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Adventskalender 2017 Tag 9: Elke Pistor – Makrönchen, Mord und Mandelduft

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Annemie Engel liebt drei Dinge in ihrem Leben: Schlager, ihren Kater Belmondo und ihren Beruf als Konditorin. Andere Menschen hingegen mag sie gar nicht. Am liebsten bleibt sie in ihre Backstube und backt Kuchen, Torten und vor allem Plätzchen, die ihr Bruder Harald auf dem Weihnachtsmarkt verkauft. Doch als dieser kurz vor Weihnachten bei einer Explosion schwer verletzt und obendrein des Mordes verdächtigt wird, gerät ihre heile Welt aus den Fugen. Um ein altes Versprechen einzulösen, begibt sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Dabei ahnt sie nicht, welche Gefahren hinter den friedliche Kulissen des Niedelsinger Weihnachtsmarktes auf sie lauern.

Ich mag die Krimis von Elke Pistor ja sehr, sie haben unaufdringlichen Lokalkolorit, aber der Mensch steht immer im Vordergrund. In diesem Fall ist es Annemie, jenseits der sechzig, verbittert, menschenscheu, unfähig, echte Bindungen einzugehen. Selbst mit ihrem jüngeren Bruder, der den sie nach dem frühen Tod der Eltern verantwortlich war, kommuniziert sie nur über Zettel. Als dieser aber schwer verletzt wird, muss sie sich entscheiden, ob ihr das Schneckenhaus ihrer Backstube wichtiger ist als ihre Familie. Eine warmherzige Geschichte, die den Leser mit dem unbedingten Wunsch zurücklässt, einmal den Geruch in Annemies Backstube zu genießen. Im Anhang finden sich jede Menge Plätzchenrezepte, so dass das Buch perfekt in die Vorweihnachtszeit passt. Wer bis jetzt noch keine gebacken hat, will das nach der Lektüre dieses Buches bestimmt nachholen.

Elke Pistor, Jahrgang 1967, studierte Pädagogik und Psychologie. Seit 2009 ist sie als Autorin, Publizistin und Medien-Dozentin tätig. 2014 wurde sie für ihre Arbeit mit dem Töwerland-Stipendium ausgezeichnet und 2015 für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie »Kurzkrimi« nominiert. Elke Pistor lebt mit ihrer Familie in Köln.(Quelle emons)

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Frisch eingetroffen: Elke Pistor – 111 Katzen die man kennen muss

Kennen Sie Hodge? Wissen Sie, wessen Katze ihren Besitzer zur Erfindung der Katzentür inspirierte? Möchten Sie erfahren, wie Snowball einen Mörder überführte? Welche Katze die Staatsgeschäfte lenkte, eine Stadt lahmlegte oder ganz allein eine ganze Vogelart ausrottete? 111 Geschichten um herausragende Katzenpersönlichkeiten, die Sie unbedingt kennen sollten. Sie werden staunen, lächeln und vielleicht schmunzelnd den Kopf schütteln. Ganz genau so, wie Sie es vom Umgang mit den samtpfotigen Hauptdarstellern gewohnt sind.

Elke Pistor, Jahrgang 1967, ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen. Nach dem Abitur in Schleiden zog es sie zum Studium nach Köln, wo sie nach einem Zwischenstopp am Niederrhein bis heute lebt. Sie arbeitet als freie Seminartrainerin in der Erwachsenenbildung und leitet Schreibworkshops. 2014 erhält Elke Pistor das Töwerland-Stipendium.

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Elke Pistor – Treuetat

Kommissarin Verena Irlenbusch kümmert sich um ihre an Alzheimer erkrankte Großmutter, als ihr Dokumente über die Nazivergangenheit ihres Großvaters in die Hände fallen. Sie ist geschockt und stellt sich ganz neue Fragen zu ihrer Familiengeschichte. Gleichzeitig ermittelt sie mit ihrem Kollegen Christoph Todt in drei scheinbar miteinander verbundenen Mordfällen. Die beiden stehen vor einem Rätsel, dessen Lösung sie an neue Grenzen bringt: Wer ist in diesem Spiel Opfer und wer Täter?

Mit Spannung erwartete ich den zweiten Teil der Reihe um die interessanten Ermittler Verena Irlenbusch und Christoph Todt und Elke Pistor erfüllte wieder meine Erwartungen.

Aus dem dem Ermittler-Duo wurde diesmal ein Trio, denn Leonie Ritte ist zurück und muss sich nun mit ihren beiden Kollegen zusammenraufen, die selbst noch kein eingespieltes Team sind. Der Autorin gelingt es sehr gut, das Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie, Freunden, Nachbarn und Kollegen darzustellen. Ermittler sind Menschen wie Du und ich, mit den gleichen Sorgen und Nöten wie ein normaler Mensch und keine Überflieger, wie uns die Vorabendserien in der Glotze gerne weißmachen.

In genau dieses Spannungsfeld fallen drei Morde, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenhängen. Nach gründlichen Recherchen des Ermittlertrios offenbart sich ein Geheimnis, dessen Wurzeln in der Vergangenheit liegen und das die Handlungen der Gegenwart bestimmt.

