Seit einiger Zeit schreiben auf diesem Blog mehrere Autoren. Die Artikel sind deshalb mit dem Namen gekennzeichnet und rechts befindet sich eine Liste, die alle Autoren aufführt. Die Namen sind jeweils Links zu den Artikeln des jeweiligen Autors.
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Seit einiger Zeit schreiben auf diesem Blog mehrere Autoren. Die Artikel sind deshalb mit dem Namen gekennzeichnet und rechts befindet sich eine Liste, die alle Autoren aufführt. Die Namen sind jeweils Links zu den Artikeln des jeweiligen Autors. Flirten ist anspruchsvoller als Schachspielen. Es ist auf jeden Fall eine sehr spezielle Kunstform. Man kann es lernen, aber es gibt natürlich keine formelle Ausbildung dafür. Grundkenntnisse in verwandten Disziplinen wie Fechten, Pokerspielen, Tango-Tanzen, Psychologie oder Theaterwissenschaften schaden zwar nicht, nützen aber überraschend wenig. Man lernt durch Versuch und Irrtum. Und durch Beobachtung der fehlgeschlagenen Versuche anderer Leute. (Einen gelungenen Flirt nehmen Außenstehende oft gar nicht als solchen wahr.) Ich kenne ein paar sehr gute Spieler, aber keinen echten Profi. Die Königsdisziplin ist, wenn man bis über beide Ohren verknallt ist und trotzdem noch mit charmantem Lächeln vielsagende Blicke und lässige Sprüche loslässt. Ich weiß von keinem, der das hinkriegt. In der Liebe sind wir alle Amateure. Ich Tarzan, du Jane. Für mich der beste Flirtspruch aller Zeiten. Der Mann bekundet Interesse, ohne sich etwas zu vergeben. Trotzdem ist der Fall sonnenklar. Wenn es sich um eine rein sachliche Kontaktaufnahme gehandelt hätte, hätte er gesagt: “Hi, ich bin Tarzan. Wie geht’s denn so? Bananen sind da drüben, wenn Sie wollen.” – Eine ungeschicktere Variante wäre gewesen: “Wenn der Tiger kommt, bleiben Sie einfach ganz dicht hinter mir. Ich passe schon auf Sie auf.” – Und gar nicht erfreut sind Frauen über eine ganz plumpe Anmache, so nach dem Motto: “Mit so einem langen Rock kannste aber nich auf die Bäume steigen!” Aber Tarzan hat Stil, und er weiß: Man trifft sich immer zweimal. Das gilt nicht nur für den Urwald oder für eine einsame Insel, sondern sogar für ein Millionendorf. Die Welt ist zuweilen kleiner, als man denkt. Und manchmal reduziert sie sich auf eine ganz einfache Konstellation: Ein Mann. Eine Frau. Ich Tarzan, du Jane. Wenn sie dann genervt sagt: “Tarzan? Was ist denn das für ein Name? Und nur zu deiner Information: Ich heiße Janet, und nicht Jane!” – dann weiß er, woran er ist. Wenn sie dagegen gar nichts sagt, sondern ihn nur anlächelt, sagt ihm das auch eine ganze Menge. Mein Name ist Bond. James Bond. Klassisch. Eine feine Sache, wenn die Dame Martinis mit Oliven trinkt und ziemlich verzweifelt was fürs Bett braucht. Man denkt da liebevoll an die unsterbliche Dorothy Parker, die erwartungsvoll stöhnte: “Noch ein Martini, und ich liege unterm Gastgeber!” Aber bevor hier alle Jungs anfangen, den perfekten Martini zu mixen: In unserer Zeit gibt es das gar nicht mehr so häufig. Warum eigentlich nicht? Ach ja, ich weiß schon: Die Frau von heute geht bei Bedarf ins Fachgeschäft und kauft sich einen Vibrator. Aber manche bevorzugen tatsächlich noch die natürliche Variante. Und da haben solche Egozentriker jede Menge Vorteile: Man kommt schnell zur Sache, so dass SIE sich nicht ihr hübsches Köpfchen mit der Frage beschweren muss: Wie fake ich einen Orgasmus? Des weiteren braucht SIE sich keine Gedanken zu machen, wie sie IHN wieder loswird. Die moderne Variante ist: Mein Name ist Becker, Boris Becker. Und just als seine Begleiterin glaubte, schon alles gesehen zu haben, präsentierte er ihr mit großer Geste eine Besenkammer. In so einen originellen Typen muss man sich doch einfach verlieben. Guten Morgen! Da kommt es auf die Stimme an. Das kann alles heißen. Von “Ich habe nach dem Aufwachen an dich gedacht!” bis hin zu “Lass mich bloß in Ruhe, ich brauche erst mal einen Kaffee.” Aber mit der richtigen Stimme kann man sowieso fast alles sagen. Das DSK-Eröffnungsgambit Demnächst muss ich mir unbedingt das Buch von diesem Franzosen kaufen. Der sich darüber beschwert, dass Deutsche nicht flirten. Die Deutschen, die ich kenne, flirten alle. Wenn es sein muss, sogar mit der eigenen Frau. Aber vielleicht nimmt ein Franzose das gar nicht als Flirt wahr. Ich habe absolut keine Ahnung davon, wie Franzosen flirten, aber ich hatte es mir immer einigermaßen romantisch vorgestellt: “Voulez-vous coucher avec moi? Ce soir?” Aber die schmutzigen Details über französische Politiker, die letztes Jahr auch in durchaus seriösen Presseorganen zu lesen waren, haben bei mir mittlerweile einen differenzierten Eindruck hinterlassen: Man stellt sich einen Mann namens Dominique vor, der ganz begeistert ist, dass zum Zimmerservice dieses amerikanischen Hotels auch die Zofen gehören, die ihm schon so gut gefallen hatten, als er letztens mit einem Geschäftsfreund in diesem kleinen familiären Puff war. Ist doch klar, dass so einer dann zum Zimmermädchen sagt: “Komm schon, Mädel, stell dich nicht so an! Putzen kannst du