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Rita Falk – Hannes

Ganz anders als in ihren durchaus amüsanten Franz-Ebenhofer-Romanen widmet sich Rita Falk in Hannes einem ernsten Thema.
Uli und Hannes sind seit Kindertagen beste Freunde. Bei einem gemeinsamen Motorradausflug verunglückt Hannes schwer und liegt anschließend lange im Koma. Uli glaubt fest an seine Genesung und beschließt, Hannes Briefe zu schreiben, damit dieser auf dem Laufenden ist, wenn er aus dem Koma erwacht.
Uli schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das ist zwar umgangssprachlich, der Stil ist sicher nicht jedermanns Sache, für mich machte er die Briefe aber unglaublich authentisch. Ich glaubte fast, Ulis Stimme im Ohr zu haben beim Lesen, er hat quasi mir seine Briefe bei einem Bier erzählt.
Durch diese Briefe lernt der Leser nicht nur Uli kennen, sondern auch Hannes, denn es gibt immer wieder Rückblenden auf gemeinsame Erlebnisse. Auch berichtet Uli von seinem Zivildienst, dem Treffen mit Freunden, den Telefonaten mit den Eltern. So enthüllt sich Stück für Stück das Leben eines 21-jährigen in der bayerischen Provinz. Und obwohl ich im realen Leben sicher wenig Berührungspunkte mit Uli hätte, berührt mich seine Geschichte. Seine Liebe, seine Hingabe, seine Freundschaft, die auch nicht endet, als der andere Part nicht mehr antworten kann, weil er im Koma liegt. In meinen Augen war hier nichts glattgebügelt oder rosa gefärbt, sondern es hat halt alles gepasst.
Ich fand auch das Ende sehr stimmig und überhaupt nicht konstruiert. Aber vielleicht muss man dafür auch daran glauben, dass es besondere Bindungen zwischen zwei Menschen geben kann.
Rita Falk ist der Genrewechsel ganz ausgezeichnet gelungen und sie hat eine berührende, nachdenklich machende Geschichte erzählt.

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Hilfe, wir verreisen, 25.05.2012, Pasinger Fabrik

Über dieses kräftig die Lachmuskeln strapazierende Musical habe ich bei mucbook geschrieben.

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Falstaff, 27.05.2012, Gärtnerplatztheater (im Prinzregententheater)

Falstaff Empfand ich den Falstaff nach der Premiere noch als zu trocken, so hat sich dies im Laufe von fünf Vorstellungen doch gewandelt. Mittlerweile ignoriere ich die Übertitel komplett und konzentriere mich auf das Bühnengeschehen. So fallen mir auch viele kleine Gesten auf, die dem Ganzen mehr Biss geben. Meiner Meinung nach hätte ein bisschen mehr Komik bei den Frauen dem Stück ganz gut getan, dass der Regisseur Ulrich Peters dieses Genre gut beherrscht, hat er ja mit Fra Diavolo, Boccaccio und der Fledermaus hinreichend bewiesen. So aber bleibt es dabei, dass ich Die lustigen Weiber von Windsor dem Falstaff vorziehen würde, was die Umsetzung des Stoffes von Shakespeare betrifft. Dazu kommt noch, dass mir einfach keine Melodien im Kopf bleiben. Bei Nicolais Oper habe ich mich schwer damit getan, sie wieder aus meinem Kopf zu verbannen, aber hier bleibt nichts. Ich kann zwar, sobald ein Stück anfängt, zum Beispiel die wunderbare Arie des Fenton, genau sagen, wie es weitergeht, aber schon auf dem Nachhauseweg habe ich die Melodie vergessen. Naja, vielleicht schaffe ich es noch bis zur letzten Vorstellung, mir wenigstens ein bisschen was zu merken.

Falstaff In der Besetzung gab es zwei Änderungen gegenüber der Premiere: Heike Susanne Daum sang bereits zum zweiten Mal die Alice, sie singt zwar fabelhaft, ist mir aber ansonsten ein bisschen zu bieder. Wer weiß, wieviel Schwung sie dem Stück hätte geben können, wenn man sie nicht so offensichtlich ausgebremst hätte. Ella Tyran darf als Nannetta ihre ganze Natürlichkeit zeigen, ihr bezauberndes Lächeln und sie kann ihre wunderbare Stimme fließen lassen, so dass selbst die Spitzentöne klar und rein klingen.

Auch die restlichen Protagonisten überzeugten wieder voll und ganz: Franziska Rabl und Ann Katrin Naidu scheinen die Partien der Meg bzw. der Mrs Quickly (wo ist eigentlich Mr Quickly, wenn sie am Ende mit Falstaff anbandelt?) auf den Leib geschrieben zu sein. Hans Kittelmann, Martin Hausberg und Mario Podrečnik sind ein köstliches Terzett, wobei besonders letzterer mit burleskem Spiel heraussticht. Robert Sellier singt den Fenton einfach klasse, ein Wunder, dass Nannetta nicht ständig in Ohnmacht fällt, wenn er für sie singt. Gary Martin ist stimmlich und szenisch ein sehr überzeugender Ford. Die Wandlungsfähigkeit dieses Ausnahmetalents ist wirklich ganz erstaunlich, immerhin war seine letzte Premiere im März der Joseph Süß in der gleichnamigen Oper von Detlev Glanert. Es gibt sicher nicht sehr viele Sänger, die beide Partien in einer Spielzeit so ausgezeichnet gesungen haben. Der Star des Abends ist aber, wie jeden Abend, Gregor Dalal als Falstaff. Er meistert diese große Rolle wirklich bravourös und lässt sich nicht mal ein Handicap anmerken, wegen dem es am Vorabend eine Ansage gab. Tolle Leistung!

