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Thron und Zepter im Höhenolymp – Anna Netrebkos Verdialbum

selbstbewusst königlich

Zum Verdi und Wagnerjahr wird der CD-Markt nahezu von Neuerscheinungen überschwemmt. Domingo wechselt endgültig ins Barritonale, Villazon erstrahlt von neuem, das Requiem wird massentauglich aufgehübscht und Kaufmann veröffentlicht anscheinend für jeden Jahrestag ein eigenes Album. Freuen wir uns auf das anbrechende Straussjahr!

Die Netrebko als „prima donna assoluta del mondo“ darf dabei natürlich nicht fehlen. Nachdem ein Mozartalbum stimmlich nicht zustande kam, bleibt die große Russin bei ihren Leisten und veredelt sie mühelos. Mit einer sehr spezifischen Rollenwahl und, da bereits diverse Komplettaufnahmen und Highlights des Verdioeuvres von ihr bestehen, zeigt die Netrebko Neues. Kurz vor ihrem mit Spannung erwarteten Münchner Rollendebüt 2014 eröffnet sie mit der Lady Macbeth.  Sie komplettiert die Aufnahme mit der bereits in Salzburg diesen Sommer gefeierten Giovanna D’Arco und ihrem nächsten Salzburgcoup dem nächstjährigen MegaTrovatore als Leonore (im Dezember bereits in Berlin). Dazu Die Glanzarie der Elisabetta aus dem Carlos und der Elena aus den selten gegeben Vestri Siciliani. Gianandrea Noseda und das Orchestra di Torino bleiben dabei reine Staffage für die Königin.

Der Prolog der Erstaktarie aus der Macbeth stellt klare Verhältnisse auf dem Sopranmarkt her:

Noch ein Verbrechen? Es ist notwendig!
[…] O Wollust des Throns!
O Zepter, endlich bist du mein!

von Manfred Werner (Tsui) (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

diva assoluta del mondo

Nichts Anderes als der Sängerthron wird angestrebt und nichts anderes beschreibt diese außerordentliche Aufnahme besser. Mit der Callas bewusst liebäugelnd beweist die Netrebko neben allem Boulevardgedöns
ihre überragende sängerische Klasse. Diese wurde aufgrund äußerlicher Faktoren und dem betörenden Spiel sowie der Marketingagenturen fast vernachlässigt. Ohne Schlenker ins zu leichte Fach aber arbeitete die Netrebko an ihrem Repertoire, umsichtig, vorsichtig und offensichtlich gut beraten. Der deutlich schwerere Sopran hat das Königsfach der großen dramatischen Partien des italienischen Fachs erlangt. Leonore und Macbeth könnten ihre besten Rollen werden. Das oft besprochene kühle Blecherne der Stimme wird immer wieder durch warme, unerhört leichte Höhe abgedämpft und geht selbst im CD-Fach als Herzkammer auf. Die Emotionalität gepaart mit technischer Perfektion macht diese Jahrhundertstimme aus. Das „Miserere“ beweist dies eindrucksvoll ebenso wie „O fatidica foresta“. Verspielt mit Vibrato in Verdis Schnörkeln, beachtlich angekommen in den tieferen Lagen und mit dem nötigen Schmettergen, das den Verdifreund aufstöhnen lässt. Dieser dürfte allerdings auch beim putzig russischen Akzent im Recitativo seufzen. Darin wird sie die Callas nie übertreffen.

Aus dem Gros der Jubiläumsvermarktung ragt diese große Arienauswahl mit einer olympischen Sängerin heraus. Verdi hat seine Meisterin samt Sängerthron und Sopranzepter gefunden. Möge sie noch viele notwendige Verbrechen begehen. Es ist notwendig!

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Eine Thebanerin im Himmel

Semele Unser Autor Andreas M. Bräu hat ebenfalls über die Semele-Premiere des Gärtnerplatztheaters am 24.10.2013 berichtet, drüben bei Opernnetz.

SEMELE. Barockoper / Oratorium von Georg Friedrich Händel. Libretto nach William Congreve. Musikalische Leitung: Marco Comin. Regie: Karoline Gruber. Bühne: Roy Spahn. Kostüme: Magali Gerberon. Choreografie: Beate Vollack. Besetzung: Jupiter: Ferdinand von Bothmer. Cadmus: Holger Ohlmann. Athamas: Franco Fagioli. Somnus: István Kovács. Apollo: Juan Carlos Falcón. Juno: Adrineh Simonian. Iris: Elaine Ortiz Arandes. Semele: Jennifer O’Loughlin. Ino: Ann-Katrin Naidu.

