Archives

  • 2017 (30)
  • 2016 (37)
  • 2015 (62)
  • 2014 (68)
  • 2013 (141)
  • 2012 (152)
  • 2011 (163)
  • 2010 (181)
  • 2009 (280)
  • 2008 (213)
  • 2007 (33)
  • 2006 (21)

Kategorien

Premiere De Amore, 23.06.2017, Gärtnerplatz Jugend (in der Reithalle)

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Die Liebe ist ein seltsames Spiel wusste schon Connie Francis in den Sechzigern. Tatsächlich war es aber früher mal anders, am Anbeginn der Zeit. Da waren alle Menschen die Hälfte eines Ganzen, kugelförmig, immer mit dem perfekt zu ihnen passenden Partner zusammengefügt. Sie waren glücklich, aber wie das so ist, wenn man alles hat, strebt man nach noch mehr. Sie wollten den Göttern nicht mehr huldigen, sondern gegen sie in den Krieg ziehen. Das konnten diese natürlich nicht zulassen und so trennten sie die Kugelwesen. Seitdem sind die Menschen auf der Suche nach dem perfekten Partner. Mancher findet ihn, wenn auch vielleicht nur auf Zeit, aber es gibt auch Menschen, die alleine bleiben.

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Sehr frei nach Platons Das Gastmahl hat sich die Gärtnerplatz Jugend dem Thema Liebe angenommen. In sehr ausdrucksstarken Bilder erforschen sie die Spielarten Liebe im Laufe der Jahrhunderte von den Neandertalern über Tristan und Isolde, Cyrano de Bergerac, Othello bis in die Gegenwart. Das war manchmal witzig, oft nachdenklich machend und immer genau auf den Punkt.

Beeindruckend ist, dass die Jugendlichen das Stück selbst erarbeitet haben. Neben solistischen Einlagen gab es auch immer wieder tolle Ensembleszenen. Die Choreografie von Roberta Pisu und die Regie von Susanne Schemschies geben dem Abend Struktur, aber besonders bemerkenswert ist die Leistung der Mitglieder der Gärtnerplatz Jugend.  Tolle Stimmen, sehr gute schauspielerische Leistung und eine unglaubliche Energie zeichnen diesen hervorragenden Abend aus. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man von einigen auch in Zukunft noch hören wird. Abgerundet wird der nachwirkende Abend durch das exzellente Licht von Jakob Bogensberger und die passenden Kostüme und die Bühne von Stephanie Thurmair. Andreas Partilla und Andreas Begert begleiten am Flügel zu Toneinspielungen und spielen auch manchmal selbst mit 😉

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Leider gibt es nur zwei Vorstellungen, für heute Abend um 18 Uhr gibt es noch wenige Restkarten.

Platon Isabelle Braun
Zeus Benjamin Weygand
Hera / Toni Sofia Lainovic
Poseidon / Isolde Carlotta von Stetten
Hades / Michi Kilian Bohnensack
Aphrodite / Solosängerin Ella Römer
Athene / Waschweib Elena Bin
Bäuerin Julia Spieler
Nonne Anna Häuser
Solotänzerin / Solosängerin Ella Miner
Cyrano / Othello Teo Pop
Christian Alexander Wertmann
Roxanne Sophie Scherrieble
Frau Neandertal Salome Ortiz Obermayer
Taschentuch / Solotänzerin Saskia Wagner
Desdemona Nadine Kurschus
Jago / David Josef Roth
Emilia Neve Leonhardt
Alex Moritz Kühner
Lina Tabea Popp
Julia Mai Linh Nguyen
Steffi Ann-Kathrin Storfinger

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach


Lisa / Solotänzerin Sabrina Nitschke
Kugelmenschen Alle Beteiligten

Klavier Andreas Partilla, Andreas Begert

Musikalische Leitung Andreas Partilla
Regie Susanne Schemschies
Choreografie Roberta Pisu
Bühne / Kostüme Stephanie Thurmair
Licht Jakob Bogensperger
Videodesign Christian Gasteiger
Dramaturgie David Treffinger

 

Ähnliche Artikel

Premiere Lust auf Mord, 10.06.2017, Blutenburg-Theater

Foto: Volker Derlath

Foto: Volker Derlath

Der Sommer gilt ja nicht unbedingt als Theaterzeit. Man will sich in den Biergarten setzen oder dem Balkon ein Eis löffeln. Dabei sollte man aber definitiv auch in den warmen Monaten ab und zu ein Theater besuchen.
Im Blutenburg-Theater kann man sich mit der Krimikomödie Lust auf Mord des erfolgreichen Autoren Jack Jaquine sogar in kühlere Gefilde versetzen: im seit Wochen verregneten Frankreich langweilen sich nämlich die beiden Schwestern Hélène und Clarisse zu Tode. Während Clarisse ihre große Puppensammlung hegt und pflegt, legt ihre Schwester Karten und kaut falsch verbundenen Anrufern das Ohr ab.
Endlich gibt es Licht am Ende des tristen Tunnels, in der Nachbarschaft ist nämlich eine Dame verschwunden. Auf der Suche nach Unterhaltung schreiben die Schwestern einen anonymen Brief an die örtliche Polizei und tatsächlich schneit endlich mit Inspektor Spingeot männlicher Besuch ins Haus.
Die Geschichte an sich klingt ja schon mal recht schräg, was Regisseurin Miriam Gniwotta jedoch daraus gezaubert hat ein Meisterwerk des Slapstick und des Absurden. Die nicht mehr ganz blutjungen Schwestern kommen angesichts des männlichen Gastes in Wallung und stellen sich zu französischer Musik amouröse Abenteuer mit dem Inspektor vor. Hélène scheint absichtlich den Verdacht auf ihre Schwester zu lenken und Clarisse schleppt eine mysteriöse Kiste an, in der Spingeot die Überreste der verschwundenen Nachbarin vermutet.

Foto: Volker Derlath

Foto: Volker Derlath

Auch, wenn die Besetzung mit nur drei Schauspielern recht klein ist, wuseln diese jedoch so über die Bühne, dass es dem Zuschauer garantiert nicht langweilig wird. Sonja Reichelt zeigt Clarisse wie ein großes Kind: mit Schleifen im Haar und immer einer ihrer unzähligen Puppen auf dem Arm, die dem Bühnenbild einen -in meinen Augen- etwas gruseligen Touch verleihen, weil man sich unweigerlich von den vielen Augen beobachtet fühlt. Es kann sein, dass es nur mir so geht, weil ich Puppen tatsächlich unheimlich finde. Clarisse jedenfalls scheint sich daran nicht zu stören, tatsächlich scheint auch mehr hinter ihrer naiven Fassade zu sein, als man zunächst annimmt.
Ihre Schwester Hélène, gespielt von Shirin Lotze scheint da ein ganz anderes Kaliber zu sein. Sie wirkt selbstbewusst, wenn auch ein klein wenig verrückt und hat vor allem eine ausgeprägte Fantasie, sei es für Kriminalfälle oder für oben genannte Abenteuer mit Inspektor Spingeot.
Uwe Kosubek zeigt mal wieder sein großes komödiantisches Talent. Spingeot ist ein quirliger, übermotivierter Polizist, der erstaunlich wenig Probleme damit zu haben scheint, bei den Schwestern zu übernachten, die er doch des Mordes verdächtigt und die ihn in ein rosa Nachthemd stopfen.
Auch wenn man zwischenzeitlich definitiv verwirrt sie Stirn runzelt, klärt sich jedoch am Ende alles auf und vor allem hat man in der Zwischenzeit jede Menge zu Lachen. Wenn das mal kein Abschluss für einen Sommertag ist!
Besonders hervorzuheben ist dieses mal das Bühnenbild. Axel Ploch hat auf der kleinen Bühne einen altbackenen, heruntergekommenen Raum geschaffen, der mit der gemusterten Tapete wirkt wie ein Puppenhaus. Ob jetzt der Umbau von Wohn- zum Esszimmer wirklich nötig ist, hat sich mir jetzt nicht ganz erschlossen und die erotischen Tagträume der Damen wirkten auf mich zum Teil ein bisschen lang. Aber das sind wirklich nur kleine Kritikpunkte bei einer ansonsten sehr gelungenen und vor allem unterhaltsamen Inszenierung!
Regie & Ton: Miriam Gniwotta
Kostüm & Ausstattung: Nathalie Seitz
Bühne: Axel Ploch
Licht: Tom Kovacs
Abendspielleitung: Melanie Kisslinger & Thomas Brückner

