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Frisch eingetroffen: Nicole C. Vosseler – Mariposa

Jake ist auf die schiefe Bahn geraten und muss seinen Community Service in Mariposa antreten, einem gottverlassenen Ort am Rande des Yosemite-Parks in Kalifornien. Dort trifft er auf Nessa, ein sonderbares Mädchen mit roten Haaren, weißer Haut und dunklen Augen. Sie lebt mit ihrer Familie zurückgezogen im Wald, und obwohl sich Jake über sie lustig macht, bekommt er sie nicht mehr aus dem Kopf. Ganz offensichtlich erwidert sie seine Gefühle, doch ihre Familie und die ganze Kommune, der sie angehört, sind strikt dagegen, dass die beiden sich treffen. Denn Nessa ist tatsächlich nicht ganz von dieser Welt …

Nicole C. Vosseler, geboren 1972 in Villingen-Schwenningen, studierte Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit ihren Romanen für Erwachsene „Unter dem Safranmond“, „Sterne über Sansibar“ und „Der Himmel über Darjeeling“ feierte sie große Erfolge. Die Autorin lebt am Bodensee – mit mehr als zweitausend Büchern unter einem Dach.

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Frisch eingetroffen: Stephen Fry – the fry chronicles

Thirteen years ago, Moab is my Washpot, Stephen Fry’s autobiography of his early years, was published to rave reviews and was a huge bestseller. In those thirteen years since, Stephen Fry has moved into a completely new stratosphere, both as a public figure, and a private man. Now he is not just a multi-award-winning comedian and actor, but also an author, director and presenter. In January 2010, he was awarded the Special Recognition Award at the National Television Awards. Much loved by the public and his peers, Stephen Fry is one of the most influential cultural forces in the country. This dazzling memoir promises to be a courageously frank, honest and poignant read. It will detail some of the most turbulent and least well known years of his life with writing that will excite you, make you laugh uproariously, move you, inform you and, above all, surprise you.

Stephen Fry is an award-winning comedian, actor, presenter and director. He rose to fame alongside Hugh Laurie in A Bit of Fry and Laurie (which he co-wrote with Laurie) and Jeeves and Wooster, and was unforgettable as Captain Melchett in Blackadder. More recently he presented Stephen Fry: The Secret Life of the Manic Depressive, his groundbreaking documentary on bipolar disorder, to huge critical acclaim. His legions of fans tune in to watch him host the popular quiz show QI each week.  

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Lesung Anat Talshir, 13.03.2015, Buchmesse Leipzig

Anat Talshir unterrichtet Kreatives Schreiben und arbeitet auch als Journalistin. Ihr erstes Buch Über uns die Nacht ist in Israel ein Bestseller, der auch mit Preisen ausgezeichnet wurde.

Die Geschichte in Über uns die Nacht sei schon lange in ihr gewesen und habe aufgeschrieben werden müssen. Im Haus ihrer Familie habe es ein Geheimnis gegeben, etwas, das die Erwachsenen immer haben plötzlich schweigen lassen, wenn Kinder dazu kamen. So sei die beste Freundin ihrer Mutter die Inspiration gewesen. So attraktiv und intelligent, warum ist sie trotzdem so einsam?

Eine Liebesgeschichte, die für sie größer als das Leben selbst ist. Also begann Anat Talshir zu recherchieren, sprach mit Menschen, die in jener Zeit lebten und war viel in einer speziellen Bibliothek in Jerusalem, in der es Schwarzweißbilder aus der Zeit des Britischen Protektorats gibt.

Eine der beiden Handlungsebenen beginnt 1947, kurz vor der Gründung des Staates Israel. Jerusalem ist in einen westlichen Teil und einen östlichen unterteilt. Im östlichen Teil lebt ein junger arabischer Mann namens Elias, im westlichen eine junge jüdische Frau namens Lila, die sich inmitten dieser Zeit des dramatischen Umbruchs und der Spannungen ineinander verlieben. Als eine Mauer durch Jerusalem gezogen wird, werden auch die Liebenden voneinander getrennt – für 19 Jahre.

Anat Talshir konnte lange nicht verstehen, warum die beiden Liebenden sich tatsächlich 19 Jahre nicht sahen, keinerlei Kontakt miteinander gehabt haben sollten. In einer solchen Situation würde man selbst doch alles nur erdenkliche tun, um den geliebten Menschen sehen zu können… und sie fand eine Frau, die damals nicht nur Vermittlerin für die Vereinten Nationen war, sondern tatsächlich auch Kundin in Lilas Schönheitssalon.