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Balkonpflanzen

iconentwurf2-1 Ein wacher Kulturenthusiast berichtet und regt auf

Kolumnist Andreas M. Bräu liebt und lebt den Kulturbetrieb und muss seiner Sucht regelmäßig frönen. Dabei begegnet ihm allerhand Schönes, Wahres und Ästhetisches, jedoch auch einiges Seltsames, Abgründiges und Schockierendes. Seine Aufreger und Aufregung verarbeitet er als überzeugter Kulturenthusiast hier auf den Nachtgedanken und generiert dabei neue Energie für Erregung und Aufregung auf den Galerien und Parketten der Theater dieser Welt.

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Samstag, 26.10.2013

Ansichten eines Akteurs

Balkonpflanzen

Allerlei Exotisches aus der Flora der Opern- und Theaterbesucher versammelt sich allabendlich auf den günstigeren Rängen der großen Häuser, um ihrem Götzen, der Kultur zu huldigen. Allerhand Wildes, Verrücktes, Farbenfrohes, Duftintensives ist darunter und wie auf jedem Balkon reiht sich eine Menge verschiedenster Pflänzchen auf engem Raum mit Aussicht ins Licht.
Die Urpflanzen trifft man gewöhnlich schon einige Plätze vor sich beim Anstehen um die guten Stehplatzkarten vor dem nächsten Highlight, sozusagen der Samenbank oder dem Dehner des zentralen Kartenvorverkaufs. Gibts bei Aldi Geranien verhält es sich wie, wenn ein Ring oder die Damrau „anstehen“ – dann wird ordentlich gedrängelt. Ansonsten kann der Kulturgärtner jedoch auch Kontakt schliessen, Fachwissen breitest auslegen, Sänger vergleichen und das eigene Knowhow proklamieren. Gar manche zarte Romanze entspinnt sich zwischen dem Connaisseur mit Halbglatze („Ach die … hat doch ein Vibrato zum n‘Hut durchwerfen.“) und der Basisliebhaberin Mitte sechzig („Welcher Verdi war das mit der Schwindsucht?“), wenn man sich gegenseitig belehren oder belehrt werden, nun ja sprießen darf. Beim Umgraben wächst zusammen, was zumindest für einen Opernabend zusammengehört.
Darum zurück ins Beet:
Gerade die älteren und verwurzelten Gewächse erfreuen das junge Balkongemüse durch ihren reizenden Sittenwuchs.
Ein wirklich urgroßvaterhafter Wagnerianer, alt wie Erda, musste vier Abende lang im Ring mithilfe der Pillenuhr immer Schlag halb 8 dank der Pharmazie dem Blutdruck etwas nachhelfen, konnte dafür bis zu den dämmrigen Göttern durch-stehen.
Ein blumig gekleideter Herr im Parsifal erklärte, dass er seit Jahren die Inszenierungen nicht mehr verfolge, sondern ausschließlich die Holzbläser und -bläserinnen mit der Unterstützung eines antiken Opernguckers im Auge behielte. Das tat er dann auch über die gesamte Länge des Weihespiels, für ihn den erlösenden – und bei weitem nicht immer im Einsatz verwei(h)lenden – Oboen und Fagotten geweiht.
Extrovertiertheit ist dabei keine Tugend des Alters. Auch das mittlere Pflanzenalter marschiert über den Balkon wie ein Strauß Blumen. Wagnerkonterfei auf schwarzem T-Shirt zu dunkelschwarzer Perücke in Kaufhausoptik? Schon gesehen. Bebrillter, shortstragender Angelsachse dem Angelparadies entlaufen? Vor mir in der Turandot.
Die laxe Kleiderordnung stört den Enthusiasten ein wenig, der auch auf dem Rang Tuch zur Krawatte wählt, doch er verzeiht viel, jedoch nicht olfaktorische Missstände – wie in einer Traviata. Muffelt die Vorderpflanze modrig, ja welkt sie bereits im ersten Akt, empfiehlt es sich, den Balkon umzugraben, um unter frischen Blumen den Graben zu überwinden und den Helden und Heldinnen an der Rampe zu Füssen zu fallen.

Interview mit Andreas M. Bräu

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Lesung Jean Bagnol, 22.10.2013, Café Katzentempel

Lesung Jean Bagnol Münchens erste Katzencafé, das Café Katzentempel, erwies sich als der ideale Schauplatz für die Lesung aus Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Zwar gäbe es von technischer Seite noch Optimierungsbedarf, aber der Raum, l-förmig mit dem Autorenehepaar im Winkel und daher von jedem Platz aus gut zu sehen, eignete sich gut für das Zusammentreffen von literarischem Kater und echten Katzen. Und obwohl der Raum proppevoll war, kam keiner der tierischen Bewohner zu Schaden. Außerdem gab es ein superleckeres vegetarisches Büffet, großes Kompliment an die Küche!

