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Priscilla – Königin der Wüste, 14.03.2018, Gärtnerplatztheater


Ensemble
© Marie-Laure Briane

Mit dem Barbie Camper in die Jugend

Heute ging es für mich mittlerweile zum 8. Mal mit dem alten Schulbus quer durch Australien. 3 reizende Fahrtbegleiterinnen machten die Reise unvergesslich. Fangen wir mit Adam an. Jung, schön, frech. Mit dem Traum, Kylie Minogue auf dem Ayers Rock darzustellen. Bernadette, die älteste. Sie hat viel erlebt. Doch fürs Herz hatte sie noch nicht das richtige. Und Tick. Eine Frau hat seine Ehe auseinander gebracht. Die Frau in ihm. Doch seine Frau bittet ihn zu Beginn des Stücks zu ihr zu kommen und in ihrem Hotel aufzutreten. Die drei machen sich auf den Weg und erleben viel. Viel Liebe aber auch Abscheu.
Das ganze wird durch die Songs getragen. Die Songs meiner Jugend. Ein Hit nach dem anderen. Dazwischen Tiefe und ganz viel Komik. Aber immer Glamour und ganz viel Tanz.

Taucht man richtig in das Stück ein, fühlt man immer mehr die Handlung und weniger weniger die Musik. Das zeigt, dass die Folge der Disco-Hits und Szene-Hymnen nur oberflächlich ist. Beeindruckend ist die Altersweisheit von Bernadette. Trotz der Wortgefechte mit Adam zeigt sie immer wieder starke Gefühle. Die Jugend muss auch hier Erfahrungen machen, aber das Alter fängt sie auf, beschützt sie. Erwin Windegger schafft es hier, bei der Verletzlichkeit von Bernadette das Wohlgefühl herzustellen, wenn man eine starke Person braucht. Irgendwie spiegelt das auch viel von mir. Belohnt wird Bernadette mit der Zuneigung von Bob (Frank Berg), der trotz seiner bodenständigen und einfachen Art, im Gegensatz zu der sonstigen Bevölkerung des Outbacks, den Menschen und nicht sein Äußeres beurteilt, und dadurch vorurteilsfrei Kunst genießen kann.

Das Ensemble war fantastisch. Hervorzuheben jedoch die 3 Hauptdarsteller: Neben Erwin Windegger, Armin Kahl und Terry Alfaro. Sowie mein besonderer Liebling, die Vokuhila-Queen, perfekt dargestellt von Angelika Sedlmeier. Tolle Kostüme von Alfred Mayerhofer, eine bewegte Choreografie von Melissa King, in einem abwechslungsreichen Bühnenbild von Jens Kilian. Fantastisch inszeniert von Gil Mehmert.

Einen kleinen Wehmutstropfen hatte ich aber heute: meinen Platz. Vorn im Parkett aber fast am Rand. Während Bernadette die Kunst der synchronen Lippen beschwörte, konnte ich meine Augen und Ohren nicht richtig synchronisieren. Der Klang kam laut aus dem Lautsprecher von links, zu sehen gab es aber nur etwas rechts. Das macht etwas se(e/h)krank.

Besetzung am 14.03.2018

Dirigat Jeff Frohner
Regie Gil Mehmert
Choreografie Melissa King
Bühne Jens Kilian
Kostüme Alfred Mayerhofer
Licht Michael Heidinger
Video Raphael Kurig, Meike Ebert
Dramaturgie Michael Alexander Rinz

Tick Armin Kahl
Bernadette Erwin Windegger
Adam Terry Alfaro
Diven Dorina Garuci, Amber Schoop, Jessica Kessler
Bob Frank Berg
Marion Tanja Schön
Benji Matthias Thomas
Cynthia Marides Lazo
Shirley Angelika Sedlmeier
Miss Verständnis Eric Rentmeister
Miss Fernanda Falsetta Jurriaan Bles
Jimmy Karim Ben Mansur
Ensemble John Baldoz / Jurriaan Bles / Alex Frei / Dorina Garuci / Luke Giacomin / Jessica Kessler / Marides Lazo / Karim Ben Mansur / Rachel Marshall / Andreas Nützl / Eric Rentmeister / Adriano Sanzò / Tanja Schön / Amber Schoop / Susanne Seimel / Samantha Turton

Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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Premiere Priscilla – Königin der Wüste, 14.12.2017, Gärtnerplatztheater

In München kommt ja mit dem Tollwood-Festival in der Vorweihnachtszeit die ganze Welt nach Bayern. Und so einen Hauch von Exotik bekommt man nun auch im Gärtnerplatztheater zu spüren; zum Einen mit der australischen Videocollage unter dem klassizistischen Bühnenportal, zum Anderen mit den bunten Vögeln, die sich bei der deutschen Erstaufführung von Priscilla – Königin der Wüste dort auf der Bühne tummeln.
Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Kultfilm, der vor dreizehn Jahren die Welt im Sturm eroberte, obwohl er mit günstigsten Mitteln gemacht war. Im Jahr 2006 wurde der Stoff dann von Stephan Elliot und Allan Scott für die Bühne adaptiert und feiert weltweit Erfolge. Da wurde es Zeit, dass man das herrlich schräge Stück endlich nach Deutschland bringt und die Münchner können ihrem Intendanten Josef Köpplinger nicht genug danken, dass ihm dieser Coup gelungen ist.

Foto: Marie-Laure Briane

Erzählt wird in Priscilla – Königin der Wüste die Geschichte der Dragqueen Tick, der vor Jahren eine Frau geheiratet hat und nun endlich seinen Sohn kennen lernen will. Unter dem Vorwand, für eine Show in Alice Springs engagiert worden zu sein, überredet er seine Freunde Bernadette und Adam, mit ihm quer durch Australien zu reisen. Bernadette ist eine – etwas in die Jahre gekommene – Transsexuelle, deren Lover erst kürzlich beim Haare-Bleichen erstickte. Adam ist eine erfolgreiche Dragqueen, der aber keine Gelegenheit für ein Abenteuer auslässt. So nimmt das Trio zusammen mit dem ausgemusterten Schulbus namens Priscilla ohne Rücksicht auf die heimische Fauna Fahrt auf und lernt auf der Reise vieles über ihre Mitmenschen und sich selbst.
In erster Linie ist dieses knallbunte Musical mit Hits der 70er und 80er Jahre natürlich eine unterhaltsame Show mit grandiosen Bühnenbildern (Jens Kilian), herausragenden Darstellern und einer wahren Schlacht an opulenten Kostümen (Alfred Mayerhofer). Trotzdem verleiht Regisseur Gil Mehmert seinen Protagonisten auch Tiefe und facettenreiche Charakterzüge. Tick scheint anfangs gar keinen rechten Spaß mehr zu haben an seinem Dasein als Dragqueen Doris Gay in Sydney und sieht in der Reise eher eine Suche nach einem Sinn in seinem Leben. Armin Kahl spielt einen wundervoll sensiblen Mann, der hin und her gerissen ist zwischen der Liebe zu seinem Sohn und der Angst, von ihm wegen seines Berufs abgelehnt zu werden. Terry Alforo hingegen verleiht Adam einen Hand zur Übertreibung und eine jugendliche Aufgedrehtheit. Seine ständige Suche nach Spaß steckt seine Mitreisenden zwar auch mal an, doch bringt sie ihn in einem Bergarbeiter-Städtchen in große Schwierigkeiten. Das Highlight und die größte Überraschung war für mich aber zweifellos Erwin Windegger als Bernadette. Zu keinem Zeitpunkt wirkte er wie eine Parodie auf Transsexuelle, sondern man sah in ihm die würdevolle Diva mit Durchsetzungsvermögen. Die derben Sprüche der alternden Lady sind einfach nur großartig und die zarte Romanze zwischen Bernadette und dem Mechaniker Bob (unglaublich liebenswert und mit fast kindlicher Begeisterung von Frank Berg gespielt) ist wohl eine der schönsten und ehrlichsten Liebesgeschichten, die die Bühne des Gärtnerplatztheaters jemals gesehen hat.

