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Frisch eingetroffen: Kate Hamer – Das Mädchen, das rückwärts ging

Im englischen Norfolk verschwindet ein Mädchen. Bei dichtem Nebel scheint die achtjährige Carmel wie vom Erdboden verschluckt. Es gibt keine Hinweise, niemand hat sie gesehen, die Polizei tappt im Dunkeln. Carmels Mutter Beth, seit kurzem wieder Single, gibt sich voller Verzweiflung selbst die Schuld: Hat sie Signale übersehen, nicht genug achtgegeben auf ihr einziges Kind? Carmel ist ein besonderes Mädchen: Sensibel und reifer als andere in ihrem Alter, verhält sie sich oft rätselhaft, wirkt abwesend, verträumt. Zwischen Hoffnung und Ohnmacht sucht Carmels Mutter schließlich selbst nach ihr. Schritt für Schritt geht sie zurück in der gemeinsamen Zeit, denn jede Kleinigkeit zählt. Für Carmel beginnt währenddessen eine lange und ungewöhnliche Reise. Spannend bis zur letzten Zeile erzählen Beth und Carmel im Wechsel diese zutiefst bewegende Geschichte über eine Mutter und ihr verloren gegangenes Kind.

Kate Hamer wuchs in Pembrokeshire (England) auf und studierte Kunstgeschichte an der Manchester University. Nach zehn Jahren als Dokumentarfilmerin nahm sie 2011 ein Creative-Writing-Studium auf. Ihr Debüt Das Mädchen, das rückwärts ging wurde bereits während ihrer Arbeit daran mit einem Preis für den besten Romananfang ausgezeichnet. Für eine ihrer Kurzgeschichten erhielt sie den Rhys-Davies-Short-Story-Preis. Kate Hamer lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Cardiff (Wales).

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Frisch gehört: Carol Rifka Brunts – Tell the Wolves I’m Home


11:46 Stunden
ungekürzte Lesung
Sprecherin: Amy Rubinate
Hörprobe beim Verlag

June Elbus verbringt gerne Zeit mit ihrem Onkel Finn, einem berühmten Maler. An den Wochenende sind sie und ihre ältere Schwester Greta häufig dort, weil Finn ein Porträt von ihnen malt, das noch vor seinem Tod fertig werden soll.  Onkel Finn scheint die einzige Person zu sein, die June wirklich versteht und sich in das komplizierte Gefühlsleben der 14-Jährigen hineinversetzen kann. Mit Gleichaltrigen hat sie außerhalb der Schule kaum noch Kontakt, die früher fast unzertrennlichen Geschwister haben sich in der letzten Zeit weit voneinander entfernt. Umso wichtiger ist June der enge Kontakt zu Finn, der ihr Patenonkel und bester Freund zugleich ist, jedoch an Aids stirbt.
Eine Krankheit, die in den 1980ern noch ganz anders wahrgenommen wurde als heute und so ist es nicht verwunderlich, dass Junes Mutter weder über die Krankheit noch den Tod ihres jüngeren Bruders sprechen möchte. Durch Finns Tod lernt June eine andere Person kennen, die Finn sehr nahe stand und die ihr endlich die Möglichkeit gibt, über ihn zu sprechen, ihre Trauer nicht mehr verstecken zu müssen. Gemeinsam versuchen die beiden, ein Leben ohne Finn zu leben, in dem er jedoch ständig gegenwärtig ist.

“Tell the Wolves I’m Home” (Erzähl den Wölfen, dass ich zu Hause bin) ist eine ruhige und einfühlsame Erzählung über das Erwachsenwerden, die Veränderungen in einer Familie, wenn die Kinder erwachsen werden und über den Umgang mit dem Tod geliebter Menschen an einer Krankheit, die zum Aussätzigen machte.

June ist gerade 14 als sie zufällig hört, dass ihr Onkel Finn an Aids erkrankt ist. Ausgerechnet ihr heißgeliebter Onkel Finn, ihr einziger Vertrauter, bei dem sie sich nicht verstellen muss und der sie scheinbar auch ohne Worte versteht. Das Verhältnis zu ihren Eltern ist schon vor Finns Krankheit angespannt, sowohl aufgrund ihrer eher durchschnittlichen schulischen Leistungen als auch wegen des Drucks ihrer Mutter, sich mehr mit Gleichaltrigen zu treffen. Unter ihren Mitschülern fühlt June sich schon länger nicht mehr wohl, zu anders sind ihre Interessen und auch ihre ältere Schwester Greta ist ihr fremd geworden. Nach der Schule streift sie gerne allein durch den Wald und stellt sich vor, im Mittelalter zu leben, Falknerin zu sein.