Dass hier die Katzen an erster Stelle stehen, wurde gleich zu Beginn deutlich: Nina George bat die Zuschauer, nicht zu klatschen, da dieses laute Geräusch die Katzen erschrecken könnte. Stattdessen sollten wir mit den Armen in der Luft wedeln. Und das taten wir ausgiebig an diesem Abend. In Anbetracht der tierischen Zuhörer hatten sich die beiden entschieden, mehr kätzische Teile aus dem Buch zu lesen und das ist wirklich sehr, sehr gut gelungen. Anfangs wurden die beiden Ermittler, die nach Mazan abgeschobene Polizistin Zadira Matéo und der herrenlose schwarze Kater, genannt Commisaire Mazan, vorgestellt. Später kamen noch ein attraktiver Tierarzt, ein sabbernder Hund, vier zwielichtige Gestalten, ein Mordopfer sowie jede Menge Katzenpersonal dazu. Nina George und Jo Kramer lasen hervorragend mit verteilten Rollen und führten den Text schon fast halbszenisch auf. Köstlich war Nina als Hund oder der Höhepunkt am Schluss (die Trapeznümmer – denken Sie sich jetzt einen französischen Akzent dazu), als zwei Autoren sechs verschiedene Katzen (die tierische Ermittlerbande oder auch KatzenNSA) lasen und diese sehr unterschiedlich ausgestalteten. So wurde an diesem Abend auch viel gelacht.

Zwischen den einzelnen Abschnitten, die klug gewählt waren und extreme Lust auf das Buch machten, erzählten die Autoren vom Schauplatz Mazan. Der Ort liegt im Schatten des Mont Ventoux, jedem Fahrradenthusiasten bestens bekannt von der alljährlichen Tour de France. Es gibt in der Innenstadt keine Autos, dafür aber jede Menge Katzen. Er hat einen Friedhof, auf dem eine große Anzahl von Merowinger-Sarkophagen zu bewundern sind, wenn man sie denn findet und nicht für die Friedhofsmauer hält.  Marquis de Sade hatte eine Residenz dort und begründete hier das erste Theaterfestival Frankreichs. Außerdem hat Keira Knightley dort geheiratet, aber erst nachdem sich das Autorenduo dort die Inspiration für ihren ersten gemeinsamen Roman geholt hat.

Aus dem Publikum kamen nach dem sehr gelungenen Vortrag Fragen nach der Zusammenarbeit als Ehepaar, worauf die beiden eine typische Szene beim Schreiben vorführten. Sie hatten sich die Protagonisten aufgeteilt und waren jeder für die deren Detailausgestaltung  zuständig. Jo Kramer, von Nina George auch liebevoll Katzenflüsterer genannt, übernehm dabei die Katzen. In den gelesenen Abschnitten konnte man feststellen, dass es ihm sehr gut gelungen ist, aus deren Sicht zu schreiben. Den Namen Bagnol haben sie sich vom Friedhof in Mazan geliehen und nicht von dem französchichen Wort für Klapperkiste, bagnole. Die Autoren haben noch Ideen für viele weitere Bände um das ungleiche Ermittlerduo und so kann man nur hoffen, dass es bald Nachschub gibt.

Eine sehr, sehr gelungene Lesung, die nicht nur den Roman, sondern auch die Menschen dahinter und den Entstehungsprozeß vorstellte. Danke Nina George und Jo Kramer für einen großartigen Abend!

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Andreas Gruber – Herzgrab

Seine Fans konnten es kaum erwarten: endlich ein neuer Gruber! Und Andreas Gruber wird dem Ruf, der ihm vorauseilt, wieder mehr als gerecht. Herzgrab ist ein spannender Thriller mit interessanter Figurenzeichnung und einem rasend hohem Erzähltempo.
Elena ist eine erfolgreiche Privatdetektivin, ihr Mann der beste Ermittler in Vermisstensachen des österreichischen BKA. Zusammen eigentlich ein Traumpaar, aber es knirscht gewaltig in der Beziehung, denn Elena hat ihren Mann mit dessen Partner, dem unwiderstehlichen italienischstämmigen Dino betrogen. Während Elena die Tochter eines Bankiers in dessen Auftrag überwacht, muss Peter ausgerechnet zusammen mit seinem meistgehassten Kollegen nach Italien, um die seit einem Monat verschwundene Teresa del Vecchio zu suchen. Der nächste Auftrag führt Elena ebenfalls in die Nähe der del Vecchios, sie soll den vor einem Jahr verschwundenen Bruder von Teresa finden. Bald stellt sich heraus, das beide Fälle zusammenhängen und Elena und Peter zusammenarbeiten müssen, um die Vermissten zu finden.
Atmosphärisch dicht und in einem wirklich rasendem Erzähltempo wirft Andreas Gruber den Leser ohne Umschweife in die Geschichte. Anfangs meint man noch, die fehlenden Informationen würden einem das Weiterlesen erschweren, aber sie zwingen einen geradezu, noch eine Seite zu lesen und noch eine und noch eine. Der Plot ist komplex, Andreas Gruber legt viele falsche Fährten und ein paar richtige. Mich hat der Schluss total überrascht, das ist bei knapp 550 Seiten schon eine Meisterleistung. Seine Figuren sind sehr interessant, nicht alltäglich, aber auch nicht total abstrus. Andreas Gruber ergeht sich nicht in ekligen Details, sondern kurbelt aus dem Kopfkino der Leser an. Ich hab das Buch praktisch in einem Rutsch durchgelesen, ich war wie gebannt von der Geschichte, den Figuren und der Atmosphäre.