Es folgte eine kurze Lesung auf Hebräisch und von der ausgezeichnet vortragenden Artemis Chalkidou eine längere.

Die Zuhörer wurden mitgenommen nach Jerusalem ins Jahr 1947, zu einer Veranstaltung, bei der die britische Oberschicht und geladenen Gäste über die politische Situation sprachen, sowie darüber, wer tatsächlich Tee und Kaffee nach Europa eingeführt habe. Chen Dann folgte ein Abschnitt aus dem Jahr 2006, über die Veränderungen und Spannungen, an dessen Ende man am liebsten direkt weitergelesen hätte.

Für Anat Talshir war von Anfang an der wichtigste Aspekt, dass dieser Mann und diese Frau durch eine große Mauer getrennt wurden. Und auch, dass es jemanden gab, der den beiden einen Briefaustausch ermöglichte.

Eine ihrer frühsten Erinnerungen ist der Weg zu einem Bunker als sie sechs Jahre alt war, während des Sechstagekriegs. Sie wurde in Jerusalem geboren und alle ihre ersten Erinnerungen sind dort verwurzelt. Heute verbindet sie eine Hassliebe sie mit der Stadt, in der die Liebe überwiegt. An Tel Aviv schätzt sie, dass es lebendig ist und eine unreligiöse junge Stadt. Genau deshalb sei sie früh dorthin gezogen, wollte alles hinter sich lassen und komplett neu anfangen. In einer Stadt, die für sie das genaue Gegenteil von Jerusalem ist. Denn Jerusalem sei vermutlich die komplizierteste Stadt im Nahen Osten, jene Stadt, die sie nicht wie geplant hinter sich lassen konnte.

Deshalb musste sie ein Buch darüber schreiben, um zu zeigen, wie die Liebenden aus zwei unterschiedlichen Kulturen einerseits durch den Krieg getrennt wurden, andererseits auch geeint.

Im folgenden Lesungsabschnitt wurde aus Perspektive beider Hauptfiguren vermittelt, was die Gründung des Staates Israel im Jahr 1947 für jeden bedeutet, was sie empfanden und glaubten, wie es dem anderen jetzt wohl ginge. Für Elias bedeutet es, dass ein Staat geboren wird, der nicht der eigene ist, obwohl seine eigenen Vorväter auf diesem Land geboren und begraben wurden.

Ihr zweites Buch ist in Arbeit und dieses fällt ihr nicht so leicht zu schreiben wie der Erstling. Den Hintergrund bildet wieder eine wahre Geschichte, wobei diesmal ein Kriminologe in der Midlife Krise im Mittelpunkt steht und sie herausfinden wollte, was die Ehe ihrer Eltern ruiniert habe. Erst nach einer Weile sei ihr bewusst geworden, dass sich die Lösung direkt unter ihrer Nase befand.

Mich beeindruckte, wie lebendig Anat Talshir die beiden Figuren werden lässt und gleichzeitig viel über jene Zeit vermittelt, nicht nur Faktenwissen, sondern auch die Gefühle und das Alltagsleben der Bevölkerung.

Link zum Verlag mit Leseprobe *klick*

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Lesung Gila Lustiger, 14.03.2015, Leipzig Messe

Gila Lustiger erzählte zu Beginn der Veranstaltung ein wenig über sich selbst und weshalb sie noch vor dem Abitur ausgerechnet von Deutschland nach Israel ging. 1963 wurde sie als Tochter von Arno Lustiger geboren, einem der (Wiederbe-)Gründer der jüdischen Gemeinde in Frankfurt und einem Überlebenden des Holocaust. An ihrer Schule sei ein neuer junger GK-Lehrer gewesen, der den Schülern die sicherlich gut gemeinte Aufgabe stellte, aufzuschreiben was ihre Eltern während des Kriegs gemacht hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt sei sie Klassenkameradin gewesen, danach dann Jüdin. Mit 18 wolle man sich selbst entdecken und definieren, statt von außen definiert zu werden. Sie wollte nicht mehr vordergründig jüdisch sein müssen und so sei sie in das einzige Land gezogen, in dem sie nicht mehr Jüdin sein musste – nach Israel. Dort sei sie über Nacht bewusst Deutsche geworden und studierte Germanistik bei Emigranten, die in den 1930er Jahren mit ihren Bibliotheken ausgewandert waren. Damals habe es Erstausgaben von z.B. Döblin fast nur noch in Jerusalem und Brasilien gegeben. Erst dort sei ihr ihre Liebe zur deutschen Sprache und Literatur bewusst geworden, verbunden mit der deutschen Kultur.