Der Chor spielt wie immer ganz hervorragend mit und das Orchester unter Lukas Beikircher zeigt sein ganzes Können. Eine sehr schöne Vorstellung! Leider kommt das Stück nur noch drei Mal in München, am 31.5. und am 2. und 4.6.

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Marion Henneberg – Das Amulett der Wölfin

Marion Henneberg gelingt das Kunstwerk, mit ihrem dritten Roman Das Amulett der Wölfin eine spannungsgeladene, emotional vielschichtige Handlung mit präziser Geschichtsdarstellung zu verbinden und damit den Leser so zu fesseln, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Eine klassische Dreieicksgeschichte, zwei Männer kämpfen um eine Frau, versteht sie so zu erzählen, dass es immer wieder neue, überraschende Wendungen gibt und man mit allen Figuren mitfühlt und ihre Handlungsweise auch verstehen kann. Auch wenn man, so wie ich, nicht mit allen Protagonisten gleich “warm wird”, möchte man trotzdem weiterlesen, weil sie in eine spannende Handlung eingebettet sind. Überhaupt wimmelt es in diesem Roman von interessanten Charakteren, die selbst wenn sie nicht positiv dargestellt sind, immer faszinierend und niemals flach und eindimensional sind.
Marion Henneberg hat sich für ihren Roman eine geschichtlich sehr bewegte Zeit herausgesucht, der Konflikt zwischen den Welfen und den Staufern ist in vollem Gange, und die mittelalterliche Welt entsteht dank einer Fülle von Details farbenprächtig vor dem inneren Auge.Sie ist fast handgreiflich zu spüren, sei ist in den fast herzzerreißenden Momenten nach einem Überfall oder dem spannenden Ablauf eines Turniers.
Die knapp 600 Seiten vergehen wie im Flug und machen Lust auf weitere Bücher dieser talentierten Autorin.

Marion Henneberg, Das Amulett der Wölfin, Ullstein Taschenbuch, ISBN 354828261X, 592 Seiten

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Ulf Schiewe – Die Comtessa

Eine Frau in Männerkleidern, die sich in einem typisch männlichen Metier behaupten will – also alle Zutaten vorhanden für eine typische -in Schmonzette? Ganz und gar nicht!
Ermengarda weiß zwar was sie will, meistens, aber sie denkt nach, nimmt männliche Hilfe in Anspruch, reflektiert das Erlebte. Durch ihre Augen sehen wir die Lebenswirklichkeit im Südfrankreich des 12. Jahrhunderts: sei es der der gräfliche Palast oder die Aussätzigenhütte, die Burg oder das Kloster, jeder ihrer Aufenthaltsorte scheint sehr real zu sein und entsteht farbenprächtig und detailreich vor meinem inneren Auge. Die männliche Sichtweise steuern Arnaut und Felipe bei und so ergibt sich ein dicht gewebter Teppich mit ausdrucksstarken Bildern. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet, der Bettlerjunge Jori und Arnauts Mutter Adela sind die besten Beispiele dafür. Die Handlung ist spannend erzählt, ich habe mit der kleinen Reisegruppe von Beginn an mitgefiebert. Der historische und politische Kontext wird verständlich dargelegt, so dass die Handlungen der Protagonisten nachvollziehbar bleiben.
Sehr empfehlenswert!

Ulf Schiewe, Die Comtessa, Droemer, ISBN 3426198878, 560 Seiten

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Interview mit Rita Hampp

Rita Hampp Liebe Rita, herzlichen Dank, dass du dich bereiterklärt hast zu einem Interview für den Blog „Nacht-Gedanken“. Stellst du dich uns kurz vor?

Ich bin Autorin von Krimis und Romanen, die in Baden-Baden spielen. Dies ist seit meinem 50. Lebensjahr – also seit nunmehr sieben, fast acht Jahren, ganz offiziell meine zweite Karriere; ich war vorher Journalistin.

Wie kam das? Du hast vorher als Journalistin gearbeitet – wie kamst du dann zu den Romanen?

Das ist relativ einfach. Ich muss sagen, Journalistin, das war mein Leib- und Magen-Beruf. Das habe ich sehr, sehr gerne gemacht. Ich war für die Main-Post in Würzburg als Rechts- und Gerichts-Berichterstatterin tätig Als ich meinen Mann kennenlernte, bekam er gerade einen Auftrag in die USA. Da bin ich natürlich mit fliegenden Fahnen mitgegangen: Drei Jahre New York, das kann man sich nicht entgehen lassen – und habe dort festgestellt, dass ich natürlich in meinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, weil ich so gut Englisch nicht kann. Gerade im Journalismus kommt es ja auf jede Nuance an, und das ging nicht mehr. Daraufhin habe ich mich besonnen, dass ich eigentlich schon immer gerne ein Buch hätte schreiben wollen, was allerdings als Journalistin nicht geht. Wenn du den ganzen Tag zuhörst, mitschreibst, Formulierungen im Kopf hast und dann Artikel schreibst, dann setzt du dich abends nicht noch mal hin und schreibst. Da bist du abends leer. In den USA habe ich mich an der New York Universität eingeschrieben und mich unter anderem im kreativen Schreiben weitergebildet und mir irgendwann gesagt: „So, und jetzt fängst du an.“ Das ging gleich ganz schief.

