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Singspiel, tiefergehend

Der Staatsintendant Dr. Peters hat schon recht, wenn er sagt, dass “Liebe und Eifersucht” mit jedem Anhören/Anschauen gewinnt. Heute in der luftigen Höhe des dritten Ranges. Die Akustik des Theaters ist fantastisch, ich habe jedes Wort verstanden. Auch die schauspielerische und sängerische Leistung des Ensembles war wieder bewundernswert, selbst an meinem Platz, der so ziemlich der am weitesten weg ist von der Bühne im ganzen Haus, war die Präsenz deutlich spürbar.

Auch vom Orchester habe ich heute deutlich mehr mitbekommen, die Musik gefällt mir, sie geht zum Teil richtig ins Ohr. Heute hatte es mir das Sonett des Herzogs besonders angetan, gesungen von Gary Martin.

Anschauen lohnt sich!

Liebe und Eifersucht

Mittwoch, 01. Oktober 2008
19.30 – 22.15 Uhr

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Singspiel, lebensnah

Fast wie im richtigen Leben: ein Mann zwischen vier Frauen und drei Männern. Vor der Pause zicken die Frauen und nach der Pause die Männer. Während bei den Frauen Sofakissen und Heckenschere zum Einsatz kommen, ist es bei den Männern ausschliesslich der Degen. Frauen sind halt kreativer.

Auch diesmal beeindrucken mich wieder die klaren Farben: der wunderschön gemachte grüne Irrgarten, das leuchtende Blau der Jacke von Enrico, das kräftige Rot des Herzogs. Dazwischen die sehr hübschen weißen Biedermeierkostüme der Damen.

Oper, oder wie in diesem Fall ein Singspiel, ist für mich die höchste Form der darstellenden Kunst. So muss neben dem Gesang auch schaupielerisch viel geleistet werden. Und das hat das Ensemble des Gärtnerplatztheaters heute in ausgezeichneter Form gezeigt. Mich haben die gesanglichen Leistungen überzeugt, aber vor allem die mimischen Leistungen vollenden den Abend perfekt: Gary Martin als majestätischer Herzog, Robert Sellier als gehetzter Enrico, Stefan Sevenich als Diener zwischen Liebe und Eifersucht inklusive Mordgedanken. Das Terzetto aus dem dritten Aufzug, dritter Auftritt (soviele Dreien) hat übrigens genauso Ohrwurmcharakter wie das Duett Celia-Ponlevi aus dem ersten Aufzug, dritter Auftritt. Florian Simson überzeugt als schneidiger Offizier, Jörg Simon als besorgter Vater. Thérèse Wincent war in der Gewitterarie und auch sonst einfach klasse, Stefanie Kunschke überzeugt als irgendwie coole Lysida, Sybille Specht ist hinreißend, als sie glaubt, Enrico sei in sie verliebt und Sibylla Duffe brilliert als kecke Zofe.

Am Ende sehr viel Beifall und Bravo-Rufe für das Ensemble, den Dirigenten Andreas Kowalewitz, das Orchester und den Regisseur Ezio Toffolutti.

Ein gelungener Auftakt der neuen Spielzeit. Karten und Opernglas liegen schon bereit, um in einer der nächsten Vorstellungen die Knöpfe an der Jacke des Herzogs (und nicht nur die) mal aus nächster Nähe zu betrachten.

Liebe und Eifersucht

Die Schärpe und die Blume
Singspiel in drei Akten von E.T.A. Hoffmann
Libretto vom Komponisten nach der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel nach Pedro Calderón de la Barca
Samstag, 27. September 2008
19.30 – 22.15 Uhr

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Nachtgedanken, planend

Weil gerade ein bisschen Zeit war, habe ich mal mein Kleid für nächsten Samstag anprobiert, es sitzt wirklich gut, ein wunderschöner Stoff, nur die Tüllrüschen am Unterrock sind gewöhnungsbedürftig, aber andererseits habe ich nächste Woche auch keine nackten Beine. Und ich kann es gut alleine anziehen, Herr Nachtgedanken ist ja nächsten Samstag noch länger mit dem Kinderfest beschäftigt, von dem ich mich unverschämterweise frühzeitig verabschieden werde. Preparations.

Jetzt geht es weiter: welche Handtasche, welche Schuhe? Ton-in-Ton geht nicht, diesen schönen glänzenden lilalen Ton habe ich nicht. Schwarz? Und wenn ja, welche Schuhe? Bequem oder Schick? Oder beides? Und welche Handtasche? Glücklicherweise habe ich noch eine Woche Zeit.

Jetzt rufe ich gleich meine Freundin an, die gestern ebenfalls ein Abo abgeschlossen hat und wir planen zusammen die Spielzeit 08/09. Als erstes haben wir gleich mal Karten für Carmen an meinem Geburtstag gekauft.

Ich liebe es!