Elke Pistors Stärke liegt in den Figuren, die so lebendig sind, deren Handlungen stimmig und nachvollziehbar sind. Dabei vernachlässigt sie aber auch die Krimihandlung nicht, sie erhält den Spannungsbogen über den gesamten Roman aufrecht und löst am Ende geschickt auf. Fragen bleiben nur im Privatleben der Protagonisten offen, mit dem Potenzial für einen dritten Band der Reihe, den ich auch wieder gerne lesen werde.

Wer Wert auf lebensnahe Figuren legt, ist hier auf jeden Fall richtig.

Hier geht es zu einer Leseprobe.

© Barbara Hentschel / H-Phase Media

Vita der Autorin:

In Gemünd in der Eifel aufgewachsen, geprägt und der Region bis heute eng verbunden. Abitur in Schleiden. Studium der Pädagogik und Psychologie in Köln.
Nach kurzem Stopp am Niederrhein lebt sie heute in Köln, arbeitet als Autorin und Publizistin.
Seit 2009 mordet sie sich mit dem größten Vergnügen in schriftlicher Kurz- und Langform quer durch alle Gesellschaftsschichten, Personenkreise und Landschaften.
2014 wurde sie zur Sprecherin des SYNDIKATs, der Autorenvereinigung deutschsprachige Kriminalliteratur, gewählt.

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© Barbara Hentschel / H-Phase Media

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Hier geht es zu einer Leseprobe.

Vita der Autorin:

In Gemünd in der Eifel aufgewachsen, geprägt und der Region bis heute eng verbunden. Abitur in Schleiden. Studium der Pädagogik und Psychologie in Köln.
Nach kurzem Stopp am Niederrhein lebt sie heute in Köln, arbeitet als Autorin und Publizistin.
Seit 2009 mordet sie sich mit dem größten Vergnügen in schriftlicher Kurz- und Langform quer durch alle Gesellschaftsschichten, Personenkreise und Landschaften.
2014 wurde sie zur Sprecherin des SYNDIKATs, der Autorenvereinigung deutschsprachige Kriminalliteratur, gewählt.

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Vorankündigung: Elke Pistor – Vergessen

Smart, cool und sensibel – Verena Irlenbusch ist der neue Star am Ermittlerhimmel

Kommissarin Verena Irlenbusch steht unter Druck: Während sie einen hochintelligenten Psychopathen jagt, verschlimmert sich die Alzheimererkrankung ihrer Großmutter. Außerdem wurde ihr der schlechtgelaunte Kollege Christoph Todt an die Seite gestellt, dem sie jede Information aus der Nase ziehen muss. Doch Verena bleibt liebevolle Enkelin und professionelle Ermittlerin – auch wenn es sie fast zerreißt. Als sie schließlich auf die Spur des Mörders kommt, verfängt sich Verena in ein Netz aus lang vergessener Schuld und neuem Hass. Wird sie diesen Fall heil überstehen?

 

 

Am 8.8. erscheint der neue Krimi eine meiner Lieblingsautorinnen: Vergessen von Elke Pistor. Worum es geht, erzählt sie in einem kurzen Video-Interview.

Zum Start könnt ihr hier auf Nachtgedanken zwei signierte Exemplare des Romans gewinnen. Einfach bis 15.8. hier oder bei Facebook kommentieren, warum ihr Vergessen lesen möchtet. Die Verlosung folgt dann am 16.8.

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Elke Pistor – Kraut und Rübchen

Elke Pistor ist Krimifans nicht unbekannt. Ihre Eifelkrimis, zuletzt Eifler Zorn aus der Reihe um die Kommissarin Ina Weinz, punkten vor allem mit einer dichten Atmosphäre, die den Leser das Buch praktisch nicht aus der Hand legen lassen. Der Landkrimi Kraut und Rübchen, der nicht zu dieser Reihe gehört, zeigt die gleichen Qualitäten.
Katharina Rübchen erbt das Haus ihrer Tante Marion Irgendwo im Nirgendwo. Nirgendwo hat 900 Einwohner und einen sehr attraktiven Tierarzt. Schon am ersten Tag ihres Aufenthalts findet Katharina das Tagebuch einer Urahnin, das diese als Mörderin ausweist, immer im Dienste der guten Sache. Die Dorfbewohner scheinen ein Geheimnis zu hüten, das möglicherweise mit den Handlungen ihrer Urahnin in Zusammenhang steht. Katharina muss sich dem stellen oder zurück in die Stadt gehen.
Wie immer verwendet Elke Pistor große Sorgfalt auf die Ausarbeitung ihrer Protagonisten. Katharina, der Tierarzt, die Frauen im Dorf, selbst Hilda, die der Leser nur durch die Tagebucheinträge kennt, sind lebendige, atmende Menschen, die direkt nebenan wohnen könnten – sofern man etwas ländlicher lebt. Dadurch lebt auch die Geschichte, die den Spannungsbogen vom ersten Betreten des Hauses ihrer verstorbenen Tante Marion bis zum doch etwas überraschenden Schluss hält, auch wenn es aktuell keine Leiche gibt. Zumindest in der Gegenwart. Dieses Spiel mit der Vergangenheit beherrscht Elke Pistor perfekt, sie zeigt, wie die Vergangenheit die Gegenwart und auch die Zukunft beeinflussen können.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil die Verwebung von Vergangenheit und Gegenwart eine unglaubliche Sogwirkung entfalteten. Eigentlich hätte ich mir mehr Zeit nehmen müssen, um die Handlung richtig zu genießen, aber ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Last but not least kommt dieser Krimi in einer wunderschönen Ausstattung. Die Klappbroschur zeigt eine Tapete des 19. Jahrhunderts, jedem Kapitel ist eine Pflanze zugeordnet und sehr schön damit illustriert, am Ende gibt es die Rezepte der im Buch erwähnten Speisen und Getränke, die sofort Lust zum Ausprobieren machen. Und eines wird im Laufe des Buches klar: eine Pflanze kann ein Heilmittel oder ein Mordinstrument sein. Es kommt nur auf die Dosis an.

