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Kino konzertant – Der Herr der Ringe live im Gasteig

Gehört Kino in den Konzertsaal? Ist Filmmusik der legitime zeitgenössische Erbe der Oper? Es scheint bald so, folgt dem nahezu ausverkauften, orchestrierten Kinoabend in der Philharmonie. Gegeben wurde in Giganto-Besetzung der erste HerrderRinge-Teil der „Gefährten“ aus Peter Jacksons beliebtem Fantasymärchen. Allein 150 Chordamen und -Herren, unterstützt von artigen Solisten und Choreleven aus Wolfratshausen, einer ätherischen Sopranistin und den Symphonikern in großer Besetzung. Das braucht es auch, um Howard Shores großen Score live zur Leinwand aufzuführen.
Das wirkt und beeindruckt. Man muss sich irgendwann entscheiden, ob man den Fokus auf die mittlerweile altbekannte Zwergerlgeschichte legt, oder das famos aufgelegte Orchester unter der präzisen Führung von Ludwig Wicki beim Zaubern beobachtet.
Gerade als Nichtmusikologe – und der Gasteig war an diesem Abend mit jungem und eher untypischem Konzertpublikum angefüllt – lernt man allerhand. Howard Shores Verliebtheit in die Posaune beispielsweise, die virtuose Schönheit der Soloflöte für die Hobbitmelodie und die Effektivität des Schlagwerks – vierhändig zum Schlachtenrums. Auch über das nicht leichte und notwendigerweise wenig kreative Dirigat nach dem Primat der Leinwand. Mithilfe eines kleinen Karaoke-Bildschirms mit Tempi-Tacho und Einsatzblinkern, punktete Wicki genau mit Tusch auf Schwerthieb. Dazu lieferte noch Mittelerdes kleiner Instrumentenladen allerhand Exotisches Klangwerk samt Leier- und Mittelaltersound. Und das die hohen Sopranjodeltöne besser im Studio gemischt werden, während der Enya-ethnossong wunderschön hallte.
Man lernt auch ein wenig über Shore und seine Kompositionstechnik. Der hat nämlich nicht nur bei diesem anderen Jubiläums-Goldreifmehrteiler leitmotivisch genau hingeschaut nein auch bei Mozarts Klarinettenkonzert. Wie beim Themenjubilaren des Jahres wird retardiert, wiederholt, erlöst, zugeordnet und im richtigen Moment überwältigend überladen. Die Dialoge verstand man dann nicht mehr, doch das verzeiht man dem hörnerstarken Megasoundtrack, weswegen allerhand Halblinge und anderes Volk ja passenderweise die Mienen Morias – Münchens, den hässlichen Gasteigbunker bevölkerten. Das Hallenthema wirkte dann auch samt Verfolgungsjagd am Epochalsten, ebenso wie die Isengarttutti mit drallem Klang und kühlem Effekt. Das versprochene „Gänsehautgefühl“ aus der Ankündigung nach „15 vollen Ringabenden“ im Gasteig (bisher), stellt sich dann auch ein.
Und der Applaus scheint, hat einigen Konzertneulingen vielleicht Lust gemacht einen verwandten Abend ohne Leinwand im gleichen Haus zu besuchen. Es kann gerne wieder, muss aber nicht immer Kinomucke sein. Vielleicht Mussorgsky oder Dvorak wo es auch rumst und tönt und man neben Posaune und Chor eine weitere Lektion über die Emotionsmacht der Orchestermusik erlernt und erfühlt. Möge die Reise weitergehen.

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Lasst uns die Totenruhe stören! Lola Montez im Cuvilliés (erobert endlich München)

