Sabine Weigand – Die Tore des Himmels

In ihrem sechsten Roman zeichnet ein faszinierendes Porträt einer starken Frau im Kontext einer ganzen Epoche.

Elisabeth kommt als Vierjährige an den Hof des Markgrafen von Thüringen. Sie ist mir Hermann verlobt, der später einmal Landgraf werden soll. Ihre einzige Vertraute ist Gisa, eine Waise aus dem niederen Landadel. Nach dem Tod von Hermann heiratet sie seinen Bruder Ludwig, der ihr schon immer nahe stand. Elisabeth ist sehr religiös und sieht ihre Aufgabe in karitativen Handeln. Doch die Almosen stoßen nicht überall auf Gegenliebe und mit ihrem kompromisslosen Handeln macht sie sich nicht nur Freunde. Gisa versucht sie zu beschützen und muss bald selbst um ihr Leben fürchten.

Das ist eines der wenigen Bücher, wo ich die Hauptfigur zwar faszinierend finde, sie aber nicht mag. Freundinnen wären wir sicher nie geworden. Dazu ist sie mir zu hart, gegen sich selbst und auch gegen andere. Sicher versucht sie nur Gutes zu tun, aber hier bewahrheitet sich mal wieder der alte Spruch “gut gemeint ist nicht gut gemacht”. Sie vernachlässigt sogar ihre Kinder, um sich ganz ihren vermeintlichen oder realen Aufgaben zu widmen. zeichnet sie aber trotzdem menschlich, sonst hätte ich das Buch vermutlich irgendwann entnervt in die Ecke geworfen. Vor allem die Sichtweise von Gisa, ihrer Vertrauten, trägt dazu bei. Der Gegenpol dazu ist die Sichtweise von Primus, einem Bettlerjungen, der seine Familie irgendwie durchbringen möchte. Durch ihn erfährt der Leser die Armut und den Hunger, der zu Lebzeiten Elisabeths herrschte, die sie zu bekämpfen versuchte und damit vielleicht sogar noch verschlimmerte. Ein interessanter Aspekt des Romans ist auch das Aufkommen der Katharer, die man ja eher von ihrem Niedergang her kennt.

erweckt sowohl die historischen wie auch die fiktiven zum Leben, vermischt beides so lange, bis man es nicht mehr unterscheiden kann. Sie beschreibt so plastisch, dass man die Gerüche in der Nase hat und die Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Sie hat sich nach Die Seelen im Feuer und Die silberne Burg wieder eines schwierigen Themas brillant angenommen.

 

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Christopher Gortner – The Tudor Secret

Es ist sicher schon schwierig genug, einen spannenden Krimi in der Gegenwart zu schreiben, ein spannender historischer Krimi gelingt nicht allen Autoren. hat seinem Roman nicht mal das Etikett “Krimi” verpasst und doch war (deutsch Die Tudor-Verschwörung) so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
London im Sommer 1553: Brendan Prescott wuchs als Findelkind im Haushalt von Lord Dudley auf und soll nun dessen Sohn Robert Dudley als Page dienen. Eine seiner ersten Aufträge führt ihn zu Elizabeth, der späteren Königin. Fasziniert von ihr, lässt er sich als Spion in Wiliam Cecils Netzwerk anwerben und ist schon bald einer großen Verschwörung auf der Spur. Er hofft aber auch darauf, das Geheimnis seiner eigenen Herkunft endlich lüften zu können.
ist der erste Roman in einer neuen Serie um Brendan Scott, die im Zeitalter der politischen Instabilität und religiösen Unsicherheit nach dem Tode Heinrich VIII. angesiedelt ist. gelingt es ganz ausgezeichnet, diese Zeit mit Leben zu erfüllen. Er fängt die Atmosphäre ein und spielt mit ihr. Seine Figuren, eine Mischung aus historisch verbürgten Persönlichkeiten und erschaffenen Menschen, wirken authentisch. Brendan als Ich-Erzähler lässt den Leser direkt am Geschehen teilhaben und man erlebt einige der spannendsten Momente der britischen Geschichte quasi live mit. Oder zumindest so, dass man es sich gut vorstellen kann, dass es so gewesen sein könnte.
Der zweite Band in dieser Serie, The Tudor Conspiracy, erscheint im Juli 2013 zunächst auf Englisch, für die deutsche Übersetzung gibt es noch kein Erscheinungsdatum. Wer sich für die Zeit der Tudordynastie interessiert, dem sei diese Serie ans Herz gelegt.

