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Lesung Ulf Schiewe, 11.01.2013, Galerie49

Lesung Ulf Schiewe Ich habe ja schon einige ungewöhnliche Lesungsorte, vor allem im Rahmen der Leipziger Buchmesse erlebt, aber die Vernissage einer Ausstellung war noch nicht dabei.

Drei Zimmer einer Altbauwohnung in Schwabing umfassen die Räume der Galerie49 in der Agnesstraße 49 in München-Schwabing. Diese waren bis zum Bersten mit Zuhörern gefüllt, es wurden Stühle ohne Ende herangeschleppt und trotzdem reichten sie nicht für die große Zahl der Zuschauer. Ulf Schiewe las dann schließlich in der Mitte der Zimmerflucht, stehend, weil einfach keine Sitzgelegenheit mehr frei war. Er begann mit einer kleinen Einführung in seine Trilogie, stellte jeden Band kurz vor und ging dann ausführlich auf Die Hure Babylon ein. Er las die erste Szene, in der Ermengarda in ihrer Kammer erwacht und sich fragt, wo zum Teufel denn Edessa eigentlich liege.

Diese Frage beantwortete er ebenso wie diejenigen zu Bernard de Clairvaux, dessen erste Unterredung mit Ermengarda er sich in der nächsten Szene widmete. Dazwischen gab es immer wieder mit einer Präsentation unterstütze Information zum Roman und den einzelnen Figuren. So erzählte Ulf seinen Zuhörern, dass er sich gerne konkrete Gesichter zu seinen Figuren vorstelle, so komme Arnaut das Bildnis von Sebastian del Piombo Junger Mann in Rüstung und Ermengarda einem Portrait der Beatrice d’Este von Leonardo da Vinci nahe.

Als letztes las er noch eine Szene von der Überfahrt und der Ankunft von Arnaut in Outremer. Hier bekam man einen schönen Eindruck von der Dimension eines Kreuzfahrerheers. Im Anschluss konnte man bei Wein und Käse noch mit Ulf über seine Romane diskutieren oder mit der Künstlerin Ursula Fuchs über ihre Werke sprechen. Ein sehr interessanter Abend!

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Ulf Schiewe – Die Comtessa

Eine Frau in Männerkleidern, die sich in einem typisch männlichen Metier behaupten will – also alle Zutaten vorhanden für eine typische -in Schmonzette? Ganz und gar nicht!
Ermengarda weiß zwar was sie will, meistens, aber sie denkt nach, nimmt männliche Hilfe in Anspruch, reflektiert das Erlebte. Durch ihre Augen sehen wir die Lebenswirklichkeit im Südfrankreich des 12. Jahrhunderts: sei es der der gräfliche Palast oder die Aussätzigenhütte, die Burg oder das Kloster, jeder ihrer Aufenthaltsorte scheint sehr real zu sein und entsteht farbenprächtig und detailreich vor meinem inneren Auge. Die männliche Sichtweise steuern Arnaut und Felipe bei und so ergibt sich ein dicht gewebter Teppich mit ausdrucksstarken Bildern. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet, der Bettlerjunge Jori und Arnauts Mutter Adela sind die besten Beispiele dafür. Die Handlung ist spannend erzählt, ich habe mit der kleinen Reisegruppe von Beginn an mitgefiebert. Der historische und politische Kontext wird verständlich dargelegt, so dass die Handlungen der Protagonisten nachvollziehbar bleiben.
Sehr empfehlenswert!

Ulf Schiewe, Die Comtessa, Droemer, ISBN 3426198878, 560 Seiten

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Lesestoff Belletristik 2010/04 – Ulf Schiewe: Der Bastard von Tolosa

Gebundene Ausgabe: 928 Seiten
Verlag: Droemer Knaur (2. November 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342619841X
ISBN-13: 978-3426198414
Größe: 22 x 15,2 x 5,2 cm

Kurzbeschreibung (von amazon)
Wie Tausende »Soldaten Christi« folgt der junge Edelmann Jaufré Montalban 1096 dem Aufruf des Papstes, Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Viele grausame Schlachten später beginnt er am Sinn des Krieges zu zweifeln. Als seine Geliebte brutal niedergemetzelt wird, will er sich auf seine Burg nahe dem heutigen Toulouse zurückziehen. Doch dort erwartet ihn eine Gattin, die er nur unter Zwang geheiratet hatte – und eine tödliche Intrige um das Rätsel seiner Herkunft.

Über den Autor
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Meine Meinung:
Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an diesen Roman gegangen, weil ich von verschiedenen Seiten nur höchstes Lob gehört habe. Ich wurde nicht enttäuscht. Obwohl, wie so oft in mittelalterlichen Romanen, viele Personen gleich oder ähnlich heißen, konnte ich sie entgegen meiner Schwierigkeiten, die ich sonst damit habe, ausgezeichnet auseiander halten Das lag vor allem an der wunderbaren Charakterisierung jedes Einzelnen, selbst die kleinste Nebenfigur nahm vor meinem geistigen Auge Gestalt an. Ebenso verhielt es sich mit den Landschaftsschilderungen oder zum Beispiel eines Schiffswendemanöver. Alles wird so farbenprächtig und detailliert erzählt, dass ich mitten in der Geschichte bin. In diesem Roman wird viel gekämpft und getötet, aber es geschieht immer so, dass ich immer noch “hinschauen” kann, ohne dass mir schlecht wird. Der Spannungsbogen wird gut gehalten, der Epilog verknüpft alle noch losen Enden und versöhnt mit den teilweise schrecklichen Ereignissen zuvor.

Jaufré erzählt uns seine Geschichte und mir gefiel diese Perspektive ungemein. Er ist sicher kein einfacher, liebenswerter Held. Aber ich mochte ihn trotzdem. Er reflektiert vieles, ist manchmal sogar fast ein Philosoph. Sein Freund Hamid ist eine ideale Ergänzung, noch ein bisschen überlegter, schlagfertig und witzig. Auch Berta, seine Frau ist eine sehr interessante Figur, aber eigentlich könnte man das über alle Protagonisten sagen.

Mein Fazit:
Ein sehr gelungener Debütroman!

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