LOLA MONTEZ/Residenztheater Muss der Krach sein? Und muss des im Cuvilliés sein?
Ja! So laut und so krachig und nur im Cuvilliés – sozusagen am Originaltatort der ersten femme fatales der Geschichte. Denn Lola ist Krach, ist laut und ist Punk – deswegen nur ein logischer Schritt sie auf diese grandiose Weise für die Bühne neu zu erzeugen, ihre Totenruhe zu stören und ihr ein funky Denkmal zu setzen, an das sich München erinnern wird, wenn es auch nicht grad Geschichtsstunde ist. Ein wenig wirkt der abend, als hätte Peter Fox Guido Knopp {Verzeihung} verräumt und die Redaktion der Märchenstunde geentert.
Natürlich hat diese Produktion Schwächen. Alles zerfasert, keine Stringenz, eine Kalauerparade, szenischer Minimalismus und ein sinnloser Zirkusdirektor, der lieber hinterm Regiepult bliebe. Doch Kühnel und Kuttner machen aus diesen Schwächen Stärken und liefern einen neuen, innovativen SprechSingspielAbend, der einfach rockt. Drama per musica nennt sich das heute und funktioniert.
Man nehme:
Eine leere Bühne, ein paar Scheinwerfer, achteinhalb Musiker, zwei grandiose Lolen, einen Operettenludwig, 14 Mann Laien-Opachor, eine Prise Brecht, drei Löffel DDR-Märchenklamauk, viel mehr Punk, etwas Nockerberg, viel Varieté, ein bisserl Musical, ein bisserl mehr Respektlosigkeit, warum ned a Stückerl Bollywwood, Schlager, Ballade, Volkslied, Ohrwurm viel Dezibel, jede Menge Spiellaune und nebenbei zwei mögliche Wiesnhits und schon erkennt man die bayrische Geschichte, die eigenen Sehgewohnheiten, das Resi und das Cuv nicht wieder und ist begeistert. Alles andere wäre dezent und wäre der Montez nicht angemessen, denn wir lernen an diesem Abend: Dezenz ist Schwäche.
Das Publikum? Zufrieden, amüsiert, oder verwirrt, kriegt aber was auf die Ohren. Der Applaus jedoch brachte wieder Ruhe zwischen Lola und Bayern, München und Punk, Resi und seinem Publikum.
Worum geht’s? Nebensache. Die Skandalaffäre und der Auslöser der bayrischen Revolution werden schnell abgehandelt. Hier interessiert nur eins:
Eine unangepasste, starke, erotisierende Feministin und ihr kühler Plan, den alternden bayrischen Monarchen wieder zu beleben und belieben, um selber Queen of Bavaria and Pop zu werden. Dafür wird das schizophrene Überweib gleich gedoppelt. Gescheiterweise. Hier stehen sich Frau und Klischee gegenüber.
Katrin Röver als Klischee darf nach all den Dienstmädchen und Dienerinnen endlich ihre Klasse und Stimme beweisen, macht verliebt, während die Rockröhre Genija Rykova uns nicht nur plärrend und lefzend die Frau Lola zeigt, sondern auch mit Monolog und Zwischenton überzeugt. A cappella, synchron, im frechklugen Openingschocker sprachgewandt und immer lasziv, spürbar präsent zeigen diese beiden Bühnendamen wie eine Lola das werden konnte, was sie war – eine Prima Donna und Skandalon zugleich. Zu Recht.
Köstlicher Viennasidekick bei diesen Lolas die Zenzi Katharina Pichler, pointensicher und stimmgewaltig und so wunderbar beim Kochen anzusehen.
Da haben es die Männer schwer, bis auf den köstlichen, wie immer wunderbaren So-Gar-Nicht-Ludwig-und-darum-Prächtig Oliver Nägele als Resi- und Monarchenveteran in der Potenzkrise mit Ukulele. Götz Arugs brüllt sich routiniert und wohl bewusst eindimensional durch den Comic-Polizisten in billiggrüner Uniform. Arthur Klemt gibt einen netten Stieler, Wolfram Rupperti liegt Lola als Leutnant zu Füßen und Lukas Turtur nervt vor allem durch fehlende Stimmgewalt als Bébé ohne verständliche Songs. Eine Ladies Night eben. Darum bitte, bitte lieber Coautor, Coregisseur und College Kuttner, tu deinem Werk den Gefallen und inszenier dich daraus hinaus. Weder Rhythmus, noch Tempo, Witz oder Sinn des miesen Direktors erschließt sich wie sie es beim Haspeln doch auch selber gemerkt haben. Entweder Schnellsprechunterricht über der Gasse bei Frau Paulmann nehmen, oder lassen. Dem grandiosen Abend tut‘s nur Gutes.
Den Federhandschuh soll Lola ganz allein werfen. Dieser Abend kann die Pausenhofgeneration mit Operette und Sprechtheater versöhnen. Nicht nur weil die hippen Yeah-Yeah-Yeah-Look-alikes Pollyester die Bube zum Dröhnen bringen. Hier sehen wir Unterhaltung und Show auf höchsten Niveau. Frech und neu und skandalös.
Kokett, cool und krass im Cuv? Grandios!