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C. J. Sansom – Revelation

Serien lassen ja oft nach, bei C.J. Sansom werden sie von Band zu Band besser.
Obwohl, geht das eigentlich? Mir haben schon die ersten drei Bände gut gefallen, aber dieser vierte hier noch einen Tick besser. Vielleicht liegt es daran, dass von Matthew Shardlake hier nochmal neue Facetten gezeigt werden.
Er findet am Ostersonntagmorgen des Jahres 1543 seinen Studienfreund und Ehemann seiner Jugendliebe Dorothy bestialisch ermordet auf. Er verspricht ihr, den Mörder zu fassen, ohne zu wissen, dass er sich damit wieder in die Politik hineinziehen lässt. Denn Roger ist nicht der erste Tote, der auf eine ähnliche Weise ermordet wurde. Alles deutet daraufhin, dass jemand versucht, die Heirat von Catherine Parr mit König Henry VIII zu verhindern. Shardlake tritt wieder in die Dienste von Erzbischof Cramner und findet bald heraus, dass die Morde einem Muster folgen, einer Bibelstelle aus der Offenbarung des Johannes. Der Täter ist ihm immer einen Schritt voraus und spielt mit ihm. Shardlake muss hohe Risiken eingehen und schwebt mehr als einmal selbst in Lebensgefahr.
C.J. Sansom gelingt es immer wieder, mich tief in die Welt des London zu Beginn der Neuzeit zu entführen. Das Jahr 1543 bringt viele Änderungen mit sich. Henry VIII will sich zum sechsten Mal verheiraten und wendet sich wieder dem Papismus zu – nur ohne Papst. Die Stadt ist in verschiedene religiöse Lager gespalten und wenn man mit religiösem Eifer auffällt, landet man bestenfalls in der Irrenanstalt Bedlam und schlechtestenfalls auf dem Scheiterhaufen. Sansom beschreibt die Atmosphäre sehr eindringlich, beeindruckend sind insbesondere seine Schilderungen der Zustände in Bedlam und der säkularisierten Klöster sowie die Folgen für Mönche und Laienbrüder. Seine Figuren haben alle eine ausgefeilte Hintergrundstory und springen einem quasi von der Seite entgegen. Der Krimiplot ist ausgereift, die Handlung spannend bis zum Schluß. Ich wusste nicht vor der Auflösung, wer der Täter ist und selbst dann bleibt es spannend. Matthew Shardlake gewinnt hier nochmal an Tiefe und ich fühlte mit diesem Antihelden.
Am Ende dieses Buches wollte ich am Liebsten gleich mit Band 5 anfangen, so sehr hat mich die Geschichte gefangen genommen. Ein Muss für alle Freunde des anspruchsvollen Histokrimis.

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Peter Prange – Der Kinderpapst