Vorstellungstermine: bis 22. Juli & 22. August bis 30. September, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr

http://www.blutenburg-theater.de

Ähnliche Artikel

Jesus Christ Superstar, Gärtnerplatztheater (in der Reithalle)

 

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Manch einer, der meine Theaterleidenschaft nicht teilt, hat mich schon gefragt, warum ich mir ein Stück mehrfach ansehe. Meine Standardgegenfrage ist dann, wie oft sie oder er den Lieblingsfilm schon gesehen hat. Und im Gegensatz zum Film, der statisch ist, ist eine Vorstellung etwas Lebendiges, die jedes Mal anders ist.

Warum habe ich mir Jesus Christ Superstar in der Inszenierung von Staatsintendant Josef E. Köpplinger sieben Mal angesehen? Zugegebenermaßen hat es mich selbst überrascht, wie stark ich auf das Stück reagiert habe. Das war nach der halbszenischen Aufführung im Cirkus Krone im Juli 2014 nicht zu erwarten. Ich denke, ich war damals zu sehr mit mir selbst beschäftigt, schließlich hatte ich davor und danach selbst Vorstellungen mit der Zirkusprinzessin.

Es berührt mich. Wenn Jesus seinen Vater anfleht Take this cup away from me oder wenn Maria Magdalena singt Could We Start Again, Please?, schießen mir die Tränen in die Augen. Das liegt nicht nur an der sehr ergreifenden Musik, sondern zum sehr großen Teil auch an den fantastischen Darstellern Armin Kahl und Bettina Mönch.

Überhaupt ist ein Glück, so viel Talent auf der Bühne erleben zu dürfen. Neben den genannten ist auch David Jakobs ein Glücksfall, der die innere Zerrissenheit des Judas in jeder Geste und in jeder Note grandios darstellt. Aber auch die Mitglieder des Ensembles des Theaters zeigen, dass sie an einem Haus, das sowohl Oper wie auch Operette und Musical spielt, bestens aufgehoben sind. So überrascht der junge Tenor Maximilian Mayer (Simon Zelotes) mit einer großartigen Rocknummer, nachdem er in dieser Spielzeit schon an zwei Opern-Uraufführungen, einem Purcell, der Dreigroschenoper und einer Operette mitgewirkt hat. Auch Erwin Windegger, der in dieser und vorangegangen Spielzeiten seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt, erreicht mit der Rolle des Pontius Pilates einen neuen Höhepunkt. Eigentlich könnte man wirklich jeden Einzelnen der Mitwirkenden bis hin zu den Statisten namentlich benennen, weil sie alle so großartig sind. Obwohl ich ja sonst eher sparsam mit Standing Ovation bin, hat es mich bei keiner Vorstellung auf dem Sitz gehalten. Auch der wie immer äußerst spielfreudige Chor und das fantastische Orchester unter Jeff Frohner bzw. Andreas Partilla tragen zu diesen sehr emotionalen und erfüllenden Abenden bei.

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Es sind starke Bilder. Egal ob wütender Mob, das letzte Abendmahl oder der Selbstmord von Judas, Josef E. Köpplinger erzählt die letzten sieben Tage von Jesus in der Jetztzeit stringent und aufregend. Wie immer ist es eigentlich mit einmal Ansehen nicht getan, selbst in der siebten Vorstellung habe ich noch Neues entdeckt. Die Bühne von Rainer Sinell ist minimalistisch und unterstützt die Übertragung in die Gegenwart ebenso wie die Kostüme von Anja Lichtenegger. Die Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit ergänzt das Team großartig.

Mir wurde vorgeworfen, ich wäre unkritisch. Tatsächlich hat mich in dieser Spielzeit praktisch jedes Stück von der Opernuraufführung über die Operette bis zum Ballett fasziniert. Aber ok, die Herodesszene gefällt mir nicht ganz so gut. Aber wie sagt Previn Moore als König Herodes so schön: This is my Song und so dominiert er mit seiner groovigen Soulstimme die Szene und drängt die etwas schrägen weiteren Beteiligten in den Hintergrund.

Ich hätte es gerne öfter gesehen als sieben Mal. Ich bin kein religiöser Mensch, meine Entwicklung diesbezüglich reicht von der katholischen Taufe erst mit zehn Jahren über den Übertritt in die evangelische Kirche als junge Erwachsene zum jetzigen pragmatischen Atheismus, aber trotzdem berührt mich diese Darstellung der letzten sieben Tage von Jesus Christus. Weil er ein Mensch ist, mit Zweifeln, mit Hoffnung, mit Liebe. Ich habe es aus verschiedenen Perspektiven gesehen, von ganz nah bis ganz weit weg, von rechts oder von links. So sehr ich mich freue, dass das Stück nächstes Jahr in meiner Herzensheimat, dem Stammhaus wieder gespielt wird, so sehr bedauere ich es, dass es manche Perspektiven wohl nicht mehr geben wird. Ansehen werde ich es mir trotzdem, so oft es geht.

PS: erwähnte ich das Licht schon? Das ist einfach großartig!

