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Frisch eingetroffen: Charly Weller – Eulenkopf

Am Eulenkopf in Gießen hat man einen Toten kopfüber in einen Gully gesteckt. Seine Kehle wurde durchtrennt, und in seinem Unterleib findet die Rechtsmedizin Reste eines explodierten Chinakrachers. Jemand hat ihn wohl so verachtet, dass er ihn im Tod noch besudeln wollte. Wer ist der tote Mann und warum wurde er so roh zugerichtet? Die folgenden Ermittlungen sind eine Achterbahnfahrt durch die abgründige Vergangenheit des Toten. Das reicht von perfider Gehirnwäsche im Vogelsberg über infame Spionage in Heuchelheim bis hin zu sexuellem Missbrauch in der Wetzlarer Spilburgkaserne. Der Eulenkopf ist eine Siedlung am Stadtrand von Gießen, verschrien als wild und gefürchtet, und die Sprache der Anwohner ist »Manisch«, ein Sonderwortschatz jenisch-rotwelschen Ursprungs. Etwas, das man spricht, wenn man Geheimnisse austauscht. Für Roman Worstedt, Kommissar mit manischen Wurzeln und hinter seinem Rücken bisweilen »Worschtfett« genannt, ist es die erste Ermittlung nach drei Jahren Zwangspause. Ihm zur Seite steht Regina Maritz, die ihren ersten Frankfurt-Marathon noch in den Knochen hat und frisch von Wiesbaden nach Gießen versetzt wurde. Ein pädokrimineller Fußballschiedsrichter spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Gießener Pfingstregatta, das Notaufnahmelager und ein falsch ausgelieferter Plasmafernseher. Worstedt kämpft sich durch zähe Befragungen, bis schließlich eine weitere Leiche gefunden wird …

1951 geboren in Marburg a. d. Lahn, von Hause aus Filmemacher. Nach Jugend in Gießen und Wetzlar zunächst Theologie-, dann Jura- und Publizistikstudium in Berlin. Zwischenzeitlich Fotograf, Journalist, Taxifahrer, Versicherungsvertreter und Kinobetreiber. Nach Regieassistenz unter Peter Fleischmann erste eigene Filme; ausgezeichnet u. a. mit »Prix du Jury« in Cannes und »Max-Ophüls-Förderpreis«. Regisseur zahlreicher Folgen von TV-Krimi-Serien wie »Ein Fall für Zwei«, »Die Kommissarin«, »Im Namen des Gesetzes« u. a. Lebt heute als Chef von »Mittelhessen-TV« mit seiner Frau Ritchie zwischen Gießen und Wetzlar.

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Frisch eingetroffen: Herausgeber Grafit Verlag – Online ins Jenseits

Twitter mir das Lied vom Tod

Wenn die ›Netiquette‹ versagt, das YouTube-Video bloßstellt, ein Hacker seine Tastatur glühen lässt oder ein falscher Freund alles über einen erfährt, dann ist man im Internetzeitalter angekommen. Namhafte KrimiautorInnen sind online gegangen und haben die heimtückischsten Cybermorde aufgespürt: Frank Bresching, Jürgen Ehlers, Roger M. Fiedler, Christiane Geldmacher, Karr & Wehner, Krystyna Kuhn, Sunil Mann, Jörg Marenski, Sabina Naber, Karl Olsberg, Roland Spranger, Sebastian Stammsen, Sabine Thomas und Rainer Wittkamp

Fesselnde Unterhaltung, nicht mehr, aber auch nicht weniger will der Grafit Verlag mit seinen Büchern bieten. 1989 gegründet, war der Anspruch zunächst nicht so klar umrissen. In den ersten Jahren bildeten Hotelführer einen weiteren Schwerpunkt des Programms. Doch 1999 entschieden Verlagsgründer Dr. Rutger Booß und seine Mitarbeiterinnen, sich zukünftig ausschließlich der Bekämpfung von – natürlich fiktiv begangenen – Verbrechen zu widmen.

