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Publikum, unter aller Kanone

Bevor ich über die schönen Momente gestern und heute schreibe – kommt aber noch, versprochen – muss ich leider erst mal Dampf ablassen. Mal wieder.

In der heutigen Abendvorstellung des Zauberers hätte ich diese Blagen ungespitzt in den Boden rammen können. Desinteresse, ausgedrückt durch vom Bühnengeschehen ungestörten Unterhaltungen und exzessiver Handyspielerei, wurde überspielt durch frenetischen Jubel an völlig falscher Stelle. Hat mit denen nie einer drüber geredet, wie so eine Vorstellung abläuft? Im Zuschauerraum wurde gegessen und getrunken, das Personal hatte seine liebe Not, zumindest den Müll wegzuräumen. Unterhaltungen konnte ich entnehmen, dass die Jugendlichen sich im Kino wähnten. Sagt denen keiner, dass da vorne Menschen aus Fleisch und Blut stehen? Der Vorhang war noch nicht ganz zu, da leerte sich das Parkett schon schlagartig. Hat diesen Schülern kein Lehrer – wahlweise auch die Eltern – jemals etwas Respekt vor der Leistung anderer beigebracht?

Ich finde es wirklich beschämend, dass es Schulen gibt, offensichtlich nicht mehr in der Lage sind, das Sozialverhalten ihrer Schüler einzuschätzen. Oder glaubt man, eine Vorstellung würde die im Unterricht vor sich Hinschwätzenden  bekehren und zukünftig zu Musterschülern machen? Überlegt da keiner vorher mal, ob es die, die gezwungen werden, wirklich interessiert? Ob man interessierten Schülern damit das Theatergehen verleidet?

Ich sehe hier ganz klar die Schulen in der Pflicht. Der Besuch einer Theatervorstellung ist nicht nur das Vorweisen einer kulturellen Aktivität. Wer mit seiner Klasse eine Aufführung besucht, ist verantwortlich für sie. Wer sich dieser Verantwortung nicht stellen will oder sie nicht tragen kann, sollte lieber im Klassenraum einen Film vorführen. Das kann man bestimmt auch unter Kultur verbuchen.

Schade um den Abend, der ein schöner hätte werden können.

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Oper, die ich nicht sehen will (aber hören)

Eigentlich wollte ich ja noch die morgige Premiere abwarten, bevor ich mir eine Karte für die Neuinszenierung des “Don Giovanni” an der BSO hole. Schließlich hat mich die Einführung nur in musikalischer Hinsicht überzeugt.

Als ich heute jedoch das erste Bild aus dieser Inszenierung sah, stürzte ich los und kaufte mir eine … Hörerkarte.

Ich wollte ja unbedingt Maija Kovalevska als Donna Elvira hören, die mich als Micaela schon so beeindruckt hat. Sehen möchte ich das dann aber lieber doch nicht.

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Einführung, zeitverschwendend

Eigentlich habe ich Einführungen in neue Inszenierungen schätzen gelernt, zumindest im Theater meines Vertrauens gaben sie mir tiefere Einblicke in das Stück, sowohl von der Dramaturgie wie auch von der musikalischen Seite und die Sicht des Regisseurs auf das Stück.

So etwas ähnliches erwartete ich auch, als ich mir eine Karte zur Einführung von “Don Giovanni” im Nationaltheater kaufte. Außerdem, wann kann ich es mir schon mal leisten, dort in der 5. Reihe zu sitzen?

