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Premiere “Der tapfere Soldat”, 14.06.2018, Gärtnerplatztheater

Wenn es auch gerne in alten Filmen und Bühnenstücken so dargestellt wird, ist das Leben als Soldat alles andere als idyllisch. Das zeigt uns Regisseur Peter Konwitschny bereits in den ersten Minuten seiner Version des Tapferen Soldaten, die am 14. Juni im Gärtnerplatztheater Premiere feierte. Im Schlafzimmer der jungen Nadina schlagen schon zu Beginn Granaten ein, die Wand hat Brandspuren und der Herrenchor robbt in Uniform durch ihr Zimmer und nimmt dabei das Bett der jungen Frau auseinander. Trotzdem träumt das junge Mädchen von ihrem heroischen Verlobten Alexius, ebenso wie die verarmte Cousine Macha, die als Zofe schuften muss.
Als in Nadinas Zimmer eines nachts der feige, übermüdete und hungrige Schweizer Bumerli landet, der für die feindlichen Truppen kämpfte, wird ihre Zuneigung zu Alexis durch die Erzählungen des Flüchtlings jedoch schnell erschüttert. Nadina, ihre Mutter Aurelia und Mascha geben ihm Nahrung und Asyl und stecken ihm Fotos von sich zu, die im späteren Verlauf des Abends noch für allerhand Verwirrungen sorgen sollen.
Nach dem Verschwinden Bumerlis träumt Nadina vor einem Matterhorn-Plakat nun doch von einem idyllischen Leben mit dem scheinbar friedliebenden Schweizer und steht den heroischen Allüren ihres aus der Schlacht zurückgekehrten Vaters und ihres Verlobten eher abweisend gegenüber. Schließlich scheint sie im letzten Teil, in dem der Krieg draußen als auch im Hause Popoff eskaliert ist und Alexis sich mit Mascha verlobt hat, endlich mit ihrem Schweizer vereint. Der hat jedoch eine unerwartete Überraschung für sie und ihre skeptische Familie parat.

Foto: Christian POGO Zach


Regisseur Konwitschny geht an den Stoff, der auf den deutschen Bühnen nicht so häufig zu finden ist, mit viel Augenzwinkern und schwarzem Humor heran. Nadina, gespielt von Sophie Mitterhuber, ist anfangs eigentlich recht verträumt und naiv, da ihr die Vaterlandsliebe von allen Seiten eingetrichtert wurde. Dass sie sich schnell mit dem gestrandeten Bumerli anfreundet, zeigt jedoch deutlich, wie weit her es mit ihrem Patriotismus tatsächlich ist. So entwickelt sich Mitterhubers Charakter von dem idealistischen jungen Mädchen schnell zur selbstbewussten Frau, die nun eher zickig auf ihre militärversessene Familie reagiert und desillusioniert bemerkt, wie dumm ihr Verlobter eigentlich ist. Den gibt Maximilian Mayer herrlich hohl und zackig, mit dem sprichwörtlichen Stock im Hintern. Trotzdem ist Alexis ein Meister des Versteckspiels mit seiner eigentlich Geliebten Mascha, die er anfangs nur wegen ihrer verarmten Familiensituation nicht heiraten will, ihr aber in Nadinas Armen verliebte Seitenblicke zuwirft. Und seien wir einmal ehrlich, wirklich treu ist niemand an diesem Abend. Oberst Popoff baggert seine Nichte an, dessen Frau Aurelia den jungen Schweizer und trotzdem scheinen – fast – alle am Ende irgendwie glücklich zu werden.

Foto: Christian POGO Zach

Bei all dem Militarismus ist tatsächlich Daniel Prohaska als Bumerli mit schweizer Akzent und Toblerone in der Tasche wohl für die meisten der Sympathieträger der Inszenierung. Er hat es aber auch schwer in Konwitschnys Inszenierung, erst muss er vom Krieg fliehen, dann bedrohen ihn die Damen mit Gewehren und zuletzt wird er noch von seiner Liebsten gequält. In der Beziehung von Bumerli und Nadina lässt der Regisseur aber auch wirklich keinen Kitsch aufkommen, lieber legt er im dritten Akt die ganze Welt in Schutt und Asche und aus den zarten Spitzenkleidern in Pastelltöne werden schmutzige Fetzen. Die Kostüme von Johannes Leiacker werden so vom Rüschentraum zu einem düsteren Fundus, der eher an einen Tim Burton-Film erinnert. Das Bühenbild bleibt dabei mit wenigen Versatzstücken eher schlicht, mit Bett und Blumenfeld, die jedoch auch schon in den ersten beiden Akten schnell zerstört werden.

