Luxus statt Romantik – „Sei lieb zu meiner Frau“ in der Komödie

Sei lieb zu meiner Frau Eine skurrile Ausgangslage ist Teil des Grundrezepts einer guten Boulevardkomödie. Diese hier ist sehr gut. Mann A bittet Mann B netter zu seiner Frau zu seiner, damit diese dank ihrer erfüllten Affäre eine bessere und glücklichere Ehefrau wird. Dem Gesetz des Screwball folgend befindet sich natürlich Mann A ebenfalls in einer außerehelichen Beziehung mit der Frau von Mann B. Knoten gewickelt und bereit zu reißen. Jeder schläft mit der Anderen, die Frauen lernen sich kennen, alle landen in einem Hotel, kreuzen sich auf der Terrasse und das Chaos nimmt seinen Lauf. René Heinersdorff spielt mit der altbekannten Konstellation und inszeniert sich und einige Promis in diesen Wer-mit-wem-Strudel. Er variiert dabei den temporeichen Klassiker dieser Genres „Madame es ist angerichtet“ von Marc Camoletti. Dabei fehlt Heinersdorff allerdings gerade in der ersten Hälfte das Tempo, der Querwitz und der berühmte Sinn für irres Verwirrspiel und skurrile Situationen, die die französische Komödie auszeichnet. Die deutsche Variante holpert ein wenig, wiederholt frech die Konstellationen mit dem Zweitpaar, doppelt Scherze und verlässt sich auf Grimasse und Gesicht. Die typische komische Figur spart er sich dabei und inszeniert nur parallel und analog seine beiden Pärchen miteinander, nacheinander, aneinander… Sei lieb zu meiner Frau Die zweite Hälfte in Istanbul zieht an und steigert die Pointendichte nach einigen verqueren Fetzenszenen der ersten Hälfte zur überfälligen Konfrontation der untreuen Doppelpärchen. Gleichzeitig allerdings verstrickt er sich in Logiklöcher der Erkennung, Deckung, um den untreuen Altjungs die Schlusspointe zu schenken und weiterhin ohne Moral und Sorge lieb zueinander sein zu könne. Dabei spickt er seine guten Dialoge mit allerhand gescheiten Sätzchen und scharfem Spott. „Wir verwechseln Luxus mit Romantik“ beschwert sich Sabrina über ihre Affäre mit dem ältlichen Lover. Darin liegt das Problem dieser Boulevardkomödie. Die Affäre birgt keine Liebe, keine Erfüllung, nur Leere, Sex und Selbstbestätigung. Wo interessanterweise auf großer Bühne der Moralismus zurückkehrt und das große Drama wieder zu Werten zurückkehrt, da feiert die kleine Komödie das lustige Bäumchen-Wechsel-Dich ohne schlechtes Gewissen und im Grunde ohne Happy-End. Das hätten die Großmeister der Liebe, die Franzosen eleganter gelöst! Schade wenn die Geschichte und die Charaktere der Pointe geopfert werden. Beworben wird das Ding mit TV-Rumpelstilzchen Hugo Egon Balder, der wohl durchgebräunt Grimassenbauerntheater macht und mit seinem bekannten Staungesicht aus „Genial Daneben“ sich selbst gibt. Aalglatt und ordentlich daneben Dorkas Kiefer als Wirbelwind. Heimersdorff selber schreibt sich die schönsten Pointen selbst ein und gibt den soften Softsoftie. Den Abend rettet und erobert Maike Bollow, die problemlos das Promiensemble an die Wand putzt, einen Sinn für Stimme, Dosierung, Pointe und Charakter zeigt. Ihr Haspeln, ihre Weiblichkeit und ihre Ehrlichkeit selbst im größten Irrsinn erlauben die witzigsten, schönsten und stärksten Momente dieser Frauen-liebelei. Davon mehr! Weniger von Anderem. Wie schöne wäre es beispielsweise Maike Borrow einmal in der „Madame“ zu bestaunen.