Elke Pistor, Jahrgang 1967, ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen. Nach dem Abitur in Schleiden zog es sie zum Studium nach Köln. Hier lebt sie mit ihrer Familie und arbeitet als Autorin und Publizistin.
 

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Krimiautorin Elke Pistor verlost Benefizlesung

Was macht man, wenn sich herausstellt, dass die eigene Urahnin eine Serienmörderin war? Noch dazu eine, die sich aufgrund der sorgsamen Auswahl ihrer Opfer allergrößter Beliebtheit erfreute? Als Journalistin Katharina Rübchen auf dem geerbten Familienbauernhof in Kleinhaulmbach alte Aufzeichnungen findet, stellen sich einige Probleme: Die Dörfler bangen um lange gewahrte Geheimnisse, ihr Chefredakteur drängt auf die große Story, und die hofeigene anarchistische Ziegenherde macht, was sie will. Und dann ist da noch dieser Tierarzt, der deutlich mehr Interesse an Katharina als an ihren vierbeinigen Mitbewohnern hat.

Pünktlich zum Erscheinungstermin ihres neuen Krimis Kraut und Rübchen verlost die Krimiautorin Elke Pistor eine Benefizlesung. Ich würde damit den Luzia Sonnenkinder e.V. – Hand in Hand für Kinder mit Behinderung in Oberschleißheim unterstützen, der unter anderem Reittherapien für Kinder mit Behinderung kostenlos zur Verfügung stellt.

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Elke Pistor – Eifler Zorn

Bereits mit den zwei ersten Romanen um die Polizistin Ina Weinz Gemünder Blut und Luftkurmord zeigte Elke Pistor ein besonderes Talent zur Figurenzeichnung. Ihr nun vorliegender dritter Roman der Reihe, Eifler Zorn, zeichnet sich wieder durch eine besonders intensive Nähe zu den Protagonisten aus.

Auch hier arbeitet die Autorin mit verschiedenen Zeitebenen, die sie geschickt verwebt. Ein Teil spielt in Gemünd Anfang des 20. Jahrhunderts und sie beschreibt die damaligen Verhältnisse in einem Erziehungs- und Ausbildungshaus für Jungen akkurat, aber nie voyeuristisch. Der Leser nimmt teil am Leben dieser Jungen, die teils aus nichtigen Gründen aus ihren Familien gerissen wurden und hier mit Drill und Strenge bis hin zur Brutalität zu guten kaisertreuen Untertanen erzogen werden sollen. Paul ist ein intelligenter Junge, der in dieses Leben hinein katapultiert wird und vor die Wahl gestellt wird, sich opportunistisch zu verhalten oder seine Lebensträume zu begraben.

Wie weit geht ein Mensch um sich selbst und die, die er liebt, zu schützen und wie wirken seine Handlungen auch noch nach Jahrzehnten nach? Diesen Fragen geht Elke Pistor auch im zweiten Erzählstrang nach. Dieser ist in der Gegenwart angesiedelt. In einem Abrissgebäude in Gemünd wird eine Leiche gefunden, die dort möglicherweise schon länger liegt. Ihr fehlen beide Hände. Ina Weinz, die sich mittlerweile als Streifenpolizistin ganz gut eingelebt hat, zieht die Kripo Bonn hinzu. Auch die ermittelnden Kollegen sind keine Unbekannten, Judith, deren Mentorin sie einst war und die jetzt eine steile Karriere gemacht hat, und Sauerbier, der kurz vor der Pensionierung steht, müssen ihre Kompetenzstreitigkeiten hintanstellen, um noch einen weiteren Mord zu klären, der Parallelen zum ersten Fall  hat.

Die Ereignisse werde teilweise aus Ina Weinz’ Sicht in der Ich-Perspektive erlebt, was eine ganz besonders Nähe zu diesem interessanten Charakter schafft. Nicht nur die Schwierigkeiten bei den Ermittlungen werden deutlich, sondern auch das Privatleben der Polizistin, das sich letztendlich nur schwer vom dienstlichen trennen lässt, wird sehr eindringlich geschildert. Sie muss mit einer veränderten Lebenssituation zu Recht kommen, die sicher so manchen überfordern würde. Ina, die schon damit abgeschlossen hatte, kinderlos zu bleiben, hat die Verantwortung für eine pubertierende Dreizehnjährige übernehmen müssen und findet sich nun auf einmal in der Rolle der alleinerziehenden berufstätigen Mutter wieder.

Neben einer Handlung, die ihre Spannung auch, aber nicht nur, aus den beiden scheinbar gegensätzlichen Erzählsträngen bezieht, ist es vor allem die Figurenzeichnung, die diesen Krimi zu etwas Besonderem macht. Jede der handelnden Figuren sieht sich irgendwann einmal mit einer Grenze konfrontiert, an der sie sich entscheiden muss, ob sie sie überschreitet oder im schlimmsten Fall zu Grunde geht. Das geht unter die Haut und bringt den Leser emotional sehr nah an die Figuren.

