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Frisch eingetroffen: Nina George – Das Traumbuch

Ein Unfall verändert die Leben dreier Menschen: Edwinna, genannt Eddie, die Verlegerin für phantastische Literatur mit besonderem Gespür für das Wunderbare. Sam, der hochbegabte 13-jährige, der Klänge als Farben sieht und Menschen, Orte oder Stimmungen intensiver wahrnimmt als andere. Und Henri, Eddies einstiger Geliebter. Der ehemalige Kriegsreporter ist Sams Vater, der nach einem Unfall acht Minuten lang tot war und nun darum kämpft, aus dem Koma zu erwachen. Denn von dort, wo er beinah verlorengegangen ist, bringt er eine Botschaft für die, die er liebt.
Poetisch und wahr, klug und bewegend: Nina George erzählt in ihrem neuen Roman Das Traumbuch von den unbekannten Welten zwischen Leben und Tod, Realität und Traum – und von den kleinen Momenten, in denen sich Türen zu ganz anderen Lebenswegen öffnen. Die zu gehen wir uns nur nicht trauen.

Die Schriftstellerin Nina George, geboren 1973 schreibt Romane, Sachbücher, Thriller, Reportagen, Kurzgeschichten sowie Kolumnen. Ihr Roman „Die Mondspielerin” erhielt 2011 die DeLiA, den Preis für den besten Liebesroman. Für ihren Kurzkrimi „Das Spiel ihres Lebens” wurde Nina George 2012 mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet. Ihr Roman „Das Lavendelzimmer” stand weit über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in 30 Sprachen übersetzt und eroberte auch international die Bestsellerlisten, so die New York Times Bestsellerliste in den USA, die Bestsellerlisten in England und Italien. Mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens „Jo” Kramer, schreibt Nina George unter dem Doppel-Pseudonym Jean Bagnol Provencethriller. Nina George ist Beirätin des PEN-Präsidiums und Sprecherin der Initiative Fairer Buchmarkt. Sie lebt in Berlin und der Bretagne.

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Interview mit Nina George auf der Leipziger Buchmesse 2016

9783426653852Am 20.3.2016 durfte ich als krönenden Messeabschluß mit der Bestsellerautorin Nina George ein Interview führen. Sie hat auf der Messe nicht nur ihren neuen Roman Das Traumbuch vorgestellt, sondern auch jede Menge Termine zu den Themen Urheberrecht und Internetpiraterie wahrgenommen. Am 19.3. fand eine fantastische Lesung aus ihrem neuen Roman statt. Damit Ihr Euch vorstellen könnt wie toll Nina liest, hat sie einen kleinen Absatz eingelesen, den ich unten anhänge.

Liebe Nina, herzlichen Dank, dass Du Dir am Ende einer sehr stressigen Messe Zeit genommen hast für ein Interview. Vor zwei Tagen ist Das Traumbuch erschienen. Es ist Dein dritter Roman nach Die Mondspielerin und Das Lavendelzimmer unter Nina George….

Nein.

Nein?

Nein, das ist nicht mein dritter Roman, sondern ich glaube mein siebter oder achter. Oder Neunter? Ich bin mir gar nicht sicher. Bei 26 Büchern…oder 27? Aber ich befürchte, es sind irgendwie schon mehr als drei Romane. Ich denke, es sind um die acht oder neun.

Nach dem Lavendelzimmer, das in 32 Sprachen übersetzt wurde, das acht Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times stand, war da der Druck sehr groß?

Der Druck war enorm, vor allen Dingen der, den ich mir innerlich gemacht habe. Ich wollte mindestens etwas schreiben, was genauso intensiv, persönlich und berührend war und auch große Themen beinhaltete. Und ich habe zuerst den Versuch gemacht ein anderes Buch zu schreiben, das wurde relativ schnell nachgefragt, von den Vertretern, vom Verlag, und ich dachte, ich krieg das hin, aber dann suchte und suchte ich die Geschichte, schrieb zweihundertfünfzig Seiten, und nochmal hundert Seiten und nochmal, und ich fand das Thema nicht und nicht den Sound. Ich habe das Buch, das direkt nach dem Lavendelzimmer folgen sollte (Anm. d.R.: Die Sternensucherin), abgebrochen, das wird es wahrscheinlich auch nicht geben.
Erst als ich sehr dicht am eigenen Ableben entlang schrammte, erst dann hatte ich wieder das Gefühl, auch wieder ein großes Thema gefunden zu haben. Das war keine Absicht, also man sollte es als Autorin auch nicht provozieren, dass sie die großen Themen nur findet, wenn es einem schlecht geht. Aber komischerweise hing das miteinander zusammen. Als ich dann wieder endlich eine Idee hatte, habe ich mich tatsächlich ein Jahr lang nur handschriftlich damit beschäftigt, wieder Ton und Geschichte zu finden. Mut zu sammeln, nach diesem großen Erfolg des Lavendelzimmers überhaupt wieder zu schreiben. Die ersten Sätze waren furchtbar. Ich habe sie angesehen und mir gedacht: „Aha, so schreibt also irgendwie eine Frau, die eine Bestsellerin ist, also nee, geht gar nicht, muss wieder weg und nochmal neu schreiben.“ Ich musste mich davon lösen, dass ich einen Erfolg gehabt habe und zu dem zurückkommen, was der Kern meiner Aufgabe ist: eine gute Geschichte zu schreiben. Ich musste alles wegschieben, jede Angst, jede Hoffnung, alles. Und das war tatsächlich ein harter Job, das dauerte über anderthalb Jahre.

Das Schreiben an sich ging dann aber sehr schnell?

Das stimmt, ich hatte sehr viel recherchiert, dann habe ich mich ein paar Monate lang eingeschrieben, aber das Kernschreiben war erneut schnell. Nicht so schnell wie beim Lavendelzimmer, wo es acht Wochen dauerte, diesmal habe ich, glaube ich zehn gebraucht. Also drei Monate einschreiben, ein Jahr recherchieren und dann ad hoc richtig zehn Wochen lang durchschreiben und dann noch ein bisschen Lektorat und so summiert sich dann die Zeit.

© Urban Zintel

© Urban Zintel

Stellst Du uns bitte Deine Protagonisten aus Das Traumbuch vor?

