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Premiere “CHRIS Kolonko – So wie jetzt”, Hofspielhaus, 12.02.2020

Chris Kolonko
Foto ©Adrian Mußner

Ein Bericht von Marina Kolmeder und Adrian Mußner

 

MK: Wenn auch klein ist das Hofspielhaus wohl eine der vielfältigsten Kultureinrichtungen Münchens. Von Sprechtheater, Musicals, Poetry Slam bis Operetten – es gibt kaum etwas, das man nicht auf diese kleine Bühne bringen könnte. In der vergangenen Woche war schließlich etwas für mich völlig Neues auf dem Programm: die neue Show des bekannten Travestiekünstlers Chris Kolonko.

 

AM: Dieser ist Sänger, Entertainer, Travestiestar und Varietélegende. Vom gebürtigen Augsburger las man zuletzt in München von seiner Tributeshow „Marlene – The Concert of her Life“ in den Feuilletonspalten. Seitdem lag sein Fokus vermehrt auf dem Erstellen eigener Showkonzepte. So wurde schließlich der Augsburger Spiegelpalast ins Leben gerufen, der bereits in der zweiten Saison seine Gäste mit Dinner-Shows beglückt.

Aus meinen bisherigen Besuchen im Hofspielhaus weiß ich bereits: die Plätze sind begrenzt. Eine kleine Bühne, ein kleiner Zuschauerraum, ein noch kleinerer Innenhof für Inszenierungen im Sommer. Später erfahren wir, dass Chris wohl ähnliche Gedanken hatte, als er das erste Mal die Treppe hinunter zum rustikal bestückten Saal beschritt. Zitat: „Mein Keller ist größer – und hat mehr Charme.“

MK: Trotzdem lässt sich Kolonko von den beengten Verhältnissen nicht von einer großen Show abhalten. Die Bühne wurde kurzerhand zur Künstlergarderobe mit Schminkspiegel, Kleider- und Perückenständer umfunktioniert. Der Zuschauer kann vor der Vorstellung die Verwandlung aus nächster Nähe mitverfolgen und auch die zahlreichen Kostüm- und Perückenwechsel finden auf der Bühne statt – mit engagierter Hilfe von Klaus aus dem Publikum.

Chris Kolonko
Foto ©Adrian Mußner

AM: Ein Experiment sollte dies nun werden, betont Chris Kolonko bereits zu Anfang. Ein Rohdiamant, der bald vor mehr Publikum inszeniert wird. Und tatsächlich werden hier viele Barrieren überwunden. Bereits beim Einnehmen des Platzes offenbart sich das ganze Spektrum des heutigen Abends. Vorhang Fehlanzeige – man nimmt seinen Platz ein, vorzugsweise mit Aperitif, und sieht dabei zu wie Kolonko sich live auf der Bühne bereits in voller Montur schminkt. Die Bühne ist funktional, es gibt ein Klaver zur Begleitung durch den Pianisten

, einen Schminkplatz, der den Mittelpunkt darstellt, daneben noch eine Auswahl an Perücken und verschiedenen Kostümelementen, drapiert wie auf einer Garderobe. Kolonko sitzt vor seinem Spiegel auf einem Sattelhocker. Den Blick durch das Publikum schweifend, der Raum ist nun zum Bersten besetzt, erkenne ich ein paar Weggefährten Kolonkos sowie vorwiegend gut gekleidete Damen mit frechen, kurzen Haarschnitten, die wohl eine eingeschworene Fangemeinde von Kolonko sind. Der Blick geht wieder zurück zur Bühne. Huch, die Lippen sind ja schon fertig.

Und tatsächlich, Schlag 20 Uhr, das Licht verändert sich und wird wärmer. Kolonko trägt einen pudrigen Duft auf, der den Zuschauer schon kurz darauf erreicht. Das Experiment kann beginnen.

Die Show ist ein buntes Potpourri aus geschickt gewählten Chansons, die sowohl pure Lebensfreude versprühen als auch mit einem Augenzwinkern die Widrigkeiten des Lebens beleuchten. Kolonko wechselt zwischendurch die Kostüme ganz nonchalant in der Bühnenmitte, lediglich die Perückenwechsel finden blitzschnell und professionell statt. Quickchange oder gar ein kurzer Marlene-Auftritt kommen nicht vor. Warum auch? Der Abend ist eine Spielwiese für Neues – das wird auch durch den Textbuchständer verdeutlicht. Aufregend für Publikum und Künstler – das schafft Sympathie. Kurze Einlagen als Conférencière geben sich die Hand mit Gollwitzer-Federn. Chris beweist an diesem Abend, was alles möglich ist – Gesang, Moderation, Publikumsinteraktion, dabei gelingt auch noch die Illusion der Weiblichkeit – Kolonko ist ein Vollblut Maître de Plaisir.

Chris Kolonko
Foto ©Adrian Mußner

MK: Für mich, als Neuling in der Welt der Travestie war dieser Mix aus Verwandlung, Comedy und Musik ein großes Vergnügen. Besonders überrascht hat mich Kolonkos offener und humorvoller Umgang zum Thema Schönheits-Operationen, denen der Künstler alles andere als abgeneigt ist. Aber er stellt hierzu auch eine wichtige Aussage in den Raum: Man sollte solche Eingriffe für sich selbst machen, für die eigene Zufriedenheit. Und ja, man merkt, dass Chris Kolonko mit sich Selbst im Reinen ist und sein schillerndes Showleben geniesst. Ein unglaublich sympathischer und nahbarer Mensch, der es versteht zu begeistern.

AM: Wir wurden bestens unterhalten, wir empfehlen wärmstens einen Besuch. Mit „So wie jetzt“ bringt Chris Kolonko ein Programm auf die Bühne, das Grenzen sprengt und Einblicke liefert, die man nicht für möglich hält. Seien Sie experimentierfreudig!

Das Programm „CHRIS Kolonko – So wie jetzt“ ist in München bereits ausverkauft. Eventuelle Zusatztermine können Sie auf www.chris-kolonko.de einsehen. Für das Parktheater im Kurhaus Göggingen bei Augsburg sind noch Karten verfügbar.

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Premiere Rigoletto, Staatstheater am Gärtnerplatz, 30.01.2020

Foto: Christian POGO Zach

Es ist wieder Zeit für einen Opern-Klassiker im Gärtnerplatztheater. Mit Giuseppe Verdis Rigoletto feierte am vergangenen Donnerstag eine der meistgespielten Opern der letzten eineinhalb Jahrhunderte seine fulminante Premiere.

Regie führte Herbert Föttinger, von dem auch die Inszenierung von Don Giovanni stammt, die seit der Umbauzeit bereits im Repertoire des Theaters sehr erfolgreich verankert ist. Auf den ersten Blick fallen durchaus Parallelen auf: ein Mann außerhalb der gesellschaftlichen Gesetze, der sich gerne mit Frauen und Drogen vergnügt und dem die Frauen kaum Widerstand entgegen bringen; eine vielfach einsetzbare Drehbühne; Herren in schicken Anzügen und leicht bekleidete Damen. Natürlich bietet sich der Vergleich zwischen Don Giovanni und dem Herzog von Mantua durchaus an. Föttingers Inszenierung ist optisch und auch in den Übertiteln in die heutige Zeit geholt, die modernste Referenz an die Moderne ist jedoch wohl Rigolettos erstes Kostüm als der Comicschurke Joker. Zugegebenermaßen habe ich mit solch einem prägnanten Element der Popkultur, das man derzeit des Öfteren in Opern sieht (z.B. bei Fidelio in der Bayerischen

Staatsoper und Don Giovanni in der Komischen Oper), ein wenig meine Schwierigkeiten. Als begeisterter Comic-Leser verbinde ich den Joker mit einem gewissenlosen Psychopathen. Rigoletto ist zwar in Föttingers Inszenierung nicht unbedingt ein Sympathieträger, hält er doch seine Tochter durch Kontrollwahn und Grobheit klein, doch zum waschechten Bösewicht reicht es in meinen Augen trotzdem nicht ganz. Eher zum sozial ausgegrenzten Einzelgänger, der durch die gesellschaftliche Ablehnung aufgrund seiner körperlichen Beeinträchtigung auch zum sozialen Krüppel wurde. Natürlich basieren sowohl Rigoletto als auch der Joker auf Romanfiguren von Victor Hugo (aus Le roi s’amuse und L’homme qui rit) und beide finden in der Rolle des Clowns persönliche Freiheit. In dieser Hinsicht kann man also durchaus auch Parallelen ziehen.

Lucian Krasnec zeigt – stimmlich wie gewohnt stark und wunderbar – einen durchaus schwer zu durchschauenden Herzog. Bei seinen Parties tanzt er ausgelassen, scheint am nächsten Tag aber eher, als würde ihn dieser wohlhabender Lebensstil eher belasten. Auch meint man in seinen Szenen mit Gilda tatsächlich wo etwas wie wahre Liebe aufblitzen zu sehen, während er sich kurz darauf wieder fröhlich einer neuen Eroberung widmet. Sehr witzig ist die Szene, als er im Hintergrund seinen perfekten Auftritt für Rigolettos Tochter plant: mit Champagner, Blumen und Musikern, nur um in letzter Sekunde alles zu verwerfen und den riesigen Blumenstrauß auf die Seitenbühne zu schmeißen.

