Portrait Sebastian Leitner

Sebastian Leitner

Der junge österreichische Filmemacher ist seit 2004 in der Kreativszene tätig und leitet seit Anfang 2008 eine Filmproduktionsfirma. 2006 lernte er kennen und half bei der Veröffentlichung Igudesmans erster Show auf DVD mit. Seitdem arbeiten die beiden zusammen. Sebastian ist bevorzugt als Drehbuchautor und Editor tätig, als Kameramann dagegen nur selten. Beim Regieführen vermisst er teilweise das Kreative und die Unabhängigkeit, weil die Produzenten sich als Geldgeber meistens auch künstlerisch einbringen wollen. Am liebsten erzählt er Geschichten und setzt sie beim Schnitt um, da kann er seine Kreativität voll ausleben.

Mit konnte ich in Wien über das letzte und größte Projekt des jungen Filmemachers sprechen: “”, ein Feature-Length-Projekt, gedreht 2010. Sebastian und Aleksey entwickelten das Konzept für diesen zusammen, die Aufgaben waren klar verteilt: Sebastian war für Kamera und Schnitt zuständig, “” war sein Debut für Schnitt bei einem Feature-Length-Projekt. Aleksey führte in erster Linie die Regie, es war sein Debut als Filmregisseur. Die jungen Filmemacher mussten viel dazulernen, über Vermarktung, Festivals usw. Sebastian erzählte, dass sie dieses Projekt ohne Budget anfingen, also ein Jahr lang ohne Geld arbeiteten, kreierten, ausprobierten, und nicht wussten, was daraus werden würde – bis sie an den Punkt kamen, wo sie einen Geldgeber brauchten, und glücklicherweise auch einen fanden.

” wurde und wird auf verschiedenen Festivals in Europa und den USA gezeigt und gewann unter anderem den Titel „Most Entertaining Documentary” auf dem DocMiami Festival. Der bedeutet immer noch sehr viel Arbeit für das Drei-Mann-Team: Derzeit sind sie dabei, einen Verleiher bzw. einen Vertrieb zu finden. Das gestaltet sich ein wenig schwierig, sagte Sebastian, und das nicht nur, weil die Filmemacher derzeit nichts daran verdienen und alles in ihrer Freizeit organisieren müssen, sondern vor allen Dingen, weil es ein Projekt in dieser Art noch nie gab. Der Vertrieb dafür müsste sowohl mit der Musik-Szene als auch mit der Filmszene vertraut sein. Die jungen Filmemacher stießen auf sehr großes Interesse, aber für 2013 standen die Planungen natürlich überall schon fest, also laufen derzeit Gespräche für 2014. Sebastian erklärte, dass “” eigentlich fürs Kino gemacht ist und die Filmemacher ihn deshalb weltweit in ausgewählte Kinos bringen wollen: Zuhause vor dem Fernseher lässt der Zuschauer sich zu leicht ablenken. “” ist sowohl für die Klassik-Liebhaber gemacht, die sich in die Musik “hineinfallen lassen” möchten, als auch für diejenigen Zuschauer, die klassische Musik nicht kennen, aber sich zum Beispiel für John Malkovich interessieren und unterhalten werden möchten.

Julian Rachlin, ein Freund von Sebastian und Aleksey, wollte immer schon eine Dokumentation über Klassik machen. Auf dem von ihm organisierten Festival in Dubrovnik trifft man Weltgrößen der klassischen Musik, die alle mit ihm befreundet sind und gratis dort spielen. Es geht diesen Musikern dabei nicht ums Business, sondern sie wollen einfach mit Freunden und für das Publikum Musik machen. Julian Rachlin hatte sich einen humorvollen vorgestellt, der etwas Lockeres hat und auf diese Weise viele Menschen erreicht. Das Ergebnis, “”, ist von Musikern über Musiker gemacht, um den Zuschauern eine Welt nahezubringen, die ganz anders ist, als die meisten glauben.

“Die Musiker kommen im Frack, verbeugen sich, spielen, verbeugen sich, gehen wieder. Das war’s, keine Interaktion”, erklärte Sebastian. “Aber die Musiker würden am liebsten drei Meter entfernt vor dem Publikum spielen, nicht erhöht, auf demselben Level. Es geht um Energie, die Musik ist so entstanden, und das muss einfach bei der Interpretation da sein. Das wollte Julian Rachlin ‘rüberbringen, und er hat uns gefragt, ob wir das machen wollen. Wir haben in diesen zwei Wochen kaum geschlafen, wir haben wirklich gemacht, was ging. Tagsüber finden laufend Proben statt, abends das Konzert, man muss die Interviews unterbringen, überlegen, was man sonst noch macht. Das war schon ziemlich heftig und zeitaufwendig. Man muss sich quasi in den Zeitablauf der Musiker hineinbegeben, man muss sehen: Was bedeutet es, wie viel Arbeit ist es? Das ist bei einer Dokumentation sehr wichtig. Es ist in der Kunst immer eine Frage des Geldes, leider. Nur die Härtesten kommen durch, was sehr schade ist. Es ist nach der Hälfte dieser zwei Wochen schon jeder fix und fertig, weil nicht nur das Musikerdasein einfach ein beinharter Job ist, ein Knochenjob. Ich glaube, das transportiert die Dokumentation ganz gut.” In dieser Dokumentation zeigen die Filmemacher, wie viel Arbeit das ist und was alles dazugehört. “Gerade, wenn man etwas kreiert, will man sich keine Gedanken um das Geld machen, man will etwas erschaffen.”

Der ” will jungen Leuten zeigen: Klassische Musik ist nicht das abgehobene, steife Prestigemonster, wie man es präsentiert bekommt. Musiker sind im normalen Leben sehr leidenschaftliche, lustige, unterhaltsame, wirklich interessante Menschen. Viele weltbeste Musiker sind nur bekannt in ihrem eigenen Land. Die meisten haben nicht viel Geld, obwohl viele von ihnen anerkannt zu den weltbesten Pianisten, Cellisten oder was auch immer gehören. “Diese Musiker sind überhaupt nicht vergleichbar mit einem Andre Rieu, der meiner Meinung nach einfach schlecht ist und auch nicht an mehr interessiert, denn es funktioniert ja, aber dafür die Riesen-PR-Maschinerie hat”, sagte Sebastian. Die wenigsten Musiker können Geld und künstlerischen Anspruch kombinieren.

” soll dem Zuschauer zeigen: Je mehr man über die Musik und die Musiker weiß, um so schöner ist die Musik. Einerseits wollen die Filmemacher die konservativen Musikliebhaber erreichen, andererseits junge Leute, um zu zeigen, dass nur das Business anstrengend ist. Die Musik ist fantastisch, und die Musiker sind interessant. Man lernt den Unterschied zu hören zwischen verschiedenen Produktionen; man kann dasselbe Stück zehnmal hören von zehn verschiedenen Interpreten, und es wird immer anders sein. Die Filmemacher haben die berühmten Namen wie Roger Moore oder John Malkovich bewusst verwendet, um “” aus der Nische herauszuholen, sie haben diese Namen aber nicht überstrapaziert. Es dreht sich um klassische Musik. Es ist ganz, ganz wichtig, dass man sich und dem Thema treu bleibt, findet Sebastian. Humor muss auch sein, um das Ganze zu transportieren. Über den Humor wollen sie die Türe zur klassischen Musik öffnen. Es ist nicht möglich, klassische Musik laufen zu lassen, ohne die Emotionen zu transportieren. Wenn es humorvoll ist, ist der Zugang viel leichter, weil das Thema aufgelockert wird. Wenn man die Emotionen transportieren kann, ist das fantastisch. Schubert beispielsweise war beflügelt durch Liebe, Beethoven durch seine Depression.