Wir haben vier Protagonisten, wobei ich aus drei Perspektiven jeweils in „Ich“ berichte. Das ist ein durchaus interessantes, komplexes Unterfangen. Die erste Perspektive ist Henri, ein ehemaliger Kriegsreporter, der genau in dem Moment, in dem er weiß, was er im Leben falsch gemacht hat, wo er gezögert hat, wo er sich nicht getraut hat, ein Wagnis eingegangen ist, überfahren wird. Er weiß endlich, was er alles falsch gemacht hat und wie er sein Leben leben muss, damit es seins ist, doch dann fällt er in ein Koma. In diesem Koma erzähle ich einerseits Empfindungen und Wahrnehmungen, die dieser Mann in der Nähe des Todes hat. Ich lasse ihn, ob es nun koma-induziert ist, ob es Halluzinationen, Träume oder Parallelrealitäten sind, immer wieder an Punkte seine Lebens kommen, an denen er sich falsch entschieden hat. Und ich lasse ihn anders entscheiden. Ich lasse ihn immer wieder erleben, was geworden wäre wenn er an einem bestimmten Punkt seines Lebens zum Beispiel nicht diese Frau verlassen, sondern mit ihr geschlafen oder ein Kind gezeugt oder kein Kind gezeugt hätte. Ich führe sozusagen anhand Henris Schicksal im Koma auf, welche Variationen unseres eigenen Lebens es gibt und wie klein und banal meistens die Entscheidungen sind, die zu einem völlig anderen Leben führen. Ich glaube persönlich daran, dass es immer nur die kleinen Momente im Leben sind, die entscheidend sind und selten die großen. Die anderen beiden Figuren sind Eddie, Edwinna heißt sie eigentlich, eine Verlegerin für Phantastik. Phantastik, nicht Fantasy, das ist sehr wichtig. Das ist sozusagen das Wunderbare, das dennoch wissenschaftlich fundiert ist. Dazu gehört Science Fiction, dazu gehören Quantenmechnaik, Jules Verne oder Parallelrealitäten, dazu gehört magischer Realismus. Sie ist eine Exfreundin von Henri, er hat sie verlassen, hat ihr aber zugemutet, dass sie im Falle eines Unfalles für ihn verantwortlich ist. Das heißt, sie ist jetzt zwischen zwei Männern, einem Mann im Koma und einem im Leben und muss sich entscheiden: will sie sich wirklich um diesen Mann kümmern, der sie verlassen hat und jetzt im Koma liegt oder nicht. Der Dritte im Bunde ist ein vierzehnjähriger Synästhetiker, ein Hochbegabter, er heißt Sam, Samuel und er hat nicht nur seine erste zarte Liebe, die er erlebt in diesem Buch, sondern er ist auch fähig aufgrund seiner Synästhesie, aufgrund seiner quasi Übersinnlichkeit, seiner hohen Sinneswahrnehmungen, seinen Vater, der im Koma liegt, auch noch dann zu spüren, wenn die Ärzte ihn schon aufgegeben haben. Diese drei Menschen ringen gemeinsam um Alles: um Familie, um Freundschaft, um Liebe, um Sich-selbst-Finden, um herauszufinden, welche Entscheidungen im Leben einen glücklich machen, ob das vielleicht auch die falschen sein können.
Und sie ringen gemeinsam um Person Nummer 4: Ein Mädchen, Madelyn, die in einem Psychokoma liegt, und sich weigert, in diese Welt hinein zu erwachen.
Dieses Buch ist tatsächlich nicht einfach zu erklären.

Du bist selbst Synästhetikerin, kannst Du erläutern, was das bedeutet?

Entwa sieben Prozent aller Menschen besitzen die Gabe der Synästhesie, sie haben sozusagen nochmal zwei, drei Sinne mehr und diese sind auch anders verdrahtet, sie vermischen sich bei jedem Sinnesreiz miteinander. Wenn ich Zahlen sehe, sehe ich auch gleichzeitig Farben. Für mich ist die Vier gelb, die Acht grün, die Fünf blau. Als wir vorhin ein Podium hatten, habe ich mal rumgefragt, ob es noch Synästhetiker gibt und von den hundert, hundertzwanzig Zuschauern waren drei, die sich gemeldet haben. Das entspricht tatsächlich dem Bundesdurchschnitt von Leuten, deren Sinneswahrnehmungen anders verdrahtet sind. Bei mir ist es noch so, dass ich Persönlichkeiten auch als Landschaften wahrnehme. Wenn ich in Räumen komme, habe ich das Gefühl, die Emotionen, die häufig in diesem Raum gelebt und ausgesprochen wurden, hängen noch in den Wänden. Ich fühle sozusagen traurige Räume oder einsame Häuser oder beschädigte, blutige Landschaften. Bei Sam ist es so, dass er Zahlen auch mit Farben sieht, dass er Musik geradezu körperlich spürt – etwa als Regen oder als milde Brise – und dass er in Menschen hineinsehen kann und an ihrer Stimme ablesen kann, ob sie zum Beispiel lügen (Lügen hören sich weiß an, Wahrheiten grün). Das Leben ist für ihn sehr intensiv und überfordernd. Er ist ein zauberhafter kleiner Kerl, weil er auch gleichzeitig mutig ist und im ganzen Buch über sich hinauswächst. Er wird vom Kind zum jungen Mann.

Du hast einen Sidekick, der ein bisschen Leichtigkeit reinbringen soll. Das ist ein (ebenfalls) Teenager. Wie schwierig war das für Dich?

Ganz leicht. Ich selbst bin mir selbst als Teenager noch sehr nahe. Der Sidekick heißt Scott, das ist der beste Freund von Samuel. Er ist ein Snob, er hat eine lose Zunge, er ist ebenfalls hochbegabt und wahnsinnig intelligent. Er versucht, jede Woche mit einem anderen Look die Girls zu begeistern. Er ist furchtbar reich und gleichzeitig beneidet er Sam um dessen Fähigkeit, das Leben wahrzunehmen. Scott macht immer wieder despektierliche Sprüche über alles Konventionelle. Er ist jemand, der dem Buch auch Leichtigkeit gibt, ich mochte ihn wirklich sehr, sehr gern. Gleichzeitig sind Teenager mir nah, weil ich innerlich immer noch ein Teenager bin. Teenager sind die Menschen, die wir alle, wenn wir älter sind, wieder sein wollen. Als Teenager haben wir schon bestimmte Prinzipen, bestimmte Lebensträume, bestimmte Gefühle und oft erlebe ich, dass Erwachsene, wenn sie dann später in Therapie gehen, versuchen, genau diese verschütteten Prinzipien, Gefühle und Träume ihrer Jugendzeit wieder zu entdecken. Manchmal möchte ich den Teenagern zurufen: Ihr wisst schon alles! Bleibt genauso, wie ihr jetzt seid, denn ihr wisst schon alles. Aber das ist eine recht unorthodoxe Herangehensweise an Teenager.

Jean Perdu hat Bücher empfohlen für alle Lebenslagen. Wem würdest Du Das Traumbuch empfehlen?

Ich würde es Menschen empfehlen, die sich fragen, was sie sich nicht zugetraut haben im Leben. Dieses Buch muss jeder lesen, der sich fragt: was ist noch offen in meinem Leben?
Demjenigen zu sagen, den ich begehre, dass ich ihn begehre. Wage ich es, meine Stimme zu erheben, wenn ich Widerstand leisten muss. Lebe ich mein Leben, traue ich mich das? Oder bleibe ich eingesperrt im kleinen Käfig der Konventionen und in meiner Angst.

Gibt es bei Dir noch etwas Offenes?

Nein, seit einigen Jahren tue ich genau das, was ich will. Ich frage mich jedes Mal, wenn ich in ein Flugzeug steige, ob noch etwas offen ist und ich etwas zu bedauern habe. Nein, ich habe alles gemacht, was ich machen wollte.
Nachtrag am 28. März: Ich würde sehr gerne Boule spielen lernen. In einem entspannten Club in Berlin, die unter Platanen spielen und dabei Rosé trinken. Bitte meldet Euch, wenn ihr einen kennt!

