Faschingskonzert, 10. und 12.02.2013, Gärtnerplatztheater (in der Alten Kongresshalle)

»Faschingskonzert 2013« Kann man ein Orchester vermissen? Oder einen Chor? Solisten sowieso? Ja man kann. Also ich zumindest. Ganze zwei Monate ist es her, bei der Premiere von Johanna auf dem Scheiterhaufen, dass ich die meisten der Mitwirkenden zuletzt gesehen habe. Menschen, die ich früher dreimal in der Woche und mehr gesehen und gesprochen habe. An diesen Abenden ist mir wieder bewusst geworden, was für ein großes Loch bei mir klafft, auch wenn es im Alltagschaos meistens nicht so scheint. Schon allein deshalb haben sich diese beiden Abende gelohnt.

Es waren schöne Konzerte, eine feine Musikauswahl, sehr gut musiziert – aber es deckte sich nicht ganz mit meiner Vorstellung eines Faschingskonzertes. Ich bin zwar ein ausgemachter Faschingsmuffel, aber die Konzerte des Gärtnerplatztheaters waren immer die große Ausnahme. Fasching, das ist für mich Kostüme, närrisches Treiben, lachen und fröhlich sein. Und warum sollten sich die Zuschauer verkleiden, wenn auf der Bühne Frack und Abendkleid vorherrschen? Natürlich gab es auch was zu lachen, zum Beispiel bei A grand grand Overture op. 57 für 3 Staubsauger, 1 Bodenpolierer, 4 Gewehre und Sinfonieorchester von Malcolm Arnold mit den wunderbaren solistischen Leistungen von , , E. Köpplinger und Michael Otto an den Haushaltsgeräten. Oder beim Final de la Neige aus der Le Voyage de la Lune von , bei dem die Fröhlichkeit der Solisten , , , und ansteckend wirkte und der Funke zum Publikum übersprang. Oder bei dem wirklich exzellent gesungenen und mit ein paar kleinen szenischen Details aufgepeppten Volkslied Als wir jüngst zu Regensburg waren des wie immer fantastischen Chors des Gärtnerplatztheaters unter der Leitung von . Oder das schwungvolle Abba-Medley des Kinderchores unter der Leitung von und begleitet von am Klavier mit einem tollen Solo einer leider nicht genannten jungen Sängerin. Und natürlich The Typewriter mit am Schreibmaschinensolo. Beim altbekannten Duetto buffo di due gatti von konnte man sehr gut die ausgeprägten komischen Talente von und Elaine Ortiz-Arandes beobachten, genauso wie die von und in O Theophil aus der Frau Luna von Paul Linke.

Ansonsten war es wie gesagt sehr fein musiziert, aber nicht wirklich faschingsmäßig. Pedro Velázquez Diaz sang mit strahlender Höhe Dein ist mein ganzes Herz und Nessun dorma, der Summchor aus Madama Butterfly war wunderschön und hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Temperamentvoll der Auftritt von mit einem Lied aus einer Zarzuela, dem spanischen Pendant einer . ließ mit Some enchanted evening Herzen schmelzen und das Orchester sowohl unter als auch unter zeigten ihr ganzes Können bei der Ouvertüre zu La gazza ladra, dem Ballsirenen-Walzer von , der aus der letzten Fledermaus-Inszenierung bekannten Polka Ohne Sorgen von Strauß und bei der Begleitung der Solisten quer durch alle Genres. Das Finale des 3. Aktes der Pariser Leben war mir persönlich ein bisschen zu lang, aber vielleicht hab ich mich auch einfach geärgert, dass mein Französisch so eingerostet ist, dass ich nicht alles verstanden habe.

Alles in allem ein schöner Abend, nur halt nicht so ganz ein Faschingskonzert.

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Simon Keenlyside, Angelika Kirchschlager – Dein ist mein ganzes Herz

Der englische Bariton und die österreichische Mezzosopranistin haben mit dieser Aufnahme, mit dem Dirigenten und dem , eine ganz reizende Zusammenstellung der schönsten Operetten-Melodien vorgelegt. Wunderschön sind die Duette aus Emmerich Kalmans Csardasfürstin: “Weißt du es noch” und “Tanzen möcht’ ich”. Auch die anderen Ausschnitte aus Die Lustige Witwe, Boccaccio und anderen bekannten Operetten sind großartig. Die einzige Arie, die mir nicht so gut gefällt, ist “Ich lade gern mir Gäste ein” aus der Fledermaus – aber die Hosenrolle des Prinzen Orlofsky ist bekanntermaßen nicht ganz einfach, und gerade diese Arie ist tückisch. Nicht fehlen darf natürlich “Dein ist mein ganzes Herz” aus Franz Lehars Das Land des Lächelns. Am allerbesten gefällt mir aber “Meine Lippen, die küssen so heiß” aus Lehars Giuditta. – Jaja, ich weiß, für die coolen Momente im Leben ist das vielleicht nicht die richtige CD, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag cool sein. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass es fast schwieriger ist, eine gute zu schreiben als eine gute Oper: Tragisch kann jeder. Aber etwas zu erschaffen, was eine heitere, beschwingte, unbeschwerte Atmosphäre erzeugt, was den Zuhörer gut gelaunt, vielleicht sogar glücklich macht – das ist nicht so einfach.

hat einen wunderbaren Mezzosopran, und die beiden Stimmen passen unglaublich gut zusammen. Abgesehen davon, dass ein fantastischer Sänger ist, ist diese Aufnahme auch deswegen faszinierend, weil man bei ihm keinen Akzent wahrnimmt. Auf der gesamten CD hört man überhaupt keinen Hinweis darauf, dass er nicht aus dem Operetten-Sprachraum käme. Ein Zuhörer, der die Stimme nicht erkennt, würde automatisch davon ausgehen, dass womöglich, so wie , in Wien studiert hat. Aber nein, er war in Manchester. Nachdem er in Cambridge Zoologie studiert hat. Eine erstaunliche Karriere.

, : Dein ist mein ganzes Herz. 2007 Sony BMG Music Entertainment, 88697119082.

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