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Interview mit Andreas M. Bräu

51oznzx79vL__SL160_Herzlichen Dank Andreas, dass Du Dich bereit erklärt zu einem Interview. Stellst Du Dich kurz uns vor?

Vielen Dank, dass ich für die Nachtgedanken sprechen darf! Meine Name ist Andreas Martin Bräu, bin gebürtiger Garmisch-Partenkirchner, arbeite seit zwölf Jahren als Schauspieler und Moderator und seit ein paar Jahren auch als Schriftsteller. Ich habe im letzten Jahr mein erstes Buch herausgebracht, die Kulinarischen Geschichten aus dem Werdenfelser Land, und jetzt gerade ganz frisch aus der Druckerei die Streifzüge durchs Werdenfelser Land im Gmeiner Verlag.

 

Wie kam es denn dazu, dass Du Deine Lieblingsplätze in dieser Reihe des Gmeiner Verlags präsentieren kannst?

Für das erste Buch hatte sich auch der Gmeiner Verlag interessiert, es kam aber dann mit Sutton zustande. Sie wollten ihre Reihe auf das Oberland ausweiten und haben mich dann gefragt, weil ich ja aus dem Eck komme. Ich musste nicht lang überlegen, weil es ja doch eine sehr schöne Aufgabe ist: neue Lieblingsplätze zu finden, alte wieder aufzusuchen. Ich habe dann mit dem Fotokünstler Sebastian Schoenwald zusammengearbeitet, der alle Bilder exklusiv für den Band gemacht hat, hab unterschrieben, mir den Doppelstress von zwei Büchern parallel angetan und seit einem Jahr bin ich jetzt dran gesessen, habe daran gearbeitet und dann ging die Reise los. Mittlerweile ist es der 64. Band in der Reihe.

 

Und wie bist Du vorgegangen bei der Vorbereitung?

Wir haben uns zusammengesetzt und dachten: 77 Plätze ist gar nicht mal so wenig für so einen kleinen Landstrich wie diesen Landkreis, dann haben wir hin und her überlegt, wo wir regelmäßig gerne sind, wo wir früher gerne waren, haben mit Freunden gesprochen und recht schnell war die Liste bei über 150 Plätzen, die wir gerne empfehlen würden. Dann mussten wir aussortieren und nur die besten, die Highlights haben es ins Buch geschafft. Und dann begann natürlich das schönste Arbeiten; alle diese Plätze wieder zu besuchen, Bergtouren zu machen, mit Menschen zu sprechen, Interviews mit Beteiligten zu führen, Handwerker, Schneider, Wirte, Kneipiers, Leute von den Museen, und da eben das aufzusaugen, was diese Plätze wirklich ausmacht, und vielleicht auch den ein oder anderen Tipp des Einheimischen mit hineinzunehmen.

 

Wie haben die Leute es aufgenommen, dann in einem Buch zu erscheinen?

Die Werbung haben sie natürlich gerne mitgenommen. Das war eigentlich der schönste Teil an der Recherche, mit ihnen zu reden, es gibt da zum Beispiel einen Lodenschneider, den Herrn Bauer, der lebt für seinen Beruf. Und mit ihm zu reden, hineinzuschnuppern, wie er arbeitet, das war unglaublich spannend. Und es ist auch sehr vielseitig: wir haben die Geigenbauer in Mittenwald, wir haben die Königsschlösser, wir haben einen Wirt, der noch wie vor hundert Jahren kocht und alte Rezepte wieder produziert, dem wir auch in seinen Kochtopf hineinschauen und mal hineinschmecken durften, wie er es macht. Wir sind überall sehr freundlich aufgenommen worden, es war vielleicht auch ein Vorteil, dass wir nicht von außen als Fremde dazugekommen sind, sondern eben viele Partner gekannt haben und sozusagen auf freundschaftlicher Ebene Geschichten ausgetauscht haben, die es dann auch alle ins Buch geschafft haben.

 

Also Dein Fotokünstler Sebastian kommt auch aus dem Landkreis?