Das Schwierige an klassischer Musik ist für den Filmemacher, dass die Aufstellung auf der Bühne eine Interaktion bedingt, in die man nicht eingreifen kann. Es ist ein Gespräch, die Musiker kommunizieren miteinander. Man kann keine Regie führen, sonst wäre man beim Theater bzw. bei einer Inszenierung. Das ist aber bei einem Ensemble für klassische Musik nicht möglich. Es gibt fixe Positionen, wo die Musiker stehen, und sie verdecken sich teilweise, einfach aus Kommunikationsgründen; die Körpersprache ist wichtig. Ein Problemfall ist immer das Piano. Es ist extrem schwierig, gute Bilder von den Musikern zu bekommen, sagte Sebastian, weil es einfach diese intime Stimmung hat, weil das Publikum glaubt, quasi von der Musik verschluckt zu sein. Das ist schwierig. Einerseits kann man nicht die Tonqualität beeinflussen; man kann nicht hingehen und alles umbauen. Auch beim Licht ist nicht viel möglich, die Musiker sind sehr schnell geblendet. Jedes Mikrofon hat seine bestimmte Position und ist dann auf dem Bild. Da muss man Abstriche machen, da geht es einfach um Musik, und man muss ganz anders denken, man muss immer improvisieren. schneidet weltweit viele Konzerte mit. “Als Filmemacher bekommt man da nicht immer das, was man gewohnt ist”, seufzte er. “Das ist die Schwierigkeit. Die Musiker schauen eben dann beim Spielen oft nicht dahin, wo sie hinschauen sollen.”

Der ganz besondere Reiz an dem ” ist gerade dieses Backstage-Feeling, diese Making-of-Atmosphäre, die absichtlich so angelegt war. Die Filmemacher haben hier aus der Not eine Tugend gemacht, ein stilistisches Mittel. Anders wäre es nicht möglich gewesen. Um so weniger Geld zur Verfügung steht, desto kreativer muss man werden.

Die Filmemacher hatten natürlich nicht die Mittel, die eine größere Produktion hat. Teilweise waren die Bilder unscharf, wenn ein nicht-professioneller Kameramann hinter der Kamera stand, oder es gab Nebengeräusche; das ließ sich nicht vermeiden. Man hat oft gar nicht die Möglichkeit, das zu proben, man muss Rücksicht nehmen, sonst leidet die Musikqualität. Das Wichtige ist, gerade bei der Klassik: Man ist sozusagen ”nicht da”, man kann nicht improvisieren, man muss unauffällig sein.

Beim Schnitt haben und teilweise Stücke gekürzt, Passagen neu gruppiert, Musik umgeschnitten, Nebengeräusche herausgefiltert, damit es ein lupenreiner Ton wurde. Es gibt ein Studio in Österreich, das nur darauf spezialisiert ist, Hall aus Stimmen herauszufiltern. Das Ergebnis klingt nach mehr als nach dem, was die Filmemacher zur Verfügung hatten. Nebengeräusche musste man entweder herausfiltern oder eine identische Passage aus einer anderen Stelle der Aufnahme einfügen. Weil es eben immer nur einen Take, eine Aufnahme gab von dem Konzert. Das ist schwierig, es kann nicht perfekt sein, denn auch der weltbeste Musiker verspielt sich mal. Das Schwierige für die Filmemacher war, dass sie in der zweiwöchigen Drehzeit kaum schliefen, weil sie jederzeit abrufbereit sein mussten.

Das Interessanteste war für persönlich, dass sie bei den Proben dabei waren: “Bei den Proben sieht man, wie die Musiker wirklich sind, in Sporthose und T-Shirt.” Wie sind diese Musiker, wenn sie nicht während eines Konzerts auf der Bühne sind, sondern musizieren, das heißt, ein musikalisches Gespräch zusammen entwickeln? Das haben die Filmemacher versucht einzufangen.

“Man sollte öffentliche Proben machen”, fand . “In Bukarest gibt es das, dort sind auf einem Musikfestival namens SoNoRo alle Proben öffentlich zugänglich, vor allem für Musikstudenten. Damit die sehen können: Was bedeutet es, im Beruf zu stehen? Normalerweise ist es abschreckend, man glaubt, das ist furchtbar konzentriert, und furchtbar steif und trocken. Die Musiker haben aber viel Spaß. Es ist viel Arbeit, aber anders geht es nicht. Wenn zu der vielen Arbeit noch ein zu großer Leistungsdruck käme, würde es nicht gehen.”

Das nächste Projekt, an dem das Team arbeitet, ist The Indian – eine klassische Komödie über amerikanische Filmklischees, die gut unterhält und solide gemacht ist. Die Budgetfrage muss noch geklärt werden, das ist extrem schwierig, obwohl wirklich gute Leute an diesem Projekt mitarbeiten. Gedreht wird voraussichtlich in den Filmstudios Nuboyana in Sofia. “” hat einen sehr starken Schub gegeben, seinen künstlerischen Weg weiter zu verfolgen.

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Interview mit Zoë Beck

Zoë Beck Zoë, herzlichen Dank, dass Du Dich bereiterklärt hast zu einem für den Blog Nachtgedanken. Stellst Du Dich uns kurz vor bitte?

Mein Name ist , ich bin 1975 geboren, habe sehr früh angefangen, Klavier zu spielen. Das war lange Zeit mein großer Traum. Ich hab dann noch alle möglichen anderen Sachen gemacht, Theater, , Fernsehen, ich habe Literatur studiert, und bin jetzt seit 2004 ziemlich konstant dabei, dass ich mich nur an eine Sache halte, nämlich in erster Linie Bücher zu schreiben. Ich übersetze auch und bearbeite auch Texte redaktionell, aber in erster Linie bin ich Autorin.

Du hast bereits sehr früh als Pianistin Erfolge gefeiert, was gab den Ausschlag, die musikalische Karriere nicht weiterzuverfolgen?

Oh, da kamen mehrere Sachen zusammen. Einmal fanden meine Eltern es nie besonders toll, dass ich das wirklich professionalisieren wollte, da hatten sie dann schon ziemliche Angst davor, Stichwort „brotlose Kunst“. Nicht dass ich jetzt etwas machen würde, was auf sehr viel Gegenliebe stößt, aber jetzt bin ich ja auch ein bisschen älter. Ich glaube, dadurch, dass mir der Rückhalt von zuhause gefehlt hat, fing das irgendwann an, dass ich die Nerven nicht mehr hatte, und dann kam eine ganz schlimme Auftrittsangst dazu bis hin zu einem Blackout bei einem öffentlichen Auftritt, dass ich einfach nicht mehr weiterspielen konnte, und danach ging es mir einfach wahnsinnig schlecht, nervlich, so dass ich große Schwierigkeiten hatte, wieder in das Klavierspielen hineinzufinden. Ich habe das dann noch eine Zeitlang gemacht, aber es ist wirklich eine reine Nervensache gewesen. Ich musste mir danach wirklich etwas anderes suchen und mich noch einmal neu definieren, um wieder Fuß zu fassen, für mich selbst.