Foto: Christian POGO Zach

Zu Gast am Gärtnerplatztheater ist Aris Argiris als Titelheld Rigoletto. Er schafft den Wandel zwischen dem zynischen Entertainer und dem traurigen Einzelgänger perfekt und sprichwörtlich auf der Bühne, wenn er das schrille Kostüm verpackt und die Schminke aus dem Gesicht wischt. Den liebevollen Vater, den man bei Rigoletto oft erwartet, sucht man jedoch in Föttingers Inszenierung. Er durchwühlt Gildas Sachen und zerrt sie durch die Gegend, während sie ihm ihre töchterliche Liebe beteuert. Auch am Ende scheint er mehr sich selbst zu bemitleiden denn seine Tochter.

Jennifer O’Loughlin scheint als Gilda mit gedecktem Kleid und dicker Brille zwar wie ein echtes “Hascherl”, doch wird schon schnell klar, dass auch dies nur eine Rolle ist. Allein stimmlich steht diese Gilda schon alles andere als unbedarft und unschuldig da (und wer weiß, welches Büchlein sie panisch vor ihrem Vater versteckt). Im Gegensatz zu Rigoletto blüht sie gegenüber dem Herzog enorm auf und setzt sich mutig für ihn ein. Ihr selbstgewähltes Ende scheint sie kaum zu bedrücken, als sähe sie dadurch die Chance, der Herrschaft ihres Vaters zu entfliehen.

Foto: Christian POGO Zach

Spannend sind auch Anna-Katharina Tonauer und Levente Páll als dubioses Geschwisterpaar Maddalena und Sparafucile, die hier scheinbar in einer alten Tankstelle hausen. Während Maddalena die Opfer ihres Bruders anlockt und verführt putzt dieser derweil ausgiebig die verrostete Zapfsäule vor der Türe. Sparafucile scheint in dieser Inszenierung als eine der wenigen Charaktere, die mit ihrem Leben zufrieden sind und dem sein “Beruf” stolz zu machen scheint. Maddalena hingegen träumt eher von einem schöneren Leben, kann sich aber ebenso schwer gegen ihren Bruder behaupten, wie Gilda gegen ihren Vater. Vielleicht fühlen sie sich deshalb auch beide derart zu dem Herzog hingezogen, der ihnen nicht nur Kontrolle aufzwingen will.

Orchester und Solisten lassen dank der energievollen Leitung von Anthony Bramall musikalisch keine Sekunde Langweile aufkommen. Ohne Zögern steuert die Handlung so durch die gesellschaftlichen Missstände und dem tragischen Ende entgegen. Zurecht erhielten die Solisten neben dem vergrößerten Herrenchor minutenlangen, begeisterten Applaus.

 

Noch bis Anfang März ist Rigoletto im Staatstheater am Gärtnerplatz zu sehen. Alle Termine finden Sie im unten stehenden Link.

Dirigat: Anthony Bramall
Regie: Herbert Föttinger
Bühne: Walter Vogelweider
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Licht: Michael Heidinger
Video: Raphael Kurig, Meike Ebert
Choreografische Beratung: Karl Alfred Schreiner
Choreinstudierung: Pietro Numico
Dramaturgie: Fedora Wesseler
Rigoletto: Aris Argiris
Herzog von Mantua: Lucian Krasznec
Gilda: Jennifer O’Loughlin
Sparafucile: Levente Páll
Maddalena: Anna-Katharina Tonauer
Graf von Monterone: Christoph Seidl
Giovanna: Ann-Katrin Naidu
Marullo: Ludwig Mittelhammer
Borsa Matteo: Gyula Rab
Graf von Ceprano: Holger Ohlmann
Gräfin von Ceprano: Elaine Ortiz Arandes
Ein Gerichtsdiener: Martin Hausberg
Page der Herzogin: Caroline Adler

Herrenchor, Orchester und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/rigoletto.html?m=410

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Don Giovanni, Landestheater Niederbayern, 03.01.2020

©Peter Litvai

Das neue Jahr hat begonnen, für mich in diesem Falle mit einer meiner liebsten Opern, die ich life und in Übertragungen schon in verschiedensten Inszenierungen sehen durfte. Nach der Premiere im Passauer Theater besuchte ich die erste Vorstellung im Landshuter Theaterzelt.
In den vergangenen Monaten gab es ja einige Diskussion um die Zukunft des Landshuter Stadttheaters und somit auch den Fortbestand des Landestheaters Niederbayern. Das bereits genannte Zelt droht länger als Spielort herhalten zu müssen, als ursprünglich geplant war. Trotz der schwierigen akustischen Verhältnisse lieferte das Opernensemble jedoch einen sehr unterhaltsamen und genussvollen Abend.
In Sachen Akustik hilft sicherlich das Bühnenbild des britischen Regisseurs ULTZ, denn er schafft mit einem schlichten weißen Raum eine Bühne auf der Bühne, die für die Sänger dadruch wie ein Schalltrichter wirkt. Singen die Darsteller abseits dieses Raums mit voller Orchesterbegleitung wie etwa bei Leporellos Arie zu Beginn geht der Sänger leider etwas unter. Doch die meiste Zeit ist der Klang dank des Bühnenbilds für die Verhältnisse im Zug durchaus gut abgestimmt.
Gesanglich sehr stark zeigt Kyung Chun Kim als Titel”held” in dieser Inszenierung einen selbstbewussten und kühlen Angeber im knalligen Designer-Jogginganzug. Dieser Don Giovanni pfeift nicht nur auf die gesellschaftlichen, sondern sogar auf die theatralen Regeln. Während alle anderen brav das den weißen Raum auf der Bühne durch die Türen betreten, hüpft er einfach durch die Vierte Wand und begutachtet während seiner Textpausen das Publikum.

©Peter Litvai

©Peter Litvai

Donna Elvira hat in Landshut ein viel größeres Problem, als nur verlassen worden zu sein. Sie erwartet von Giovanni ein Kind und scheint weniger an seine Liebe denn an sein Verantwortungsbewusstsein zu appellieren. Sabine Noack zeigt eine verletzte Frau, die Unterstützung bei einer Art Selbsthilfegruppe oder in einem Frauenhaus sucht (meist sind noch mehrere schwarz gekleidete Chordamen mit ihr auf der Bühne). Im Gegensatz zu ihr steht Kathryn J. Brown als rachsüchtige und wütende Donna Anna, zu der sich Giovanni anfangs maskiert ins Zimmer schleicht, um sie zu vergewaltigen. Während Noack als Elvira weitaus sanfter wirkt, kann Brown in ihrer Rolle viel Stimmgewalt. Als dritte Dame im Bunde gegen den Weiberhelden Giovanni zeigt Emiliy Fultz als Zerlina die buchstäbliche Unschuld vom Lande. Sie ist herrlich naiv und als ihre “Mädels” beim Jubggesellinnenabschied den Stripper feiern steht sie an der Seite und träumt von ihrer anstehenden Hochzeit, während der junge Heißsporn Masetto (Daniel Pannermayr) draußen mit den Freunden mit reichlich Bier und einem “Letzta Dog in Freiheit” auf dem T-Shirt die Sau rauslässt.
Der Publikumsliebling war Stefan Tilch als Leporello, der zwar mit schwarzer Security-Kluft sehr respekteinflößend wirken möchte, jedoch eigentlich ein Scherzkeks und Angsthase ist. Mark Watson Williams darf mit einer wundervollen Tenorstimme einen durchaus selbstbewussten Don Ottavio zeigen, der alles für seine Verlobte tun würde, jedoch auch ab und an ihrer Versessenheit auf Rache nichts entgegensetzen und sich nicht weiterhelfen kann. Heeyun Chois Komtur ist bei ULTZ als fast gebrechlicher, älterer Herr inszeniert, der Don Giovanni anfangs kaum etwas entgegenzusetzen hat. Umso verständlicher ist es deshalb, weshalb dieser am Ende die Gefahr nicht annähernd ernst nimmt und erst erkennt, als es zu spät ist.

©Peter Litvai

©Peter Litvai

Die Inszenierung des Landestheaters ist schlicht und modern, jedoch wenig provokant. Man muss auch nicht immer nackte Haut zeigen bei diesem Stück, die Provokation ist hier vielmehr die Lässigkeit, auf die Giovanni auf all den Schmerz reagiert, den er verursacht. Ein wenig “romantischer” hätte ich mir aber tatsächlich das berühmte Duett zwischen Zerlina und dem Titelhelden gewünscht. Dieser hat sie fast von der Bühne gezerrt, ich konnte jedoch nicht nachvollziehen, wieso sie auf das Werben des Fremden letztendlich eingeht. Allgemein hätte man die Beziehung zwischen manchen Figuren etwas tiefer gestalten können. Auch Leporello schien in der Inszenierung außer dem Geld nicht viel Motivation zu haben, sich mit seinem Herrn weiterhin abzugeben.
Großartig fand ich jedoch die Idee mit der bereits beschriebenen “Bühne auf der Bühne”. Es wirkt, als würde Don Giovanni die anderen Figuren nach seinen Plänen wie Puppen zu dirigieren, genussvoll zu beobachten und einfach in die Szene zu springen, wenn ihm danach ist. Das Bühnenportal mit Champagnervorrat und erotischen Kissen wirkt somit auch als von der Haupthandlung ausgeschlossener Rückzugsort für Giovanni und Leporello. Diese zwei Realitätsebenen erzeugen eine durchaus spannende Dynamik.
Gesanglich liefern die Darsteller allesamt eine sehr gute Leistung ab und Dirigent Basil H. E. Coleman lässt sein Orchester mit viel Schwung und Freude Mozarts Musik präsentieren.
Noch bis einschließlich April ist die Neuinszenierung abwechselnd in Landshut, Passau und Straubing zu sehen. Alle Termine kann man der Webseite des Landestheaters entnehmen.

