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Feiern wir den 32. Dezember 1932

Welturaufführung der Operette „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner
  Chor und Kinderchor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Ensemble  © Christian POGO Zach

Chor und Kinderchor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Ensemble © Christian POGO Zach

 Am 30. Januar 1933 begann in Deutschland der Krieg gegen die Operette. 86 Jahre und einen Tag später wurde wieder eine Schlacht gegen die Bagatellisierung dieser Form des Musiktheaters gewonnen. Früher wurde in Berlin, am schönen Nollendorfplatz Operette gesungen, heute wird der Nollendorfplatz in der Operette besungen. Das kommt dabei raus, wenn man Operette wiederbelebt. Und genau das hat das Autorenteam um Thomas Pigor geschafft. Er, Konrad Koselleck, Christoph Israel und Benedikt Eichhorn liefern die ohrwurmträchtige Musik, die den höchstgescheiten Blödsinn aus Gesellschaftskritik, Erotik und pointierter Unterhaltung untermalt.

Das Gärtnerplatztheater holte mit Drei Männer im Schnee eine Operetten-Uraufführung auf die Bühne, die die Operettenwelt vor 1933 aufnahm und ins heute brachte. Erich Kästner, seine Bücher wurden verbrannt, schrieb 1934 den Roman, machte eine Komödie daraus, die mehrfach verfilmt wurde. Jetzt hat sie auch die Chance eine Klassiker des musikalischen Unterhaltungstheater zu werden, spätestens wenn unter anderen Abraham wiederentdeckt und das weiße Rössl einmal nicht springen soll. Auf der Bühne wird die Handlung auf den Jahreswechsel 1932/33 gelegt. Wir wissen heute, dass die Ausgelassenheit nicht einmal einen Monat später endete, die Personen im Stück nicht. Sie leben einfach. Noch ist Operette Operette. So folgt den ganzen Abend ein Lacher auf den anderen.

Das ganze Ensemble ist großartig. Der Multimillionär Tobler (Erwin Windegger), der armen Mann spielt, aber doch jeder Zeit die Sicherheit hat, sofort wieder in das reiche Leben zurückzukehren, bleibt der Menschenfreund, der sich trotz bestem Willen nicht in die Gefühle anderer versetzen kann. Zutiefst menschlich, wer kann kann schon aus seiner Haut. Da bleibt es nur ehrlich zu sein und offen für anderes. Das ist er und diese Gabe wünscht man jedem. So kann er endlich der Welt zu offenbaren, dass die Haushälterin Kunkel (Dagmar Hellberg) für ihn mehr bedeutet. Der arbeitslose Erfinder Dr. Hagedorn (Armin Kahl) ist Objekt der Gesellschaft. Er selbst kann durch alle Mühen wenig bewegen. Er bekommt, weil man ihn für reich hält, Zuwendung. Die ist nicht ehrlich. Anerkennung bleibt erst einmal verwehrt. Er findet aber dann die Liebe in Hilde Tobler (Julia Klotz), die knallharte Geschäftsfrau, die sich in den Naturgewalten am Wolkenstein dem Gefühl hingibt, und dieses wohl auch dauerhaft zulässt. Aber das weiß der Wolkenstein allein. Toblers KammerdienerJohann Kesselhuth (Alexander Franzen) hat die Welt der gesellschaftlichen Klassen verinnerlicht. Er darf sie aber auch wechseln. Im Gegensatz zu seinem Chef stilsicher in die andere Richtung. So kann er doch noch für Bequemlichkeit sorgen, wenn diesem die Rolle des armen Schluckers nicht mehr gefällt.

  Laura Schneiderhan, Florine Schnitzel, Alexander Bambach (Ensemble), Peter Neustifter (Toni Graswander), Susanne Seimel (Mrs. Sullivan), Alexander Franzen (Johann Kesselhuth), Katharina Wollmann (Ensemble)  © Christian POGO Zach

Laura Schneiderhan, Florine Schnitzel, Alexander Bambach (Ensemble), Peter Neustifter (Toni Graswander), Susanne Seimel (Mrs. Sullivan), Alexander Franzen (Johann Kesselhuth), Katharina Wollmann (Ensemble) © Christian POGO Zach

Auch Johann findet seine Liebe, kann auch offener werden. Es wäre zu wünschen, wenn er nicht nur am Berliner Nollendorfplatz mit Toni Graswander (Peter Neustifter), dem Tiroler Skilehrer, dauerhaft glücklich werden könnte. Letzterer träumt davon, aus der Enge der Tiroler Bergwelt herauszukommen, nach Innsbruck, vielleicht sogar ganz weit weg, nach München. Für den Zuschauer wäre es tragisch. Denn wer würde sonst die Skistunde Skifahr’n im Schnee mit dem Graswander Toni anführen, die zur großen Steppnummer auf Skiern wurde. Auch wenn sie nicht ganz unfallfrei abläuft. Liebevoll klischeehaft wird die österreichische Dorfbevölkerung, die unter anderem das Hotelpersonal darstellt, gezeigt. Hotelpagen, die dauernd die Hand aufhalten (Maximilian Berling, Alexander Bambach, Christian Schleinzer) sorgen für viele Lacher. Der mit allen verwandte Eisbahnwart Sepp Graswander (Stefan Bischoff) weiß, wie man andere einspannen kann. Für das heimatselig-österreichische Kolorit sorgte der hinterlistige, auf seinen Vorteil bedachte Portier Polter (Eduard Wildner) musikalisch. Sein immer für telefonische Erreichbarkeit sorgender Hoteldirektor Kühne (Frank Berg) war bei seiner Degradierung richtig erleichtert, weil die Verantwortung von ihm fiel. Karriere und gleichzeitig jederzeit jeden Wunsch anderer erfüllen zu wollen, geht halt nicht. Zu Beginn des Silvester-Kostümballs sorgte Polter, auch typisch österreichisch, für einen besonderen Lacher, als er über SA-Uniformierte sagte: „Das sind keine Nazis, das sind Österreicher“. Als am Morgen danach die junge Schottin Mrs. Sullivan (Susanne Seimel) plötzlich das „Kostüm“-Hemd eines dieser Österreicher trug, blitzte bei mir unter dem Schnee ein Grüner Hügel hervor.