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Theater, vergnüglich

Wow, was für ein toller Tag. Fast zwölf Stunden in “meinem” Gärtner verbracht. Das erste Mal, dass mich jemand auf diesen Blog angesprochen hat. Knurrender Magen zum falschen Zeitpunkt.

Aber der Reihe nach. Pünktlich um 11 Uhr begann mit einer Fanfare das große Vergnügen. Das Programm war so umfangreich, dass es schon fast in Streß ausartete. Mein persönliches begann mit der öffentlichen Probe von “Liebe und Eifersucht”. Man könnte nun argumentieren, dass ich das Stück ja schon gesehen habe, aber wann habe ich schon mal Gelegenheit, eine Probe zu sehen?

Danach die Enführung in “Liebe und Eifersucht”, auch hier viel neues, weil mit Regisseur Ezio Toffolutti und “Enrico” Robert Sellier. Die Zeit verging wie im Fluge, als Nächstes stand “La Triviata” auf dem Programm, Impro-Oper vom Feinsten. Es blieb kaum Zeit für einen kurzen Snack in der Kantine, die Führungen hatte ich schon verpasst, als mich in der Eingangshalle jemand mit den Worten: “Sie sind doch Frau Nachtgedanken?” ansprach. Natürlich war es mir bewusst, als ich aus der Anonymität eines blogger.de-Accounts in die leicht nachvollziehbare Welt des denic hinüberwechselte, dass es irgendwann passieren würde. Ich dachte aber eher über den Namen als über das Aussehen. Ich hab mich jedenfalls riesig gefreut, Herr S.! Und dieses Blog beisst nicht, und ich bin im allgemeinen auch ganz umgänglich, Kommentare sind sehr willkommen.

Wo war ich stehengeblieben? In der Kantine. Ich hatte zwei Freundinnen auf den Tag aufmerksam gemacht, die mit ihren Töchtern kamen und so war der nächste Programmpunkt das Kinderkonzert. Toll! Das würde ich mir glatt nochmal anschauen. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass man oben im zweiten Rang auch ganz gut sieht.

Schnell hinübergewechselt zu Sing mit Sevenich. Toll, wie Stefan Sevenich das macht. Vier verschiedenen Frauen unterschiedliche Ratschläge geben, dazu jeder das Gefühl zu geben, dass es ihm nicht anders geht und es gab wirklich bei jeder eine positive Veränderung. Chapeau!

Dann nochmal eine beindruckende Bühnentechnik-Show, bevor ein weiterer Kantinen-Boxenstop und ein Abo später langsam die Abendvorstellung eingeläutet wurde. Glück muss der Mensch haben, jedenfalls erwischte ich ziemlich spät noch einen guten Platz in der ersten Reihe. Ein sehr schöner Querschnitt durch das Programm der nächsten Spielzeit, das mir wieder sehr viel Lust gemacht hat. Ich habe jetzt ja auch wieder neue Gutscheine 😉 Vielleicht probiere ich sogar mal das Ballett. Nur mein Magen hat an einer wirklich absolut unpassenenden, weil sehr leisen Stelle laut und vernehmlich geknurrt. Künftig gehört zu einer Vorbereitung auf die Vorstellungen nicht nur die Auswahl der Bekleidung und das Studium von Libretti, sondern auch ausreichende Nahrungszufuhr.

Ach, ich freu mich! Nächsten Samstag geht es weiter.

Danke an alle Beteiligten, die diesen tollen Tag möglich gemacht haben. Schade, dass ich über meinen Applaus hinaus nichts zurückgeben kann.

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Oper, komödiant

Den zweiten Abend in Berlin verbrachte ich in der Staatsoper. Schon allein das Ambiente machte mich diesem Haus gegenüber gewogen und als es ein Problem mit meinem selbstausgedruckten Ticket gab, wure ich nicht etwa in barschem Ton an die Abendkasse verwiesen, sondern es wurde ein Bediensteter herbeizitiert, der mir nach nur kurzer Wartezeit ein ausgedrucktes Ticket präsentierte.

Im dritten Rang hatte ich eine sehr gute Sicht auf die Bühne, leider tummeln sich dort oben jedoch hauptsächlich Leute, denen es wichtiger ist, einmal in der Staatsoper gewesen zu sein als die Musik zu genießen und so nahm das Getuschel kein Ende. Das nächste Mal findet man mich sicher wieder auf den teureren Plätzen.