Auch ohne großes Blutvergießen und Gemetzel ist Eifler Zorn ein spannender Roman, der tief in die menschliche Seele blicken lässt.

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Wohnzimmerlesung mit Elke Pistor zu gewinnen

Du hast einen eigenen Blog? Du magst Krimis und ganz besonders Elke Pistor? Du wolltest schon immer in Deinem Wohnzimmer eine Lesung veranstalten? Dann nix wie eine Mail mit dem Link zu Deinem Blog an buecher (at) elke-pistor. de und gewinnen!

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Interview mit Elke Pistor

Elke Pistor Liebe Elke, herzlichen Dank, dass du dich bereit erklärt hast zu einem Interview auf dem Blog „Nacht-Gedanken“. Stellst du dich uns kurz vor?

Mein Name ist Elke Pistor, ich bin Krimiautorin, und zurzeit bin ich auf der Criminale im Hochsauerlandkreis, wo alle Krimiautoren zusammengekommen sind, um ein großes Krimifestival zu feiern.

 

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Durch einen Zufall. Ich habe, als ich 40 Jahre alt wurde, mir überlegt, dass ich gerne ein neues Hobby hätte. Ich habe geschwankt zwischen einem Schwedischkurs, weil mein Mann Schwede ist, damit ich endlich richtig Schwedisch lernen kann, und einem Kurs in kreativem Schreiben. Ich habe mich dann für das kreative Schreiben entschieden, und aus dem ursprünglich geplanten Hobby ist mittlerweile mein Beruf geworden.

 

Wie findest du deine Geschichten – oder finden sie dich?

Die Auslöser für die Geschichten finden mich. Zum Beispiel für das neue Buch, an dem ich gerade arbeite: Es wird Eifler Zorn heißen und im Herbst erscheinen. Dazu ist mir die Idee gekommen, als ich in Gemünd, dem Ort, in dem der Krimi spielt, eine Straße entlang gefahren bin und aus dem Augenwinkel gesehen habe, wie ein Haus abgerissen wurde, das ich schon seit meiner Kindheit kannte. Dieses Haus war ein sehr imposantes Herrenhaus, und ich wusste durch Zufall, wie der Keller aussah, und habe gedacht: „Das ist ganz klasse, da finden die jetzt eine Leiche.“ Diese Idee kam mir im Vorbeifahren mit 50 km/h, und aus dieser Idee hat sich dann über die Recherche, die sehr erstaunliche und für mich als Gemünderin sehr erschreckende Sachen zu Tage gefördert hat, langsam die Idee zu dem Buch entwickelt. Danach ist die Plot-Arbeit eine strukturierte Arbeit. Aber der Impuls kam aus diesem Augenwinkel-Augenblick des Vorbeifahrens.

 

Sitzen deine Figuren am Frühstückstisch?

Nein. Am Frühstückstisch sitzt meine Familie, und die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe, die gehört auch meiner Familie. Aber sobald alle aus dem Haus sind, kommen auf einmal die Figuren und bevölkern unser Haus. Allerdings ist es auch so, dass ich dann nicht irgendwo sitze und auf die Muse warte, sondern ich bin jemand, der an den Schreibtisch geht, den Computer anschaltet und ganz normal wie in einem Bürojob erst mal die Kleinigkeiten erledigt. Als nächstes mache ich mich an die Überarbeitung von Szenen, die ich am Tag vorher geschrieben habe, und danach an die neuen Szenen.

 

Haben deine Figuren ein Eigenleben?

Manchmal hätten sie gerne, aber ich lasse sie nicht. – Also, sie haben insofern ein Eigenleben, weil vor allen Dingen meine Serienfiguren, Ina Weinz, und auch ihr – wie soll ich das ausdrücken – ihr „mal mehr, mal weniger“-Freund, der Förster Steffen Ettelscheid, in meinem Kopf mittlerweile so stark vertreten sind, als ob es sie wirklich geben würde. Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, muss ich mir klarmachen: Moment, die gibt es ja gar nicht wirklich. Weil ich sie so in ihren Tiefen und ihren Ecken und Kanten mittlerweile kenne, dass sie für mich sehr plastisch sind. Das versuche ich rüberzubringen. Und dann passieren solche Sachen, dass zum Beispiel in einer Szene, die ich eigentlich geplant habe, die ich von der Dramaturgie her strukturiert habe, auf einmal aus dieser Persönlichkeit und aus dem Charakter heraus irgendetwas passiert, bei dem ich denke: O ja, das passt. Lass das mal jetzt so laufen. Und guck mal, wie sich das entwickelt. An dem Punkt haben sie natürlich ein Eigenleben, aber nicht so, dass sie mir völlig davongaloppieren, sondern in diesen persönlichen Eigenheiten. Dann ja.

 

Wie viel von dir steckt in Ina Weinz?

Eine von mir sehr geschätzte Kollegin hat gesagt: „Natürlich steckt eigentlich alles von uns in unseren Figuren, weil sie ja durch unsere Köpfe auf die Welt kommen.“ Aber es ist schon so, dass man ganz bewusst Sachen ganz anders macht. Natürlich ist es meine Sicht auf die Welt, die ich zwar versuche, durch die Augen meiner Figuren zu sehen, aber so, dass ich sage: Die ist wie ich, oder: Die reagiert jetzt so wie ich in dieser Situation reagieren würde – das ist nicht so. Allerdings, hat meine Ina Weinz zwei Sachen mir gemeinsam: Das eine ist die Liebe zu Strickjacken jeglicher Art – ich habe auch jetzt wieder eine an (lacht) – und die Liebe zu Katzen. Und das arbeite ich hemmungslos in die Bücher ein.