dann in zehn Minuten!” Augenblick mal. Der potenteste Schlüsselreiz für die Kommunikation sind die Augen. Die meisten Menschen setzen diese Waffen gar nicht zielgerichtet ein, weil sie unbewusst Angst davor haben. Das ist auch sehr vernünftig so: Wenn der richtige Mann die richtige Frau mit dem richtigen Blick aufspießt, fliegt das Munitionsdepot in die Luft. Das will man normalerweise nicht riskieren, also schaut man irgendwann mal weg, und alles bleibt ruhig. Eine Korrelation zwischen Augenfarbe und Charakter kann ich empirisch nicht bestätigen, aber intensive Farben rufen schon erstaunliche Effekte hervor. Das Faszinierendste, was ich diesbezüglich jemals gesehen habe, waren ganz irre leuchtend blaue Husky-Augen in einem Durchschnittsgesicht, getragen über einem weinroten Pullover, und durch diese Komplementärfarbe kam das Blau noch intensiver zur Geltung. Der Mann, dem diese Augen gehörten, konnte allerdings mit seinen beiden Vorzügen offensichtlich so wenig anfangen wie eine vollbusige Frau, die nicht weiß, wie sie mit ihren Attributen und den zwangsläufigen Begleiterscheinungen (Aufmerksamkeit in sämtlichen Ausprägungen) umgehen soll. Was für eine Verschwendung. Das beweist wieder mal: Der wichtigste Körperteil ist das Gehirn. Alles andere kann man irgendwie kompensieren.
Mein Name ist Nicole C. Vosseler. Seit einigen Jahren bin ich freiberufliche Autorin. Ich habe mittlerweile acht historische Romane geschrieben, für Erwachsene, Jugendliche und jugendlich Gebliebene. Ich lebe in Konstanz am Bodensee. Wofür steht das „C“ in deinem Namen? Das „C“ steht für meinen zweiten Taufnamen, Claudia. Du hast vor kurzem dein 10jähriges Jubiläum als Autorin gefeiert. Wie bist du zum Schreiben gekommen? Zum Schreiben bin ich gekommen, weil ich schon als Kind diese Vorstellung faszinierend fand, dass es tatsächlich Menschen gibt, die die Geschichten schreiben, die nachher zwischen Buchdeckeln im Regal stehen, die man herausziehen kann und in die man abtauchen kann. So entstand doch recht früh bei mir der Wunsch, das auch zu machen, selber einzutauchen und diese Geschichte, die ich in meiner Vorstellung erlebe, auch sinnlich erlebe, dann aufzuschreiben, so dass dann hoffentlich auch andere in diese Geschichte eintauchen können. Wie findest du deine Geschichten – oder finden sie dich? Teils, teils. Also, ich begebe mich schon einerseits aktiv auf die Suche: dass ich immer wieder schaue: Was interessiert mich? Worüber mag ich gerne schreiben? Manchmal sind es auch nur Elemente wie jetzt zum Beispiel bei „Sterne über Sansibar“: Ich hatte ganz ganz lange einen schönen Artikel über Sansibar, die Gewürzinsel, in meinem kleinen Archiv und ich habe immer gedacht: Ich möchte eines Tages über Sansibar schreiben. – Die Geschichte über Salima, die hat mich dann tatsächlich gefunden. Ich denke, das Sich-finden-lassen erfordert schon eine gewisse Bereitschaft, da zu sein, offen zu sein. Ich denke, zum größeren Teil ist es wirklich, dass man gefunden wird von den Geschichten. Magst du uns erzählen, wie Salima dich gefunden hat? (Lacht) Salima hat mich gefunden, während ich noch am „Safranmond“ gearbeitet habe. Während der Arbeit am „Safranmond“ habe ich mich mit den 18 Sultanaten im Südwesten der Arabischen Halbinsel beschäftigt. Irgendwann in einer Arbeitspause habe ich mir die Frage gestellt: Was war eigentlich weiter im Osten der Arabischen Halbinsel los? Ich wusste, da ist das Sultanat von Maskat und Oman, aber was sich zu der Zeit, in der der „Safranmond“ spielt, dort zugetragen hat, wusste ich gar nicht. Da habe ich einfach aus Neugierde mal nachrecherchiert, und dann kam ich sehr schnell auf Salimas Vater, und über ihn auf sie. Ihre Geschichte hat mich dann relativ schnell gepackt. Um so mehr, je mehr ich über sie in Erfahrung gebracht habe. Dann war auch doch sehr früh dieser Punkt da, an dem ich gesagt habe: Diese Geschichte ist klasse! Die muss ich erzählen, das ist mir ein Bedürfnis! Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft? Schreibrhythmus? Ich bin ein absoluter Nachtarbeiter. Ich fange in der Regel nachmittags um 15 Uhr an damit, das was ich am Tag vorher und auch in der Woche vorher geschrieben habe, noch mal zu überarbeiten. Ich sitze dann am Schreibtisch bis in der Regel nachts um 1 oder 2, weil ich immer finde: Die beste Zeit zum Schreiben neuer Texte ist für mich zwischen 22 Uhr und 1 Uhr. Gegen Ende eines Buches wird es dann immer später. Ich schreibe dann auch oft bis gegen Morgen. Wenn es mal nicht so läuft, habe ich die Erfahrung gemacht, schaue ich, ob ich irgendwo in den Kapiteln vorher eine falsche Abzweigung genommen habe, oder ob irgendetwas schief ist. Wenn ich da den Fehler gefunden habe, geht es auch meistens besser. Wenn ich merke, es ist einfach gerade überhaupt nichts zu machen, dann lasse ich auch mal den Text zwei, drei Tage liegen und mache etwas anderes, lese oder ich gehe raus in eine Ausstellung oder raus an den See, und dann geht es dann auch wieder. Wo und wie schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen zum