Musikalische Leitung Jeff Frohner
Regie Josef E. Köpplinger
Choreografie Ricarda Regina Ludigkeit
Bühne Rainer Sinell
Kostüme Anja Lichtenegger
Licht Michael Heidinger / Josef E. Köpplinger
Videodesign Meike Ebert / Raphael Kurig
Choreinstudierung Felix Meybier
Dramaturgie Daniel C. Schindler

Jesus von Nazareth Armin Kahl
Judas Ischariot David Jakobs
Maria Magdalena Bettina Mönch
Pontius Pilatus Erwin Windegger
Herodes Previn Moore
Kaiphas Holger Ohlmann / Levente Páll
Annas Juan Carlos Falcón
Simon Zelotes Maximilian Mayer
Petrus Benjamin Oeser
Johannes / Soldat Jens Olsen
Judas Thaddäus Nicola Gravante
Jakobus der Jüngere Lars Schmidt
Bartholomäus Christian Schleinzer
Andreas Michael B. Sattler
Matthäus Alexander Moitzi
Jakobus der Ältere Claus Opitz
Philippus Peter Neustifter
Thomas Carl van Wegberg
1. Priester Dirk Lüdemann
2. Priester Martin Hausberg / Holger Ohlmann
3. Priester Frank Berg
Soul-Girl / Frau am Feuer Dionne Wudu
Soul-Girl Joana Henrique, Susanne Seimel
Girls Katharina Lochmann, Evita Komp, Leoni Kristin Oeffinger, Valerie Luksch, Lisandra Bardél, Lisa Rothhardt
Ein Soldat Maximilian Berling
Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Ähnliche Artikel

Frisch eingetroffen: Heidi Rehn – Das Haus der schönen Dinge

Als der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Zwar begegnet seine Frau Thea Jacobs Enthusiasmus mit einer gewissen Skepsis, doch der Erfolg des Kaufhauses belehrt sie eines Besseren.
Tochter Lily übernimmt das Kaufhaus am Münchner Rindermarkt in den goldenen 20ern und wähnt sich am Ziel aller Wünsche. Eine glückliche Zukunft scheint auf die Familie zu warten, doch als die Nazis die Macht ergreifen, müssen die Hirschvogls erleben, wie sich Bayern und München, das für sie stets Heimat war, plötzlich gegen sie wendet …

Heidi Rehn wurde 1966 in Koblenz/ Rhein geboren und wuchs in einer Kleinstadt am Mittelrhein auf. Zum Studium der Germanistik, Geschichte, BWL und Kommunikationswissenschaften kam sie nach München. Nach dem Magisterexamen war sie zunächst als Dozentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig, anschließend war sie PR-Beraterin in einer Agentur. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie mitten in München. 2014 erhielt sie den “Goldenen Homer” für den besten historischen Beziehungs- und Gesellschaftsroman.

Leseprobe

Heidi Rehn lädt zum Stadtspaziergang ein. Ab Mai 2017 knüpft die Münchnerin damit an ihre beliebten Schauplatztouren an, die sie in den letzten beiden Jahren schon auf den Spuren ihrer Romane Tanz des Vergessens und Spiel der Hoffnung angeboten hat.

Heidi Rehn ©EROL GURIAN info@gurian.de

Termine: 14. Mai, 25. Juni, 16. Juli, 8. Oktober, 5. November 2017, jeweils 11 bis ca. 13 Uhr

Treffpunkt: Haupteingang Karstadt (früher Hertie) am Bahnhofs­platz/ Ecke Schützenstraße

Kosten: 12 EUR pro Person

Anmeldung: heidi@dierehn.de oder 01577/ 93 97 801

Weitere Informationenwww.heidi-rehn.de

Dieses Mal geht es zu ausgewählten Romanschauplätzen in der Münchner Innenstadt. Im Zentrum stehen die großen Kaufhäuser jener Zeit, die Heidi Rehn zum Vorbild für ihr fiktives Hirschvogl am Rindermarkt gedient haben. Neben dem früheren Hertie sind es das Kaufhaus Oberpollinger in der Neu­hauser Straße, das Beklei­dungshaus Hirmer (einstmals Bamberger & Hertz) in der Kau­finger Straße, das nicht mehr existierende Ro­man Mayr am Marienplatz (inzwischen Kaufhof), der Konen (früher Isidor Bach) in der Sendlinger Straße sowie das 1938 von den Nazis liquidierte Kaufhaus Uhlfelder im Rosental.

Wieder wird die studierte Historikerin eine inter­essante Mischung aus beispielhaften Textpassagen aus dem Roman und aufschlussrei­chen historischen Hintergründen bie­ten. „Ich will erzählen, wie es gewesen sein könnte“, so Heidi Rehn. „Deshalb habe ich in meine Hirschvogls so vieles von dem, was da­mals in München geschehen ist, einfließen lassen. Auf meinen Spa­ziergängen wird das wieder lebendig.“

Ähnliche Artikel

Frisch eingetroffen: Elke Pistor – 111 Katzen die man kennen muss

Kennen Sie Hodge? Wissen Sie, wessen Katze ihren Besitzer zur Erfindung der Katzentür inspirierte? Möchten Sie erfahren, wie Snowball einen Mörder überführte? Welche Katze die Staatsgeschäfte lenkte, eine Stadt lahmlegte oder ganz allein eine ganze Vogelart ausrottete? 111 Geschichten um herausragende Katzenpersönlichkeiten, die Sie unbedingt kennen sollten. Sie werden staunen, lächeln und vielleicht schmunzelnd den Kopf schütteln. Ganz genau so, wie Sie es vom Umgang mit den samtpfotigen Hauptdarstellern gewohnt sind.

Elke Pistor, Jahrgang 1967, ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen. Nach dem Abitur in Schleiden zog es sie zum Studium nach Köln, wo sie nach einem Zwischenstopp am Niederrhein bis heute lebt. Sie arbeitet als freie Seminartrainerin in der Erwachsenenbildung und leitet Schreibworkshops. 2014 erhält Elke Pistor das Töwerland-Stipendium.

Ähnliche Artikel

Vorschau: Premiere Blut an der Tapete und draußen scheint die Sonne, 03.05.2017, Theater Blaue Maus

Blut an der Tapete und draußen scheint die Sonne

Eine absurd-komische Stückentwicklung über die Einfachheit der Ding

Warum ist das Leben immer so kompliziert? Darf man denn nicht einfach mal Spaß haben? Ständig überfordert von der Komplexität der Dinge wünschen wir uns Kitsch und Klischee: Auf der Bühne macht ihr Flori vor Tausenden einen Antrag und Helene haucht „Ja“!

Bekanntlich ist nicht nur die große Politik undurchschaubar, selbst der Alltag ist durchzogen von Verwicklungen und Überforderungen. Da spielen die Gefühle der Freundin, die Meinung der Schwiegermutter und die Durchfallerkrankung des Hundes mit hinein. Deshalb: Simplify your Live. Trump, AfD und zahlreiche Ratgeber bieten einfache Antworten!

Ausgangspunkt der Recherche ist die häufig belächelte, sogenannte Trivialliteratur. Gibt es die denn noch? Arztromane, Abenteuergeschichten, Liebesschmonzetten? Klarheit und Gerechtigkeit gemischt mit Sehnsucht, Nostalgie und schwerem Schicksal. Auf der Suche nach der liebsten trivialen Figur, eigenen Tagträumen und den Leichen im Keller, die wir versunken in leichter Lektüre und exzessiver Passivität zu vergessen hoffen, begegnen wir Serienjunkies, Krimitanten und unrettbaren Romantikern.

mit: Carola Beil, Irene Rovan, Peter Papakostidis

Regie:                                      Klaudia Schmidt

Musik:                                      Christofer Varner

Bühne und Kostüme:                  Claudia Karpfinger

Dramaturgie:                             Barbara Kastner

Regie-
und Dramaturgieassistenz:          Sabrina Kanthak

Licht & Technik:                        Uwe Hinsche

Öffentlichkeitsarbeit/Plakat:        Arik Seils

Fotos:                                      Volker Derlath

Produktion: Theater Blaue Maus

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferates der Landeshauptstadt München

Vorstellungen:

MAI 2017

Premiere: Mittwoch, 03.05.2017 / 20:00 Uhr

jeweils Mi bis Sa, bis 27.05.2017

Beginn: Mi bis Fr 20:00 Uhr, Sa 19:00 Uhr

Letzte Vorstellung: Sa 27.05.2017 19:00 Uhr

Zusatzvorstellung  am 28.06.2017 im Rahmen der Stadteilwoche

Theater Blaue Maus

Elvirastr. 17 a

80636 München

www.TheaterBlaueMaus.de

U1 Maillingerstraße

Karten und Reservierungen unter 089 / 18 26 94

Eintrittspreise: 18,00 Euro und 12,00 €

Ähnliche Artikel

Bericht von der Leipziger Buchmesse 2017

Ein schönes Motto

Ich erreichte mein Hotel am späten Nachmittag, bezog mein Zimmer, warf allen überflüssigen Ballast ab und bergab mich zurück in die Stadt, die in den nächsten paar Tagen für alle Arten von Literaten zur ganzen Welt werden sollte.