Herzgrab hat nur einen Fehler: es ist zu schnell vorbei!

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und arbeitet halbtags für einen Pharma-Konzern. Mit seiner Familie und vier Katzen lebt er in Grillenberg in Niederösterreich. Er ist zweifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises.

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Ka Hancock – Tanz auf Glas

Ein Liebesroman, in dem die Protagonisten schon verheiratet sind? Das ist in der Tat ungewöhnlich. Ka Hancock, gelingt es in ihrem Debütroman dennoch, den Leser auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle mitzunehmen.
Lucy und Mickey Chandler sind kein gewöhnliches Paar. Er leidet unter einer bipolaren Störung, sie hat das Brustkrebsgen von ihrer Mutter geerbt und bereits eine Erkrankung überstanden. Bereits beim ersten Treffen hat es gefunkt und gegen alle Widerstände heiraten die beiden. Allerdings haben sie einen Vertrag unterzeichnet, der ihnen hilft, nicht nur die guten, sondern auch die schlechten und sehr schlechten Tage zu überstehen: Mickey bemüht sich, immer seine Medikamente zu nehmen, Lucy überwacht ihn dabei nicht. Eine Bedingung ist auch, niemals Kinder zu bekommen. Als Lucy nach einem ihrer routinemäßigen Krebsvorsorgeterminen eine überraschende Mitteilung erhält, wird das Leben von beiden auf den Kopf gestellt.
Zuerst einmal das, was mir an diesem Roman nicht gefallen hat. Die Kleinstadt, in der Lucy aufgewachsen ist und die beiden leben. Ist zu idyllisch. Jederman liebt seine Nachbarn, alle sind eine große Familie, niemanden will irgendjemand was Böses und jeder hat Verständnis für Mickey, wenn er mal wieder über die Stränge schlägt, weil er seine Medikamente nicht richtig dosiert hat. Das ist irgendwann etwas zu viel des Guten.
Andererseits ist da die sehr einfühlsam erzählte Geschichte der Liebe von Lucy und Mickey. In wechselnden Perspektiven beider wird vor dem Leser die Geschichte der Liebe der ihnen entfaltet. Das macht das Miterleben sehr intim, aber nicht auf eine unangenehme Weise. Gleichzeitig ist es aber auch eine Geschichte der des Überlebens der Liebe, in schwierigen Zeiten und sogar über den Tod hinaus. Das fand ich sehr berührend.
Das Ka Hancock “im richtigen Leben” als Krankenschwester gearbeitet hat und sich anschließend auf Psychologie spezialisiert hat, merkt man auf jeder Seite. Das Buch ist wie ein sanfter Puster über ein aufgeschlagenes Knie.

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Elke Pistor – Kraut und Rübchen