Wie das?

Ich habe gedacht, ich setze mich an den Computer und schreibe los, schreibe einen Liebesroman. Also habe ich angefangen, einfach angefangen. Nach einer halben Seite habe ich festgestellt: „So geht das nicht, meine Liebe.“ Weil ich ja als Redakteurin gelernt hatte, mich sehr, sehr kurz zu fassen. Ich durfte mir nichts ausdenken, ich konnte keine Dialoge schreiben, keine inneren Monologe. Und plötzlich stand ich vor der Frage: Wie geht das überhaupt? Wie schreibt man frei? Wie schreibe ich Emotionen nieder? Das ist für mich ganz schwierig gewesen. Oder – ein anderes Problem: Ich dachte, ich hätte überhaupt keine Phantasie, ich könne mir gar nichts ausdenken! Das ist natürlich im Laufe meines Lebens schon anders geworden. Aber in der ersten Zeit war das für mich ein großes Problem. Daraufhin habe ich mich besonnen, das zu schreiben, was ich am besten kann: über das Gericht. Über eine Gerichtsverhandlung, die mir auch nach Jahren noch durch den Kopf ging, weil ich insgeheim überzeugt war: In diesem einen bestimmten Mordfall war der Angeklagte nicht der Mörder. Es kann nicht gewesen sein. Der kann seine Ehefrau nicht im Beisein seines kleinen Kindes erschlagen haben, das macht der nicht. Das habe ich dann noch mal aufgearbeitet, und bin der Frage nachgegangen, was eigentlich passieren würde, wenn dieser Mann irgendwann aus dem Gefängnis entlassen wird. Wie geht er mit dem Misstrauen seiner Umwelt um, was empfindet sein Sohn? Das war dann mein erster Gerichtsroman – von mehreren unveröffentlichten übrigens. Den habe ich noch in den USA angefangen und hier in Deutschland zu Ende geschrieben und dann hoffnungsvoll an große Verlage geschickt. Eine Lektorin von einem sehr großen Verlag hat mir tatsächlich zurückgeschrieben, sie hätte das Manuskript an einem Wochenende durchgelesen, weil es so spannend war. Aber sie könnten es leider nicht veröffentlichen, weil es nicht marktgerecht sei, weil es in Deutschland bei den Buchhandlungen kein Regal gab für deutsche Gerichtsromane. Man muss dazu sagen, das ist ein paar Jahre her, ich weiß nicht, ob es heute anders ist. Aber ich hatte drei Jahre daran geschrieben! Und dann sagte sie: “Schreiben Sie doch einfach etwas Neues, schreiben Sie etwas Marktgerechtes!”

Schlummert der jetzt noch bei dir in der Schublade?

Ganz, ganz tief, und den werde ich auch nie mehr in meinem Leben herausholen, weil ich mich ja von Buch zu Buch weiterentwickle. Das Gerichtsding stammt also noch aus meinem – würde ich vom heutigen Stand sagen – „Kaulquappenstadium“. Nicht zu retten. Wahrscheinlich fliegt er beim nächsten Umzug weg.

Wie findest du deine Geschichten – oder finden sie dich?

Beides. Die Baden-Baden-Krimis konstruiere ich. Ich bin im Jahr 2000 nach Baden-Baden gezogen. Eines Abends, als ich im Herbst bei uns in der Nachbarschaft die Umgebung erkundet habe und es immer dunkler wurde, war für mich klar: das ist es! Ich schreibe die Baden-Baden-Krimis. Das ist marktgerecht, ich habe hier weltberühmte Schauplätze und kann jeden einzelnen mörderisch beleuchten. In meiner Nachbarschaft gibt es die romantische Wasserkunstanlage „Paradies“, damit habe ich angefangen. Der Titel war so herrlich zweideutig: Die Leiche im Paradies. Zweiter Krimi war Tod auf der Rennbahn, über die Pferderennen in Iffezheim, dann kam Mord im Grandhotel, das im Brenners Parkhotel spielt, und jetzt zum Schluss natürlich das Casino Baden-Baden. Die Geschichten konstruiere ich mit fester Hand. Da sage ich mir: Hier ist der Schauplatz. Wo könnte die Leiche liegen? Wer ist diese Leiche? Wer könnte einen Grund haben, sie zu hassen oder sogar umzubringen? Da wird nichts dem Zufall überlassen. Ganz anders ist das mit meinem Ausreißer, nennen wir ihn mal so, Das Rosenhaus am Merkur gewesen.

Da hat die Geschichte dich gefunden.