Mimik = Mimesis – Satansbraten in den Kammerspielen

Der Satansbraten Nun auch das Plagiat an den Kammerspielen! Und zwar gewollt, transparent, als Stilmittel und geglückt. Theater plagiiert nämlich durchsichtigsterweise Film durch Film, filmisch und gefilmt. Nach Schiller beobachtet dabei das Publikum eine Ochsentour von Nachahmung zur Manier zum Stil, indem Nachahmung an diesem manierierten Abend stilbildend ist. Als goldenen Ochsen hat man dazu Rainer Werner Fassbinder, das schwierige, komische, geniale Theater- und Filmtier geschlachtet und die Obduktion auf die Bühne erhoben.
Der Satansbraten Regisseur Stefan Pucher macht es sich dabei einfach und schwer zugleich – und überzeugt; das sei vorweggenommen. Mit großem Aufwand nämlich rekonstruiert er Bild für Bild, Szene für Szene mit wenig Abwandlung des Films für die Bühne nach. Selbiges Experiment scheiterte unter Gus van Sant‘s Anspruch „Psycho“ nach Hitchcock eins zu eins nachzudrehen. Wär er nur auf die Bühne der Kammerspiele gegangen, denn der Medienwechsel von der Linse ins Theater machts.
Dabei wählt Pucher zudem einen unbekannteren Titel, der dem Zuschauer – selbst beim g‘scheiten Einführungspublikum – praktisch unbekannt ist. Doch youtube ermöglicht es; der Vergleich ist verblüffend. Ausstattung, Kulisse, Kostüm, Text und vor allem – und vor allem chapeau – das „mimische Material“ wird erschreckend und grandios imitiert. Dazu später. Filmisch macht man das ganze nach neuer Regiemode durch die Kamera auf der Bühne. Mit Handgerät abgefilmt und live auf diverse Leinwände und Untergründe projiziert entsteht eine dreidimensionale Theateroptik, die den Bühnenrahmen sprengen und erweitern kann. Gleichzeitig von hinten persönlich sichtbar, teils abgefilmt und von vorn beobachtbar, dabei lautverstärkt im Ohr dröhnend und von allen Seiten bei der Kunst bespiegelt, leisten die Akteure hier Großes und multiplizieren Bühnen- und Kameraspieltechnik zum einem großen Ganzen. Das kumuliert dann irgendwann darin, das der Schauspieler mit seiner eigenen Einblendung einen Dialog führt zwischen Konserve, Bühnensprechen, dabei eine seltsame wie passende Metaebene aus filmischer Bühne, Bühnenfilm oder Filmbühne produziert.
Der Satansbraten Schön dabei zu sehen, dass nach dem innovativ Minimalismus all überall die Theatermache noch knarzt, Wände verschoben werden, Frauen samt Bädern von der Decke schweben und Bühne wieder Bild sein darf. Der Clou dabei in Tapete, Intarsie und kameradurchsichtiger vierter Wand das Interieur der Kammerspiele perfekt zu kopieren (Cheffälscherin: Stéphanie Laimé), multipliziert das Spiel mit der Kopie und zieht eine schöne neue Ebene ein, die uns unsicher macht, wer hier spielt, wo sitzt und was sieht. Kino macht Theater. Sinnvoll, wenn diverse Tatörter sich ja auch frech von den Bühnentieren Münchens bedienen.
Der Satansbraten RDas muss man erst einmal stemmen. Ohne Nachlasser und in einem Kostüm- und Rollenwust arbeiten sich die Mimen an Fassbinders irren Dialogen ab. Sie folgen dem Theaterethos der gesteigerten Wirklichkeit, überziehen die Originale ein wenig mehr, legen eine Schippe nach um das, was vor der Kamera besteht auf der Bühne gelingen zu lassen. Wolfgang Pregler imitiert nicht nur, sondern macht sich den Filmkranz dermaßen zu eigen, dass ein Eindruck zwischen staunendem Erschrecken und Respekt zurückbleibt. Pointensicher gibt er Autor, George, Egomanen und schafft es diese furchtbare Figur distanziert genug vorzuführen, damit das Lachen nicht im Halse stecken bleibt. Kongenial und Hit des Abends Brigitte Hobmeier zwischen überzogener Karikatur der femme fatale und laufende bebrillter Verklemmung mit einer staunenswerten Wandelbarkeit. Annette Paulmann erdet diesen guten Irrsinn und beweist, wie man mit wenig die Stimmung durch großes Können in Sekundenbruchteilen ins Tragische kippen lassen kann, was die wüste Revue braucht und von ihr geliefert wird. Sehr cool und gelackt Edmund Telgenkämper kroetziger als das Original, stark und abgründig Thomas Schmauser als Ernst im Methodmode und schön wie gut Genija Rykova trotz Lädierung grandios. Diese chargieren zwischen Linse und Rampe, geben alles, sparen wenig und tun das, was ein Fassbinder verlangt und die Bühne dankt: Sie gehen in die Vollen und zeigen, das gut kopiert eben immer noch besser ist als schlecht erfunden.