  Armin Kahl (Dr. Fritz Hagedorn), Erwin Windegger (Eduard Tobler), Alexander Franzen (Johann Kesselhuth)  © Christian POGO Zach


Armin Kahl (Dr. Fritz Hagedorn), Erwin Windegger (Eduard Tobler), Alexander Franzen (Johann Kesselhuth)
© Christian POGO Zach

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich bereits, als die männerverführende Frau Calabré (Sigrid Hauser) sich musikalisch als besonders anpassungsfähige Frau vorstellte (Ich pass’ mich an). Warum dachte ich sofort bei dem SCHWARZ-WEIßEM Kleid und den ROTen Haaren an die Alternative zu schwarz-rot-gold. Vielleicht lag es an den auf die Spitze gestellten rechten Winkeln? Auf jeden Fall eines von vielen tollen Kostümen von Dagmar Morell. Aber zurück zu Frau Calabré. Ihr heimtückisches Benehmen, ihren Willen durchzusetzen, erschauderte einen bei aller Komik. Gänzlich kam dieses Gefühl, als sie im Schlussbild, erblondet und sittsam gekleidet, neben ihrem Nazi-Ehemann stand. Warum musste ich da an die Kinder im Führerbunker denken und an ihre Mutter, die erst mit einem Großindustriellen und später mit dem Propagandaminister verheiratet war? Jetzt fällt es richtig schwer, auf alle anderen auf der Bühne zurückzukommen. Da gab es noch eine vom Kinderchor, Chor, die später immer wieder zum Lachen bringende Auftritte hatten, sowie dem Ensemble gesungenen Ouvertüre. Ganz modern also, da weiß das Publikum gleich, dass es keine Hintergrundmusik zur Unterhaltung mit dem Sitznachbarn ist. Und ohne die Menschen am Rande mit den ganz kleinen Geschichten (Florian Sebastian Fitz, Alexander Moitzi, Laura Schneiderhan, Florine Schnitzel, Katharina Wollmann, Martin Emmerling, Christian Weindl, Corinna Klimek, Veronika Kröppel und Kim Mira Meyer) hätte auch viel Stimmung gefehlt.

  Sigrid Hauser (Frau Calabré), Armin Kahl (Dr. Fritz Hagedorn)  © Christian POGO Zach


Sigrid Hauser (Frau Calabré), Armin Kahl (Dr. Fritz Hagedorn)
© Christian POGO Zach

Mich berührt also gute Operette. Ich hatte fast drei Stunden einen Heiden Spaß, habe mich selten so gut amüsiert. Die Musik setzte sich sofort in mir fest und ich hätte mitsingen können, obwohl ich sie das erste Mal hörte und sie doch anspruchsvolle Brüche in sich trug. Man hatte dauernd das gute Gefühl der Geborgenheit, alles zu kennen, jedoch merkte man immer, es ist alles ganz neu. Josef E. Köpplinger hat es wieder geschafft im klassisch geprägtem Bühnenbild von Rainer Sinell Menschen zu zeigen, die ganz nah bei uns sind, die einen berühren, mit denen man mitfühlt, auch wenn man herzhaft über sie lachen kann. Ist nicht das Lachen der beste Weg ins Nachdenken zu kommen? Wenn jeder ein klein wenig davon mitnimmt, dann haben wir uns die Operette zurückerobert.

DREI MÄNNER IM SCHNEE
Revueoperette

von Thomas Pigor
Nach dem Roman von Erich Kästner
Musik von Konrad Koselleck, Christoph Israel, Benedikt Eichhorn und Thomas Pigor
Orchestrierung von Konrad Koselleck
Kreative Mitentwicklung: Michael Alexander Rinz
Auftragswerk des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Uraufführung am 31. Januar 2019

Altersempfehlung ab 12 Jahren

Dirigat Andreas Kowalewitz
Regie Josef E. Köpplinger
Choreografie Adam Cooper
Bühne Rainer Sinell
Kostüm Dagmar Morell
Licht Michael Heidinger, Josef E. Köpplinger
Dramaturgie Michael Alexander Rinz

Eduard Tobler Erwin Windegger
Hilde Tobler, seine Tochter Julia Klotz
Dr. Fritz Hagedorn Armin Kahl
Johann Kesselhuth, Toblers Kammerdiener Alexander Franzen
Claudia Kunkel, Hausdame bei Toblers Dagmar Hellberg
Portier Polter Eduard Wildner
Hoteldirektor Kühne Frank Berg
Frau Calabré Sigrid Hauser
Toni Graswander Peter Neustifter
Sepp Graswander Stefan Bischoff
Tierhändler Seidelbast / Herr Calabré Florian Sebastian Fitz
Emir von Bahrein Alexander Moitzi
Liftboy Christian Schleinzer
Mrs. Sullivan Susanne Seimel
Zimmermädchen 1 Laura Schneiderhan
Zimmermädchen 2 Florine Schnitzel
Zimmermädchen 3 Katharina Wollmann
Page Beppi Maximilian Berling
Page Franzl Alexander Bambach
SA-Mann Martin Emmerling, Christian Weindl
Milchfrauen Corinna Klimek, Veronika Kröppel, Kim Mira Meyer
Chor, Kinderchor und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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Premiere Ball im Savoy, 19.01.2019, Staatstheater Nürnberg

Was hat eine Frau von der Treue?

Zur Premiere von Paul Abrahams Operette „Ball im Savoy“ am Staatstheater Nürnberg am 19. Januar 2019

Stehen uns nicht immer unsere Gefühle im Weg? Können wir noch gescheit sein, wenn uns unsere Gefühle lenken? Diese Fragen stellten sich wieder einmal bei mir ein. Nach einjähriger Hochzeitsreise kommt das Paar verliebt heim. Da ruft schon die Vergangenheit. Eine verflossene Liebe ruft den Gemahl, der mit seinem sequenziell-polyamorphen, türkischen Freund, diese unliebsame Begegnung mit Vergnügen hinter sich zu bringen versucht. Frau bekommt Hilfe von ihrer Cousine, die den Nachteil eine Frau zu sein nicht einsieht. Die Frauen kämpfen für gleiche Rechte und am Schluss siegt wie meist in der Operette die Liebe.