Ja, auch ein gebürtiger Dortiger, der auch drei Texte beigefügt hat. Ich glaube, ich könnte auch nicht über viele andere Ecken der Welt so schreiben wie eben über die Heimat. Es sind Flecken drin, wo ich als Kind mit meinem Spezl auf dem Bergbauernhof gespielt habe, bei den Großeltern und danach gab‘s das Butterbrot. Genau dieser Platz ist jetzt drin. Oder unser Schwimmbad, in dem wir das Schwimmen gelernt haben, wo wir irgendwann das Flirten probierten, das sind Ecken, die man in- und auswendig kennt, die man aber guten Gewissens an Einheimische, aber auch an Gäste und Touristen empfehlen kann, weil sie eben etwas Besonders ausmachen. Das Wichtige daran ist, dass man sie mit einer Geschichte, einer Anekdote, mit ein bisschen was Hintergründigem verbindet, was diesen Platz vielleicht noch mehr mit Bedeutung auflädt, als es sonst nur eine kurze Beschreibung tun würde.

 

Und wie lange hat die Recherche dann in Anspruch genommen?

Ein fürchterlich langes Jahr, während dem ich Plätze besuchen, untersuchen, mit Leuten sprechen und testen durfte. Sehr viel ist im letzten Sommer passiert, die ganzen Wanderungen, die ganzen Bergtouren, auch auf die Zugspitze noch mal hinauf, im Winter dann eben die Skisachen und dazwischen immer wieder, wenn Zeit war, Dinge testen. Alles in allem, mit dem Schreiben, mit den Fotos zu verschiedenen Jahreszeiten, hat es ein Jahr gedauert. Es gibt auch verschiedene Informationstexte dazwischen, zum Beispiel zum Sagenschatz des Werdenfelser Landes, in den ich mich ein bisschen eingearbeitet habe, über König Ludwig ist natürlich ein bisschen was drin, der ja zwei Schlösser in dieser schönen Region hat, aber auch eine allgemeine, wenngleich ironische Charakterisierung von diesem goldenen Landl.

 

Du stellst auch Deine Lieblingsplätze vor, hast Du keine Angst, dass die jetzt total überlaufen sind?

Ich weniger, weil ich jemand bin, der das gerne teilt, Ich habe auch davor schon Gäste aus München und von überall her gerne eingeladen, sogar einmal zwei Damen aus Indien durch den Ort geführt. So schön wie es bei uns ist, das möchte man ja teilen. Aber mir ist es regelmäßig bei der Recherche passiert, dass ich gehört habe: „Verzähl das fei bloß ned und schreib des ned hinein, nicht dass irgendjemand an unsere Plätze kommt, wo wir sonst keinen hinlassen wollen.“ Ich sehe es ein bisschen anders, und man muss ja doch auf ein paar Sachen ein bisschen Acht geben. Es sind alles beschilderte Wege, ich kann die Leute ja nicht in die Pampa schicken, es sind viele öffentliche Institutionen, Kultureinrichtungen, Museen und dergleichen drin. Ich freu mich über jeden der hinkommt, und wenn‘s nur fünf oder sechs sind, die gesagt haben: „Wow, das Bankerl ist schön, das ist ein guter Tipp gewesen, dann bin ich schon zufrieden. wenns fünftausend sind, dann stört es mich allerdings auch nicht.“

 

Und welchen Platz kannst Du besonders empfehlen?

Jetzt wird es schwierig. Das Schöne ist, man kann in der Gegend einen Tag verbringen, an dem man gleich verschiedene Plätze abläuft. Es soll eine Art Rundumversorgung sein. Man könnte in der Früh eine wunderschöne Wanderung auf ehemaligen Schmugglerpfaden Richtung Tirol ins Reintal machen durch die Partnachklamm, dabei eine kleine Wirtschaft besuchen, die ein guter Freund von mir betreibt und der unglaublich herzlich mit seinen Gästen umgeht.