 

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Der Schreibrhythmus richtet sich nach unserem Tagesrhythmus. Das heißt, wenn meine Familie morgens aus dem Haus ist, habe ich die Möglichkeit, einen Acht-Stunden-Arbeitstag zu machen, und den nutze ich auch. Wobei ich nicht acht Stunden am Stück schreibe, sondern als Autor muss man ja viele Sachen machen: Lesungen akquirieren, Pressearbeit machen, Interviews führen (lacht). Die Schreibarbeit selber nimmt ungefähr die Hälfte des Tages ein. Beziehungsweise, es gibt auch immer wieder Tage, an denen ich recherchiere und unterwegs ist. Das macht mir besonders Spass, wenn ich zu bestimmten Themen ganz tief in die Materie einsteigen kann. Oft passiert es mir allerdings, dass mir das dann entgleitet, weil ich so fasziniert bin von dem Thema, von Hölzchen auf Stöckchen und immer weiter, und immer mehr, und ich nachher unheimlich viel weiß über ein bestimmtes Wissensgebiet, das im Buch später vielleicht auf einer halben Seite vorkommt. Das erfordert etwas Disziplin, vor allen Dingen, wenn man einen Abgabetermin im Rücken hat, zu sagen: „So, jetzt tu das weg und schreib weiter!“ Aber es ist natürlich auch sehr inspirierend. Je mehr Ahnung man hat von einer Sache, umso besser kann man auch darüber schreiben, und umso mehr fällt mir dann auch ein, was ich damit machen könnte.

 

Und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Mich hinsetzen und trotzdem schreiben. Also, zu warten, dass einen die Muse küsst, das geht nicht, wenn man als professioneller Autor arbeitet. – Gut, reinkommen klappt bei mir immer dadurch, dass ich die Szenen, die ich am Vortag geschrieben habe, überarbeite. Das ist eigentlich immer der Einstieg. Wenn ich das Gefühl habe, es geht gar nichts heute, fange ich an und gehe ganz strukturiert vor, arbeite streng nach dramaturgischen Regeln. Ich gucke mir dann an: Was brauchst du für die Szene, wo gehst du rein, wo gehst du raus, was soll da passieren, was ist das Ziel der Szene? Was hat die Protagonistin für ein Ziel in der Szene? Wenn ich an diesem Gerüst drehe und schraube, kommt auch oft eine Inspiration, wie ich das Ganze in ein lebendiges Bild packe.

 

Wie und wo schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen dazu?

Ich brauche Ruhe, ganz wichtig. Ich kann gar nicht, wenn es um mich herum laut ist. Ich schreibe in den meisten Fällen an meinem Schreibtisch. Ich bin niemand, der mit dem Laptop in Cafes zieht oder sich in den Garten setzt. Ich sitze am Schreibtisch, mein Schreibtisch bedeutet Arbeitszeit.

 

Welche Phase eines Buches oder einer Kurzgeschichte ist die anstrengendste für dich?

Der Anfang. Der Übergang von der Idee zum Papier – also, ein Buch wächst über Monate hinweg nur als Phantasie. Und zwar so weit, dass ich im Grunde genommen nachher eine Art Film im Kopf habe, den ich, wenn ich dann wirklich anfange zu schreiben, „nur noch“ abschreibe. Dem vorausgegangen ist die Impulsidee, ist eine Recherche, ist eine Struktur der Grund-Dramaturgie. Und dann beginne ich, hin und her zu überlegen. Wenn ich anfange, zu schreiben, bin ich meistens auch relativ schnell, in drei bis vier Monaten, fertig mit dem Buch. Allerdings habe ich es davor acht Monate in Herz und Hirn bewegt, bis es dann „rauskommt“.

 

Du hast neben zwei Eifel-Krimis auch einen Mystery-Krimi veröffentlicht, „Das Portal“. Wie kam es denn dazu?

Dazu kam es auf zweierlei Arten. Zum einen habe ich selber einen Hang in dieses Genre: Ich lese gerne Mystery-Bücher, und dann kam das Angebot des Verlags, einen Mystery zu schreiben. Das passte schon mal sehr gut, und darüber hinaus hatte ich auch bei diesem Buch einen Auslösermoment, nämlich dass ich vor dem Dom gestanden und auf eine Freundin gewartet habe und mich, anstatt die Leute zu begucken, umgedreht und die Portale des Doms angeschaut habe. Da ist mir dieser eine Engel ins Auge gefallen, seine abgebrochene Nase, und dem sichtlich ein Stück in der Hand fehlt, so dass dann diese Maschinerie in meinem Kopf anlief und die Frage: „Was wäre, wenn du jetzt nicht ein einzelner Steinengel wärst, sondern wenn du etwas anderes wärst? Was wärst du dann? Wo kommst du her? Warum sitzt du da?“ So ist die Idee entstanden, ich habe das Angebot des Verlags angenommen und gesagt: „Ja, ich habe eine Idee, wir können das machen.“ Es hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht, vor allen Dingen die Recherche des historischen Handlungsstrangs. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich da noch mal was mache, mit dem Schwerpunkt Historie. Vielleicht einen historischen Krimi, weil mir das wirklich viel Spaß gemacht hat, in der Geschichte zu wühlen und auf Geschichten in der Geschichte zu stoßen.