Regisseur Stefan Huber bedient sich hier nicht dem Operngesang, sondern besetzt die Rollen vorrangig mit singenden Schauspielerinnen, männliche wie weibliche. Die Geschlechter spielen den ganzen Abend keine oder eine ganz große Rolle. Rollenbilder werden gezeigt, aber besetzt sind sie oft entgegengesetzt. Beim „hohen Operettenpaar“ wird hier traditionell gespielt. Tobias Bonn als Ehemann und Friederike Haas als seine Gattin. Beide überzeugen gerade in ihren Zweifeln. Beim Buffopaar wird dann gewechselt. Werden komische Figuren komischer, wenn man gerade diese mit dem Gegengeschlecht besetzt? Auf jeden Fall waren Andreja Schneiders Mustafa Bei und Christoph Martis Daisy Parker fabelhaft, wenn sie ihre Pointen setzen durften. So spürte jeder, wie wichtig gut sprechende Darstellerinnen für die Operette sind. Wie oft habe ich mich schon gegruselt, wenn zwar schöne Töne zu hören waren, aber bei den Dialogen mir das Gespür für Betonungen oder sogar das Textverständnis fehlte. An diesem Abend war es größtenteils das Gegenteil. Wunderbar. Die verflossene war das gesangliche Highlight der Operette. Tangolita wurde gespielt von Andromahi Raptis, die auch sprachlich ebenbürtig zu ihren Schauspielerinnenkollegen agierte. Als Cem Lukas Yeginer in Rolle der Schneiderin auf die Bühne trat, um aus der anständigen Ehefrau ein Flittchen zu machen, fühlte ich mich an eine Dame erinnert, die jahrelang im Privatfernsehen Wohnräumen ein neues Image verpasste. Später wechselte er die Rolle zum extrem kurzsichtigen Junganwalt, der erst ein Abenteuer in allen Ehren mit einer anständigen Frau suchte und später den (nicht) betrogenen Gatten bei der Scheidung vertreten sollte.

Bevor sich der Vorhang öffnete, erlebte man die erste Überraschung: im Graben fand man keine Musikerinnen, sondern Palmen, die eine Showtreppe umrahmten, die auf die Bühne führte. Nicht ganz einfach, die Auftritte wirken zu lassen, wenn man mit dem Rücken zum Publikum Stufen erklimmt. Auf der Bühne spielte alles in variablen Art Deco-Elementen, die mit der Tänzergruppe zum Szenenwechsel tanzten. Die Tänzer füllten den Ballsaal, waren Begleiter der Modetanzikone Daisy, die den „Känguru“ nach Europa brachte, bildeten aber auch die Bauchtanzgruppe. Bei der Komik und der Travestiebesetzung blieb das sich doch nicht betrügende Ehepaar nicht so im Gedächtnis wie sie begleitenden Personen. Es mag daran liegen, dass die Darstellung der „Geschwister Pfister“, mit der Rampensau Ursli die Inszenierung prägt. Denn es wurde die Operettenrolle von der Pfisterrolle gespielt. Aber auch in dieser Schachtelung schafft es Stefan Huber den Charakteren eine Persönlichkeit zu geben, die einen berührt. Man lacht mit ihnen, ist berührt, aber man lacht sie nicht aus. Gerade die Rolle des Mustafa Bei berührt einen bei aller Komik. Denn die Komik wird aus bestehenden Vorurteilen geholt. Es ist jemand, der zwischen Kulturen oder Zeiten wandelt, eine nicht verlassen kann und in der anderen nicht vollständig ankommt. Sind nicht viele von uns nicht in ähnlicher Lage? Können und wollen wir mit den Veränderungen um uns herum mithalten oder an unseren Erfahrungen und unserer (auch geschönten) Erinnerung festhalten? Genau dieser Zwiespalt kam unheimlich humorvoll rüber. Die Reise nach Nürnberg hat sich gelohnt und verlangt nach Wiederholung.

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Das Land des Lächelns – Lehár Festival Bad Ischl

Thomas Blondelle und Alexandra Reinprecht © www.fotohofer.at

Thomas Blondelle und Alexandra Reinprecht
© www.fotohofer.at

Die gar nicht lustige Witwe

Schon 1905 brachte Franz Lehár eine selbstbewusste, junge Frau auf die Bühne: Hanna Glawari, die als lustige Witwe ihren Danilo aus dem Maxim in den Ehestand holte. Die Lisa in Land des Lächelns musste sich nicht so große Mühe geben, um ihrer Liebe zu folgen, denn am Ende des ersten Aktes reiste sie mit ihrem Prinzen Sou-Chong ab nach China. Aber die noch stärker auf Außenwirkung und Tradition setzende Gesellschaft lässt eine nur auf Liebe basierende Verbindung zweier Menschen nicht zu. So bleibt Lisa am Ende nur die Rückkehr nach Wien, die als Entführung aus der verbotenen Stadt beginnt – allein ohne ihren Prinzen, der nur in der Güte, die Europäer ziehen zu lassen, einem Bassa Selim gleicht. Das klingt eher nach einer Puccini-Oper in Erinnerung an Mozart, und Lehárs Musik ähnelte auch manchmal der seines italienischen Freundes. Aber wie macht man dann daraus eine Operette? Man schreibt noch Buffo-Rollen dazu und ergänzt dafür eine passende Musik. Und schon ist die Operette fertig.