Richtig. Am Küchentisch. Ich koche sehr gerne für meine Freunde, und dann sitzen wir auch wirklich sehr lange, wir haben einen sehr gemütlichen Tisch in der Küche. Spät abends hat damals ein Freund sinniert: „Mensch, ich war immer so – (das genaue Wort kann ich natürlich jetzt nicht verraten in diesem Interview) – etwas Besonderes in der Familie, und ich habe mir immer ausgemalt, dass ich aus diesem einen bestimmten Grund so anders gewesen war.“ Sofort hatte mich diese Idee so gepackt, dass ich sie zum Kern der neuen Geschichte gemacht habe. Ich wusste plötzlich: Das möchte ich gerne schreiben. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass diese Geschichte nicht als Krimi funktioniert (auch wenn es auch hier wieder einen ungeklärten Todesfall gibt), sondern nur als Familienroman. Zum gleichen Zeitpunkt – das hat sich ganz gut ergeben- hatte ich mir sowieso überlegt: Ich würde gerne mal das Genre wechseln. In den Baden-Baden-Krimis stecke ich ja immer in den Köpfen von drei Ermittlern und stelle meine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln dar. Das ist ganz lustig, auch was die drei so alles erleben, aber ich bin nie richtig in der Tiefe. Ich wollte einmal eine Geschichte in nur einem Kopf durchschreiben und durchleiden und durchlachen und durchweinen.

Sitzen deine Protagonisten mit dir am Frühstückstisch?

Am Frühstückstisch? Nie. Nein. Nein. Da sitzt mein Ratgeber, mein Mann, dem erzähle ich, wie meine Nacht gelaufen ist und was mir alles eingefallen ist und wo es vielleicht haken könnte und manchmal findet er einen Ausweg, weil er ja weiter entfernt ist von der Geschichte. Oftmals habe ich damals beim Rosenhaus am Frühstückstisch gesagt: Ich kriege es nicht zu Ende geschrieben. Ich finde es nicht gut.“ Ich bin sehr selbstkritisch. Ja – es war mir sehr unheimlich. Und mein Mann hatte die erste Version – er liest immer nur die Rohfassung, leider, er weiß eigentlich gar nicht, wie schön das Buch nachher, nach all den stilistischen Überarbeitungsdurchgängen geworden ist. Also – damals hat er die Rohfassung gelesen und hat das Manuskript dann, glaube ich, drei oder vier Mal aus der Papiertonne wieder herausgeholt und gesagt: Das ist so gut, das schmeißt du nicht weg, da bleibst du dran. Aber abends, nach dem Tagespensum, da bringe ich meine Helden mit an den Tisch, das stimmt schon.

Wie viel von dir steckt in deinen Protagonisten?

Hm, in jeder Figur steckt etwas von mir. Ich bin die Frau Campenhausen, ich bin der Max. Am wenigsten bin ich eigentlich Lea oder in dem Rosenhaus-Fall Clara, das muss ich ganz ehrlich sagen. Gerade im Rosenhaus habe ich sehr viele eigene Erlebnisse verarbeitet. Natürlich erlebt man Dinge im Leben. Ich habe zum Beispiel – das Rosenhaus ist ihm ja auch gewidmet – einen ganz, ganz lieben alten Onkel gehabt, den Onkel Fritz, der ist 94 geworden. Ihn hab ich wirklich unglaublich geliebt. Ein sehr gütiger und gebildeter, nur körperlich gebrechlicher, aber ansonsten ein wunderbarer Mann, der in meinen Armen gestorben ist. Das sind Dinge, die ich in diesem Buch verarbeitet habe. Genauso wie den Tod meiner Tante. Kürzlich kam in einer Leserunde für das Rosenhaus die Frage auf, was denn das wohl für eine Krankheit gewesen sei, die Claras Mutter durchlitten hat? Dazu kann ich nichts sagen, denn hier habe ich die Wirklichkeit mitschreiben lassen. Genau so ist meine Tante gestorben, und die Ärzte haben bis zum Schluss nicht gewusst, was sie hatte. Ich wollte thematisieren, dass es das eben auch gibt: Dass man im Angesicht des rätselhaften Sterbens dasitzt und relativ schnell Entscheidungen treffen muss. Meine Tante lag drei Monate auf der Intensivstation. Sie trug mir auf, wem ich ihre Kleidung, welches Schmuckstück ich wem schenken sollte. Es war klar, dass sie abgeschlossen hatte, und ich habe dann irgendwann die Ärzte bitten müssen: „Jetzt quält sie doch nicht weiter.“ Aber das habe ich die Clara dann doch nicht bis ins letzte Detail durchleiden lassen.

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Die ersten Baden-Baden-Krimis habe ich eher nachts geschrieben. Da bin ich um vier aufgewacht, habe die nächste Szene im Kopf gehabt, sie ließ mich nicht mehr einschlafen, und um fünf habe ich mich an den Computer gesetzt. Schreibblockaden, wenn du jetzt vielleicht darauf hinauswillst, habe ich nicht, weil ich ja mein ganzes Leben lang geschrieben habe. Ich konnte doch nicht nach einer Gerichtsverhandlung in die Redaktion spazieren und verkünden: „So, jetzt habe ich eine Schreibblockade, ihr kriegt für morgen nichts.“ Das geht nicht. Natürlich gibt es bei den Büchern – die sind sehr komplex – oft Momente, in denen es fürchterlich hakt. Ich bin gerade dabei, den fünften Baden-Baden-Krimi zu konstruieren und ich kam jetzt zwei, drei Wochen nicht weiter. Irgendetwas stimmte nicht, etwas hatte ich falsch gemacht in meinen Vorbereitungen, Ich habe dann mein altes Lehrbuch vorgeholt und festgestellt: Beim Lebenslauf und bei der charakterlichen Ausarbeitung des Mörders oder der Mörderin – das verrate ich jetzt nicht – war ich nicht gründlich genug gewesen, die Figur war nicht ausgereift genug.