steht für spannende, emotionale historische Romane und auch mit seinem neuesten Roman  enttäuscht er seine Leser nicht.
Eingebettet in eine Quasi-Gegenwartshandlung, die 1981 spielt, erzählt er das wechselvolle Leben des Teofilo di Tusculo. Zwölfjährig wird er 1033 zum Papst gewählt, um die Macht seiner Familie zu erhalten. Dafür muss er alle Zukunftspläne aufgeben, er wollte schon von Kindesbeinen an seine Cousine Chiara di Sasso heiraten. Seiner großen Liebe beraubt, schlittert er immer mehr in Mord, Erpressung und Hurerei hinein. Seine Amtszeit als Benedikt IX. geht als eine der grausamsten in die Geschichte ein. Kann er trotzdem Gottes Werk getan haben?
erklärt im Nachwort, welche Personen historische Vorbilder haben und spätestens hier wird deutlich, wie genial er wieder Fakten und Fiktion verwebt. Er erzählt eine unglaublich spannende Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, aber erst durch seine Figuren zum Leben erwacht. Teofilo und Chiara sind zwei sehr lebensnahe Figuren, wie überhaupt alle Figuren direkt aus dem Leben entsprungen sein könnten. Sie handeln, wie Meschen handeln, aus Liebe, aus Ehrgeiz, aus Gier, aus Verzweiflung. Sie entwickeln sich, nicht immer zum Guten, aber immer nachvollziehbar. Auch seine Schilderung des mittelalterlichen Roms sprüht nur so vor Lebendigkeit. er zeichnet ein buntes Bild einer Stadt in Armut und Not, aber auch einer feiernden, einer ehrfürchtigen, einer ängstlichen Stadt. Er bringt dem Leser Rituale der katholischen Kirche näher, die schon seit Jahrhunderten vollzogen werden und auch heute noch Bestand haben. Dadurch regt er zum Nachdenken an, ohne polemisch zu werden oder die Gefühle von gläubigen Katholiken zu verletzen.
Ein gelungener Roman über einen interessanten Menschen in einer spannenden Zeit.

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Liv Winterberg – Sehet die Sünder

Seit ihrem Debüt Vom anderen Ende der Welt ist den Liebhabern des historischen Genres ein Begriff. Mit ihrem zweiten Roman zeigt sie nun, dass der Erfolg keine Eintagsfliege war.
im 15. Jahrhundert. Die Bewohner des Dorfes Saint Mourelles bilden eine gute Gemeinschaft und können sich über ihren Lehnsherren, Baron de Troyenne, nicht beklagen. Das ändert sich schlagartig, als die ersten Kinder aus dem Dorf verschwinden. Avel, ein Junge mit dem Gemüt eines vierjährigen Kindes, wird verdächtigt. Als aber auch er tot aufgefunden wird, ist klar, dass der Mörder woanders zu suchen ist. Der alte Pfarrer versucht die Dorfgemeinschaft zusammen zu halten, aber sie zerbricht immer mehr. Misstrauen und Angst bestimmen den Alltag. Derweil ist auf Schloss Troyenne auch nicht alles Gold, was glänzt. Der Baron ist verschwendungsüchtig, seine Frau entfremdet sich immer mehr von ihm. Als das Leben dort für sie unerträglich wird, flüchtet sie auf einen kleinen Landsitz in der Auvergne. Aber auch dort kann sie sich dem Einfluss ihres Mannes nicht entziehen. Es kommt zu immer weiteren Morden und am Ende erkennen die Dörfler, dass sie nur wieder in Frieden Leben können, wenn sie zusammenstehen.
erzählt die Geschichte in zwei Strängen, die Geschichte der Dorfgemeinschaft und die Geschichte des Barons. Beide sind sehr lebendig, mit gut gezeichneten Figuren, die interessante Entwicklungen durchleben. Ich konnte sehr gut eintauchen in die Geschichte, die Gegensätze zwischen den beiden Welten, hier Lehnsherr, dort Bauern, wird sehr deutlich gemacht. In den kleinen Details erkennt man, das die Fakten gut recherchiert und ausgezeichnet aufbereitet sind. Die Autorin hat einen schönen Stil, ich war nur etwas irritiert, als mitten im Geschehen plötzlich zwei, drei Sätze aus der Ich-Perspektive des Bauern Mathis auftauchten. Die Handlung ist spannend, ich wusste bis zum Ende nicht, wer der Mörder ist.
Ein spannender Roman mit viel lebendigem Geschichtshintergrund.