Du bist unglaublich engagiert für das Urheberrecht, Du bist Mitglied im Verwaltungsrat der VG Wort, Du bist Beirätin im PEN-Präsidium. Wie schaffst Du das?

Alles nach und nach und ich habe eine neue Kraftquelle für mich entdeckt, das Tangotanzen. Ich tanze etwas zwei Stunden pro Tag Tango im Berlin im Mala Junta. Die haben jeden Tag Kurse, ich tanze und dort vergesse ich alles. Dort bin ich auch nur ich. Da bin ich nur Nina. Die Menschen, die ich dort treffe, teilen mit mir die Leidenschaft für den Tango. Es ist die höchste Form von Entspannung und Meditation, danach bin ich tatsächlich wie aufgetankt. Manchmal denke ich mir, ich habe keine Kinder, ich bin gesund, und vielleicht ist das eine gute Arbeitsteilung: Andere haben Kinder und sorgen für den Fortbestand der Menschheit, sorgen dafür, dass wir vielleicht irgendwann in dreißig Jahren eine neue Kanzlerin kriegen oder sorgen für neue Ärztinnen oder Schriftstellerinnen oder für Nachwuchs der Front von Klimaschutzforschung. Mein Job ist es, mich für Autorinnenenrechte und Kultur einzusetzen. Ich finde das eine gute Arbeitsverteilung.

Du hast auf einer der Veranstaltungen auf der Messe einen sehr schönen Satz gesagt: Leser wirken an einer Geschichte mit, weil sie in ihrem Kopf entsteht. Kannst Du das noch ein bisschen erläutern?

Sehr gerne. ich glaube zum Beispiel nicht an „Mitmach-Bücher“, an Interaktivität während des Schreibens oder dass Leser befragt werden sollten: Wie soll meine Figur heißen, was sollte jetzt passieren? Das ist nicht ihr Job. Ihr Job ist es, am Ende dieses Kunstwerk erst in sich entstehen zu lassen. Buchstaben auf Papier sind gar nichts. das ist einfach nur eine Verschmutzung von Papier. Ein Buch entsteht in dem Moment, in dem es gelesen wird. Ohne Leser bin ich auch keine Schriftstellerin, bin ich auch nichts. Ich habe unfassbar viel Respekt vor der Leistung der Leser, weil dieses Werk, dieser Film, diese Gefühle, diese Landschaften erst in ihrem Kopf entstehen und zwar in jedem ganz anders. Meine Aufgabe ist es, ihnen das so gut wie möglich zu ermöglichen, indem ich Bilder schaffe, Assoziationen, indem ich psychologisch überzeugend bin, indem ich eine schöne Sprache benutze. Aber letztlich entsteht dieses Kunstwerk erst im Kopf des Lesers. das ist eine Haltung, die mir gut gefällt, denn sie macht mich auch frei in dem Sinne, dass ich mir gar keine Gedanken machen muss, ob und was ich schreiben muss um einem Leser zu gefallen. Er oder sie wird sowieso seinen oder ihren eigenen Film im Kopf erschaffen, unabhängig von mir. Ich finde das eine unglaublich großartige Kommunikation, weil der Leser und ich, wir zusammen erschaffen diese Kunst erst. Ich könnte das nicht ohne Leser und ein Leser nicht ohne mich. Wir sind eine Symbiose. Das das Verrückte. wenn man sich das einmal bewusst gemacht hat, vergisst man es nie wieder. Leserin und Autorin sind eine Symbiose – aber erst nachdem das Buch geschrieben wurde.

Das Lavendelzimmer soll verfilmt werden. Zerstört das dann nicht in einer gewissen Weise diese Symbiose?

Da bin ich relativ gelassen. Filmemacher sind Kunsthandwerker, die eine andere Kunst als ich beherrschen. Ich lasse in dem Moment mein Buch völlig los, weil ich es ja schon geschrieben habe, es gibt es, so wie es ist, ist es da. Wenn jemand einen Film daraus macht und es so umsetzt, wie er oder sie es versteht, da werde ich nicht reinquaken. Es ist auch nicht mehr meine Entscheidung, wie jemand diesen Film wahrnimmt. Ob er lieber seinen eigenen hat, wenn er das Buch liest oder ob er lieber den Film sieht. Es ist mir zwar nicht egal, aber ich kann es unfassbar gut loslassen, weil es alles eine eigene Kunstform ist. Wenn jemand sich von meinem Buch inspirieren lässt, eine Film daraus zu machen, bin ich dankbar und froh und lass ihn einfach machen.

Gibt es schon konkrete Pläne?

Eine Hollywoodfirma wird es verfilmen und ich denke, so in zwei, drei Jahren ist Drehbeginn und sie werden an Originalschauplätzen drehen. Aber der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, also sind wir noch im Daumendrückmodus. Das Angebot ist da, es ist schon ziemlich konkret, aber noch ist die Tinte nicht trocken.

Wir drücken mit. Kannst Du schon etwas sagen über Dein nächstes Projekt?

Es wird wieder in Frankreich spielen, erst in Paris ein paar Kapitel lang und dann das ganze Buch fast ausschließlich in der Bretagne im Sommer. Die Hauptfigur wird diesmal eine Frau werden, nachdem mit Henri im Das Traumbuch ja wieder ein Mann im Mittelpunkt stand. Zwar auch noch ein Junge und eine weitere Frau, aber ich bin doch sehr froh, dass ich wieder zu einer Frau – übrigens in meinem Alter – als Protagonistin zurückkehren kann. Die in der Mitte ihres Lebens steht und sich fragt, ob sie die geworden ist, die sie hätte sein können. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen, aber unter anderem wird die Bretagne vorkommen, versteinerte Geheimnisse und ein verdammt heißer, sehr heißer Sommer.

Findest Du es schwierig, aus der Perspektive eine Mannes zu schreiben?

Überhaupt nicht. Ich habe das große Glück oder auch das große Pech, Empathie an- und ausschalten zu können. Als Kind konnte ich das nicht, da war ich überflutet von Empfindungen und Mitgefühl, jetzt kann ich es bewusst Einschalten. Und auch Aushalten, indem ich einfach die Augen zu mache, die Brille abnehme, mit meinem Handy rumspiele oder wirklich einfach alles runterklappe oder -fahre und niemandem mehr sehe und auch nicht höre.
Wenn ich die Sinne aufmache, fällt es mir sehr leicht, Menschen nachzufühlen. Es ist dann auch völlig egal, ob es kleine oder große Menschen sind, Männer oder Frauen. Es fällt mir sehr leicht, aus der Perspektive eine Mannes zu schreiben, wobei ich aber dann auch männliche Erstleser, zum Beispiel meinen Mann, frage, ob ich psychologisch schlüssig diese männlich Persönlichkeit dargestellt habe. Das ist schon noch so ein bisschen mein Rettungsschirm. Gewisse Dinge, die ein Mann sieht und empfindet, kann ich nicht wissen, weil ich nun mal eine Frau bin. Männer sind anders sozialisiert, Männer verbinden zum Beispiel Sex niemals mit Gewalt oder Gefahr, Frauen immer. Frauen müssen immer fürchten, dass sie vergewaltigt werden könnten oder ungewollt schwanger. Männer verbinden zum Beispiel Sexualität ausschließlich mit Spaß oder vielleicht noch mit emotionaler Verpflichtung. Allein dieser Unterschied schon der Sozialisation hat einen ganz anderen Einfluss auf Psyche, Verhalten und Auftritt, vor allem was den Umgang mit dem anderen Geschlecht angeht. Das muss einem, wenn man aus der Perspektive des anderen genders schreibt, erst mal bewusst werden. Erst dann kann man eine Figur überzeugend schreiben, die einen anderen Chromosomenbausatz hat.