Es begann mit Ausschnitten aus Fellinis “Casanova”, nach Worten des Staatsintendanten ein Kultfilm, der anscheinend völlig an mir vorbeigegangen ist. Nicht meine Generation, denke ich mal. Er führte auch nonchalant in die Hintergründe der Oper, die Verbindung Casanova, Da Ponte und Mozart sowie den genauen Inhalt ein. So war schon eine gute halbe Stunde vergangen, bis der Regisseur und der Dramaturg die Bühne betraten. Leider war ersterer am Anfang akustisch nicht sehr gut zu verstehen und später konnte ich ihm intellektuell nicht folgen. Jedenfalls gab mir seine Sichtweise auf drei zentralen Figuren keinen Hinweis, wie die Inszenierung später aussehen würde. Der GMD sagte ein paar sehr interessante Sachen zu den musikalischen Aspekten, immerhin habe ich hier etwas gelernt. Auch die beiden Arien der Donna Anna und des Don Ottavio, vorgetragen von Ellie Dehn und Pavol Breslik, waren eine echte Bereicherung. Aber so zentrale Informationen wie welche Fassung gespielt wird, habe ich entweder überhört oder konnte sie aus dem Wust nicht herausfiltern. Oder sie wurden schlicht nicht gegeben.

Nachdem das Ganze mit einer Dauer von einer Stunde angegeben war, verliessen nach 90 Minuten die ersten Leute den Zuschauerraum, mein Nachbar sichtlich entnervt und mit einem entsprechenden Kommentar. Mit einem etwas gestrafften Programm hätte man sicher den zeitlichen Rahmen etwas besser einhalten können und es wäre meiner Meinung trotzdem nichts Wichtiges ungesagt geblieben.

Ich steuere mal einen der drei Festspieltermine an, musikalisch wird das Ganze für meine laienhaften Ohren sicher ein Genuß und von der Inszenierung kann ich eigentlich nur positiv überrascht werden.

Einführungsmatinée “Don Giovanni”

Sonntag, 11. Oktober 2009
Nationaltheater
11.00 – ca. 12.00 Uhr

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Randnotizen eines Opernabends

Ich trenne das jetzt mal von den eigentlichen Eindrücken der gestrigen Premiere, weil mir manche Sachen auch früher schon aufgefallen sind oder sie sich auch an jedem anderen Abend abspielen könnten.

Liebe Mitmenschen, ist es denn so schwierig, vor dem Betreten des Zuschauerraumes das Hirn ein- und das Handy auszuschalten? Auch ein Hörgerät kann man so einstellen, dass es nicht permanent fiept und ja, man kann sich auch mal auf seine Hände setzen und erst dann klatschen, wenn der Vorhang zu und der letzte Ton verklungen ist.

Man zerstört doch sich selbst und den anderen Zuhörern einen Teil des Genusses, wenn man eine aufgebaute Spannung zerklatscht und richtig peinlich wird es, wenn man vor dem eigentlichen Ende der Arie seine Hände nicht mehr in Zaum halten kann.

Weniger ist manchmal mehr.

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Taiwan 2009, Tag 7

Das Frühstück heute bestand aus Rührei, Hefeteilchen, Orangenspalten und ehr leckeren Udon-Nudeln. Inzwischen habe ich auch den Trick herausgefunden, genießbaren Kaffee aus der Saeco herauszulassen. Danach habe ich es erst einmal ruhig angehen lassen und etwas Wäsche gewaschen. Um Punkt 12 Uhr ging es Richtung Taipei 101, um erst mal ein Sandwich von Subway zu Mittag zu Essen. Es sieht so aus, als ob wir jeden Tag einmal amerikanisches Fastfood und einmal chinesisch zu Essen bekämen. Offensichtlich war das bei der Gruppe, die vor uns hier war anders, die haben sich wohl beschwert, dass es zu viel chinesisches Essen gab und deshalb müssen wir jetzt einmal täglich Massenware in uns hineinstopfen. Ich verstehe das überhaupt nicht. Wie kann man sich beschweren, dass es landestypische Küche gibt?

Danach fuhr unsere Gruppe in den 89. Stock des Gebäudes. Ganz schön hoch! Aber die Aussicht ist klasse und heute hat auch das Wetter gut mitgespielt. Danach ging es in eine Messe für chinesisches Essen. Dort konnte man auch viel probieren und ich habe gleich ein paar Mitbringsel erstanden. Über all standen Teller mit dekorativen Speisen herum, die aussahen als wären sie aus Plastik. Tatsächlich waren das aber echte peisen, die mit einer bestimmten Flüssigkeit überzogen waren. Auf dieser Messe habe ich jedenfalls festgestellt, dass die Taiwanesen sehr freundlich und bemüht sind, wenn der Standeigentümer kein Englisch spricht, dann übersetzt halt ein Kunde mal schnell. Es war jedenfalls eine schöne Erfahrung.