Und wie fühlst Du Dich jetzt bei Lesungen?

Ja, das war eine spannende Sache. Als ich nämlich meine erste Lesung hatte, da dachte ich vorher, ich werde bestimmt sterben oder auf der Bühne ohnmächtig zusammenbrechen, ich dachte, vielleicht ist vorher sterben die bessere Variante (lacht). Ich weiß noch aus Studienzeiten, dass ich bei Livesachen natürlich eine gewisse Aufregung dabei hatte, ich habe das aber relativ zeitig schon trainiert, indem ich zum Beispiel Theater auch mal gespielt habe, Verhaltenstraining gemacht habe. Gut, bei den Lesungen ganz am Anfang, da war das immer noch ein bisschen was anderes. Es gibt auch immer noch die Situation, dass ich vorher wirklich Nervenflattern kriege, aber grundsätzlich ist das jetzt, toitoitoi, eine wirklich stabile Sache, dass ich raus auf die Bühne kann und vor allen Dingen, dass ich es auch wahnsinnig gerne mache. Ich merke, dass ich sehr viel lieber Lesungen mache als ich damals öffentlich Klavier gespielt habe. Und das hat, glaube ich, auch damit zu tun, da könnte man jetzt einen Psychologen fragen, sehr viel damit zu tun, wie ist die eigene Wertschätzung der Sache und wie ist die eigene Selbstsicherheit. Da macht dann das Alter und die Erfahrung auch nochmal viel aus, und vielleicht war es das Klavier einfach nicht. Dieses Interpretieren von Sachen, von was Fremdem, und dann dieser Druck, der natürlich im Klassikbereich dann auch da ist, wo alles perfekt sein muss und keine Fehler verziehen werden, was ja jetzt, wenn man auf der Bühne steht und etwas Eigenes vorliest, nicht so zwingend ist. Da kann einem ja keiner sagen, ja, das haste jetzt aber falsch, weil das Wort steht doch da anders rum. Dann könnte ich sagen, ich bin die Autorin, ich les das jetzt aber so rum. Da ist doch eine deutlich lockerere Atmosphäre, und diese Sachen machen dann sehr viel aus und helfen mir sehr, und deshalb bin ich jetzt deutlich lieber auf der Bühne als früher.

Und hattest Du schon ganz lange einen Roman in der Schublade liegen?

Ich hatte nicht mal eine Kurzgeschichte in der Schublade liegen. Ich hatte eine vollkommen wahnsinnige Freundin, ich liebe sie übrigens heiß und innig, wir waren Kolleginnen bei einer Filmproduktionsfirma, und sie ist dann gewechselt als Filmagentin in eine Literaturagentur, also als Agentin für Filmstoffe. Ich hatte zu dem Zeitpunkt eine Stelle als festangestellte Autorin für so eine Fernsehserie, und das hat mir nicht besonders viel Spaß gemacht. Meine Freundin rief mich eines Tages an und sagte, Du, hier war grad jemand bei der Literaturagentin und sucht Krimis, setz Dich doch mal hin und schreib was. Das hab ich dann auch getan, ich dachte, das wird sowieso nix, aber gut, bevor ich mich langweile. Mein Job war, wie gesagt, nicht wirklich toll, und ich hatte auch einfach vor, etwas anderes zu machen, und ich dachte, das kostet mich ja jetzt nix außer Zeit und mal den Versuch. Ja, und kurz darauf hatte ich dann einen Drei-Buch-Vertrag für eine Krimireihe, die in Rostock angesiedelt ist. Das habe ich dann noch unter einem anderen Namen geschrieben. Ich saß dann erstmal sehr konsterniert zu Hause und dachte, verdammt, was habe ich getan, jetzt muss ich auch noch Bücher schreiben. So kam das, ja.

Findest Du Deine Geschichten oder finden Sie Dich?

Wir finden uns, wir begegnen uns. Wenn ich merke, dass mich ein Thema sehr berührt und ich dann Charaktere vor mir sehe und dass es sofort anfängt, in mir zu arbeiten. Ich habe mich gestern mit jemandem unterhalten, das war eher so eine Zufallsunterhaltung, und ich bin heute Morgen wach geworden und dachte mir: oh, das ist so eine interessante Figur, das kann ich einbauen. Es kann sein, dass es die Hauptfigur für den nächsten Roman wird, es kann sein, dass es eine Nebenfigur ist, es kann sein, dass eine Kurzgeschichte draus wird oder überhaupt nichts, aber dieses Gefühl, das stellt sich dann manchmal eben ein.

Hast Du einen Schreibrhythmus und brauchst Du bestimmte Bedingungen zum Schreiben?

Ja, ich bin nicht so ein Tagsübermensch. Das passt ja zum Blog, ich bin mehr so der nachtgedankliche Mensch (lacht). In der Nacht ist es ruhig, da ruft niemand an, naja, manchmal rufen auch Leute an, die eben auch nachts arbeiten, aber es ist insgesamt deutlich ruhiger, es kommen weniger Mails, und auf Facebook wird ja dann auch nicht so viel gepostet. Wenn ich schreibe, mache ich in der Zeit nichts anderes, also da kann ich nicht sagen, jetzt schreib ich mal zwei Tage und dann habe ich noch einen Tag für einen Artikel, dann mache ich mal morgens die Übersetzung und abends das Schreiben, das geht nicht. Ich schließ mich dann wirklich weg zum Schreiben. Manchmal wechsle ich dann auch den Ort, dass ich mich irgendwo zurückziehe, etwas miete und sage, ok, jetzt bin ich hier zwei Monate. Natürlich hilft es am meisten, wenn man kein Internet hat. Ganz ehrlich. Und sich Notizen macht, was man gerne recherchieren möchte, und dann geht man für eine Stunde am Tag ins Netz und recherchiert das schnell durch. Das hatte ich in St. Andrews, das war total spannend. Da hatte ich mir ein Häuschen gemietet, es gab weder Telefon noch Internet, und ich musste mich dann jeden Tag mit meinem Bibliotheksausweis irgendwo hinten anstellen und warten, dass ich dann endlich dran kam. Und es gab dann nur eine halbe Stunde oder eine Stunde, länger durfte man nicht am Tag. Und ich dachte erst so: was, nur eine Stunde Internet am Tag, oh ist das furchtbar, das geht ja gar nicht, das kann ich nicht, das halte ich nicht aus. In der zweiten Woche habe ich mich nach einer halben Stunde gefragt, so, was mache ich hier jetzt noch, weil ich mich dann wirklich nur auf die Recherche beschränkt habe, und auch so dieses viele Kommunizieren, dieses, naja sinnlos ist jetzt ein blödes Wort, dieses müßig-vor-sich-hin-kommunizieren, dieses, ach ja, da kuck ich noch mal, och, was mach denn der gerade, das fällt dann natürlich alles weg. Und da hatte ich mich so auf die Arbeit konzentriert, ach, ich muss wieder nach St. Andrews. So sieht das Schreiben aus. Wegsperren, nachts, alles gut.

Was tust Du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Den Plot noch mal überdenken, meistens liegt es daran, dass ich mir nicht ganz sicher bin, wie es mit den Figuren weitergeht, wo sie hin wollen, was ich über die Figuren erzählen will. Wenn es klemmt, ist es meistens, das habe ich jetzt festgestellt, wirklich ein Fehler im Plot oder dass mir noch Puzzleteile fehlen. Oder dass ich etwas an der Figur nicht richtig durchdacht habe. Und das löst sich dann am besten durch Spazieren gehen, Sport machen, das Gehirn mal ausschalten, mit Leuten drüber reden, mal einen kucken, mal ein ganz anderes Buch lesen, das möglichst nicht zum Thema ist, damit die Gedanken mal wieder etwas freier werden. Aber Verzweifeln hilft nicht.