Von Beginn an war es ein besonderes Anliegen, den deutschsprachigen Krimi aufzubauen und zu entwickeln. In den ersten Jahren handelte es sich in der Tat um Aufbauarbeit – in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts war Kriminalliteratur ein fast nicht existentes Genre im Buchmarkt und erst recht der deutsche Krimi fristete ein kümmerliches Dasein. Doch nicht zuletzt dank der Erfolge der ›Eifel-Krimis‹ von Jacques Berndorf – die Geschichten über Siggi Baumeister stürmten regelmäßig die Bestsellerlisten –, begann der Krimimarkt zu boomen.

Heute ist die Krimilandschaft unüberschaubar groß, fast nach dem Motto ›Jedes Dorf bekommt seine Leiche‹. Der Grafit Verlag legt aber weniger Wert darauf, dass jedem Dorf ein Verbrechen angedichtet wird, als vielmehr, dass gute und spannende Geschichten erzählt werden. So gehören namhafte und preisgekrönte Autorinnen und Autoren zur ›Grafit-Familie‹: Jürgen Kehrer, dessen Privatdetektiv Georg Wilsberg aus Münster nicht nur zwischen Buchdeckeln sehr erfolgreich auf Spurensuche geht, sondern am Samstagabend im ZDF jedes Mal ein Millionenpublikum vor den Fernseher lockt. Gabriella Wollenhaupts Grappa-Krimis haben seit zwanzig Jahren regelrechten Kultstatus, Horst Eckert ist der Vater von vielen ›Helden‹, er konfrontiert immer wieder neue Figuren mit den Abgründen der Gesellschaft und seine Romane werden regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet. Lucie Flebbe mit ihrer jungen Detektivin Lila Ziegler gilt als das neue deutsche Fräuleinwunder des Krimis – um nur einige namentlich zu erwähnen.

Neben den zeitgenössischen Krimis finden sich historische Romane und Übersetzungen aus dem europäischen Ausland im Grafit-Programm. Auch hier zeugen viele Preisträger für eine sorgfältige Auswahl der Bücher. Z. B. wurde der Finne Marko Kilpi sogar für den ›Finlandia‹-Preis, den bedeutendsten literarischen (!) Preis Finnlands nominiert und der Niederländer Charles den Tex mit seinen Michael-Bellicher-Thrillern hat fast schon ein Abo auf den niederländischen Krimipreis. ›Winterfest‹ des Norwegers Jørn Lier Horst wurde die besondere Ehre zuteil, 2011 zum Lieblingsbuch der norwegischen Buchhändler gewählt zu werden.

Obwohl sich das Grafit-Programm ›nur‹ innerhalb eines Genres, eben der Kriminalliteratur, bewegt und Schwarz die prägende Farbe vieler Cover ist, präsentiert es sich bunt und abwechslungsreich: Es ermitteln natürlich Polizisten und Detektive, aber auch Anwälte, Journalisten, Taxifahrerinnen, Studenten sowie andere ›Normalos‹ – und sogar ein Killer. Die Erzählungen sind mal sachlich oder witzig, literarisch oder skurril, mal mehr, mal weniger realitätsnah, mal nachdenklich stimmend, mal ›in einem Happs konsumierbar‹ – wie auch immer, eines auf jeden Fall: spannend.

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Frisch eingetroffen: Herausgeber Cordelia Borchardt + Sabine Thomas – Heute hier, morgen Mord

Ob auf Reisen oder zu Haus – man ist besser nicht dort, wo der Mord geschieht!
Szenenwechsel inspirieren gerne zu Verbrechen. Denn was hier und heute noch harmonisch und sicher erscheint, stellt sich am nächsten Tag oder an einem neuen Ort plötzlich in ganz anderem Licht dar: Mit einem Mal ist Liebe in Hass, Freundschaft in Rache umgeschlagen. Wer heute den Schauplatz wechselt, kann vielleicht damit morgen schon ein Alibi für den nächsten Tatort aufweisen.Und wenn die Gefühle stark genug sind, lässt sich der Rest schon planen…
Spannend, überraschend, gekonnt und voller Nervenkitzel sind die Krimigeschichten, die Newcomer und bekannte Autorinnen und Autoren geschrieben haben – die besten 25 Einsendungen zum Agatha-Christie-Krimipreis 2014:

Stefan Barz – Erbsünde
Klaus Berndl – Bad Herzenwerder
Juliane Breinl – Rikscha bitte!
Klaus Brunn – Das dreckige Schwein
Anja Buchmann – Unzurechnungsfähig
Monika Buschey – Frost
Anke Elsner – Dumm gelaufen
Kerstin Franke – Home, Sweet Home
Bianca Heidelberg – Gefährlicher Mutterinstinkt
Peter Joerg – Kleinmann befreit sich
Andreas Kimmelmann – Sie tanzt in den Wellen
Anke Laufer – Unaussprechlich
Friedhelm Lövenich – Mein allererster Krimi
Sarah Geraldine Nisi – Bühne frei
Astrid Plötner – Mordsmasche
Anke Redhead – Mord in Weiß
Claudia Schmitt – Der Müsli-Mord
Dominique Anne Schuetz – Missbrauchte Hände
Max Schwarz – Amnesie
Jürg Seiberth – Unterwegs mit Henri
Joachim Speidel – Verdächtig!
Belinda Vogt – In meinem Herzen bin ich Rocker
Clio Alyssa Voß – Endstation
Mona Yilmaz – Fliederfleisch
Sibylle Zander – Viva Las Vegas

Cordelia Borchardt, Jahrgang 1962, studierte Anglistik und Germanistik in München und London und promovierte in englischer Literaturwissenschaft. Sie ist Lektorin für die Verlage FISCHER Krüger, FISCHER Scherz und FISCHER Taschenbuch.

Sabine Thomas veranstaltet seit vielen Jahren das Krimifestival München.

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Vorschau: Funkloch MONTY PYTHON, Premiere 06.05.2015, Theater Blaue Maus

Funkloch MONTY PYTHON

„Und nun zu etwas vollkommen anderem …“

Monty Python hat Kultcharakter – und jetzt bietet sich allen Fans und Quereinsteigern eine neue Chance auf Monty Python at its finest! In der Blauen Maus findet unter der Regie von Claus Siegert ein fulminanter Abend mit den aberwitzigsten Szenen, den absurdesten Sketchen und den mitreißendsten Liedern der gnadenlos komischen Briten statt. Ob tote Papageien, schmutzige Gabeln oder ein Einkauf im Käseladen: Im Mittelpunkt stehen die kleinen und großen Absurditäten des Alltags, grober Unfug und philosophischer Nonsens. Das alles wird mit höchster Seriosität vorgetragen und natürlich neu zusammengestellt, frisch interpretiert und collagiert à la Blaue Maus. Nicht zuletzt die schwarzhumorigen Monty-Python-Lieder dienen den vier musikalischen Protagonisten in dieser Radioshow als Steilvorlage. Um es mit Monty Python zu sagen:

And always look on the bright side of life
Always look on the light side of life

Besetzung:
ES SPIELEN:
Carola Beil, Martin Lüning, Klaudia Schmidt, Christofer Varner

Regie: Claus Siegert
Co-Regie: Sigi Siegert
Dramaturgie: Angela Maria Dedié
Musik: Christofer Varner
Choreographie: Bele Turba
Kostüme: Beatrice Oettinger
Bühne: Claudia Karpfinger
Technik: Uwe Hinsche
Presse & Plakat: Arik Seils
Fotos: Dr. Peter Cohn

PREMIERE
Mittwoch, 06.05.2015            20:30 Uhr

WEITERE VORSTELLUNGEN
MAI:
Do 07.05. / Fr 08.05. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr
Sa 09.05. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr
Mi 13.05. / Do 14.05. / Fr. 15.05. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr
Sa 16.05. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr
Mi 20.05. / Do 21.05. / Fr. 22.05. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr
Sa 23.05. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr
Mi 27.05. / Do 28.05. / Fr. 29.05. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr
Sa 30.05. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr

JUNI:
Mi 03.06. / Do 04.06. / Fr. 05.06. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr
Sa 06.06. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr
Mi 10.06. / Do 11.06. / Fr. 12.06. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr
Sa 13.06. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr
Mi 17.06. / Do 18.06. / Fr. 19.06. – 20:30 Uhr / Einlass 20 Uhr

Letzte Vorstellung:
Sa 20.06. – 19 Uhr / Einlass 18:30 Uhr

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Frisch eingetroffen: Dirk van Versendaal – Die Engel warten nicht

Hamburg. Auf die beiden Autodiebe Knut Giovanni Myrbäck und Jan Holzapfel wartet ein neuer Deal. Ein Audi Q7. Ein Highlight für die beiden. Doch dann brennt auf einem Kartoffelacker eine Leiche. Und in Jans verstaubter Hinterhofwerkstatt wird ein weiterer Toter gefunden. Den beiden bleibt nur die Flucht in den Norden. In Nynäshamn, einer Kleinstadt südlich Stockholms, stoßen sie auf die frustrierte Schulkrankenschwester Heidi Olofsson und ihre zu Hausarrest verurteilte Mitbewohnerin Sassie, deren Kindheit in der dänischen Hippiekommune Christianias ein grausames Geheimnis birgt. Und auf einmal geraten die Dinge aus dem Ruder. Ihre letzte Flucht führt das unglückselige Quartett auf eine Schäreninsel, ins Visier eines mächtigen Gegners.

Dirk van Versendaal, in Rotterdam geboren, in Hamburg aufgewachsen, Ausbildung zum Schneider und Schnitttechniker in Mailand, danach Journalistenschule Hamburg. Redakteur beim SZ-Magazin und später als freier Autor für SZ-Magazin, Zeit, Spiegel-Extra, NZZ und Vogue. Seit 2000 fester Freier beim Stern. Lebt mit Frau und Kindern abwechselnd in Hamburg und in der Nähe von Stockholm.

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Frisch eingetroffen: Angelika Felenda – Der eiserne Sommer

Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern die das ganze Land in den Untergang stürzen könnte.

 Angelika Felenda hat Geschichte und Germanistik studiert und arbeitet als literarische Übersetzerin in München. Der eiserne Sommer ist ihr erster Roman.

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Frisch eingetroffen: Nicole C. Vosseler – Mariposa

Jake ist auf die schiefe Bahn geraten und muss seinen Community Service in Mariposa antreten, einem gottverlassenen Ort am Rande des Yosemite-Parks in Kalifornien. Dort trifft er auf Nessa, ein sonderbares Mädchen mit roten Haaren, weißer Haut und dunklen Augen. Sie lebt mit ihrer Familie zurückgezogen im Wald, und obwohl sich Jake über sie lustig macht, bekommt er sie nicht mehr aus dem Kopf. Ganz offensichtlich erwidert sie seine Gefühle, doch ihre Familie und die ganze Kommune, der sie angehört, sind strikt dagegen, dass die beiden sich treffen. Denn Nessa ist tatsächlich nicht ganz von dieser Welt …

Nicole C. Vosseler, geboren 1972 in Villingen-Schwenningen, studierte Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit ihren Romanen für Erwachsene „Unter dem Safranmond“, „Sterne über Sansibar“ und „Der Himmel über Darjeeling“ feierte sie große Erfolge. Die Autorin lebt am Bodensee – mit mehr als zweitausend Büchern unter einem Dach.