https://www.landestheater-niederbayern.de/events/339

Musikalische Leitung: Basil H. E. Coleman
Regie / Ausstattung: ULTZ
Choreinstudierung: Eleni Papakyriakou

Don Giovanni: Kyung Chun Kim
Il Commendatore: Heeyun Choi
Donna Anna: Kathryn J. Brown
Don Ottavio: Mark Watson Williams
Donna Elvira: Sabine Noack
Leporello: Peter Tilch
Masetto: Daniel Pannermayr
Zerlina: Emily Fultz

Niederbayerische Philharmonie
Opernchor des Landestheaters Niederbayern
Statisterie des Landestheaters Niederbayern

 

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Medea, 05.10.2019, Kleines Theater – Kammerspiele Landshut

Am vergangenen Samstag schaffte ich es endlich wieder in das gemütliche Kleine Theater Landshut, auf dessen Bühne im Dachstuhl eines mittelalterlichen Hauses ich schon viele großartige Theaterabende erleben durfte. In einem Blog, für den ich zuvor geschrieben hatte, habe ich viele Male über dieses unscheinbare doch künstlerisch herausragende Haus berichtet.
Bereits am Freitag feierte das berühmte Werk “Medea” des antiken Dichters Euripides unter der Regie von Sven Grunert Premiere. Ich durfte die zweite Vorstellung besuchen und in der ersten Reihe ganz nah am Geschehen sein.
Das antike Drama folgt dem Abenteuer der Argonauten: Jason hat mit seiner Frau Medea, die aus Liebe zu ihm ihre Heimat und Familie verraten hat, in Korinth Zuflucht gefunden. Dort verlässt er Medea jedoch, um die Tochter des Königs Kreon zu heiraten. Er behauptet, dies nur zu tun, damit auch seine erste Frau und ihre gemeinsamen Kinder in ihrer neuen Heimat integriert werden. Dieses Argument ist jedoch nicht sehr überzeugend, die tief verletzte Medea schwört Rache und soll deshalb mitsamt ihrer Kinder verbannt werden. Durch List und falsche Unterwürfigkeit kann sie diese Strafe jedoch etwas hinauszögern und hat somit genug Zeit, die Prinzessin und Kreon zu vergiften. Auch tötet sie ihre Kinder und lässt Jason mit dem Schmerz zurück, alle die er liebte verloren zu haben.
Auf der kleinen Bühne wurde von Helmut Stürmer ein recht minimalistisches Bühnenbild entworfen. Große, graue

Foto: Gianmarco Bresadola

Papierquadrate an der Rückwand erinnern an Stadt- oder Palastmauern, die Darsteller sitzen auf schlichten, schwarzen Hockern und dazwischen verstreut symbolisieren Sand und Folien das Meer Korinths. Im Bühnenboden sind Glasplatten eingelassen, die mit Sand bedeckt sind und der Magierin Medea als eine Art Ritualplatz dienen, jedoch auch einen Geheimgang bedecken. Seitlich stehen rote, beschriftete Wände, deren Farbe an Blut erinnern und die die zentralen Motivationen Medeas wie Verrat und Rache präsent machen.
Die Kostüme von Irina Kollek sind modern, jedoch alle schwarz. Die meisten der Darsteller sind barfuß, nur die Amme und der Erzieher, die auch die Rolle des Chors übernehmen, tragen Schuhe. Sie kommentieren die Handlung und reden den Protagonisten ins Gewissen, können deren Verlauf jedoch nicht lenken. Dabei charakterisieren die Kostüme die Figuren durchaus gut. Medea etwa entfernt im Laufe des Stückes immer mehr Lagen ihrer Kleidung, was man vielleicht so interpretieren kann, dass sie sich durch ihre Handlungen immer verwundbarer macht. Jason trägt einen Anzug, jedoch ohne Hemd und mit einem dünnen Streifen einer Art Kriegsbemalung um den Kopf, als wolle der ehemalige Krieger sich in die neue Zivilisation integrieren, was ihm jedoch noch nicht ganz gelingt.
Wenn die Inszenierung auch nur etwa 80 Minuten dauert, so ist die angespannte Energie vom ersten Moment an groß, vor allem angesichts der Hauptdarstellerin Louisa Stroux, die anfangs würdevoll mit dem Goldenen Vlies über den Schultern auf die Bühne schreitet, die ganze Zeit jedoch den Anschein erweckt, als tobe in ihr ein emotionaler Kampf. Sie erklärt dem Publikum scheinbar kühl ihre grausamen Pläne, allein als der Mord an ihren Kindern bevorsteht bricht der innere Konflikt nach Außen. Stroux ist fast permanent auf der Bühne und bringt eine unglaubliche Spannung hervor, von der man als Zuschauer ebenfalls gepackt wird.
Ihr gegenüber steht Andreas Sigrist als Jason, der seinen Charakter extrem schwer durchschaubar macht. Seine wahren Motive werden nicht wirklich klar, er stürzt sich nach wie vor lüstern auf Medea – ob er dies aus Dominanz oder Gefühlen zu ihr tut wird nicht klar, was die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren nur noch erhöht. Seine scheinbar freundliche und überlegte Art trifft auf den blanken Hass Medeas. Seine Fassade bricht erst nach dem Mord an seinen Kindern, als er verzweifelt zusammenbricht.
Ergänzt werden die beiden Kontrahenten von vier weiteren Charakteren. Das langjährige Ensemblemitglied des Kleinen Theaters, Stefan Lehnen, spielt den würdevollen und gütigen König Kreon, der mit seiner ruhigen Art einen emotionalen Gegenpart zur aufgewühlten Medea darstellt und dadurch von ihr ausgenutzt wird. Allgemein verwendet Medea ihre Reize durchaus, um ihr Ziel zu erreichen. Ihrem Verbündeten Ägeus (Knud Fehlauer), der noch mit deutlicher „Kriegsbemalung“ auftritt und dem sein Darsteller einen kriecherischen und doch ehrlichen Charakter verleih, unterwirft sie sich scheinbar, lässt sich von ihm liebkosen und ringt ihm so einen Schwur für ihren Schutz ab.

Foto: Gianmarco Bresadola

Wie bereits erwähnt greifen Katja Amberger als Amme und Rudi Knauss als Erzieher nicht wirklich in die Handlung ein, sie versuchen eher zwischen den verfeindeten Fronten zu vermitteln, was ihnen jedoch nicht gelingt. Trotzdem sorgt vor allem Amberger zu Beginn des Stücks und in den Schilderungen des Mords an Kreon und seiner Tochter für Gänsehaut.
Tatsächlich bleibt es in dieser Inszenierung des Intendanten Sven Grunert bei Schilderungen, auf der Bühne wird keine körperliche Grausamkeit gezeigt. Die seelischen Leiden Medeas und zuletzt auch Jasons sowie ihr Konflikt werden dafür umso mehr in den Mittelpunkt gerückt. Der Regisseur zeigt die Titelheldin ganz klar als das Opfer der Umstände. In der griechischen Antike war das Werk Euripides’ ja bereits wegen seiner Thematik umstritten, Medea schien jedoch eher als die Böse gesehen zu werden. Hier werden die Figuren so charakterisiert, dass man Medeas extremes Handeln nachvollziehen – wenn auch nicht gutheißen – kann. Jason scheint hier vielmehr der rationale doch grausame Antagonist zu sein, der erst durch die grausamen Taten seiner ehemaligen Geliebten seine menschliche Seite zeigt. Als Medea flieht, bleibt er erstarrt von seinem und auch ihrem Schmerz zurück.
An folgenden Terminen wird “Medea” noch gezeigt: So 3.11., 19.00 Uhr / So 24.11., 19.00 Uhr / Sa 14.12., 20.00 Uhr

Regie: Sven Grunert
Bühne: Helmut Stürmer
Stückfassung / Dramaturgie: S. Grunert, G. Madiar
Assistenz: Maria Wimmer
Kostüme: Irina Kollek
Requisite: Linda Vankova
Technik: Jürgen Behl, Philipp Degünther, David Schreck

Medea: Louisa Stroux
Jason: Andreas Sigrist
Kreon: Stefan Lehnen
Ägeus / Chor: Knud Fehlauer
Erzieher / Chor: Rudi Knauss
Amme / Chor: Katja Amberger

https://www.kleinestheater-kammerspiele-landshut.de/spielzeit-20192020/spielzeitprogramm/repertoire/medea.html

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Thomas Keneally, 25.08.2019, Edinburgh International Book Festival

Thomas Keneally at the 2019 Edinburgh International Book Festival
©Edinburgh International Book Festival

Eine der schönsten Veranstaltungen war für mich jene mit dem unglaublich charmanten und begeisterungsfähigen 83-jährigen Thomas Keneally, moderiert von Leslie McDowell im ausverkauften Main Theatre.