Schreiben? Ich schreibe ausschließlich bei mir an meinem Schreibtisch, wobei ich die Geschichte an sich gedanklich überall mit hinnehme. Ob ich jetzt bügele, oder Büroarbeit mache, oder einkaufen gehe, gedanklich bin ich immer bei der Geschichte. Aber aktiv daran schreiben, das passiert bei mir nur am Schreibtisch. Bedingung ist: Alles, was es an Kleinkram zu erledigen gibt, ob das jetzt Büro ist oder Haushalt, das muss erledigt sein, bis ich am Schreibtisch sitze. Am liebsten ist es mir, wenn es draußen schon dunkel ist. Deswegen ist eigentlich auch immer der Winter für mich die schönste Zeit zum Schreiben. Ich habe immer Kerzen an, und ich habe immer eine Kanne mit Tee auf dem Schreibtisch. Welche Phase eines Buches ist für dich die anstrengendste? Der Anfang ist insofern anstrengend, als dass er sehr viel mehr Zeit verschlingt und Unsicherheiten mit sich bringt: die Anfangsfäden überhaupt mal auszulegen für eine Geschichte. Auch die Charaktere sich vertraut zu machen. Ich kenne sie zwar schon, wenn ich anfange zu schreiben, aber sie sind mir einfach noch nicht so vertraut. Ich habe so als Faustregel: Die ersten 50 Seiten eines Buches gehen immer am langsamsten voran. Die letzten 50 gehen immer am schnellsten, aber die empfinde ich auf eine andere Art als sehr anstrengend: Es läuft zwar, es kommt jeden Tag sehr, sehr viel Text zusammen, aber es ist mental und körperlich anstrengend: Alle Fäden, die man da in der Hand hat, auch in der Hand zu behalten und am Schluss zusammenzuführen, und da keinen fallen zu lassen unterwegs. In welchem Genre möchtest du gerne noch mal ein Buch veröffentlichen, und was hält dich momentan davon ab? Es wird insofern ein neues Genre geben, als ich im nächsten Jahr wieder ein Jugendbuch schreiben werde. Es ist in der Jetztzeit angesiedelt, die hauptsächliche Handlung. Es wird auch historische Elemente haben, es wird aber auch einen leichten Einschlag ins Fantasy-Genre haben, bzw. ins Paranormale. Was ich wahnsinnig gerne einmal schreiben würde, wäre ein richtig brutaler, blutiger, abgründiger Psychothriller. Was mich davon abhält? Ich glaube, da brauche ich noch so ein bisschen Zeit, vielleicht auch ein bisschen Mut, aber vorstellen könnte ich es mir. Und irgendwann möchte ich auch noch einmal ein Buch schreiben, das quietscherosa, sehr leicht und lustig daherkommt, aber ich glaube, da muss ich einfach noch ein paar andere Themen vorher abarbeiten. Welches Genre liest du gerne selbst, und hast du einen Lieblingsautor? Ich lese selber eigentlich so ziemlich alles, außer Science Fiction und High Fantasy. Klassiker, zeitgenössisch, Thriller. Lieblingsautor, der mich nach wie vor immer noch begeistert, allein durch den Sprachstil und auch durch seine Figurenzeichnung, ist E.M. Forster. Ich bin ein großer Fan von A.S. Byatt, vor allem „Besessen“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Inzwischen mag ich auch sehr die Thriller von Chelsea Cain und Tana French. Hast du ein literarisches Vorbild? In meiner Vita steht Margaret Mitchell, und da stehe ich auch nach wie vor dazu. Denn ich finde, „Vom Winde verweht“ ist eines der großartigsten Bücher überhaupt, allein durch diese unglaublich geniale Verflechtung von Fakten und Fiktion, und in dieser Hinsicht ist es immer so für mich die Messlatte, die ich an meine eigenen Bücher anlege. Welche Musik hörst du am liebsten, und lässt du dich von Musik beim Schreiben inspirieren? Musik ist ganz ähnlich wie bei Büchern, da ist bei mir auch so querbeet alles dabei. Inspiration finde ich meistens in Soundtracks, sinfonischen Soundtracks. Da sehe ich eigentlich immer sofort Bilder und Szenen und habe Atmosphäre im Gefühl, und die höre ich dann auch immer beim Schreiben. Beim Jugendbuch wird es etwas anders, da habe ich mir auch schon eine kleine Playlist zusammengestellt. Da habe ich sehr viel von Linkin Park und von HIM dabei. Du hast uns vorhin verraten, du wohnst in Konstanz. Gibt es eine andere Stadt, in der du leben möchtest? Eigentlich: Nein. Wirklich leben: Nein. Einen zeitweisen Aufenthalt könnte ich mir sehr gut in San Francisco vorstellen, das fände ich interessant. Wie hoch ist dein aktueller SUB? Ich würde mal schätzen, so 100-150. Du hast vorhin gesagt, dein übernächstes Projekt ist ein Jugendbuch. Was erscheint als nächstes, kannst du uns da schon ein bisschen was dazu verraten? Als nächstes erscheint ein Roman, der als historischen Hintergrund den Sudan-Feldzug der Briten 1882-1885 hat. Es ist eine Geschichte um neun sehr lebenslustige junge Menschen, fünf junge Männer, vier junge Frauen, deren Leben durch diesen Feldzug unwiderruflich verändert wird. Eine Geschichte vom Leben und vom Tod, vom Krieg, und auch eine Geschichte darüber, was Menschen für die Liebe ihres Lebens zu tun bereit sind. Hast du ein Lieblingsbuch unter deinen Büchern? Grundsätzlich ist es immer das jüngste Buch, was eine Zeitlang mein Lieblingsbuch bleibt. Ansonsten eigentlich: Nein. Ich liebe jedes meiner Bücher auf eine ganz eigene Art. Jedes hat für mich etwas Besonderes. Ich habe auch für jedes ein ganz eigenes Gefühl. Also gerade „Sterne über Sansibar“ ist ein Buch, dem ich immer noch ein bisschen ambivalent gegenüberstehe. Weil ich es einerseits sehr sehr liebe und mir dieses Buch unglaublich wichtig war. Andererseits war es eine sehr harte Zeit mit dem Buch, aufgrund des Stoffs. Es ist auch für mich das Buch, was am meisten mit Selbstzweifeln behaftet ist. Natürlich ist das erste Buch, das war „Südwinde“, auf seine Art etwas ganz Besonderes, weil es eben das erste war. Und so hat jedes Buch so eine ganz eigene Empfindung für mich. Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Schriftstellerin zu sein, und was ist das Nervigste? Also, erfolgreich ist auch schon wieder Definitionssache. Bin ich erfolgreich? Ich weiß es nicht. Auf eine Art bestimmt. Das Beste ist, dass ich wirklich das Schreiben zu meinem Beruf gemacht habe, dass ich das Schreiben jetzt wirklich leben kann, jeden Tag. Das Nervigste ist, dass es eine ganz normale Selbständigkeit ist und ich furchtbar viel Büroarbeit habe und mich mit Steuersachen abplagen muss, mit Buchhaltung und solchen Dingen. Da könnte ich eigentlich darauf verzichten, aber es gehört dazu. Und es gibt auch durchaus Momente, da ist es ein gutes Gefühl zu wissen: ich bin so mein eigenes kleines Eine-Frau-Unternehmen. Erzählst du uns eine Anekdote aus deinem Schriftstellerleben? Hm. Da gibt es so viele. Du darfst uns auch zwei erzählen. (Beide lachen.) Da muss ich erst mal überlegen. – Ja, also, es gibt bei jedem Buch Momente, die ich als „Gänsehaut-Momente“ bezeichne. Das sind die Momente, in denen die Fiktion und die historische Realität ineinander übergehen. Ich habe ein ganz wunderbares solches Erlebnis gehabt, als ich am „Safranmond“ gearbeitet habe. Ich hatte da die Figur des Richard Francis Burton, den meine Heldin Maya sehr liebt, ihre erste stürmische Liebe als Kind und als junge Frau. Ich hatte den Roman fertig geplant, ich hatte das Exposé geschrieben, ich hatte es gerade ins Lektorat gemailt, und im Hinterkopf wollte ich noch irgendeine Jahreszahl nachschlagen über Richard Francis Burton, wann er jetzt genau – in welchem Jahr er in Kairo war. Während ich in der Biografie blätterte, klebten zwei Seiten in dieser Dünndruckausgabe aneinander. Ich habe die dann auseinanderbekommen und fand genau zwischen diesen beiden Seiten ein Gedicht, das Richard Francis Burton geschrieben hat, über ein kleines Mädchen, das ihm in ihrer Unschuld sein Herz und seine Seele stahl und sie immer noch hat. Und das passte so genau zu der Geschichte, die ich geschrieben hatte. Dass ich dieses Gedicht, das ich vorher bewusst nicht kannte, gefunden hatte, nachdem ich die Geschichte so entwickelt hatte – und es passte so genau. Also, mir macht es immer noch Gänsehaut. Diese magischen Momente beim Schreiben, die sind einfach unvergesslich. Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten, und keiner hat sie bisher gestellt?
Also du hast schon das Gefühl, dass auch Leserunden dir als Autor etwas bringen – nicht nur dem Leser? Ja, auf jeden Fall. Also, ich möchte auf jeden Fall immer Feedback haben. Es geht weniger darum, dass ich jetzt unbedingt gelobt werden will, obwohl es natürlich toll ist, da freue ich mich immer, keine Frage. Ich finde es so faszinierend, zu sehen, wie sich Leser damit beschäftigen, was in ihnen vor sich geht, was sie empfinden, wenn sie so ein Buch von mir lesen. Ich lerne dabei sehr, sehr viel darüber, wie Schreiben funktioniert. Ich versuche natürlich immer, auch noch besser zu werden und noch besser zu schreiben und noch besser das zu vermitteln, was ich sagen möchte. Ich mag auch einfach den Kontakt zu Lesern, und sei es jetzt auch „nur“ virtuell. Ansonsten ist das Schreiben dann doch so eine Einbahnstraße. Man schickt dieses Buch in die Welt hinaus, und … so kommt dann doch irgendwie etwas zurück, und das finde ich einfach sehr sehr schön. Das möchte ich auch nicht mehr missen. Trifft dich Kritik persönlich, oder kannst du das trennen? Es kommt darauf an. Es gibt ja doch immer mal wieder Kritik, die auch absolut persönlich gemeint ist. Da muss ich mir immer selber sagen: Ja, es mag persönlich gemeint sein, aber die Person kennt mich in der Regel ja auch nicht persönlich. Die hat eine Vorstellung, wer Nicole C. Vosseler ist, aber das bin nicht unbedingt ich. Ansonsten kann ich das eigentlich schon trennen. Es tut zwar weh, denn in jedem Buch steckt ja doch sehr, sehr viel Herzblut und sehr viel Arbeit. Es kommt für mich auch immer darauf an: Was ist es für Kritik? Ist es wirklich subjektiv, weil halt jemandem ein Charakter nicht sympathisch ist? Das ist für mich wie im richtigen Leben auch: nicht jeder kann mit jedem. Sachliche Kritik versuche ich natürlich, mir zu Herzen zu nehmen. An dem geschriebenen Buch kann ich in der Regel nichts mehr ändern, aber ich versuche dann einfach, beim nächsten Buch noch mehr darauf zu achten: ist es plausibel, ist es nachvollziehbar für den Leser? Dann sage ich ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem neuen Buch! Vielen Dank!