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Frisch eingetroffen: Stephen Fry – the fry chronicles

Thirteen years ago, Moab is my Washpot, Stephen Fry’s autobiography of his early years, was published to rave reviews and was a huge bestseller. In those thirteen years since, Stephen Fry has moved into a completely new stratosphere, both as a public figure, and a private man. Now he is not just a multi-award-winning comedian and actor, but also an author, director and presenter. In January 2010, he was awarded the Special Recognition Award at the National Television Awards. Much loved by the public and his peers, Stephen Fry is one of the most influential cultural forces in the country. This dazzling memoir promises to be a courageously frank, honest and poignant read. It will detail some of the most turbulent and least well known years of his life with writing that will excite you, make you laugh uproariously, move you, inform you and, above all, surprise you.

Stephen Fry is an award-winning comedian, actor, presenter and director. He rose to fame alongside Hugh Laurie in A Bit of Fry and Laurie (which he co-wrote with Laurie) and Jeeves and Wooster, and was unforgettable as Captain Melchett in Blackadder. More recently he presented Stephen Fry: The Secret Life of the Manic Depressive, his groundbreaking documentary on bipolar disorder, to huge critical acclaim. His legions of fans tune in to watch him host the popular quiz show QI each week.  

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Lesung Anat Talshir, 13.03.2015, Buchmesse Leipzig

Anat Talshir unterrichtet Kreatives Schreiben und arbeitet auch als Journalistin. Ihr erstes Buch Über uns die Nacht ist in Israel ein Bestseller, der auch mit Preisen ausgezeichnet wurde.

Die Geschichte in Über uns die Nacht sei schon lange in ihr gewesen und habe aufgeschrieben werden müssen. Im Haus ihrer Familie habe es ein Geheimnis gegeben, etwas, das die Erwachsenen immer haben plötzlich schweigen lassen, wenn Kinder dazu kamen. So sei die beste Freundin ihrer Mutter die Inspiration gewesen. So attraktiv und intelligent, warum ist sie trotzdem so einsam?

Eine Liebesgeschichte, die für sie größer als das Leben selbst ist. Also begann Anat Talshir zu recherchieren, sprach mit Menschen, die in jener Zeit lebten und war viel in einer speziellen Bibliothek in Jerusalem, in der es Schwarzweißbilder aus der Zeit des Britischen Protektorats gibt.

Eine der beiden Handlungsebenen beginnt 1947, kurz vor der Gründung des Staates Israel. Jerusalem ist in einen westlichen Teil und einen östlichen unterteilt. Im östlichen Teil lebt ein junger arabischer Mann namens Elias, im westlichen eine junge jüdische Frau namens Lila, die sich inmitten dieser Zeit des dramatischen Umbruchs und der Spannungen ineinander verlieben. Als eine Mauer durch Jerusalem gezogen wird, werden auch die Liebenden voneinander getrennt – für 19 Jahre.

Anat Talshir konnte lange nicht verstehen, warum die beiden Liebenden sich tatsächlich 19 Jahre nicht sahen, keinerlei Kontakt miteinander gehabt haben sollten. In einer solchen Situation würde man selbst doch alles nur erdenkliche tun, um den geliebten Menschen sehen zu können… und sie fand eine Frau, die damals nicht nur Vermittlerin für die Vereinten Nationen war, sondern tatsächlich auch Kundin in Lilas Schönheitssalon.

Es folgte eine kurze Lesung auf Hebräisch und von der ausgezeichnet vortragenden Artemis Chalkidou eine längere.

Die Zuhörer wurden mitgenommen nach Jerusalem ins Jahr 1947, zu einer Veranstaltung, bei der die britische Oberschicht und geladenen Gäste über die politische Situation sprachen, sowie darüber, wer tatsächlich Tee und Kaffee nach Europa eingeführt habe. Chen Dann folgte ein Abschnitt aus dem Jahr 2006, über die Veränderungen und Spannungen, an dessen Ende man am liebsten direkt weitergelesen hätte.

Für Anat Talshir war von Anfang an der wichtigste Aspekt, dass dieser Mann und diese Frau durch eine große Mauer getrennt wurden. Und auch, dass es jemanden gab, der den beiden einen Briefaustausch ermöglichte.