Er sei vor ein paar Jahren in Sydney geboren worden, habe als erster Australier den Booker Preis gewonnen und durch „Schindlers Liste“ sehr berühmt geworden. Gewinner zahlloser Literaturpreise und Nationalschatz von Australien, stellte Leslie McDowell ihn kurz vor und merkte mit einem Augenzwinkern an, dass Thomas Keneally gedroht habe, zu singen.

Thomas Keneally selbst freute sich sehr über die Einladung zum Book Festival in Edinburgh, nicht zuletzt, weil der Ursprung von Waltzing Matilda in Schottland liege, auch wenn es um einen Schafscherer ginge, der quer über den australischen Kontinent zu seinem Mädchen reise. Das Lied sei allen Australiern und vermutlich auch vielen Schotten sehr vertraut – so vertraut, dass ein Großteil des Publikums schnell mit einstimmte, als Thomas Keneally begann, Waltzing Matilda zu singen.

Seine Frau und er sind die Nachfahren von Strafgefangenen, die nach Australien deportiert wurden, u.a. für den Diebstahl eines Stoffballens in Limerick/Irland. In Australien sei seine Familie nie in Konflikt mit dem Gesetz gekommen, aber natürlich habe man in Australien niedrigere Standards.

1,8 Millionen Australier würden von Frauen abstammen, die in den für Fabriken arbeiteten, extra für weibliche Strafgefangene errichtet wurden. Viele Männer reisten nach ihrer Freilassung gezielt dorthin, hatten sich über Kontaktanzeigen mit Frauen verabredet. Sie machten den Frauen im Schnitt rund 1,5 Stunden den Hof, dann wurde ein Heiratsantrag gemacht und es ging ab in den Dschungel. Dann sang er sang einige Zeilen aus einem australischen Volkslied.

©Hodder&Stoughton

Im Mittelpunkt seines neuen Buches The Book of Science and Antiquities (in Australien unter dem Titel Two Old Men Dying erschienen) stehen um zwei alte Männer, der rund 42 000 Jahre alte Shade und der heute lebenden Shelby. Es gehe um unsere vergessenen Erinnerungen. Wenn wir Die Geschichte der Welt nach Boris Johnson lesen würde, wären die Ureinwohner Australiens klägliche, nackte und arme Wesen, die abfällig Pickaninny genannt würden.

Diese Sicht auf die Ureinwohner Australiens als unglückseligen Randbewohner wolle er korrigieren, denn sie seien schon vor 42 000 Jahren deutlich fortschrittlicher gewesen als man denke. Er sehe Mungo Man als Antwort auf die vorherige beiderseitige Ignoranz und hoffe, dass über Mungo Man zwischen Ureinwohnern und der anderen Bevölkerung mehr Gemeinsamkeiten entstehen könne. Die konservativen Politiker Australiens hätten kein Interesse an Mungo Man, auch wenn dieser zwanzig Mal so bedeutend wie Ramses sei.

Es sei diskutiert worden, ob er selbst die richtige Person sei, um darüber zu schreiben, da er kein Ureinwohner ist. Während des Schreibens habe er eng mit Experten gearbeitet, um alles auf korrekte Fakten und Darstellung prüfen zu lassen.

Beim Schreiben suche er nach einer Lücke in der Geschichte und 42 000 Jahre Abstand seien viel Abstand. So habe er zum Beispiel nicht die uns gewohnten Zeitangaben verwenden können, es habe andere Tiere gegeben wie zum Beispiel ein 2,5 Tonnen schweres Wombat.

In seinen Büchern befasse er sich mit einer Vielzahl verschiedener Themen, doch häufig stünde ein Kampf um Leben und Tod. Die im Mittelpunkt stehende Figur habe immer eine Überlebenschance, hätten Handlungsspielraum. Seiner Meinung seien seine Bücher optimistisch. Thomas Keneally beschrieb sich als Gefangener der Hoffnung und zitierte dazu Desmond Tutu. Er habe sich gefragt, wie das Leben gewesen sei, als Mungo Man lebte. Wenn man sich vorstelle, wie mutig die Menschen damals waren, so könne man Lieder darüber singen und es feiern. Die Australier seien gleichzeitig die besten Dichter und Killer der Welt.

Abwechselnd werde aus der Perspektive von Shelby und Shade erzählt. Der Dokumentarfilmer Shelby ist an Speiseröhrenkrebs erkrankt (eine Krankheit, die Thomas Keneally erst vor kurzem überlebte), aber noch nicht bereit, daran zu sterben. Der deutlich jüngeren Shade gehört zu den Stammesältesten und seine Vorfahren erscheinen ihm in Träumen.

Wenn er heute Schindlers Liste schreiben würde, wäre es ein anderes Buch. In der Originalfassung sei Oskar eine Linse auf etwas Unvorstellbares gewesen. Oskar habe alle Phase des Holocausts gesehen. Vor einiger Zeit habe er mit zwei Überlebenden des Holocausts gesprochen und sie seien sehr erstaunt darüber gewesen, wie früh Oskar Schindler von den Gaskammern gewusst habe. Das sei nur durch streng geheime Informationsquellen möglich gewesen.

Wenn er es heute schriebe, hätte es einen anderen Ton und eine andere Handlung. Schauplatz sei eine Stadt in der jetzigen Zeit und es seien möglicherweise Fake News. Bücher seien Kinder ihrer Zeit. Nur wenige gute Bücher könnten überleben, wie z.B. die von Charles Dickens oder die von George Eliot.

Lesley McDowell fragte, ob sich seine Herangehensweise mit der Zeit geändert habe, ob er zorniger, politischer geworden sei. Thomas Keneally ist der Ansicht, er sei kämpferischer geworden und als australisch-irischer Hillbilly leiste er sich in der heutigen Zeit diesen Luxus. Das Verhalten australischer Politiker entsetze ihn. Der Premierminister habe ein Stück Kohle mit ins Parlament gebracht um zu zeigen, dass man sich davor nicht fürchten müsse. Dieser Mann sei taub gegenüber der Zukunft und ein Künstler der Kurzfristigkeit, („Our PM is tone deaf to the future. He is an artist of short termism.”) dessen Politik das Great Barrier Reef zerstören werde.

In Schottland habe er Glasgow immer als die wilde, heidnische Seite gesehen, 48 Meilen vom zivilisierten Edinburgh entfernt. Ian Rankin habe dies geändert, flachste er mit einem Augenzwinkern. Sydney und Canberra seien rund 150 Meilen voneinander entfernt und man überlege, so etwas wie Gandhis Salzmarsch als Protest zu veranstalten.

Als er einige Zeit in den USA verbrachte, habe ihm selbst der Geist und der selbstabwertende Humor der Australier gefehlt. Die Amerikaner stammten von Menschen ab, die zu gut für England gewesen seien, seien Heilige gewesen. Die Australier hingegen seien aus England ins Straflager geschickt worden und daher ein ganz anderer Menschenschlag.

Die Bücher von Kate Grenville seien brilliant und beschäftigen sich damit, wie die australischen Ureinwohner das Eintreffen der ersten europäischen Siedler bewältigten.

Auf die Verfilmungen seiner Bücher angesprochen reagierte Thomas Keneally deutlich gelassener als viele andere Autoren. Er habe die Regisseure gekannt und wisse, dass für sie das Buch ein Sprungbrett sei, in dem sie einen Erzählstrang finden müssten und dann etwas Neues schaffen. Steven Spielberg habe bei den Dreharbeiten immer die Seiten des Buchs neben das Skript gelegt, sich davon jedoch nicht in seiner Phantasie einschränken lassen. Ein Autor sollte das verstehen, dann gebe es weniger gebrochene Herzen. In der Verfilmung von Schindlers Liste gebe eine Szene, die so faktisch nicht möglich sei, aber der Geist der Literatur solle der im Film erzählten Geschichte nicht im Weg stehen.

Zum Ende hin bedankte sich Thomas Keneally nochmal bei allen und entschwand ins Signierzelt, wo er noch mehrere Stunden verbrachte.

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A L Kennedy, 18.08.2019, Edinburgh International Book Festival

A L Kennedy at the 2019 Edinburgh International Book Festival
©Edinburgh International Book Festival

Zu Beginn bat A L Kennedy darum, dass die Scheinwerfer auf das Publikum gerichtet werden sollen, schaute sich dann ausführlich um und kommentierte, dass die üblichen Verdächtigen anwesend seien.

Es wäre gut, wieder in Schottland zu sein. Unten in England sei es seltsam, alle würden rumschreien.

Ihr neuer Buch The Little Snake erzählt eine Fabel von einer Schlange namens Lanmo. Es sei kein Kinderbuch, die Schlange sei unterwegs, um Menschen zu töten. Jeder, der sie sieht, muss sterben. Das geht so lange gut, bis die Schlange auf die junge Mary trifft, die ihr sympathisch ist.

Es wurde ein Auszug vom Anfang des Buchs gelesen, in dem deutlich wird, wie die magische Schlange mit ihrer schönen Stimme die Menschen für sich einnimmt und wie weise sie ist. Gleichzeitig auch, dass die Schlange irgendwie dazu neigt, alle zu ermorden, die ihr begegnen.

Dann wurden weitere Auszüge aus dem Buch gelesen. Besonders amüsant wird es, als die Schlange einen Politiker trifft, der laut Aussage von A L Kennedy leider keine rote Krawatte trägt und nicht besser König von Paddington wäre, sich aber stets ausgibt als „der große Mann, der das Volk liebte“. („the great man who loved the people“)

Während die Menschen vor ihrem Tod über Liebe, Schande und Trauer lernen, lernt auch Lanmo über die Menschen und deren Gefühle. A L Kennedy betonte, dass man als Autor das Fenster sei, durch das die Leser die Geschichte sehen würden. Der Autor habe die Geschichte zu erzählen, er selbst solle nicht präsent sein. Umso einfacher man die Geschichte gestalten wolle, umso schwerer sei das Schreiben.