Auch der zweite Protagonist Hinrich Wrangel wird sehr intensiv und berührend beschrieben. Der Leser begleitet ihn vom Antritt seiner Stelle bis zum Abschluß des Falles der Ilsabe Bunk. Nebenbei lernt man auch noch etwas über das hamburgische Rechtssystem, die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit, die Gebräuche des Judentums und etlicher anderer Zeit bezogener Vorkommnisse. Insgesamt hatte ich den Eindruck eines sehr gut recherchierten und sprachlich auf hohem Niveau agierenden Roman. Claudia Weiss ist ein Name, den man sich als eifriger Leser historischer Romane merken muss.
Hardy Rudolz ist ein Mann, der um seine Ausstrahlung weiß. (Das Wort “Darsteller” passt hier nur bedingt, denn es steht immer Herr Rudolz auf der Bühne, egal, in welcher Rolle.) Katisha und die meisten Zuschauer erliegen seinem Charme ziemlich bald. Sogar mir hat er zugezwinkert, obwohl ich zwanzig Meter weit entfernt war. Er war als Koko irgendwie repräsentativ für die Vorstellung: da gäbe es viele Kleinigkeiten zu bemäkeln, aber der Gesamteindruck war doch ansprechend, witzig, überzeugend. Seine Mimik alleine ist ein Genuss, und die Frage, ob der Koko wirklich so expressiv agieren würde, ignorieren wir jetzt einfach mal. Mit etwas weniger Kopfstimme hätte mir sein Vortrag noch besser gefallen, und bei fast jedem seiner Auftritte muss ich an diesen klassischen Essay denken: “Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden”. Seine Körpersprache dagegen ist immer absolut präsent. Derrick Ballard ist richtig klasse als Mikado, in Stimme und Darstellung hervorragend. Sein (stets gleichbleibendes) Lächeln findet man zuerst fast unpassend liebenswürdig, und dann auf einmal psychopathisch gruselig. Pooh-Bah, die personifizierte Ämterhäufung, sang seine Rolle mit kräftigem Bass (Sebastian Campione). Auch die anderen Darsteller waren alle in ihrer gewohnten Form. Der Chor, einstudiert von Inna Batyuk, war sehr gut. Das Orchester unter Guido Klaus gefiel mir ebenfalls. Großer Applaus, Vorhang, alle gehen zufrieden nach Hause. Ein sehr angenehmer Nachmittag. So soll es sein.
In der zweiten Hälfte mutiert das Stück zum Wolpertinger. Mit einem Wodka lässt sich dieser Teil bestimmt besser ertragen, und konsequenterweise bin ich diesmal in der Pause gegangen. Zuvor gab es immer irgendeinen Sachzwang, warum ich bis zum albernen Ende bleiben musste: Entweder es regnete draußen, oder meine Begleitung wollte die ganze Inszenierung sehen – Gründe gibt es, wie gesagt, immer. Das, was auf der Bühne zu sehen ist, gehört aber nicht dazu. Wenn der Rezensent sich sprachlich bedeckt halten möchte, greift er gerne zu den Wörtern interessant oder mutig, aber das passt hier beim besten Willen nicht. Neckisch trifft es schon eher. Auf mich wirkt dieser Teil so, als hätte man einen Praktikanten mit einer Kerze, einer Thermoskanne Glühwein und einer modern bebilderten Ausgabe von “Grimms Märchen” in den Keller gesperrt, und erst wieder rausgelassen, nachdem er die Inszenierung für den zweiten Akt in groben Zügen mit einem rostigen Nagel in die Wand gekratzt hatte. Eine Grundschullehrerin erzählte mir allerdings, dass die Kinder ihrer Klasse alle genau die Elemente mochten, die ich superlangweilig finde. Ein riesiger Publikumserfolg ist auch der Auftritt der Schneefamilie am Ende des ersten Aktes. Nur ein Zuschauer verdreht die Augen, und das bin natürlich ich: Hurra, wir verblöden! Aber Verblöden ist schön, es hat schon auch etwas Heimeliges. Im Gegensatz zu meiner hochgeschätzten Blog-Kollegin mag ich bespielte Ouvertüren, und auch gestörte Ouvertüren stören mich kein bisschen. An diesem Abend war das sogar hochwillkommen, denn am Anfang quietschten die Bläser völlig ungestört vor sich hin, so dass der Auftritt der Darsteller geradezu eine Erleichterung war. Außerdem sind wir hier ja nicht in einer Gedenkveranstaltung zu Ehren des Heiligen Tschaikowsky. Ein bisschen Respektlosigkeit darf da schon sein, um das Ganze zu entstauben. Wobei ich zugeben muss: Sobald die Darsteller hereinkommen, scheint das für viele Zuschauer eine Lizenz zum Quasseln zu sein. Ich bin ja neuerdings Anhänger der Theorie, dass eine Ouvertüre vor allen Dingen den Zweck hat, dass sich die Zuschauer etwas beruhigen und die Sänger nicht gegen das Publikum anschreien müssen. Generell ist es in der Oper wohl wie in der Mode: Die einen finden es pfiffig, wenn etwas ironisch gebrochen wird, die anderen finden es zum Erbrechen. Da muss man durch, das Leben ist bunt. Glücklicherweise.