Elke Pistor ist Krimifans nicht unbekannt. Ihre Eifelkrimis, zuletzt Eifler Zorn aus der Reihe um die Kommissarin Ina Weinz, punkten vor allem mit einer dichten Atmosphäre, die den Leser das Buch praktisch nicht aus der Hand legen lassen. Der Landkrimi Kraut und Rübchen, der nicht zu dieser Reihe gehört, zeigt die gleichen Qualitäten.
Katharina Rübchen erbt das Haus ihrer Tante Marion Irgendwo im Nirgendwo. Nirgendwo hat 900 Einwohner und einen sehr attraktiven Tierarzt. Schon am ersten Tag ihres Aufenthalts findet Katharina das Tagebuch einer Urahnin, das diese als Mörderin ausweist, immer im Dienste der guten Sache. Die Dorfbewohner scheinen ein Geheimnis zu hüten, das möglicherweise mit den Handlungen ihrer Urahnin in Zusammenhang steht. Katharina muss sich dem stellen oder zurück in die Stadt gehen.
Wie immer verwendet Elke Pistor große Sorgfalt auf die Ausarbeitung ihrer Protagonisten. Katharina, der Tierarzt, die Frauen im Dorf, selbst Hilda, die der Leser nur durch die Tagebucheinträge kennt, sind lebendige, atmende Menschen, die direkt nebenan wohnen könnten – sofern man etwas ländlicher lebt. Dadurch lebt auch die Geschichte, die den Spannungsbogen vom ersten Betreten des Hauses ihrer verstorbenen Tante Marion bis zum doch etwas überraschenden Schluss hält, auch wenn es aktuell keine Leiche gibt. Zumindest in der Gegenwart. Dieses Spiel mit der Vergangenheit beherrscht Elke Pistor perfekt, sie zeigt, wie die Vergangenheit die Gegenwart und auch die Zukunft beeinflussen können.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil die Verwebung von Vergangenheit und Gegenwart eine unglaubliche Sogwirkung entfalteten. Eigentlich hätte ich mir mehr Zeit nehmen müssen, um die Handlung richtig zu genießen, aber ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Last but not least kommt dieser Krimi in einer wunderschönen Ausstattung. Die Klappbroschur zeigt eine Tapete des 19. Jahrhunderts, jedem Kapitel ist eine Pflanze zugeordnet und sehr schön damit illustriert, am Ende gibt es die Rezepte der im Buch erwähnten Speisen und Getränke, die sofort Lust zum Ausprobieren machen. Und eines wird im Laufe des Buches klar: eine Pflanze kann ein Heilmittel oder ein Mordinstrument sein. Es kommt nur auf die Dosis an.

Elke Pistor, Jahrgang 1967, ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen. Nach dem Abitur in Schleiden zog es sie zum Studium nach Köln. Hier lebt sie mit ihrer Familie und arbeitet als Autorin und Publizistin.
 

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Kulturstadt mit Herz – meine Bühnenstadt München

Max Joseph Drüben bei muenchen.de erzählt unser Autor Andreas M. Bräu, warum er in München so gerne ins Theater geht.

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Interview mit Jens „Jo“ Kramer und Nina George alias „Jean Bagnol“

Jean Bagnol Ihr seid beide erfolgreiche Schriftsteller. Wie war die Zusammenarbeit?
N.G.: Aufregend. Sie war insofern aufregend, weil wir zusammen mehr Ideen hatten als alleine. In der Summe unserer Teile sind wir mehr als jeder allein. Andererseits, während normale Ehepaare sich ungefähr nur sieben Minuten am Tag unterhalten, mussten wir zusehen, dass wir mal sieben Minuten Ruhe hatten. Wir mussten unglaublich viel reden, was wer gerade schreibt, denkt, meint, plant…. Wir mussten uns ständig unterhalten. Das war sehr, sehr zeitaufwendig. Irgendwann haben wir zwei Zimmerwände mit Kapitelplänen, Figuren-Details und Plotideen tapeziert, um immer auf demselben Stand zu sein.
J.K.: Und wir haben gelernt, füreinander anstrengend zu sein – und sich trotzdem auszuhalten. Während man in einer normalen Zusammenarbeit sagen kann: „Ach komm, lass stecken, wir machen jetzt einfach weiter…” ist es bei diesem Buch so gewesen: Wir mussten jede Unstimmigkeit ausräumen, denn sonst hätte es nicht geklappt. Wir mussten uns genau aufeinander einstimmen. Wenn das nicht hundertprozentig hinhaute, dann klappte die ganze Geschichte nicht. Wir mussten alle Eitelkeiten und Ängste vergessen, und uns mutig alles sagen, was wir wollen, und was wir nicht wollen.

Hat es euch vorangebracht im Hinblick auf eure eigenen Bücher?
N.G.: Absolut. Es gibt nichts Unausgesprochenes mehr zwischen uns. Wir haben geübt, Kritik zu üben. Wo man früher aus Nettigkeit oder Konfliktscheu verschwiegen hat, dass man fand: Oh, da ist eine Länge drin. Oh, die Figur ist nicht überzeugend, die gehört gar nicht in diese Geschichte! – haben wir jetzt trainiert, absolut ehrlich zu urteilen, ohne kränkend zu sein. So können wir jetzt gegenseitig unsere eigenen Projekte neu und freier beurteilen – frei von falscher Rücksicht. Für meine eigene Arbeit hat mir das sehr viel gebracht: Ich habe zwar immer noch einen Hang zu Reflexion und Landschaftsbeschreibung ohne Ende, aber das spare ich mir jetzt zum Beispiel beim Lavendelzimmer-Nachfolger. Das hat mir die Arbeit mit Jens gebracht: die eigenen Schwächen zu minimieren. Und die Stärken zu erkennen.
J.K.: Stimmt: Wir haben sowohl die Schwächen als auch die Stärken des anderen kennengelernt. Wir waren ja zum Teil im gleichen Kopf. Dadurch konnte ich sehen, wie Nina mit Sprache, Stil, Dramaturgie und Metathemen arbeitet, und sie konnte einiges von mir abgucken; Dialoge, Ironie, kreatives Chaos. Ich bin davon überzeugt, dass unsere gemeinsame Arbeit uns beiden neue Tricks beigebracht hat.