Welche Musik hörst Du am liebsten, und lässt Du Dich durch Musik beim Schreiben inspirieren?

Das ist sehr stimmungsabhängig, das kann von Ravels Klaviermusik bis Dead Can Dance und P.J. Harvey gehen. Ich habe verschiedene Playlists gemacht, es gibt auch zu verschiedenen Figuren verschiedene Playlisten. Da es mittlerweile so schöne Sachen wie Spotify online gibt, kann man da auch teilweise reinkucken, ich weiß gar nicht, welche ich öffentlich habe und welche nicht. Ich komme ja eher trotz des Klavierspielens, oder wegen des Klavierspielens, aus der alternativeren Ecke, was man früher Indie genannt hat, ich mag auch die etwas härtere Musik. Ja, das ist dann sehr abhängig davon, was ich gerade schreib, was dazu passt, und manchmal passt überhaupt keine Musik, da muss ich ausschalten. Da muss es ganz, ganz, ganz still sein.

Welche Phase eines Buches oder einer Kurzgeschichte ist die anstrengendste für Dich?

Ich glaube die Überarbeitungsphase, aber das sage ich nur, weil ich gerade etwas überarbeiten muss und es ganz, ganz furchtbar finde. Ich hasse es zu überarbeiten. Ich hasse es noch mal, wenn ich dann sehe, dass die Lektorin recht hatte. Das finde ich so doof, aber sie hat leider recht. Überarbeiten ist grausam. Aber, es ist ja alles eine sehr handwerkliche Sache, und jeder Part ist auf seine Art und Weise schwer. Aber Ideen suchen und finden, das macht ja Spaß, die Figuren zu konzipieren macht Spaß, selbst das Schreiben macht Spaß, und ich glaub wirklich, das Überarbeiten ist nicht so mein Lieblingsthema.

Du bist bereits Glauser-Preisträgerin für die beste Kurzgeschichte 2010, 2011 folgte eine weitere Nominierung, Du warst dieses Jahr für den DeLiA-Preis nominiert, mit bist Du im September auf der KrimiZEITbestenliste in den Top Ten unter den Größten des Genres. Spornen Dich die Preise und Nominierungen an oder ist es eine nette Beigabe zum Schreiben?

Da müsste ich jetzt lügen, wenn ich sagen würde, ach, das ist mir egal, ob ich Preise kriege. Letztendlich, ob man jetzt gewinnt oder nicht, das ist dann sehr situativ. Aber allein in Betracht gezogen zu werden, allein, so eine Wertschätzung von einer Jury zu bekommen, das finde ich ganz, ganz toll. Ich hab auch letztens irgendwo jemanden getroffen – ich darf auch keine Namen nennen, nicht dass die Dame Ärger kriegt – und die meinte, ja, Dein Buch xy hab ich ja mal für die Blabla-Jury gelesen und mir hat das so gut gefallen, leider ist es nicht auf die Shortlist gekommen. Ich find das natürlich toll, weil ich dann das Gefühl habe, es findet sich langsam das Publikum. Publikum finden finde ich wahnsinnig schwer. Da gibt es ja diese Diskussion, wie sollen die Cover aussehen und was soll vorne draufstehen, und dann steht Thriller drauf, und dann denken die Leute, das ist jetzt so ein blutiges Gemetzel, und sie sind natürlich enttäuscht und sagen, das ist ein langweiliges, blödes Buch, und was will ich denn mit dem ganzen Familiengeschichtenscheiß, und da soll doch jetzt mal bitte jemand tot umfallen und ausgeweidet werden, dann hat man einfach sein Publikum nicht gefunden. Aber wenn jemand sagt, das fand ich super, so super, dass ich sagen kann, es hat mir am besten gefallen von soundso vielen Büchern, weil es genau meinen Geschmack getroffen hat und dann auch noch diese handwerkliche Wertschätzung dazu, weil ich dann doch denke, dass Juroren auf so was kucken, ist es sauber geplottet, ist es gut durchgezogen, das ist toll, ja, das gibt natürlich einen Boost. Mit gibt es, sehr zum Leidwesen der Verlage sicherlich, mehr Schwung als gute Verkaufszahlen (lacht).

Du hast schon in verschiedenen Genres veröffentlicht, zuletzt einen Jugendroman, Edvard, und wieder einen Thriller. Gibt es noch ein Genre, in dem Du unbedingt noch ein Buch schreiben möchtest?

Vielleicht ein Buch, das nicht genregebunden ist. Also einfach eine Geschichte schreiben und kucken, wo sie hingeht. Ich weiß ziemlich genau, was ich alles nicht so kann, ich wäre glaube ich nicht besonders gut in historischen Romanen, weil ich faul bin. Was muss man da recherchieren! Das ist ja bewundernswert, was die da alle sowohl sprachlich als auch inhaltlich leisten, und die sitzen den ganzen Tag in den Bibliotheken, das muss man wollen. Mich interessieren da eher so diese menschlichen, diese inneren Abgründe und Beweggründe, müssen ja nicht nur Abgründe sein. Die neuere Geschichte, das interessiert mich auch, aber so dieses Zurückgehen in zurückliegende Jahrhunderte, wo es keine Zeitzeugen mehr gibt, das wär nicht meins. Erotik kann ich nicht, zum Beispiel. Science Fiction können auch andere sehr viel besser, auch wenn ich Science Fiction ganz klasse finde. Ich muss auch weiter kucken, was ich kann, und ich weiß nicht, ob das dann weiterhin genregebunden sein wird oder sein muss. Man wirft mir ja auch jetzt gerne beim Krimi vor, dass ich da zu sehr in andere Richtungen ausufere oder zu wenig den Krimi bediene, manche wollen halt die Rätselgeschichte haben und manche wollen, wie gesagt, das blutige Ausweiden mit dem Psychopathen. Ich sag jetzt nicht, ok, damit verkaufe ich besonders viel oder das ist ein Genre, das super läuft, deshalb will ich das jetzt auch mal mitnehmen, sondern, was will ich eigentlich erzählen, und vor allem auch, was kann ich. Und da bin ich immer ganz froh, wenn Leute mir da auch in der Richtung helfen und sagen, ok, das ist jetzt nicht so Deins, aber so und so musst Du weitermachen. Krimi oder alles, was so sehr dunkel, abgründig, düster, mysteriös ist, mit psychisch kranken Menschen, was auch immer das über mich sagen mag, aus irgend einem Grund gefällt mir das. Edvard hat ja auch eine deutliche Persönlichkeitsstörung, natürlich ist es irgendwo ein normaler Teenager, aber irgendwo ist er dann wieder auch nicht normal, er hat vielleicht noch nicht so eine richtige Störung, aber er ist auf dem Weg, er könnte, wenn die Eltern weiterhin alles glauben richtig zu machen, auch ganz schön einen an der Klatsche behalten. Es kann auch sein, dass er sich fängt und völlig normal wird und irgendwo auf der Behörde seinen Job findet und total glücklich wird. Leute, die ein bisschen oder auch sehr weit neben sich stehen, das interessiert mich. Was sie für Probleme haben und warum sie einfach nicht wie jeder andere durch den Tag kommen.

