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Interview mit Sina Beerwald (2)

© Michael Magulski, Picture Time

© Michael Magulski, Picture Time

Liebe Sina, wir haben gerade festgestellt, dass das letzte Interview fünf Jahre her ist. In dieser Zeit hat sich viel getan. Du bist vom historischen Roman ins Krimigenre gewechselt, gerade ist Dein neuer Roman Kräherwald erschienen. Er hat bereits einige sehr positive Rezensionen erhalten. Wie fühlst Du Dich jetzt im Krimigenre?

SB: Auf jeden Fall sehr wohl. Ich hab ja zunächst mal das lustige Krimigenre beackert mit meinen Mordsmöwen und dem Möwenalarm und dem Heringsmord, in dem ein schwäbisches Rentnerehepaar sein Unwesen auf Sylt treibt. Bei den lustigen Krimis war immer Sylt der Schauplatz und jetzt bin ich zurück im Thrillerbereich und da ist Stuttgart nun auch wieder der Schauplatz so wie bei meinem ersten Thriller Hypnose. Im Kräherwald ist es eine Geschichte, die aufbaut auf einen wahren Fall und davon ausgehend hab ich dann meinen Thriller gestrickt.

Wieso hast Du diese Nord-Süd-Trennung? Wird die so bleiben?

SB: Naja, was heißt Trennung? Dieses Nord-Süd vereine ich ja auch nun in mir. Es ist ja einmal das Schwabenland, wo ich herkomme, wo ich aufgewachsen bin, und seit neun Jahren ist mein Lebensmittelpunkt eben Sylt und so verbinde ich das, würde ich sagen. Ich habe es aber noch nicht geschafft, in einem Buch beide Handlungsorte unterzubringen, das wäre vielleicht auch noch einmal was. Aber mit meinen Schwaben auf Sylt habe ich ja schon einmal so ein bisschen eine Verbindung geschaffen. Also, ich würde sagen, da trenne ich ja nun nicht ganz strikt.

Ich meinte die Trennung auch eher zwischen Thriller und humoristischen Krimis.

SB: Also es bei mir so dass ich froh bin über diese Vielfalt, dass ich beides machen kann, so wie ich auch meine historischen Romane gemacht habe. Ich fühle mich in so vielen Genres zu Hause. Und ich bin auch sehr froh darüber, dass mir viele Leser dabei folgen. Dass sie sagen, ich lese von Sina Beerwald einen lustigen Krimi, ich lese dann aber genau so gerne ihre Psychothriller, die es dann in sich haben.

Und wird es auch irgendwann noch einmal eine Rückkehr zum historischen Genre geben?

SB: Das möchte ich nicht ausschließen. Warum denn nicht. Wenn ich in einem Genre gerade arbeite, dann fühle ich mich da sehr zu Hause, aber die Rückkehr zum historischen Roman, das möchte ich nicht ausschließen, nein.

Oder ein historischer Krimi?

SB: Auch das ist möglich, na klar.

Deine Figuren sind ja immer sehr lebendig und immer nah bei Dir. Du hast gerade erzählt, Du hast zwei Möwenkrimis geschrieben, wie hat das da funktioniert?

SB: Meine Möwen sind mir ja sozusagen zugeflogen. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht mal einen Krimi schreiben will, der auf Sylt spielt, weil das bis dato nicht der Fall war. Ich wollte dann aber auch etwas schreiben, das so nicht in Posemuckelsdorf spielen könnte. Eines schönen Tages habe ich beobachtet, wie diese Möwen ein Fischbrötchen einer Frau aus der Hand heraus geklaut haben. Aber nur den Hering aus dem Brötchen herausgepickt, die Zwiebeln baumelten noch so in diesem zerrupften Brötchen. Die Frau war dann erst vor Schreck erstarrt, kuckte dann das Brötchen an und dann kuckte sie ihren Mann an und sagte „Bitteschön“ und und überreichte ihm dann die traurigen Überreste des Brötchens. Ich habe natürlich auch erst mal mitgelacht und dann habe ich gedacht: so, was wäre wenn das Ernährungssystem dieser frechen Möwen zusammenbricht? Es gibt bei uns auf Sylt einen Crepes-Stand, auf dem immer eine Möwe sitzt und Ausschau hält. Und das ist meine Möwe Ahoi geworden. Mein Ruf ist so gesehen ruiniert, weil ich dieses Buch sehr viel am Strand geschrieben habe, mit Manuskriptblock und Stift in der Hand, wie ich es gerne mache, und habe so die Möwen und ihr Umfeld immer vor Augen gehabt. Ich habe natürlich auch viel über die Möwen und ihre eigentliche Verhaltensweise gelesen. Weil die Möwen ja immer den Überblick über die Insel haben, habe ich mir erlaubt, den ein oder anderen Seitenhieb auf die Zustände hier auf der Insel mit einem Augenzwinkern einzubauen.