Sechs Jahre später zog sie mit ihrem Partner Emmanuel Moses nach Paris, wo sie zunächst als Journalistin tätig war, später auch als Lektorin. Obwohl sie seitdem nicht mehr in Deutschland gelebt hat, fühlt sie sich in der deutschen Gemeinde in Paris, der deutschen Kultur und Sprache tief verwurzelt.

Auf die Frage, weshalb das Judentum in jedem ihrer Bücher eine Rolle spiele, antwortet Gila Lustiger, dass sie das nie bewusst einflechten würde, ganz im Gegenteil eher vermeiden oder zumindestens reduzieren wolle, doch es würde sich immer wieder einschleichen.

Im Mittelpunkt ihres neuen Buches Die Schuld der anderen steht der Journalisten Marc Rappaport. Dieser würde sich immer wieder in intensive Recherchen stürzen und dessen neuestes Projekt die Aufklärung eines Mordfalls ist, der vor 27 Jahren an einer Prostituierten verübt wurde. Der anfangs eher kleine Fall nehme irgendwann nationale Ausmaße an und hier wurde die Moderatorin von Gila Lustiger ausgebremst, denn mehr solle nicht verraten werden.

Dann wurde ein etwas längerer Abschnitt vorgelesen, der die Ankunft von Marc Rappaport in Marseille schilderte, sowie das Leben in einem problematischen Vorort. Einfühlsam und überzeugend werden die Probleme und Gedanken der Menschen dort geschildert, nachvollziehbar ihre Resignation und auch teilweise die Kompromisslosigkeit. Schon auf den wenigen vorgetragenen Seiten wird Marc Rappaport lebendig und die Zuhörer waren sichtlich gefesselt.

Eigentlich habe sie diesen Roman nicht so schreiben wollen, aber nach über 25 Jahren hatte sie das Gefühl Frankreich nicht mehr zu verstehen. Nicht verstehen zu können, weshalb Marie Le Pen gewählt wird, wie es zu den Krawallen und Demonstrationen in Paris kommen konnte und zu antisemitischen Übergriffen. In ihrem eher wohlhabenden Wohnviertel werde sie auf ihre Fragen keine Antworten finden und so reiste sie durch das Land, durch Vororte von Großstädten und durch kleinere Orte. In Gegenden, in denen 30% die Front National wählten und die Menschen sich abgehängt fühlen. Bei der Recherche stieß sie auf den im Buch geschilderten Fall, der echt ist. (Auch an dieser Stelle verhindert Gila Lustiger, dass dem Publikum zucviel vom Inhalt verraten wurde.)

Auf die Frage, warum sie einen Journalisten als Hauptfigur gewählt hat statt einem Polizisten, ob dieser der bessere Ermittler sei, reagiert Gila Lustiger amüsiert – denn die Moderatorin ist selbst Journalistin.
Sie würde ihre Figuren nicht alle bewusst und gezielt konzipieren, sondern die Figur war einfach so. Eine Person, die die Welt ganz klar in schwarz und weiß unterteilt, aber selbst einen ambivalenter Charakter hat. Genau dies habe sie gereizt, sowie die Frage nach der Schuld für die sozialen und politischen Probleme, für die Folgen des Kolonialismus.

Ihr Roman ist teilweise in den 1980er Jahren angesiedelt, als Mitterand an der Regierung war, die Sozialisten beschlossen mit dem Liberalismus zu brechen, die Schlüsselindustrien zu verstaatlichen und den Staat binnen zwei Jahren in den Bankrott führten. Als Folge daraus hätten eben jene Sozialisten den wahren Liberalismus eingeführt.

Als Ausländerin habe sie eigentlich kein so kritisches Buch über die französische Gesellschaft schreiben wollen, habe jedoch nichts vergleichbares auf Französisch gefunden. Die Problematik der Menschen in den Vorstädten habe sie so sehr beschäftigt, dass Die Schuld der anderen daraus wurde. Ein kritischer Blick auf Frankreich, verpackt in die Handlung des Kriminalfalls.

Der Roman wird jetzt ins Französische übersetzt und Gila Lustiger ist sehr gespannt auf das Echo in Frankreich.