 

Da komme ich gleich zu meiner nächsten Frage: In welchem Genre möchtest du unbedingt noch mal einen Roman schreiben?

Ich möchte gerne einen Liebesroman schreiben. (Lacht.) Das ist das übernächste Projekt nach dem, was ich jetzt gerade schreibe. Das wird Ende Mai fertig werden, also das Roh-Manuskript. Danach geht es an einen Thriller, der für übernächstes Jahr geplant ist, und wenn ich den fertig habe, dann setze ich mich an den Liebesroman, der im Moment schon so in meinem Hinterkopf schwirrt und dreht und sich wendet. Mal sehen, ob und wie er ans Tageslicht kommt; aber ich hoffe es sehr, denn da freue ich mich darauf, da habe ich Lust darauf, das zu machen. Mal was völlig anderes, ohne Krimi, ohne Tote, sondern wirklich auf die Figuren konzentriert, und da freue ich mich sehr darauf, wenn das läuft.

 

Und welches Genre kannst du dir gar nicht vorstellen?

Ich kann ganz schlecht mir vorstellen, selber Science Fiction zu schreiben: Aber nicht, weil ich es nicht mag: Ganz im Gegenteil, ich lese sehr gerne Science-Fiction-Sachen. Aber um so etwas glaubwürdig rüberzubringen, muss man eine gewisse Grundkenntnis haben – meine Meinung – und die habe ich nicht. Ich bin, was das angeht, komplett unbegabt und könnte mir niemals diese technischen Details antun. Das würde mich langweilen, das für mich zu erarbeiten, aber lesen tue ich es wiederum ganz gerne.

 

Mit deinen beiden Eifel-Krimis bist du ja jetzt in die sogenannte Regio-Krimi-Schublade gesteckt worden. Hast du ein Problem damit?

Nee, habe ich überhaupt nicht, weil meine Kommissarin Ina Weinz auch eine Regio-Kommissarin ist, ganz bewußt von mir dort angelegt, wo ich selber groß geworden bin. Das heißt, es steckt für mich natürlich eine Menge Heimat drin, und insofern ist das auch völlig in Ordnung. Was natürlich nicht heißt, dass ich als Autorin immer auf der Regio-Schiene bleibe, aber Ina Weinz wird auf der Regio-Schiene bleiben. Da ist sie gut aufgehoben.

 

Das heißt, du kannst dir auch gut vorstellen, mal einen Roman zu schreiben, der irgendwo anders spielt?

Also, der Thriller, der ja jetzt dann als nächster auf dem Arbeitsplan steht, der ist ein „nicht-verorteter“ Thriller, wie man das so schön nennt. Der Liebesroman natürlich auch. Natürlich muss jedes Buch irgendwo spielen. Aber es ist ja noch mal ein Unterschied, ob man jetzt ganz bewusst sagt: Regio. Ein Regio-Krimi hat ja für mich eigentlich das Kennzeichen: er kann nur da spielen, weil bestimmte Gegebenheiten oder Charaktereigenschaften der Leute nur da zu finden sind. Ich kann jetzt nicht einen Eifel-Förster durch Paris laufen lassen, dann ist der Witz weg. Das wäre zwar eine andere schöne Geschichte, aber eben nicht diese Geschichte. Und so ein Thriller, der hat einfach noch mal andere Anforderungen. Da geht es um ganz andere Sachen. Da geht es nicht darum, dass die Leute einen Wiedererkennungseffekt haben. Nicht, was die Gegend angeht. Vielleicht, was dann psychologische Macken von Leuten angeht, das ja. Aber die sind nicht verortet. Die können überall passieren.

 

Hast du literarische Vorbilder?

Ja und nein. Es gibt immer wieder Kollegen, bei denen ich völlig begeistert bin von der Sprache, die ich sehr gerne lese – wobei ich das jetzt nicht an Namen festmachen möchte, weil es auch durchaus so sein kann, dass das eine Buch mir unheimlich gut gefällt und das andere gar nicht. Grundsätzlich gefällt es mir sehr gut, wenn ich merke: da versteht jemand sein Handwerk. Dass ich merke: Da ist die Handlung durchdacht, da hat man sich auch die Mühe gegeben, es noch mal von hinten aufzurollen und – also gerade bei den Krimis: auf Logikfehler abzuklopfen. Wenn ich merke, da ist jemand, der spielt mit Sprache und schafft es trotzdem, die Sprache seinen Protagonisten anzupassen. Dann lese ich das sehr gerne. Und die intelligenten Kriminalfälle. Für mich muss nicht eimerweise Blut verspritzt werden, sondern ich finde manchmal das leise Psychodrama schöner als den Splatter.

 

Liest du dann eher querbeet?

Im Moment lese ich gar nicht querbeet, sondern im Moment lese ich nur Krimi. Das hat aber damit zu tun, dass ich derzeit in der Jury sitze für den Friedrich-Glauser-Preis, in der Debüt-Jury für 2013. Das lässt mir keine Zeit, irgendetwas anderes zu lesen als die Debütbücher, die mir zugeschickt werden. Aber auch das ist eine sehr interessante Palette, die auf meinem Tisch landet; die ich mir vielleicht so nie im Buchladen oder in der Bücherei ausgesucht hätte. Es ist immer wieder überraschend und immer wieder spannend, zu sehen, was da kommt.