Welches Genre liest Du gern selbst? Hast Du einen Lieblingsautor?

Ich habe eine ganze Menge Lieblingsautoren, ich lese gerne im Kriminalromanbereich, ich les auch gerne, was man so die „normale“ Literatur nennt, da gibt es sehr viele sehr unterhaltsame, sehr gut geschriebene, sehr abgründige, sehr schräge Sachen. Es muss nicht immer jemand sterben, es darf lustig sein, ich lese einfach gerne gute Bücher. Und dann ist es mir auch egal, was vorne drauf steht als Genre.

Hast Du literarische Vorbilder?

Es gibt Texte, die mich inspirieren, wenn ich sie lese. Nicht, weil ich genauso schreiben möchte, sondern weil ich denke, kuck mal, wie der oder die mit Sprache umgeht und die Sätze baut, die Figuren einführt, die Szenen baut. Das dann schon. Alles was mich wirklich zum Nachdenken bringt. Ich finde Ian Rankin oder Denise Mina sehr inspirierend, das sind beides schottische Krimiautoren. Die nenne ich glaube ich immer, das wird langsam langweilig. Was mich total begeistert hat, war, als ich zum ersten Mal Don Winslow gelesen habe, weil der so anders war und mal endlich wirklich eine neue und ungewöhnliche Stimme. Es gibt schon Gründe, warum er so einen Riesenerfolg hat. Jetzt fällt mir auf Anhieb natürlich nichts ein, aber in letzter Zeit gab es schon einiges, wo ich die erste Seite gelesen und gedacht habe, Mensch, da kann aber jemand schreiben. So muss es sein. Wen ich als Kind gerne gelesen habe, das war aber eher eine inhaltliche, weniger eine sprachliche Sache, da habe ich, und da bediene ich jetzt sicher auch wieder Klischees, Edgar Allan Poe und E.T.A. Hoffmann sehr geliebt. Auch da die Abgründe, der Wahn, dieses Nichtwissen, was ist jetzt Realität und was ist nur in meinem Kopf. Im Moment lese ich gerade mit großer Begeisterung Rocking Horse Road von Carl Nixon. Das ist aus der Wir-Perspektive geschrieben, ganz ungewöhnlich, ganz spannend. Ich habe schon einmal ein anderes Buch aus der Wir-Perspektive gelesen, And Then We Came to the End von Joshua Ferris, solche Sachen lese ich einfach wahnsinnig gern, dieses etwas Experimentellere. Deshalb sage ich Vorbilder, das sind weniger eine Person, sondern ich versuche mich eher davon leiten zu lassen, was man alles mit der Sprache machen kann und wie man Geschichten erzählen kann.

Du pendelst zwischen Berlin und Edinburgh. Gibt es noch eine weitere Stadt, in der Du gerne leben möchtest?

Ich habe schon in so vielen Städten gelebt. Ich bin ja auch sehr viel in München. München ist hier in Deutschland sicherlich meine zweite Heimat nach Berlin. Berlin ist ja eine relativ neue Heimat. Ich möchte mit Sicherheit irgendwann mal wieder eine längere Zeit in London sein, ich habe Dublin noch auf dem Plan stehen. Und ich meine das jetzt alles nicht für Wochenendausflüge, das mache ich ja oft genug, sondern einfach für länger. Und dann muss ich halt kucken, wie es sich finanziell ausgeht und wo mich das alles so hintreibt, aber ich bin schon eher im englischprachigen Raum unterwegs. Hat ganz egoistische Gründe, da kenne ich wenigstens die Sprache, da habe ich nicht so Angst, das ich etwas Falsches auf der Speisekarte bestelle oder nicht weiß, wo ich lang laufen muss, da bin ich ein bisschen schüchtern.

Wie hoch ist Dein aktueller SUB?

Das S steht bei mir nicht für Stapel, sondern eher für Schrank. Ich habe den Überblick schon lange verloren. Ich sortiere dann auch immer mal wieder ein paar von den ungelesenen Büchern aus und denke so, ok, ich komme eh nicht mehr dazu, sie zu lesen, dann kann ich sie jetzt auch verschenken. Ich verschenke oder ich setze sehr viele Bücher aus, weil ich sonst untergehe. Es gibt so viele tolle Sachen, ich bin so froh über Leseproben und so froh über den Kindle. Jetzt kotzen die Buchhändler wieder, aber es tut mir leid, ich unterstütze den Buchhandel, ich kaufe so viele Bücher, ehrlich, aber manchmal hole ich mir auch gerade die englischsprachigen Sachen auf den Kindle. Die hassen mich jetzt, die Buchhändler, aber nein, ich liebe Euch!

Kannst Du uns schon etwas über Dein nächstes Projekt sagen?

Nein, weil ich es diese Woche erst besprechen werde. Ich wechsle gerade den Verlag, das ist glaube ich mittlerweile kein Geheimnis mehr, ich werde mir da jetzt natürlich überlegen, ob ich Figuren mitnehme, ob ich die Landschaft mitnehme oder einen Schauplatz mitnehme, im Moment bin ich da erstmal ganz offen und werde mir in diesen Tagen mit Sicherheit noch ein paar Notizen machen und dann noch weiter überlegen. So gegen Ende des Jahres werde ich Entscheidungen getroffen haben.

Also dürfen wir hoffen, noch etwas von Ben und Cedric zu lesen?

Wollt ihr das denn?

Also ich schon.

Aber die hatten wir doch jetzt schon so oft.

Es sind aber sehr interessante Figuren und es sind ja auch noch einige Fragen offen.

Ja, ich habe mir schon überlegt, ob ich das nicht irgendwie so als Goodie mache, also falls ich mit den Figuren nicht weiter mache, dass ich einfach Cedrics Geschichte noch mal zusammenschreibe, gerade die Geschichte mit seinem Vater. Ich mach das Ding auf 50 Seiten und haue es als kostenloses ebook raus. Habe ich mir auch schon überlegt. Ich meine, warum nicht? Ich habe das Gefühl, vielleicht ist Cedric auserzählt. Wir kennen ihn ja schon, und natürlich könnte ich jetzt noch weitermachen. Jetzt hat er den Halbbruder und wie geht denn das weiter, aber Cedric ist jetzt in Behandlung, er hat seinen Therapeuten, er nimmt seine Tabletten, wir wissen, dass er Probleme hat. Ich möchte dann auch nicht, wie andere, diesen Fluch der Serie, dass ich dann irgendwie nach 17 Büchern immer noch dieselben Geschichten erzähle oder mich dann selber mit denen langweile. Keine Ahnung, ich muss es überlegen.

Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Autorin zu sein und was ist das Nervigste?

Da müssen wir mal erfolgreiche Autorinnen fragen.

Hier sitzt eine vor mir.