Katrin Röver Lola Montez, Genija Rykova Lola Montez, Oliver Nägele König Ludwig I., Katharina Pichler Emerenzia Klachlmoser, Götz Argus Polizeidirektor von Pechmann, Arthur Klemt Maler Stieler, Wolfram Rupperti Leutnant Nussbaumer / Minister, Lukas Turtur Bébé / Bischof, Jürgen Kuttner Direktor, Manu Dacoll Musiker (dr), Thomas Wühr Musiker (dr), Polina Lapkovskaja Musiker (keyb), Ulrich Wangenheim Musiker (cl, bcl, fl), Blerim Hoxa Musiker (vio), Eugen Bazijan Musiker (cello), Manfred Manhart Musiker (akk), Leo Gmelch Musiker (tuba, btb), Dieter Bayer Herrenchor

Besucht wurde die Vorstellung am 24.03.2013

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Spielplan Gärtnerplatztheater 2013-2014, vorgestellt von Josef E. Köpplinger, 21.3.2013 (Pressekonferenz)

Spielplanvorstellung 2013/14 über die Pressekonferenz vom Vormittag habe ich drüben bei mucbook geschrieben. Die Pressekonferenz war gut besucht, allerdings finden sich bisher nur wenige Artikel online, zB. bei der SZ, bei der AZ und dem BR. Jakobine Kempkens Beitrag ist beim Neuen Merker leider total versteckt. Leider hatte ich einen sehr unangenehmen Sitznachbarn, der nicht nur abwechselnd nach Fußschweiß und kaltem Rauch stank und total verdreckte und dem Geruch nach urteilen schon länger nicht gewaschene Klamotten anhatte, sondern sich auch noch beständig mit seiner Nachbarin unterhielt. Nächstes Jahr suche ich mir einen Platz, von dem ich flüchten kann, ohne drei Leute aufzuscheuchen.

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Wendy Wunder – Flamingos im Schnee

Wendy Wunder – der Name klingt aufgesetzt, scheint aber echt zu sein. Und Frau Wunder hat tatsächlich ein wundervolles Buch geschrieben.
Cam ist sechzehn und hat Krebs. Sie weiß, dass sie sterben wird und hat sich im Grunde genommen aufgegeben. Austherapiert, so nennt man das wohl. Sie ist sarkastisch, zynisch schon fast, mit einer drastisch reellen Sicht auf das Leben. Ihr Mutter möchte nichts unversucht lassen und schleppt sie mit nach Promise, Maine. In diesem verwunschenen, unzugänglichen Ort sollen Wunder am laufenden Band passieren. Warum also nicht auch eines für Cam?
Wendy Wunder zeichnet in ihrem Debütroman ein emotionales, aber doch reelles Bild einer Sechzehnjährigen, deren Leben schon fast vorbei ist. Dabei spricht sie aber nicht nur ein jugendliches Publikum an, auch Erwachsene finden viel Stoff zum Nachdenken in der Geschichte der tapferen Cam. Ihre Dialoge sind streckenweise fantastisch, aus dem Leben gegriffen und dann aber doch wieder nicht. Cam und auch ihre Familie, ihre Freunde sind mir ans Herz gewachsen, ihr Schicksal hat mich berührt und manchmal auch sprachlos gemacht, dann, wenn die Tränen geflossen sind. Es ist nicht kitschig und die Autorin drückt nicht auf die Tränendrüse, es ist einfach nur ergreifend und jeder empathische Mensch wird sich Cam verbunden fühlen.
Ein wirklich ganz besonderes Buch. Von dieser Autorin würde ich gerne mehr lesen.