Ein Ort, wie geschaffen für eine Kriminacht, wo heruntergekommen aussehen zum Stilmittel erhoben wurde, ein Platz zum Wohlfühlen und ein weiteres Bier bestellend den Abend um weitere mit anregenden Gesprächen gefüllten Minuten und Stunden zu verlängern.
Das ist für mich die Essenz der Buchmesse! Das gemütliche Zusammensitzen mit Autoren, Verlegern und all den anderen, die ihren Anteil am Buchmarkt haben, die meinen Job erst möglich machen, die ihn auch nach mehr als 20 Jahren noch aufregend und interessant gestalten.

Taxifahrt ins Hotel, die erste von mehreren kurzen Nächten. Zum Frühstück esse ich vier hartgekochte Eier.

Tag 1 der Messe. Sieht aus wie immer.

Das Jenseits ist in praktisch allen Religionen ein Idealbild der Lebenswirklichkeit des gläubigen Volkes. Die Indianer idealisierten ihre “Ewigen Jagdgründe”, ohne Weiße und mit vielen Büffeln, und so scheint es mir nur konsequent zu sein meine Idealvorstellung des Paradieses meiner Lebenswirklichkeit anzupassen.
Eine Buchmesse, ähnlich jener, welche mich die nächsten Tage in ihren Bann schlagen wird, nur mit weniger Dummdödeln mit Trolli, aber der gleichen Anzahl an Crossplayern!

Ich habe mir einige Termine notiert, Auftritte von Autoren vor Allem, aber kein wirkliches Konzept, Ich lasse mich treiben.

Als erstes treffe ich zufällig Hardy Ketliz, den ich bei einer Grillparty beim Golkonda Verlag kennengelernt habe und der jetzt für Festa arbeitet. Er ist geeignet eine Haufen Buchhändler zu Teilen der Einrichtung zu degradieren, und so sehr ich es bedaure von seiner Art nicht mehr bei uns zu haben hat er anderseits für die Verlagswelt einen unschätzbarem Wert, seine Begeisterung ist ansteckend – man hat nie des Eindruck er würde hier nur einen Brotjob für die Miete machen, er lebt seinen Job!
Und durch ihn lerne ich Frank Festa kennen, unter all den Schlips-und-Kragen-Verlegern, den Kaufmännern und Erbsenzählern einer jener Idealisten, die immer schon wichtig waren, weil die wahren Impulse, die echte Substanz unserer Branche von ihnen ausgeht. Mag auch ein guter Teil des Verlagsprogramms nicht meinem Geschmack entsprechen so muß doch jeder Verlegern wie Frank Festa seinen Respekt zollen.

Weiter, an Verlagsständen vorbei, bis zur Verlagsentsprechung von Sun Records aus Memphis, dem in Bielefeld heimischen Verlags Pendragon, während der Messe immer wieder einer meiner Anlaufpunkte.
Hier treffe ich nicht nur David Gray alias Ulf Torreck, sondern einen weiteren von mit sehr bewunderten Schriftsteller, Willi Achten, dessen “Nichts Bleibt” zu den Höhepunkten der Thrillerliteratur zählt, weil er alle Genrekonventionen unterläuft und ignoriert und Literatur erschafft, die sich einer eindeutigen Kategorisierung konsequent verweigert.

Am Abend dann eine Buch-Release-Party von Rowohlt. Das Buffet ist sagenhaft…….

Eine neue Nacht und ein nicht erquickender Schlaf. Drei hartgekochte Eier und Kaffee…..

Um auf die Messe zu gelangen müssen wir an Halle 1 vorbei, der Comic.- und Manga-Halle – wo ich nicht sicher bin ob ich die kunstvoll und mit viel liebe zum Detail gefertigten Kostüme bewundern soll oder dem nächstbesten orkigen Troll die Axt entreißen und mein Leben so teuer wie möglich verkaufen soll….
Ich tue so als sei ich als Buchhändler verkleidet, direkt dem Manga “書店” entsprungen…… Und ich komme durch.

Jenny Benkau stellt ihr Buch und ihre Arbeit als Deutschlehrerin im Flüchtlingsheim vor

Weiter in Halle 2, wo Jennifer Benkau ihre Erfahrungen als freiwillige Deutschlehrerin in einem Flüchtlingsheim mit dem Publikum teilt, womit sie unser aller Respekt verdient! Ihre Einblicke aus erster Hand empfinde ich persönlich als ungeheuer bereichernd.

Random House ist heute noch nicht so überlaufen, so bleibt Zeit für ein schönes Gespräch, weiter zu Rowohlt, ein zufälliges Treffen mit meiner ehemaligen und meiner aktuellen Vertreterin. Seit 7 Tagen habe ich nicht mehr gearbeitet, und ich kann kaum der Versuchung widerstehen irgendwas zu bestellen….. Man sollte in diesem Zustand nicht gerade bei Rowohlt stranden!

Zum ersten Mal hörte ich den Begriff “Lieblingsmensch” von Sarah Kuttner, die ihn vermutlich erfunden hat. Ich denke wenn sie die beiden Cass-Verlagslinge kennengelernt hätte würde sie meiner Verwendung dieses Begriffs nicht widersprechen!

Wir trafen und schon letztes Jahr auf der Messe, vorgestellt wurde ich von Günther Butkus, damals noch am Nachbarstand angesiedelt.
Nur etwa fünf Sekunden nach der Vorstellung hatte ich das Gefühl alte Freunde, die ich bisher nicht kannte, getroffen zu haben.

Die Tabledance-Bar in der die Cassverlagsler ihre Lesung abgehalten haben

An diesem Freitagabend bescherten sie uns eine Lesung der besonderen Art! Das Buch “Der Schlüssel” des japanischen Autoren Junichiro Tanizaki, welches aufgrund seines erotischen Inhalts in Japan für eine Skandal sorgte wurde für ihre Ausgabe neu übersetzt, wobei sich Katja Cassing des weiblichen und Jürgen Stalph des männlichen Part annahm.
Ort der Lesung: Das Metropolis, eine Tabledance-Bar am Fuße eines Burgerladens, der Rockabilly in die leipziger Nacht herausbläst.
Ich hatte das Vergnügen schon zahlreiche originelle Lesungen an sehr kreativ ausgewählten Orten erleben zu dürfen, doch diese Lesung muß als Höhepunkt meiner Lesungsbesuchskarriere in zumindest meine Annalen eingehen. Kaum jemals war eine Umgebung passender für eine Lesung.
Leider musste ich nach dem Ende der Lesung aufbrechen, um mir von einem lustlosen italienischen Kellner einen Campari servieren zu lassen…..