Wie es sich für eine Abschiedsvorstellung gehört, war es eine der besten der Serie, sieben von acht habe ich gesehen. Ann-Katrin Naidu bestach als Hänsel, es ist wirklich immer wieder erstaunlich, wie eine erwachsene Frau einen Knaben so überzeugend rüberbringen kann. Thérèse Wincent als Gretel mit ihrem hellen, aber gut hörbaren Sopran ist die Idealbesetzung für diese Rolle, kindlich, aber wenns drauf ankommt, schubst sie auch ne Hexe in den Ofen. Der Abendsegen war wieder so – hach. Seufz. Stefan Sevenich als Vater Peter hat mir an diesem Abend am Besten gefallen von seinen drei Vorstellungen, mit viel Sinn für Komik bei Rallalala, rallalala und einem Schuss Dämonik beim Hexenritt. Rita Kapfhammer in der Rolle der Mutter Gertrud stand ihm in nichts nach und sang, als ob sie eine ihrer Paraderollen Carmen oder Isabella interpretieren würde. Man merkt einfach, dass die Sänger dieses oft fälschlicherweise als Kinderstück angepriesene Werk ernst nehmen. Cornel Frey als Hexe hatte zur Feier des Tages eine extra-Warze im Gesicht und sang und spielte seine Rolle wie immer ganz hervorragend. Auch der Kinderchor war wieder eine helle Freude und am Ende hatte ich nicht nur eine Gänsehaut, sondern auch ein Tränchen im Augenwinkel. Last but not least trug das Orchester unter Oleg Ptashnikov einen erheblichen Teil zum Gelingen des Abends bei. Mir bleibt nur zu hoffen, dass dieses wundervolle, mit der neueren Geschichte des Theaters eng verbundene Stück, nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwindet, sondern zu gegebener Zeit in neuem Glanz erstrahlt und noch viele kleine und große Herzen höher schlagen lässt. Das Gärtnerplatztheater versprach mit dem NJK 2012 ein klangvolles Orchesterprogramm.
Hallo Corinna! Vielen Dank für das Interview! Ich bin 1977 in Stuttgart geboren und habe, genau wie du gesagt hast, jetzt schon vier historische Romane veröffentlicht. Die spielen alle im 18. Jahrhundert und sind bei Heyne erschienen. Jetzt begebe ich mich auf kriminelle Abwege und arbeite an einem Thriller. Wie bist du zum Schreiben gekommen? Ich habe mich mit zehn Jahren vor meinen Vater hingestellt und habe gesagt: „Papa, ich werde mal Schriftstellerin!“ Woraufhin er dann meinte: „Kind, lern was Ordentliches!“ Das habe ich dann eben auch brav gemacht, ich habe Bibliothekswesen studiert und habe sieben Jahre als leitende Bibliothekarin gearbeitet, aber das Schreiben war immer in mir drin. Ursprünglich wollte ich auch nur ein Buch schreiben, um für mich selbst zu sehen, ob ich so ein Projekt überhaupt stemmen kann, ob ich so ein Buch jemals zu Ende schreiben könnte. Dass das dann aber auch tatsächlich einen Verlag findet, hätte ich nie gedacht. Du hast ja wie gesagt vier historische Romane mit sehr unterschiedlichen Geschichten veröffentlicht. Wie findest du deine Geschichten – oder finden sie dich? Meine Romane haben alle ein Handwerk zum Thema. Das ist immer meine Ausgangsbasis: ein altes Handwerk, das wir bis heute noch kennen. Im ersten Buch war es das Goldschmieden, im zweiten Buch das Uhrmacherhandwerk, im dritten war es die Parfumherstellung. Und im vierten Buch die Medizin – die man im 18. Jahrhundert durchaus zum Handwerk zählen kann. Ja, ich würde schon sagen, ich mache mich auf die Suche, aber dann finden mich die Geschichten. Wenn ich in Archive gehe zum Beispiel. Bei der Goldschmiedin war es ein einziger Satz, und dann war die Idee da. Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft? Ich bin ja mittlerweile komplett selbständig als Autorin und natürlich, da muss man einen gewissen Rhythmus einhalten. Auch eine Muse hat ihre Geschäftsstunden. Ich schreibe sehr gerne nachts. Nur meine Schreibtischlampe an und nichts um mich herum, was mich stören könnte. Aber natürlich ist vormittags auch viel Büroarbeit dran. – Was wolltest du noch wissen? Was du tust, wenn es mal nicht so gut läuft. Durchhalten. Das hilft alles nichts. Ich verzweifle daran nicht, sondern ich überlege mir: Warum läuft es gerade nicht gut? Meistens ist es deshalb, weil es irgendwo in der Geschichte klemmt. Dass ich vielleicht eine Figur in eine Richtung haben will, die die Figur nicht will, und da schaue ich dann mal, woran es liegt. Deine Figuren sind also sehr lebendig. Ich habe durchaus so meine Diskussionen mit meinen Figuren. Das ist mir jetzt erst bei meinem letzten Buch passiert, dass ich vor meinem Laptop saß und lauthals vor mich hinschimpfte und sagte: „Jetzt reichts aber!