Ich darf das machen, was im am Großartigsten finde, ich darf Bücher schreiben. Und das ist das Tollste daran. Und kann davon auch leben. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Das Nervigste ist die Angst davor, wie sich das nächste Buch verkauft und ob es weitergeht. Das sind wirklich rein existenzielle Sachen, ansonsten nervt überhaupt nichts. Und ich glaube, was mich nervt ist das, was jeder in seinem Job hat, jeder Selbständige hat. Gerade so als Freiberufler macht man ja meistens etwas, das einem Spaß macht. Sollte man. Weil man da so viel Zeit investiert. Aber wenn man nicht weiß, wie es weitergeht, und das wissen ja viele Freiberufler nicht so ganz genau, mittlerweile auch viele Angestellte nicht mehr so genau, das ist halt einfach das Nervige daran. Und natürlich würde gerne jeder von uns pauschal seine 100.000 im Jahr kriegen, oder vielleicht auch nur 50.000, keine Ahnung, aber einen Haufen Geld dafür überwiesen kriegen, dafür, dass er oder sie das macht, was man am liebsten tut. Es hat leider sehr viel mit Geld verdienen und sehr wenig mit Hobby zu tun, es ist ein Beruf, es ist ein Handwerk, man muss es ordentlich machen und sich weiterbilden und dann noch kucken, wie man damit weiterkommt. Das ist genauso anstrengend wie ne Kneipe zu führen und wie als Kindergärtnerin zu arbeiten und wie Arzt zu sein oder sonst was. Es ist einfach anstrengend.

Erzählst Du uns noch eine Anekdote aus Deinem Schriftstellerleben?

Anekdote, hmm. Ach ja, das erzähle ich ganz gerne, die hängt zwar nicht direkt, sondern eher indirekt mit mir zusammen. Ich stand in einer Buchhandlung, zwei Mädels um die Zwanzig kucken in dem Bereich Krimis. Da steht ja meistens immer nur „Krimi“. Dann sagt die eine: Ah ist das blöd hier, kuck mal, da steht Krimis und hier sind aber überall Thriller, also das finde ich ja echt nicht in Ordnung, dass die das alles so zusammen werfen. Sagt ihre Freundin: Was ist denn der Unterschied? Sagt die erste wieder: Naja, Thriller sind halt einfach besser. Also, das ist einfach eine nicht besonders trennscharfe Geschichte, weil man ja auch darüber diskutieren müsste, was bedeutet jetzt eigentlich Thriller, was bedeutet Kriminalroman und wo sind die Grenzen und wie fließend sind sie, aber das hat halt auch viel damit zu tun, was von Buchhandelsketten durch ihre Etikettierung gelenkt wurde. Und dann sprachen sie weiter, nämlich über meinen sehr lieben und sehr geschätzten Kollegen und Freund Sebastian Fitzek: Fitzek ist ja total geil, spannende Bücher, haste den schon gelesen? – Jaja, total geil und spannend und voll krass und so. – Der hat ja auch eine Tochter, da habe ich gehört, der liest ihr abends immer seine Geschichten vor, und die ist ja noch ganz klein, noch ein echtes Kleinkind. – Boah, krass, solche Leute sollten echt keine Kinder haben. Und ich steh direkt daneben und denk so, das tut er doch nicht! Ich wusste nicht, ob ich etwas sagen sollte, ich dachte nur, oh Gott, das tut er doch gar nicht! Das stimmt doch nicht. Aber wenn man sieht, was sich da für Legenden bilden, kaum, dass man etwas veröffentlicht. Und Sebastian hat ja eine Riesenfangemeinde auf Facebook und Twitter und ein sehr lebhaftes Profil, und so entstehen einfach die unglaublichsten Gerüchte. Sebastian Fitzek sitzt da und liest nachts seiner Tochter seine Geschichten vor. Was dachten die denn, wie alt das Mädchen ist? Wahrscheinlich irgendwas zwischen zwei und fünf, und er liest ihr ganz grausame Geschichten vor? Völliger Unsinn. Und eine Anekdote, die mit mir direkt zu tun hat: Ich geh in eine Buchhandlung, die ein Schaufenster mit meinem neuesten Buch dekoriert hatte. Ich hab mich so wahnsinnig gefreut, dass die das gemacht haben. Ich geh also rein und sage: Hallo, ich bin , ich freue mich so über das Schaufenster! Und die Frau schaute mich an und sagte: Was? Sie wusste von nichts. Und dann hab ich sofort die Ohren hängen lassen und bin wieder rausgeschlichen (lacht). Das hat ein bisschen wehgetan, weil ich mich vorher so gefreut hatte und dachte, die wissen jetzt alle Bescheid, wenn ich reinkomme und meinen Namen sage. Und diese Frau hat mich einfach so glasig angekuckt, weil sie halt mit der Schaufensterdeko nichts zu tun hat. Natürlich ist es so. Das ist das harte Geschäft.

Ganz herzlichen Dank für dieses tolle und alles Gute!

Ja, dankeschön!

Foto Victoria Tomaschko

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Angela Brower Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein genommen haben, Frau Brower. Vielleicht erzählen Sie uns zum Einstieg etwas über Ihren Werdegang?

Ich komme aus Amerika, aus Phoenix, Arizona. Ich habe an der Arizona State University studiert und dort meinen Bachelor’s Degree gemacht. Dann habe ich an der Indiana University studiert für meinen Master’s Degree.

Hatten Sie da schon während des Studiums die Möglichkeit, ganze Rollen szenisch auszuprobieren?

Während meines Studiums habe ich nur die Zweite Dame aus der Zauberflöte einstudiert und auf der Bühne gesungen. Oh, ja, und in meinem Master‘s Degree habe ich Cherubino gesungen, das war toll. Ich habe in der Zeit nicht so viele Rollen gesungen. Ich habe im Studium viele Lieder und Melodien einstudiert und gesungen, und Stimmtechnik gemacht. Nicht so viele Opernrollen.

Im Jahr 2008 wurden Sie in das „“ der aufgenommen. Welche Möglichkeiten ergaben sich dadurch?

2008 war ich bei dem „“. Daraus ergab sich die Möglichkeit für mich, hier in München zu sein. Denn zwei Personen von der Bayerischen Staatsoper waren nach New York geflogen. Sie veranstalteten ein Vorsingen für die – es ist eine amüsante Geschichte, weil ich mich nicht für das Vorsingen angemeldet hatte. Ich dachte mir: „Ich habe noch ein Jahr Studium vor mir, ich bin noch nicht so weit, ich kann noch nicht nach Deutschland gehen.“ Aber ich war Cover (d.h., Zweitbesetzung) für . Die beiden Männer von der Bayerischen Staatsoper kamen zur Probe und hörten mich singen, als , weil meine Kollegin nicht da war. Sie sagten: „Warum haben Sie sich nicht für das Vorsingen heute angemeldet?“, denn sie hatten den ganzen Tag Vorsingen. Ich sagte: „Ich weiß nicht.“ (Lacht.) Dann hatten wir am nächsten Tag ein Vorsingen, und sie sagten: „Wir hätten großes Interesse daran, dass Sie zu uns kommen.“ Von da an änderte sich alles für mich. Ich habe Amerika verlassen, ich habe mein Auto verkauft. Ich kam nach München und fing im an, und ab dann war alles wunderbar.

Zur Spielzeit 2008/2009 kam der Wechsel nach München. Wie kann man sich die Arbeit im vorstellen?

Es war wirklich toll und ein sehr gutes Erlebnis für mich. Ich habe viel gelernt, und habe noch viel zu lernen, und es war besser als – nun, nicht besser, aber ich habe mehr gelernt als an der Universität. Ich sollte das nicht sagen, denn ich habe an der Universität viel gelernt, Stimmtechnik und Lieder, und so weiter. Aber hier in München hatte ich die Möglichkeit, auf der Bühne zu spielen und zu singen. Dadurch bin ich wirklich gewachsen als , besonders als Opernsängerin. Wir haben gute Kollegen hier, und ich habe wirklich tolle Möglichkeiten, zu singen und zu spielen auf der Bühne.