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Lesung Ulf Schiewe, 11.01.2013, Galerie49

Lesung Ulf Schiewe Ich habe ja schon einige ungewöhnliche Lesungsorte, vor allem im Rahmen der Leipziger Buchmesse erlebt, aber die Vernissage einer Ausstellung war noch nicht dabei.

Drei Zimmer einer Altbauwohnung in Schwabing umfassen die Räume der in der Agnesstraße 49 in München-Schwabing. Diese waren bis zum Bersten mit Zuhörern gefüllt, es wurden Stühle ohne Ende herangeschleppt und trotzdem reichten sie nicht für die große Zahl der Zuschauer. las dann schließlich in der Mitte der Zimmerflucht, stehend, weil einfach keine Sitzgelegenheit mehr frei war. Er begann mit einer kleinen Einführung in seine Trilogie, stellte jeden Band kurz vor und ging dann ausführlich auf ein. Er las die erste Szene, in der Ermengarda in ihrer Kammer erwacht und sich fragt, wo zum Teufel denn Edessa eigentlich liege.

Diese Frage beantwortete er ebenso wie diejenigen zu Bernard de Clairvaux, dessen erste Unterredung mit Ermengarda er sich in der nächsten Szene widmete. Dazwischen gab es immer wieder mit einer Präsentation unterstütze Information zum Roman und den einzelnen Figuren. So erzählte Ulf seinen Zuhörern, dass er sich gerne konkrete Gesichter zu seinen Figuren vorstelle, so komme Arnaut das Bildnis von Sebastian del Piombo Junger Mann in Rüstung und Ermengarda einem Portrait der Beatrice d’Este von Leonardo da Vinci nahe.

Als letztes las er noch eine Szene von der Überfahrt und der Ankunft von Arnaut in Outremer. Hier bekam man einen schönen Eindruck von der Dimension eines Kreuzfahrerheers. Im Anschluss konnte man bei Wein und Käse noch mit Ulf über seine Romane diskutieren oder mit der Künstlerin Ursula Fuchs über ihre Werke sprechen. Ein sehr interessanter Abend!

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Ulf Schiewe – Die Hure Babylon

Auch in seinem dritten historischen Roman gelingt es wieder, den Schrecken und die Faszination des Mittelalters erlebbar zu machen.
Wie schon in Der Bastard von Tolosa und Die Comtessa steht eines der Mitglieder der Familie Montalban im Mittelpunkt der Geschichte. Hier ist es wieder Arnaut, der mittlerweile mit Ermengarda in wilder Ehe lebt. Nach einem Schicksalschlag kommen Arnaut Zweifel an seinem Lebensstil. Als er quasi gezwungen wird, am zweiten Kreuzzug unter König Louis von Frankreich teilzunehmen, sieht er das als willkommene Chance, sich von seinen “Sünden” reinzuwaschen. Dies wurden denen, die das Kreuz nahmen, von Predigern wie Bernard von Clairvaux in Aussicht gestellt.In immer neuen Situationen muss er sich bewähren, gewinnt und verliert Kameraden und geliebte Menschen und will am Ende doch nur zu seiner Ermengarda zurück. Dass hier auf ein klassisches Happy End verzichtet hat, macht die Handlung umso glaubwürdiger.
Er erzählt seine Geschichte mit gewaltigen Bildern und ist dabei immer nah am Menschen. Wir schauen zusammen mit Arnaut in nicht nur einer Schlacht dem Tod ins Auge, spüren seine immer größer werdende Verzweiflung. Dabei lässt seine Leser in menschliche Abgründe blicken, er beschönigt nichts, überfordert seine Leser aber auch nicht mit allzu detaillierten Beschreibungen. Ich bin eher zartbesaitet und hatte mit seinen Schlachtenbeschreibungen keine Probleme. Er erfindet hier nichts, sondern kleidet die verbriefte Geschichte in ein neues Gewand. Sein Erzählstil ist einzigartig, er verpackt in klaren Sätzen viele Details und Differenziertheiten. Die Handlung wird stringent erzählt, ich konnte so richtig eintauchen und und Arnaut und Ermengarda auf ihrem Weg begleiten.
Wer gut recherchierte, gut geschriebene Romane mit interessantem und detailreichen geschichtlichen Hintergrund mag, wird an nicht vorbeikommen.