Chor des Lehár Festivals Bad Ischl © www.fotohofer.at

Chor des Lehár Festivals Bad Ischl © www.fotohofer.at

Die Wiener Kostüme erinnern an das untergehende K. u. K. Die Chinesen sind so gekleidet, wie man sich das kaiserliche China vorstellt, wobei die laut Text bei der Ministerernennung nicht anwesenden Damen eher klassische, kurze, rote Kleider tragen. Das Bühnenbild stellt einen alten Stadtplan Wiens dar, der in den China-Akten teilweise von hinten mit Lampions beschienen und durch hohe Paravents ergänzt wird. Die Ausstattung stammt von Toto.

Jetzt zur Inszenierung. Diese ist ganz auf die Personenführung eingestellt, wobei man die Geschichte ganz klassisch erzählt. Jedoch schaffen es fast alle Darstellerinnen und Darsteller mich von ihrer persönlichen Geschichte zu überzeugen und mich zum Nachdenken zu bringen. So entfaltet sich für mich ein zweiter Blick. Lisa, unsere junge Witwe, zeigt Modernität. Sie steht für den gesellschaftlichen Wandel. Dieser fällt aber nicht auf fruchtbaren Boden. Sogar die Frauen, denen viele Rechte vorenthalten werden, kritisieren sie. Prinz Sou-Chong, der in Wien noch für alles Neue offen ist, wird Ministerpräsident. Er hat also politische Macht. Er lässt sich aber nicht auf Neues ein. Unter dem Druck eines angeblichen Volkswillen, das nur lautstark durch seinen Onkel führt er die alten Zustände weiter, obwohl er selbst spürt und auch bei seiner Schwester sieht, wie menschenverachtend diese Politik ist. Da stellt sich die Frage, müsste nicht ein Politiker gescheiter sein und nicht besonders laut verkündeten Parolen hinterher laufen? Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Besucht wurde die Vorstellung am 4. August 2018

BESETZUNG

Musikalische Leitung: Daniela Musca

Inszenierung: Wolfgang Dosch

Ausstattung: Toto

Lisa, Tochter des Grafen Ferdinand Lichtenfels: Alexandra Reinprecht
Prinz Sou-Chong: Thomas Blondelle
Mi, dessen Schwester: Verena Barth-Jurca
Graf Gustav von Pottenstein (Gustl): Peter Kratochvil

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Die Blume von Hawaii – Lehár-Festival Bad Ischl

Da steppt die Südsee

Sieglinde Feldhofer und Chor des Lehár Festivals Bad Ischl © www.fotohofer.at

Sieglinde Feldhofer und Chor des Lehár Festivals Bad Ischl
© www.fotohofer.at

Die Operetten von Paul Abraham erleben eine Renaissance. Das ist insbesondere Henning Hagedorn und Matthias Grimminger zu verdanken, die auf Basis der Originalpartituren eine bühnentechnische Einrichtung erarbeiten, die uns heute einen Eindruck verschafft, wie die damals moderne, jazzige Musik klang, bevor nach völkischen Klängen der Nazizeit und der – für die Operette – ebenso schlechten Zeit der Heile-Welt-Weichspülung die freche, moderne Version dieses musikalischen Unterhaltungstheater verschwand. Die Musik hat diese Wiederentdeckung verdient. Das Aber was macht man mit der oft hanebüchenen Handlung? Da braucht es neue Ideen. Und die hatte der neue Intendant des Lehár-Festivals Thomas Enzinger. Er baute die frei erfundene Geschichte der letzten Königin von Hawaii in eine sehr nachdenklich machende Rahmenhandlung ein. Paul Abraham selbst, gespielt von Mark Weigel, ersteht wieder auf. Von der Syphilis verwirrt berichtet er aus seinem Leben und wie er damals, als er gefeierter Star in Deutschland war, die Operette schrieb. Sein Arzt (Gaines Hall) und auch er selbst werden zu Figuren in dieser Südsee-Operette. Es beginnt zum einem ein Heidenspaß mit viel Komik, platten, hier aber wunderbar passenden Witzen, zum anderen zwei sehr bewegende Geschichten, die für Hawaii einsetzende Kolonialzeit und die Flucht des gefeierten Komponisten und sein Absturz. Wie sagt er hier: Er hätte nie gedacht, dass man der Operette den Krieg erklärt. Besonders bewegt hat mich seine Schilderung, wie er, als um sein Leben zu retten, Geflüchteter auf eine seine Leistungen nicht anerkennende, fremde Welt trifft. Da kann man nur hoffen, dass diese Botschaft beim Publikum ankommt. Leider bezweifle ich das bei einigen, denn als er von seinen Fehlfunktionen des Gehirns aufgrund seiner Syphilis berichtete, kommentierten dies doch recht viele Zuschauerinnen und Zuschauer mit Gelächter. Es sind wohl zu viele aus der Zeit, als die Operette den Krieg verloren hatte, im Saal. Ischl braucht hier dringend Nachwuchs, der sich auf die politische, erotische und freche Operette einlässt. Und es lohnt sich, was hier zu sehen ist.

René Rumpold, Ramesh Nair und Chor des Lehár Festivals Bad Ischl © www.fotohofer.at

René Rumpold, Ramesh Nair und Chor des Lehár Festivals Bad Ischl
© www.fotohofer.at