Gisa Klönne – Das Lied der Stare nach dem Frost

Einer breiten Masse von Lesern ist mit ihren Krimis um die Polizistin Judith Krieger bekannt geworden, mit beweist sie, dass sie auch ganz ohne Krimi spannend und bewegend erzählen kann.
Rixa, Barpianistin auf einem Kreuzfahrtschiff, muss Hals über Kopf nach Berlin zurück, um die Hinterlassenschaft ihrer Mutter zu regeln, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Nach dem Tod des Bruders Ivo vor 10 Jahren hatten die beiden sich entfremdet, die Mutter hatte sich zurückgezogen und den Tod des Lieblingssohnes nie verwunden. Als Rixa herausfindet, dass ihre Mutter praktisch an der gleichen Stelle zu Tode gekommen ist wie ein Jahrzehnt zuvor ihr Sohn, macht sie sich auf eine Entdeckungsreise in die Geschichte der weit verzweigten Familie. Der Großvater, geboren 1900 und durch traumatische Erlebnisse in beiden Weltkriegen belastet, war Pfarrer in Mecklenburg und so taucht Rixa ein in eine deutsch-deutsche Familiengeschichte, die sie letztlich zu sich selbst führt.
erzählt diese Geschichte einfühlsam und zugleich spannend auf mehreren Zeitebenen. Immer wieder begegnet der Leser Rixa in der Gegenwart, während parallel die Vergangenheit aus der Sicht verschiedener Figuren wiedergegeben wird. Die Nähe zu allen Protagonisten, aber insbesondere die Verbundenheit mit Rixa, fand ich faszinierend, spannend und bewegend gleichzeitig. Immer auf Augenhöhe mit ihr, entdeckt der Leser zeitgleich mit Rixa ein wohlgehütetes Familiengeheimnis, das den Schlüssel zu ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft zugleich enthält.
Spannend ist aber auch die deutsch-deutsche Geschichte, die sich darin verbirgt. Von der Zeit des ersten Weltkrieges bis in die Gegenwart spannt die Autorin den Bogen der Ereignisse und vermittelt mit bewegenden Bildern das Schicksal einer im Nachkriegsdeutschland auseinandergerissenen Familie. Den Titel finde ich grandios gewählt, auf ihn wird im Roman mehrfach Bezug genommen und er drückt letztendlich genau die Quintessenz des Romanes aus.
Ein Roman, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat, bevor ich nicht das letzte Wort verschlungen hatte. Ein wirklich bemerkenswertes Buch einer talentierten Autorin, das ich jedem wärmstens empfehle, der auch ihre Judith-Krieger-Romane mochte.

 

Ähnliche Artikel:

Not Now Music – The Very Best of Burlesque

Hach, immer diese enttäuschten Erwartungen – die natürlich zu diesem Themenkreis zwingend dazugehören. Ich hatte gehofft, die passende Hintergrundmusik für einen netten Abend mit Freunden zu finden (strippen kann ich nicht, aber beim Pokern bin ich ziemlich gut). Diese Compilation ist allerdings nicht ganz das Richtige, trotz des aufregenden Titelbilds. Außer vielleicht, Sie besitzen Ihren eigenen Nachtclub… ansonsten wirkt der Rock’n'Roll-Bigband-Sound zu wenig intim. Insgesamt sind es 50 Stücke, alle gerade mal so lange, dass ein Mann sich lasziv die Socken ausziehen kann, und viele davon ziemlich dynamisch, um nicht zu sagen: hektisch. Atemberaubend ist was anderes. Der verheißungsvolle Untertitel “50 Sleazy Stripping Songs” ist ein Versprechen, das hier nicht mal ansatzweise eingelöst wird. Aber wann kriegt man in der Sparte “Liebe, Sex und andere Katastrophen” schon mal das, was man will? Willkommen im Club. Das Wort “sleaze” ist für mich untrennbar assoziiert mit “slow”, und nicht mit “quick and dirty”. Wenn Sie ein paar -Versatzstücke am lebenden Objekt ausprobieren wollen, empfiehlt sich die Piano-Version von “You Can Leave Your Hat On”. Mehr brauchen Sie eigentlich nicht im privaten Repertoire. Wer “The Cat In The Hat” als Buch liest, wird allerdings wirklich enttäuscht sein.

Alex Berg – Dein totes Mädchen

9:16 Stunden
Ungekürzte Lesung
Sprecher: Detlef Bierstedt
Hörprobe bei audible http://www.audible.de/pd/B00CLB3FH6

Zur Autorin
, geboren 1963, hat viele Jahre für norddeutsche Tageszeitungen als freie Journalistin geschrieben, bevor sie ihre ersten Spannungsromane verfasste. Ihre politisch brisanten Thriller “Machtlos” und „Die Marionette“ sowie ihr Roman “” haben die Leser im Sturm erobert. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Autorin Stefanie Baumm.
Mehr Informationen unter www.alex-berg.com www.alexberg.de

Zum Sprecher
Der Schauspieler Detlef Bierstedt, geboren 1952 in Berlin, erlangte überregionale Bekanntheit vor allem durch seine Synchronarbeit. Er lieh seine Stimme prominenten Kollegen wie George Clooney, Bill Pullman, Will Ferrell und Tom Hanks. Häufig hört man Bierstedt auch in Fernsehserien.

Zum Inhalt
Caroline kann es immer noch nicht glauben, dass ihre Tochter Lianne tot ist. Ein tödlicher Verkehrsunfall hat die 26-Jährige aus dem Leben gerissen. Tage später stirbt auch der schuldige Autofahrer. Zerrissen von Trauer und Wut, flieht Caroline aus Hamburg in die Einsamkeit der schwedischen Wälder. Als sie das Haus ihrer Familie am See erreicht, wird sie von Erinnerungen überwältigt. Achtundzwanzig Jahre liegt ihr letzter Besuch zurück, doch es ist, als wäre sie nie fort gewesen. Und schnell wird klar, dass Caroline Schuldgefühle plagen, die über die Trauer weit hinausgehen. Umgeben von der tiefen Ruhe der schneebedeckten Wälder, entzieht sie sich immer mehr der Realität. Bis Kriminalkommissar Ulf Svensson, auftaucht, mit einem entsetzlichen Verdacht …