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Dr. Oetker – Wintergrillen

Dass Grillen im Winter eine feine Sache ist, weiß ich schon seit mehreren Jahren. Das neue Kochbuch von Dr. Oetker bringt nun erstmals speziell auf die Saison abgestimmte Rezepte.

Die Aufmachung ist sehr schön, das Buch mit ca Din A4 und 128 Seiten handlich. Die knapp 80 Rezepte werden einzeln oder zu zweit auf einer Doppelseite präsentiert, mit einem großen Farbfoto links und dem Rezept rechts. Die Zutatenliste ist in der Reihenfolge des Einsatzes angegeben, die einzelnen Arbeitsschritte sehr übersichtlich und gut nachzuvollziehen. Außerdem ist noch die ungefähre Zubereitungszeit sowie die Grillzeit und die Nährwerte angegeben. Die Rezepte sind unterteilt in die Kapitel Pur gegrillt & Mariniert, Aufgespiesst, Verhüllt & Umhüllt, Raffinierte Begleiter und Heiß & Süss.

Bis hierher ist es eigentlich ein ganz normales Grillrezeptebuch. Was ist also das Besondere an dieser Zusammenstellung? Es sind tatsächlich Winterrezepte. Die Zutaten sind saisonal passend, wie Kürbis, Rote Beete, verschiedene Kohlsorten und Wild. Außerdem geht es ziemlich deftig zu, Speck und Käse kommen bei vielen Rezepten zum Einsatz. Auch werden viele gegrillte Fleisch- und Gemüsespiesse mit einer heißen Suppe zusammen serviert und wärmende Lebensmittel wie Ingwer finden oft Verwendung.

Radicchio im Speckmantel, Grillkäse in Knusperbacon, Fontina-Kürbis-Päckchen und Gegrillte Hackröllchen mit Endiviensalat und Pumpernickelbrösel haben mir persönlich am Besten geschmeckt. Die Zubereitung war einfach, sehr hilfreich sind auch immer die Tipps oder Abwandlungen, die am Ende eines Rezeptes ein wenig abgesetzt stehen.

Viele Rezepte kann man sicher auch zu anderen Jahreszeiten ausprobieren, die meisten Gemüse sind ja ganzjährig erhältlich, auch wenn sie eher typische Wintergemüse sind. Wer gerne mal was anderes auf den Grill legen möchte als Bratwürste und vormarinierte Nackensteaks, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Bestellen kann man das Buch direkt beim Verlag und weitere Rezensionen finden sich bei Blogg dein Buch.

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Linksammlung Anything Goes, Gärtnerplatztheater

Der Trailer des Gärtnerplatztheaters

Auch einen Einführungsfilm hat das Gärtnerplatztheater erstellt.

Besprechungen sind online erschienen in der Abendzeitung, dem BR, klassik.com, Musical Reviews, Die deutsche Bühne und mucbook. Jede Menge Bilder finden sich bei Pictures Berlin.

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Nicole C. Vosseler – In dieser ganz besonderen Nacht

Nicole Vosseler hat in den letzten Jahren vor allem mit exzellent recherchierten und wunderschön erzählten Romanen, die an exotischen Schauplätzen spielen, auf sich aufmerksam gemacht. Mit In dieser ganz besonderen Nacht beweist sie ihre Meisterschaft auch im Jugendfantasy-Genre.
Die 16-jährige Amber ist nach dem Tod ihrer Mutter gezwungen, nach San Francisco zu dem mehr oder weniger unbekannten Vater umzuziehen. Entwurzelt und verlassen, kann sie sich weder dem Vater noch ihren Mitschülern öffnen. Nach einem lebensbedrohlichen Erlebnis flüchtet sie in ein scheinbar leerstehendes Haus, in dem sie Nathaniel begegnet. Sie verliebt sich in ihn, aber die Beziehung ist nicht wie andere, denn Nathaniel hat ein dunkles Geheimnis.
Wie man es von der Autorin gewohnt ist, besticht der Roman durch interessante Figuren, athmosphärische Schilderungen des Ortes und eine mitreißend und emotional erzählte Geschichte. Die Haare von Nathaniel waren mir vielleicht einmal zu viel verwuschelt und mit der detaillierten Beschreibung der Kleidung der Protagonisten konnte ich persönlich zwar nicht so viel anfangen, aber meiner Meinung nach trifft der Roman den Nerv der jungen Generation und weit darüber hinaus. Denn es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über das Finden und Zulassen von Liebe, aber auch über Verlust und Tod. Die fantastischen Elemente sind dabei so geschickt eingewoben, dass man sie fast für real halten könnte. Insbesondere die Schilderung einer Nahtoderfahrung ist herzzerreißend und entspricht Berichten von Menschen, die das tatsächlich erlebt haben.
Ich konnte mit Amber und ihren Freunden sehr gut mitfühlen, jeder Erwachsene wird hier sicher Teile seiner Jugend wiederfinden. Die Spannungskurve wird sehr gut gehalten und nahm mich zum Ende hin so gefangen, dass ich einfach fertig lesen musste.
Ein All-Age-Roman, der die Vielseitigkeit und das Talent der wunderbaren Geschichtenerzählerin Nicole Vosseler aufs Neue zeigt.