Jetzt aber zum richtig vergnüglichen Teil der Inszenierung. Tragendes Element war der Tanz. Das ganze Ensemble wirbelte und steppte wie im Broadway-Musical, wie man es zum Beispiel von Cole Porter kennt. Choreografiert hat dieses Ramesh Nair, der selbst als Botschaftssekretär sein komisches Talent unter Beweis stellte. Mit immer neuen, aber oft wirkungsfreien Ideen, die Liebe zur Gouverneursnichte Bessi zu gewinnen, stand ihm die geschäftstüchtige, witzige Hawaiianerin Raka (Susanna Hirschler) zur Seite. Hauptperson war aber Prinzessin Laya, hinreißend gespielt von Sieglinde Feldhofer, die sich zwischen dem Elvis-Prinzen Lili-Taro (Clemens Kerschbaumer), der für sie und die Freiheit Hawaiis den Tod vorziehend am Ende des zweiten Akts in den „ewigen Frühling“ aufs offene Meer hinaus fuhr, und dem seine vaterländischen Pflichten aus Liebe vergessenden Kapitän Stone (René Rumpold) entscheiden musste. Im dritten Akt hat Stone, der Lilo-Taro aus dem Pazifik gerettet hat, ganz viel Glück beim Spiel in Monte Carlo, wofür natürlich Layas späte Entscheidung für ihr Lilo-Taro Ursache ist. Zum Glück von Stone ist die Rolle von Frau Feldhofer eine Doppelrolle, und Stone bekommt die Doppelgängerin, den Bühnenstar Suzanne Provence, als Braut. Aber auch ein viertes Paar findet sich, die selbstbewusste Raka bekommt mit den Jazzsänger Jim Boy (Gaines Hall), dessen Rolle die Regie bestimmt vor eine schwere Aufgabe gestellt hat. Statt hier ein rassistisches Blackfacing zu zeigen, wurde dieses in die Handlung einbezogen und nur durch ein paar Schwarze Fingerstreifen angedeutet, wie auch der Song, in dem sich Jim selbst als Nigger bezeichnet, durch den Verweis auf Abrahams eigene Verfolgung als Jude in einen kritischen Zusammenhang gestellt wurde.

Entsprechend der Rahmenhandlung waren auch die Kostüme der Spielhandlung im 50er Jahre-Style, dabei aber Hawaii-bunt. Toto, der sowohl Kostüme wie auch das Bühnenbild verantwortete, reduzierte letzteres auf ein paar glitzernde oder blumige Deko-Elemente, was genügend Platz auf der kleinen Bühne, die den Orchestergraben umschloss, für das eigentliche Spiel gab.

Die Vorstellung endete damit, dass Paul Abraham wieder in die Realität von 1950 in der New Yorker Nervenheilanstalt zurück geholt wurde, um ihn für den Flug nach Deutschland vorzubereiten, was mit projizierten Fotos seinen Abschluss fand.

Ein ganz großes Lob für dieses hervorragende Inszenierung. So wird Operette wieder lebendig.

Besucht wurde die Vorstellung am 5. August 2018

Besetzung
Musikalische Leitung: Marius Burkert
Inszenierung: Thomas Enzinger
Ausstattung: Toto
Choreografie: Ramesh Nair
Licht: Sabine Wiesenbauer
Dirigent & Chorleitung: Gerald Krammer

In den Rollen:
John Buffy, Sekretär des Gouverneurs: Ramesh Nair
Raka, eine junge Hawaiierin: Susanna Hirschler
Prinzessin Laya (und Suzanne Provence): Sieglinde Feldhofer
Prinz Lilo-Taro: Clemens Kerschbaumer
Reginald Harold Stone, Kapitän der amer. Marine: René Rumpold
Jim Boy, ein amerikanischer Jazzsänger: Gaines Hall
Bessi Worthington, Nichte des Gouverneurs: Nina Weiß
Paul Abraham (und Lloyd Harrison, amer. Gouverneur): Mark Weigel

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Uraufführung La Strada, 12.07.2018, Gärtnerplatztheater

La Strada – Gefühle unterwegs

 Verónica Segovia © Marie-Laure Briane

Verónica Segovia
© Marie-Laure Briane

 Alessio Attanasio, Verónica Segovia © Marie-Laure Briane

Alessio Attanasio, Verónica Segovia © Marie-Laure Briane

Am Vorabend der Premiere las ich die Vorberichte in der Süddeutschen Zeitung. Da stand, dass man, wenn man den Film nicht kennt, sich die Handlung vor der Vorstellung anlesen könnte oder auf der Fahrt mit der S-Bahn den halben Film auf YouTube sehen könnte. Das war der Auslöser keine weiteren Vorbereitungen für meinen Besuch zu treffen und alles einfach wirken zu lassen.

Auf der schwarzen Bühne, im Hintergrund ein Meer? oder ein Kornfeld. Davor die Tänzerinnen und Tänzer des Gärtnerplatztheaters. Eine abwechslungsreiche Musik, die ihre Herkunft aus der Begleitung eines Films nicht versteckte. Das sind die Zutaten, die mich berührten. Relativ schnell kam in mir die Vorstellung hoch, dass es hier ein Hörspiel für die Augen gibt. Bilden sich bei einem Hörspiel Bilder im Kopf aus, entstanden hier Assoziationen und Erinnerungsmomente. La Strada habe ich nie gesehen, also nährten sie sich aus anderem: nächtliche Straßenszenen aus Don Camillo, Revuefilme mit Caterina Valente, West Side Story, Duracell,… also vielfach Dinge, die schon meine Eltern in der Jugend kannten und die mich auch in Kindheit und Jugend begleiteten. Es fühlte sich gut an. Warum passierte das? Ich weiß es nicht. Passt das zur Geschichte, die der Film erzählt? Ich weiß es nicht. Aber es fasziniert mich. Dazu trägt insbesondere bei, dass mich die Bewegungen irritierten. Wie geht das? Viele schnelle, harte Bewegung, gleichzeitig leicht und fließend. Dazu gibt es Körperhaltungen, die ich für unmöglich hielt, die aber auch unheimlich ausdrucksstark sind. Mir stellt sich die Frage, soll ich beim nächsten Besuch die Bilder auf mich noch einmal so wirken lassen oder sollte ich mich doch mit der Handlung beschäftigen, und versuchen sie auf der Bühne nachzuvollziehen? Vielleicht lasse ich mir noch ein paar Vorstellungen Zeit dazu.

Termine

14.07.2018 19.30 Uhr
15.07.2018 18.00 Uhr
17.07.2018 19.30 Uhr
23.07.2018 19.30 Uhr

Tickets

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Minutemade Act two, 23.03.2018, Gärtnerplatztheater


MINUTEMADE, Choreografie: Stijn Celis
Lieke Vanbiervliet
© Marie-Laure Briane

Ich hab’ getanzt heut’ Nacht

Ein Raum. Eine Woche. 20 Tänzer. 