Du bist Teil des Autorenduos Jean Bagnol. Gibt es da auch bald einen dritten Band?

Wir schreiben gerade an Band Nummer Drei, der im Arbeitstitel heißen wird Commissaire Mazan und die Spur des Korsen. Wir waren gerade jeweils eine Woche in Marseille und der Provence und haben dort recherchiert. Es wird die Mafia dabei sein, es werden Trüffel dabei sein, es werden Polizeiskandale dabei sein und sämtliche bisherigen Mitwirkenden sind auch dabei. Wir haben schon die ersten Kapitel geschrieben und der Prolog ist der Hammer. Das wird ein Erdbeben und von dort aus steigern wir uns. Das wird der rasanteste Jean Bagnol, den wir je geschrieben haben.

Gibt es schon einen Erscheinungstermin?

Ich glaube, 2017 im April.
Herzlichen Dank für dieses Interview und noch eine schöne Restmesse.

Sehr gerne.

 

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Jean Bagnol – Commissaire Mazan und der blinde Engel

Es ist ein goldener September kurz vor der Weinlese in Mazan, als die von Liebeswirren gestresste Mordermittlerin Zadira Matéo um Amtshilfe gebeten wird. Eine bizarre Pariser Mordserie scheint mit den verstörenden Bildern des gerade in die Provence übergesiedelten Malers Etienne Idka zusammenzuhängen. Commissaire Mazan, der Katzenermittler, könnte Zadira helfen. Denn er kennt den „blinden Engel“ an Idkas Seite, der das Geheimnis um die rätselhaften Bildermorde entschlüsseln kann.

Zum zweiten Mal gelingt es Nina George und Jo Kramer, einen sehr spannenden Krimi zu schreiben, der teilweise aus Katzensicht erzählt wird und trotzdem nicht künstlich oder aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil, sowohl die menschlichen als auch die tierischen Protagonisten sind für mich so lebendig, dass ich am Liebsten immer weiter gelesen hätte, um weiter an ihrem Leben teilzuhaben. Ich kann diesen Roman deshalb nicht nur Katzenliebhabern, sondern allen Krimifans empfehlen.

Wieder zeichnen die Beiden ein so mehrdimensionales Bild der  Provence, der Landschaft und ihren Bewohnern, dass der Leser sich als Bewohner dieses kleinen Ortes fühlt, in dem unter der bürgerlichen Oberfläche die Abgründe einer Gesellschaft lauern, die rücksichtslos ihre Gier nach immer mehr Genuß auslebt.

Gleichzeitig kommt aber auch eine neue Note in das Duftpotpourri des Romans: diesmal geschehen Morde in Paris und Zadira wird von einem dortigen Ermittler, der ihr privat besser gefällt als dienstlich, um Amtshilfe gebeten. Pariser sind weder bei den Marseillesen noch bei den Provenzalen besonders beliebt und so gestaltet sich die Zusammenarbeit schwierig. Als dann aber ein dritter Mord in der Provence geschieht, ist es Zadira, die näher am Fall und an den Menschen ist. Dabei verzichten die Autoren auf blutige Szenen und setzen eher auf das hervorragend funktionierende Kopfkino. Bei aller Spannung gibt es aber auch immer wieder Szenen, die mich laut auflachen ließen, zum Beispiel wenn Tin-Tin sich totstellt und keiner seiner Katzenkumpels es ernst nimmt.

Besonders gefallen hat mir, dass Lucien Brell hier einen eigenen Fall zu lösen hat, er ist sicher die liebenswerteste Nebenfigur, außer der Katzengang natürlich. Die hat hier einen eigenen Fall zu lösen, Manon ist verschwunden und schwebt in Lebensgefahr.

Einfühlsam und für jeden Katzenbesitzer absolut nachvollziehbar sind die Teile aus der Sicht von Commissaire Mazan erzählt, der sich, genau wie sein menschliches Gegenstück Zadira, in diesem Roman weiterentwickelt, über sich selbst lernt und den Leser so in seinen Bann zieht, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Hier geht es zur Leseprobe, hier zu einem Interview, das ich mit den Autoren zum Erscheinen des ersten Bandes geführt habe, und hier zu einem Lesungsbericht.

Jean Bagnol Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens “Jo” Kramer.

Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane).
George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman “Die Mondspielerin”.
Mehr über Jean Bagnol
Mehr über Jens “Jo” Kramer
Mehr über Nina George

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Hier geht es zur Leseprobe, hier zu einem Interview, das ich mit den Autoren zum Erscheinen des ersten Bandes geführt habe, und hier zu einem Lesungsbericht.

 

 

Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens “Jo” Kramer.
Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane).
George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman “Die Mondspielerin”.
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Lesungen Criminale, 23.05.2014, Nürnberg und Feuchtwangen