Aber es sind 77 Plätze, da kann ich nicht einen rausgreifen. Je nach Stimmungslage ist für jedes Wetter, jeden Tag, jedes Interesse etwas dabei.

 

Und schaffen es die anderen 77, die jetzt rausgeflogen sind, noch in einen zweiten Band?

Jederzeit! Diese Region ist so reich an kulturellen, kulinarischen, touristischen Geheimtipps, dass man noch drei, vier, fünf Bände darüber schreiben könnte und immer noch fällt ein neuer Lieblingsplatz auf, den wir empfehlen können.

Andreas M. Bräu, geboren in Garmisch-Partenkirchen, arbeitet seit mehr als zehn Jahren als freischaffender Autor, Schauspieler und Moderator. Neben seiner Titelrolle in “Ludwig II. – ein ewig Rätsel will ich bleiben” für das Kurtheater Garmisch-Partenkirchen steht er bei vielen Tourneeproduktionen in Bayern auf der Bühne. www.andreasmbraeu.de Sebastian Schoenwald, Jahrgang 1982, geboren und aufgewachsen in Partenkirchen, zog es gleich nach dem Abi in die Werbebranche wo er nach universitären Irrwegen wieder angekommen ist. Er liebt seine Heimat und sieht es als Privileg, dort leben und arbeiten zu dürfen.

 

 

 

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51oznzx79vL__SL160_Im Werdenfelser Land rund um Garmisch-Partenkirchen wollen die Menschen hoch hinaus, bleiben aber dennoch bodenständig und pflegen ihr Brauchtum: Hier stellt alle zehn Jahre ein Dorf ein musikalisch-theatralisches Großereignis auf die Beine, bei dem fast die Hälfte der Einwohner mitwirken – und das seit über 350 Jahren. Hier steht eine Himmelsleiter, von der mutige Skispringer in die Tiefe fliegen. Hier spürt Andreas Bräu seinen Lieblingsplätzen nach und lädt zu Genusstouren ein: ob in eine Klamm, eine Seilbahn oder eine coole Bar, in der römische Legionäre mexikanische Quesadillas essen.

Andreas M. Bräu, geboren in Garmisch-Partenkirchen, arbeitet seit mehr als zehn Jahren als freischaffender Autor, Schauspieler und Moderator. Neben seiner Titelrolle in “Ludwig II. – ein ewig Rätsel will ich bleiben” für das Kurtheater Garmisch-Partenkirchen steht er bei vielen Tourneeproduktionen in Bayern auf der Bühne. www.andreasmbraeu.de Sebastian Schoenwald, Jahrgang 1982, geboren und aufgewachsen in Partenkirchen, zog es gleich nach dem Abi in die Werbebranche wo er nach universitären Irrwegen wieder angekommen ist. Er liebt seine Heimat und sieht es als Privileg, dort leben und arbeiten zu dürfen.

 

 

 

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Premierenfieber

Premierenfieber

So etwa ab dem Mittag kann ich nichts mehr essen. Am frühen Nachmittag setzt das Magengrummen ein. Gegen Abend hin wird es heiß und sobald ich viel zu früh im Theater angekommen bin, wird es anstrengend. Vor allem weil die Zeit bis zur Initialzündung ab der Maske zerdehnt wird, dass man am liebsten selbst die Leute auf ihre Premierenplätze bitten würde.
Dabei war ich nie einer der wirklich Aufgeregten, wenn es darum geht, die allererste, doch hoffentlich gänzlich ausverkaufte, und überall beblickte Vorstellung zu überstehen. Im Gegenteil, aus feierlustigem Größenwahn legte ich die Kinipremiere 2011 mit meinem Wiegenfestreinfeiertermin zusammen und beging diesen mit 70 geladenen Gästen, die dann auch alle in der Premiere saßen, was den Druck nicht unbedingt verringerte.
Vor der Ersten ist man immer nervös, je mehr beindruckenswerte nahe Menschen aber drinsitzen, umso komplizierter wird die Geschichte. Denn eigentlich geneigt und freundlich habe diese den Vergleich und sollen nach Möglichkeit besonders bespaßt und erfreut werden. Sitzt aber niemand Liebes in der Premiere, macht das den Abend noch abstruser, vielleicht unterspannt und trotzdem wichtig. Natürlich liegt es auch an der Gründlichkeit der Proben, ob man mit heißkalten Nacken ohne einen Clou in Richtung Bühne improvisiert oder passgenau die Abläufe gleiten lässt.
Da hilft auch die Hungerkur nichts und die Aufregung ohnehin nicht. Das helfen nur Proben und selbst dann entscheidet die Magie und die Chemie über Gelingen oder Misslingen einer fiebrigen Premiere.