Eine ihrer frühsten Erinnerungen ist der Weg zu einem Bunker als sie sechs Jahre alt war, während des Sechstagekriegs. Sie wurde in Jerusalem geboren und alle ihre ersten Erinnerungen sind dort verwurzelt. Heute verbindet sie eine Hassliebe sie mit der Stadt, in der die Liebe überwiegt. An Tel Aviv schätzt sie, dass es lebendig ist und eine unreligiöse junge Stadt. Genau deshalb sei sie früh dorthin gezogen, wollte alles hinter sich lassen und komplett neu anfangen. In einer Stadt, die für sie das genaue Gegenteil von Jerusalem ist. Denn Jerusalem sei vermutlich die komplizierteste Stadt im Nahen Osten, jene Stadt, die sie nicht wie geplant hinter sich lassen konnte.

Deshalb musste sie ein Buch darüber schreiben, um zu zeigen, wie die Liebenden aus zwei unterschiedlichen Kulturen einerseits durch den Krieg getrennt wurden, andererseits auch geeint.

Im folgenden Lesungsabschnitt wurde aus Perspektive beider Hauptfiguren vermittelt, was die Gründung des Staates Israel im Jahr 1947 für jeden bedeutet, was sie empfanden und glaubten, wie es dem anderen jetzt wohl ginge. Für Elias bedeutet es, dass ein Staat geboren wird, der nicht der eigene ist, obwohl seine eigenen Vorväter auf diesem Land geboren und begraben wurden.

Ihr zweites Buch ist in Arbeit und dieses fällt ihr nicht so leicht zu schreiben wie der Erstling. Den Hintergrund bildet wieder eine wahre Geschichte, wobei diesmal ein Kriminologe in der Midlife Krise im Mittelpunkt steht und sie herausfinden wollte, was die Ehe ihrer Eltern ruiniert habe. Erst nach einer Weile sei ihr bewusst geworden, dass sich die Lösung direkt unter ihrer Nase befand.

Mich beeindruckte, wie lebendig Anat Talshir die beiden Figuren werden lässt und gleichzeitig viel über jene Zeit vermittelt, nicht nur Faktenwissen, sondern auch die Gefühle und das Alltagsleben der Bevölkerung.

Link zum Verlag mit Leseprobe *klick*

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Lesung Gila Lustiger, 14.03.2015, Leipzig Messe

Gila Lustiger erzählte zu Beginn der Veranstaltung ein wenig über sich selbst und weshalb sie noch vor dem Abitur ausgerechnet von Deutschland nach Israel ging. 1963 wurde sie als Tochter von Arno Lustiger geboren, einem der (Wiederbe-)Gründer der jüdischen Gemeinde in Frankfurt und einem Überlebenden des Holocaust. An ihrer Schule sei ein neuer junger GK-Lehrer gewesen, der den Schülern die sicherlich gut gemeinte Aufgabe stellte, aufzuschreiben was ihre Eltern während des Kriegs gemacht hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt sei sie Klassenkameradin gewesen, danach dann Jüdin. Mit 18 wolle man sich selbst entdecken und definieren, statt von außen definiert zu werden. Sie wollte nicht mehr vordergründig jüdisch sein müssen und so sei sie in das einzige Land gezogen, in dem sie nicht mehr Jüdin sein musste – nach Israel. Dort sei sie über Nacht bewusst Deutsche geworden und studierte Germanistik bei Emigranten, die in den 1930er Jahren mit ihren Bibliotheken ausgewandert waren. Damals habe es Erstausgaben von z.B. Döblin fast nur noch in Jerusalem und Brasilien gegeben. Erst dort sei ihr ihre Liebe zur deutschen Sprache und Literatur bewusst geworden, verbunden mit der deutschen Kultur.

Sechs Jahre später zog sie mit ihrem Partner Emmanuel Moses nach Paris, wo sie zunächst als Journalistin tätig war, später auch als Lektorin. Obwohl sie seitdem nicht mehr in Deutschland gelebt hat, fühlt sie sich in der deutschen Gemeinde in Paris, der deutschen Kultur und Sprache tief verwurzelt.