Wie und wo schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen zum Schreiben?

In meinem Dachstudio, weg von allem. Ich brauche absolute Ruhe. Und ich muss alles erledigt haben, was für den Tag zu erledigen ist. Das ist für mich sehr, sehr schwierig, da sage ich manchmal: Ich wäre manchmal lieber ein Mann, da hätte ich keinen Haushalt, keine Wäsche, Garten sowieso nicht, sondern könnte gleich morgens um acht mit einer Tasse Kaffee, die mein Schatz mir an den Schreibtisch bringt, anfangen zu schreiben. So ist das Leben aber nicht. Inzwischen habe ich mich damit arrangiert. Ich habe Haupt-Schreib-Stunden, in denen es besonders gut läuft. Viele Dinge muss ich mir vorab überlegen und konstruieren, außerdem das Geschriebene vom Vortag überarbeiten, das erledige ich in der Nicht-Schreib-Zeit. So gegen vier lege ich dann richtig los.

Also ab vier Uhr nachmittags.

Vier Uhr nachmittags, genau.

Und dann in die Nacht rein?

Nein, alles, was ich nach dem Abendessen schreibe, lässt mich nicht schlafen. Das habe ich mir abgewöhnt. Das geht nicht. Nach dem Abendessen ist Schluss.

Welche Phase eines Buches ist für dich die anstrengendste?

Das ist eine sehr gute Frage. Es ist am Anfang eine Phase, in der man nicht weiß – ich vergleiche mich oft mit einem Bildhauer – was aus diesem Stein, den ich da vor mir habe, wird … wie ich das wohl schaffe, eine Figur oder eine Aussage herauszumeißeln. Die anstrengendste Phase ist, das wird aber jeder Autor so sehen, wenn man ganz am Ende die Druckfahne zurückbekommt, weil man dann nicht sehr viel Zeit hat, drei, vier Tage vielleicht, um das ganze Buch noch einmal durchzulesen und weil man die absolute Endkontrolle hat. Alles, was danach noch an Fehlern drin ist, gehört einem selbst, und man kann nichts mehr auf einen anderen abwälzen. Da verzweifele ich oft. Ja.

Du hast jetzt gerade, wie du uns vorhin erzählt hast, das Genre gewechselt. Gibt es noch ein Genre, in dem du gerne schreiben möchtest?

Ich weiß jetzt nicht, ob das als eigenes Genre gilt. Wenn man Krimis noch mal unterteilen könnte, habe ich also erst Regionalkrimis verfasst, dann das Rosenhaus im Bereich Familienroman, und nun ist das nächste, was übrigens bereits fertig geschrieben ist, ein – ich nenne es Psychokrimi. Psychothriller wäre mir zu reißerisch, da wären die Erwartungen eventuell übertrieben hoch. Also ein Psychokrimi ohne Polizeiarbeit, etwas Gruseliges, das Menschen im Alltag passiert und ihnen so viel Angst macht, dass …. Mehr darf ich nicht verraten.

Aber zum Beispiel ein historischer Roman oder so?

Auf gar keinen Fall. Auf gar keinen Fall! Ich bewundere die Kolleginnen und Kollegen, die sich dieses Fach herausgesucht haben. Wenn man kein Historiker ist, wie macht man das? Ich bin da immer fassungslos. Das könnte ich nicht, und die Geduld hätte ich auch nicht, mich in diese ganzen Kleinigkeiten einzuarbeiten. Es kommt ja wirklich auf alles an: Hatte man in dem Jahr schon Tomaten angebaut, oder Kartoffeln auf dem Tisch? Nein, das könnte ich nicht. Absolut nicht. Hat mich auch nie gereizt, obwohl ich historische Bücher sehr, sehr gerne lese. Lieber als Krimis.

Du hast uns vorher erzählt, dass du drei Jahre in New York gelebt hast. Deine Romane haben bisher alle in Baden-Baden gespielt. Kannst du dir vorstellen, auch mal über einen anderen Schauplatz zu schreiben?

Die Frage habe ich mir am Anfang gestellt, aber ich habe mir dann gedacht: Irgendwo müssen ja meine Romane oder Krimis spielen. Ja, warum denn nicht in Baden-Baden? Es ist eine wunderschöne Stadt, die ich sehr liebe, die ich kenne, die es wert ist, immer wieder genannt zu werden, die viele Menschen kennen – warum soll ich jetzt in irgendeine fremde Stadt gehen oder mir vielleicht sogar eine ausdenken?

Aber dadurch bist du natürlich jetzt in die Regionalkrimi-Ecke gerutscht, sage ich mal. Ist das problematisch?