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Alle für die Oper

Alle für die Oper

Ein Kulturenthusiast muss wetterfest sein. Sei es bei Freiluftaufführungen zwischen Gewitter und Sturmwind, sei es im Schneechaos auf dem Weg zum Theater. Insbesondere aber zur Festspielsaison, wenn die Oper für alle lockt. Was ist das für eine großartige Einrichtung, den schönsten Platz Münchens in ein Festivalgelände zu verwandeln und gemeinsam aneinander gekuschelt der Musik zu lauschen und eine Vorstellung zu erleben, die ansonsten dem betuchten Festspielpublikum vorbehalten bliebe. Das eigene Tuch spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn die Wettergötter stehen mit den Musikgöttern wohl so gar nicht auf einer Seite. Jahr für Jahr regnet es ausgerechnet an diesem Tag mit Vorliebe. Der Enthusiast ging nicht im Rhein, aber im Regen baden, als er 2012 die Götterdämmerung am Platz erleben wollte. Kaum dämmerte die Ouvertüre, ergoss sich auch der Himmel aus allen Kübeln und Hörnern. Die kunstunlieben Aufpasser einer Sicherheitsfirma verboten dämlicherweise einen Luftpolster unter dem enthusiasmierten Unterteil. Die Gefahr einer Stolperschwelle im Gefahrenfalle wäre ja auch massiv gewesen, verblieben doch einige dutzend Wettergegerbte auf dem Platz, als kurz danach der Himmel dämmerte und für etwa zwei Stunden Ruhe mit dem Regen war. Kaum starb aber Siegfried, weinte auch der bayrische Himmel erneut und am Ende des Abends waren Tränen der Erlösung vom patschnassen Regenwasser nicht mehr zu trennen.
Ein R(h)einfall? Oh nein.
Das Wetter man halt nicht kiesen kann.
In diesem Fall nun spülte das Arbeitsschicksal den Enthusiasten auf die andere Seite der Absperrung hinein ins Festspielhaus zur Tellpremiere. Nicht wehmütig, aber ein wenig verwirrt ob der Entwicklung blickte er von den Festivalstufen neben russischer Sopranistin und gealterten Schätzchen hinüber zu den vielen Enthusiasten. Vorsorglich im Cape wurden sie wieder geduscht, doch auch sie blieben, bis der Apfel platzte, ein Regenbogen seine Bahn zum Galopp zog und schlussendlich Luftballons gen Himmel stiegen. Der Enthusiast freut sich über so viele Begeisterte, die das Wetter weniger wichtig als die Kunst nehmen. Was macht schon Nässe aus, wenn Rossini wärmt? Wer braucht einen Sitzplatz, wenn er neben der/dem Liebsten auf der gleichen Decke sitzt? Wer will ausgschamde Käferhäppchen bei mitgebrachtem Sekt und Leckereien? Wer braucht das Schätzchen, wenn er einen Schatz hat?
Am Ende werden sie alle belohnt. Sie haben dem Wetter getrotzt und ausgehalten, bis die Schweiz befreit und der Himmel beruhigt war. Die Soli kamen heraus, der Bachler grüßt, der Applaus brandet auf und das höfliche Zaunpublikum leistet sich weniger Buhs als die Ränge der Ganz-Gscheiden. Warum? Weil sie den Sinn der Oper verstanden haben und nicht nur alle in den Genuss der Musik kamen, sondern alle etwas für die Oper getan haben, indem sie an einem Sommerabend zwischen Kübel, Cape und Tell gezeigt haben, dass es noch immer genügend Menschen gibt, die aus Enthusiasmus und Liebe zur Musik ausharren, genießen, loben und lieben.
Der Enthusiast zieht gerührt seinen getrockneten Hut.