Carol Rifka Brunt gelingt es in ihrem ersten Roman sehr behutsam das Seelenleben der jungen und unsicheren Außenseiterin June zu zeichnen, die sich kaum etwas sehnlicher wünscht, als einfach so akzeptiert zu werden, wie sie ist. Früher waren June und Greta unzertrennlich, heute sind sie kratzbürstig zueinander und könnten unterschiedlicher kaum sein. Greta ist auf dem Weg an den Broadway, selbstsicher, gewandt, talentiert und seht beliebt. Als Leser bzw. Zuhörer wünscht man ihnen die alte Nähe zurück, nicht zuletzt auch weil es in ihrer Familie kaum echte Nähe zwischen Eltern und Kindern gibt. Insbesondere die Mutter Danni scheint schon vor dem Tod ihres Bruders jedes Gespür für die wahren Interessen und Bedürfnisse ihrer Töchter verloren zu haben, der äußere Schein und der Ruf sind wichtiger.

Nicht zuletzt dank Amy Rubinates sehr gelungenem Vortrag wurde June sehr schnell lebendig, ihre Gedanken und Gefühle fast greifbar. Ihre Stimme passt perfekt zu der spröden und so zerbrechlichen June, fängt deren Stimmungsschwankungen perfekt ein.

Der Umgang mit Aids in den 1980ern ist bedrückend realistisch gezeichnet und auch Auswirkungen der Sprachlosigkeit innerhalb von Junes Famlie auf die einzelnen Personen. Umso mehr freut man sich mit June als eine neue Person in ihrem Leben auftaucht, die ihr neue Perspektiven aufzeigt, die ihr wiederum helfen mit der durch Finns Tod entstandenen Leere umzugehen und sie mit neuem Leben zu füllen. Eine Freundschaft, in der Finns Leben und Krankheit kein Tabuthema sind, das weitgehend von June geheim gehalten werden soll.

Besonders beeindruckend ist die durchweg realistische Entwicklung von June, Greta und ihren Eltern im Lauf der Geschichte, sowie der neuen Figur. Alle haben nachvollziehbare Motive, ihr Zusammenspiel ist vor allem vor dem Hintergrund jener Zeit durchaus glaubwürdig.

Eines der seltenen Bücher, das ich mehrfach unterbrach, um länger etwas davon zu haben. Carol Rifka Brunt zeichnet mit June eine sehr realistische jugendliche Außenseiterin, die mit dem Verlust ihres geliebten Onkel Finn umgehen muss und ihren Platz in der Welt sucht, zu der Amy Rubinates Vortrag perfekt passt. Ein trauriges und gleichzeitig Hoffnung gebendes Buch, das auch sprachlich sehr gelungen ist.
Es ist mir ein Rätsel, weshalb dieses Buch zwar in zahlreiche andere Sprachen übersetzt wurde, jedoch keine deutsche Übersetzung zu finden ist.

 

Carol Rifka Brunts Arbeiten sind in einigen Literaturzeitschriften erschienen, u.a. “North American Review” und “The Sun”. 2006 wurde sie als eine von drei Autorinnen mit dem “New Writing Ventures Preis” ausgezeichnet und erhielt 2007 ein großzügiges Stipendium des Arts Council, mit dessen Hilfe sie ihren Erstlingsroman “Tell the Wolves I’m Home” verfasste.
Ursprünglich aus New York stammend, lebt sie derzeit mit ihrem Mann und drei Kindern in England.
(freie Übersetzung der Informationen beim Verlag)

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Frisch eingetroffen: Jenny-Mai Nuyen – Nacht ohne Namen

Manche Menschen sind füreinander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen sich fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Ihre wahren Namen zum Beispiel kennen sie nicht. Und als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon – einem Dämon, der in üblen Schwierigkeiten steckt …

Jenny-Mai Nuyen wurde mit ihren ersten Fantasyromanen, die sie mit 16 schrieb, zur Bestsellerautorin und als literarisches Wunderkind gefeiert. Nach einem abgebrochenen Filmstudium in New York lebt sie heute in Berlin, studiert Philosophie und Religionswissenschaften und schreibt weiterhin Romane.