Foto: Marie-Laure Briane

Doch leider werden die Heldinnen im Musical mit ähnlichen Problemen konfrontiert, wie sie auch bei uns immer noch Menschen mit anderen Gesinnungen durchleiden müssen. Zwar scheinen etwa die Bewohner von Priscillas erstem Zwischenstopp nach einem kurzen Streit mit der burschikosen Barbesitzerin Shirley (die von Angelika Sedlmeier großartig derb gespielt wird) tolerant und feiern die Dragqueens, später schmieren sie jedoch „Verpisst euch Schwuchteln“ an den Bus, was die Jungen erschüttert, für die ältere Bernadette jedoch wohl schon so zur traurigen Gewohnheit geworden zu sein scheint. Da tut es gut, dass sie mit Bob und Ticks Sohn Benji auf tolerante Menschen stoßen, die ihnen nicht das Gefühl geben Außenseiter zu sein.
Stimmlich kann man beim besten Willen nichts an dem Ensemble aussetzen, die drei Hauptdarsteller harmonieren wundervoll miteinander und auch mit den drei omnipräsenten „Diven“ Dorina Garuci, Amber Schoop und Jessica Kessler, die als allegorische Weiblichkeit die drei Queens durch die Wüste begleiten. Zwar zickte bei der Premiere ab und an ein Mikrofon, bei meinem zweiten Besuch am 19. Dezember war die Tontechnik jedoch schon weitaus besser.
Immer wieder schön ist im Gärtnerplatztheater die musikalische Begleitung der Musicals. Statt einer kleinen Band (wie in anderen Großproduktionen inzwischen leider üblich) sitzen unter der Leitung von Jeff Frohner viele Mitglieder des Orchesters im Graben, die den Discohits einen satten Sound verpassen.
Nicht nur wegen der Bewältigung der spektakulären Choreografien von Melissa King muss übrigens dem Ensemble ein großer Respekt gezollt werden, auch die extrem schnellen Umzüge in die gefühlt zweihundert Kostüme scheinen bereits auf dem Zuschauerraum abenteuerlich und anspruchsvoll. Bei der Show von Tick, Adam und Bernadette in Alice Springs fliegen gerade so die Kostümteile und Perücken durch die Gegend.
Priscilla – Königin der Wüste steht den großen Broadway-Hits definitiv in nichts nach. Und man bekommt so viel mehr zu sehen als glitzernde Outfits und schöne junge Männer mit Sixpack. Die Inszenierung ist gleichermaßen berührend und bestens unterhaltend! Noch bis April kann man sich im Gärtnerplatztheater diesen Hauch der 80er entgegen wehen lassen.

Foto: Marie-Laure Briane

Weitere Vorstellungen: 21. und 22. Dezember / 5. und 13. Januar / 1., 2. und 17. Februar / 13., 14. und 17. März / 11. und 12. April um 19.30 Uhr
31. Dezember / 6. und 14. Januar / 18. Februar um 18.00 Uhr
Karten von 8 bis 70 € an den bekannten Vorverkaufsstellen

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/priscilla.html/m=276

Dirigat: Jeff Frohner
Regie: Gil Mehmert
Choreografie: Melissa King
Bühne: Jens Kilian
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Licht: Michael Heidinger
Video: Raphael Kurig, Meike Ebert
Dramaturgie: Michael Alexander Rinz

Tick: Armin Kahl
Bernadette: Erwin Windegger
Adam: Terry Alfaro
Diven: Dorina Garuci, Amber Schoop, Jessica Kessler
Bob: Frank Berg
Marion: Tanja Schön
Benji: Timothy Scannell
Cynthia: Marides Lazo
Shirley: Angelika Sedlmeier
Miss Verständnis: Eric Rentmeister
Miss Fernanda Falsetta: Jurriaan Bles
Jimmy: Karim Ben Mansur
Ensemble: John Baldoz / Jurriaan Bles / Alex Frei / Dorina Garuci / Luke Giacomin / Jessica Kessler / Marides Lazo / Karim Ben Mansur / Rachel Marshall / Andreas Nützl / Eric Rentmeister / Adriano Sanzò / Tanja Schön / Amber Schoop / Susanne Seimel / Samantha Turton

Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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