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Online K(c)asten

Online K(c)asten

Nach den Worten zum Werben, beziehungsweise eigentlich vor dem zur Werbung werden, muss man erst einmal geworben werden und wichtiger noch: genommen werden.
Das passiert beim Casting. Oft genug in einer kleinen Agentur mit einem Kamera-Casting durch einen Redakteur, der eigentlich immer alles gut findet, was man halt so anbietet.
„Du bist in einer Raumstation und arbeitest schwerelos an deinem Tablet“, kann es dann schon mal in einem Bogenhausener Hinterhof heißen. Hebt man halt ab, wenn man den Job will. Und glauben sie mir: Man will immer den Job.
Manchmal aber schicken sie dir neuerdings nur eine Anleitung mit einigen Storyboards und dann darfst du via Online-Casting selber ran.
Schnapp dir eine Kamera und selfie dich zum Engagement. Im besten Falle betätigt jemand aus dem näheren Freundeskreis, der sich ohnehin nicht für dich schämt und die notwendigen Selbstbewerbungskniffe dieses Jobs kennt, den Trigger. Denn der brave Kamerateur hält drauf, während du dich meist gleich zweisprachig anbiederst und darlegst, warum eben natürlich und gerade du und sowieso, weil es ideal passen würde, für diesen Rasierer werben oder diesen Lover geben möchtest. Dann kann es sein, dass du einfach noch ein paar Impressionen von dir hinterherschickst. Wieder mal Profil und Händchen vorzeigen.
Also erneut das Knipskisterl scharf gestellt. Vormittags in den Smoking, Hollerschorle den Champagner doubeln lassen – wobei viele Kollegen, na ja, egal… – und hinein in den erwünschten Jetset-Abend. Dann flirtest du umwerfend mit deiner Heimkamera, der Abdrücker kugelt sich oft schon hinter der Linse am Boden. Du gibst alles: Latino, Clooney, 007, Andy Borg, was halt erwünscht ist, während da nur das kleine Urlaubsknipsding auf einem Stapel Brockhäusern steht und entscheidet, ob du den Job bekommst, oder eben nicht.
Dann das übliche Paket geschnürt, rüber über die Cloudwolke und an deinen Agenten und weiter an den Kunden und der klickt dich dann an, denkt sich „schöne Wohnung“ oder „miese Kameraqualität“, dem fällt dann vielleicht dein Gesicht auf und ihm gefällt vielleicht der Augenaufschlag und schon katapultiert dich der Freizeitfotoapparat in ein richtig gutes Set mit ein paar schönen Drehtagen oder du justierst ihn schon fürs nächste Onlinevorsprechen, für den heißen Draht, für den nächsten Versuch, von deiner vor eine richtige Kamera zu kommen.