Auf die Frage, ob sie Mary sei oder gerne Mary wäre, antworte A L Kennedy, dass sie ungefähr in ihrem jetzigen Alter und depressiv zur Welt gekommen sei. Aber man werde nicht als Rassist oder aggressiv geboren, sondern dazu gemacht.

Ihrer Ansicht nach sei der Sinn des Daseins der Menschen, anderen Menschen zu helfen, hilfsbereit zu sein. Die Menschen hätten diese kindische Einstellung (nicht kindlich), wegzuschauen. Fest daran zu glauben, dass etwas nicht da sein, wenn man nicht hinschauen.

The Little Snake sei eine moderne Fabel. Wir Menschen hätten eine endliche Menge an Zeit zur Verfügung und die Frage sei, was man mit dieser Zeit tun wolle. Entlang des Lebensweges würde man die Freude an kleinen Dingen entdecken, an kurzen Momenten. Das Lebe bestehe nicht nur aus Krisen, man könne es nicht nur als Kind genießen.

Jedes Mal wenn man irgendetwas Gutes lese, würde das die Empathie verstärken – außer Breitbart.

©Canongate

Sie habe sehr früh angefangen zu lesen und mit rund vier Jahren zum ersten Mal den kleinen Prinzen gelesen. Damals habe sie weder alle Worte noch den gesamten Sinn verstanden. Antoine de Saint-Exupéry sei ein leidenschaftlicher Vielleser gewesen. Einmal habe er fast den richtigen Zeitpunkt für die Landung verpasst, weil er vorher noch das Buch zu Ende lesen wollte.

Eine illustrierte Version von The Little Snake könne sie sich gut vorstellen, diese sei jedoch vermutlich zu teuer. Die Moderatorin Janet Ellis bedauerte dies sehr. A L Kennedy sieht sich nicht als eine Schriftstellerin, die besonders bildhaft schreibt, sie würde beim Lesen eher Gerüche wahrnehmen und Dinge fühlen, bevor sie diese sehen könne.

Warum sie eine Schlange gewählt habe und nicht ein anderes Wesen. Wenn sie an Schlange gegen Kröte denke, falle ihr ein „Running Buffet“ ein. Als Kind habe sie eine Kröte besessen, aber Schlangen seien so viel mystischer und schon früh habe es z.B. Geschichten gegeben, wie eine Schlange sich in einen Stab verwandele.

Sie würde gerne Bücher aus ihrer Kindheit nochmal lesen. Sie könne beim Lesen nicht immer die Zähne zusammenbeißen und auch in Kinderbüchern sei nicht alles eitel Sonnenschein. Sie zählte einige Kinderbücher auf, in denen die Kinder auf sich alleine gestellt werden und einiges erreichten bzw. bewegten. (The Secret Garden, The Railway Children usw.) Solange es nicht Pollyana sei, diese rege sie sich richtig auf.

A L Kennedy beendete die Veranstaltung mit einem Appell:

Die Liebe sei das wichtigste und man solle unglaublich freundlich zu allen anderen sein. Wir Menschen könnten das. Es gehe nicht immer alles um Zorn und Ängste.

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Max Porter, 20.08.2019, Edinburgh International Book Festival

Max Porter in conversation with Festival Director Nick Barley at the 2019 Edinburgh International Book Festival
©Edinburgh International Book Festival

Die Veranstaltung wurde von Nick Barley geleitet, dem sichtlich begeisterten Direktor des Book Festivals. Benjamin Myers musste leider aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen, was sowohl Max Porter als auch Nick Barley sehr bedauerten und allen Anwesenden dessen Buch The Offing wärmstens empfahlen.

Nick Barley fragte, wer im Publikum Max Porters neuen Roman Lanny schon gelesen hatte und als sich rund die Hälfte meldete, witzelte Max Porter „Great, my bookclub came.“

Sein erster Roman Trauer ist das Ding mit Federn habe ihn berühmt gemacht, Lanny sei unter anderem für den Booker Prize nominiert und habe ihm noch zusätzliche Fans beschert.

Nach dem Erfolg des ersten Buchs habe er wirklich noch einen weiteren Roman schreiben wollen, doch das sei ihm deutlich schwerer gefallen – als unveröffentlicher Autor habe er sich freier gefühlt. In seiner Schublade habe er noch ein 16-seitiges Gedicht gehabt und er hebe seine Notizbücher immer auf. Diese seien ihm sehr wichtig.

In diesem Gedicht ginge es um eine platonische Freundschaft zwischen einem älteren Mann und einen Jungen im Grundschulalter. Es bestehe eine gewisse nicht-sexuelle Erotik, die Kunst entstehen lassen könne wie bei einem mit Wasserfarben gemalten Bild. In Großbritannien bestehe gegenüber solch platonischen Freundschaften ein extremes Misstrauen. Er selbst habe die Idee der kindlichen Unschuld stets gemocht.

Was geschehe, wenn man gewisse Elemente aus dem Buch entferne, wie zum Beispiel die Handlung oder das Wissen, um welche Person es sich handelt?

Das Gedicht habe er nur für sich geschrieben, bevor etwas von von ihm veröffentlich wurde.

©Kein & Aber

©Kein & Aber

Nick Barley hatte sich als Schauplatz eine ländliche Gegend in England vorgestellt und zeigte ein Bild einer Spätsommerlandschaft mit einer kleinen Hütte, neben der eine englische Fahne weht. Für Max Porter hat Lanny keinen bestimmten Ort und der Anblick der englischen Fahne sorge bei ihm derzeit für eine gewisse Übelkeit. England habe sich selbst damit vergiftet, was es bedeutet, Englisch zu sein und kleine Boshaftigkeiten, oft von den Eltern übernommene Fremdenfeindlichkeit seien leider an der Tagesordnung. Auch wenn viele nicht wahrhaben wollten, dass es rassistisch sei.

Er habe Lanny lange vor der Brexitabstimmung geschrieben und es spiele in einer ländlichen Gegend rund eine Fahrstunde von London entfernt, die auch heute noch von der Landwirtschaft geprägt sei. Lannys Vater habe den Ort deshalb ausgesucht, weil er in erreichbarer Entfernung zum Pendeln nach London liege.

Eine mystische Figur namens „Dead Papa Toothwort” (auf Dt. wohl „Altvater Schuppenwurz“) spielt in Lanny eine wichtige Rolle und es gibt Figuren, die Geister sehen können oder zumindestens einen kurzen Blick auf sie erhaschen, das Gefühl eine Bewegung gesehen zu haben.

Sowohl Lanny als auch „Dead Papa Toothwort“ seien offen für solche Begegnung und würden zuhören. Für Max Porter sind die Menschen nicht die Einzigen mit einer Stimme. Was wäre, wenn die Bäume mit uns sprechen könnten, erzählen würden, was früher geschah? Es wäre gut, wenn die Menschen öfter über die Vergangenheit nachdenken würden, das würde auch unser Verständnis der Trauer bereichern. Überall auf dem Land seien Spuren der Vergangenheit, der früheren Bewohner.

Die Urbanisierung von Südengland habe vieles der historischen Landschaft überdeckt, aber für Lannys pendelnden Vater spiele das unbenannte Dort die Rolle einer ländlichen Identität, mit der er sich nicht weiter auseinandersetzen wolle.

Die grünen Männer in Englands Kirchen hätten ihn schon lange fasziniert. Sie stünden für den Kreislauf der Natur, des Landes, für ihn sprechen sie auch davon, wie Pestizide und anderes sie töten. Ob Lanny den grünen Mann hören könne?

Seinen Erfahrungen nach hätten Kinder im Alter von 10, 11 Jahren ein besonderes Gespür für Umweltschutz, das er „proto environmentalism“ nannte. Auch Greta Thunberg gehöre für ihn dazu.

Im Roman sei Lanny selbst über weite Teile nicht anwesend und es herrsche in der ersten Hälfte eine leicht unheilvolle Atmosphäre. Hier würden die Leser noch weitgehend in Sicherheit gewiegt, die ländliche Gegend, die kindliche Unschuld usw. In der zweiten Hälfte wollte er dann zeigen, was passiere, wenn die Boulevardmedien zur Sache gingen und möglicherweise unschuldige Personen an den Pranger stellen. Da habe sich in den letzten Jahrzehnten leider nichts geändert.

In Max Porters Augen ist die Boulevardpresse für den aktuellen Zustand Großbritanniens verantwortlich. Ihnen gehe es ausschließlich um ihre Verkaufszahlen. Sie habe das Land komplett zerstört und würde alles dafür tun, um das Land weiterhin im Würgegriff zu halten. Deren bösartige Methoden seien denen der Propagandamaschinerie nicht unähnlich, die Hitler an die Macht gebracht habe.

Es gebe nichts, für das er mehr Verachtung empfinde als die Boulevardpresse. (“I cannot think of a thing that I hold in more contempt than the tabloid press of this country.”)