Meine Meinung
“ ist das neuste Werk von und beweist, wie vielseitig diese Autorin ist, die mir bisher als Autorin von anspruchsvollen Thrillern und Krimis bekannt war.
Und daher gleich vorweg: dies ist kein politischer Thriller, auch wenn ein totes Mädchen, dessen Mutter und ein Kriminalkommissar mitspielen.
In „“ geht es um Liebe, Schuld und Verantwortung, um Trauerbewältigung, menschliches Miteinander und ein lange zurückliegendes Ereignis, das eine junge Frau völlig aus der Bahn warf und mehr als „nur“ enge Freundschaften zerstörte.
Im Mittelpunkt steht Caroline, deren Tochter mit 26 Jahren vor wenigen Wochen bei einem Verkehrunfall starb. Es ist nicht das erste Mal, dass Caroline enge Familienmitglieder durch einen Verkehrunfall verliert, auch ihre Eltern starben so. Sie scheint unfähig über ihre Vergangenheit zu sprechen, den früher engen Freunden oder auch ihren jetzigen etwas aus ihrem Inneren zu zeigen. Statt dessen begleiten die Leser bzw. Zuhörer sie auf Gedankenwanderungen in die Vergangenheit, und später auch ihren damaligen Verlobten Ulf und die anderen Schlüsselfiguren.
Die präzisen und perfekt dosierten Beschreibungen der Figuren und ihrer Umgebung erzeugten bei mir perfektes Kopfkino. Es entstanden nicht nur Bilder vor meinem inneren Auge, sondern es lief ein fesselnder Film ab – auch dank Detlef Bierstedt Vortrag.
Auch das Innenleben der Hauptfiguren wird lebendig geschildert, ihr Handeln und ihre Gedanken sind für mich meist nachvollziehbar. Einzig Caroline blieb mir fast bis zum Ende ein wenig fremd, zu drastisch in ihrem Handeln, wobei dies durch ihre Geschichte relativiert wurde und kein Manko ist, sondern ganz im Gegenteil gelang es , mir die Motive und Gefühle dieser so spröden Figur glaubwürdig zu vermitteln.
Wie bei einer Zwiebel wird schichtenweise enthüllt, was in der Vergangenheit geschah, erfahren die Leser und auch die Figuren mehr über längst vergangene und aktuelle Ereignisse, die ihre Lebenswege stark beeinfluss(t)en.
Durch zahlreiche Perspektivwechsel wird deutlich, wie unterschiedlich verschiedene Figuren ein und dieselbe Situation empfinden und ich hatte als Zuhörerin nie das Gefühl nur von außen zuzuschauen, sondern schien mittendrin zu stecken – wenn auch zum Glück als Beobachterin.
Noch nie verschwand der für mich bei Detlef Bierstedt übliche Waringham-Effekt so schnell wie bei diesem Hörbuch, er ist schlicht ein genialer Sprecher, der es versteht, Gänsehaut, Spannung und auch emotionale Momente perfekt zu lesen.

Fazit
Wieder wechselt das Genre, trotzdem ist auch dieses Werk eindeutig „ein echter Berg“, in dem die gleiche Intensität steckt, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Erfreulicherweise benötigen ihre Fans kein Insiderwissen, um dieses Buch zu entdecken, denn wurde kein Opfer der grassierenden Pseudonymeritis.
Einfühlsam gestaltete und interessante, glaubwürdige Figuren, atmosphärische Beschreibungen der winterlichen Landschaft Schwedens, eine fesselnde Liebesgeschichte und die immer wiederkehrende Frage nach Verantwortung und Schuld ließen mich die gut neun Stunden in nur zwei Tage durchhören – fasziniert dem Vortrag eines meiner Lieblingssprecher lauschend, Detlef Bierstedt.
“ hallt auch zwei Tage nach Beendigung noch nach und wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Eva Völler – Zeitenzauber: Die goldene Brücke

