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Die Zauberflöte, 01.07.2010, Gärtnerplatztheater

Schon von weitem sehe ich die Menschentraube auf den Stufen des Theaters meines Vertrauens. Natürlich, es ist mal wieder ausverkauft, das freut mich. Allerdings besteht das Publikum zu einem erheblichen Teil aus Kindern unter 10 Jahren, aber ich habe mir schließlich sagen lassen, Kultur geht vor Bildung. Ob das eine ohne das andere wirklich so sinnvoll ist, lass ich mal dahingestellt sein. Die Auswirkung dessen, dass selbst die Erwachsenen von der Oper offensichtlich nicht mehr wissen, als dass da ein lustiger Papageno drin vorkommt, sind jedenfalls deutlich zu spüren: sobald mal eine Zehntelsekunde Pause ist, wird geklatscht, ob die Arie nun zu Ende ist oder nicht. Nach der Wasserprobe gab es Schlussapplaus, weil das werte Publikum dachte, das Stück wäre endlich zu Ende. Leider, leider kann ich mir diese Oper im Gärtner nicht mehr ansehen. Wenn ich mich fünf- von zehnmal ärgere, ist es rausgeschmissenes Geld. Und so dicke hab ich es auch wieder nicht. Ich werde lediglich einmal eine Gruppe und einmal meine Mutter begleiten und mir ein Gastspiel in Ingolstadt ansehen, weil ich neugierig bin, wie es da wirkt.

Dabei hätte es so schön sein können, die Kombination der drei Damen mit Thérèse Wincent, Rita Kapfhammer und Barbara Schmidt-Gaden als Gast war eine Augen- und Ohrenweide und der absolute Höhepunkt dieser Aufführungsserie.

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18 comments to Die Zauberflöte, 01.07.2010, Gärtnerplatztheater

  • beowulf

    Gibt es da keine Nachmittagsvorstellungen für die Kinder?

  • Natürlich, zwei reguläre SoNa, eine zusätzliche, dazu drei am Freitag bzw. Samstag Abend. Sollte eigentlich reichen.

  • Ach, ich erlaube mir mal die Frage: was soll das Gejammer? Oper erfreut das Herz, namentlich Mozart und seine Zauberflöte. Opervorstellungen sind keine klinischen Angelegenheiten, Opernvorstellungen lassen Emotionen zu, und wenn Leute halt auch dann klatschen, wenn sich dies nicht ziemt: na und? Ich liebe es, wenn Menschen von der Oper begeistert sind. Umso ist es gut, wenn es im Opernhaus von Kindern nur so wimmelt. Ich freue mich bereits auf die nächste Mozartoper am Opernhaus Zürich – in Begleitung selbstverständlich meiner 7 1/2 jährigen Tochter. Ob es nun gewissen Leuten, die glauben, Kultur für sich gepachtet zu haben, gefällt oder nicht.

  • Nein, gepachtet hab ich die Kultur sicher nicht und ich freue mich auch über Begeisterung – so lange sie nicht oberflächlich ist. Und man stelle es sich vor, ich konnte auch schon andere für Oper begeistern, die jetzt regelmäßig mit ihren Kindern gehen, auch in die Zauberflöte, aber halt nicht während der Schulzeit unter der Woche Abends. Welche Mozart-Oper werden Sie denn mit Ihrer Tochter sehen, Don Giovanni oder Cosí? Mord, Vergewaltigung und Ehebruch kennt das Kind von heute ja schon aus seinen Bilderbüchern.

  • Ich habe mit meiner Tochter Cosi fan tutte gesehen (zur Zeit ihre Lieblingsmusik), ferner la Clemenza di Tito (grossartig inszeniert in Zürich), le nozze di Figaro (Opernhaus Basel – wunderbar gemacht), im Herbst steht dann Don Giovanni in Zürich auf dem Programm.

    Bös und Gut sind Archetypen und kommen in allen Märchen aller Kulturen vor, das hat mit Mozart gar nichts zu tun. Ohnehin steht bei Mozart letztlich die Liebe im Mittelpunkt.