Not macht erfinderisch. Nachdem 2012 der Umbau startete und man auf Wanderschaft ging, kam Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner auf die Idee, einen besonderen kreativen Prozess zu starten. Er lud Gastchoreografinnen und Gastchoreografen ein, innerhalb einer Woche 30 Minuten Tanz mit der Ballettcompanie zu entwickeln. Dieses Format entwickelte sich, eine Reihe wurde beispielsweise von den Tänzern selbst gestaltet, und zog auch mit ins Stammhaus ein. Die schnelle wöchentliche Folge konnte wohl nicht mehr gehalten werden, so dass zwischen den ersten beiden der 3 Abende diesmal über 3 Monate lagen. Das führte dazu, dass mein Erinnerungsvermögen nicht ausreichte, die Wiederholung des ersten Teils auf Identität mit seiner Erstaufführung zu vergleichen. Ich konnte es neu erleben und die schönen Erinnerungen kamen dann spontan. Es war eine wilde Kollage, die immer neue Bilder schuf, was Stijn Celis im Dezember entwickelte. Das ganze endete damit, dass man manche aus dem Publikum auf die Bühne bat, und ich selbst, mit der Beweglichkeit eines nassen Sacks ausgestattet, auf dem Tanzboden die Musik in eigene Bewegung umsetzte. Damit das dann nicht zu verstörend wurde, lockte dann das Angebot eines Freibiers zurück auf die Plätze und der zweite, neu entwickelte Teil des Abends, für den Damien Jalet verantwortlich zeichnet, begann. Obwohl man denkt, dass die ‚wilde‘ Party mit den Zuschauern einen Bruch darstellen muss, wurde dieses sehr dynamische Bild in ein sehr ruhiges, auf Rückzug ausgerichtetes Bild überführt. So konnte mit neuen, ebenso beeindruckenden Sequenzen der Abend zu einem harmonischen Ganzen werden. Ich freue mich jedesmal wie ein Kleinkind auf Weihnachten auf die jährliche Minutemade-Reihe. Und wie ein Kind bedauere Ich jedesmal, dass nur einmal im Jahr Weihnachten ist. Ich würde gern mehr dieser Art sehen.

Uraufführung

ACT ONE   Fr 8. Dezember 2017
Daniela Bendini und Moritz Ostruschnjak / Stijn Celis

ACT TWO   Fr 23. März 2018
Stijn Celis / Damien Jalet

ACT THREE   Fr 20. April 2018
Damien Jalet / Marina Mascarell

Besetzung

am 23.03.2018

Choreografie Stijn Celis / Damien Jalet 

Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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Premiere Maria Stuarda, 22.03.2018, Gärtnerplatztheater

 Elaine Ortiz Arandes (Anna Kennedy), Jennifer O'Loughlin (Maria Stuarda), Christoph Seidl (Georg Talbot), Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach


Elaine Ortiz Arandes (Anna Kennedy), Jennifer O’Loughlin (Maria Stuarda), Christoph Seidl (Georg Talbot), Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
© Christian POGO Zach

England – Schottland 1:0

Dass die Titelrolle eines Stücks am Ende stirbt, findet man nur selten am Gärtnerplatztheater. Wenn ich nun von einigen höre, dass die Maria Stuarda Staatsopernniveau hat, liegt das bestimmt nicht daran. Für mich ist diese Inszenierung, die am 22. März ihre Premiere feierte, aber etwas Eigenständiges. Das fängt damit an, dass man keine Inszenierung auf die Beine stellen muss, wo die Besetzung stets austauschbar bleiben muss. Man setzt auf das Ensemble und nicht auf Stars und große Namen. Das kann man am Gärtnerplatztheater auch wunderbar, hat man doch genau die Sängerinnen und Sänger, die die Rollen großartig ausfüllen. Das beginnt mit Jennifer O’Loughlin, die die Titelpartie grandios interpretierte. Es ging weiter mit Lucian Krasznec als zwischen Maria und Elisabeth pendelnder Liebhaber Roberto und gilt ebenso für Matija Meić in der Rolle des Lord Cecil und Levente Páll als Talbot. Dazu kommt die in der Rolle der Anna Kennedy zurückhaltend präsente Elaine Ortiz Arandes. Nur die Rolle der Elisabeth hatte man mit einer ebenso glänzenden Nadja Stefanoff als Gast besetzt.


Matija Meić (Sir William Cecil), Nadja Stefanoff (Elisabetta), Christoph Seidl (Georg Talbot), Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
© Christian POGO Zach

Als sich der Vorhang öffnete blickte man auf ein Monstrum aus Plexiglas und Stahl mit einer überdimensionalen Automatik-Schiebetür hinter einer Freitreppe. Es senkten sich einige Kristalllüster und der Chor trat in prachtvollen Renaissancekostümen auf. Dieser Kontrast hat mich begeistert. Bei den Personen erkannte man so doch jede historische Persönlichkeit ohne raten zu müssen. Durch Drehbühne und versenkbarem Podium wechselte man schnell in unterschiedliche Orte. Die Personenführung wirkte nur im ersten Moment statisch, schaute man genau hin, gibt es jede Menge auch in kleinsten Bewegungen und Mimik zu entdecken, so dass mich die Inszenierung fesseln konnte. Was Regisseur Michael Sturminger und was Co-Regisseurin Ricarda Regina Ludigkeit zuzuschreiben ist, bleibt natürlich ein Geheimnis. Aber die Wirkung mich in den Bann zu ziehen wurde erreicht. Ich war froh am Gärtnerplatztheater ganz nah zu sein zu können und nicht an der Staatsoper weit von der Bühne entfernt. Und wem schöne Bilder, tolle Musik von fantastischen Künstlerinnen und Künstlern auf die Bühne gebracht nicht genug ist, darf sich natürlich auch mit den historischen Personen beschäftigen. Beiden Königinnen ging es um ihre Macht. Für beide war das Töten von Gegnern immer eine Option. Dass sie dazu auch den Glauben als Rechtfertigung heranzogen, sollte uns zu denken geben. Ich hoffe, dass die Menschheit da irgendwann klüger wird. Leider gibt es auch in Deutschland und Europa viel zu viele Politiker, die das anders sehen…