imageDas Schöne an der Criminale ist für mich, dass man eine unglaubliche Vielfalt geboten und neue Leseanregungen bekommt und das in einer Konzentration, die wirklich seinesgleichen sucht.
Die erste Lesung des Tages fand für mich im historischen Henkerhaus in Nürnberg statt. Das war früher die Wohnung des Henkers und ist die einzige bebaute Brücke über die Pegnitz. Da das Haus entlang der ehemaligen Stadtmauer liegt, ist es eher langgestreckt und damit als Lesungsort eine Herausforderung. Wir sassen sozusagen den Autoren auf dem Schoß.
Den Anfang machte Veit Müller, der aus seinem im Herbst erscheinenden Roman Tod am Kreuzweg las. Dies ist der fünfte Band in seiner Reihe um den Lokaljournalisten Luka Blum. Myriane Angelowski widmet sich in ihrem Roman Finkenmoor der Frage nach Strafe und Gerechtigkeit und las daraus ein paar sehr packende Passagen, die Opfer, Täter und Angehörige vorstellten.
Sybille Baecker hat mit Das Recht zu töten einen Roman aus Täterinnensicht vorgelegt. An ihrem Titel entspann sich eine rege Diskussion um die Einflussmöglichkeiten von Autoren auf das Cover und den Titel eines Romanes. Hier zeigte es sich, dass das von Verlag zu Verlag unterschiedlich ist. Auch die Frage, ob die Autoren denn am Anfang schon wüssten, wie der Roman ausgeht, wurde unterschiedlich beantwortet. Manche Autoren haben schon von Anfang an ein festes Gerüst, an dem sie entlangschreiben und bei anderen entwickeln die Figuren ein Eigenleben und es geht plötzlich anders aus als geplant.
imageDer Nachmittag war sehr kurzweilig und die Autoren nahmen sich im Anschluss noch Zeit, ihre Bücher zu signieren und weitere Fragen zu beantworten.
Am Abend ging es dann ins 90 Kilometer entfernte Feuchtwangen, denn nicht nur in Nürnberg und Fürth fanden Lesungen statt. Insgesamt 18 Städte und Gemeinden in der Metropolregion Nürnberg wurden im letzten Jahr von Autoren besucht, die dann eine Kurzgeschichte für die Criminale-Anthologie Nicht nur der Hund begraben schrieben.
Der Abend fand im Sängermuseum statt, dem deutschlandweit einzigem Museum, dass sich mit dem Chorwesen beschäftigt. In einer interessanten Ausstellung wird das Chorwesen in seiner Wandlung von 1809 bis in die Gegenwart dargestellt.
Dazu gibt es spannende Geschichten, wie zum Beispiel, dass Frauen erst gegen 1900 an den Liedertafeln teilnehmen durften, davor aber durchaus ihren abwesenden Männern den Platz freihalten durften. Auf großformatigen Fotos wurden die Männerchöre dargestellt, verstarb einer, wurde sein Kopf ausgeschnitten und durch den seines Nachfolgers ersetzt.
Ein Archiv, das aus Notenmaterial, Fahnen und sonstigen Gegenständen aus dem Besitz von Sammlern und aufgelösten Gesangsvereinen stammt, bietet Möglichkeiten zur Forschung. Ein interessantes kleines Museum, in dem sich eine Führung lohnt.
Der Abend begann mit einer launigen Begrüßung des Bürgermeisters Patrick Ruh. Musikalisch sehr schön umrahmt wurde die Lesung von den jungen Musikern Thomas Hähnlein am Saxofon und Philipp Schiepek an der Gitarre.
imageIm ersten Teil lasen Nina George und Jo Kramer aus ihrem Provence-Krimi Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. In freier Rede stellten sie die beiden Protagonisten Zadira Matéo, eine Polizistin, die von Marseille in das Kaff Mazan strafversetzt wird, und Commissaire Mazan, einen streunenden Kater, der detektivische Fähigkeiten entwickelt, vor.
Nina George hatte in ihrer Vorstellung erwähnt, dass sie eigentlich Schauspielerin werden wollte, aber man ihr nach den Vorsprechen geraten habe, einen anderen Beruf zu ergreifen. Wenn man allerdings einmal ihre Darstellung des Hundes Artus bei den Lesungen gesehen hat, zweifelt man an der Urteilsfähigkeit der damaligen Juroren. An ihr ist mit Sicherheit eine gute Schauspielerin verloren gegangen.
In zwei Ausschnitten und in insgesamt neun verschiedenen Rollen machte das Autorenehepaar Lust auf ihren spannenden Krimi.
Nach der Pause lasen die beiden dann ebenfalls mit verteilten Rollen Nina Georges Geschichte für die Anthologie Romeo und Julia kamen nur bis Feuchtwangen. Geschickt webt sie Lokalkolorit in eine spannende Geschichte mit einem überraschenden Ende ein. Das Publikum war begeistert und lies die beiden erst nach langem Applaus gehen.
Ein wunderbarer Abend in einem schönen Ambiente.

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Lesungen Criminale 2014, 22.05.2014, Nürnberg und Fürth

imageDas Schlimme an der Criminale ist, dass man sich eigentlich vierteilen müsste, weil es so viele interessante Termine gibt. Das Wunderbare an der Criminale ist, dass man sich eigentlich vierteilen müsste, weil es so viele interessante Termine gibt.

Erste Anlaufstelle war das Galeriehaus Nord in Nürnberg, wo es an diesem Nachmittag um Kaffee, Kunst und Korruption gehen sollte. Für den Kaffee war es allerdings zu heiß, blieben Kunst und Korruption. Das erste war nicht nur in den Büchern, aus denen gelesen wurde, präsent, sondern auch an den Wänden: zur Zeit läuft im Galeriehaus Nord die Ausstellung Nachtabsenkung mit Bildern von Mathias Otto. Die Bilder passten hervorragend zu den Krimis, zeigten sie doch die dunkle Seite der Welt.

Als erstes las Eva Ehley aus ihrem vierten Sylt-Krimi Mörder weinen, in dem es um die Ermordung eines Galeristen geht. In Kurschattenerbe versetzte Sigrid Neureiter das Publikum nach Meran und weckte die Neugier auf Oswald von Wolkenstein. Ihre Hobbydetektivin Jenny Sommer macht sich auf die Suche nach einem verschwundenen Professor.

Als Letzter las schliesslich Bernhard Aichner, der mich ja gestern schon mit seiner Kurzgeschichte Dürers Hase begeistert hat. Bemerkenswert ist, dass bereits in seinem 2006 erschienenen Roman Nur Blau, der von der Obsession eines Mannes mit Bildern von Yves Klein handelt, seine einzigartige Erzählstimme erkennbar ist, die seinen neuesten Roman Totenfrau so genial macht. image

Im Thalia-Buchhaus CAMPE in der Nürnberger Fußgängerzone las am frühen Abend Elisabeth Herrmann aus ihrem Bestseller Versunkene GräberIch hatte ja schon in Leipzig daraus eine Lesung gehört,  aber sie las noch mal andere Textstellen, so dass die Stunde eigentlich viel zu kurz für diesen spannenden Roman war.

Zum Abschluß ging es dann noch nach Fürth, wo im Bühlers ebenfalls Kunst und Literatur verlinkt wurden. Die Räume der Galeristin und Sammlerin Sabine Pillenstein bildeten einen fantastischen Rahmen für einen gelungenen Abend. Dort sind zur Zeit die Bilder von Katrin Heichel, einer Meisterschülerin von Neo Rauch, in einer Ausstellung unter dem Titel Die Nacht zu sehen. Es gab nicht nur Literatur und Kunst, sondern auch Häppchen, Wein und die Möglichkeit, mit allen an diesem Abend in Fürth lesenden Autoren ins Gespräch zu kommen, ein wirklich gelungener Abend.

Den Auftakt bildete Ingrid Schmitz mit ihrem vierten Kriminalroman Liebeskiller.  Dieser ist gerade erst erschienen, so dass es sich bei der Lesung sogar um die Buchpremiere handelte. Leider war es ein bisschen schwierig, die einzelnen Stimmen auseinanderzuhalten, aber der Anfang klang schon mal spannend. Wolfgang Polifka stellte seinen Roman Die Rosenberg-Pergamente vor, der in Kronach spielt. Die Autoren stellten sich jeweils gegenseitig vor und seine einleitenden Worte für das Autorenehepaar Jean Bagnol waren wirklich der Kracher. image

Hinter Jean Bagnol verbergen sich Nina George und Jo Kramer, die auch mit ihren Soloprojekten erfolgreich sind. Sie lasen aus der Anthologie Auf leisen Sohlen kommt der Tod ihre Kurzgeschichte Der Heiratsschwindler. Mit verteilten Rollen, unglaublich witzig und charmant, machten sie Lust auf diese Geschichte und auf ihren Roman Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Sicherlich einer der Höhepunkte dieser Criminale.