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Lesung Kerstin Gier und Preview Rubinrot, 09.03.2013, Mathäser-Kino

Deutsche Fantasyfilme sind rar gesät. Deutsche Fantasyfilme nach Büchern von deutschen Autoren noch rarer. Deutsche Fantasyfilme nach Büchern von deutschen Autoren, die diese richtig gut umsetzen, kann man mit der Lupe suchen. Die Verfilmung von Rubinrot nach dem Weltbestseller von Kerstin Gier ist so ein Film.

Am 5. März hatte der Film Weltpremiere in München, im Rahmen der Münchner Bücherschau für Kinder wurde eine Lesung von Kerstin Gier mit anschließendem Preview im Mathäser-Kino organisiert. Die Autorin las zuerst den Beginn von Rubinrot und beantwortete dann Fragen zum Film und zum Buch und zu den Unterschieden zwischen beiden. Ihre Lieblingsszene aus dem Film ist eine, in der Gideon das erste Mal Curry isst. Diese Szene stammt jedoch nicht aus dem Buch, sondern wurde von Drehbuchautorin Katharina Schöde hinzugefügt und ist, wie ich später feststellen durfte, tatsächlich sehr witzig. Kerstin Gier hat auch einen Cameo-Auftritt im Film und erzählte von den Dreharbeiten und wie beeindruckend der riesige Aufwand war und dass unglaubliche viele Statisten immer wieder die gleiche Szene wiederholen mussten, bis diese im Kasten war. Nach den Schauspielern befragt und ob diese ihre Protagonisten gut widerspiegelten, sagte sie, dass sie sich ihre Figuren nie bildlich vorstellte, sondern immer mit ihnen fühlte. Wenn nun also eine Figure, die im Buch blond ist, im Film braune Haare hat, sei das nicht so schlimm, Hauptsache, der Charakter ist gut getroffen.

Wie immer verging die Zeit der Lesung und des Gesprächs viel zu schnell, es gab unheimlich viel zu lachen. Kerstin Gier gab dann noch im Anschluss unglaublich geduldig über eine Stunde Autogramme und ließ sich mit ihren Fans fotografieren. Dabei hat man nicht für nötig befunden, ihr einen ordentlichen Tisch zur Verfügung zu stellen, so dass sie sich dabei auf einen Couchtisch runterbuckeln musste. Mich hätte man gleich anschließend in die Notaufnahme einliefern können.