Wieder vier hartgekochte Eier……

Am Samstag dann das von mir lang ersehnte Treffen mit Michelle Raven, dem ich sehnsuchtsvoll entgegengeblickt hatte, da mit ihr Roman “Tödliche Verfolgung” seltsamer Weise wirklich gefallen hatte.
Wow! Was für eine Frau! Ich hatte auf einmal das Bedürfnis irgend einem orkischen Elfenmonster das Beil zu entreißen und sie, unter Einsatz meines eigenen Lebens vor allen Gefahren zu beschützen, nur um am Ende des Gemetzels festzustellen, das sie mit Hilfe ihres Degens mein Leben dutzende male gerettet hatte….

In einer Verfilmung ihrer Werke kann sie problemlos jederzeit die Hauptrolle spielen, und auch wenn ich in ihrer Entourage etwas herausstach (Ich war etwa 20 Jahre älter als der Rest und der einzige Mann – was sie allerdings nicht im Mindesten irritierte. Keine Ahnung was sie nach meinen Facebook-Posts erwartete…. Augenscheinlich: Mich….)

Den Rest des Tages ließ ich mich eher treiben, bis zum Stand des Unionsverlages, den ich schon einige Male passiert hatte.
Matthias Gräzer ist ein langjähriger Messerfreund, dh. wir sehen und zweimal im Jahr auf den Buchmessen, und dann ist das halbe Jahr dazwischen quasi nicht mehr existent.

Seit ich vor Jahren einmal eine Reisebuchaktion mit ihm geplant habe ist zumindest ein Besuch am Stand ein fester Bestandteil meiner Messerunden. Gleichzeitig sind die Bücher des Unionsverlags nicht nur eine Bereicherung meiner Lesezeit, sie bereichern auch unsere Buchhandlung in jeder denkbaren Weise.

Abends dann der Pendragon-Krimiabend mit Willi Achten – der “linken Faust des Thrillers” und Gudrun Lerchbaum, der Olivia de Haviland des politischen Thrillers. Sie ist weiß Gott keine Frasu die man je wieder vergisst, sie führt ihren Witz wie D’Artagnan seine Klinge, sie pariert jeden Verbalstoß in ihre Richtung mit einer unnachahmlichen Eloquenz – eine Unterhaltung mit ihr ist eben so vergnüglich wie herausfordernt.

Das Lokal “Kune” ist einer jener Orte der heruntergekommenes Aussehen als Teil des Ambiente begreift und zeigt, das kein Putz an den Wänden auch Gemütlichkeit ausstrahlen kann!

Kennt ihr die III-Musketiere-Verfilmung mit Gene Kelly? Die erste große Fechtszene mit den Kardinalsleuten? So ungefähr fühlt es sich an neben Gudrun Lerchbaum an der Theke zu stehen! (Wobei wir abwechselnd Gene Kelly oder Jackie Chan sind……) Diese Frau ist eine Naturgewalt an Witz und Charme – sie ist eine jener Personen bei denen man schon fünf Minuten nach dem Kennenlernen froh ist, sie getroffen zu haben!

Sonntag Abend. Alles ist vorbei….. Gerade noch habe ich bei Pendragon gestanden, die restlichen Werbe-Giveaways eingesackt….. Für den Laden….

Langsam durchquere ich die Messehallen, einige Stände schon vollständig demontiert….

Eine leise Wehmut steigt in mir auf… Ich gehe weiter und sie tritt mir mit aller Kraft in die Eier…..
Es ist vorbei…….

Ich habe viele alte Freunde getroffen….

Neue Freunde gefunden…..

Tolle Menschen allesamt………. Viel zu kurz war unser Zusammentreffen!

Doch spätestens wenn nächstes Jahr das Scheißwetter vom Frühling in den Arsch getreten wird

Sehen wir und wieder!

Ähnliche Artikel

Lesung Anna Kim aus Die große Heimkehr, 23.03.2017, ARD-Forum Leipziger Buchmess

Anna Kims neuster Roman führt nach Korea und Japan, in die 1960er Jahre. Sie selbst ist Österreicherin. „Die Große Heimkehr“ ist ihr erstes Buch, das in Korea spielt. In ihren anderen drei Büchern habe sie sich auch immer mit der Beziehung zwischen Individuum und Politik beschäftigt. Korea in jener Zeit sei dafür der ideale Ort, weil dort viel Weltpolitik zusammengelaufen sei.

Ihre Mutter wurde 1942 in Korea geboren, die ersten Jahre noch unter japanischer Besatzung und von ihr habe sie viel über den Krieg (1950-1953) und die Flüchtlingspolitik gehört.

Vorbild für die Hauptfigur Yunho sei ihr Onkel aus Korea gewesen. Er sei schon sehr alt und habe ihr sehr viel über koreanische Geschichte erzählt, habe viel persönlich miterlebt. Für die Recherche sei sie drei Monate nach Südkorea gereist und er habe die fast täglichen Treffen genossen.

Kern des Romans sei eine Geschichte über Freundschaft. Hanna, eine junge Frau koreanischer Abstammung, die früh in Deutschland adoptiert wurde, will in Korea ihre leibliche Mutter finden. Zufällig lernt sie Yunho kennen, der sie darum bittet, einen Brief aus den USA zu übersetzen. Dann wurde ein Abschnitt vom Anfang des Romans gelesen.

In diesem Roman spiele Musik eine größere Rolle und sie liebe die Stimme und Lieder von Billie Holiday, in denen es um melancholische Themen ginge, oft um enttäuschte Liebe. Das sei ihre Inspiration für den Ton des Romans gewesen. Eine gewisse Alltagssprache, die Freiheiten bei der Interpretation lasse. Die Geschichte des Romans sei auch keine freudige, daher passe eine melancholische Stimmung.

Es sei ihr wichtig gewesen, eine Erzählebene in der Gegenwart zu haben, nicht nur das große Historiendrama in den 1950er/60er Jahren. Sie wollte nicht die Illusion erzeugen, man sei in einer anderen Zeit. Das käme ihr wie eine Lüge vor. Auch wenn es in dem Buch um Lügen und Propaganda ginge, sei die Gegenwartsebene eine gute Technik gewesen, diese Illusion zu durchbrechen.

Ein wichtiger Punkt sei der Begriff „Heimat“, der auch heute wieder stark politisiert wurde. Damals habe man anders über die Begriffe Heimat und Identität gedacht. Nationalstaaten und Sprache würden sich verändern, auch wenn man sich im Ausland unverändert als Koreaner fühle.

Zuhörer musste eine Figur sein, die von außen kommt, Hanna. Diese ausländische Perspektive sei für Yunho befreiend, denn so wurde er beim Erzählen nicht in ein bestimmtes Korsett gepresst. Einer Südkoreanerin hätte er die Geschichte nicht so erzählen können, ohne in einer bestimmten Schublade zu landen. Bis heute sei der Kommunismusvorwurf in Südkorea virulent und habe einen k.o.-Effekt. Es sei erschreckend, welche Auswirkungen dieser Vorwurf noch heute habe, zumal man das Gegenteil nicht beweisen könne.