Der Tag, angefüllt mit neuen Eindrücken und Anregungen für mindestens ein halbes Jahr Lesestoff, klang noch an der Criminalebar aus, wo das Publikum Gelegenheit hat, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen.

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Lesung Jean Bagnol, 22.10.2013, Café Katzentempel

Lesung Jean Bagnol Münchens erste Katzencafé, das Café Katzentempel, erwies sich als der ideale Schauplatz für die Lesung aus Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Zwar gäbe es von technischer Seite noch Optimierungsbedarf, aber der Raum, l-förmig mit dem Autorenehepaar im Winkel und daher von jedem Platz aus gut zu sehen, eignete sich gut für das Zusammentreffen von literarischem Kater und echten Katzen. Und obwohl der Raum proppevoll war, kam keiner der tierischen Bewohner zu Schaden. Außerdem gab es ein superleckeres vegetarisches Büffet, großes Kompliment an die Küche!

Dass hier die Katzen an erster Stelle stehen, wurde gleich zu Beginn deutlich: Nina George bat die Zuschauer, nicht zu klatschen, da dieses laute Geräusch die Katzen erschrecken könnte. Stattdessen sollten wir mit den Armen in der Luft wedeln. Und das taten wir ausgiebig an diesem Abend. In Anbetracht der tierischen Zuhörer hatten sich die beiden entschieden, mehr kätzische Teile aus dem Buch zu lesen und das ist wirklich sehr, sehr gut gelungen. Anfangs wurden die beiden Ermittler, die nach Mazan abgeschobene Polizistin Zadira Matéo und der herrenlose schwarze Kater, genannt Commisaire Mazan, vorgestellt. Später kamen noch ein attraktiver Tierarzt, ein sabbernder Hund, vier zwielichtige Gestalten, ein Mordopfer sowie jede Menge Katzenpersonal dazu. Nina George und Jo Kramer lasen hervorragend mit verteilten Rollen und führten den Text schon fast halbszenisch auf. Köstlich war Nina als Hund oder der Höhepunkt am Schluss (die Trapeznümmer – denken Sie sich jetzt einen französischen Akzent dazu), als zwei Autoren sechs verschiedene Katzen (die tierische Ermittlerbande oder auch KatzenNSA) lasen und diese sehr unterschiedlich ausgestalteten. So wurde an diesem Abend auch viel gelacht.

Zwischen den einzelnen Abschnitten, die klug gewählt waren und extreme Lust auf das Buch machten, erzählten die Autoren vom Schauplatz Mazan. Der Ort liegt im Schatten des Mont Ventoux, jedem Fahrradenthusiasten bestens bekannt von der alljährlichen Tour de France. Es gibt in der Innenstadt keine Autos, dafür aber jede Menge Katzen. Er hat einen Friedhof, auf dem eine große Anzahl von Merowinger-Sarkophagen zu bewundern sind, wenn man sie denn findet und nicht für die Friedhofsmauer hält.  Marquis de Sade hatte eine Residenz dort und begründete hier das erste Theaterfestival Frankreichs. Außerdem hat Keira Knightley dort geheiratet, aber erst nachdem sich das Autorenduo dort die Inspiration für ihren ersten gemeinsamen Roman geholt hat.

Aus dem Publikum kamen nach dem sehr gelungenen Vortrag Fragen nach der Zusammenarbeit als Ehepaar, worauf die beiden eine typische Szene beim Schreiben vorführten. Sie hatten sich die Protagonisten aufgeteilt und waren jeder für die deren Detailausgestaltung  zuständig. Jo Kramer, von Nina George auch liebevoll Katzenflüsterer genannt, übernehm dabei die Katzen. In den gelesenen Abschnitten konnte man feststellen, dass es ihm sehr gut gelungen ist, aus deren Sicht zu schreiben. Den Namen Bagnol haben sie sich vom Friedhof in Mazan geliehen und nicht von dem französchichen Wort für Klapperkiste, bagnole. Die Autoren haben noch Ideen für viele weitere Bände um das ungleiche Ermittlerduo und so kann man nur hoffen, dass es bald Nachschub gibt.

Eine sehr, sehr gelungene Lesung, die nicht nur den Roman, sondern auch die Menschen dahinter und den Entstehungsprozeß vorstellte. Danke Nina George und Jo Kramer für einen großartigen Abend!

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Interview mit Jens „Jo“ Kramer und Nina George alias „Jean Bagnol“

Jean Bagnol Ihr seid beide erfolgreiche Schriftsteller. Wie war die Zusammenarbeit?
N.G.: Aufregend. Sie war insofern aufregend, weil wir zusammen mehr Ideen hatten als alleine. In der Summe unserer Teile sind wir mehr als jeder allein. Andererseits, während normale Ehepaare sich ungefähr nur sieben Minuten am Tag unterhalten, mussten wir zusehen, dass wir mal sieben Minuten Ruhe hatten. Wir mussten unglaublich viel reden, was wer gerade schreibt, denkt, meint, plant…. Wir mussten uns ständig unterhalten. Das war sehr, sehr zeitaufwendig. Irgendwann haben wir zwei Zimmerwände mit Kapitelplänen, Figuren-Details und Plotideen tapeziert, um immer auf demselben Stand zu sein.
J.K.: Und wir haben gelernt, füreinander anstrengend zu sein – und sich trotzdem auszuhalten. Während man in einer normalen Zusammenarbeit sagen kann: „Ach komm, lass stecken, wir machen jetzt einfach weiter…” ist es bei diesem Buch so gewesen: Wir mussten jede Unstimmigkeit ausräumen, denn sonst hätte es nicht geklappt. Wir mussten uns genau aufeinander einstimmen. Wenn das nicht hundertprozentig hinhaute, dann klappte die ganze Geschichte nicht. Wir mussten alle Eitelkeiten und Ängste vergessen, und uns mutig alles sagen, was wir wollen, und was wir nicht wollen.

Hat es euch vorangebracht im Hinblick auf eure eigenen Bücher?
N.G.: Absolut. Es gibt nichts Unausgesprochenes mehr zwischen uns. Wir haben geübt, Kritik zu üben. Wo man früher aus Nettigkeit oder Konfliktscheu verschwiegen hat, dass man fand: Oh, da ist eine Länge drin. Oh, die Figur ist nicht überzeugend, die gehört gar nicht in diese Geschichte! – haben wir jetzt trainiert, absolut ehrlich zu urteilen, ohne kränkend zu sein. So können wir jetzt gegenseitig unsere eigenen Projekte neu und freier beurteilen – frei von falscher Rücksicht. Für meine eigene Arbeit hat mir das sehr viel gebracht: Ich habe zwar immer noch einen Hang zu Reflexion und Landschaftsbeschreibung ohne Ende, aber das spare ich mir jetzt zum Beispiel beim Lavendelzimmer-Nachfolger. Das hat mir die Arbeit mit Jens gebracht: die eigenen Schwächen zu minimieren. Und die Stärken zu erkennen.
J.K.: Stimmt: Wir haben sowohl die Schwächen als auch die Stärken des anderen kennengelernt. Wir waren ja zum Teil im gleichen Kopf. Dadurch konnte ich sehen, wie Nina mit Sprache, Stil, Dramaturgie und Metathemen arbeitet, und sie konnte einiges von mir abgucken; Dialoge, Ironie, kreatives Chaos. Ich bin davon überzeugt, dass unsere gemeinsame Arbeit uns beiden neue Tricks beigebracht hat.