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Media Vita

Media Vita…

Der wohlvorbereitende Kunstbesucher informiert sich natürlich über die handelnden Personen, die ihn diesmal begeistern sollen. Dafür greift er meist auf die geschönten, knappen Kurzbiographien der Programmhefte zurück. Besser er fliegt darüber, da gerade bei Sängern das immer gleiche Aufzählen der üblichen Partien und Häuser selten neue Erkenntnisse liefert. Das Geburtsdatum gerade der Damen ohnehin nicht, weshalb meist in der Nachbereitung Wikipedia ein respektvolles Nicken oder erschrecktes Zusammenzucken aufgrund von Erhalt oder Niedergang eines Jahrgangs nachreicht.
Tiefstapelei wird bei diesen kurzen Werbetexten der Künstler nicht gerade betrieben. Verständlicherweise. Es kann jedoch sehr schnell ins andere Extrem und Übel umschlagen.
Ein sägender, knödelnder, schmerzender Quasitenor einer besseren Schulaufführung ließ sich auf einer Provinzbühne scheiternd doch tatsächlich als einer der „erfolgreichsten Tenöre unserer Zeit“ betiteln. In welchen Zeiten leben wir? Der Enthusiast dachte, die Zehn, die dieses Attribut verdienen, zu kennen und dieser Brülltamix gehörte nun wirklich nicht dazu. „Auf der ganzen Welt zu Hause“ schien dieser Unmusikvagabund zudem. Was nur bedeuten kann, dass er aus einigen Städten mit ziemlicher Sicherheit von einem heugabelschwingenden Mob an die Landesgrenze begleitet wurde. Von Einbürgerung keine Rede. Der Enthusiast hätte sich nach der Bildnisarie den Anschlussflugsverstärkern angeschlossen.
Dann schreibt man da gerne: Sang den Manrico in New York. Ob mit einem Hut im Central Park oder beim Veteranentreffen in einem Queenser Altenheim steht da freilich nicht. Auch gelesen: Gewinner des Gesangswettbewerbs auf Burg Hinterfels in Chur. Der Enthusiast würde zu gerne so manchen Juryvorstand oder tauben Grafenmäzen einmal kennenlernen, der, um die Burg zu erhalten, mit Preisen um sich wirft, die nur Schaden anrichten, da sie mittelmäßige Sänger mit zu viel Courage ausstatten. Kammersänger der freien Republik Murxsistan wäre da noch ein schöner Titelkauf, oder „sang den fünften Raben im Krabatmusicalsommer am Plattensee“, „begeistert an allen wichtigen Kiosken Südeuropas“ vielleicht? Der Enthusiast driftet ab.
media vita in morte sumus, wie der animus ardor und andere Lateiner wissen. Wenn aber die Vita der einzige mediokre Mittelpunkt eines Künstlerschaffens bleibt, dann stirbt nicht nur das Publikum am schiefen Tenorschrei, sondern dann stirbt auch die Kunst mitten in der Mittelmäßigkeit, die sich auf die Werbeformulierung des eigenen Scheins konzentriert, anstatt Kunst zu sein und ein Sein zu bedeuten. Denn auch die Vita kann schnell der Tod des Rufes sein.
finis aut exitus.

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Die liebe Werbung

Die liebe Werbung

Keine Sorge geneigter Leser, es folgt kein Werbeblock, sondern ein Blog über das Werden des Werbens, das Herstellen des Konsumgutes Werbung.
Eine Szene aus Coppolas Lost in translation mit Bill Murray verdeutlicht den Wahnsinn Werbung wunderbar: Der gealterte Star bekommt als Werbeträger für Whiskey, der filmisch durch Eistee gedoubelt wird, genaueste Instruktionen, um das Produkt sexy, attraktiv, relaxing und sophisticated wirken zu lassen. Murray versteht davon nichts, doch der japanische Regisseur redet auf ihn ein, während allerlei Hände an ihm herumnesteln. Der genervte und verwirrte Schauspieler spult seine Grimassen ab und die Branche ist zufrieden.
Aus meiner eigenen Erfahrung mit der lieben Werbung kann ich diese Szene mittlerweile verstehen. In der Realität wird die Satire an Aufwand oft noch übertroffen. Bis in die kleinsten Parts werden zielgruppenorientierte Castings abgehalten, um alles Werbewirksame abzudecken. En détail werden Abläufe strategisch vorausgeplant, jede körperliche Variante vorausgedacht und der werbespielende Schauspieler genauestens inspiziert.
Wird man dann genommen, kann es passieren, dass man auf einem Riesenset vor einem Team steht, das keiner deutschen Serie und selbst nur wenigen Spielfilmen zur Verfügung steht. Diese Werbeerotiker betreiben dann eine finanzkräftige Perfektion, die ihresgleichen sucht und eben doch noch eine Form seltsamer Kunst sein soll.
„Was brauchst du? Gib mir mehr Verbindlichkeit! Lad mich mit deinem Blick zum Chinesen ein! Ja, genau, mehr und keine Zähne, ja grinsen.“
Ich schaute dann etwa eine Stunde – nun ja, verbindlich eben – in die am Kran kreisende Kamera und tat mein Bestes, den Mitarbeiter des Monats zu geben. Das dauerte ewig und zwei Maskenmädchen kümmerten sich um die Verbindlichkeit mit mehr HD-makeup, als die Öffentlichen an einem Tag verbraten. Insgesamt wurden neunzig Sekunden in mehreren Wochen produziert und mit einem Budget ausgestattet, das keinem Abschlussfilm ansteht.
Als das Ergebnis erschien, wunderte ich mich wie Murray ganz unverbindlich. Denn trotz allen verbindenden Lächelns wurde ich unumwunden aber mit vollen Bezügen aus diesem Werbeblock herausgeschnitten.