War es schwierig, den Möwen menschliche Züge zu verleihen?

SB: Nein, dieses Buch hat sich von selbst geschrieben. Diese Idee hat mich so verfolgt, hat mich nicht losgelassen, die habe ich in einer Nacht skizziert und das Expose entworfen. Morgens um fünf habe ich den Rechner zugeklappt, ich habe dieses Buch geschrieben, ohne auch nur irgendwas dran zu ändern, die Möwen standen mir vor Augen, ich musste da gar nicht viel dran tun.

Wird es noch einen Nachfolger geben?

SB: Auch das. Sicher ist schon, dass es einen Nachfolger zum Heringsmord geben wird. Meine Camper werden weiter auf Sylt ihr Unwesen treiben. Mit den Möwen hatte ich ja mit dem Möwenalarm schon einen zweiten Teil vorgelegt und ich vermute fast, dass die Bande keine Ruhe geben wird.

Du hast Dich jetzt in Kräherwald einer sehr speziellen psychischen Krankheit gewidmet, wie bist Du darauf gekommen? Der Story liegt ja ein realer Fall zugrunde.

SB: Angelehnt an einen wahren Fall habe ich es insofern, als es einen Leichenfund gab vor vielen, vielen Jahren im Main. Dieses Mädchen, das dort gefunden wurde, war niemals als vermisst gemeldet worden. Es ist auch bis heute nicht geklärt, wo dieses Mädchen eigentlich herkommt. Klar ist nur, dass es in der Nähe von Frankfurt gelebt haben muss, das konnten man aufgrund diverser Untersuchungen feststellen. Diese psychische Erkrankung, auf die Du anspielst, das ist etwas anderes, das hat mit diesem Fall nichts zu tun, da war es ein Zeitungsartikel, durch den ich drauf gekommen bin und davon gelesen habe. Ohne da jetzt zu viel zu verraten, aber das ist eben eine Erkrankung, die nun Gottseidank zwar nicht so häufig ist, aber es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Das hat mich so berührt, als ich das gelesen habe. Das war der zweite Ansatzpunkt, bei dem ich gesagt habe, diese Erkrankung möchte ich thematisieren, dass man vielleicht, wenn man das Buch gelesen hat, mal mit offeneren Augen durch die Welt geht und solche Dinge vielleicht auch erkennt.

Was meinst Du, warum es so eine hohe Dunkelziffer gibt? Wollen die Menschen es vielleicht nicht sehen, weil es so unglaublich ist?

SB: Bestimmt, aber auch, das gehört mit zu dieser psychischen Erkrankung, dass die Menschen sehr, sehr gute Schauspieler sind. Selbst Ärzte haben mir bestätigt, dass Erkrankte leugnen, auch wenn man sie direkt darauf anspricht, weil sie die Problematik selbst nicht erfassen können. Oft ist es dann so, dass erst ein Videobeweis zur Konfrontation hilft, dem Betroffenen das klar zu machen, was eigentlich los ist.

Nun ist Tessa als Reporterin ja prädestiniert für weitere Fälle. Ist da schon was in der Pipeline?

SB: (lacht) Ja, meine Pipeline 🙂

Ich kann mir vorstellen, die ist ziemlich lang…

SB: Die ist allerdings ziemlich lang und ich bin mir auch sehr sicher, dass da was in der Pipeline ist, ja.

Neben Deinen Romanen hast Du ja auch ein Sachbuch über den Ort, an dem Du lebst, veröffentlich, 111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss. Was hat Dir dabei denn am meisten Spaß gemacht?