Auf die Frage, weshalb das Judentum in jedem ihrer Bücher eine Rolle spiele, antwortet Gila Lustiger, dass sie das nie bewusst einflechten würde, ganz im Gegenteil eher vermeiden oder zumindestens reduzieren wolle, doch es würde sich immer wieder einschleichen.

Im Mittelpunkt ihres neuen Buches Die Schuld der anderen steht der Journalisten Marc Rappaport. Dieser würde sich immer wieder in intensive Recherchen stürzen und dessen neuestes Projekt die Aufklärung eines Mordfalls ist, der vor 27 Jahren an einer Prostituierten verübt wurde. Der anfangs eher kleine Fall nehme irgendwann nationale Ausmaße an und hier wurde die Moderatorin von Gila Lustiger ausgebremst, denn mehr solle nicht verraten werden.

Dann wurde ein etwas längerer Abschnitt vorgelesen, der die Ankunft von Marc Rappaport in Marseille schilderte, sowie das Leben in einem problematischen Vorort. Einfühlsam und überzeugend werden die Probleme und Gedanken der Menschen dort geschildert, nachvollziehbar ihre Resignation und auch teilweise die Kompromisslosigkeit. Schon auf den wenigen vorgetragenen Seiten wird Marc Rappaport lebendig und die Zuhörer waren sichtlich gefesselt.

Eigentlich habe sie diesen Roman nicht so schreiben wollen, aber nach über 25 Jahren hatte sie das Gefühl Frankreich nicht mehr zu verstehen. Nicht verstehen zu können, weshalb Marie Le Pen gewählt wird, wie es zu den Krawallen und Demonstrationen in Paris kommen konnte und zu antisemitischen Übergriffen. In ihrem eher wohlhabenden Wohnviertel werde sie auf ihre Fragen keine Antworten finden und so reiste sie durch das Land, durch Vororte von Großstädten und durch kleinere Orte. In Gegenden, in denen 30% die Front National wählten und die Menschen sich abgehängt fühlen. Bei der Recherche stieß sie auf den im Buch geschilderten Fall, der echt ist. (Auch an dieser Stelle verhindert Gila Lustiger, dass dem Publikum zucviel vom Inhalt verraten wurde.)

Auf die Frage, warum sie einen Journalisten als Hauptfigur gewählt hat statt einem Polizisten, ob dieser der bessere Ermittler sei, reagiert Gila Lustiger amüsiert – denn die Moderatorin ist selbst Journalistin.
Sie würde ihre Figuren nicht alle bewusst und gezielt konzipieren, sondern die Figur war einfach so. Eine Person, die die Welt ganz klar in schwarz und weiß unterteilt, aber selbst einen ambivalenter Charakter hat. Genau dies habe sie gereizt, sowie die Frage nach der Schuld für die sozialen und politischen Probleme, für die Folgen des Kolonialismus.

Ihr Roman ist teilweise in den 1980er Jahren angesiedelt, als Mitterand an der Regierung war, die Sozialisten beschlossen mit dem Liberalismus zu brechen, die Schlüsselindustrien zu verstaatlichen und den Staat binnen zwei Jahren in den Bankrott führten. Als Folge daraus hätten eben jene Sozialisten den wahren Liberalismus eingeführt.

Als Ausländerin habe sie eigentlich kein so kritisches Buch über die französische Gesellschaft schreiben wollen, habe jedoch nichts vergleichbares auf Französisch gefunden. Die Problematik der Menschen in den Vorstädten habe sie so sehr beschäftigt, dass Die Schuld der anderen daraus wurde. Ein kritischer Blick auf Frankreich, verpackt in die Handlung des Kriminalfalls.

Der Roman wird jetzt ins Französische übersetzt und Gila Lustiger ist sehr gespannt auf das Echo in Frankreich.

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