Am Anfang habe ich damit gehadert. Man kommt sich ja erst mal etwas piefig vor. Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich mehr Bücher verkaufe als manche Kolleginnen und Kollegen, die bei einem sehr großen Publikumsverlag ein Buch veröffentlichen, aber nicht entsprechend promoted werden, wo ihr Buch einfach eine Saison – zwar bundesweit – in den Buchhandlungen liegt, sie dann vielleicht tausend Exemplare verkauft haben, und das war’s, und dann werden sie verramscht, und werden irgendwann gar nicht mehr gefragt, ob sie noch ein weiteres Buch für diesen großen Verlag schreiben wollen. Oder sie müssen sich den inhaltlichen Vorgaben des Verlags beugen und sich regelrecht verbiegen. Das Regionale birgt hingegen unglaublich erfüllende Momente, weil ich in Baden-Baden zum Beispiel bekannt bin wie ein bunter Hund. Es macht einfach Spaß, hier Premierenlesungen zu haben und die Begeisterung der Leute zu spüren. Die sprechen mich auf der Straße an oder sie schreiben mir, wie viel Freude ich ihnen bereite. Das ist fantastisch. So klein ist mein Publikum gar nicht. Ich bin inzwischen sehr zufrieden damit. Außerdem gibt es Unterschiede: Ich schreibe einerseits die reinen Regionalkrimis, in denen Baden-Baden die „Hauptrolle“ spielt. Beim „Rosenhaus“ ist diese Rolle schon kleiner, und ich habe die Rückmeldung vom Verlag, dass es sich nicht nur in der Stadt sondern Baden-Württemberg-weit hervorragend verkauft. Damit ist die Schwelle der Regionalität überschritten. Bei meinem Psycho-Krimi, in dem natürlich auch wieder ein Handlungsstrang in Baden-Baden spielen wird, wird es noch mal einen weiteren Schritt in die breite Öffentlichkeit geben. Man kann gar nicht sagen, dass ein Buch, das in Baden-Baden spielt, „nur“ Regionalliteratur ist. Es hängt immer auch mit der Aussage und Tragweite des Themas zusammen.

Kannst du uns schon etwas über deinen Psycho-Krimi erzählen?

Darf ich nicht. Ich würde gerne, aber ich darf es nicht.

Und über den nächsten Baden-Baden-Krimi?

Ja, wie gesagt, der ist gerade im Entstehen. Es sind wieder meine drei Ermittler, das kann ich schon mal verraten (lacht). Ich habe jetzt noch überlegt, ob ich vielleicht wieder eine vierte Person hinzunehme. Im Roulette war es ein Mörder, jetzt beim fünften Baden-Baden-Krimi könnte ich vielleicht die russische Putzfrau von Marie Luise Campenhausen noch mit ins Boot nehmen, aber es hat sich jetzt herausgestellt, dass es zuviel wäre. Oh, ich muss gestehen, da hakt es gerade gewaltig.

Gibt es da schon eine Zeitschiene?

Nein, ich habe den Luxus, mir Zeit lassen zu können. Ich werde mich auf jeden Fall nicht kannibalisieren und zwei Bücher in einem Jahr auf den Markt bringen wollen.

Das heißt, wenn der Psycho-Krimi nächstes Jahr kommt, dann kommt das andere Buch erst übernächstes Jahr?

Ja.

Du hast vorhin gesagt, du liest gerne historische Romane. Hast du einen Lieblingsautor, und welches Genre liest du sonst noch gerne?

Also, ganz besonders begeistert hat mich Jonathan Frantzen mit den Korrekturen. Ansonsten kann ich nicht sagen, dass ich einen besonderen Lieblingsautor habe. Eine ganze Zeitlang war mein Lieblingsbuch Die Säulen der Erde von Ken Follett. Aber die Nachfolger haben mich dann nicht mehr so vom Hocker gerissen. Vielleicht sollte man das in einem Interview nicht sagen – aber manchmal denke ich mir, man sollte vielleicht von jedem Autor nur ein Buch lesen: Das beste. Aber welches ist das? Ansonsten muss ich sagen, dadurch, dass ich mich ja sehr mit dem Genre Kriminalroman beschäftige, habe ich leider die Unschuld des Lesens von Kriminalromanen verloren und lese sie sehr ungern.

Hast du literarische Vorbilder?

Nein. Nein. Möchte ich auch gar nicht, ich möchte einfach ich sein.

Welche Musik hörst du am liebsten?

Ganz schwere Frage. Ganz schwere Frage. Ich höre sehr gerne Klassik, die Traviata kann ich auswendig. Wie fast jedes Mädchen musste ich als Kind Klavier spielen, klassische Stücke natürlich. Mein berühmter Onkel Fritz hat mich oft in die Oper in Köln mitgenommen, das fand ich sehr schön. Ansonsten ist es wechselnd, Oldies, Phil Collins … Bei mir läuft kein Radio, kein CD-Player. Ich brauche einfach Stille. Ich bin nicht der Mensch, der immer Musik um sich haben muss.

Also du lässt dich dann auch nicht von Musik beim Schreiben inspirieren?

Nein, ich beneide die Kollegen, bei denen das funktioniert. Ich kann es gar nicht.

Möchtest du noch einmal in einer anderen Stadt als Baden-Baden leben?

