vielleicht zwischendurch mal bissig wird oder etwas angriffslustiger, da kann man noch differenzieren. Ich denke, das werden die Besetzungen ganz unterschiedlich angehen. Das kann man beeinflussen, aber immer in Absprache mit der Regie, damit man es nicht überzeichnet, sondern das Ganze immer noch im Sinne der Regie gestaltet.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrer Partie, und was ist das Schwierigste daran?
Was mir sehr gut gefällt ist, dass Rodisette ihren Prinzipien treu bleibt, dass sie da ehrlich bleibt. Selbst, wenn sie sich zwischendurch auf dieses Gezanke mit  Edronica einläßt. Das finde ich einen sympathischen Zug, zu sagen: Nein, ich will den, den ich liebe, nicht teilen. Das finde ich schon toll in dieser griechischen Gesellschaft. Gleichzeitig ist es das darstellerische Problem, dass die Figur da nicht zu einseitig rüberkommt. Aber ich hoffe doch, dass es gelingt, das Ganze  lebendig zu halten.

Haben Sie noch eine Wunschpartie, die Sie noch nicht gesungen haben?
Meine Wunschpartien darf ich in der nächsten Spielzeit singen. Einmal Marie in der „Verkauften Braut“. Da gibt es jetzt schon Vorproben für dieses erste Projekt in der nächsten Spielzeit. Das macht unheimlichen Spass. Es ist einfach so schön, in der Musik zu baden und schöne Linien zu singen. Eine andere Traumpartie ist auch die Agathe im „Freischütz“. Das kommt dann Ende des Jahres. Darauf freue ich mich sehr. Pamina in der „Zauberflöte“ bleibt es weiterhin. Es gibt schon Traumpartien, mit denen ich mich erst noch auseinandersetze und überlege, was dann als Nächstes kommen könnte. Es würde mir schon Spass machen, in die Operette ein bisschen weiter hineinzuwachsen. Ich würde auch gerne die Gräfin im „Figaro“ singen, zum Beispiel. Die Micaela mal auf Französisch zu singen, das wäre auch ein Traum. Oder mal eine Rusalka, das fände ich auch toll.

Ist es nicht schwierig, in zwei Neuproduktionen gleichzeitig zu stecken, wenn jetzt die ersten Proben für die „Verkaufte Braut“ schon beginnen?
Ja. Das ist schon ein extremer Unterschied, stilistisch und auch stimmlich. Telemann muss ich ganz schlank singen und sehr kopfig. Viele Verzierungen mit einbauen, was mir auch großen Spass macht. Aber das geht halt nur, wenn man die Stimme ganz schlank führt. Bei der „Braut“ ist wieder mehr gefragt, dass man schöne, große, weiche Bögen singt, wo man den ganzen Stimm-Muskel  ausfährt, aber natürlich auch immer schlank führt dabei. Aber da muss man schon körperlich ein bisschen anders ran  und einfach andere Phrasen gestalten. Das sind schon sehr extreme Unterschiede, Smetana und Telemann. Da muss man sehr flexibel arbeiten.

Sie haben schon die Marie und die Agathe erwähnt. Gibt es weitere neue Partien in der nächsten Spielzeit (2011/2012)?
Ja, es gibt noch das Füchslein Schlaukopf in „Das schlaue Füchslein“ von Janácek. Darauf freue ich mich sehr. Das ist dann musikalisch wieder etwas völlig anderes. Die Partie kenne ich noch nicht, da werde ich mich in der Sommerpause einarbeiten. Ja, und dann bleibt es weiterhin bei Rodisette und Pamina. Das sind meine Partien für die nächste Spielzeit.

Dann vielen Dank für dieses Gespräch!
Danke auch, es hat Spaß gemacht.

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