SB: Spaß macht mir alles, was mit Sylt zu tun hat. Es war vor allen Dingen für mich eine neue Erfahrung, denn in diesem Buch durfte ich pro Örtlichkeit nur eine gewisse Textlänge verwenden und plötzlich auf Zeile schreiben zu müssen, wie ein Journalist es tun muss, dort meine ganzen Ideen und die Information, die ich dazu unterbringen möchte, hineinzubekommen, war für mich eine Herausforderung. Hier kann ich schon verraten, dass es einen Nachfolger geben wird, er kommt jetzt im Frühjahr und wird heißen 111 Orte auf Sylt, die Geschichte erzählen. Geschichte und Geschichten. Es ist unglaublich viel passiert auf Sylt, es waren auch sehr viele Schriftsteller auf Sylt, Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Stefan Zweig, also wirklich große Literaten, und denen ist immer auch nachweislich etwas auf Sylt passiert, was sich auch zu Erzählen lohnt, aber auch die Geschichte des Bades, da gibt es sehr viele Geschichten, da bin ich gerade dran.

Wie bist Du bei der Auswahl vorgegangen?

SB: Die Auswahl ergibt sich bei mir von selber. Ich wurde immer gefragt, wie ich denn auf dem nur 110 Quadratkilometer großen Sylt 111 Orte finden konnte. Das geht sehr gut. Das geht sogar so gut, dass ich immer noch eine Auswahl treffen konnte und mir überlegen konnte, manchmal auch überlegen musste, nehm ich den Ort jetzt mit rein oder nicht. genauso jetzt bei dem Nachfolger, erzähl ich jetzt diese Geschichte oder erzähle ich eine andere, da hab ich wirklich die Qual der Wahl.

Und was ist dann ausschlaggebend für Dich gewesen?

SB: Das ist natürlich auch immer ein bisschen subjektiv. Es wird immer jemanden geben, der fragt, warum dies oder jenes nicht enthalten ist, aber für ist dann einfach wichtig, was ich für erzählenswert halte. Bei den 111 Orten sind es natürlich auch Örtlichkeiten, die Besonders sind, über die man vielleicht nicht gleich drüber fällt. Mich sprechen auch manchmal Insulaner an, die sagen: Das wusste ich ja gar nicht. Ich lebe hier auf der Insel, ich bin hier geboren, aber das kannte ich gar nicht.“ das ist für mich dann natürlich ein ganz, ganz großes Kompliment.

Könntest Du Dir das auch für Stuttgart vorstellen?

SB: Ja, allerdings gibt es das schon für Stuttgart, die 111 Orte, aber das hätte ich natürlich sonst auch gerne gemacht. Sylt ist für mich Herzensheimat und natürlich, Stuttgart ist Heimat.

Hast Du das von Stuttgart gelesen und bist Du mit der Auswahl einverstanden?

SB: Auch da ist es so, dass es subjektiv ist, aber in weiten Teilen hätte ich es auch so gemacht. Wer weiß, vielleicht gibt es da noch einen Teil Zwei von den Stuttgartern, das ist ja auch möglich.

Hat sich Dein Schreibprozess irgendwie verändert?

SB: Nein, nur der Espressokonsum ist etwas höher geworden

Noch höher?

SB: Ja, seit ich die Tasse von Emons habe. Ich arbeite nach wie vor am Liebsten gerne Nachts, so weit sich das ermöglichen lässt. Ansonsten gilt eben auch, eine Muse hat ihre Geschäftsstunden. Ich bin nach wie vor freiberuflich und in der Hauptsache als Schriftstellerin tätig. Das gibt mir natürlich auch gleichzeitig viel Freiraum und ermöglicht mir eben auch, die Projekte umzusetzen, die mir am Herzen liegen.

Du bist sehr produktiv, in den vergangenen beiden Jahren sind jeweils zwei Bücher von dir erschienen. Musst Du nicht mehr so viel recherchieren oder geht der Schreibprozess so schnell?