Von dort aus ging es weiter in ein Restaurant, das als Spezialität Dim Sun anbietet. Es war alles ziemlich lecker, bis auf die Qualle, die hat eigentlich nach nichts geschmeckt und war eher ziemlich al dente.

Danach ging es in das Einkaufsviertel von Taipei. Hier darf man sich keine großen kaufhäuser vorstell, sondern Miniladen an Miniladen, wo man hauptsächlich Klamotten kaufen kann. Allerdings ziemlich viel Trash und ich würde keinem Teil eine längere Lebensdauer als zwei Monate geben. Ich entdeckte dann aber noch ein paar Stände, an denen handgefertigte Taschen und selbstbemalte T-Shirts verkauft wurden, das entschädigte dann für manchen Anblick.

Die Fotos vom Abendessen werden nachgereicht, ich hatte meine Kamera im Bus vergessen.

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Publikum, ungezogen

Es tut mir leid, aber ich muss mich jetzt erst mal schriftlich ein wenig abregen. Bitte nur weiterlesen, wer auch ein paar  Kraftausdrücke ab kann.

Denn leider kann Teile des heutigen Publikums nur als egomanische Ar…löcher bezeichnen. Es mag sein, dass ich etwas empfindlicher bin als andere, aber auch die Schüler in meiner Umgebung fühlten sich mehrfach gestört und haben ihr Missfallen ausgedrückt. Bereits vor der Pause wurde rechts in der Reihe hinter mir ständig geredet. Je lauter das Geschehen auf der Bühne, desto lauter die Unterhaltung. Ganz krass wurde es aber nach der Pause. Vermutlich waren es nur einer oder höchstens zwei in der dritten Reihe, aber die haben ausgereicht, um wirklich jede noch so emotionale Szene in den Dreck zu ziehen. Laute Kommentare zum Bühnengeschehen gipfelten in beständiges Treten gegen die Eisenglocken am Boden. Das ist zwar auch unhöflich gegenüber den Mitzuhörern, aber schlimmer empfinde ich die Respektlosigkeit gegenüber den Mitwirkenden. Da leistet jemand was, verdammt noch mal! Ich war am Schluss so aggressiv, das es gut war, dass derjenige nicht direkt hinter mir sass.

Mein Appell an alle Schulen lautet:  bitte, bitte, bitte nehmt nur Schüler mit, die sich auch wirklich für das aufgeführte Stück interessieren. Den anderen tut man mit Zwang keinen Gefallen und der unmittelbaren Umgebung und den Mitwirkenden auch nicht.

Anscheinend gibt es für Schulvorstellungen wirklich nur einen Platz, wenn man die Aufführung genießen und trotzdem nah dran sein will und das sind die Proszeniumlogen. Leider ist die Sicht dort ziemlich eingeschränkt, bei bestimmten Stücken ist es dann schon fast mehr ein Hörerlebnis. Wirklich schade, dass man in einer Vormittagsvorstellung offensichtlich nicht im Parkett sitzen kann.

Nachtrag: völlig entfallen ist mir ja auch noch, dass das Licht noch nicht an war, als man im Parkett schon massenweise aufgestanden ist und den Zuschauerraum verlies. So gab es diesmal leider keine Zugabe. Schade für die Enthusiasten.

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London 2009, Tag 4

Heute ging es zuerst mal in den Tower, zur Ausstellung “Dressed to kill“. Die Briten haben schon einen köstlichen Humor, geht es hier doch nicht um Verkleidungen, sondern um Rüstungen. Die Stücke, die zu sehen sind, sind wirklich sehr interessant und zeigen die Entwicklung von Henry diesmal an seinem Leibesumfang. Leider gibt es hier keinen Katalog, der sich wirklich so nennen darf, einzig ein “Magalog”, ein Hochglanzmagazin, das eher Boulevardpressenmäßig aussieht. Schade, denn die Wilton anime armour hätte ich mir gerne noch etwas näher angeschaut, die sieht von hinten wirklich göttlich aus. Eine eiserne Windel für Henry. Despektierlich, ich weiß.