Was passiere, wenn das eigene Kind verschwinde? Anfangs seien die Eltern nicht besonders besorgt. Doch dann breche Panik aus und die Methoden der Presse seien perfide. (Es wurde ein Bild gezeigt, auf dem die verschiedensten reißerischen Schlagzeilen über mögliche Aufenthaltsorte der verschwundenen Madeline McCann abgebildet waren.)

©Faber & Faber

Max Porter wollte den Lesern zuerst das Gefühl vermitteln, dass es ganz normal sei, dass der junge Lanny mit dem 80-jähren Pete alleine viel Zeit verbringt. Dann jedoch eine gewisse Identifikation mit den Bewohnern des Orts herbeiführen, die schnell in den Jargon und die Denkweise der Regenbogenpresse verfallen. „Oh mein Gott, das gehört sich doch nicht.“

Wie schnell ertappe man sich selbst, in Krisensituation plötzlich völlig anders, viel negativer über vorher harmlos wirkende und freundliche Mitmenschen zu denken?

Im zweiten Abschnitt würden die Leser von verschiedenen Stimmen überflutet und Lanny rufe nach Dead Papa Toothwort, ob dieser echt sei. Viele Kinder seien für solche mystischen Phänomene offener als Erwachsene.

Nicht jede Figur im ersten Teil brauche eine ausführliche Biographie, die Leser könnten sich schnell den Hintergrund der verschiedenen Figuren vorstellen, ohne allzu viele Details. Er hoffe, dass die Leser dann die unterschiedlichen Stimmen der Figuren erkennen würden, auch wenn die Sprecher nicht genannt würden.

Auf dem Titelbild habe er keine Illustration gewollt, kein Bild von Lanny für die Leser, sondern etwas, das eine etwas düstere und traumartige Stimmung schaffe.

Dann folgte eine besondere Lesung, denn Max Porter, Nick Barley, Maggie O’Farrell und Tracey Thorn lasen einen Abschnitt aus dem zweiten Teil des Romans, ließen die verschiedenen Stimmen lebendig werden.

Für Max Porter sind Romane eine Art Gegenmittel zur Boulevardpresse. Wofür Filme stünden, könne er nicht sagen, damit kenne er sich nicht genug aus und es fehle ihm das passende Vokabular.

Dead Papa Toothwort sei ein Voyeur, der eine Kamera halte und die Leser mit in die Häuser der Dorfbewohner nehme, deren Gesprächen lausche. Max Porter fasziniert es, wie ein Regisseur vom ersten Moment an die Zuschauer fesseln könne. Ein Roman solle das auch von der ersten Seite an können. Die Leser sollten im Roman wie bei einem Musikstück die verschiedenen Schichten erfassen können, unterschiedliche Stimmen hören. Das erfordere eine gewisse Arbeit vom Leser, dafür sei das Lesen so viel lohnender.

Ein Lehrer habe ihm einmal gesagt, er solle beim Lesen keine Stimmen im Kopf hören und das habe ihm damals etwas genommen. Er liebe Hörbücher und möge auch die unterschiedlichen Stimmen beim Lesen. (Beim Signieren auf das Hörbuch zu Lanny angesprochen, erwiderte Max Porter, dass ihm die Stimmen der Sprecher gut gefallen, das Hörbuch jedoch zu klinisch sei, die Stimmen seien nicht durcheinander.)

Früher habe er selbst als Lektor gearbeitet. Wie sei für ihn gewesen, als sein Buch lektoriert wurde? Die Zusammenarbeit mit seiner Lektorin sei großartig gewesen und die größte Veränderung sei gewesen, eine Stimme komplett aus dem Buch zu streichen. Das habe ihm zwar zuerst wehgetan, habe jedoch schnell gesehen, dass es die richtige Entscheidung war. Die Aufgabe des Lektor sei es, das Buch so aufzublasen, dass der Autor drum herum laufen könne und es aus verschiedenen Blickwinkeln anschauen.

Damit war eine sehr interessante und unterhaltsame Veranstaltung viel zu schnell vorbei. Max Porter arbeitet an seinem nächsten Roman, über dessen Inhalt er noch nichts verraten konnte.

Das deutsche und englische Titelbild vermitteln völlig unterschiedliche Stimmungen, finde ich.

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Colson Whitehead, 25.08.2019, Edinburgh International Book Festival

Colson Whitehead in conversation with Kirsty Wark at the 2019 Edinburgh International Book Festival ©Edinburgh International Book Festival

Die Veranstaltung im bis auf den letzten Platz gefüllten Main Theatre wurde von Kirsty Wark geleitet. Vor zwei Jahren hatte er noch im deutlich kleineren Spiegelzelt gelesen.

Sie stelle Colson Whitehead kurz vor und beschrieb seinen neuen Roman Die Nickel Boys als komprimierte Rage.

Die Geschichte spielt an einer fiktiven Reformschule namens Nickel Academy, die auf der Arthur G. Dozier School for Boys, auch bekannt als Florida School for Boys, einer grauenvollen Einrichtung, die unglaublicher Weise erst 2011 geschlossen wurde.

2014 seien verstärkt Informationen über diese Einrichtung in die Öffentlichkeit gekommen und im gleichen Jahr wurde Michael Brown von einem weißen Polizisten getötet. Es sei zu weiteren ähnlichen Vorfällen gekommen und es sei der Eindruck entstanden, dass niemand dafür verantwortlich gemacht werden. Heute könne man es oft mit dem Handy dokumentieren, wenn Unschuldige leiden. Früher sei das nicht möglich gewesen und viele der Täter seien weit über 70 Jahre alt und seien Zeit ihres Lebens straffrei davongekommen. Einige seien sogar als besonders gute Bürger ausgezeichnet worden, obwohl sie in der Dozier School oder anderen Einrichtungen Straftaten begingen. Darauf angesprochen hätten sie es als ein paar Klapse abgetan.

Irgendwie habe ihn die Geschichte in jener Zeit besonders berührt. Hätte er drei Monate früher oder später gehört, hätte es ihn vielleicht nicht so stark beeinflusst. Es habe sich angefühlt wie Teil einer unreinen Kultur in der Straftäter davon kämen und die Unschuldigen leiden würden.

©Hanser Literaturverlage

Die Hauptfigur, der 16-jährige Elwood sehe sich als Teil einer Generation, die Amerika in die Zukunft führe, als kleiner Teil der Bürgerrechtsbewegung und er sei ein Einserschüler auf dem Weg ins College. Leider fährt er als Anhalter auf dem Weg in das College unwissentlich in einem gestohlenen Auto mit und landet so in der Nickel Academy.

Leider sei eine der Charaktereigenschaften von Elwood, dass er fest daran glaube, die Dinge zum positiven ändern zu können, wenn er sich nur genügend Mühe dabei gebe. Colson Whiteheads trockener Humor und die Ironie konnte seinen Zorn auf die Vorfälle und die aktuelle Situation nur ein wenig verbergen. Er las dann die ersten Seiten des Romans vor.

Die Berichte über die Ereignisse in der Dozier School hatten ihn erschüttert und damals habe niemand den jungen Opfern geglaubt. Erst Ende 2011 sei die Einrichtung geschlossen und noch später genauere Untersuchungen durchgeführt worden.

Die im Buch erwähnte Schallplattenaufzeichnung von Martin Luther King habe er als Jugendlicher nicht gekannt. Martin Luther King habe ihm schon früher positiv gestimmt und das sei auch heute noch so. Das sei eine ganz andere Generation gewesen. Sie seien auf die Märsche und Versammlungen gegangen, obwohl sie wussten, dass sie danach von Weißen verprügelt würden.

In den Südstaaten sei die Sklaverei auch heute noch nicht verschwunden, sichtbar wie z.B. in der heute wieder flatternden Fahne der Konföderierten und auch in der Alltagssprache, aber auch oft im Verborgenen. In der Schule wurde die Sklaverei lange Zeit kaum behandelt und es habe geheißen, durch Martin Luther King sei alles kuriert worden. Niemand wolle sich wirklich damit beschäftigen, wie das Land gebaut wurde – durch Sklavenarbeit und Völkermord an den Ureinwohnern. Überall bestünden Möglichkeiten für Böses, aber es sei schrecklich, wenn Menschen diese ausnutzen würden.

Auf die Struktur des Buches angesprochen antwortete er, dass er ein großer Planer sei. Er müsse den Anfang und das Ende kennen. Das Ende sei genau geplant gewesen und sobald er es kenne, ein Bild davon vor sich sehe, könne er mit dem Schreiben anfangen und darauf hinarbeiten.

Es gebe Berichte über den Slang in diesen Reformschulen. In mehreren sei die Lederpeitsche „Black Beauty“ genannt worden oder das Gebäude in dem die Folter stattfand „Eiscremefabrik“, für die verschiedenfarbigen Flecken, die von der Folter verursacht wurden.

Heute gebe es über das Internet Gruppen, in den die Überlebenden sich gegenseitig unterstützen und austauschen. Er bewundere diese Menschen dafür, dass sie zu den Orten ihres Leidens zurückkehren könnten.

Elwood ginge als Idealist in die Nickel Academy. Die Lager an der Grenze zu Mexiko würden ihn an diese Akademien erinnern. Junge Kinder, die von ihren Eltern getrennt werden und in schrecklichen Umständen untergebracht werden, für das Leben deformiert. Es ginge immer noch weiter.

 

©Hanser Literaturverlage

Underground Railroad sei sehr erfolgreich gewesen und werde jetzt verfilmt. Nächsten Sommer sollten die zehn Folgen bei Amazon verfügbar sein.