Auch mit diesem zweiten Band in der Zeitenzauber-Trilogie schafft es , den Leser mit einer Geschichte zu fesseln, die auf dem ersten Teil aufbaut, aber doch ganz anders ist.
Anna hat sich kaum von ihrem Abenteuer in Venedig erholt, da bekommt sie schon den nächsten Auftrag. Und der ist sehr persönlich, denn ihr Freund Sebastiano ist im Paris des 17. Jahrhunderts verschollen. Als sie ihn endlich findet, muss sie feststellen, dass er sich an nichts mehr erinnert. Außerdem entpuppt sich so mancher Freund als Feind und sie ist ziemlich auf sich allein gestellt. Um Sebastiano zu retten muss sie ihn an ihre Liebe erinnern, während sie gleichzeitig den Lauf der Geschichte beeinflussen soll, damit Paris in der Gegenwart nicht in Chaos und Krieg versinkt.
Der Autorin gelingen wieder sehr lebendige Figuren, die in beiden Zeitebenen gleichermaßen glaubwürdig agieren. Dabei kommt auch eine Prise Humor nicht zu kurz, zum Beispiel, wenn moderne Ausdrücke, die Anna sagen möchte, in das Französisch der Vergangenheit übersetzt werden. Dabei ist die Geschichte unglaublich spannend erzählt und ganz klar ein All-Age-Roman, denn nicht nur Teenagern gefällt, sondern auch Erwachsene gleichermaßen anspricht. verwebt die tatsächlichen Ereignisse so bezaubernd  mit den fiktiven, dass man sich mitten drin fühlt und mit Anna mitfiebert. Dabei ist das Konzept der Zeitreise in dieser Trilogie ausgefeilt, da ist nichts unlogisch, auch wenn sich manches erst auf den zweiten Blick erschließt. Das aber genau macht den Reiz aus, dieses farbenprächtige Gemälde zu entdecken, das die Autorin mit feinem Pinselstrich entworfen hat. Man ist als Leser sehr nah an den Emotionen der Figuren dran, kann sich in Anna, die hier ihre Geschichte erzählt, sehr gut hineinfühlen. Die Geschichte beruht auf einer Überlieferung, die “Diamantnadelnaffäre”, die durch La Rochefoucauld und insbesondere durch die Drei Musketiere von Alexandre Dumas praktisch weltweit bekannt ist. macht aus dieser Geschichte einen packenden Roman, in dem historisch verbürgte Personen wie Kardinal Richelieu und die Königin von Frankreich lebendig werden und so ihre Bedeutung für die Geschicke Frankreichs bis in die Gegenwart deutlich wird.
Ein zweiter Teil, der nicht nur Brücke und Vorbereitung für den Abschlußband ist, sondern auch für sich genommen begeistert.

Ähnliche Artikel:

Zwischen Geschlechtern und Individuen – John Irvings „In einer Person“ bei Diogenes

Aus wie vielen Personen bestehen wir? Wie viele Persönlichkeiten durchlaufen wir in unserem Leben? Wie vielen Menschen begegnen wir, die selbst vielseitige Charaktere und Wandelerscheinungen ihrer Individualität durchgemacht haben? Mit diesem gewichtigen Telos des Mensch-Seins beschäftigt sich Irving in seinem neuen starken Roman, indem er seinen Konflikt „“ vereinigt.
Mit stark autobiographischen Bezügen schildert hier erst ein heranwachsenden Knabe und dazwischen der 70-jährige Rückblickende sein Leben und vor allem seine sexuelle Identitätsfindung als junger Homosexueller im Neu England der 60-er Jahre. Seine anfänglichen Schwärmereien für burschikose Mädchen, Mannsweiber und schließlich die halbe Ringermannschaft seines Internats offenbaren eine (Vor-)Liebe für Zwischengeschlechter, für den zarten Bereich zwischen Mann und Frau, dem sich der junge William ebenfalls nahefühlt.
Anekdotisch wird in raschem Tempo vom Schulalltag, dem Laienschauspiel seiner Familie, der kryptischen Geschichte seines Vaters und von allerhand gewitzten Nebenfiguren berichtet.
Dabei erklärt Irving Travestie, Crossdresser, Jungenstreiche und Transgender auf die prosaischste Art und Weise für legitim, ästhetisch und fruchtbar, die es gibt: Über das Theater. Anhand von Shakespeares Nymphen und Verkleide-Spielen ist es den Jungen des Knabeninternates erlaubt in weibliche Hüllen zu schlüpfen und das Doppel-XX auszukosten. In der Verstellung, dem Als-ob der Bühne und der erlaubten anerkannten Travestie – hinein in eine Rolle – entsteht hier die Person. Problematisch zeigt sich dabei die Sprache gleich in mehreren Schichten. Irvings Figuren haben buchstäbliche Ausspracheprobleme mit Begriffen ihrer eigenen Identität, Sexualität und Persönlichkeit. Oft verstummen sie, stammeln oder haspeln, wenn Irving ihnen zugleich schriftlich ganz nahe kommt und sie dadurch noch tiefer sprechen lässt. Mit den Shakespearetexten und den Bühnenstücken strickt er nicht nur ein verqueres Laienensemble sondern auch die Chance Klassik gegen den Strich als Hilfe zur Selbsterkennung zu lesen, indem er einen neuen Zugang zu Shakespeares Hosen- und Rockrollen eröffnet, der erstaunlich gut auf die Identitätsprobleme von heranwachsender Sexualität passt.
John Irving Wie üblich füllt Irving dabei sein Personenverzeichnis mit reizenden, verschrobenen Charakteren, die zwischen Sympathie, Exzentrik und Groteske ebenso mühelos chargieren wie sein grandioser larmoyanter Erzählton voll süffisanter Ironie, zärtlicher Figurennähe und ernster Tiefenpsychologie trieft. Allein der wundervolle Großvater Henry, der über Dekaden das Publikum der Kleinstadt mit seinen Rockrollen als Frau auf der Laienbühne unterhält, rührt den Leser an. Die Vorstellung des perfekten, ältlichen Crossdresser als bessere Miss Marple und alte Jungfer gelingt famos. Vor allem über Irvings besondere Sprache. Seine Verliebtheit in freche, abgründige Dialoge gemischt mit seiner Topos-Redundanz nimmt den Leser an die Hand und unter die Bettdecke, wo er sich anhand wiederholter Bilder, Gefühle und Schemen schon vor dem ersten Mal heimisch fühlt. Elaine die introvertierte Backfischfreundin, die wunderbare, mehrdeutige Bibliothekarin Miss Frost, der weise Säuferonkel Bob, und viele mehr bevölkern ein Unikatenuniversum, dass eine seltsame Heimeligkeit und Wärme für die besonderen, eigensinnigen Figuren und vor allem ihrer Schwächen erzeugt.
In Bezug auf die erwachende Sexualität und die ersten Praxisversuche zwischen Männlein, Weiblein und allem dazwischen nutzt Irving deftigere Töne ohne schmutzig zu werden oder auf einer feuchten Gebietswelle mitzusegeln. Seine Erotik liest sich immer verstohlen, aufblühend, ehrlich und nah. Prüde ist sie dabei durch Anleihen an Savage Grace und Baldwin nie und der geneigte Leser lernt noch einiges Halbseidenes über die Praktiken der Liebe dazu.
Vor allem aber lernt er etwas über das Erlernen der Liebe und deren Orientierungsumwege mit einer Behutsamkeit und Authentizität, die vielleicht nur der autobiographische Zugang erlaubt. Nichts destotrotz eröffnet uns William sehr wohl dosiert und auf lange, literarische Bank gespannt langsam die Umdrehungen und Wendepunkte seines sexuellen wie menschlichen Werdens und zeigt den engen Zusammenhang zwischen Sex und Leben auf. Weniger als Erotisierung des Lebens, mehr einer Orientierung und Findung anhand der erotischen Liebe zu sich und Anderen und vor allem wem!