Besetzung

am 22.03.2018

Bühne / Kostüme Andreas Donhauser, Renate Martin
Choreinstudierung Felix Meybier
Dramaturgie Daniel C. Schindler
Maria Stuarda Jennifer O’Loughlin
Elisabetta Nadja Stefanoff
Graf Leicester Lucian Krasznec
Georg Talbot Levente Páll
Sir William Cecil Matija Meić
Anna Kennedy Elaine Ortiz Arandes

Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Weitere Termine:
27.03.2018 19:30 Uhr
02.04.2018 18:00 Uhr
13.04.2018 19:30 Uhr
06.05.2018 18:00 Uhr
25.05.2018 19:30 Uhr
31.05.2018 18:00 Uhr

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Ba-ta-clan, 16.03.2018, Silbersaal des Deutschen Theaters

Notenheft Jaque Offenbach - BA-TA-CLAN.jpg

Von Unbekannt – http://operetta-research-center.org/wp-content/uploads/2017/01/bata-e1485606668958.jpg, Gemeinfrei,

Wikipedia mit Musik: Ba-ta-clan – Palast des Lächelns NACH Jacques Offenbach

Masterclass-Studierende der Theaterakademie August Everding sind keine Unbekannten im Silbersaal des Deutschen Theaters. Derzeit stehen sie mit einem Stück Offenbachs, dem die Erfindung der Operette zugeschrieben wird, auf der dortigen Bühne. Der Einakter aus dem Jahr 1855 ist eine typische Offenbachiade, also ein musikalisches Stück, das satirisch dem Pariser Bürgertum den Spiegel vorhält. Anspielungen, die damals jeder begriff, sind nicht so leicht ins München 2018 zu bringen. Deshalb steht auf dem Werbeflyer „Regisseur Frieder Kranz verwebt geschickt… die eigentliche Handlung mit den Historien des Deutschen Theater München und dem Pariser Theater Bataclan …“. Mich erinnerte es eher daran, wenn ich die Kopfhörer meines Handys, das Ladekabel und das Schlüsselband aus der Hosentasche hole. Da muss man lange entknoten, damit sich der Nutzen entfalten kann. Der Nutzen des Abends war für mich, meinen Bestand an ‚unnützem Wissen‘ zu erweitern, das ich dann auf andere ablassen kann: wer war eigentlich Jacques Offenbach, in welcher Beziehung stand er zu Hortense Schneider, wer leitet das Deutsche Theater heute, wer hat es gebaut, wo war der Feenpalast in München, welche Bedeutung hat das Deutsche Theater im Werk von Frank Wedekind, welche Bedeutung hatte Meyerbeer im Vergleich zu Gilbert und Sullivan für die Entstehung von Monty Python und noch ganz viel mehr? Irgendwann wusste man nicht mehr auf welcher Metaebene man sich zwischenzeitlich befand. Dazu kam die Musik, ganz viel Offenbach, nicht nur aus Ba-ta-clan. Orpheus in der Unterwelt und Hoffmanns Erzählungen waren dauernd zu erkennen. So gab Chris W. Young zum Beispiel eine Olympia und verwandelte Hans Styx in einen Prinzen von Bavarien. Julian Schier steppte die Geschichte vom Kleinzack. Die Barcarole erklang auch. Dazu kamen Chanson, Musical und Oper. So zeigten auch Lean Fargel und Joanna Lissai die Bandbreite ihres Könnens. Wieviel wird wohl von diesem Abend bei mir hängen bleiben?

BESETZUNG
Musikalische Leitung und Einstudierung Christoph Weinhart
Inszenierung Frieder Kranz
Bühne und Kostüme Christl Wein-Engel
Dramaturgie Lena Scheungrab
Künstlerische Produktionsleitung Matthias Gentzen
Regieassistenz und Abendspielleitung Lili König

Mit Joanna Lissai, Lean Fargel, Julian Schier, Chris W. Young

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Priscilla – Königin der Wüste, 14.03.2018, Gärtnerplatztheater


Ensemble
© Marie-Laure Briane

Mit dem Barbie Camper in die Jugend

Heute ging es für mich mittlerweile zum 8. Mal mit dem alten Schulbus quer durch Australien. 3 reizende Fahrtbegleiterinnen machten die Reise unvergesslich. Fangen wir mit Adam an. Jung, schön, frech. Mit dem Traum, Kylie Minogue auf dem Ayers Rock darzustellen. Bernadette, die älteste. Sie hat viel erlebt. Doch fürs Herz hatte sie noch nicht das richtige. Und Tick. Eine Frau hat seine Ehe auseinander gebracht. Die Frau in ihm. Doch seine Frau bittet ihn zu Beginn des Stücks zu ihr zu kommen und in ihrem Hotel aufzutreten. Die drei machen sich auf den Weg und erleben viel. Viel Liebe aber auch Abscheu.
Das ganze wird durch die Songs getragen. Die Songs meiner Jugend. Ein Hit nach dem anderen. Dazwischen Tiefe und ganz viel Komik. Aber immer Glamour und ganz viel Tanz.

Taucht man richtig in das Stück ein, fühlt man immer mehr die Handlung und weniger weniger die Musik. Das zeigt, dass die Folge der Disco-Hits und Szene-Hymnen nur oberflächlich ist. Beeindruckend ist die Altersweisheit von Bernadette. Trotz der Wortgefechte mit Adam zeigt sie immer wieder starke Gefühle. Die Jugend muss auch hier Erfahrungen machen, aber das Alter fängt sie auf, beschützt sie. Erwin Windegger schafft es hier, bei der Verletzlichkeit von Bernadette das Wohlgefühl herzustellen, wenn man eine starke Person braucht. Irgendwie spiegelt das auch viel von mir. Belohnt wird Bernadette mit der Zuneigung von Bob (Frank Berg), der trotz seiner bodenständigen und einfachen Art, im Gegensatz zu der sonstigen Bevölkerung des Outbacks, den Menschen und nicht sein Äußeres beurteilt, und dadurch vorurteilsfrei Kunst genießen kann.