SB: Nein, es ist das parallele Arbeiten. An 111 Ort, die Geschichte erzählen bin ich im Grunde seit zwei Jahren dran, eigentlich noch viel länger, weil ich schon immer diese Geschichten gesammelt habe und deswegen schon einen gewissen Fundus hatte. Die ganze Archivarbeit beispielsweise habe ich jetzt schon die ganze Zeit parallel gemacht. Bei solchen Projekten geht es sehr gut, parallel zu arbeiten, weil man eben nicht immer gerade textproduktiv ist und da kann man natürlich solche Recherchearbeiten machen.Das eignet sich ganz wunderbar, deshalb darf man das nicht so geradlinig sehen. Manchmal besteht mein Arbeitstag halt auch nicht nur aus acht Stunden, sondern aus zwölf oder mehr Stunden.

Gibt es noch ein Projekt, das Dir total am Herzen liegt, das Du aber noch nicht umsetzen konntest?

SB: Nein, ich hatte bisher immer das Glück, alles, was mir am Herzen lag, umsetzen zu dürfen.

Gibt es noch irgendwas, was Du Loswerden möchtest?

SB: Ich freue mich, dass wir dieses Interview gemacht haben und das Revival nach der langen Zeit. Ich finde es immer sehr spannend und schön Deine Fragen zu beantworten, weil sie von Dir immer mit sehr viel Bedacht überlegt sind und das ist für mich umso schöner.

Vielen Dank für das Lob und für Deine Bereitschaft zu dem Interview!

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Frisch eingetroffen: Sabine Kornbichler – Wie aus dem Nichts

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erscheint am 02.11.2016
368 Seiten, Broschur
ISBN: 978-3-492-30873-1

Lügen können Leben zerstören, die Wahrheit aber auch. Das weiß Dana Rosin nur zu gut. Die Inhaberin einer Alibi-Agentur hat schon vor langer Zeit einen Pakt mit der Lüge geschlossen. Ihr neuer Freund Alex – ein Enthüllungsjournalist und Verfechter der Wahrheit – lehnt ihre Einstellung allerdings strikt ab. Doch dann wird er eines Morgens erschossen, während sich Dana in letzter Sekunde vor dem Mörder verstecken kann. Bei den polizeilichen Ermittlungen stellt sich schnell heraus, dass Alex nicht der war, als der er sich ausgegeben hat. Wer aber war er dann? Und warum musste er sterben? Fragen, die Dana nicht loslassen – und ihr Leben in Gefahr bringen.

Leseprobe (pdf)

Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr erster Roman, »Klaras Haus«, war ein großer Erfolg. Mit »Das Verstummen der Krähe«, ihrem ersten Kriminalroman um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo, wurde sie für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in München.

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Sina Beerwald – Kräherwald

Es ist einer der heißesten Tage des Jahres, als die Stuttgarter Journalistin Tessa Steinwart eine Leiche am Ufer des Neckars findet. Ein junges Mädchen, nackt in ein weißes Bettlaken gehüllt, mit Rosenblättern bedeckt und mit Zeichen eines jahrelangen Martyriums. Niemand scheint sie zu kennen, niemand zu vermissen. Kurz darauf geraten Tessa und ihr kleiner Sohn ins Visier des Mörders. Er scheint alles über sie zu wissen – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zuschlagen wird …

Als ich den Titel des neuen Romans von Sina Beerwald das erste Mal gelesen habe, dachte ich an einen Druckfehler. Das musste doch sicher Krähenwald heißen, oder? Aber es war kein Fehler, denn Kräherwald ist tatsächlich ein vermutlich ziemlich unzugängliches Waldgebiet im Westen von Stuttgart. Es nimmt hier auch so etwas was wie eine Protagonistenrolle ein, deshalb passt der Titel auch hervorragend zum Roman.

Nach Hypnose legt Sina Beerwald hier ihren zweiten Thriller vor und wieder gelingt es ihr, den Leser in ihren Bann zu ziehen mit einem spannenden, sehr gut recherchierten Plot. Sie legt sehr viele falsche Fährten, bringt mehrere Verdächtige ins Spiel, zwischen denen man sich kaum entscheiden kann. Auch wenn ich sehr früh einen Verdacht hatte, der sich am Ende als halbwegs richtig herausgestellt hat, lag ich doch ziemlich weit daneben, weit genug jedenfalls, um die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten und die Lösung einigermaßen verblüfft zur Kenntnis zu nehmen. Dabei tut die Autorin eigentlich alles, um den Leser auf die richtige Spur zu bringen, aber ich zumindest habe die Anspielungen nicht deuten können.