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Frisch eingetroffen: Sabrina Qunaj – Die Tochter des letzten Königs

Wales 1093: Als die Normannen in ihre Heimat einfallen, gerät die junge Fürstentochter Nesta in Gefangenschaft. Ihr königliches Blut macht sie zu einer wertvollen Geisel, und so bringt man sie an den Englischen Hof. Ihre unvergleichliche Schönheit bleibt auch Henry, dem zukünftigen König von England, nicht verborgen. Doch Nesta ist der Schlüssel zur Macht in Wales und wird schließlich gegen ihren Willen an den dortigen Kommandanten, einen Feind aus ihrer Kindheit, verheiratet. Was als Zwang beginnt, entwickelt sich langsam zu einer großen Liebe. Aber auch die walisischen Rebellen haben nicht vergessen, wer Nesta ist …

Sabrina Qunaj wurde im November 1986 geboren und wuchs in einer Kleinstadt der Steiermark auf. Nach der Matura an der Handelsakademie arbeitete sie als Studentenbetreuerin in einem internationalen College für Tourismus, ehe sie eine Familie gründete und das Schreiben zum Beruf machte.
Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Steiermark.

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Frisch eingetroffen: Jung Chang – Empress Dowager Cixi

In this groundbreaking biography, Jung Chang vividly describes how Empress Dowager Cixi – the most important woman in Chinese history – brought a medieval empire into the modern age. Under her, the ancient country attained virtually all the attributes of a modern state and it was she who abolished gruesome punishments like ‘death by a thousand cuts’ and put an end to foot-binding. Jung Chang comprehensively overturns the conventional view of Cixi as a diehard conservative and cruel despot andalso takes the reader into the depths of her splendid Summer Palace and the harem of Beijing’s Forbidden City, where she lived surrounded by eunuchs – with one of whom she fell in love, with tragic consequences.

Jung Chang is the best-selling author of Wild Swans (1991, which the Asian Wall Street Journal called the most read book about China), and Mao: The Unknown Story (2005, with Jon Halliday), which was described by Time Magazine as ‘an atom bomb of a book’. Her books have been translated into more than 40 languages and sold more than 15 million copies outside mainland China where they are both banned.. She was born in China in 1952, and came to Britain in 1978. She lives in London.

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Frisch eingetroffen: Charles Lewinsky – Gerron

Kurt Gerron, einst gefeierter Theater- und Filmstar in Brechts ›Dreigroschenoper‹ und im ›Blauen Engel‹ mit Marlene Dietrich, ist jetzt nur noch ein Häftling unter Tausenden. Die Nationalsozialisten haben den bekannten Schauspieler von den Berliner Filmateliers nach Theresienstadt deportiert, wo er den Auftrag bekommt, einen Film zu drehen, der das erniedrigende Dasein der Juden als Paradies schildern soll. Gerron steht vor einer folgenschweren Entscheidung: Eine Weigerung würde sein Ende bedeuten – und das seiner geliebten Frau, mitzumachen hätte zumindest eine aufschiebende Wirkung; aber wie soll er es verantworten, seine Kunst und seine Leidenschaft für so etwas herzugeben? In einem literarisch brillanten und berührenden Roman erzählt Charles Lewinsky die faktenreiche und doch erfundene Biografie des Schauspielers Kurt Gerron, der dem Holocaust zum Opfer fiel.

Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, arbeitete als Dramaturg, Regisseur und Redakteur, seit 1980 als freier Autor. Er schreibt u. a. Hörspiele, Romane und Theaterstücke und Drehbücher. Für die Romane ›Melnitz‹ (dtv 13592) und ›Johannistag‹ (dtv 13761) wurde er mehrfach ausgezeichnet.

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Frisch eingetroffen: Andreas Gruber – Todesurteil

In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Ein Jahr später taucht sie völlig verstört am nahen Waldrand wieder auf. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes “Inferno” tätowiert – und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen mehreren Fällen – aber das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Seine Spur führt nach Wien – wo Clara die einzige ist, die den Mörder je zu Gesicht bekommen hat …

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie und vier Katzen in Grillenberg in Niederösterreich. Er hat bereits mehrere äußert erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und Romane verfasst.

www.agruber.com

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Frisch eingetroffen: Christine Kabus – Insel der blauen Gletscher

Frisch eingetroffen – unter diesem Motto werden hier künftig die neu eingetroffenen Bücher und CDs kurz vorgestellt. Ausführliche Rezensionen folgen dann später:

Spitzbergen, 2013. Um für eine Reisereportage zu recherchieren, begibt sich die Journalistin Hanna auf den einsamen Archipel jenseits des Polarkreises. Dort lernt sie den Polarforscher Kåre Nybol kennen, dessen humorvolle Art ihr sogleich sympathisch ist. Gemeinsam erkunden sie die einzigartige Landschaft Spitzbergens – und kommen sich dabei allmählich näher. Doch als sie eine längst verlassene Bergbausiedlung am Kongsfjord besichtigen, macht Hanna im geschmolzenen Gletschereis einen grausigen Fund, hinter dem sie eine spannende Story wittert. Gemeinsam mit Kåre taucht sie tief in die Vergangenheit des entlegenen Archipels ein – Ruhrgebiet, 1907. Statt dem Wunsch ihrer Eltern zu folgen und sich einen Ehemann zu suchen, schließt die burschikose Emilie einen Pakt mit ihrem jüngeren Bruder Max: Sie wird an seiner Stelle an der geplanten Arktisexpedition teilnehmen. Als Mann verkleidet schließt sie sich der Expeditionsgruppe an. Doch schon bald ahnt sie, dass sie nicht die einzige ist, die etwas zu verbergen hat. Ganz offensichtlich nehmen die Männer aus ganz unterschiedlichen Motiven an der Reise teil – und mindestens einer von ihnen hütet ein dunkles Geheimnis, dessen Aufdeckung er um jeden Preis zu verhindern sucht…

Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte.
Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen. Ihr erster Roman IM LAND DER WEITEN FJORDE ist eine Hommage an dieses faszinierende Land.

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Premiere Rheingold, 30.01.2015, Anhaltisches Theater Dessau

rheingold_c_heysel_1182 2012 mit der Götterdämmerung quasi von hinten begonnen, fand der Dessauer Ring an diesem Abend mit einer intelligenten und humorvollen Inszenierung von Rheingold seinen zum Gesamtkonzept passenden Abschluß.

Regisseur und scheidender Staatsintendant André Bücker hat auch hier das Konzept des Rings – Bauhauselemente als Reminiszenz an den Aufführungsort und die Geschichte der Medien – konsequent umgesetzt. Spielte die Walküre noch zur Hochzeit des Filmes, wurde das Rheingold an den Beginn der bewegten Bilder verlegt. Die Rheintöchter befinden sich in einem Zootrop, einer bewegten Bildergeschichte gleich wirken ihre Bewegungen und immer wieder blitzt das Gold auf, um das sich alles dreht. Die Bühne (Jahn Steigert) und die Kostüme (Suse Tobisch) sind ganz in Weiß gehalten mit einem roten Farbtupfer bei Loge und einer farbigen Überraschung am Schluß. Jeder hat eine charakteristische Kopfbedeckung, die Kostüme deuten auf spätes 19. Jahrhundert hin. Zusammen mit weißen Scherenschnitten als Projektionen, die die Personen doubeln, aber durch abweichende Handlung auch noch mehr Tiefe verleihen, ergibt sich ein spannendes Gesamtbild. Es könnte kalt und klinisch wirken, hat aber tatsächlich einen anderen Effekt: man sieht genauer hin und ist weniger abgelenkt, achtet mehr auf die Bewegungen und die Mimik.

rheingold_c_heysel_1062 Walhall in der zweiten Szene zeigt schon Anklänge an den Brünhilden-Felsen, ein verbindendes Element aller vier Teile, genauso wie der Rundvorhang, auf den die Projektionen (Frank Vetter, Michael Ott) auch diesmal eine weitere Ebene einführen. Die Nibelungen sind Kinder, die Mönchen in Skriptorien gleich, im Akkord Bilder, vielleicht für ebenso ein Zootrop wie es in der ersten Szene gezeigt wurde, anfertigen, das Gold wird durch Filmrollen symbolisiert. Hier manifestiert sich Bückers Grundlage: wer die Macht über die Erzählung hat, hat die Macht über die Welt.

rheingold_c_heysel_0494 Die Sänger sind überwiegend aus dem ganz hervorragenden Ensemble besetzt. Katharina Göres aus Berlin, die bereits in der Carmen schon kurzfristig eingesprungen war, zeigte ihre Wandelbarkaeit als Woglinde. Zusammen mit den beiden anderen Rheintöchtern Jagna Rotkiewicz und Anne Weinkauf flirtete sie prächtig mit Alberich und mahnte als Greisin am Ende die übermütigen Götter. Javid Samadov als Donner, David Ameln als Froh und Angelina Ruzzafante als Freia mögen manchmal, freiwillig oder unfreiwillig, etwas zu slapstickhaft rübergekommen sein, passten aber ganz hervorragend zu dem eigentlich heiteren Stück. Die Riesen Fasolt (Stephan Klemm) und Fafner (Dirk Aleschus) waren das nicht nur körperlich, sondern auch stimmlich. Der Alberich von Stefan Adam war herrlich verdruckst, Ivan Tursic als Mime unterwürfig. Anja Schlosser hatte einen kurzen, aber einprägsamen Auftritt als Erda, die Fricka von Rita Kapfhammer machte dem Wotan richtig Dampf. Die beiden Abräumer des Abends waren aber Albrecht Kludszuweit als Loge und Ulf Paulsen als Wotan. Ausgleichend der eine und herrisch und fast schon verschlagen der andere, dabei stimmlich auf höchstem Niveau.