Das Ensemble war fantastisch. Hervorzuheben jedoch die 3 Hauptdarsteller: Neben Erwin Windegger, Armin Kahl und Terry Alfaro. Sowie mein besonderer Liebling, die Vokuhila-Queen, perfekt dargestellt von Angelika Sedlmeier. Tolle Kostüme von Alfred Mayerhofer, eine bewegte Choreografie von Melissa King, in einem abwechslungsreichen Bühnenbild von Jens Kilian. Fantastisch inszeniert von Gil Mehmert.

Einen kleinen Wehmutstropfen hatte ich aber heute: meinen Platz. Vorn im Parkett aber fast am Rand. Während Bernadette die Kunst der synchronen Lippen beschwörte, konnte ich meine Augen und Ohren nicht richtig synchronisieren. Der Klang kam laut aus dem Lautsprecher von links, zu sehen gab es aber nur etwas rechts. Das macht etwas se(e/h)krank.

Besetzung am 14.03.2018

Dirigat Jeff Frohner
Regie Gil Mehmert
Choreografie Melissa King
Bühne Jens Kilian
Kostüme Alfred Mayerhofer
Licht Michael Heidinger
Video Raphael Kurig, Meike Ebert
Dramaturgie Michael Alexander Rinz

Tick Armin Kahl
Bernadette Erwin Windegger
Adam Terry Alfaro
Diven Dorina Garuci, Amber Schoop, Jessica Kessler
Bob Frank Berg
Marion Tanja Schön
Benji Matthias Thomas
Cynthia Marides Lazo
Shirley Angelika Sedlmeier
Miss Verständnis Eric Rentmeister
Miss Fernanda Falsetta Jurriaan Bles
Jimmy Karim Ben Mansur
Ensemble John Baldoz / Jurriaan Bles / Alex Frei / Dorina Garuci / Luke Giacomin / Jessica Kessler / Marides Lazo / Karim Ben Mansur / Rachel Marshall / Andreas Nützl / Eric Rentmeister / Adriano Sanzò / Tanja Schön / Amber Schoop / Susanne Seimel / Samantha Turton

Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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Premiere La Forza del Destino, 20.02.2018, Teatro Pérez Galdós

Was das Schicksal macht

Wenn einer eine Reise tut, dann geht er in n die Oper. Das ist in Spanien nicht immer ganz leicht und auf Gran Canaria schön gar nicht. Aber jetzt hatte ich das Glück, dass das schöne Theater Pérez Galdós in Las Palmas bespielt wurde. Den Wink des Schicksals muss man nutzen. Die Handlung ist schnell erzählt: Vater stört Liebespaar, kommt im Handgemenge um, Liebhaber wird verfolgt, am Ende kommt der Tod. Klingt wie Don Giovanni, war aber La Forza del Destino.

Diese Verdi-Oper stand bei mir in den letzten gut 30 Jahren, die ich regelmäßig ins Theater gehe, noch nicht auf dem Programm. Es wurde also Zeit, diese herrliche Musik zu genießen. Dazu in diesem wunderschönen Theater. Die Inszenierung wirkte etwas sehr statisch. Vielleicht lohnt sich für 3 Vorstellungen auch eine lange Probenzeit nicht? Das Bühnenbild bestand aus einem in die Unendlichkeit laufenden karierten Boden. Einzelne Karos wurden angestrahlt, so wussten die Sänger, wo sie zu stehen hatten. An der Decke wiederholte sich das Ganze, wobei diese in einer Szene überdimensionale Stifte herunterließ, ein anderes Mal ein in Karoresten leuchtendes Kreuz, und die sich zum Schluss in einige Puzzleteile auflöste. Das war schon beeindruckend. Bis auf ein paar Hocker oder Bänke sowie einen Karokäfig blieb die Bühne ansonsten leer. Nur einige schwarzmaskierte Statisten, die auch einmal am Bühnenrand Irgendetwas um warfen, waren stets präsent. Es war also ratsam, sich die Handlung vorher anzueignen. Im Gegensatz zu dieser modernen Bühnenbildgestaltung waren die Kostüme im Stil der Renaissance gehalten. Die Handlung ist im Barock angesiedelt …

Sae Kyung Rim als Leonora strahlte gesanglich. Das kannte ich schon von ihrer Aida im Prinzregententheater. Aquiles Machado als Don Alvaro war der stimmlich passende Partner. Die Stimme von Sergey Murzaev war mir für den Don Carlo zu alt. Alle drei bekamen regelmäßig Szenenapplaus. Auch die kleinen Rollen waren gut besetzt und der Chor rundete alles harmonisch ab. Fantastisch war der Liveklang, den ich insbesondere bei Operetten immer mehr vermisse.

Besucht wurde die Premiere von La Forza del Destino im Teatro Pérez Galdós in Las Palmas de Gran Canaria.

Sae Kyung RIM – Leonora
Aquiles MACHADO – Don Alvaro
Sergey MURZAEV – Don Carlo
In Sung SIM – Guardiano
Pietro SPAGNOLI – Fra Melitone
Belén ELVIRA – Preziosilla
Jeroboám TEJERA – Marquese/Alcaide
Andrea GENS – Curra
Francisco NAVARRO – Trabucco
Elu ARROYO – Chirurgo

Sergio ALAPONT – Dirección musical (musikalische Leitung)
Alfonso ROMERO – Dirección escénica (Regie)
Carlos SANTOS – Escenografía (Bühnenbild)
Sergio PALADINO – Asistente de dirección de escena y de movimiento escénico
José FERNÁNDEZ “Txema”- Iluminador
Laïla BARNAT- Repertorista
Laura NAVARRO – Regiduría general y Jefa de escenario
ORQUESTA FILARMÓNICA de GRAN CANARIA
CORO de la ÓPERA de LAS PALMAS DE GRAN CANARIA
Olga SANTANA – Dirección (Chorleiterin)

Weitere Vorstellungen am 22. und 24. Februar 2018

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