Bewusst wählte sie keine allwissende Perspektive, sondern wollte die begrenzten Erfahrungen einer Figur zeigen, basierend auf den eigenen Erlebnissen. Damit wollte sie die Objektivität von Geschichte dekonstruieren, indem sie einen subjektiven Erzähler gegenüberstellte. Geschichtsschreibung sei immer wieder ein Streitobjekt. Das Verhältnis zwischen Subjektivität und Objektivität fasziniere sie.

Eine weitere Figur namens Johnny kommt von Land und trifft seinen Freund Yunho in Seoul wieder, wo die amerikanische Lebensart sehr präsent ist. Inzwischen hat Johnny eine Freundin, die sich Eve nennt und einen Hang zum westlichen Lebensstil hat. Eve habe eine wandelbare Identität und erfinde sich immer wieder neu, instrumentalisiere Identität gezielt um etwas zu bekommen, so wie es in der Politik üblich sei. Mit der Rolle, die Frauen damals üblicherweise in Asien zugewiesen wurde, gebe sie sich nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil sei sie eher ein Machtmensch. Johnny sei die schwächste Figur, schaue gerne westliche Filme und sei derjenige, der am meisten um das Überleben kämpfe. Yunho versuche unpolitisch zu bleiben und sei eigentlich ein Romantiker. Er lese gerne, wolle mit seiner Freundin ein gutes Leben haben, werde jedoch aufgrund seiner Herkunft immer wieder in die Rolle des Arbeiters geschoben und solle sich für deren Rechte einsetzen.

Viele hätten damals die Fronten gewechselt, auch mehrmals. Soldaten aus den USA, Koreaner aus Nord und Süd. Das wirke unübersichtlich, aber damals sei sehr viel in Bewegung gewesen. Wichtiger als die eigene Überzeugung war das Überleben. Individuen konnten meist nur reagieren, kaum selbst agieren. Es war die Zeit vieler Kriegskrüppel und Südkorea sei sehr arm gewesen, die Industrieanlagen befanden sich im Norden.

Korea war damals japanische Kolonie und deshalb lebten viele Koreaner in Japan. Im Rahmen der Aktion namens „Die große Heimkehr“, sollten möglichst viele Koreaner nach Nordkorea repatriiert werden. Viele dieser Menschen stammten jedoch auch Südkorea. Sie habe zufällig ein spannendes Sachbuch über jene Zeit gelesen und sei sogar nach Genf zum Roten Kreuz gereist, wo sie in den Archiven lesen durfte.

Die Zeit der großen Heimkehr habe sie nicht selbst miterlebt, die Beschreibungen der Orte stammen von ihrer Mutter. Sie selbst wurde 1977 noch dort geboren und wanderte 1979 mit ihren Eltern aus, zuerst nach Deutschland, dann nach Wien. Der Zeitpunkt sei sicher kein Zufall gewesen. Ihre Eltern hätten die Diktatur unter Pak selbst miterlebt, wie hart besonders gegen Studenten und Katholiken vorgegangen wurde. Es sei ein bewusstes Auswandern, keine Flucht gewesen. Paks Tochter wollte gegen Ende ihrer Amtszeit die Geschichtsbücher umschreiben lassen, damit ihr Vater nicht mehr als Diktator dargestellt werden soll.

Eine wichtige Rolle spielt die Nordwest-Jugend. Die Wurzeln der paramilitärischen Organisation lägen in Nordkorea. Es seien gezielt arbeitslose junge Menschen eingesammelt worden, die vor dem nordkoreanischen Regime nach Südkorea flohen. Die Nordwestjugend habe den Kommunismus gehasst und sei von Präsident Pak gezielt eingesetzt worden, um seine Macht zu festigen. Die Idee habe er von Chiang Kai Shek, Mao, Hitler und der Sowjetunion gehabt.

Viele Koreaner seien damals nach Osaka geflohen und sollten Position beziehen. Interessanterweise entschieden sich viele für den Norden, aufgrund der vielen Versprechungen über ein gutes Leben und Bildung.

Früher habe es sie aufgeregt, wenn sie für eine Chinesin oder Japanerin gehalten wurde, obwohl sie akzentfrei Deutsch spricht. Heute finde sie es spannend, wie die Optik die Identität definiere, was die Außenwahrnehmung und die eigene Wahrnehmung bestimme, sowie in welche Auswirkungen dieses Definiert-Werden auf einen selbst habe, je nach dem wo man sich gerade befinde.

Heimat sei immer wieder Thema in ihren Büchern. Ein stark politischer Begriff, der verwendet werde, um zu manipulieren. Es habe sie interessiert, wie die Politik mit den Emotionen spiele, die am Begriff Heimat haften und politische Versprechen an sentimentale Gefühle hefte.

Viel zu schnell war die interessante Veranstaltung vorbei, die einige Wissenslücken bei mir füllte und mich noch neugieriger auf das Buch machte.

P.S. Aufmerksam wurde ich zufällig durch zwei Lesungen von Anna Kim aus ihrem Buch beim Deutschlandradio, die mich sowohl sprachlich auch inhaltlich neugierig gemacht hatten.

Teil 1
https://www.phonostar.de/radio/anna-kim-…4160/2017-02-15

Teil 2
https://www.phonostar.de/radio/deutschla…/lesezeit/s/189

Ähnliche Artikel

Cao Wenxuan – Bronze und Sonnenblume

242 Seiten (ohne Bilder)

Zum Autor (Vom Verlag)
Cao Wenxuan wurde 1954 in einem kleinen Dorf in Yancheng in der Provinz Jiangsu als Sohn eines Grundschuldirektors geboren. Seit 1974 studierte er an der Universität Beijing Philosophie, Ästhetik, Literaturtheorie und Kinderpsychologie. Damit legte er auch den Grundstein für seine späteren Jugendromane. Heute ist Cao Wenxuan an der Universität Beijing als Professor für Chinesische Literatur und Kinderliteratur tätig.
Cao hat bereits mehr als 50 Romane und Erzählungen verfasst und zählt heute zu den herausragendsten Schriftstellern der chinesischen Gegenwartsliteratur. Seine Bücher werden an Schulen als Pflichtlektüre eingesetzt, viele von ihnen gelten bereits als Klassiker.
Cao Wenxuan hat zahlreiche Preise gewonnen, darunter den British Pen Award und im Jahr 2016 als erster chinesischer Autor, den renommierten Hans-Christian-Andersen-Preis.

Zum Inhalt (Vom Verlag)
Das siebenjährige Mädchen Sonnenblume wird während der Kulturrevolution mit ihrem Vater aufs Land verschickt. Ihr Vater, ein Künstler, soll dort in der Kaderschule Siebter Mai im sozialistischen Sinne umerzogen werden. Durch einen tragischen Unfall kommt er plötzlich ums Leben. Sonnenblume wird von der ärmsten Familie des Dorfes aufgenommen. In ihrem taubstummen Ziehbruder Bronze findet sie einen Freund.