Am Abend stand dann das Globe mit einer Aufführung von “As you  like it” auf dem Programm. Leider gehört hier ein Schild an die Tür “Nichtmuttersprachler draußen bleiben”. Es ist ein besonderes Feature, dass hier Shakespeare wie zu seiner Zeit üblich gespielt werden soll und deshalb ist Essen und Trinken, Aufstehen etc erlaubt und wird auch fleissig genutzt. Man könnte natürlich, aus Rücksichtnahme auf diejenigen, die sich anstrengen müssen, um jedes Wort zu verstehen, Sachen essen, die nicht störend sind. Crisps gab es schliesslich zu Shakespeares Zeiten nicht. Aber man will ja eh nicht bis zur letzten Konsequenz alles verwirklichen, denn die Frauenrollen sind mit Frauen besetzt. Also verkauft man weiter die unzeitgemäßen Crisps und derjenige, der das Stück einfach nur genießen will, geht besser nach Stratford. So schön, wie der Schauplatz ist, wenn ich ständig den Faden verliere, weil es neben mir kracht und raschelt, dann lass ich es lieber. Das Stück selbst war übrigens sehr schön inszeniert, mit wenigen Requisiten und sehr ausdrucksstarken Darstellern. Und habe ich es eigentlich schon erwähnt, dass wir seit Tagen hier in London eine Hitzewelle haben? das resultierte in einer lauen Sommernacht und der Anblick von St. Pauls vom Globe aus war nach der Vorstellung wirklich spektakulär.

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Lesestoff Sachbuch 2009/01 – Robert Weinberg: An Opera Miscellany

Everything You Never Knew About Opera for Buffs and Bluffers

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Cyan Books (5. November 2007)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1905736282
ISBN-13: 978-1905736287
Größe:17,8 x 11,4 x 2,4 cm

Synopsis (von amazon)

You might know Bellini from Puccini, Bizet from Britten, even Shaposhnikov from Shostakovich but can you name the ten opera plots in which a goat features heavily? Opera buffs as well as fans of the Muppet opera (Pigoletto, of course) will be entertained (and possibly educated) by this varied and engaging compendium of facts, figures, trivia, statistics, stories and quotations from the colourful world of opera. This is a miscellany of the madness, with operatic proportions of wit and wisdom (includes Puccini’s recipe for cooking beans, and Rossini’s tips on recycling), the valuable knowledge contained in this little book will confound, delight and amaze even the most hardened Glydebourne-goer.

Über den Autor

Link zur Homepage

Meine Meinung:

Entdeckt habe ich dieses kleine Büchlein im Shop des Royal Opera House und in die Oper hat es mich seitdem immer begleitet. Es wurde wohl noch nicht übersetzt. Es passt ideal in die Handtasche als kleiner Pausenfüller zwischendurch, da es in kleinste Abschnitte unterteilt ist. Einen festen Bestandteil bilden die vierzig Kurzzusammenfassungen von Opern unter dem Titel “Lost the plot”. Diese sind witzig zu lesen, wobei manche ihren Humor auch aus der doch arg verkürzten Darstellung ziehen.

Ansonsten gibt es viele nette, kleine Häppchen aus der Welt der Oper, serviert bunt gemixt und nie langweilig. Wer sich im Zusammenhang mit dieser höchsten Kunstform unterhalten lassen will, ist mit diesem Büchlein gut beraten.