Sie haben natürlich hier dann auch noch die Möglichkeit gehabt, die ganzen Kollegen zu hören.

Ja, und von den besten Sängerinnen der Welt zu lernen. Es ist ein Traum, wirklich!

Seit der Spielzeit 2010/2011 sind Sie festes Ensemblemitglied an der Bayerischen Staatsoper. Welche Veränderungen ergaben sich durch diesen Wechsel vom ins feste Ensemble?

Die erste Veränderung war, dass ich mehr Zeit hatte. (Lacht.) Im sind wir so beschäftigt, wir hatten jeden Monat Konzerte, und dazu unsere Rolle auf der Bühne. Wir hatten immer so viel zu tun. Es war wirklich anstrengend. Als ich im Ensemble war, konnte ich endlich „aufatmen“, sofort. Ich bin dankbar für meine Zeit im , wirklich. Ich beschwere mich nicht, es war wundervoll. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit, das half mir, als ich dann im Ensemble war, ich konnte viel daraus mitnehmen. Ja. Was sich änderte war: Ich bekam mehr Rollen, mehr große Rollen zu singen, natürlich, und mehr Möglichkeiten, auf der Bühne zu singen und zu spielen.

In dieser Spielzeit waren Sie in einigen Mozartrollen zu hören: Dorabella in Cosi Fan Tutte, Cherubino in und Zweite Dame in der Zauberflöte. Wie ist Ihre Beziehung zu dem Komponisten Mozart?

Ich liebe Mozart. (Lacht.) Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich Mozart schon geliebt. Meine Mutter spielt Klavier, nicht professionell, aber sie liebt es, zu spielen. Ich habe immer Musik gehört, besonders Mozart. Ich war immer fasziniert von seinem Genius, seinem Intellekt und seiner Musik. Als ich dann größer wurde und zu singen begann, habe ich es geliebt, Mozart zu singen. Es ist sehr gesund. Es macht Spaß, es liegt mir einfach. Es ist gut für meine Stimme, Mozart zu singen, und ich spüre das.

Man kann auch immer gut die Stimme überprüfen bei Mozart.

Ja. Es gibt eine besondere Farbe in Mozarts Musik, glaube ich. Ich genieße es sehr.

Die Produktion an der Staatsoper …

Ja. In , Cherubino ist natürlich eine tolle Rolle zu singen. Sie ist wirklich lustig. Es gibt so viele Farben in diesem Charakter, in seiner Mentalität und seinen Motiven. Dorabella auch. Sie ist mir ähnlich. Ich liebe es, diese Figur zu singen, es ist wirklich schön.

Die zwei Produktionen sind ja auch wirklich schön.

Ja. Danke!

Sie waren auch als Wellgunde in Wagners Rheingold und zu hören. Wie war die Zusammenarbeit mit und dem Regisseur ?

Der Ring war ein großes Projekt. Und das war, ich muss es ehrlich sagen, eine Herausforderung für mich, Wagner zu singen. Denn gleichzeitig habe ich auch Mozart gesungen, und das sind völlig unterschiedliche Fächer, sozusagen. Aber ich hatte das Glück, dass ich gute Kollegen hatte, und . Es ist so schön und so angenehm, mit ihnen zu singen, und das machte dieses Erlebnis einfacher für mich. Wagner – Mozart – Wagner – Mozart, das war ein bisschen anstrengend. Ich musste lernen, beide zu singen, in einer gesunden Art und Weise. war toll, und war auch toll. Das ganze Team hat uns sehr unterstützt und war nett, und das hilft, das hat mir geholfen. Ich hatte das Gefühl dass ich wirklich spielen konnte auf der Bühne. Das hilft meiner Stimme, freier zu sein.

Können Sie uns in diesem Zusammenhang erzählen, wie Sie sich eine neue Rolle erarbeiten?

Die Vorbereitung auf eine neue Rolle? Zuerst kaufe ich einen Klavierauszug. Dann höre ich mit einer CD die ganze Oper, lese den Klavierauszug durch, markiere meine Partie mit einem Leuchtstift und übersetze den Text ins Englische, damit ich wirklich verstehen kann, was ich singe und was ich fühle. Dann singe ich von Anfang an. Ich muss sagen, dass ich es liebe, eine CD zu hören. Ich kann nicht so gut Klavier spielen. Ich kann es ein bisschen, gut genug, aber ich möchte alle Gefühle von der Musik. Das hilft. Ich liebe es auch, von anderen Sängerinnen zu lernen. Es ist auch interessant für mich, wie zum Beispiel Anne Sofie von Otter das singt, oder Susan Graham oder Frederica von Stade, denn diese bringt immer unterschiedliche Farbe und Ideen in ihre Partie ein.

Kommen wir zum Hoffmann. Bei den Festspielen waren Sie als Nicklausse / Muse in Les Contes d‘Hoffmann zu hören. Ist das eine Rolle, die Ihnen in Stimme und Darstellung besonders liegt?

Hoffmann. Ich liebe Hoffmann!

Das merkt man!

Das war mein „big break“! (Lacht.) Wir hatten so viel Spaß! Ich bin wirklich traurig, dass es schon vorbei ist, denn ich habe so viel gelernt durch diese Rolle. Über mich selbst, als Person und als , und auch über das Spielen und Singen auf der Bühne. Das war anfangs eine große Herausforderung für mich. Diese Rolle war ganz neu für mich, es war mein Debüt. Die Frage ist natürlich immer: Wie läuft das, oder wie geht das? Ich muss sagen: war super für mich, ein ganz toller Kollege. Ich habe so viel von ihm gelernt, nur dadurch, dass ich ihm zugeschaut habe, wie er auf der Bühne spielt. Und das geht perfekt mit meiner Figur, denn ich sollte sein Spiegel sein. Ich liebe diese Figur. Die Musik ist nicht so einfach zu singen. Sie ist wirklich hoch, und dann wirklich tief. Die Barcarole ist so tief. Das erste Stück, als die Muse sich vorstellt, liegt sehr hoch. Ich hatte also diese große Bandbreite von hoch zu tief, aber es hat gut funktioniert. Ja, ich war sehr glücklich damit. Es ist eine wunderschöne Rolle, und ich habe sie sehr gerne gesungen, wirklich.

Es ist ja immer ein bisschen schwierig mit den verschiedenen …

Ja. – Hoch, und dann ganz tief. In drei oder vier Stunden, es ist wirklich anstrengend.

Da sind so Kollegen wie oder schon hilfreich.

Ja. Sie waren super. Sie haben mich so sehr unterstützt, sie haben mir so viel positive Energie gegeben. Das hilft, immer. Ich war auf der Bühne mit diesen großen Stars und habe gedacht: „Warum bin ich da?“ (Lacht.) Es war wirklich unglaublich für mich, ein schönes Erlebnis.

War das jetzt dann bei den Festspielen schwieriger, mit den ganzen Umbesetzungen?

Ja, das war interessant, und wir hatten nicht so viele Proben vor unserer ersten Vorstellung. Wir haben einfach unser Bestes gegeben. Es war anders, aber ich denke, es war letztendlich okay.

Machen Sie lieber Neuproduktionen oder Repertoire?