Wie kam es zu dem Projekt?
J.K.: Manche Romane entstehen im Kopf. Sie sind geplant, durchdacht, mit Zeit und Strategie erarbeitet. Und ganz selten – und das sind oft auch die richtig tollen Romane –, da entsteht die Geschichte praktisch durch eine Offenbarung, wie eine Ohrfeige aus dem Nichts: Auf einmal sieht man eine Szene, denkt einen Schlüsselsatz, sieht eine Figur. Nur ein Augenblick, und man denkt: „Wow! Das ist es!“ In unserem Fall haben wir beide etwas wahrgenommen. Eine bestimmte Beobachtung. Und wir haben uns angeguckt und haben gewusst, wie im Kopf des anderen die gleiche Idee entstand. Das war gelinde gesagt: irre. Null Strategie, sondern eine Musenwatsche.
N.G.: Zuerst hatten wir sogar die Idee, einen Koch und einen Gourmet-Kater ermitteln zu lassen. Aber wir haben gemerkt, dass der Koch mich – weil ich die Figurenhoheit über ihn gehabt hätte – nicht genug reizt, nicht für eine Serie. Dann haben wir gemeinsam die halbalgerische Drogenfahnderin Zadira entwickelt, während Jo sich den Kater vornahm. Wir hatten die Idee am Abend des 6.7.2012 in Mazan, 442 Tage später hatten wir das Ding ausgeliefert auf dem Tisch. Und dazwischen waren wir in der Zone des Wahnsinns. Schreiben, planen, zweifeln, streiten, versöhnen, weiter schreiben.
J.K: Die erste Zeit, in der wir uns nur darüber unterhalten haben, was wir aus dieser Grundidee machen könnten, war die schönste. Weil wir da noch nicht arbeiten, sprich: schreiben, planen, abwägen, entscheiden mussten! Wir haben die Wochen, in denen wir nicht geschrieben sondern gemeinsam auf dieser Idee herumgekaut haben, wahnsinnig genossen. Das ist sowieso immer das Schönste am Schreiben – entweder noch nicht zu schreiben oder schon geschrieben zu haben. Das Dazwischen ist leider unglaublich unromantisch.

Wie war das, einen Kater zu schreiben?
J.K.: Ich habe mich erstaunlicherweise recht schnell in die Katerpersönlichkeit einfinden können. Sich in eine Figur hinein zu versetzen gehört zur serienmäßigen Aussattung eines Autoren. Mann, Frau, Kind, Killer, Käfer, Kater … Man beobachtet, man studiert die Verhaltensweisen und versucht, die Lücken des Nicht-Wissens – die wir natürlich haben; wir wissen nicht, wie eine Katze denkt –, diese Lücken des Nicht-Wissens zu füllen. Das gelang ganz gut, so dass ich die Hälfte wieder rausschmeißen musste, sonst wäre der Roman 600 Seiten lang geworden.
N.G.: Irgendwann war die Geschichte so überbevölkert mit den charmanten Weltherrschern, dass der Krimiplot sich schamhaft in eine Ecke drückte.

Jean Bagnol Hast du ein Anschauungsobjekt gehabt?
J.K.: In der letzten Phase hatten wir einen Besuchskater, Gigi, ein Britisches Kurzhaar, das nur fließend Wasser trinkt und lieber Plastikfalter als Kunstmäuse jagt.
Ich war mein halbes Leben Katzenbesitzer, in meinem Wohnhaus in Eimsbüttel gibt es etliche Katzen, die täglich bei mir hereinschauen. Katzelein, Schröder, Mikesch … also, Rohmaterial läuft genug in der Gegend herum (lacht). Jeder, der Katzen hat, weiß, dass Katzen eigene Charaktere haben. Das hat besonderen Spaß gemacht, diese unterschiedlichen Katzenpersönlichkeiten darzustellen. Den dicken Faulen Oscar. Die feinfühlige Louise, die ein bisschen eingebildet ist, weil sie lesen kann. Den zünftigen, aber herzensguten Revierschläger Rocky, der nicht mehr mitbekommt, wenn Katzendamen etwas Bestimmtes von ihm wollen. Es gibt diese Katzentypen überall, ich konnte sie so aus dem Erleben herausgreifen.
N.G.: Ich muss verraten, dass Jo ein Katzenflüsterer ist. Wenn wir in der Fremde sind – zuletzt in Oxford – und die Katzen zur Nacht heraus kommen: Innerhalb kürzester Zeit sind die bei ihm! Da kann ich noch so süß locken: (Nina flötet: ) „Ja, halloo, wer bist du denn, du bist ja ein süßes Mädchen…“ Die ignorieren mich und krabbeln gleich auf Jo herum. Wir können nicht einmal Nachts spazieren gehen, ohne dass ihm was Pelziges hinterher maunzt. Es scheint also, als ob sie in dir irgendeine kätzische Seelenverwandtschaft spüren.
J.K.: Wahrscheinlich war ich in meinem letzten Leben eine Katze.
N.G.: Wahrscheinlich. Katzen sind die besseren Menschen, aber du hast was angestellt und wurdest zum Mensch zurück „degradiert“. Und sicher warst du ein schmusiger Kater in Mazan – dieses Städtchen im Vaucluse war für uns das totale „Katzablanca“. Es besitzt eine mittelalterliche Innenstadt ohne Autos, in der nur Katzen herumlaufen! Wir haben an fünf Abenden so viele unterschiedliche Katzentypen kennengelernt. Die schüchterne Schwarzweiße, die nur im Schatten läuft, die lässige Gescheckte, die so lange auf dem Auto liegen bleibt, bis es los fährt, der freche Schwarze, der einem die Wurst vom Teller zieht. Da haben wir uns auch bedient für die literarische Katzenbande.

Wie seid ihr auf den Namen gekommen, Bagnol?
N.G.: Der stand in Mazan auf ganz vielen Grabsteinen – der Friedhof dort ist berühmt für seine neunundsechzig Merowinger-Sarkophage, für Fans der Bestattungskultur ein echtes Highlight. Zuerst sollte der ermittelnde Koch so heißen, aber dann haben wir uns entschieden, Jean Bagnol für unser Pseudonym zu verwenden.

Gibt es schon weitere Pläne für Jean Bagnol?
N.G.: Wir haben Ideen für weitere elf Folgen. Aber wir müssen erst noch absprechen, welche als nächstes verwirklicht werden soll.