Die Protagonisten sind authentisch und ihre Handlungen nachvollziehbar, insbesondere gelingt es Sina Beerwald, den Leser die Ängste einer Mutter spüren zu lassen, auch wenn man vielleicht selbst gar kein Kind hat. Man wird hineingezogen in den Strudel der Gefühle und leidet mit Tessa mit. Ich konnte ihre Panik und ihre Suche nach dem Täter, die in Verdächtigung ihrer sämtlichen Freunde gipfelt, gut verstehen. Man erlebt die Berg- und Talfahrt der Gefühle live mit und ist am Ende fast so fertig wie Tessa.

Sina Beerwald schreibt im Nachwort, dass sie eine bestimmte psychische Erkrankung in den Fokus rücken wollte. Dies gelingt ihr insbesondere durch die feinfühligen Einschübe aus der Sicht des Mädchens, die deutlich macht, wie sich Opfer dieser Erkrankung fühlen müssen. Auch wenn man von dieser Erkrankung schon einmal gehört hat, erkennt man sie doch nicht, so subtil sind die Hinweise.

Kräherwald ist ein spannender und stimmiger Thriller, der einen tief in die menschlichen Abgründe blicken lässt und einen bis zum Schluss in Atem hält.

Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, studierte Wissenschaftliches Bibliothekswesen und hat sich bislang mit sechs erfolgreichen Romanen einen Namen gemacht.  2011 wurde sie Preisträgerin des NordMordAward, des ersten Krimipreises für Schleswig-Holstein. 2014  erhielt sie den Samiel Award für ihren Sylt-Krimi “Mordsmöwen.” Mehr über die Autorin erfahren Sie auf ihrer Homepage und bei Facebook.

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Frisch eingetroffen: Christine Kabus – Das Geheimnis der Mittsommernacht

Norwegen, 1895. Im Bergbaustädtchen Røros begegnen sich zwei junge Frauen, deren Schicksal kaum unterschiedlicher sein könnte. Die Deutsche Clara ist ihrem Ehemann in dessen Heimatstadt gefolgt, wo sich dieser endlich mit seinen Eltern aussöhnen will. Doch die Ordals begegnen Clara und ihrem kleinen Sohn Paul mit unverhohlener Ablehnung. Als wenig später ein furchtbares Unglück geschieht, ist Clara plötzlich auf sich allein gestellt. Unerwartete Hilfe erfährt sie ausgerechnet durch Sofie, die Tochter des mächtigen Bergwerksbesitzers, dem die Ordals schon lange ein Dorn im Auge sind. Sofie empfindet ihr behütetes Dasein als goldenen Käfig und bewundert es, wie Clara ihr Leben meistert. Während Clara und Sofie zu Freundinnen werden, kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das ihre Familien seit Jahrzehnten überschattet.

 

Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte.
Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen. Ihr erster Roman IM LAND DER WEITEN FJORDE ist eine Hommage an dieses faszinierende Land.

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Frisch eingetroffen: Louis de Bernières – Imagining Alexandria

Poetry was Louis de Bernières’ first literary love. Here the much-loved author returns us to the vivid Mediterranean landscape of his fiction. Introduced to Greek poetry while in Corfu in 1983, de Bernières’ own poems about the distant past, the erotic and the philosophical owe much to the influence of the great Alexandrian poet.

Louis de Bernières, who lives in Norfolk, published his first novel in 1990 and was selected by Granta magazine as one of the twenty Best of Young British Novelists in 1993. Since then he has become well known internationally as a writer, with Captain Corelli’s Mandolin winning the Commonwealth Writers’ Prize for Best Novel in 1994. His sixth novel, the acclaimed Birds Without Wings, came out in 2004., A Partisan’s Daughter (2008) was shortlisted for the Costa Novel Award and Notwithstanding: Stories from an English Village was published in Autumn 2009, followed by de Bernieres’ first collection of poetry, Imagining Alexandria: Poems in Memory of Constantinos Cavafis, in 2013; it is also available in audio, read by the author. Publication of his major new novel, The Dust That Falls From Dreams, was in July 2015, and his new collection of poems, OF LOVE AND DESIRE, is out in February 2016. As well as writing, de Bernieres plays the flute, mandolin and guitar. He was born in London in 1954.