“, weil ich mich gerade so in Diskussion mit meinem etwas bärbeißigen Leibarzt befunden habe. Natürlich, man lebt mit den Figuren mit, und ab einem gewissen Punkt entwickeln die auch ihr Eigenleben, ja. Und wer setzt sich am Ende dann durch? Ja, natürlich ich, das ist ja ganz klar (lacht). Welche Phase eines Buches ist für dich die anstrengendste? Könnte ich so gar nicht sagen. Die Phasen sind alle, jede für sich, schön und anstrengend. Du wechselst jetzt in ein anderes Genre. Du hast gesagt, du begibst dich auf kriminelle Abwege. Das heißt, du hast im historischen Bereich geschrieben, du schreibst jetzt im Thriller-Bereich. Gibt es noch ein weiteres Genre, in dem du gerne schreiben möchtest, und wenn ja, was hält dich davon ab? Naja, abhalten tut mich so gesehen eigentlich gar nichts. Der Verlag hat auch sehr offen auf meinen Wunsch reagiert, mich jetzt auch noch in einem anderen Genre ausprobieren zu wollen. Ich bin Preisträgerin des „NordMord-Award“ geworden dieses Jahr, das ist der Krimipreis für Schleswig-Holstein. Ich habe schon auch mal vor, vielleicht auch etwas Lustiges zu schreiben, etwas Komisches. Ja, ich kann mir schon noch ein paar Sachen vorstellen. Welche Bücher liest du selbst am liebsten, und hast du einen Lieblings-Autor? Ich muss sagen, seit ich selber schreibe, ist es mir relativ mühsam geworden, selbst Bücher zu lesen, weil ich immer aufs Handwerk schaue. Ich kann gar nicht mehr genusslesen. Es ist schwer, mich zu überzeugen. Auf Texte von nicht-zeitgenössischen Autoren kann ich mich besser einlassen. Ich lese unheimlich gerne Goethe, aber auch Hermann Hesse, so in die Richtung dann. Hast du literarische Vorbilder? Nein. Könnte ich so nicht sagen. Welche Musik hörst du am liebsten, und lässt du dich von Musik beim Schreiben inspirieren? Also ich höre grundsätzlich gerne Musik mit kraftvollen Stimmen, das mögen männliche oder weibliche Stimmen sein. Natürlich gibt es immer bei jedem Buch gewisse Lieder, die mich begleiten. Das sind meistens nur zwei oder drei Lieder, die ich dann immer und immer wieder am Stück höre, so dass ich gar nicht mehr eigentlich auf die Musik selber achte, aber sie begleitet mich dann beim Schreiben, ja. Kannst du da Beispiele nennen für deine Bücher? Also gerade aktuell, ist es Wolfsheim, „Kein Zurück“, ist es Falco, „Out of the Dark“, und dann höre ich noch von Unheilig „Geboren um zu leben“. Du hast vorhin gesagt, du schreibst am liebsten nachts. Brauchst du bestimmte Bedingungen dazu? Komplett alle Lichter aus, nur die Schreibtischlampe an. Ich bin aber kein Mensch, der jetzt nur an einem bestimmten Ort schreiben kann. Ich kann auch in einem Cafe schreiben, ich kann im Zug schreiben, das ist völlig unabhängig. Kommt aber ein bisschen auf die Szene an. In welcher Stadt würdest du gerne leben? Gar nicht unbedingt in der Stadt. Große Städte besuche ich gerne, aber ich würde nicht dort leben wollen. Du lebst jetzt nicht in der Stadt, demnach? Ich lebe mittlerweile in Norddeutschland, auf dem schönen flachen Land, das Meer in der Nähe, und das ist für mich schön. Wie hoch ist dein aktueller SUB? Der ist – würde ich sagen – ich habe sie nicht gezählt, aber ich würde sagen, so irgendwo zwischen 50 und 100. Und ich befürchte, wenn ich irgendwann dann jetzt doch mal auf die EBook-Schiene komme, dann wird das noch mehr (lacht). Machen dir Lesungen Spaß, und wie bereitest du dich darauf vor? Lesungen machen mir sehr viel Spaß, weil das für mich auch eine der wenigen Gelegenheiten ist, mit den Lesern in Kontakt zu kommen, unmittelbar die Reaktionen zu bemerken. Ich bereite mich vor, indem ich die Szenen auswähle, die ich gerne lesen würde, die dann einen roten Faden ergeben. Aber ansonsten bin ich da sehr frei. Ich erzähle dann auch gerne das, was die Leute wissen wollen, was sie mich fragen – das ist dann jedesmal anders. Du hast gerade den Kontakt zu den Lesern angesprochen – du hast ja auch immer schon Leserunden gemacht. Machst du sie gerne – ist es auch für dich ein Gewinn? Ja. Unbedingt. Das möchte ich nicht missen, die Leserunden im Internet, denn da erlebe ich sehr engagierte Leser, die mir wirklich Kapitel für Kapitel Feedback zu meinem Buch geben. Das ist für mich wichtig, auch für die Weiterentwicklung, weil ich einfach merke: Wie kommen bestimmte Dinge an, und wie kann ich mich zum Beispiel auch beim nächsten Buch verbessern. Du hast vorhin erzählt, es kann ein bestimmter Satz sein, der dich zu einem Buch inspiriert. Wie geht es dann weiter? Ich bin jetzt keine Autorin, die komplett durchplant. Das heißt also auch: Ich kenne zwar das Ende, wenn ich anfange, zu schreiben, aber ich weiß nicht, ob es so ausgehen wird. Das heißt, da ist durchaus immer noch eine Eigendynamik drin bei mir beim Schreiben, und ich plane dann eher kapitelweise weiter. Dein aktuelles Projekt hast du vorhin schon angesprochen. Kannst du uns ein bisschen mehr dazu sagen? Mein Thriller wird „Hypnose“ heißen, und genau darum geht es auch in dem Buch. Es geht um die Frage: Inwieweit lässt sich ein Mensch unter Hypnose beeinflussen? Lässt sich der freie Wille eines Menschen überhaupt beeinflussen? Ich habe eine Protagonistin, die ist