    Warum sollen Kinder nicht unter der Woche abends in die Oper? Nein, dafür gibt es keine stichhaltigen Argumente. Die Oper gehört allen, gross und klein. Ob das nun an einem Mittwochabend ist oder nicht. Und: das Opernhaus ist keine Bestattungshalle. Hier soll es ruhig ab und zu im besten Sinne des Wortes knallen. Denn Oper ist immer auch Emotion und Leidenschaft. Das war zur Zeit Mozarts genau so und wird auch inskünfig -Gott sei Dank- so bleiben.

  • Was gegen einen Opernbesuch am Mittwoch Abend steht? Schule am nächsten Tag, sonst nichts.

  • Genau: sonst nichts.
    Meine Tochter ist von einem Opernbesuch so begeistert, dass sie am folgenden Morgen mit grosser Energie aufsteht, zur Schule geht und dort auch etwas zu erzählen hat.
    Ganz abgesehen davon: meine Tochter ist eine gute Schülerin, trotz -oder gerade wegen- eines Opernbesuchs am…oh Schreck, Mittwochabend.

  • Ich gratuliere zu dieser Ausnahmetochter. Wenn sie denn so ist, ist sie leider genau das – eine Ausnahme. In 10 Jahren schauen wir dann mal, ob sie immer noch so gut in der Schule ist..

  • Gut, ich nehme die Wette an :-).
    Musik ist von zentraler Bedeutung für die Bildung, klassische Musik ohnehin. Wer früh mit Bach und Mozart in Berührung kommt, wird auch in der Schule kreativer sein.

    Und zu guter Letzt noch soviel: Schule ist wichtig, aber nicht alles. Oder wie es Einstein treffend formulierte: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn jedes Wissen ist beschränkt.

  • Meiner Fantasie hat es jedenfalls nicht geschadet, bis zum Gymnasium an jedem Schultag um sieben im Bett zu liegen. Die wurde nämlich tagsüber im Spiel mit den Kindern, mit denen ich zusammen aufgewachsen bin, angeregt.

  • Tja, andere Zeiten, andere Sitten. Glücklicherweise gilt das auch für Inszenierungen von Opern.

  • Die besten, intelligentesten, die Musik unterstützenden Inszenierungen sind zeitlos und können viele Jahre gespielt werden.

  • Ulla

    Um noch ein bißchen Öl ins Feuer zu gießen: Für meine Kinder muß es sehr zahm zugehen. Beim ersten Kind fördert man ja, was nur geht, und dementsprechend habe ich meine Tochter auch schon mit 7-8 Jahren mit Harry Potter bekannt gemacht (vor den Figuren hatte sie Angst) – jetzt ist sie elf, und haßt Harry Potter immer noch. Ich bin also mit meiner Auswahl von Theaterstücken sehr vorsichtig geworden. Wenn ihr die Oper durch die Darstellung von Mord und Totschlag verleidet würde, bestünde ja die Gefahr, daß durch mangelnde Beschäftigung mit Mozart wichtige Gehirnzellen verkümmern. Heaven forbid. Außerdem amüsiere ich mich auch mal ganz gerne alleine im Theater.

  • Harry Potter in Ehren, nur, was hat das um Gottes Willen mit Mozart zu tun? Das ist, mit Verlaub, schlichter Stuss.

  • Es gibt halt Kinder, die stehen nicht auf Untreue und Mord, sei es bei Harry Potter oder bei Don Giovanni. Und ehrlich gesagt sind mir die sympathischer.

  • Ja ja, das habe ich bei den Talibans auch schon mal gehört. Da lobe ich mir die Inszenierungen von Calix Biexto ! Wunderbar, wie er die Entführung aus dem Serail an der komischen Oper in Berlin inszeniert. doch ich höre sie schon rufen, die Geister, die eigentlich lange schon als tot galten und weiterhin munter “entartete Kunst!” rufen.

  • Jetzt lass es mal gut sein, Peter. Wenn Du gleich die Nazi-Keule schwingen musst, weil jemand eine andere als Deine geheiligte Meinung vertritt, dann tob Dich in Deinem eigenen Blog aus.

  • Ulla

    Hey, was entartete Kunst angeht, da bin ich über jeden Zweifel erhaben. Ich hatte jahrelang einen Nolde im Flur hängen. Uups, das kann man jetzt wieder falsch verstehen, er war es nicht selber, sondern nur ein Aquarell. Und Emil Nolde war nicht mal drauf, sondern nur hinter der Staffelei.

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