Die Inszenierung ist nur ein halbes Jahr jünger als ich und damit aus den wilden 68gern. So musste natürlich betatscht und ausgezogen werden und das ist ja nicht so meins. Außerdem gab es immer wieder Anklänge an die Commedia dell’Arte, aber halt nur halbscharig und nicht konsequent und damit nicht passend. Der Sopran war mir zu direkt, der Tenor war unvorteilhaft gekleidet und in der Arie des Figaro passte irgendetwas nicht, ich weiß nur nicht, was es war. Vielleicht, dass es kein Sänger des Gärtner war *ggg*. Es wurde viel von der Mitte des Bühnenrand gesungen, das hatte was sehr statisches. Es würde mich mal interessieren, ob es ein Regieeinfall war oder ob es Usus an diesem Haus ist, dass die Sänger nach jeder Arie nochmal extra auftreten, sogar das Orchester verbeugte sich nach der Ouvertüre. Damit verkommt die Oper zur Nummernrevue, aufgebaute Spannung verpufft. Und wieder einmal stelle ich fest, wie gut die Insektenthematik eines Klaus Guth passte auf die Musik. Schade, dass sie am Gärtner nicht mehr gezeigt wird. Überhaupt war das Orchester vor der Pause zu laut, man hat die Solisten kaum verstanden, es war wie ein Ringen zwischen den beiden. Vielleicht hat der Figaro deswegen hauptsächlich in den Graben gesungen.

Wirklich überzeugt hat mich nur der Sänger des Don Basilio. Aber da sieht man mal wieder, dass ich absolut nichts davon verstehe, denn alle wurden frenetisch gefreiert. Nun denn. Ein netter Abend war es trotzdem.

il barbiere di siviglia

Der Barbier von Sevilla | Oper von Gioachino Rossini
Dienstag, 16. September 2008, 20.00 Uhr

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Theaterferien überbrücken V

29 mal Vorfreude….vorläufig

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Theaterferien überbrücken IV

Zu einem Sammelgebiet gehören natürlich auch Postkarten. Einige konnte ich schon ergattern, die ich hier mal in chronologischer Reihenfolge vorstelle:

Gelaufen im Mai 1898, um die Jahrhundertwende waren Mondscheinkarten sehr beliebt.

Diese hier ist nicht gelaufen, dürfte aber aus der gleichen Zeit stammen.

Eine Urlaubspostkarte von 1899

Gruß an den Pfarrer von Oberwiesenbach, 1902

Diese Karte ging 1910 nach Lindau

Nicht gelaufen, ist aber die unkolorierte Version der Karte drüber

Ebenfalls nicht gelaufen und dürfte aus einer ähnlichen Zeit stammen

Schön zu sehen hier die Straßenbahnschienen, von 1926

Auf dieser 1927 gelaufenen Karte wird sich für Bilder von liebreizenden Kindern bedankt.

Minnie und Jakob wundern sich auf dieser Karte von 1928 über den Trubel einer echten Großstadt.

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Theaterferien überbrücken I

Ich bin ja, wenn mich eine Leidenschaft packt, immer mit Haut und Haaren dabei. So bin ich in der letzten Spielzeit nicht nur ziemlich oft im Gärtner gewesen, sondern habe auch alle möglichen damit zusammenhängenden Dinge gesammelt. Diese werde ich hier in loser Folge vorstellen.

Eines der ältesten Sachen ist ein Programmheft von 1911. In der Größe den heutigen Programmen nicht unähnlich, besteht es aber bis auf die Titelseite und das Mittelblatt sowie einige wenige Porträitfotos ausschließlich aus Werbung. Das ist nicht uninteressant, sieht man doch anhand der wunderschönen Jugendstilannoncen, welche Firmen es früher schon gegeben hat.

Gespielt wurde “Das erste Weib” eine Operette mit Musik von Bruno Hartl, Librettist hieß Victor Léon. Sonst konnte ich nichts darüber finden, vielleicht weiß ja einer der werten Leser mehr?

Auf dem Titelblatt gibt es schon die erste Werbung

Titelblatt

Bei der Besetzungsliste fällt vor allem deren Umfang auf und dass die Frauen ihren Hut abnehmen sollten

Besetzungszettel

Zum Schluss die Rückseite als Beispiel für die Werbung

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Nachtgedanken, werbend

ich schwärme ja schon seit einiger Zeit allen Freunden, ob sie es jetzt hören wollen oder nicht, vom Gärtner vor. Zwei Freundinnen gehen seitdem mehr oder weniger regelmäßig mit mir mit.

Heute ist es mir gelungen, eine Lehrerin an einer Musikschule von einem Ausflug zu überzeugen. Lange haben wir über die passende Oper diskutiert. Meine Schilderung der Traviata konnte sie leider nicht überzeugen (der Stoff, nicht die Inszenierung). Nun wird es wohl Fra Diavolo oder Die Schöne und das Biest werden.

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Oper, beeindruckend

Zum Ende der Spielzeit musste ich einfach nochmals ins Gärtner gehen, das verkürzt schliesslich die Wartezeit auf die nächste.

Nachdem ich jetzt die Traviata und I Masnadieri kurz hintereinander gehört habe, meine ich Motive in der früheren Oper zu erkennen, die Verdi später wieder aufgegriffen hat.

Ein toller Abend und ein würdiges Ende dieser Spielzeit!

I Masnadieri

Die Räuber – Münchner Erstaufführung
Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi
Text von Andrea Maffei nach dem Drama von Friedrich Schiller
Donnerstag, 31. Juli 2008
19.30 – 22.30 Uhr

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