Nein. Auf gar keinen Fall. Wir haben das lange geprüft, ich bin sehr oft umgezogen. Nein, auf gar keinen Fall. Baden-Baden ist in meinen Augen eine perfekte Umgebung für mich. Die Stadt ist klein, sie hat ein großes Kulturangebot. Ich kann alle meine Bedürfnisse erfüllen, das heißt, ich wandere sehr gerne, ich habe viele Freunde in der Stadt. Die Nahrungsbeschaffung ist relativ einfach und auf kurzen Wegen zu erledigen. Ja, da passt einfach alles. Und ich habe in der Stadt mein Publikum und meine Heimat gefunden.

Wie hoch ist dein aktueller SUB?

Okay… Ich komme selten an einer Buchhandlung vorbei, ohne ein Buch zu kaufen. Aber oftmals habe ich, bis ich endlich dazu komme, dieses Buch zu lesen, irgendwie keine Lust mehr, weil ich schon sehr viel darüber gehört oder gelesen habe. Zum Glück liest mein Mann sehr gerne, mehr als ich, insofern baut er oft meinen SUB ab. Wenn ich in der Schreibphase bin, dann lese ich nicht. Muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt ja viele Kollegen, die sagen: Man muss lesen, lesen, lesen, um schreiben, schreiben, schreiben zu können. Das ist bei mir ein bisschen anders.

Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Autorin zu sein, und was ist das Nervigste?

Das Beste daran sind die Leserreaktionen und natürlich meine Lesungen. Die liebe ich, in denen kann ich mein Buch mit Haut und Haaren vorstellen. Es ist so toll, wenn man dabei spürt, wie das Publikum mitgeht. Ja, wie soll ich sagen: Das ist mein Lohn. Mein Lohn für viele einsame Stunden der Selbstdisziplin und der Selbstüberwindung. Man hat ja nicht immer Lust, zu schreiben. Das Gehirn möchte eigentlich nicht arbeiten, es möchte lieber irgendetwas anderes tun, aber sich nicht hinsetzen und sich mit einem anstrengenden Stoff beschäftigen. Es ist auch, gerade in der Anfangsphase von Büchern, sehr anstrengend, einen Stoff im Kopf hin- und herzuwälzen und nichts zu verlieren. Das Nervigste ist, dass ich nie Feierabend habe. Dass ich diese Geschichte immer, immer mit mir herumtrage, und selbst wenn ich sie dann weggeschickt habe zum Lektorat – sie kommt ja wieder zurück zu mir, mehrmals. Bis es endlich in Druck geht, sitze ich schon am nächsten Projekt. So hört die Arbeit nie auf. Ich gönne mir keinen Urlaub, ich habe am „Feierabend“ ein schlechtes Gewissen. Ja. Das ist die Kehrseite des Berufs.

Ist es dann, weil du schreiben möchtest, also, weil es aus dir herausdrängt?

Ja. Absolut. Jeder Moment, in dem ich nicht schreibe, oder in irgendeiner Weise an einem Buchprojekt arbeite, fehlt mir dann. Jede Stunde, in der ich nicht schreibe, möchte ich wieder einholen. Das ist mir das Wichtigste, dass ich immer schreiben kann und immer die Möglichkeit dazu hätte. Da teile ich, glaube ich, mit vielen Kollegen eine tiefe Sehnsucht nach einer einsamen Almhütte. Aber das gilt nur für die ganz intensive Schreibphase des ersten Rohentwurfs. Das sind ungefähr drei Monate. Danach bin ich wieder normal.

Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Autorenleben?

Es war bei meiner Premierenlesung vom Baden-Badener Roulette. Da kamen 150 Leute, eine Riesenschlange stand im Anschluss zum Signieren an. Ein Ehepaar kam, schlug das Buch auf und bat, ich möge es „Für Herbert und Marianne“ signieren. Gesagt, getan. Nach einer halben Stunde standen die beiden wieder mit dem Buch vor mir und drucksten verlegen: „Herbert ist doch gar nicht mehr mit Marianne zusammen. Können Sie aus der Marianne eine Silvia machen?“

Und meine allerletzte Frage an dich: Welche Frage wolltest du schon immer mal gerne beantworten, aber es hat sie noch keiner gestellt?

Da fällt mir nichts ein. Es gibt auch nichts, was ich vermisst hätte in unserem Gespräch. Doch. Vielleicht kannst du mich fragen, ob ich glücklich bin. Dann sage ich Ja.

Dann sage ich herzlichen Dank für dieses Interview!

Ich danke auch!

Im Anschluss an dieses Interview hat Rita Hampp übrigens ihr Projekt “Fünfter Baden-Baden-Krimi” vorerst auf Eis gelegt und widmet sich nun mit Feuereifer einer ganz neuen belletristischen Romanidee, die sie überfallen und nicht mehr losgelassen hat.

(Das Interview wurde geführt am 25. April 2012 in Olsberg.)