Meine Meinung

„Friedlich floss der Fluss durch die Nacht. Der Mond hing am Himmel und das Wasser glitzerte, als wäre es mit Silbersplittern übersät. Die Lichter der Laternen auf den Fischerbooten, die auf dem Fluss vor Anker lagen, schaukelten hin und her. Wenn man lange auf die Laternen blickte, bekam das Gefühl, dass es nicht diese Lichter waren, die schaukelten, sondern Himmel und Erde, Schilf und Fluss. Der Sommer in Gerstenfeld war voller Magie.“ (S. 31)

Durch Zufall entdeckte ich letztes Jahr beim Drachenhaus-Verlag in Leipzig das Buch „Bronze und Sonnenblume“ von Cao Wenxuan, das in China in vielen Schulen Pflichtlektüre ist.

Der in seiner Heimat sehr bekannte Cao Wenxuan erzählt die Geschichte der beiden Kinder Bronze und Sonnenblume. Schauplatz ist ein Dorf namens Gerstenfeld, irgendwo auf dem Land während der so genannten Kulturrevolution (1966-1976) und die auf der anderen Seite des Flusses neu errichtete Kaderschule. Der Vater von Sonnenblume ist Künstler und wird mit seiner siebenjährigen Tochter Sonnenblume zur Umerziehung aufs Land geschickt. Beide genießen die Natur in ihrer neuen Umgebung, einer Sumpflandschaft. Tagsüber ist Sonnenblume anfangs einsam, in der Kaderschule sind keine anderen Kinder. In Gerstenfeld wohnt der etwas ältere Bronze mit seiner bitterarmen Familie in einer kleinen Hütte, seit einem großen Feuer ist er stumm. Zwischen den beiden Kindern entsteht eine besondere Freundschaft und nachdem Sonnenblumes Vater bei einem Unfall stirbt, wird sie als Tochter in Bronzes Familie aufgenommen.

Ihre neue Familie liebt das kleine Mädchen sehr und opfert viel, um ihr den Besuch der Dorfschule zu ermöglichen. Sonnenblume fühlt sich geborgen und bemüht sich durch Hilfe im Haushalt und gute Leistungen in der Schule, den Eltern und der Großmutter Freude zu bereiten. Zwischen Sonnenblume und Bronze braucht es keine Worte, er beschützt sie und sie versucht, ihm zu helfen, wo sie nur kann. Das Leben in Gerstenfeld ist hart, doch die Familie hält immer zusammen. Ganz in konfuzianischer Tradition opfern sich die Eltern für ihre Kinder auf und auch die Kinder übernehmen früh Verantwortung, auch wenn sie nach Möglichkeit geschont werden sollen.

In poetischer Sprache und gemächlichem Tempo erzählt Cao Wenxuan meist durch die Augen der Kinder vom Alltag in jener Zeit, von den schönen und schrecklichen Ereignissen. Er ließ beeindruckende Bilder in meinem Kopf entstehen. Seine jungen Leser werden nicht geschont. Kinder sollten früh lernen, dass Leid genauso zum Leben gehört wie Vergnügen. Jugendliteratur solle nicht nur vergnügliche Inhalte transportieren und es sei falsch, Kindern nur Vergnügungsparadiese schaffen

Die Übersetzung von Nora Frisch ist einerseits sehr dicht am chinesischen Original, Maßeinheiten werden mit den chinesischen Begriffen genannt und in einem Glossar erklärt, genau wie z.B. Kaderschule, Drachenbootfest und einige der kaiserlichen Dynastien. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Namen der Personen und Orte ins Deutsche übersetzt wurden, wodurch die besondere Atmosphäre verstärkt wird. Die Kapitelüberschriften bestehen aus dem deutschen Titel und den Schriftzeichen des chinesischen Originaltitels.

Im Nachwort prangert Cao Wenxuan die jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen an: „In unserer hedonistisch geprägten Gegenwart hinterlässt Bronze und Sonnenblume zweifelsohne einen ganz besonderen Nachgeschmack.“ In China hat das noch eine ganz andere Bedeutung, denn als das Buch erschien, galt dort noch die Ein-Kind-Politik, doch auch hier ist seine Intention nicht abwegig.

Fazit
Ein beeindruckendes Buch in genauso beeindruckender Übersetzung, dem ich auch hier viele Leser wünsche. Es zeigt die schönen und unschönen Seiten des Landlebens in jener Zeit in poetischer Sprache, sowie den besonderen Zusammenhalt der Familie und in Notzeiten auch den der Dorfgemeinschaft. Für die jüngere Zielgruppe wäre eine kurze Einführung in die Kulturrevolution schön gewesen.

P.S. Mit einer Altersempfehlung tue ich mich schwer. Die beiden Hauptfiguren sind im Grundschulalter, andererseits sind es 242 Seiten ohne Bilder, in anspruchsvoller Sprache und praktisch ohne Erklärung zum geschichtlichen Hintergrund.

Ähnliche Artikel

Lesung Sascha Hommer, 25.03.2017, Konfuziusinstitut Leipzig

Sascha Hommer ging 2011 für einige Monate nach Chengdu. Dort lebten Freunde von ihm, die er schon 2006 besucht hatte. Diesmal war sein Ziel, eine Graphic Novel über sein Leben dort zu entstehen zu lassen. Der Blick des Westens auf diese Stadt aus der Perspektive eines Ausländers, der kein Chinesisch versteht.

Dann folgte eine längere Präsentation einiger Abschnitte aus “In China”, untermalt mit Musik und zu den Bilder passenden Geräuschen (Verkehr usw.). Sascha Hommer las dazu mit sehr sachlicher Stimme die deutschen Texte.

Die Figuren haben ausdruckslose Gesichtsmasken, er selbst trägt anfangs eine Katzenmaske, später wechselt er zu einer Maske der Sichuan-Oper. Seine Freunde, ein Deutscher und dessen chinesische Freundin tragen andere Masken, die ebenfalls nie ihren Gesichtsausdruck verändern und keiner speziellen Kultur zugeordnet werden können. Die Umschrift der chinesischen Zeichen ist mal im aktuellen Pinyin, mal in einer älteren Version. Der Hintergrund bleibt eher vage, schwarz-weiß und mit wenig Details.

Die Erzählung über seine Ankunft in Chengdu und die Wohnungssuche dort wird unterbrochen von Visionen über die Vergangenheit oder Zukunft, in denen Katzen die Hauptfiguren sind. Chengdu lag an einer Kreuzung bedeutendes Handelswege und man sieht z.B. wie die Katzen auf die 20.000-jährige Geschichte (sic) Chengdus zurückschauen. Eine andere Vision zeigt, wie Ausländer Rauschblätter in die Heimat der Katzen brachten und diese dann als Währung galten, jeder dem Müßiggang frönte und irgendwann das Faustrecht galt. In einer dritten Vision wechselt der Schauplatz auf den Mars, auch mit den Katzen im Mittelpunkt.

1961 habe Chengdu so viele Einwohner wie Hamburg gehabt, heute seien es 14 Millionen. Die Stadt und Kultur hätten ihn sehr interessiert, auch das Essen habe ihm geschmeckt.

Dann folgten Fragen aus dem Publikum.