Wie kam es zu dem Projekt?
J.K.: Manche Romane entstehen im Kopf. Sie sind geplant, durchdacht, mit Zeit und Strategie erarbeitet. Und ganz selten – und das sind oft auch die richtig tollen Romane –, da entsteht die Geschichte praktisch durch eine Offenbarung, wie eine Ohrfeige aus dem Nichts: Auf einmal sieht man eine Szene, denkt einen Schlüsselsatz, sieht eine Figur. Nur ein Augenblick, und man denkt: „Wow! Das ist es!“ In unserem Fall haben wir beide etwas wahrgenommen. Eine bestimmte Beobachtung. Und wir haben uns angeguckt und haben gewusst, wie im Kopf des anderen die gleiche Idee entstand. Das war gelinde gesagt: irre. Null Strategie, sondern eine Musenwatsche.
N.G.: Zuerst hatten wir sogar die Idee, einen Koch und einen Gourmet-Kater ermitteln zu lassen. Aber wir haben gemerkt, dass der Koch mich – weil ich die Figurenhoheit über ihn gehabt hätte – nicht genug reizt, nicht für eine Serie. Dann haben wir gemeinsam die halbalgerische Drogenfahnderin Zadira entwickelt, während Jo sich den Kater vornahm. Wir hatten die Idee am Abend des 6.7.2012 in Mazan, 442 Tage später hatten wir das Ding ausgeliefert auf dem Tisch. Und dazwischen waren wir in der Zone des Wahnsinns. Schreiben, planen, zweifeln, streiten, versöhnen, weiter schreiben.
J.K: Die erste Zeit, in der wir uns nur darüber unterhalten haben, was wir aus dieser Grundidee machen könnten, war die schönste. Weil wir da noch nicht arbeiten, sprich: schreiben, planen, abwägen, entscheiden mussten! Wir haben die Wochen, in denen wir nicht geschrieben sondern gemeinsam auf dieser Idee herumgekaut haben, wahnsinnig genossen. Das ist sowieso immer das Schönste am Schreiben – entweder noch nicht zu schreiben oder schon geschrieben zu haben. Das Dazwischen ist leider unglaublich unromantisch.

Wie war das, einen Kater zu schreiben?
J.K.: Ich habe mich erstaunlicherweise recht schnell in die Katerpersönlichkeit einfinden können. Sich in eine Figur hinein zu versetzen gehört zur serienmäßigen Aussattung eines Autoren. Mann, Frau, Kind, Killer, Käfer, Kater … Man beobachtet, man studiert die Verhaltensweisen und versucht, die Lücken des Nicht-Wissens – die wir natürlich haben; wir wissen nicht, wie eine Katze denkt –, diese Lücken des Nicht-Wissens zu füllen. Das gelang ganz gut, so dass ich die Hälfte wieder rausschmeißen musste, sonst wäre der Roman 600 Seiten lang geworden.
N.G.: Irgendwann war die Geschichte so überbevölkert mit den charmanten Weltherrschern, dass der Krimiplot sich schamhaft in eine Ecke drückte.