 

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Elke Pistor – Das Portal

Schon die Leseprobe dieses ungewöhnlichen Romanes hat mich in ihren Bann gezogen. In kurzen Abschnitten wechseln die zwei Erzählstränge, einer spielt im 14. Jahrhundert, einer in der Gegenwart, ab. Beide repräsentieren sehr schön die Handlungszeit, sowohl in den historischen Details als auch in der Dynamik der Sprache. Trotzdem sind beide Stränge eng miteinander verwoben, nicht zuletzt durch die handelnden Personen, die mit vielschichtig gezeichnet sind und in ihrer Entwicklung glaubhaft dargestellt werden. Besonders interessant fand ich die Darstellung des Engels und seine Wandlung zum Menschen. Vieles, was für uns selbstverständlich ist, entwickelt sich bei ihm erst langsam. Als Nebenfigur hatte ich von Anfang an Sofie ins Herz geschlossen. Aber nicht nur die Handlungszeit, auch das Genre bewegt sich auf mehreren Ebenen. Der historische Roman vermischt sich mit Krimielementen in der Gegenwart, dazu eine ordentliche Portion Mystik, herausgekommen ist ein vielschichtiger Roman, der mich mit seinen Protagonisten mitfiebern lies.
Besonders spannend war für mich, dass ich den Roman während eines Aufenthalts in Köln gelesen habe. So hatte ich die Möglichkeit, mir die kenntnisreich beschriebenen Örtlichkeiten sofort anzusehen, dem Glockenengel und der Hl. Barbara einen Besuch abzustatten, die mächtige Replik der Kreuzblume zu bewundern und den Geschehnissen im Roman nachzuspüren.

Elke Pistor, Das Portal, Emons Verlag, ISBN 3897058340, 235 Seiten

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Kerstin Pflieger – Die Alchemie der Unsterblichkeit

Das Leben auf dem Dorf ist nicht ungefährlich, wie der Gelehrte und Inspektor Icherios Ceihn sehr bald erfahren muss, als den Auftrag annimmt, in einem kleinen Dorf im Schwarzwald eine Mordserie aufzuklären. Dass es sich bei den Mordopfern nicht um Menschen handelt, hat man ihm bei Auftragserteilung geflissentlich verschwiegen.
Ein bisschen geht es mir wie Icherios, bisher habe ich um Vampire, Werwölfe, Irrlichter und Ghoule immer einen weiten Bogen gemacht. Kerstin Pflieger hat es aber geschafft, mich mitten hineinzustoßen in die düstere Welt des dunklen Territoriums und mich darin mit einer packenden Story und urigen Gestalten festzuhalten. Icherios habe ich vom ersten Augenblick an ins Herz geschlossen, seine Unsicherheit, seine Selbstzweifel und seine Tollpatschigkeit machen ihn zu einem äußerst liebenswürdigen Helden. Er darf sich in dieser Geschichte entwickeln und kann nach etlichen Fehlversuchen am Ende doch den richtigen Weg einschlagen. Ich habe zwar relativ früh geahnt, wer der Täter ist, aber seine Motive blieben bis zum Schluss im Dunkeln. Die Autorin verknüpfte am Ende sehr geschickt alle losen Fäden.
neben Icherios gibt es noch jede Menge weitere interessante Figuren, egal, ob sie nun Menschen, Vampire oder Werwölfe sind. Jeder ist mit seinen Eigenarten sehr gut beschrieben, so dass sich eine glaubhafte Geschichte entspinnen konnte. Auch die Umgebung, Häuser, das Dorf, der Wald sind so hautnah, dass ich direkt in die Geschichte eintauchen konnte. Ein bisschen mehr Information hätte ich mir noch über die Alchemie und Icherios Experimente gewünscht, aber es war jetzt nicht so, dass mir etwas gefehlt hätte. Ich fand es so spannend, dass ich ab der Hälfte das Buch in einem Rutsch bis spät in die Nacht gelesen habe, weil es mich so sehr gefesselt hat. Ich freue mich schon darauf, den zweiten Band dieser originellen Serie zu lesen.

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Premiere Falstaff, 18.05.2012, Prinzregententheater II

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Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London (zweite Rezension)

Geister, Götter und Vampire – in Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch gehören sie genauso zum Stadtbild wie die lebenden Statuen am Leicester Square und die Musiker in der Tube Station. Mit skurrilem Humor und satirischen Seitenhieben erzählt der Autor die Geschichte von Peter Grant – ein gerade eben mit der Ausbildung fertig gewordener Polizist, der unversehens zum Zauberlehrling wird.
Während sein Ausbilder, Inspector Nightingale noch zur alten Schule gehört und auf Lateinstunden setzt, forscht Peter mit modernen Methoden. Beide ergänzen sich dadurch und kommen einem Mörder auf die Spur, dessen Motive 200 Jahre zurückliegen. Ganz nebenbei müssen auch noch ein paar Vampire entsorgt und Frieden zwischen Mama und Papa Themse gestiftet werden. Ganz schön viel zu tun für einen Anfänger, aber Peter schlägt sich achtbar.
Die spannende Story ist schlüssig in einer etwas schnodderigen Sprache, die aber perfekt zur Geschichte passt, erzählt. Die Art von Humor ist vermutlich nicht jedermanns Sache, aber wer damit zurecht kommt wird sich hier prächtig amüsieren. Mir haben besonders gut die wunderbaren Schilderungen von London gefallen, ich hatte das Gefühl, mit Peter durch die Stadt zu spazieren. und ganz nebenbei erfährt man auch noch einiges über Geschichte und Geografie dieser faszinierenden Stadt.

Die Flüsse von London, Ben Aaronovitch, ISBN 3423213418, 480 Seiten

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