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Nachlese Edinburgh International Book Festival 2016

Auch dieses Jahr war ich im August wieder auf dem Edinburgh International Book Festival oder kurz EdBookFest. Wie auch in den Jahren zuvor wurden einige Events in voller Länge aufgezeichnet und Interviews im YouTube Channel des Festivals veröffentlicht. Es lohnt sich immer wieder, einen Blick hineinzuwerfen, da immer mal wieder neue Videos dazu kommen.

Viele Bilder findet man auch bei Flickr:

2016 Edinburgh International Book Festival

Für mich war es erneut ein Wahnsinns-Erlebnis. Entgegen meinem ursrünglichen Plan, nächstes Jahr mal was anderes zu machen, habe ich jetzt doch schon wieder gebucht 🙂

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Frisch eingetroffen: Louis de Bernières – Of Love and Desire

A rich collection of love poems, written over a lifetime, and capturing its many forms – from rapture, infatuation, urgency, to sorrow, heartache and disillusion. Poetry was de Bernieres’ first and greatest literary love, a passion evident in the musicality and emotion of his poems, which are full of stories and the truth of lived experience.

Louis de Bernières, who lives in Norfolk, published his first novel in 1990 and was selected by Granta magazine as one of the twenty Best of Young British Novelists in 1993. Since then he has become well known internationally as a writer, with Captain Corelli’s Mandolin winning the Commonwealth Writers’ Prize for Best Novel in 1994. His sixth novel, the acclaimed Birds Without Wings, came out in 2004., A Partisan’s Daughter (2008) was shortlisted for the Costa Novel Award and Notwithstanding: Stories from an English Village was published in Autumn 2009, followed by de Bernieres’ first collection of poetry, Imagining Alexandria: Poems in Memory of Constantinos Cavafis, in 2013; it is also available in audio, read by the author. Publication of his major new novel, The Dust That Falls From Dreams, was in July 2015, and his new collection of poems, OF LOVE AND DESIRE, is out in February 2016. As well as writing, de Bernieres plays the flute, mandolin and guitar. He was born in London in 1954.

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Frisch eingetroffen: Charlotte Lyne – Die Lilie von Palermo

In ihrem Viertel gilt die junge Aita ob ihrer Schönheit als Lilie von Palermo. Doch als sie sich beim Tanz in den Falschen verliebt, ihn gar küsst, wird sie vom begehrtesten Mädchen der Stadt zur Ausgestoßenen. Erst recht, als sie den, den sie alle »il Diavúlu«, den Teuflischen, nennen, auch noch zum Mann nimmt.
Aita könnte trotz allem glücklich sein, denn ihr fehlt es an nichts. Ihr Mann hat sich inzwischen einen Ruf als geschickter Schmied erarbeitet, fertigt für die Reichen und Mächtigen. Doch die Zeiten sind unruhig, immer mehr Sizilianer stemmen sich gegen die Herrschaft des Hauses Anjou. Können Aita und Emidio ihre Liebe auch in schweren Zeiten bewahren? Oder werden sie und ihre Familien im Streit der konkurrierenden Mächte zerrieben?

Charlotte Lyne, geboren 1965 in Berlin, studierte Germanistik, Latein, Anglistik und Italienische Literatur in Berlin, Neapel und London. Bevor sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach London zog, lebte sie einige Zeit in Glencoe, der schottischen Heimat ihrer Schwiegerfamilie.  Charlotte Lyne arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Lektorin.

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Frisch eingetroffen: Edna O’Brien – The Little Red Chairs

One night, in the dead of winter, a mysterious stranger arrives in the small Irish town of Cloonoila. Broodingly handsome, worldly, and charismatic, Dr. Vladimir Dragan is a poet, a self-proclaimed holistic healer, and a welcome disruption to the monotony of village life. Before long, the beautiful black-haired Fidelma McBride falls under his spell and, defying the shackles of wedlock and convention, turns to him to cure her of her deepest pains.