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Lesung Claire Hajaj, 14.03.2015, Leipzig Messe

Lesung Claire Hajaj Zu Beginn der leider auf der Messe sehr knapp gehaltenen Veranstaltung erzählte Claire Hajaj, wer sie selbst ist und wie sie auf die Idee zu Ismaels Orangen kam.

Nach der Geburt ihrer inzwischen fünfjährigen Tochter habe sie sich Gedanken gemacht, was für Mensch sie werden solle. Ihre Tochter trage zwei Kulturen in sich, denn ihr Vater stamme aus Jaffa und ihre Mutter sei Jüdin, deren Mutter wiederum eine Überlebende des Holocaust. Die beiden Familien ihrer Tochter seien noch nie gemeinsam in einem Raum gewesen, Claire Hajaj und ihr Mann heirateten in London, wo sie sich auch kennengelernt hatten.

In “Ismaels Orangen” erzählt sie die Geschichte ihrer eigenen Familie und hofft, dass ihre Tochter irgendwann durch dieses Buch ihre eigenen Wurzeln besser verstehen wird und auch, dass die beiden Kulturen eine sehr ähnliche Geschichte, ähnliche Hoffnungen, Träume und Trauer haben. Dass es mehr Gemeinsamkeiten gibt, als die Szenen von gegenseitigem Mord und Totschlag in den Abendnachrichten vermuten lassen.

Ein junges jüdisches Mädchen flieht aus Europa und trifft einen jungen Palästinenser, der in Jaffa aufwächst und in der Autowerkstatt seines Bruders Geld verdient. Claire Hajaj erzählt, dass die meisten ihr bekannten Palästinenser von der 4000 Jahre alten Hafenstadt Jaffa träumen, die Juden hingegen von Jerusalem. Ihr eigener Vater stamme aus Jaffa und so entschied sie, ihre Geschichte in Jaffa beginnen zu lassen.

Jaffa, die große multikulturelle Stadt des britischen Protektorats, in der Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen in Frieden miteinander lebten. Ihrer Meinung nach wurde der Konflikt von außen importiert. Der Junge in ihrer Geschichte weiß nur das, was er von den Erwachsenen und anderen Kindern hört, kennt das Gesamtbild noch weniger als die Erwachsenen.

Dann wurde ein kurzer Abschnitt vom Anfang des Buches vorgelesen, das im Jahr 1948 beginnt. Salim ist sieben Jahre alt und die Atmosphäre in Jaffa ist sehr angespannt, denn die Flucht steht bevor. In dieser Zeit werden alle Beziehungen auf die Probe gestellt. Die Familien von Salim und seinem gleichaltrigen Freund Elia haben beschlossen, einen Schlusstrich unter die Freundschaft der beiden zu ziehen. Die beiden Jungen verstehen die Situation nicht und ihr letzter gemeinsamer Abend wird einfühlsam geschildert.

Claire Hajaj ist der Ansicht, dass Sehnsucht (deep longing) nach einem Ort, den man nicht verlassen wollte, Unglück bringe. Man solle sich von den Steinen lösen, um seinen Frieden finden zu können. Ob man dort zu Hause sei, wo wir geboren wurden und unser Großvater aufwuchs? Ob man sich über die Herkunft definiere oder über das was man selbst aufgebaut und bestimmt hat? Das sei für die meisten Juden und Palästinenser die Grundfrage ihres Lebens. Ihrer Meinung nach ist es eine Tragödie ein selbstgebautes Heim aufzugeben, um in ein Heim zurückzukehren, das man früher verlassen musste.

Wie finden wir Frieden in unserem Herzen ist ihre zentrale Frage und dabei sollten Religonen außen vor sein.

Der Titel des Buchs soll an Ismael erinnern, den Sohn Abrahams, der sowohl als Stammvater Israels gilt als auch der Araber und im Islam als einer der Propheten gilt.

Die Veranstaltung machte mich noch neugieriger auf das Buch, das mich von der Grundidee her sehr stark an das ebenfalls auf einer wahren Geschichte basierenden *Lemon Tree” von Sandy Tolan erinnert hatte.

Informationen beim Verlag und Leseprobe *klick*

Claire Hajaj, 1973 in London geboren, hat ihr bisheriges Leben zwischen zwei Kulturen, der jüdischen und der palästinensischen, verbracht und versucht, sie zu vereinbaren. In ihrer Kindheit lebte sie sowohl im Nahen Osten als auch im ländlichen England. Sie bereiste alle vier Kontinente und arbeitete für die UN in Kriegsgebieten wie Burma oder Baghdad. Sie schrieb Beiträge für den BBC World Service, außerdem veröffentlichte sie Artikel in Time Out und Literary Review. Ihren Master in Klassischer und Englischer Literatur hat sie in Oxford gemacht. Zur Zeit lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Beirut.