Premiere: Elegie für junge Liebende, 03.05.2013, Cuvilliéstheater – Nachtkritik

Es war alles super. Naja, fast. Das Orchester war großartig, die hervorragenden Sänger des Opernstudios der wurden sehr aufmerksam angeleitet von dem Musikalischen Leiter . Es gab sogar ein Marimbaphon. Trotzdem war für mich dieser Opernabend so unerfreulich wie schon lange nicht mehr; ich fand das Stück ziemlich grauenvoll. Nachdem , der “moderne Klassiker”, vor einem halben Jahr gestorben war, hielt man es bei der wohl für angebracht, mal wieder eines seiner Werke auf die Bühne zu bringen. Natürlich nicht im großen Haus, sondern im Münchener Schmuckkästlein, dem , das erstaunlicherweise nicht mal bei der Premiere ausverkauft war. Dem wunderschönen Titel wird diese Oper leider nicht gerecht; die Handlung erinnerte mich eher an einen alten Tatort. Das Thema “Darf man im Namen der Kunst einen Doppelmord begehen?” ist interessant, war hier aber weitgehend verschenkt, da konnte die solide Regie von auch nichts mehr ausrichten. Das Libretto hat seine Meriten, aber so wirklich genial kam es nicht rüber.

Das Eingangsbild erinnerte an eine Familien-Aufstellung nach Bert Hellinger, und sehr viel besser wurde es dann auch nicht mehr. Den Musentempel eines gefeierten Dichters hätte ich mir irgendwie nicht ganz so total normal vorgestellt, und wenn die wunderbare die Muse des Künstlers darstellen soll, dann sollte man sie auch dementsprechend einkleiden. Am meisten erboste mich wohl bei dieser Oper, dass sie mich sehr an Sprechtheater erinnerte. Die Sänger haben jede Menge Text, der oft in einer Art Sprechgesang vorgetragen wird – das heißt, die großartigen Singstimmen der -Sänger kommen gar nicht richtig zur Geltung. Das ist umso bedauerlicher, als gerade diese modernen Stücke einen unglaublichen Arbeitsaufwand erfordern. Die Partitur wirkt eher wie Hintergrundmusik für dieses Singsprechtheater, jeder kleinste Höhepunkt wird von einem Paukenschlag untermalt. In der Beschreibung hört sich das ja noch ganz gut an: “Henze komponiert als sein eigener Dramaturg. Akribisch ist seine Lektüre von Audens und Kallmans Libretto.” Dass das Ganze in der Gesamtwirkung an Filmmusik erinnert, erwähnt das Programmheft nicht.