Then, one morning, the illusion is abruptly shattered. While en route to pay tribute at Yeats’s grave, Dr. Vlad is arrested and revealed to be a notorious war criminal and mass murderer. The Cloonoila community is devastated by this revelation, and no one more than Fidelma, who is made to pay for her deviance and desire. In disgrace and utterly alone, she embarks on a journey that will bring both profound hardship and, ultimately, the prospect of redemption.

Moving from Ireland to London and then to The Hague, THE LITTLE RED CHAIRS is Edna O’Brien’s first novel in ten years — a vivid and unflinching exploration of humanity’s capacity for evil and artifice as well as the bravest kind of love.

Link zur Leseprobe

Edna O’Brien, author of the Country Girls trilogy, A Fanatic Heart, The Light of Evening, Saints and Sinners, and other widely acclaimed books, is a recipient of the Ulysses Medal, the 2011 Frank O’Connor International Short Story Award, the Los Angeles Times Book Prize, the National Arts Club Gold Medal, and the Irish PEN Lifetime Achievement Award, and is an honorary member of the American Academy of Arts and Letters. Her memoir, Country Girl, received the Argosy Irish Nonfiction Book of the Year prize from the Irish Book Awards. Born and raised in the west of Ireland, O’Brien has lived in London for many years.

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Jem Lester – Shtum

Ungekürzte Lesung
9:20 Stunden
Sprecher
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Zum Inhalt
Ben Jewell selbst und seine Ehe stehen kurz vor dem Zerbrechen.

Sein 11-jähriger Sohn Jonah ist autistisch, spricht weder mit seinen Eltern noch mit Lehrern und Ärzten und lebt fast völlig in sich selbst zurückgezogen. Als Ben und Jonah gezwungenermaßen zu Bens Vater Georg ziehen müssen, wohnen drei Generationen Jewells unter einem Dach – einer, der nicht sprechen kann und zwei, die nicht miteinander sprechen wollen.

Ben kämpft mit Behörden, Sozialarbeitern, Ärzten, seiner Familie und seinen eigenen Dämonen. Dabei lernt er eine Menge über sich selbst und andere, nicht weniges davon unangenehme Erkenntnisse.

Jonah, der in seiner eigenen Welt lebt, zwingt die Erwachsenen dazu, miteinander zu reden.

Zum Autor
Jem Lester arbeitet für neun Jahre als Journalist und erlebte den Fall der Berliner Mauer selbst mit, unterrichtete für neun Jahre Englisch und Medienkunde in weiterführenden Schulen. Er hat zwei Kinder, eines davon autistisch. Aktuell lebt er in London mit seiner Partnerin und ihren beiden Kindern.

Zum Sprecher
David Thorpe ist ein britischer Schauspieler und Sprecher von über 100 Hörbüchern.

Meine Meinung
Der Titel „Shtum” ließ mich auf ein Buch mit jüdischem Bezug schließen, die Inhaltsangabe hingegen klang ganz anders und machte vorsichtig neugierig. (Vorsichtig, weil mir Jean-Louis Fourniers autobiographischer Roman über das Leben mit seinen zwei schwerbehinderten Söhnen in sehr schlechter Erinnerung ist. Wo fahren wir hin, Papa? – Jean-Louis Fournier)

Jonah bereitet seinen Eltern nicht wenige Sorgen. Interaktive Kommunikation mit ihm ist in der Regel nicht möglich, er ist inkontinent, kann in Stresssituationen sich selbst und Andere verletzen und in der Förderschule hat er in sechs Jahren kaum Fortschritte gemacht, außer körperlichem Wachstum und viel Kraft. Jetzt steht der Wechsel auf eine weiterführende Schule an und im Schulbezirk wird an allen Ecken und Enden gespart. Da sind 200.000 Pfund pro Jahr für das von den Eltern ersehnte spezielle Internat nicht vorgesehen.