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Lesung Valentina Freimane, 14.03.2015, Haus de Buches Leipzig

Hätte Anna Thalbach nicht als Sprecherin im Programm gestanden, wären mir Valentina Freimane und ihre sehr interessante Autobiographie immer noch unbekannt. So verbrachte ich zwei spannende Stunden im Haus des Buches in Leipzig, gemeinsam mit so vielen anderen Interessierten, dass noch zahlreiche zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Valentina Freimane wurde 1922 geboren, wuchs dreisprachig in Riga, Paris und Berlin auf und ist eine der letzten Überlebenden des Holocausts in Lettland. Ihre Autobiographie ist für sie das Zeugnis eines reichen, von Kunst und Liebe gesegneten Lebens, wobei sie es für ein Wunder hält, dass es dieses Buch tatsächlich gibt. Sie habe gelernt, dass man einem Menschen alles nehmen könne, außer dem, was in seinem Kopf und Herzen lebe.

Den Titel “Adieu Atlantis” hatte sie schon im Kopf, lange bevor sie überhaut ernsthaft daran dachte, ihre Erinnerungen aufzuschreiben und er steht für den Abschied von einer längst vergangenen Welt. In diese Welt nahm sie ihre Zuhörer mit, so lebendig sind ihre Erzählungen. Sie halte es für ihre Pflicht, alles aufzuschreiben, was sie als wichtig in jener Welt empfindet und von den Menschen zu erzählen, die ihr das Leben retteten. Menschen, die sich ihre Werte nicht von Politik oder Kirche vorschreiben ließen. Sie habe das Glück gehabt, viele solcher Menschen zu treffen und auch wenn nicht alle gut zu ihr gewesen seien, habe sie von ihnen viel gelernt und sie hätten ihr ermöglicht, fast unbeschadet durch eine schwere Zeit zu gehen, an eine Gereichtigkeit zu glauben, die siegen würde ohne verbittert zu werden.

Ihre Kindheit sei glücklich gewesen, in ihrem versunkenen Atlantis. Eine Welt über deren Menschen sie zwar nach dem Ende des Krieges schreiben wollte, dies aber in der damaligen Sowjetunion undenkbar war. Erst als es in Riga eine Volksbewegung für die Unabhängigkeit gab spürte sie, dass die Menschen mutiger und offener wurden. Ihre Freunde haben ihr gesagt, sie solle ihre Geschichte aufschreiben, auch wenn sie sich nicht als Schriftstellerin sehe.

So kam es, dass alle in ihrem Umfeld wussten, dass sie an “Adieu Atlantis” arbeitete, während sie selbst wie eine Katze um den heißen Brei herumschlich, voller Sorge, dass die Erinnerungen an zu viele traurige Gefühle und Ereignisse sie überwältigen könnten. Sie machte sich Notizen, kam jedoch jahrelang nicht weiter bis eine Freundin ihr half, ihre Erinnerungen auf Band zu sprechen. Ihr gegenüber saß ein vertrauter Mensch, der ihre Ängste verstand, die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend jedoch kaum kannte und so ergaben sich viele Fragen und interessante Gespräche.

Ihre Berliner Kindheit habe sie lange wie durch einen Schleier gesehen und trotz zahlreicher Einladungen zur Berlinale sei ihr von der Sowjetregierung lange Jahre die Reisegenehmigung verweigert worden. Jahre später stand sie plötzlich wieder vor ihrem Elternhaus, in dem sich heute ein Hotel befindet. Als sie drinnen ein scheinbar vertrautes Möbelstück sah, sei das wie ein “Schlag in ihr Gehirn” gewesen und plötzlich seien ihre Erinnerungen an jene Zeit wieder zurückgekehrt.