 

Welche Musik hörst du am liebsten?

Ich muss es gestehen, ich höre Punkrock, ich mag laute Starkstrom-Gitarren. Ich habe in meiner Jugend solche Sachen gehört wie Ramones und The Clash, und später ja, das ist allerdings kein Punkrock, sondern eher so die düstere Ecke, Sisters of Mercy und The Cure und so was alles, das ist meine musikalische Heimat. Die Ärzte seid es sie gibt, bis heute. Im Moment, das kann ich sagen, bin ich ein sehr großer Fan der einzigen Eifel-Punkrock-Band, Jupiter Jones. Die übrigens auch meine Kommissarin sehr begeistern. Das ist noch eine Gemeinsamkeit. Auch Ina Weinz singt schon mal in ihrem Auto laut einen Titel von Jupiter Jones mit.

 

Lässt du dich dann von Musik beim Schreiben inspirieren?

Nein! Weil ich Ruhe brauche. Also, ich weiß, dass es Kollegen gibt, die lassen während des Schreibens Musik im Hintergrund laufen. Das könnte ich gar nicht. Also schon mal keine mit Text, und schon mal gar keine mit Text, den ich verstehe. Also, deutsche Musik im Hintergrund laufen lassen, ginge überhaupt nicht. Was vielleicht ginge, wäre klassische Musik, aber da ich wirklich die Ruhe brauche, um diese Gedankengänge gehen zu können: keine Musik. Was mich schon mal inspiriert, sind dann in der Tat Liedzeilen. Wenn ich dann ein Stück Text höre und darüber nachdenke, was damit gemeint sein kann. Das wiederum kann mich vielleicht für eine Szene inspirieren. Aber nicht während des Schreibens.

 

In welcher Stadt möchtest du gerne leben?

In Köln.

 

Und sonst nirgendwo?

Nein. Ich bin sehr verwurzelt. Köln ist furchtbar, Köln ist dreckig, Köln ist eine Stadt, die mittlerweile pleite ist. Die haben einen schrecklichen Fußballverein, an dem ich ganz furchtbar hänge. Die Kölner Fußballfans sind ja erst im Elend wirklich gut, da gehöre ich auch zu. Ich möchte nicht weg aus Köln. Was nicht heißt, dass ich nicht gerne wegfahre und verreise, aber es ist immer wieder schön, heimzukommen. Wenn ich ganz lange weg war – es gibt so Phasen, wo ich dann auch mal so 6-8 Wochen unterwegs war, da fahre ich danach in die Stadt und stelle mich einmal vor den Dom und sage: „So, jetzt bin ich wieder da.“ (Lacht.) Das ist wichtig.

 

Wie hoch ist dein aktueller SUB?

Durch die Jury-Arbeit stapelt sich natürlich eine Menge. Der SUB der Kollegen-Bücher, die ich gerne lesen möchte oder die ich empfohlen bekommen habe, der ist relativ groß im Moment, und wird auch ganz furchtbar anwachsen. Ich denke mal, dass ich, wenn ich dieses Jury-Jahr hinter mir habe, ein weiteres Jahr brauche, um meinen SUB abzuarbeiten. Im Moment liegen, glaube ich, 9 oder 10 Bücher auf dem nächstes Jahr zu lesenden SUB, und wir haben jetzt schon etliche Jury-Bücher bekommen.

 

Das ist dann für die Criminale 2013?

Für den Friedrich-Glauser-Preis Debüt 2013, genau. Da können Bücher, die vom 1.1.2012 bis zum 31.21.2012 als Debüt-Krimi erscheinen, eingereicht werden. Debüt heißt, die AutorInnen dürfen noch gar kein anderes Buch veröffentlicht haben. Die werden in dieser Sparte bewertet und der oder die Gewinner/-in wird auf der Criminale in Bern 2013 bekannt gegeben.

 

Du hast gerade schon erwähnt, im Herbst kommt dein neuer Ina Weinz-Krimi. Kannst du uns schon ein bisschen was dazu erzählen?