Anders als Rain Man verfügt Jonah auch nicht über die Inselbegabung, die viele Menschen im Umfeld seiner Eltern automatisch erwarten. Sind nicht alle Autisten in einem bestimmten Bereich hochbegabt? Jonah nicht und diese Erwartungshaltung frustriert seine Eltern noch zusätzlich.

Aus einem Grund, den ich hier nicht verraten möchte, wird entschieden, dass Ben und Jonah erstmal zu Bens Vater Georg ziehen sollen. Dies ist eine nicht weniger explosive Mischung, auch wenn die Ressentiments zwischen Georg und Ben anderer Natur sind als zwischen Ben und seiner Frau Emma, eine erfolgreiche Anwältin. Emma wünscht sich sehnlichst ein zweites Kind, Ben hat Angst vor einem weiteren schwierigen Kind, gibt sich selbst die Schuld an Jonahs Problemen.

Ben selbst ist nie wirklich erwachsen geworden, verlor seine Arbeit, weil er zu viel trank und ist jetzt offiziell in der Catering Firma seines Vaters angestellt, ohne sich dort in irgendeiner Form zu engagieren. Dementsprechend ist das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, Georg macht kein Hehl daraus, dass er nichts von Ben hält. Für Georg ist das tägliche Zusammenleben mit Jonah neu und er tritt seinem geliebten Enkel unbefangener gegenüber als dessen Eltern, erzählt ihm z.B. liebevoll und unermüdlich sehr persönliche Gute-Nacht-Geschichten.

Auf sehr einfühlsame und intensive Weise fesselt Ben Lester seine Leser, nimmt sie mit in das Leben eines Alleinerziehenden eines heranwachsenden schwer autistischen Sohnes. Offiziell wird das Buch als Roman verkauft, ist jedoch deutlich autobiographisch. Bens Ernüchterung, wenn die Kinder der Freunde Entwicklungssprünge machen, Jonah jedoch „an der grünen Ampel stehenbleibt“, keiner der zu Beginn der Grundschule zugesagten Fortschritte sechs Jahre später eingetroffen ist und Jonah in sich selbst versunken schweigt, während seine Familie sich nichts sehnlicher wünscht, als ein paar Worte von ihm, um sein Innenleben verstehen zu können.

Die Liebe, die Ben für seinen außergewöhnlichen Sohn empfindet, ist stets spürbar. Jonah liebt Schneekugeln, herumfliegende Federn und nackt im Garten herumzulaufen, teilt seine Freude jedoch kaum.

Die pseudo-verständnisvollen Mitarbeiter mancher Behörden lassen die Leser bzw. Zuhörer fast genauso verzweifeln wie Ben, auf der einen Seite Vorschriften und vermutlich teilweise Überlastung, auf der anderen die sehr persönliche und intensive Sorge um die Zukunft des eigenen Kindes.

Der Titel „Shtum“ ist perfekt gewählt, Jonah kann nicht sprechen, sein Vater und Großvater wollen nicht miteinander sprechen und haben viele Geheimnisse voreinander. Jetzt endlich werden sie gezwungen, sich einander anzunähern und auch ein anderes Verhältnis zu Jonah zu entwickeln.

David Thorpe ist für Ben der ideale Sprecher, vermittelt die Stimmung unterschiedlichsten Situationen und versteht es geschickt, jeder der Figuren eine eigene Stimme zu geben.

Fazit
Ein sicherlich weitgehend autobiographischer Roman über das Leben als Vater eines schwer autistischen Sohnes, der weder mit seiner Umwelt kommuniziert, deutliche Fortschritte in seiner Entwicklung macht, noch über die von vielen erwartete besondere Inselbegabung verfügt. Ben Lester zeigt meiner Meinung nach sehr einfühlsam und realistisch die täglichen kleineren und großen Probleme, die Gedanken und Gefühle der Erwachsenen und versucht auch, die (vermuteten) Gefühle des 12-jährigen Jonah darzustellen.

Alle Hauptfiguren sind lebendig und überzeugend aufgebaut, keine von ihnen auf den ersten Blick ein Sympathieträger, doch alle mit meist nachvollziehbaren Motiven.

„Shtum“ ist ein besonderes Buch, von dem ich hoffe, dass es auch bald auf Deutsch erscheint und seinen realen Hauptfiguren das Allerbeste wünsche.

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