Anna Thalbach las zwei längere Abschnitte der ausgezeichneten Übersetzung von Matthias Knoll. Im ersten Abschnitt ging es um den bunten und ungewöhnlichen Alltag der jungen Valentina Freimane in Berlin, die gerne ihrer Gouvernante entfloh und durch die Arbeit ihres Vaters in den Filmstudios in Babelsberg die unterschiedlichsten Menschen kennenlernte, u.a. Fritz Lang und Marlene Dietrich. In jener Zeit seien Leben und Film für sie miteinander verschmolzen und sie habe zwar die sich verändernde Stimmung wahrgenommen, jedoch erst spät die Auswirkungen auf ihr sicheres familiäres Nest gespürt. Schon mit zehn Jahren hatte sie einen eigenen Reisepass und pendelte mit dem Zug zwischen Berlin und Riga. Ihre Eltern erzogen sie zu einer kritischen Person, die genau hinschaute und hinterfragten oft z.B. warum ihr etwas gefiel oder was ihr aufgefallen sei, es wurde anspruchsvolle Literatur gelesen und schon früh lernte sie viele Fremdsprachen.

Valentina Freimane erkärte, dass in Lettland nach den Wahlen zwar viele Zeitungen geschlossen und der Staat totalitärer wurde, das Leben jedoch für Menschen, die politisch indifferent waren, durchaus erträglich, da der Lebensstandard lange hoch blieb und unverändert Reisefreiheit herrschte. Ihr Vater sei als Demokrat nicht angetan gewesen von den Veränderungen, trotzdem kehrte die Familie nach einigen Jahren zurück nach Lettland. Doch auch dort sah sie nach und nach die Veränderungen auf der Straße. Als Kind sei es ihr am unglaublichsten gewesen, wie Menschen sich veränderten und selbst glaubten, sie seien schon immer so gewesen. Frühere Freunde seien zu fanatischen Judenhassern geworden und bis heute würde es sie wundern, wie der Mensch sie selbst verleugnen könne. Allerdings habe sie inzwischen aufgegeben, einige Dinge verstehen zu wollen.

Hier sei so gut wie unbekannt, dass die baltischen Staaten doppelt okkupiert waren. Zuerst 1940 durch die Sowjets, dann 1941 durch die Wehrmacht und ab 1944 kehrte die Sowjetarmee zurück. Ihre Eltern und alle anderen Familienmitglieder starben im Rigaer Ghetto, ihr Ehemann, bei dem sie zunächst Unterschlupf fand, starb später im Gefängnis.

Anna Thalbach las einen weiteren Abschnitt und wieder hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt lauschten die Anwesenden ihrem Vortrag.

Dieser Ausschnitt begann mit den ersten Tagen der deutschen Besetzung in Riga, den politischen, sozialen und heimischen Veränderungen wie z.B. der Einführung von Judensternen. Valentina Freimane traf immer wieder auf Menschen, die ihr halfen, ihren Mut und Zuversicht zu bewahren.

Auf die Frage, ob sie es nicht immer noch unglaublich fände, dass diese Menschen ihr damals halfen, antwortet sie, in den Menschen stecke viel Potenzial für Gutes. Sie sei damals einfach nur froh gewesen, gerettet zu werden. Eigentlich solle nicht bemerkenswert sein, dass gerade in dieser grausamen Zeit Menschen ohne zu zweifeln und nachzudenken so handelten. Über diese Menschen wollte sie schreiben, jene, die sich nicht manipulieren ließen und ihr Leben für eine junge Frau riskierten.

Diese Menschen wollte sie den Anwesenden vorstellen und sie hoffe, dass deren selbstloses Verhalten die Norm werde.

Am Ende bedankte sich die sehr sympathisch wirkende Valentina Freimane beim Publikum für das Interesse am Leben eines einzelnen Menschen und blieb für Fragen und zum Signieren, während lettischer Kräuterlikör ausgeschenkt wurde.

Weiterführende Links:
Längerer Bericht mit Fotos *klick*
Link zum Verlag mit Leseprobe *klick*
“Valentina” an der Deutschen Oper in Berlin *klick*
Interview im ZDF vom 27.02.2015 *klick*

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Lesung Titus Müller, 14.03.2015, Zeigner-Haus Leipzig

Lesung Titus Müller Am 14.03.2015 las Titus Müller im Ernst-Zeigner-Haus aus seinem neuen Roman Berlin Feuerland, der im März 1848 in Berlin spielt. In einer Zeit des Umbruchs, großer Standesunterschiede und sozialer Spannungen.

Wenn wir heute Armut sehen, wäre es uns unangenehm und wie antrainiert würden die Meisten wegschauen. 1848 wurde anders damit umgegangen, viele Menschen aus den oberen Schichten wollten ganz genau hinschauen und es gab sogar Führungen, bei denen feine Damen die dunklen Seiten der Großstädte kennenlernen wollten.