Der einzige, für mich ziemlich störende Punkt, ist ein sehr schlampiges Lektorat, was Wörter in deutscher Sprache angeht – bei den anderen Opernsprachen Italienisch und Französisch kann ich es nicht beurteilen, aber mir ist auf den ersten Blick nichts aufgefallen. Manchmal hat man den Eindruck, das hat jemand geschrieben, der das Wort gar nicht kennt, manchmal sind es einfach nur Tippfehler, die im großen Stil nicht ausgebessert wurden. Schade, ohne diesen Makel wäre es wirklich ausgezeichnete Unterhaltung gewesen.

Mein Fazit:

Wenn die Fehler in der nächsten Auflage ausgebessert werden, kann ich diese Buch jedem Opernfan ans Herz legen.


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Konzert, schottisch

Absolutes Kontrastprogramm heute: Runrig auf dem Tollwood!

Die Vorgruppe, The Storys, glänzten vor allem durch Langeweile. Die Lieder waren kaum zu unterscheiden und so war ich nicht böse, als sie nach einer halben Stunde die Bühne verließen.

Pünktlich um acht begannen Runrig mit ihrem Gig. Leider hatten sie sich diesmal eine überkandidelte Bühnenshow einfallen lassen. Drei riesige Monitore im Hintergrund irritierten teilweise arg mit blitzartig wechselnden Bildern. Ich hatte manchmal Schwierigkeiten, mich auf die Musik zu konzentrieren.  Den größten Raum nahmen Lieder der neuen CD ein, die mir zu rockig und zu wenig melodiös erschienen. Es war trotz größtmöglichem Abstand zur Bühne sehr laut und die Baßtrommel erzeugte hin und wieder einen recht schmerzhaften zweiten Herzschlag im Bauchraum. Lediglich bei den alten Liedern sowie bei einem Stück mit vier Trommeln blitzte das durch, was ich an ihnen mochte. Nach weniger als zwei Stunden wars schon vorbei. Für mich war es das Abschiedskonzert, denn ein weiteres werde ich nicht besuchen, sondern mir die wirklich guten frühen Stücke nur noch auf CD anhören.

Schade, denn ich habe sehr schöne Erinnerungen an das erste Mal, als ich Runrig hörte, auf der Insel Skye im Bus von Paul Yoxon vor 16 Jahren.

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Seltsame Moralvorstellungen

Laut BR-Online und diversen anderen Medien hat Martin Walser folgendes von sich gegeben:

Sowohl in Diskussionen in Politik und Wirtschaft als auch im Kulturbetrieb müsse stärker bedacht werden, dass es immer mindestens zwei Seiten einer Wahrheit gebe, sagte Walser («Tod eines Kritikers») am Mittwoch in München laut Redemanuskript beim 60-jährigen Jubiläum der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. «Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr», sagte Walser, der Akademie-Mitglied ist.

Als Beispiel nannte Walser den Siemens-Korruptionsskandal. «Neuestens hat die Verdächtigungsbereitschaft den Siemens-Konzern entdeckt», sagte er. Es sei bekannt, dass sich Firmen auf der ganzen Welt ihre Aufträge mit Hilfe von Bestechung besorgten. So sei es auch bei Siemens gewesen. Dabei hätten sich allerdings keine Manager persönlich bereichert. Bis 1998 seien solche Praktiken in Deutschland nicht einmal strafbar gewesen.

Quelle

Ah ja, hier taucht mal wieder ein Opernmotiv im Real Life auf, Cosi fan tutte, alle machen es. Und weil es alle machen, ist es in Ordnung, egal ob es unmoralisch ist oder nicht.

Wobei nebenbei bemerkt, in obigen Beispiel werden Firmen geschädigt, die versuchen, ohne Bestechung an Aufträge zu kommen. Und von Erfolgsbeteiligung hat Herr Walser anscheinend auch noch nie was gehört.

Sollte ich dem Herrn mal irgendwo begegnen, werde ich mich neben ihn setzen, das Iphone auf volle Lautstärke die Toten Hosen dröhnen lassen und ihn dann mal zu heuchlerischen Moralvorstellungen, die er den Deutschen vorwirft, befragen. Denn schließlich tuns alle und strafbar ist es auch nicht. Nur asozial.

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