Jean Bagnol Hast du ein Anschauungsobjekt gehabt?
J.K.: In der letzten Phase hatten wir einen Besuchskater, Gigi, ein Britisches Kurzhaar, das nur fließend Wasser trinkt und lieber Plastikfalter als Kunstmäuse jagt.
Ich war mein halbes Leben Katzenbesitzer, in meinem Wohnhaus in Eimsbüttel gibt es etliche Katzen, die täglich bei mir hereinschauen. Katzelein, Schröder, Mikesch … also, Rohmaterial läuft genug in der Gegend herum (lacht). Jeder, der Katzen hat, weiß, dass Katzen eigene Charaktere haben. Das hat besonderen Spaß gemacht, diese unterschiedlichen Katzenpersönlichkeiten darzustellen. Den dicken Faulen Oscar. Die feinfühlige Louise, die ein bisschen eingebildet ist, weil sie lesen kann. Den zünftigen, aber herzensguten Revierschläger Rocky, der nicht mehr mitbekommt, wenn Katzendamen etwas Bestimmtes von ihm wollen. Es gibt diese Katzentypen überall, ich konnte sie so aus dem Erleben herausgreifen.
N.G.: Ich muss verraten, dass Jo ein Katzenflüsterer ist. Wenn wir in der Fremde sind – zuletzt in Oxford – und die Katzen zur Nacht heraus kommen: Innerhalb kürzester Zeit sind die bei ihm! Da kann ich noch so süß locken: (Nina flötet: ) „Ja, halloo, wer bist du denn, du bist ja ein süßes Mädchen…“ Die ignorieren mich und krabbeln gleich auf Jo herum. Wir können nicht einmal Nachts spazieren gehen, ohne dass ihm was Pelziges hinterher maunzt. Es scheint also, als ob sie in dir irgendeine kätzische Seelenverwandtschaft spüren.
J.K.: Wahrscheinlich war ich in meinem letzten Leben eine Katze.
N.G.: Wahrscheinlich. Katzen sind die besseren Menschen, aber du hast was angestellt und wurdest zum Mensch zurück „degradiert“. Und sicher warst du ein schmusiger Kater in Mazan – dieses Städtchen im Vaucluse war für uns das totale „Katzablanca“. Es besitzt eine mittelalterliche Innenstadt ohne Autos, in der nur Katzen herumlaufen! Wir haben an fünf Abenden so viele unterschiedliche Katzentypen kennengelernt. Die schüchterne Schwarzweiße, die nur im Schatten läuft, die lässige Gescheckte, die so lange auf dem Auto liegen bleibt, bis es los fährt, der freche Schwarze, der einem die Wurst vom Teller zieht. Da haben wir uns auch bedient für die literarische Katzenbande.

Wie seid ihr auf den Namen gekommen, Bagnol?
N.G.: Der stand in Mazan auf ganz vielen Grabsteinen – der Friedhof dort ist berühmt für seine neunundsechzig Merowinger-Sarkophage, für Fans der Bestattungskultur ein echtes Highlight. Zuerst sollte der ermittelnde Koch so heißen, aber dann haben wir uns entschieden, Jean Bagnol für unser Pseudonym zu verwenden.

Gibt es schon weitere Pläne für Jean Bagnol?
N.G.: Wir haben Ideen für weitere elf Folgen. Aber wir müssen erst noch absprechen, welche als nächstes verwirklicht werden soll.

Dann herzlichen Dank und viel Erfolg!
Die Bagnols: Vielen lieben Dank – merci und „mau“!

Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens “Jo” Kramer. Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane). George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman “Die Mondspielerin”. “Commissaire Mazan und die Erben des Marquis” ist der erste gemeinsame Jean-Bagnol-Provencethriller des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jo Kramer. Sie wären beide gerne als Katzen auf die Welt gekommen, müssen sich aber damit begnügen, die Samtpfoten zu erforschen und erstmals über sie zu schreiben. Als Provence-Liebhaber und Spannungsautoren kam ihnen die erste Idee zu “Commissaire Mazan und die Erben des Marquis”, als sie im Château de Mazan im Vaucluse ihren zukünftigen Helden auf leisen Pfoten (und mit unwiderstehlicher Eleganz) eine Thunfischpastete stehlen sahen. Mehr über Jean Bagnol: www.jeanbagnol.com. Mehr über Jens “Jo” Kramer: www.jensjohanneskramer.de. Mehr über Nina George: www.ninageorge.de.

Fotos ©Angelika Scholz/Knaur

 

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Samowar und Seufzer – Onkel Wanja in den Münchner Kammerspielen