Der Film ist wirklich sehr schön gemacht. Die Atmosphäre von London ist gut getroffen und die Handlung und die Charaktere entsprechen in großen und Ganzem dem Buch. Kurz war ich irritiert, dass Zeitungen, Webseiten, die im Film zu sehen sind etc, auf Englisch sind, aber natürlich spielt der Film ja in London und obwohl es sich um eine rein deutsche Produktion handelt, hat man das Gefühl, einen großen Hollywoodblockbuster zu sehen. Sehr gute Special Effects, wie oben schon erwähnt sehr aufwändig produziert und tolle Schauspieler. Das ist wirklich eine ganz besondere Mischung, dieses hollywoodmäßige Feeling und dann bis in die kleinste Nebenrolle nur bekannte Gesichter. Veronika Ferres steht die rotblonde Lockentracht als Grace ausgezeichnet, Katharina Thalbach ist einfach umwerfend als Großtante Maddy (wobei ich hier das Häkelschwein vermisst habe, oder kommt das erst später?), Axel Milberg hat eine kurzen Auftritt als Großvater Lucas Montrose, Uwe Kokisch könnte als Falk de Villiers vielleicht noch ein bisschen schmieriger wirken. James wird mir von Kostja Ullmann etwas zu affektiert dargestellt, ganz bezaubernd ist der Geist des kleinen Jungen im Haus der Loge. Hier wird er als Bruder des Großvaters Lucas bezeichnet, im Buch ist es meine ich der Sohn des Arztes Dr. White. leider konnte ich seinen Namen nicht herausfinden. Josephine Preuß und Florian Bartholomäi sind als Lucy und Paul fast ein bisschen ätherisch.

Von den Hauptdarstellern ist mir Jennifer Lotsi als Leslie die Liebste. Natürlich ist sie nicht blond und sommersprossig wie im Buch, aber ich finde ihren Charakter ganz ausgezeichnet getroffen. Maria Ehrich als Gwen ist sehr gut besetzt und Regisseur Felix Fuchssteiner schafft es, dass man Jannis Niewöhner als Gideon tatsächlich erst mal als sehr unsympathisch erlebt und man ihn dadurch praktisch mit Gwens Augen sieht. Komplettiert wird das jugendliche Schauspielerquartett durch die herrlich zickige Charlotte von Laura Berlin.


Besonders erwähnenswert ist noch die schöne und wirklich sehr gut passende Musik von Sofi de la Torre, die beim Komponieren das Drehbuch kannte und auch selbst einen Auftritt im Film hat.

Das ist eine wirklich fast ausnahmslos gut gelungene Verfilmung eines sicher nicht ganz einfachen Stoffes, der hoffentlich viele Zuschauer findet, denn nur bei einem wirklich großen Erfolg ist wegen der enormen Produktionskosten die Verfilmung des zweiten Teils gesichert. Ich kann in wirklich empfehlen und werde ihn mir sicher noch ein mindestens ein weiteres Mal ansehen.

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Die Schlammgeborene(n) – Der Widerspenstigen Zähmung am Residenztheater

Der Widerspenstigen Zähmung Ist Dorn zurückgekehrt? Die schwarzlackierte Betonwand – kein Bühnenbild außer einer erhöhten Rutschfläche – historisierende Kostüme. Wurden hier Altbestände vom Fiesco und der Rose Bernd recycled? Nein, das nicht, doch anscheinend vollführt das Residenztheater ein kleines Rollback in die Vergangenheit mit leichterer Kost und zufriedenerem Abonnementpublikum. Dessen Liebling und einige andere geben darum nun den Shakespeareklassiker der leichten Art, die Widerspenstige. Inszeniert hat dies die Wiederholungstäterin Tina Lanik, die auf eine zehnjährige Vergangenheit am Haus und eine Verbundenheit zu Dorn zurückblickt. Alles alt im Neuen.

Es beginnt mit Bühnenregen und Jagd. Aber was für ein Regen! Prasselnd und nieselnd zugleich schwallt er aus dem Schnürbodenhimmel und nebelt die dunkle Bühne mystisch ein. Sogar seine Kühle spürt man bis tief ins Parkett. Das schönste Theaterwetter seit dem Schnee in der Mutter Courage im gleichen Haus lässt das fade Rinnsal im Volkstheater vergessen und macht ab Beginn Stimmung. Ein toter, erlegter Hirsch, gedoubelt von Blondine fungiert als Leitbild mit dem feuchten Innenraum. Hier wird gesucht, erlegt, gejagt, gebeutet, dann gesuhlt und gedreckt.