Dann herzlichen Dank und viel Erfolg!
Die Bagnols: Vielen lieben Dank – merci und „mau“!

Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens “Jo” Kramer. Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane). George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman “Die Mondspielerin”. “Commissaire Mazan und die Erben des Marquis” ist der erste gemeinsame Jean-Bagnol-Provencethriller des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jo Kramer. Sie wären beide gerne als Katzen auf die Welt gekommen, müssen sich aber damit begnügen, die Samtpfoten zu erforschen und erstmals über sie zu schreiben. Als Provence-Liebhaber und Spannungsautoren kam ihnen die erste Idee zu “Commissaire Mazan und die Erben des Marquis”, als sie im Château de Mazan im Vaucluse ihren zukünftigen Helden auf leisen Pfoten (und mit unwiderstehlicher Eleganz) eine Thunfischpastete stehlen sahen. Mehr über Jean Bagnol: www.jeanbagnol.com. Mehr über Jens “Jo” Kramer: www.jensjohanneskramer.de. Mehr über Nina George: www.ninageorge.de.

Fotos ©Angelika Scholz/Knaur

 

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Criminale, 27.04.2012, Kilianstollen Marsberg

Nachdem am Abend vorher das hübsche Städtchen Arnsberg Ziel meiner abendlichen Lesungsreise war, ging es diesmal von Olsberg aus in die andere Richtung, nach Marsberg. Diese Städtchen ist leider nicht ganz so hübsch, zumindest, der Teil, den ich auf meinem Weg zum Kilianstollen, dem Veranstaltungsort der abendlichen Lesung, zu sehen bekam. Der Fußweg führte hinter dem Gebäude für den Maßregelvollzug vorbei, da fürchtete ich mich schon auf dem Hinweg vor dem Rückweg im Dunkeln.

Die Lesung fand dann nicht direkt im Stollen, sondern in einem dazugehörigen Besucherzentrum statt. Der Stollen wäre zwar ein wirklich toller Schauplatz gewesen, aber vermutlich wären wir dort in den zwei Stunden der Lesung erfroren. Positiv empfand ich, dass es hier Getränke zu kaufen gab und der Büchertisch war sehr gut bestückt. Leider mussten die Autoren jedoch ohne Mikrofon auskommen.

Die Schriftstellerin Nina George moderierte den Abend, der unter der Überschrift „Der Reiz des Tötens“ stand und stellte ihre mitlesenden Autoren mit drei Wahrheiten und einer Lüge vor. Den Auftakt machte Andreas Gruber, seine vier Fakten waren: der Autor hat vier Katzen, arbeitet halbtags in einem Pharmaunternehmen, ist an der Entwicklung eines Medikamentes namens Zickosan beteiligt und könnte ein Teil aus einem bestimmten Automaten auf der Männertoilette des Tagungshotels vorführen. Das führte schon mal zu vielen Lachern und so war das Eis zwischen Autoren und Publikum ganz schnell gebrochen. Andreas Gruber las zwei Stellen aus seinem Roman Rachesommer, sehr pointiert und mit viel Ausdruck. Diese waren hochspannend und ich musste teilweise schlucken, weil die Szenen teilweise ganz schön „hart“ waren. Definitiv ein Buch, das ich im Auge behalten werde.

Den zweiten Teil des Lesungsabends bestritt Gina Greifenstein mit einem Auszug aus ihrem Roman Stirb noch einmal, Liebling, der mir persönlich ein bisschen zu lang war. Insgesamt ist es aber sicher eine witzige Story. Nach der Pause las dann Nina George selbst, Andreas Gruber übernahm ihre Vorstellung. Eine Wahrheit über sie ist die Tatsache, dass sie knapp 850000 Bücher verkauft hat. Als Lüge stellte sich hingegen heraus, dass sie mit der Crimelady Elizabeth George verwandt sei. Sie las ihre, in Marsberg spielende und in der Anthologie Tausend Berge, tausend Abgründe erschienene Kurzgeschichte Der Reiz des Tötens. Sie las ebenfalls sehr gut und hatte offensichtlich die Schauplätze und den Charakter des Ortes sehr genau getroffen, sie wurde mit sehr viel Applaus der Ortsansässigen bedacht. Am Ende gab es wie immer Zeit zum Fragen und zum Signieren. Ein sehr gelungener Abend!

 

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JA zum Urheberrecht!

Aktion Im Rahmen der Criminale 2012 im Hochsauerlandkreis wurden in einer Pressekonferenz am heutigen Welttag des geistigen Eigentums zwei hochinteressante Aktionen vorgestellt. Zum Einen ist das die Initiative JA zum Urheberrecht, die die Syndikats-Autorinnen Nina George und Angela Eßer ins Leben riefen, als unter anderem die Grünen in ihrem Grundsatzprogramm festlegen wollten, dass die Schutzfrist für Urheber auf fünf Jahre (derzeit 70) verkürzt werden solle. Es ist eine verbandsunabhängige Initiative, die sich als Fürsprecherin der UrheberInnen aller kulturschaffenden Sparten versteht. Bisher hatte die Initiative eine eigene Facebookseite, auf der Statements zum Urheberrecht gesammelt wurden und man brachte sich aktiv in Diskussionen ein, unter anderem mit den Piraten und den Grünen. Ein Pictbadge wurde entwickelt, der seit der Leipziger Buchmesse auch als Button erhältlich ist und dort dem Kulturstaatsminister Neumann angepinnt werden konnte, der sich darüber sehr erfreut zeigte. Aktion Seit heute hat die Initiative nun auch eine eigene Webseite. Dort gibt es Informationen über die Ziele, die Beteiligten, die Unterstützer und die Aktionen der Initiative. Aufgerufen zum Mitmachen sind alle Kulturschaffenden, aber auch Kulturgenießer, die für das Urheberrecht einsetzen wollen. Förderer sind bisher unter anderem namhafte AutorInnenverbände und -gruppen wie das Syndikat, die Mörderischen Schwestern, QuoVadis oder DeLiA sowie aus der Kreativwirtschaft große Verlage wie etwa BasteiLübbe, DroemerKnaur und rowohlt. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels unterstützt die Initiative ebenfalls.
Aktion Eine Aktion zum Thema wurde ebenfalls vorgestellt: Hemd ab for your rights. Acht Autorinnen und Autoren des Syndikats (Guido M. Breuer, Oliver Buslau, Marcel Feige, Andreas Izquierdo, Susanne Kliem, Eva Lirot, Susanne Mischke, Sonja Ullrich) haben sich bis auf die nackte Haut ausgezogen unter dem Motto “Acht Krimischriftsteller ziehen blank – für die Rechte von Autorinnen und Autoren”. Herausgekommen bei der Fotosession in der Kölner Gerichtsmedizin sind die beigefügten drei Plakatmotive, die im Grunde für sich selbst sprechen.
Urheberrecht ist ein Menschenrecht und genauso wie alle anderen Menschenrechte muss es respektiert werden.

Alle Fotos © Das Syndikat / Armin Zedler

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