Er sei sich nicht sicher, ob er während seines Lebens noch einen weiteren schwarzen Präsidenten erleben werde. Die globale Erwärmung würde seine Lebenszeit vermutlich verkürzen. Die rassistische Einstellung sei unverändert vorhanden, es brauche nur jemanden, der sie aktiviere. Vermutlich würden weder die Probleme der USA noch die Israels zu seinen Lebzeiten gelöst. Die Menschen würden historische Ereignisse schnell vergessen und die gleichen Fehler wiederholen.

Auf sein nächstes Buch angesprochen erwiderte Colson Whitehead, dass er Underground Railroad unter Barack Obamas Präsidentschaft geschrieben habe und danach dann Die Nickel Boys, das noch schwerer verdauliche Buch, wegen der aktuellen Ereignisse in diesem Land. Sein nächstes Buch solle mehr Freude bringen, lustiger sein.

Heute herrsche eine Einstellung wie in den 1950ern, als es weder für Frauen oder Schwarze Fortschritte gab. Die verrückten Forderungen nach Gleichheit und ein schwarzer Präsident hätten einige in den Wahn getrieben. Er selbst habe ein gutes Pokergesicht. Vermutlich, weil er innen halbtot sei, sagte er ohne eine Miene zu verziehen.

Einer Frage nach möglichem politischen Engagement oder einer politischen Rolle wich Colson Whitehead aus und antwortete knapp zu seiner Einschätzung von Donald Trump: “We’ve had dumb presidents and racist presidents, but never one this dumb and this racist.”

Auf die Umgebung beim Schreiben angesprochen erzählte er, dass er es gewohnt sei, in einer lauten Umgebung zu schreiben. Polizeisirenen, Geräusche wie jemand auf der Straße erwürgt werde. Er habe eine Playlist mit 3000 Liedern, von Punk über Sonic Youth und vieles andere.

Er schreibe nicht jeden Tag, ungefähr acht Seiten pro Woche. Oft überarbeite er zuvor geschriebenes und verbringe viel Zeit mit Recherche. So komme auf rund 400 Seiten oder ein Buch pro Jahr. Die Nickel Boys sei das erste Buch gewesen, bei dem er sich während des Schreibens zum Ende hin immer deprimierter gefühlt habe. Es habe sich schlecht angefühlt, es zu schreiben und er wusste genau, wie es enden würde.

Es vergehe keine Woche ohne irgendwelche kleineren oder größeren rassistischen Vorfälle in seinem Umfeld. Man sehe seine Welt durch die eigenen Erfahrungen in Bezug auf Rasse, Geschlecht und Gesellschaftsklasse.

Eine schwarze Zuschauerin erzählte, dass ihre Verwandten aus Florida damals von den Berichten über diese Reformschule erschüttert gewesen seien. Niemand habe von den Vorgängen gewusst und sie sei ihm dankbar dafür, dass er eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam mache. Colson Whitehead erwiderte, dass Florida für lange Zeit die höchste Zahl an Lynchmorden gehabt habe. So hoch, dass sie normal erschienen seien. *

Eine Frage aus dem Publikum bezog sich auf die Kombination schöner Prosa und barbarischer Ereignisse. Ob sich das Schreiben dann irgendwie schizophren anfühle.

Die Recherche sei für ihn anders gewesen als das Anschauen von Roots als Kind. Die Gewalt in Underground Railroad sei etwas weiter weg gewesen, die der Reformschulen habe sich unmittelbar angefühlt und deprimierend. Er habe die Dozier School besuchen wollen und es immer wieder verschoben. Irgendwann sei ihm klargeworden, dass er mit Dynamit hingefahren wäre. Die Schule sei letzten Endes durch einen Hurrikan weitgehend zerstört worden und sehe jetzt von außen so aus wie früher die Vorgänge im Inneren.

Die Tampa Bay Times habe die Vorfälle in der Schule an die Öffentlichkeit gebracht, jedoch sei damals ausschließlich in Lokalzeitungen darüber berichtet worden. Es sei nie in die landesweiten Nachrichten gekommen. Der Staat habe sich zwar bei den Schülern entschuldigt, aber es wurde niemand angeklagt und verantwortlich gemacht. Die Schule wurde geschlossen und damit sei es erstmal erledigt gewesen.

Für ihn seien alle Berichte aus erster Hand sehr wichtig gewesen. Er hoffe, wie so viele Eltern und Großeltern, dass seine Kinder in einer besseren Welt aufwachsen und diese Welt offener für Minderheiten und Benachteiligte sei. Aber er wisse, dass die Menschen eine ziemlich dumme Rasse seien und viele Fortschritte durch unglaubliche menschliche Schwäche wieder vernichten würden.

Auf die Frage ob Literatur Veränderungen bewirken könne, antwortete Colson Whitehead, dass er nicht glaube, dass Literatur noch eine zentrale Rolle in der Kultur spiele und so Veränderungen bewirken könne. Er sei der Ansicht, dass nicht genügend Menschen lesen würden und die Menschen, die von bestimmten Büchern beeinflusst werden könnten, würden eben jene Bücher nicht lesen.

Wenn man eine Vielzahl unterschiedlicher Romane lese, von verschiedenen Autoren, bekomme ein besseres Verständnis für die Welt, wie Rassismus, Sexismus und Antisemitismus funktionieren würden.

Im Anschluss signierte Colson Whitehead noch rund zwei Stunden lang und beantwortete zahlreiche Fragen.

*Zufällig stand diese Frau später beim Signieren hinter mir in der Schlange und sprach darüber, dass nicht bekannt gewesen sei, wie gravierend die Vorfälle gewesen seien, aber dort vieles normal erschienen sei, das in anderen Bundesstaaten in einem anderen Licht gesehen wurde.

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Arundhati Roy, 19.08.2019, Edinburgh International Book Festival

Arundhati Roy beim Edinburgh International Book Festival ©Nachtgedanken

Arundhati Roy beim Edinburgh International Book Festival ©Nachtgedanken

Die Veranstaltung im ausverkauften Main Theatre wurde von Nicola Sturgeon moderiert, die als leidenschaftliche Leserin bekannt ist und es war der erste Besuch von Arundhati Roy beim Book Festival in Edinburgh.

Nicola Sturgeon stellte Arundhati Roy kurz vor und fragte als erstes, wie sich ihr Leben verändert habe, nachdem Der Gott der kleinen Dinge mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurde. Es sei wie ein seltsamer Traum gewesen und so unglaublich schnell gegangen. Zuvor habe sie Architektur studiert und später Drehbücher geschrieben und nicht daran geglaubt, dass ihr Buch jemand außerhalb Indiens interessieren könnte.

Plötzlich hätte eine ganz andere politische Kaste engen Kontakt zu ihr gesucht und auch das Geld habe ihr Leben verändert. Eine Freundin habe ihr damals gesagt, dass nach diesem Erfolg in ihrem weiteren Leben nichts Vergleichbares geschehen würde. Sie selbst habe sich gegen diese Vorstellung gewehrt und sich gefragt, wie es weitergehen könne. Selbstmord weil nichts mehr komme sei keine Lösung gewesen und auch in Ruhe Baumwolle zu spinnen keine Option.

Als Schriftstellerin strebe sich nach tiefem Verständnis und mehr als alles andere danach, ihre Seele ausdehnen zu können („expand your soul“), so wie man es auf Reisen könne. In den letzten 20 Jahren habe sie viele Artikel geschrieben, Sachtexte, jedoch kaum Romane, weil sie keine Produktionsstätte für Romane werden wollte. Sie nannte als Beispiel ein Sachbuch über Dr. Ambedkar und Gandhi, in dem es um deren Einstellung zum Kastensystem und dessen möglicher Abschaffung ging.

Das Leben lebe sich ungeplant, so wie der Erfolg von Der Gott der kleinen Dinge nicht geplant gewesen sei.

Indien habe sich in den letzten 20 Jahren stark verändert, es gebe ein Gefühl der Dringlichkeit für Veränderungen. 400 Sender würden rund um die Uhr Nachrichten senden, als freie Person müsse man einen Weg finden, damit umzugehen.

In ihren Büchern gebe es nicht einen Handlungsstrang, sondern ein Universum in das man eintauchen könne.

 

©Penguin Random House

Der Gott der kleinen Dinge sei eine Liebesgeschichte, in der die Problematik des Kastensystems ein zentrales Thema sei. Es gebe keine einfache Antwort dazu. Die englische Sprache in Indien sei durch die Kultur des Landes bereichert worden. Auch die Sprache in ihrem zweiten Roman Das Ministerium des äußersten Glücks (2017) habe mehr als eine Schicht und diesem Buch gebe es eine Nebenfigur, deren Heimatdorf möglicherweise auf dem Boden eines Stausees ertrinke.

Ihr öffentliches Engagement bringt immer wieder gerichtliche Klagen gegen sie mit sich, sei es die Kampagne gegen einen geplanten Staudamm, durch den eine halbe Million Menschen obdachlos geworden wären, gegen die Atompolitik der indischen Regierung oder für die Naxaliten. Der Inhalt ihrer Bücher sei immer irgendwie politisch, schon weil das Wort „politisch“ umfassend sei. (vast sense of meaning). Beim Lesen bestimme das, was man sehen oder vermeiden wolle darüber was man dann im Buch entdecke.