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Pausentöne

Man kann ja dann doch nicht weghören. Dazu sind die meisten Tuschler zu nah am eigenen Standort, ratschen zu dicht am eigenen Ohr und die Inhalte interessieren den Enthusiasten dann doch zu sehr.
>> Mei, sie haben‘s schön hier in dem Cuvillies. Wissen sie, mia kommen aus Landshut. Da ist kulturelle Wüste. Da ist gar nix. Nur unsere Konzertvereinigung hat jetzad so einen neuen Steinway gekriegt. Aber mehr ist da nicht los. <<
Der verdutzte Angesprochene wusste diese Dame beim Mozartserail nicht zu trösten, wie sie da ihr niederbayerisches Herz ausschüttete.
>> Ja mei, ich komm aus Nürnberg, wir sind jetzt wenigstens Metropolregion… <<
Immerhin saß sich ja kosmopolitisch downtown und altstädtisch im ehernen Epizentrum der Kultur. Nur eine Regiofahrt von der Steinwaysteppe entfernt. Der Enthusiast musste in seinen Mitschriftenstift beißen, so sehr rührte ihn das leidige Lamento der Kulturtraveller.
>> Endlich amal was Gscheites mit den Gobbelins und dem ganzen Reif. Ned das der Octavian mit einem Motorrad sein Blümerl überbringt, oder sonst so ein Schmarrn. Da geben sie mir doch auch recht. <<
Diese Dame an der BSO wollte gar keine Antwort, sie war sich ihrer Meinung so sicher, dass sie einem Zeugen gleich im Foyer missionieren ging. Dem Enthusiasten zuckte zwar der Widerspruch leicht aus dem Hüftholster, doch er hielt sich zurück und blieb in seiner geliebten Position des stillen Beobachters.
Denn beide Beobachtungen zeugen ja von dem kommunikativen Potential der Kunst. Worüber streiten, freuen, loben und kritteln wir denn sonst in der Pause?
Für die Dame war es ein Highlight fern der provinziellen Pampas endlich wieder einen Serail zu sehen und für die andere Dame ein Labsal nach zu viel metropolitischer Modernmusik und –inszenierung einen Rokokorosenkavalier schreiten zu sehen.
Inhaltlich muss es da ja nicht stimmen. Beim selben Serail mokierte sich ein anderer Herr aus der Loge:
>> Oh weh, nur die Zweitbesetzungen heut. Nur der Selim singt im hier Original. <<
Nun ja, es war die Premiere und die dementsprechende A-Besetzung, die hier ebenso wenig erkannt wurde wie die von jeher sprechende Sprechrolle des Selim Bassa. Der Bassnachname kann aber auch verwirren.
Nur bei einer Dame im Sprechtheater wollte der Enthusiast vor etwa zwei Jahren einschreiten, da sie fachfremd und stückfern aus vollem Herzen ihren Nachspeisenwunsch in die sich öffnende Bühne spie:
>> Topfenstrudel! <<
Sprachs, schwieg und das Drama nahm seinen Lauf.

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