Ganz viel Absurdes und Slapstick bekommt man beim Tapferen Soldaten im Gärtnerplatztheater vorgesetzt. Das wirkte auf manche Zuschauer – inklusive mich selbst – vielleicht erstmal sogar ein bisschen viel, man muss die Inszenierung auf sich wirken und sie sich vielleicht auch nochmal durch den Kopf gehen lassen. Der schwarzhumorige Ton im dritten Akt setzt dem optischen Kitsch der ersten beiden jedoch einiges entgegen und aus der romantischen Liebesgeschichte wird eine gekonnte Kritik an der Verherrlichung des Soldatentums, die ja in manchen Ländern wie den USA durchaus heute noch betrieben wird.

Das Orchester unter der Leitung von Anthony Bramall lässt die Musik von Oscar Straus rasant vorangaloppieren, was perfekt zum Tempo der Inszenierung passt. Die Darsteller und der Chor zeigen gesanglich und darstellerisch wieder einmal, was sie können und sorgen so, trotz vereinzelter Verwirrung um die Inszenierung, durchaus für viele Lacher und begeisterten Applaus im Publikum. Spielerisch ist diese Inszenierung mit ihren Gegensätzen sicher nicht einfach, trotzdem darf man sich bestens unterhalten fühlen.

In dieser Saison ist Der tapfere Soldat noch am 29. Juni sowie dem 4., 7. und 8. Juli zu sehen, in der nächsten Spielzeit dann nochmals im April.

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/tapfere-soldat.html/m=279


Musikalische Leitung: Anthony Bramall
Regie: Peter Konwitschny
Bühne / Kostüme: Johannes Leiacker
Licht: Michael Heidinger
Choreografische Beratung: Karl Alfred Schreiner
Choreinstudierung: Karl Bernewitz
Dramaturgie: Bettina Bartz, Michael Alexander Rinz

Oberst Kasimir Popoff: Hans Gröning
Aurelia, seine Frau: Ann-Katrin Naidu
Nadina, beider Tochter: Sophie Mitterhuber
Mascha, eine junge Verwandte: Jasmina Sakr
Major Alexius Spiridoff: Maximilian Mayer
Bumerli: Daniel Prohaska
Hauptmann Massakroff: Alexander Franzen

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Parsifal, 08.04.2012, Bayerische Staatsoper

Also, wenn es um Wagner geht, bin ich ja immer noch ein Waisenkind. Als sich nun die Gelegenheit bot, den Parsifal zu sehen, schlug ich zu, denn seit dem denkwürdigen Lohengrin vor etwas über einem Jahr bin ich ein halber Fan des Meisters. Ich kannte vorher weder die Musik noch eine andere Produktion. Peter Konwitschnys Bilder und Deutung haben mir gefallen. Vielleicht eben weil ich nichts anderes kenne.

Ich bin ja kein Fan von modernen Inszenierungen, das kann leicht mal in die Hose gehen. Obwohl, so was Verstaubtes wie die Traviata in Hamburg mag ich ja auch nicht.  An diesem Abend hat jedoch alles gepasst. Außer, dass man den Statisten, der sich tarzanmäßig am Seil über die Bühne schwingt, bevor er den Schwan erlegt, vielleicht mehr nach der Statur des Parsifal hätte aussuchen sollen, das war schon sehr offensichtlich, dass das ein anderer war. Ansonsten war für mich alles schlüssig, von Kundry als Marienerscheinung bis zum roten Papierherz.

Einen großen Anteil am Gelingen des Abends hatten sicherlich die Sänger der Hauptpartien, die nicht nur verdammt gut sangen, sondern auch hervorragend spielten. Ich gehe zwar meistens mit Opernglas in die Vorstellungen, benutze es aber selten, weil es für mich als Brillenträgerin sehr störend ist. Umso schöner ist es, wenn die Emotionen und das Spiel auch so im dritten Rang ankommen. Und so war das an diesem Abend.

Michael Volle sang und spielte den Amfortas so ergreifend, dass ich mir seine Parsifaltermine für März 2013 schon mal vorgemerkt habe. Ebenfalls hervorragend in Spiel und Gesang waren Christopher Ventris als Parsifal und Stephen Milling als Gurnemanz. Wenn man bedenkt, dass Waltraud Meier ihr Debüt als Kundry vor 29 Jahren gegeben hat, war ihr Auftritt phänomenal. Lediglich Klingsors Zaubermädchen hätten vielleicht noch ein bisschen mehr proben sollen. Das klang in meinen ungeübten Ohren schräg und wurde mir auch später von geübten bestätigt. Kent Nagano deckte mir manchmal die Sänger etwas zu sehr zu, aber insgesamt blieb der Eindruck des Ätherischen, das ich mit Wagner verbinde.

Alles in allem ein toller Abend, der mir Lust auf mehr Wagner machte.

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