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Premiere Kabale und Liebe, 06.03.2014, Ensemble Südsehen im Einstein Kultur

Kabale und Liebe Kann man einen Klassiker wie Kabale und Liebe von Friedrich Schiller und das damit verbundene Lebensgefühl auch heute noch vermitteln? Das Ensemble Südsehen hat es auch ohne brachiale Modernisierungen geschafft.

Ferdinand liebt Luise und Luise liebt Ferdinand. Dummerweise kommen sie nicht aus der gleichen Schicht und deshalb sind beide Eltern aus unterschiedlichen Gründen gegen die Verbindung. Luises Vater, weil er seine Tochter beschützen möchte vor einer Enttäuschung, Ferdinands Vater, weil er seinen Sohn für seine politischen Zwecke einspannen möchte. Und dann ist das noch der Sekretär mit dem passenden schleimigen Namen Wurm, der ein Auge auf Luise geworfen hat und fleißig mitintrigiert. Am Ende erreicht keiner sein Ziel und zwei Familien sind zerstört.

Kabale und Liebe Das Bühnenbild von Aylin Kaip bietet mit wenigen Mitteln eine ausgezeichnete wandlungsfähige Spielfläche. Die schräg verlaufenden Holzbalken, die mit Papierbahnen bespannt sind, erlauben scherenschnittartige Bilder wie die Eingangssequenz, die mir ganz großartig gefallen hat, genauso wie die Symbolisierung von Standesgrenzen. Ein Steg bringt die Spielenden nahe ans Publikum. Die Kostüme sind der Entstehungszeit angelehnt.

Regisseur Robert Ludewig hat sich etwas wirklich Geniales einfallen lassen, um den Standesunterschied zu betonen: die Familie Miller spricht untereinander bayerisch, mit dem Hochgestellten wie dem Präsidenten und Lady Milford aber Hochdeutsch. Dabei wirkt das aber keinesfalls bäuerlich oder einfältig, sondern ganz natürlich. Es schärft die Grenzen zwischen den Familien, überspringt sie aber auch gleichzeitig, denn im Umgang mit den Höhergestellten spricht die Familie Miller durchaus Hochdeutsch. Zusammen mit einer hervorragenden Personenregie ergibt sich ein spannender  Abend, der den Zuschauer mitten ins Herz trifft und den Atem raubt. Hier zeigt sich, dass eine intelligente, behutsame Bearbeitung viel mehr in die heutige Zeit transportieren kann als so manche Kopftotgeburt des sogenannten Regietheaters.

Kabale und Liebe Die schauspielerischen Leistungen sind grandios. Ulrike Dostal spielt die beiden gegensätzlichen Charaktere Lady Milford und Frau Miller einfach großartig. Sie schreit, sie wimmert, sie bettelt, sie lässt den Zuschauer direkt teilhaben an ihren Gefühlen und Gedanken. Ebenso präsent ist die zarte Désirée Siyum in der Rolle der Luise Miller. Sie ist gleichzeitig Geliebte, Tochter und Untertanin, vereint diese Personen in einer Figur, aber verleiht ihnen auch eigene Persönlichkeiten.

Kabale und Liebe Robert Ludewig gibt dem Wurm eine Schleimigkeit, die ausgezeichnet zur Rolle passt. Da fliegen Blicke, die töten könnten und viel vom Inneren preisgeben. Amadeus Bodis ist ein starker Präsident, aber ihm ist auch der Schmerz über den Tod seines Sohnes nicht fremd. Erwin Brantl ist der ideale liebevolle Vater, der alles riskiert, um seine Tochter zu schützen, nur sie am Ende  doch zu verlieren. Das hochkarätige Ensemble wird von Thomas Trüschler ideal ergänzt, der als Ferdinand erst Liebender ist und sich dann in seiner Seelenqual nicht mehr anders zu helfen weiß als mit der Geliebten gemeinsam zu sterben.

Eine wirklich frische, entstaubte Version von Schillers Klassiker, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Ulrike Dostal – Lady Milford, Frau Miller, Désirée Siyum – Luise, Amadeus Bodis – Der Präsident, Erwin Brantl – Miller, Hofmarshall von Kalb, Thomas Trüschler – Ferdinand, Robert Ludewig – Wurm, Regie: Robert Ludewig, Bühnenbild und Kostüm: Aylin Kaip, Dramaturgie, Mitarbeit am Text: Nikolai Steinhart, Erwin Brantl, Regieassistenz: Constanze Hörner

Weitere Vorstellungen: 08.03.2014, 09.03.2014, 23.03.2014, 24.03.2014, 26.03.2014, 27.03.2014, 28.03.2014, 29.03.2014, 30.03.2014, 28.05.2014, 29.05.2014, 30.05.2014, 31.05.2014, 01.06.2014 jeweils 19:30 Uhr im Einstein Kultur, Kartenreservierung online, Tickets von 12 bis 17€, Dauer 110 Minuten ohne Pause

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