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Nicole C. Vosseler – Das Herz der Feuerinsel

Nicole C. Vosselers Roman verlangt den Protagonisten und Lesern viel ab, verbirgt sich hinter dem netten Cover doch eine emotional fordernde und spannende Geschichte.

Jacobina und Floortje haben augenscheinlich wenig gemeinsam, als sie sich 1882 auf einem Schiff kennenlernen, das sie von den Niederlanden nach Batavia bringt. Jacobina, die wohlerzogene Tochter aus vornehmen Hause, die eine Gouvernantenstelle antreten wird, um damit der Enge der Familie zu entfliehen. Floortje, die ihre einfache Herkunft verheimlicht und es sich in den Kopf gesetzt hat, einen reichen Pflanzer zu heiraten. Zaghaft schließen die beiden Frauen Freundschaft, verlieren sich jedoch bald nach der Ankunft wieder aus den Augen. Scheint Batavia anfangs noch ein Paradies zu sein, offenbart es nach und nach sein wahres Gesicht. In der Hölle des Vulkanausbruchs treffen die beiden Frauen wieder aufeinander und schmieden ein festes Band der Freundschaft.

erweckt zum Leben, wovon sie schreibt, seien es die Figuren, die Landschaften, die historischen Hintergründe, hier ist alles vierdimensional mit dem Geruch als vierter Dimension. Denn ich konnte sie riechen, die salzige Seeluft, an einem scharfen Curry schnuppern, den beißenden Qualm in den Lungen spüren. Es ist eine dunkle Geschichte, die sie erzählt, schonungslos setzt sie den Leser der dunklen Seite des Paradieses aus: Prostitution, Rassismus, Gewalt. Aber wenn ein Kind lacht, zeigt sich die friedliche und sonnige Seite, wenn die Freundinnen zusammen Einkaufen gehen oder zusammen Tee trinken. Nicht nur die Insel hat zwei Seiten, auch die Figuren sind wie aus dem Leben gegriffen und haben ihre Ecken und Kanten. Nicht jeder Böse ist nur böse und nicht jeder Gute ist nur gut. Das verleiht den Personen bis hin zu den Nebenfiguren Tiefe und Lebendigkeit. Die historischen Hintergründe sind, wie immer bei , ausgezeichnet recherchiert und in die Handlung gewoben, so dass sich der Film im Kopf sehr wirklich anfühlt. Manchmal hätte ich allerdings gerne die Augen geschlossen, um nicht mit ansehen zu müssen, was passiert und die Ereignisse, die den beiden Frauen widerfahren, gingen mehr als einmal an meine persönliche Schmerzgrenze und ich habe mit Jacobina und Floortje mitgelitten. Ich habe noch lange nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, an die beiden denken müssen.

Ein bewegender und lange nachwirkender Roman, danke Nicole für diese intensiven Lesestunden!

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Tereza Vanek – Die Ketzerin von Carcassonne

Mit ist zum wiederholten Mal ein Roman gelungen, der lebendige Historie mit interessanten Charakteren und einer spannenden Geschichte verbindet.

Ein Kloster in Köln im 13. Jahrhundert. Adelind und Hildegard sind Zwillingsschwestern, aber sehr unterschiedlich im Aussehen und Charakter. Während Hildegard wunderschön ist, aber sich schlecht durchsetzen kann, ist Adelind die tatkräftigere von beiden, die immer eine schützende Hand über die Schwester hält. Nachdem Hildegard nach einer Vergewaltigung schwanger wird, muss sie das Kloster verlassen und Adelind folgt ihr heimlich. Sie schließen sich fahrenden Gauklern an und gelangen mit ihnen schließlich nach Dun in ein Haus der Katharer. Adelind hat sich in Peyres, den Anführer der Gaukler verliebt und möchte mit ihm weiterziehen. Ihrer Schwester zuliebe bleibt sie aber bei den Katharern und wird sogar eine Perfach, das höchste Amt, das man innerhalb dieser Religionsgemeinschaft erreichen kann. Die Angriffe auf die Katharer häufen sich, Peyres möchte die Schwestern in Sicherheit bringen und Adelind muss sich schließlich zwischen einem Leben mit ihm und einem Leben mit den Katharern entscheiden.