Die Hauptfigur Hannes zeigt einigen reichen Damen, wie die Menschen im Armen- und Industrieviertel Feuerland leben. Hannes selbst besitzt einen Strohsack, einen verbeulten Topf und ein einziges Buch, den Brockhaus Band A-E und hofft aus einem Ausweg aus dem Elend, wenn er alle Artikel darin liest und versteht. Wenn er baden geht, dann 4. Klasse mit gebrauchtem Spreewasser und ohne Seife.

Anders als heute durften Kinder ab neun Jahren täglich bis zu zehn Stunden arbeiten, auch wenn eigentlich schon Schulpflicht galt. Die Fabrikanten argumentierten, bei ihnen würden die Kinder Ausdauer, Ordnung, Pünktlichkeit und Fleiß lernen.

Berlin wuchs in jener Zeit rasant und genauso schnell stieg durch den Einsatz von Maschinen die Arbeitslosigkeit, denn Tischler, Schuster und viele andere Berufsgruppen konnten nicht so billig herstellen wie die Fabriken ihre standardisierten Waren. Die Droschkenfahrer verloren Kunden an die ersten Pferdebuslinien, die Einführung der Eisenbahnen erzwang im ganzen Land eine standardisierte Einheitszeit.

Der zweite Lesungsabschnitt zeigt eine Tour aus der Perspektive von Alice, der 20-jährigen Tochter des Kastellans des Berliner Stadtschlosses, die das Leben ihrer Eltern langweilig und bieder findet. Die Gegensätze zwischen Hannes und den von ihm durch Feuerland geführten Damen könnte größer nicht sein. Während Hannes nur einen Topf besitzt, hängt bei Alice feines Geschirr als Dekoration an den Wänden und er verdient am Tag weniger als eine Droschkenfahrt kostet.

Freunde von Hannes sind an der Vorbereitung eines Aufstands beteiligt und erwarten von ihm, dass er mitmacht bei einer Revolution, die in Deutschland viel veränderte. Das Volk wollte mehr soziale Gerechtigkeit, Versammlungsfreiheit und Einiges mehr, während der König und vor allem sein Polizeichef zunehmend beunruhigt sind von den Menschenmassen.

Die Idee zu diesem Roman kam über seinen Lektor, durch den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses und Titus Müller fand es spannend, dass heutzutage ein Schloss gebaut wird, in dem kein König mehr leben wird, überlegte, wie das Leben im und um das Stadtschloss damals war, las Tagebücher und zahllose andere Quellen. Den Ablauf der historischen Ereignisse habe er nicht verändert, in seinem Roman sei abgesehen von Hannes und Alice wenig erfunden.

Titus Müller erzählte mit viel Leidenschaft von den historischen Persönlichkeiten, die in “Berlin Feuerland” mitspielen, wie z.B. König Friedrich Wilhelm IV., dessen Bruder und Nachfolger Wilhelm, den Stadkommandanten Ernst von Pfuel, der keine Schlacht in Berlin wollte und der engste Freund von Kleist war, den recht unbekannten Polizeidirektor Minutoli, Alexander von Humboldt, der damals inkognito in Berlin lebte, Theodor Fontane und viele andere. Für ihn sind die Momente spannend, in denen Menschen ihr Leben für ihre Überzeugungen riskierten, sich in Sekundenbruchteilen für ihr Gewissen oder ihre Karriere entscheiden mussten.
Die Psyche der fiktiven und historischen Figuren interessiert ihn, ihre Motive und Entwicklung und seine Begeisterung sprang auf das Publikum über. Fast hatte man den Eindruck, er hätte eine Zeitreise gemacht, so lebendig erzählte er über das Leben damals und die Menschen.

Das Leben damals käme uns so anders vor und doch sei vieles unserem heutigen Leben schon sehr ähnlich. Damals hätten die Menschen für vieles gekämpft, das uns selbstverständlich scheint, vor allem für politisches Mitspracherecht, während heute viele nicht mehr wählen gehen.

Sein nächstes Buch wird Mitte des 20. Jahrhundert spielen, genaueres zum Thema wurde noch nicht verraten.

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Vorschau: Du sollst nicht lieben, 19.03.2015, Schauspielensemble Südsehen im Theater Blaue Maus

Georg Kreisler

DU SOLLST NICHT LIEBEN

Musikalische Komödie
mit Musik von Bach, Beethoven, Schubert u.a.