Ich mag moderne Musik, aber diese Komposition fand ich weitgehend langweilig; in den ersten beiden Akten musste ich mich zusammenreißen, um wach zu bleiben. (Da hilft ein Blick auf den Dirigenten, übrigens: das Geschehen im Orchestergraben war interessanter als das auf der Bühne.) Henze hat mit sicherem Griff immer die Töne ausgewählt, die überhaupt nicht zusammenpassten, und das Ergebnis waren leider keine aufregenden Dissonanzen, die von eingängigeren Passagen unterbrochen wurden, sondern es war einfach nur fad. Dass in dieser Inszenierung ständig hohe Absätze über die Bühne klacken, hätte ich sehr störend gefunden, wenn mir die Musik gefallen hätte. Im letzten Akt wurde es dann besser, aber geschenkt. Und damit Sie sich nicht nur auf meine subjektiven Meinungsäußerungen verlassen müssen, zitiere ich hier den theoretischen Überbau aus dem Programmheft:

… In scharfen Kontrasten konfrontiert und kombiniert Henze Passagen im Gewand einer post-tonalen Harmonik mit den filigranen Geflechten eines freien dodekaphonen Kontrapunkts. Er erprobt die experimentell zersplitterte Realistik der Geräuschinstrumente und den rhythmischen Strawinsky-Drive einer irregulär gestanzten Ostinato-Motorik. …

Jaja, wissen wir doch alle. Vielleicht bringt es ja was, wenn ich mir das Programmheft unters Kopfkissen lege. Denn so dynamisch, wie die Komposition in dieser Textpassage beschrieben ist, kam sie mir gar nicht vor.

. Oper in drei Akten. Musik: . Libretto: , . Deutsche Fassung: , , . Uraufführung: 20. Mai 1961. Musikalische Leitung: . Inszenierung: . Bühne: . Kostüme: . Licht: . Besetzung: Gregor Mittenhofer: . Dr Wilhelm Reischmann: . Toni Reischmann: . Elisabeth Zimmer: . Carolina Gräfin von Kirchstetten: . Hilda Mack: . Josef Mauer: .

Ähnliche Artikel:

Der Bettelstudent, 26.04.2013, Gärtnerplatztheater (im Prinzregententheater)

Der Bettelstudent “Schaust du es dir noch mal an?”, fragte mich verständnislos ein Theatermitarbeiter. Ausgerechnet. Wahrscheinlich trübt es den Genuss ein wenig, wenn man dort arbeitet, wo andere ihre Freizeit verbringen. Der Tonfall erinnerte mich sehr an meine Oma: “Aber Kind, das hast du doch schon mal gesehen!” Eh, ja. Ich habe diese Produktion jetzt schon mehr als einmal gesehen, obwohl gar nicht meine Lieblingsoperette ist – aber ein sehr solide gearbeiteter Vertreter des Operetten-Genres mit schönen Melodien. Wieso geht ein Mensch, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und auch sonst durchaus etwas anderes zu tun hätte, mehrmals die Woche ins Musikheater? Was für Gründe gibt es, eine Inszenierung mehrmals anzuschauen? Keiner meiner wenigen besten Freunde würde auch nur im Traum auf die Idee kommen, so eine, mit Verlaub, unreflektierte Frage zu stellen. Der Reiz, ein- und dieselbe Produktion öfters zu sehen, erschließt sich entweder sofort oder gar nicht. Ich finde es faszinierend, den komplizierten Mechanismus zu beobachten, der einer Musiktheater-Vorstellung zugrunde liegt. Alle stehen pünktlich Gewehr bei Fuß, egal, ob es stürmt oder schneit oder irgendwelche privaten Themen anliegen. Die Sänger bringen jeden Abend aufs Neue eine oft sehr umfangreiche Partie auf die Planken; das ist gerade bei Opernsängern eine immense Leistung, weil man das darstellerische Element und die Choreografie neben allem anderen auch berücksichtigen muss. Es ist interessant, zu sehen, wie sie das an jedem Abend nahezu identisch abrufen, und es ist natürlich noch viel spannender, wenn das mal nicht klappt. Fast alle geben ihr Bestes, jeden Abend aufs Neue auf der Suche nach Perfektion. Irgendeiner ist immer dabei, der das nicht tut; das ist ein Naturgesetz. An guten Abenden hat man Glück, und dieser Jemand ist für die Vorstellung nicht besonders relevant.

Der Bettelstudent Ein paar Tage Pause sind oft eine gute Idee: Das Theater war fast ausverkauft, mit gutgelauntem Publikum, die Darsteller waren mit Verve dabei, man konnte die Spielfreude wirklich sehen. Der Enterich war prächtig in Form. Oberst Ollendorf zeigte seine Entertainer-Qualitäten; das Publikum fand besonders seine Couplets ganz toll – dabei kann ich Couplets generell nicht ausstehen. Sie sind aber, das stimmt, eine Remineszenz an die Ursprünge der Operette. Die beiden romantischen Pärchen gefielen mir ganz ausgezeichnet. Ebenso das Offiziersballett, bestehend aus , , , , das dafür sorgt, dass es auf der Bühne keine Sekunde langweilig wird, es gibt nämlich immer etwas zu sehen. Diese ausgefeilte Choreografie ist superwitzig und so detailliert, dass ich davon ausgehe, dass die Darsteller sich teilweise selbst inszeniert haben. (Ein guter Regisseur zeichnet sich auch dadurch aus, dass er gute Leute an der langen Leine führt.) Die Chorsolisten des Gärtnerplatztheaters sind alle gut, auch wenn sie nicht singen, sondern nur spielen: hier waren es , und .