rheingold_c_heysel_0407 Die Anhaltische Philharmonie unter Antony Hermus leistete Großartiges, der Abend war ein musikalischer Höchstgenuß und lässt großes erwarten für die beiden kompletten Ringe im Mai und Juni, die übrigens dann in der richtigen Reihenfolge gespielt werden. Das wird sicher auch noch einmal sehr spannend, die Rückwärtsentwicklung dann vorwärts zu erleben. Für den Juni-Ring gibt es noch wenige Restkarten.

Weitere Vorstellungen:
21.02.2015, 17:00 Uhr
05.04.2015, 19:00 Uhr
13.05.2015, 19:30 Uhr (Ring, ausverkauft)
23.06.2015, 19:30 Uhr (Ring)

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Mischpoke – neuer Besuch bei Mr Green, 06.12.2014, Junges Schauspiel Ensemble München im Kleinen Theater Haar

Ein schwules Pärchen, ein altersmilder Exzentriker und eine Neu-Orthodoxe gemeinsam? Sie sind entweder jüdisch oder mit einem Juden liiert. Die unterschiedlich starke Ausprägung ihres Glaubens bietet Anlass für hitzige Diskussionen und bereitet dem Publikum einen sowohl vergnüglichen wie auch nachdenklich machenden Abend.

Seit Ross vor einiger Zeit verurteilt wurde, sich um den von ihm damals angefahrenen, mittlerweile 92-jährigen Mr Green zu kümmern, sind die beiden Freunde und Ross betreut ihn weiterhin. Chris ist der Pfleger von Mr Green. Ross und Chris sind ein Paar und Chris möchte ein Kind adoptieren. Ross zweifelt an seinen Fähigkeiten als Vater. Während man darüber diskutiert, platzt die ultra-orthodoxe Chana in das Lebn der drei. Sie ist die Enkelin von Mr Green und nicht im jüdischen Glauben aufgewachsen. An der Uni lernt sie das jüdische Leben mit allen Gebräuchen und Sitten kennen. Der Besuch der Eltern ihres Fast-Verlobten steht bevor und sie möchte einen guten Eindruck hinterlassen. Sie hat ein Problem mit Chris und Ross und natürlich erst recht mit ihrem Wunsch ein Baby zu adoptieren.

Jeff Baron ist ein wirklich unterhaltsames Stück gelungen, das in spritzigen Dialogen die unterschiedlichen Lebensentwürfe aufeinander prallen lässt. Als Zuschauer kommt man aus dem Lachen kaum heraus, bekommt aber auch viel Stoff zum Nachdenken. Was bedeutet Toleranz wirklich? Leben und Leben lassen? Oder den anderen auch aktiv unterstützen, obwohl man nicht der gleichen Meinung ist?

Regisseur Michael Stacheder hat die Figuren fein herausgearbeitet, da stimmt jede Bewegung, jede Mimik. Seine Personenführung besticht durch Spannung und Interaktion. Die Bühne von Aylin Kaip ist geradezu genial konstruiert, sowohl das Zimmer von Mr Green aus auch ein anderer Ort werden realistisch dargestellt, Umbauten passieren sozusagen fliegend, man kann dabei zusehen und der Klezmermusik lauschen.

Die Schauspieler sind einfach großartig: der zögerliche, biedere Ross von Joachim Aßfalg, der direkte Chris von Ruben Hagspiel, der etwas tüdelige, aber doch willenstarke Mr Green von Dirk Bender und nicht zuletzt die polternde aber doch verletzliche Chana von Anna MärzAlle haben eine starke Bühnenpräsenz und präsentieren ihre Figuren sehr überzeugend.

Wie eigentlich immer beim JSEM: ein toller Theaterabend!

Es spielen: Joachim Aßfalg, Dirk Bender, Ruben Hagspiel, Anna März
Inszenierung Michael Stacheder
Bühne und Kostüme Aylin Kaip
Regie- und Produktionsassistenz Simone Birkner
Theaterpädagogik Farina Simbeck

TERMINE (Dauer der Aufführung 2 ½ Stunden, Eine Pause)

Samstag, 20. Dezember 2014
Freitag, 23. Januar 2015
Samstag, 24. Januar 2015

Beginn jeweils 20 Uhr

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