Ja. Die Assistentin meiner Kommissarin Ina Weinz, die bekommt dieses Mal eine eigene Erzähl-Perspektive. Sie konnte ja nicht immer Praktikantin bleiben. Judith Bleuler ist in der Tat jetzt eine eigenständige Kommissarin geworden. Die beiden treffen wieder aufeinander, nicht ganz freiwillig und nicht ohne Probleme. Es wird um Vergangenheit gehen, es wird um die Gegenwart gehen, beides durchmischt und miteinander verwoben. Im Moment bin ich in den letzten Zügen: Ich habe jetzt noch einen Monat und siebzig Seiten vor mir, die noch geschrieben werden wollen. Es macht mir sehr viel Spaß mit diesem Buch, weil ich für einen Handlungsstrang sehr viel in der Gemünder Geschichte recherchieren konnte, der sich ausschließlich mit einer Zeit Anfang des letzten Jahrhunderts beschäftigt. Das hat mich schon wieder gepackt, das hatte fast schon was von Heimatforschung. Ich arbeite in dem Fall auch in der Tat mit einem Heimatforscher zusammen, um diese geschichtlichen Fakten richtig wiederzugeben. Mehr möchte ich eigentlich noch gar nicht verraten. Das große Thema dieses Romans ist: Schuldlos schuldig. Was bringt Leute dazu, einen Mord zu begehen, obwohl ihre Persönlichkeitsstruktur sehr friedlich ist? Was passiert, wenn äußere Zwänge und starke Einflussnahmen dazu kommen? Und vor allen Dingen, die große Frage ist: Was macht Gewalt mit und aus einem Menschen? Also, Gewalt, die man jetzt nicht im finalen Sinne einmal erlebt, sondern eine Gewalt, der man permanent ausgesetzt ist. Was macht die mit dem Charakter? Wie reagieren die Leute da? Und da ist natürlich so ein Krimi ein wunderbares Feld, um das in ganz verschiedenen Facetten auszuarbeiten. Das ist es, was mich bei der Arbeit an diesem Krimi besonders interessiert hat. Natürlich begegnen alle meine Protagonisten Gewalt in unterschiedlichen Ausführungen. Es gibt ja direkte Gewalt, es gibt aber auch jede Menge indirekte Gewalt, und alle reagieren anders, alle gehen unterschiedlich damit um, und dann ist die Frage: Wann ist man noch schuldlos schuldig? Oder ist irgendwo der Schritt, zu sagen: Nein, das ist jetzt bewusst, was du gemacht hast? Diese Entwicklung in einem Charakter hat mich sehr interessiert, und das spiegelt sich dann hoffentlich auch in dem Roman wieder.

 

Den Titel kannst du uns schon verraten?

Den kann ich schon sagen. Er heißt Eifler Zorn, und ich denke, das trifft es sehr gut.

 

Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Schriftstellerin zu sein, und was ist das Nervigste?

Das Beste daran ist, dass ich eine Arbeit machen darf, die meinen Neigungen entspricht und die meine Neugierde befriedigt. Selbst wenn ich morgens müde bin, Kopfschmerzen habe und denke: Oh nee, du hast jetzt eigentlich überhaupt keine Lust! – dann reicht ganz oft der Gedanke: Es könnte jetzt auch sein, dass du etwas völlig anderes in deinem Leben hättest machen müssen. Wenn du jammerst, jammerst du auf einem hohen Niveau. Ich betrachte es immer wieder als Geschenk, dass ich das machen darf. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich da hingekommen bin, also bis ich das gefunden habe, diesen Beruf zu machen, und bin da einfach unglaublich froh darüber – auch wenn mir die Brötchen nicht vom Himmel in den Schoß fallen. Das ist es, was ich immer wieder genieße. Und das Beste ist natürlich, hier auf solch einem Festivals zu sein und 250 andere Verrückte um mich herum zu haben, mit denen man den ganzen Tag über das gleiche Thema, das uns alle bewegt, reden kann, und alle verstehen einander. Das finde ich sehr schön. Nervig, ist für mich manchmal mein Perfektionsanspruch, den ich an mich selber stelle. Dass ich sehr oft nicht zufrieden bin mit dem, wie ich es mache, mit dem Ergebnis und denke, das kann ich besser. Damit stehe ich mir selbst dann oft im Weg. Zu denken, so, jetzt mach einfach und hör auf, alle Eventualitäten durchzudenken, alles im Voraus durchzuspielen, zu planen, zu gucken und abzuklopfen. Mach einfach mal.

 

Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Autorenleben?

Es gibt so ganz viele Sachen. Es gibt ganz niedliche Geschichten, die schon mal auf Lesungen passieren. Ich hatte zum Beispiel im Portal, von dem wir eben gesprochen haben, da gibt es eine Szene, wo eine Eule ein Kaninchen reißt. Auf meiner zweiten oder dritten Lesung, die ich hatte – es gibt ja nachher immer diese Fragerunden – meldet sich ein älterer Herr und sagt: „Also, da möchte ich Ihnen jetzt gerne mal was sagen: Eine Eule würde nie ein Kaninchen reißen, das ist dann immer ein Uhuvogel.“ Gut. Das ist dann so ein Punkt, wo man denkt: „Mist, da hast du jetzt nicht richtig recherchiert. Aber auf der anderen Seite freue ich mich natürlich auch darüber. Genauso freue ich mich darüber, wenn Leute mir zum Beispiel etwas über Polizeiarbeit erzählen. Da bin ich aber mittlerweile soweit, dass ich einen Ansprechpartner habe bei der Polizei. Ich habe zum Beispiel für ‚Eifler Zorn‘ sehr lange mit dem persönlichen Assistenten der Bonner Polizeipräsidenten reden dürfen. Er hat mir viel erklärt, weil Judith Bleueler, die ehemalige Praktikantin von Ina Weinz, nun Kommissarin geworden ist und in der Bonner Mordkommission sitzt. Er hat einen regelrechten Karriereplan entworfen und erklärt, was sie darf und was sie nicht darf und wo sie hin soll und wo sie nicht hin soll. Er hat auf alle meine nervigen Fragen sehr freundliche und ausführliche Antworten. Darüber bin ich sehr froh. Das entspricht meinem Perfektionsdrang. Und dem meiner Leser, seien sie nun Polizisten oder Ornithologen.

 

Gut, dann sage ich herzlichen Dank für dieses Interview!

Danke schön!

 

(Das Interview wurde geführt am 26.04.2012 in Olsberg.)

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