Journalistin. In deren Freundeskreis geschieht ein kaltblütiger Mord, und die Freundin ist auch geständig. Nur Inka, meine Protagonistin, die glaubt nicht an eine Schuld ihrer Freundin. Als sie nun versucht, herauszufinden, was da passiert ist, gerät sie selber in einen Strudel aus Angst und Paranoia, und schlussendlich ist ihr eigenes Leben in Gefahr. Wie bist du zu der Geschichte gekommen? Diese Geschichte hat mich genauso gefunden. Ich wusste, wenn ich jemals einen Thriller schreibe, was ich schon lange vorhatte, wird sich das um das Thema Hypnose drehen, weil das für mich ein ganz faszinierendes Feld ist: Auf der einen Seite ist Hypnose für Therapiezwecke äußerst geeignet, und auf der anderen Seite ist es ein Mysterium. Es ist der direkte Zugang zu unserem Unterbewusstsein. Und es ist die Frage: Können wir diesen Menschen, die diese Hypnose mit uns machen, können wir denen wirklich vertrauen? Hast du dich mal selber in Hypnose versetzen lassen? Ja, das gehört dazu. Wenn ich recherchiere – alles, was nicht im Strafgesetzbuch vorkommt, was ich recherchieren kann, recherchiere ich. Genauso gehört dazu natürlich auch, dass ich mich mehrmals in Hypnose habe versetzen lassen. Das ist natürlich schon sehr prickelnd und aufregend, wenn man auch schon so einen Plot im Hinterkopf hat. Und wie war das Gefühl? Ja, wenn man jetzt auch Hypnose beschreiben könnte! Man bekommt eigentlich alles mit. Es fühlt sich ein bisschen an wie autogenes Training, was vielleicht viele kennen. Es ist aber ein noch tieferer Trancezustand. Man merkt das insbesonders, wenn man wieder zurückgeholt wird aus der Hypnose. Es wird einem auch empfohlen, erst einmal eine halbe Stunde kein Auto zu fahren, denn man steht wirklich ein Stück weit neben sich. Was es natürlich dann noch gibt, das sind sogenannte post-hypnotische Suggestionen, wozu auch Amnesien gehören. Das heißt also auch, ein Hypnosetherapeut kann mir suggerieren, dass ich nicht mehr weiß, was innerhalb der Hypnose gesagt wurde oder was ich gesagt habe. Hast du die Hypnosesitzung mit einem bestimmten Zweck – außer natürlich zu Recherchezwecken – hast du das mit einem bestimmten Hintergrund gemacht, oder nur, um es einmal auszuprobieren? Es gibt ja Hypnotisierungen zum Abnehmen und solche Sachen. Nein, es war in der Tat die Recherche bei mir. Ja, da dürfen wir dann gespannt sein. – Deine Romane sind erfolgreich. Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Autorin zu sein, und was ist das Nervigste? Also, ich muss ganz ehrlich sagen, etwas Nerviges habe ich bisher an meinem Job noch nicht erlebt. Es ist ein toller Job. Es war für mich damals ein großer Schritt natürlich, in die komplette Selbständigkeit zu gehen, denn es ist einfach ein unsicheres Feld, nichtsdestotrotz – aber ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als einfach zu schreiben. Die „Historica“ wird veranstaltet vom Autorenkreis der historischen Autoren Quo Vadis. Tauscht du dich mit deinen Kollegen aus über Recherchen, über Schreibmöglichkeiten – über welche Dinge? Ja, durchaus. Das ist eine ganz wichtige Vereinigung, die damals von Ruben Wickenhäuser und Titus Müller ins Leben gerufen wurde und die ja mittlerweile über hundert Mitglieder hat. Der Austausch ist sehr wichtig, denn man sitzt alleine an seinem Schreibtisch. Oftmals, wenn es irgendwie klemmt, sei es bei der Recherche, sei es einfach mal, dass man mit irgendeinem Plot nicht weiterkommt – da ist es schon ganz wichtig, sich mit Kollegen austauschen zu können. Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Schriftstellerleben? Tja, dazu könnte ich eigentlich nur sagen: In Kurzfassung die Anekdote „Klein-Sina auf der Frankfurter Buchmesse“. Als ich zu meiner ersten Buchmesse eingeladen war und um zehn Uhr einen Termin mit meiner Lektorin hatte, dachte ich: Naja, wenn ich um acht Uhr in Stuttgart losfliege, müsste das locker reichen. Bis mir klar wurde, was für Dimensionen das eigentlich überhaupt auf dieser Messe selber sind. Als ich dann völlig abgehetzt vor meiner Lektorin stand – es war dann fünf nach zehn – meinte sie nur: „Ach, du bist die einzige, die es auf der Messe pünktlich schafft!“ Zum Schluss noch eine Frage: Welche Frage wurde dir noch nie gestellt, aber du würdest sie gerne beantworten? Oh, du stellst Fragen! (Lacht. Pause.) Ja – vielleicht die Frage, wo ich mich in zwanzig oder dreißig Jahren sehe, denn die Frage stelle ich mir selber sehr häufig. Ich hoffe einfach, dass bis dahin noch ganz viele Bücher gelesen werden, dass das Medium Buch auch immer bleiben wird. Denn Geschichten habe ich, glaube ich, noch ganz viele zu erzählen, und ich hoffe auch, dass ich in zwanzig oder dreißig Jahren noch Geschichten erzählen kann. Herzlichen Dank, liebe Sina! Ich danke dir! |
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