gelingt es immer wieder, interessante Fakten so in ihre Romane einzubauen, dass man gar nicht merkt, wie man nebenbei auch noch dazulernt. in diesem Fall ist das Wissen besonders weit gefächert, vom Leben im Kloster über Gaukler im 13. Jahrhundert zu den Katharern. Die Autorin recherchiert wohl sehr intensiv und kann ihre Ergebnisse auch sehr gut in den Roman einfließen lassen. Besonders die Geschichte der Katharer ist sehr intensiv verarbeitet und bringt einem diese Religionsgemeinschaft, die so brutal durch die katholische Kirche aufgelöst wurde, näher. Die Figuren sind sehr fein gezeichnet und nicht alle sind liebenswert, aber nie schwarz-weiß. So mochte ich Hildegard zum Beispiel überhaupt nicht, habe sie aber letztendlich für ihren Mut bewundert. Die Geschichte ist spannend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Protagonisten sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich konnte mich nur schwer von ihnen verabschieden.

Ein spannendes Lesevergnügen mit Tiefgang!

 

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P.D. James – Death Comes to Pemberley

Wie fühlt es sich an, wenn man sich mit 90 Jahren einen Lebenstraum erfüllen kann? weiß es. Die Grande Dame des britischen Krimis und -Verehrerin hat in Zeiten, wo gruselige Fanfiction wie Fifty Shades of Grey rasenden Absatz findet, eine Art Krimi-Fortsetzung zu geschrieben, die sich hinter dem Original nicht zu verstecken braucht.

Gleich zu Beginn entschuldigt sich Mrs James bei dafür, dass sie ihre Figuren in so etwas Unangenehmes wie eine Mordermittlung hineingezogen hat, Miss Austen hatte wohl ziemlich strenge Ansichten, was dererlei Dinge betraf. Ich glaube aber trotzdem, dass ihr Death Comes to Pemberley gefallen hätte. Elizabeth und Darcy leben in Pemberley im Jahre 1803, sie sind seit sechs Jahren glücklich verheiratet und haben zwei entzückende Söhne. Die Vorbereitung für den großen Herbstball sind in vollem Gange, als die jüngste der fünf Bennet-Schwestern Lydia in einer stürmischen Nacht mit einer Kutsche heranrast und zusammenbricht, weil sie der Meinung ist, ihr Mann wäre ermordet worden. Es war dann doch nicht Wickham, sondern ein Freund von ihm, der getötet wurde, und Wickham steht nun selbst unter Mordverdacht. Um seinen Ruf und vor allem seine Schwester Georgiana zu beschützen, muss Darcy alles daran setzen, diesen Mord aufzuklären.

gelingt es hervorragend, nicht nur den Stil von beizubehalten, sondern auch die Charaktere so weiterzuentwickeln, dass sie auch in einen Roman der ursprünglichen Autorin passen würden. Der Tonfall ist zwar etwas ernster hier, aber Elizabeth und Darcy haben ja schließlich auch schon zueinander gefunden und müssen nicht mehr mit spitzer Zunge darüber hinwegtäuschen, was sie eigentlich füreinander empfinden. Es gibt viele clevere Verbindungen zu , die einen dazu animieren, auch diesen Roman noch einmal zu lesen. Der Kriminalfall ist spannend, auch wenn ich mir schon sehr früh über die Mordwaffe klar war, war die Auflösung dann doch eine Überraschung für mich.

Eine wundervolle und spannende Hommage an von einer Meisterin ihres Fachs.

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