Onkel Wanja - Guckkasten mit Sitz/Stand - mehr ist nicht Die Russen sind en vogue. Egal, ob im Musik- oder Sprechtheater, München ist sein geraumer Zeit regelmäßiger Reflektor der kanonisierten Hochkultur aus dem Land, wo Kaviar und Wodka fließt. Egal ob Bieitos Kirschgarten oder Godunow, die Karenina am Volkstheater, dem missglückten Platonow in den Kammerspielen oder der noch missglückteren Möwe des kleinen Stacheder-Schauspielensembles.
Gerade Tschechow, der große Bühnenarbeiter mit den gewitzten, leichten Dialogen und der unendlichen, schnapsseligen Melancholie glimmt, nicht nur im Tourneetheater, als Everburner auf kleiner Flamme. Die Kammerspiele brachten nun im April seinen späten Onkel Wanja heraus. Das Theater des Jahres mit dem Schriftsteller des letzten Jahrhunderts sozusagen.
Wir sehen dabei wenig. Szenischer wie ausstattungstechnischer Nihilismus: Alles spielt sich auf einer erhöhten Rampe ab, einem kleinen, schwarzen Guckkasten (Muriel Gerstner) mit zwei Auftritten und einer schwarzen Wand. Mehr ist nicht, bis auf ein fragliches Digitaltextband, dass vollkommen willkürliche Fragen über der Szene laufen lässt. Mehr eine Familienaufstellung wird hier durch Rampentheater präsentiert, spätestens wenn Jelena die Figuren nebeneinander in seltsamem Tanz an die Wand bannt. Alle vier Teile ohne Unterbrechung der Therapiesitzung.
Gespielt wird dagegen naturalistisch, wenngleich oft genug mit gewollter Outrage.
Onkel Wanja - Gruppenbild mit Pollyester Allen voran die preisgekrönte Sonja von Anna Drexler. Ein nahezu autistisches, verkapptes, spätes Mädchen, das mit ihrer Hilflosigkeit rührt. Sie kämpft mit ihren Worten, frisst in sich hinein, bricht eruptiv aus und geht mit ihrer Hässlichkeit herzzerreißend um. Immer schwankt dabei die Figur zur Karikatur. Ebenso verfährt der köstlich phlegmatische Benny Claessens, einem Wanja halb TV-Sheldon, halb Großkind. Sarkastisch, bissig, verletzend und traurig in seiner aggressiven Hilflosigkeit. Daneben wenig Spannendes. Der x-te Mann in Frauenkleidern (handwerklich top: Hans Kremer). Wann legen die Kammerspiele diese olle Kamelle endlich ab? Neuerdings allerdings kommt das serielle Hyperweib zum Kanon des Standardpersonals der Kammerspiele dazu. Neobergmanns, Neugarbos mit Betonföhnung und Statuenauftritten. Neben Hobmeiers Satansgrazie nun Wiebke Puls als ätherische Jelena mit bestaunenswerter Ehrlichkeit um am Meisten Leben dieser leeren Hülsen, die Tschechow wieder und wieder kombiniert und (neu) gegeneinander führt. Heißen sie Mascha, Nina oder Sonja. Daneben wenig Erwähenswertes. Hinter dem Haarschopf fällt der Ökodoc von Simonischek jun. ab, der etwas hilflos über die leere Bühne torkelt und mit dem Chargenkonzept am Wenigsten zurechtkommt, während es Puls schafft auch bei diesen Tschechowpappen Zwischentöne und Tiefe herauszuklappen.
Denn auch diese haben die immer wieder aufgetauten Figuren, man muss sie nur aus den Textplattitüden und dem Minimalkonzept herausschälen: Lebenseinsatz für nichts, die immer gescheiterte, im Keim erstickte Liebe, die Lust am Unglück, die große Melancholie ohne Entrinnen, der Fluch der Familie…
Onkel Wanja - Jelena und der Ökodoc Einen Regiecoup aber hatte das Regieduo Henkel/Simons dann doch noch: Die Sängerin von Münchens neuer Theaterlieblingsband Pollyester gibt atmosphärisches Domkosakenchanson und macht die Russendisco. Genial und fatal zugleich. Denn nur durch die wunderschön melancholischen Seufzer fühlen wir uns in der Datscha angekommen. Die Inszenierung distanziert sich fast schon vom Russenklischee, das Bieitos Kirschgarten noch massiv abfeiert. Die wunderbaren Sätze des Bühnenarbeiters funktionieren natürlich auch in Shangai, doch das immanent russische, das pathetisch Schwere transportiert sich lediglich im Pollyestersound.
Nach ihrem grandiosen Lola-Montez-Sound hofft München übrigens baldigst auf eine komplette Pollyestershow! Mooshammer- die Operette unter der Regie von Köpplinger am Gärtner vielleicht (Aushilfsspieltort Oberpollinger?) Oder das dritte und letzte Ludwigsmusical im Rohbau Deutsches Theater? Diese Band rockt!
Die Inszenierung allein weniger. Es bleiben große Momente der Darstellung, die wunderschöne Sprache und die leisen Soprantöne. Weder Bieito noch Simons konnten Tschechow neu übersetzen, ohne in die Folkore- oder Nihilismusfalle zu stürzen.
Im Publikum der besprochenen Vorstellung saß der gerühmte Kriegenburg als Zuschauer. Vielleicht sollte er zeitnah vom Parkett ans Regiepult für den Russen wechseln.

Regie: Karin Henkel / Johan Simons, Bühne: Muriel Gerstner, Kostüme: Klaus Bruns, Musik: Pollyester, Licht: Stephan Mariani, Dramaturgie: Julia Lochte
Mit: Stephan Bissmeier, Benny Claessens, Anna Drexler, Hans Kremer, Polina Lapkovskaja, Stefan Merki, Wiebke Puls, Max Simonischek

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