Wie er darauf gekommen sei, 2005 und 2011 nach China gehen, warum nach Chengdu.
Ein Freund aus seiner Zivizeit sei dorthin ausgewandert und habe dort mit seiner Freundin ein englischsprachiges Stadtmagazin herausgegeben. Dank ihrer Hilfe und Erfahrungen habe er nicht nur die typische Touristenperspektive erlebt. Schon bei seinem ersten Buch habe er ein grafisches Tagebuch geführt und sich 2008 sehr über die Berichterstattung in den deutschen Medien geärgert, während der Olympischen Spiele in Peking und als das Erdbeben war. Ihm sei eine ehrliche Darstellung sehr wichtig.

Er sei überrascht gewesen, wie sehr sich Chengdu innerhalb von fünf Jahren verändert hatte. Beim ersten Besuch 2006 habe sein Freund am Ende einer Straße gewohnt, umgeben von Baustellen. 2011 waren überall Häuser, die Straßen und Häuser eingesäumt mit Pflanzen.

Um das Alltagsleben simulieren (sic) zu können, habe er sich dort eine eigene Wohnung und einen Arbeitsplatz gesucht. Von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass er rund 2,5 Monate brauchen würde, um sich an die anderen Geräusche und Gerüche, Gewohnheiten im Alltag zu gewöhnen. Die Geräuschkulisse und der Verkehr hätten das Einleben sehr schwierig gemacht, vermutlich hätte er mehr Zeit gebraucht.
Auf die Frage, warum das Buch komplett in Schwarz-Weiß gehalt sei, antwortete er, dass er Chengdu und das Leben dort so wahrgenommen hätte – obwohl China oft so bunt sei, überall grelle Lichterreklamen usw. Doch durch den Smog und Regen sei es ihm eher grau vorgekommen.

Seiner Wahrnehmung nach, sehen Europäer in Chengdu eher seltsam aus, daher auch die Masken, die an Tiere und Aliens erinnern sollten. („aliens“ kann Ausländer und Außerirdischer bedeuten) Die chinesischen Figuren sollen eher menschlich wirken, jedoch alle gleich. Europäer seien ihm wie übersteuerte Individualisten vorgekommen, die sich dort anders ausleben konnten als in ihrer Heimat.
Die Maske habe immer den gleichen Gesichtsausdruck, um zu verhindert, dass der Leser sich in diese Figur einfühle. Er habe bewusst das einfühlende Lesen verhindern sollen. Es ginge um die Stadt und seine Freunde, nicht ihn. Seine Figur sei eher passiv und beobachtend.

Die traumartigen Einschübe seien eine Mischung aus Reise- und Sprachführer, sowie eine Anspielung auf einen Verhaltensratgeber aus der Kolonialzeit, sowie „Die Stadt der Katzen“ von Lao She an, das auf dem Mars spielt. **

Seine chinesische Probeleserin habe ständig gelacht und die Darstellung ihrer Stadt sehr treffend gefunden, inklusive der Ratten, des Verkehrs und des Drecks. So sei ihre Stadt nun mal.

Eine andere Zuhörerin hatte den Eindruck, dass der gezeigte Ausschnitt des Buchs recht gewöhnliche Szenen zeige, die auch anderswo hätten stattfinden können. Sascha Hommer antwortete, dass er nicht im Ausnahmezustand des Backpackers verweilen wollte und es auch speziellere Szenen gebe.

Es sei ihm um eine Darstellung des normalen Alltags gegangen, um zu zeigen, dass vieles auch für Europäer eher normal ist. In den Medien hier gebe es keine Einblicke in das Alltagsleben der chinesischen Bevölkerung, sondern es ginge immer um größere politische Themen. Es klinge trivial, aber die Menschen dort hätten auch ein ganz normales Leben mit den gleichen Sorgen wie die Menschen in Deutschland.

Anfangs habe er ein politisches Buch schreiben wollen, jedoch schnell festgestellt, dass er das nicht könne. Er könne mit einzelnen Menschen sprechen, aber es fehle ihm an Wissen über Land und Sprache.

Im Buch seien auch Interviews mit Karl und Linda, die in den USA geboren wurde und einen chinesischen Elternteil hat. Karl wollte gerne in Chengdu bleiben, Linda hatte das Gefühl, die Stadt verkürze ihre Lebenszeit. Ein weiterer Besuch bei ihnen sei nicht möglich, da die beiden sich getrennt hätten und Linda wieder in den USA lebe.

Sascha Hommer bzw. der Erzähler seines Buchs sei ohne Chinesisch-Kenntnisse völlig abhängig von den beiden gewesen. (Andererseits gibt es Szenen, in denen er alleine ein WG-Zimmer suchen geht.) Die beiden seien als Expats Experten über das Leben dort, sie könnten die Sprache und hätten jahrelange Erfahrungen. Aber andererseits würden auch sie Aliens bleiben, würden nie zu Chinesen werden.

Eine Chinesin aus dem Publikum merkte kurz an, dass das Buch viele Wahrheiten enthalte.

Die letzte Frage war, ob die Geschichte (Graphic Novel) „Transit“ auf dem Quart Heft 19 ihn inspiriert habe, die Handlung sei sehr ähnlich. Laut Sascha Hommer sei die Ähnlichkeit rein zufällig. Auf Nachfrage antwortete er, dass er “Transit” mal gesehen habe. (Genauere Informationen zu dieser anderen Geschichte konnte ich leider nicht finden.)

Danach wurde noch signiert.

Damit endete eine Veranstaltung, die mich etwas ratlos zurückließ. Vieles in dem Buch wirkte auch auf mich sehr beliebig, zu oberflächlich und sehr sprunghaft. Der Roman von Lao She ist auf meinem Wunschzettel gelandet. Aber ich bin vermutlich auch nicht die Zielgruppe des Buchs. Augenzwinkern

*Leseprobe beim Verlag*

** (von Amazon)
Lao She (1899-1966) gehört mit Werken wie Der Rikschakuli und Das Teehaus zu den wichtigsten Schriftstellern der chinesischen Moderne. Die Stadt der Katzen entstand Anfang der dreißiger Jahre, nachdem der junge Autor von einem mehrjährigen Englandaufenthalt in die Heimat zurückgekehrt war. Zu Beginn der Kulturrevolution hielten ihm Rote Garden die Satire als Nestbeschmutzung vor. Er kam unter tragischen Umständen ums Leben. Die »Stadt der Katzen« liegt auf dem Mars, und doch wird der Besucher vom Planeten Erde mit nur allzu vertrauten Verhaltensweisen konfrontiert. In der Katzengesellschaft herrschen Selbstsucht und Verlogenheit, alles Trachten richtet sich auf den betäubenden Genuß der Rauschblätter. Selbst als schließlich der Feind die Grenzen überschreitet, kann nichts und niemand diese degenerierte Gesellschaft aus ihrer Lethargie reißen. Sie ist zum Untergang verurteilt. Der Roman ist eine durch das Gewand der Utopie nur notdürftig verhüllte Satire auf das China der dreißiger Jahre, das zu einem Spielball der ausländischen Mächte herabgewürdigt worden war und sich in Bürgerkriegen zerfleischte. Die Rauschblätter spielen dabei eine ähnlich verhängnisvolle Rolle wie das Opium.

Ähnliche Artikel