. Operette in drei Akten. Musik: . Libretto: , . Musikalische Leitung: . Regie: . Bühne und Kostüme: . Choreografie: . Besetzung: Gräfin Palmatica Nowalska: . Laura, ihre Tochter: . Bronislawa, ihre Tochter: . Oberst Ollendorf, Gouverneur von Krakau: . Jan Janicki, Student: . Symon Symonowicz, Student: . Major von Schweinitz: . Von Wangenheim, von Henrici, von Richthofen: , , . Musikgraf Bogomil Malachowski: . Musikgräfin Eva Malachowski: . Onuphrie, Palmaticas Diener: . Enterich, sächsischer Gefängniswärter: . Piffke und Puffke, Schließer: , . Wirt: .

Ähnliche Artikel:

Gut meinen und gut machen – Oliver! von und für Kinder und Jugendliche in der alten Kongresshalle 21.4.2013

Oliver! „Mächtigstes Bildungsmittel“, „moralische Anstalt“, „Schule des Lebens“ – was hat man das Theater in Bezug auf die ästhetische Bildung für Kinder nicht alles genannt. Der pädagogische Gehalt wurde dabei seit dem Mittelalter gerade für Heranwachsende nie unterschätzt, sollte es auch nicht werden! Wie wichtig, gewinnbringend und erfüllend die Theaterarbeit für die Kleinen und schon etwas Größeren sein kann, beweist Oliver! als Mitmachmusical vorbildlich.

Eine Bühne voller begeisterter, disziplinierter und gut gelaunter Kinder zeigen, wie man es macht: Mit Begeisterung, professioneller Anleitung und staatstheatralischer Unterstützung werden sie Teil des großen Ganzen der Bühne. Dabei wird von Regisseurin Julia Riegel das Diderot-Motto beherzigt, dem sich leider zu wenige Kinder- und Jugendtheater verschreiben: „Man muss es nicht nur gut meinen, sondern auch gut machen.“

Hier wird gemacht und gut geliefert, als seien es Große. Mit wenigen Mitteln ein ordentliches und vielseitiges Bühnenbild, mit guten szenischen Ideen eine Nummernrevue weit über dem Niveau der meisten Schultheatervorstellungen, mit top einstudierten Semijugendprofis und einem Gespür für Besetzung eine runde Sache, die bei Jung und Alt funktioniert. Die professionellen Regieideen eines Marionettenkinderspiels, der bemalten Tische wie der gut integrierten Leinwand erfreuen die Kleinen und beeindrucken die Größeren. Hier werden Kinder auf der Bühne und im Publikum nämlich ernst genommen, was im Genre der Kinderunterhaltung leider auch zu selten passiert. Lionel Barts schmissiger Sound mit einigen Ohrwürmchen helfen da ebenso wie die routinierten und augenzwinkernden Gärtnermusiker voller Spielfreude unter .

Oliver! Unterstützt wird das junge Ensemble vom TV-Gesicht , seine Erfahrung aus dem Kinderfernsehen nutzend, der einen Fagin zwischen Michael Jackson, Miss Marple und Depp Sparrow abliefert – dabei etwas überzogen daherkommt und bei den Kindern mit weniger mehr punkten hätte können. Allgemein orientiert sich die Produktion an den großen Vorbildern der Twistadaptionen wie zuletzt durch Polanski fürs große Kino. Damit erzeugt auch Julia Riegel große Bilder, große Emotionen und vor allem Authentizität anhand der lebensweltlich agierenden Jungen und Mädchen, die durch ihren Enthusiasmus und ihre Spielfreude die Geschichte wie ihre Emotionen transportieren und nicht nur ihren Altersgenossen nahebringen.

Entzückend Oliver und seine geigende Komplizin mit viel Potenzial für die Zukunft. Daneben ein starkes Ensemble mit vielen klug gewählten Gruppennummern und beachtlichen Choreographien, die mehr Schauwerte als einige langweilige Erwachsenenproduktionen liefern. Das ist kurzweilig, witzig und gewitzt.
Für alle unter 10 ist gerade die zweite Hälfte mit Nancys Schicksal und Tod wohl eine Spur zu gruselig, wenngleich es gelingt, den Sykes aufgrund seiner Jugendlichkeit weniger dämonisch und damit genau richtig auszuinszenieren. Die ein bisserl Älteren werden dafür in Olivers Welt hineingerissen, durchunterhalten und mit der launigen Schlusspolonaise genau dorthin geführt, wo Jugendbühne hinleiten muss: Zur Begeisterung für das Weltmedium des Theaters und der Musik.

Ähnliche Artikel:

Archiv

  • 2013 (113)
  • 2012 (278)
  • 2011 (203)
  • 2010 (190)
  • 2009 (304)
  • 2008 (261)
  • 2007 (50)
  • 2006 (38)

Kategorien

Statistisches

  • Posts: 1.437
  • Kommentare: 372
  • Wörter in Posts: 604.737
  • Tags: 2.531