LOTHAR, nicht mehr ganz taufrischer Junggeselle mit Promotion und Bindungsängsten, trifft auf die wesentlich jüngere SONJA, die auf der Suche nach einem Vater für ihre Tochter ist. So wie LOTHAR hat sie ihn sich jedoch nicht vorgestellt und geht merklich auf Distanz. Auch LOTHARs Einstellung zur Ehe ändert sich, nicht zuletzt, da er ja – endlich – zur Sache kommen will. Aber die langersehnte Liebesnacht verläuft anders, als erwartet:

Es siegt der Pragmatismus – LOTHAR hat das Alleineleben satt und SONJA wählt den bequemen Weg, der sich bald schon als der unbequemere herausstellt: LOTHAR geht mit seiner Sekretärin fremd. Aber SONJA bleibt ihm nichts schuldig…

Georg Kreislers Komödie ist ein Georg Kreisler (fast ausschließlich) mit klassischer Musik: In einer bitter-süßen Nicht-Romanze werden die schönsten Liebesthemen der klassischen Musik mit Kreisler-Texten ironisch variiert.

Es spielen Ulrike Dostal und Amadeus Bodis
Regie Robert Ludewig

Du sollst nicht lieben

Premiere am 19.03.2015 um 20:30 im Theater Blaue Maus, Elvirastr. 17a in München
Karten zu:  18,- / 12,-  und unter  089 182694 oder www.theaterblauemaus.de

Weitere Vorstellungen im Theater Blaue Maus 20.03 und 21.03.2015 | www.theaterblauemaus.de
Sowie in der Einstein-Kultur am 10.05.2015 | www.einstein-kultur.de

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Frisch eingetroffen: Frauke Scheunemann – Winston, Jagd auf die Tresorräuber

Skandal an Kiras Schule: Jemand hat den Tresor mit den Abiklausuren entwendet! Toms älterer Bruder Nico ist verzweifelt und befürchtet, dass die Prüfung nun wiederholt werden muss. Aber wie sind die Unbekannten überhaupt in den abgeschlossenen Raum gelangt? Das riecht nach einem neuen Fall für Kater Winston! Mit tierisch scharfem Verstand, seiner unbeirrbaren Spürnase und der Unterstützung seiner zwei- und vierbeinigen Freunde macht sich Winston daran, das Rätsel zu lösen. Die Kinderbuchreihe rund um die Freundschaft zwischen Kater Winston und Kira aus der Feder von Bestsellerautorin Frauke Scheunemann, bekannt durch die Dackelblick-Bücher, wurde mit dem deutschen Katzen-Krimi-Preis 2013 ausgezeichnet.

Frauke Scheunemann, geboren 1969 in Düsseldorf, ist promovierte Juristin. Sie arbeitete als Journalistin und Pressesprecherin. Seit 2002 ist sie freie Autorin und schreibt zusammen mit ihrer Schwester Wiebke Lorenz unter dem Pseudonym »Anne Hertz« sehr erfolgreich Romane. 2010 erschien ihr erster Solo-Roman Dackelblick, der auf Anhieb zum Bestseller und zum Startschuss einer beliebten Romanreihe wurde. Frauke Scheunemann ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann, ihren vier Kindern und dem kleinen Hund Elmo in Hamburg.  

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Frisch eingetroffen: Jennifer Benkau – Mit Rosen bedacht

Ein Unfall zerstört Wandas heile Welt: Ihr Verlobter, den sie in wenigen Tagen heiraten wollte, wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Niemand weiß, ob er je wieder aufwachen wird. Als Wanda versucht, Karims Angelegenheiten zu regeln, stößt sie auf immer mehr Ungereimtheiten in seinem Leben. Tiefer und tiefer dringt sie in ein Netz aus Lügen und Geheimnissen vor, bis sie sich fragen muss: Wer ist Karim wirklich? Hat sie ihren Geliebten je gekannt? Schließlich kommt Wanda einem entsetzlichen Verbrechen auf die Spur, und alles deutet darauf hin, dass Karim große Schuld auf sich geladen hat. Doch während seine Augen geschlossen bleiben, schwebt Wanda bald selbst in höchster Gefahr …

Jennifer Benkau wurde im April 1980 in der Klingenstadt Solingen geboren und lebt heute mit ihrem Mann, einem Haufen Kindern und zwei Hunden im Rheinland. Nachdem sie in ihrer Jugend Geschichten in eine anachronistische Schreibmaschine hämmerte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie im Dezember 2008 von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Gut ausgeschlafen widmet sie sich seitdem Romanen für Erwachsene und Jugendliche.

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