Der Rest ist Boulevard. Stimmig und klassisch und hervorragend gesprochen werden die Kalauer überzeichnet und die Pointen gesetzt. Ein erleichtertes Publikum lehnt sich zurück und genießt, der Bühnendreck schwappt nämlich diesmal anscheinend nicht aufs Zuschauergemüt über. Dem wird dafür gutes Handwerk gezeigt – und nicht mehr. Aside und an der Rampe feuern die Mimen ihre Verslein aus der Hüfte, als hätten sie alle Shakespeare noch gekannt. Natürlich agieren sie in der nicht vorhandenen Szenerie und nehmen die leichte Muse sehr ernst. Mit Spannung, Geschick und Körpereinsatz. Einziger Aufreger, der damit verbunden ist, ist der Dreck auf der Bühne. Loriot’scher Ausrutschhelfer, Schwesterquäler, Plastelinersatz für die latente Requisitenlast und Maskenhelfer. Hier macht man sich und andere ordentlich schmutzig, um nach dem Rangeln vom Regen wieder reingewaschen zu werden. Ungesund ist der Heilerdentorf übrigens auch nicht. Lediglich ein Ärgernis für die Kostümerie, die nach dem Exzess wieder reinemachen muss.

Mittelpunkt des Abends ist natürlich die Miniminichmayer Andrea Wenzl mit einer physisch spürbaren, nicht überdrehten und fühlbaren Verkörperung der Widerspenstigen, die am Anspruch dieser Rampensaurolle ebensowenig scheitert wie an der Gefahr, zu überziehen. So spielt man Shakespeare im 21. Jahrhundert. Ebenso wie ihr kongenialer Partner Lacher, der immergleiche, doch damit befriedigende Publikumsliebling seit geraumer Zeit. Johannes Zirner und Tom Radsch geben die präzisen Sidekicks; auf den Punkt und selten überzogen. Frank Pätzold präsentiert sich eine Spur besser als im Kirschgarten, dafür beachtlich Robert Niemann als knabenhafter Diener mit schöner Pointe. Arnulf Schumacher gibt einen köstlichen Lustgreis, wenngleich die Textsicherheit bei ihm am ehesten schwindet, was die schnelle und gewiefte Inszenierung nicht immer verzeiht. Auch nicht dank dem wunderbaren Nikotinbauch mit Hornbrille von Miguel Abrantes Ostrowski, dem heimlichen Star als Tranio. Farbloser dagegen Rupperti als Vater mit seiner ebensolchen, braven Tochter Marie Seiser (Bianca). Undankbar allein die Cameos als „Sly“ von Katharina Pichler, die sich nicht erschließen und als unnötiger Regieetablierer mehr nerven als nützen.

Alles in allem was wir wollen, wie es das gesittete Publikum will und wo es das will: Im ehrwürdigen Dorn-entempel Residenz mit einem gezähmten Ensemble wird ein glatter Shakespeare hingestellt, der durch Frau Wenzls wunderbare Widerspenstigkeit lebendig bleibt.

 

Regie Tina Lanik, Musik Rainer Jörissen, Licht Gerrit Jurda, Dramaturgie Sebastian Huber

Wolfram Rupperti Baptista, reicher Edelmann aus Padua, Paul Wolff-Plottegg Vicentio, ein alter Edelmann aus Pisa / Magister, spielt Vicentio, Franz Pätzold Lucentio, Vicentios Sohn, Shenja Lacher Petruchio, Edelmann aus Verona, Arnulf Schumacher Gremio, Freier Biancas, Tom Radisch Hortensio, Freier Biancas, Miguel Abrantes Ostrowski Tranio, Lucentios Diener, Robert Niemann Biondello, Lucentios Diener,  Johannes Zirner Grumio, Petruchios Diener, Andrea Wenzl Katharina, Marie Seiser Bianca, Katharina Pichler Sly

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Vorschau: Igudesman & Joo am 09.07.2013 im Prinzregententheater

Eigentlich sollte die Show der beiden genialen Ausnahmemusiker A little nightmare music bereits am 25.02. stattfinden. Herr Igudesman hat sich jedoch an beiden Armen verletzt und so wurde sie auf den 09.07.2013 verlegt. Das ist die Chance, für ein seit Monaten ausverkauftes Event doch noch Karten zu ergattern. Die wenigen noch erhältlichen gibts bei MünchenMusik von 34 bis 48€. So eine Chance kommt nicht so schnell wieder!

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