Ihr zweiter Roman Das Ministerium des äußersten Glücks sei strukturell und thematisch deutlich komplexer, es gebe eine Vielzahl von Figuren und Schauplätzen. Sie sei einmal gebeten worden, diesen Roman kurz zusammenzufassen. Dies sei nicht möglich. Ihrer Ansicht nach solle man keine Romane schreiben, die kurz zusammengefasst werden können – dann reiche es auch, diese Zusammenfassung zu schreiben.

Schreiben solle eine Herausforderung sein und sie könne nicht in einfacheren Strukturen denken. Es sei wie durch eine Stadt zu laufen und man begegne all diesen Menschen, an denen man nicht einfach vorbeigehen könne In ihrem Roman werde ein Friedhof zu einem Gasthaus, geleitet von jemandem, der nicht in die Normen der Gesellschaft passt. Als Architektin sei ihr auch die Struktur der Romane sehr wichtig. An einigen Stellen sei auch die Stadt selbst wie eine Figur im Roman. Sie lese auch selbst gerne Bücher, die sie herausfordern.

 

Es sei ihr sehr wichtig gewesen, dass Das Ministerium des äußersten Glücks in Urdu und Hindi übersetzt wurde, zwei von insgesamt 51 Sprachen in denen der Roman bisher erschien.

Dann sprachen Arundhati Roy und Nicola Sturgeon über das Kapitel Der Vorzeitige Tod von Miss Jebeen der Ersten, das in Kaschmir spielt und die Überleitung zum eher politischen Teil war.

In Kaschmir ereigne sich eine Tragödie. Es sei unglaublich, was in den letzten beiden Wochen geschehen sei in Bezug auf Grenzen, den Umgang mit Minderheiten und Außenstehenden. Eine halbe Million Soldaten patrouilliere auf den Straßen und rund sieben Millionen Menschen seien von der Außenwelt abgeschnitten. Sie wisse nicht, ob oder wie man helfen könne.

©Penguin Random House

©Penguin Random House

Im Westen kehre der Faschismus zurück, in Indien habe die vor knapp 100 Jahren gegründete RSS zahllose Organisationen und eine bewaffnete Miliz, sei in jede Institution des indischen Staates eingedrungen und glaube an die Überlegenheit der Hindus. Moslem, Christen, Intellektuelle, Journalisten, die politische Linke usw. würden angegriffen, ermordet. Jeder, der sich gegen die RSS stelle, sei in Gefahr. Ihr selbst sei es nicht möglich, still zu bleiben.

Letzten Endes werde der Faschismus irgendwann sterben, aber was sei der Preis bis dahin? Es gebe viele Faktoren, die derzeit größeren politischen Widerstand verhindern würden und es sei an der Bevölkerung einen Ausweg zu finden.

Der „Unlawful Activity Prevention Act“ sei in den letzten Jahren immer weiter verschärft worden, sodass jetzt jeder ohne jegliche Beweise angeklagt werden könne. Gerade sei in der New York Times ein Artikel von ihr zur aktuellen Situation in Indien und Kaschmir erschienen.

Arundhati Roy erwähnte den Film The Great Hack über den Skandal um Cambridge Analytica und betonte, wie wichtig es sei, dass man selbst kontrollieren könne, wer einen regiere und nicht andere das eigene Denken kontrollieren würden. Die Herrschenden würden solche Methoden nutzen, um über Geld(flüsse) und Daten zusätzliche Macht zu erhalten. Dies alles geschehe in einer unglaublichen Geschwindigkeit.

Indien sei jetzt eine Ein-Parteien-Demokratie, ein Widerspruch in sich und sehr gefährlich. Alle Daten, die man von sich preisgebe, würden anderen Macht über seinen selbst geben, verraten, wie man denke und

 

handele.

Wenn Kaschmir von einer Armee besetzt sei, so sei Indien derzeit von einem Mob besetzt, vom Pöbel.

Sie wolle kein Märchen voller Hoffnung erzählen und könne nur sagen, dass viele Menschen nachts wach wären und über die Situation nachdächten. Die Gefahr sei offensichtlich, allgegenwärtig und sie wisse auch keine Lösung, man fühle sich hilflos.

Am Ende bedankte sich Arundhati Roy für die Einladung zum Book Festival und dass Nicola Sturgeon ihre Gesprächspartnerin war. Eine Politikerin die lese, das sei heute so wichtig.

Dann las sie noch den ersten Aufsatz The Bomb and I aus ihrem neuen Sachbuch My Seditious Heart, eine Sammlung von Artikeln und Aufsätzen und signierte im Anschluss über zwei Stunden geduldig und beantwortete zahllose Fragen.

 

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Let’s Stop Brexit, 14.07.2019, Theater Krefeld und Mönchengladbach

Vor ziemlich genau zehn Jahren begann mit der Premiere der Piraten von Penzance am Gärtnerplatztheater meine Leidenschaft für die Comic Operas des kongenialen britischen Duos  Gilbert & Sullivan. Leider hört man diese im deutschsprachigem Raum nur sehr selten, so wurden in Deutschland in den letzten drei Jahren fast ausschließlich die Piraten gespielt. Natürlich kommt es hier immer auf die Übersetzung an, die für die Piraten 2009 in München war großartig und hat den Witz und die Absurdität des Librettos sehr gut wiedergegeben. Das ist jedoch leider nicht die Regel, so wählte man zum Beispiel für den Mikado am gleichen Theater eine Übersetzung aus den Sechzigern, die zusammen mit ein paar wirklich schlechten Regieeinfällen das Stück mehr oder weniger kaputt machte.

Umso bemerkenswerter ist es, wenn ein Theater die Musik von Arthur Sullivan mit neuen Texten versieht und damit in die Gegenwart transportiert. Und es schafft, den Stil von Gilbert & Sullivan dabei absolut treu zu sein: Gesellschaftskritik verpackt in einen absurden Plot, der eines William S. Gilbert würdig ist. Das ist Ulrich Proschka zu verdanken, der nicht nur die Texte geschrieben, sondern auch Regie geführt hat.

Spannend ist die Entstehungsgeschichte des Stückes, die so nah am Geschehen war, dass man während der Proben nicht wusste, ob die Story zur Premiere im Februar noch aktuell ist. Angesetzt ist die finale Abstimmung über den Brexitdeal im Unterhaus und Theresa May möchte diesen unbedingt durchpeitschen. Klingt wie ein Deja Vue, oder? Aber sogar im eigenen Kabinett gibt es Gegner des Austritts, wobei deren Motive nicht immer uneigennützig sind. So tut sich der Minister Henry Crowfield mit dem MP Matthew Plainbrooke zusammen, um die Premierministerin umzustimmen. Um nicht belauscht zu werden, treffen sie sich in einem Pub, der dem typischen Klischee entspricht: warmes Bier und schlechtes Essen. Und eine Bedienung, die große Ähnlichkeit mit Theresa May hat. Und dann nimmt die Geschichte Gilbertische Ausmaße an. Mabel, die Assistentin von Theresa May und heimliche Flamme von Matthew wird eingespannt und sperrt die echte Theresa in deren wohnzimmergroßen Schuhschrank ein und die falsche Theresa wird gedrillt. Wie es ausgeht? Das schaut man sich am Besten selbst an. Bei meinem Besuch im Juli wurde der Schluß der Produktion den zu diesem Zeitpunkt geltenden Plänen angepasst. Es werden Wetten entgegengenommen, ob die Wiederaufnahme im November in Krefeld wieder den neuesten Gegebenheiten angepasst wird.

Die Musikrevue setzte sich zusammen aus Songs aus acht verschiedenen Gilbert & Sullivan Operetten, beginnend mit der Ouvertüre von HMS Pinafore über I‘m called little Buttercup, Tripping hither, tripping thither, I have a song to sing, When the night wind howles, From the sunny Spanish shore bis hin zu Let‘s give three cheers für den Schluss. Das Orchester war zwar klein, aber das Arrangement von Martin Brenne war ideal, um auch die kompositorischen Feinheiten von Arthur Sullivan zur Geltung zu bringen. Die deutschen Texte sind in ihrer Absurdität und ihrem Wortwitz genial und lassen das Herz jeden Gilbert und Sullivan Fans höher schlagen. Ich habe mich wirklich köstlich amüsiert und wer mich kennt, weiß, dass ich insbesondere bei Interpretationen von mir geliebter Stücke sehr kritisch bin. Die fantastische Umsetzung dieses doch sehr britischen Themas ist umso bemerkenswerter, da die Texte durch einen deutschen Muttersprachler geschrieben wurden und die Uraufführung an einem deutschen Theater stattfand.

Alle Vorstellungen waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und ich hatte das Glück, eine Karte für eine Zusatzvorstellung zu ergattern. Man sitzt auf der Bühne des Theaters, das Bühnenbild ist dem britischen Unterhaus nachempfunden. So ist man unglaublich nah dran am Geschehen und erlebt live mit, wie sich der Tisch zwischen Regierungsbank und Opposition in einen siffigen Thekentresen verwandelt. Auch der May‘sche Schuhschrank war genial umgesetzt und so wurde aus dem Stück ein wahres Gesamtkunstwerk.

Ich kann den Besuch dieses Stückes wirklich von Herzen empfehlen, wenn man Gilbert & Sullivan und/oder Großbritannien mit allen seinen schrulligen Eigenheiten liebt.

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