Meinen Sie die Inszenierung? Okay … ich komme aus Amerika. Wir haben normalerweise traditionelle Inszenierungen, das war also meine Mentalität. Aber als ich herkam, wurde ich da aufgeschlossener. Ich liebe beide. Ich glaube, zuweilen ist es passender und besser, bei der traditionellen Inszenierung zu bleiben. Aber manchmal finde ich es interessant, wenn eine neue Idee umgesetzt wird. Das kann sehr interessant sein, besonders für ein europäisches Publikum. Europäer sind mit Opern vertraut. In Amerika sind wir das nicht, also müssen wir Amerikaner vielleicht noch mehr über Opern lernen. Ich glaube, deshalb haben wir mehr traditionelle Inszenierungen. Aber hier in Europa ist es interessanter, etwas extremer zu sein oder so. Aber beide Inszenierungsweisen sind gut.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Mozart. Ich liebe Mozart. (Lacht.) Immer Mozart. Aber es gibt so viele gute Komponisten. Strauss, ich liebe Strauss auch. Fauré. Debussy. Chausson. Rossini, das macht Spaß. Ja. Ich liebe Mozart. Warum? Weil ich von Mozart immer so viel lerne, denn es ist etwas Grundlegendes. Man muss eine gute Technik haben, ein gutes Verständnis von Belcanto-Technik. Es ist immer gut, zu Mozart zurückzukommen.

Welche Rollen stehen noch auf Ihrer Wunschliste?

Welche Rolle ich noch singen möchte? Charlotte in Werther würde ich sehr gerne singen, und Octavian im Rosenkavalier. Hänsel in Hänsel und Gretel. Ich singe diese Rolle im Dezember, das ist schön. Ja, viele. Diese dramatischen Rollen wie die Charlotte. Strauss: Octavian, Komponist. Es gibt viele wundervolle Partien. Ich entdecke immer wieder Neues und sage: „Oh, dies möchte ich singen, oh, das möchte ich singen.“ Und ich muss mir selbst sagen: Immer mit der Ruhe. Stück für Stück.

In der nächsten Spielzeit an der Bayerischen Staatsoper kommt Rosina in . Freuen Sie sich auf diese Aufgabe?

Ja! Ja! Auch Rosina. Ja, ich freue mich darauf. Es wird mein Debüt sein, ich habe diese Rolle noch nie gesungen. Es ist eine großartige, sehr traditionelle Inszenierung. Die Produktion ist sehr schön. Es macht viel Spass, Rossini zu singen, die Koloraturen, es ist immer eine interessante Herausforderung. Ich verwende dieses Wort oft, sorry. Es ist immer interessant, es ist nicht immer so leicht, aber wenn man es dann singen kann, fühlt es sich wirklich gut an. Ich freue mich sehr darauf.

In welchen Rollen können wir Sie in Zukunft hören?

In der nächsten Zukunft? Ich bin noch zwei weitere Jahre hier in München. Ich hoffe, dass noch weitere interessante Aufgaben auf mich zukommen. Ich habe ein Konzert im Oktober beim “” in Florenz, ich werde Leonard Bernsteins „Sinfonie Nr. 1 Jeremiah“ singen. Dann habe ich im April 2013 ein Konzert mit dem NDR Sinfonieorchester Hamburg und mit Donald Runnicles, und das wird spannend. Ich werde Ravel und Chausson singen, das wird schön. Ich bin noch zwei Jahre hier, wir werden sehen, was noch geschieht. Ich weiß es nicht, ich bin gespannt. Neue Aufgaben kommen jetzt, das ist schön. Ich werde Octavian singen, in der Zukunft, aber Genaueres kann ich noch nicht verraten, aber das kommt, darauf freue ich mich. Wir werden sehen.

Sie singen ja auch gerne Lieder. Liederabende, wird es da etwas geben?

Noch nicht. Aber ich habe mit meiner Agentur gesprochen, denn ich möchte gerne einen Liederabend machen. Ich liebe die Wesendonck-Lieder von Wagner, die möchte ich gerne singen. Wenn ich einen Liederabend mache, möchte ich auch etwas von Brahms singen, und etwas von Fauré, und einige französische Melodien.

Es ist natürlich schwieriger, einen Liederabend vorzubereiten.

Ja. Denn es ist keine Rolle, man kann sich nicht verstecken. Ich bin es, die singt. Es ist nicht Cherubino, es ist , und das ist schwer. Man ist – verletzlich. Ich kenne viele , die Liederabende hassen, weil das so schwierig ist. Und stimmlich – man hat keine Pause, man singt eineinhalb Stunden, und manchmal sehr schwere Lieder. Ich denke, das wäre eine gute Erfahrung für mich. Ich habe noch keine Pläne für einen Liederabend, aber ich hoffe, dass es bald dazu kommt.

Herzlichen Dank für dieses !

Gern geschehen!

(Das wurde geführt am 8. August 2012 in München.)

 

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Interview mit Camilla Nylund

Camilla Nylund Können Sie uns zu Beginn einen Einblick in Ihren Werdegang geben?

Ich habe als Kind immer gesungen. Viel im Chor und manchmal auch solistisch. Mit 14 habe ich dann angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen in Vasa am Musikinstitut. Ich habe nach dem Abitur ein Jahr Musikwissenschaft in Turku und Gesang am Konservatorium studiert, ich war seitdem ich 15 war jeden Sommer beim Gesangskurs, u.a. in Rom, Wien und dann in . 1988 habe ich die Aufnahmeprüfung am Mozarteum bestanden. Bis 2005 habe ich dann studiert, danach fing ich am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover meine Karriere an. 1999 wechselte ich nach Dresden an die Semperoper, von wo ich meine internationale Karriere starten konnte. 2008 wurde ich zur sächsischen Kammersängerin ernannt.

Was gab den Ausschlag, zu werden?

Ich habe immer gesungen, konnte alle ABBA-Lieder auswendig, wollte eigentlich Pop- werden. Durch den Gesangsunterricht bin ich dann zum klassischen Gesang gekommen. Meine erste klassische Platte war eine Mozart-Platte mit Kathleen Battle, die hat mich schwer beeindruckt.

Mit welchen Rollen haben Sie nach den Anfängen international debütiert?

Ich habe mit Strauss-Partien wie Marschallin, Arabella und Salome international debütiert sowie mit Leonore in Fidelio und Elisabeth in .

Gibt es ein Opernhaus, in dem Sie besonders gerne singen?

Ich singe sehr gerne in Wien. Das Wiener Publikum ist toll und kennt sich wirklich gut aus. Die Semperoper ist mein altes Stammhaus, mit fantastischer Akustik und einem tollen Orchester, leider singe im Moment gar nicht dort.

Sie singen nun im zweiten Jahr in Bayreuth die Elisabeth im , inszeniert von Regisseur Sebastian Baumgarten.Wie sehen Sie die Inszenierung und wie ist Ihre Rolle angelegt? Wie kann man sich die Arbeit in Bayreuth vorstellen?

Der zweite Sommer ist bald zu Ende, ich muss sagen, dass es mir diesen Sommer viel besser gefallen hat. Wir hatten ja diesen Sommer mit Thielemann einen neuen Dirigenten, und das hat dem Stück viel gebracht. Ich finde die Inszenierung sehr interessant und es gibt besonders für meine Rolle als Elisabeth neue Aspekte. Sie inszeniert sich als Märtyrerin. Die Gesellschaft bringt sie dazu. Ich finde es sehr entspannend, in Bayreuth zu sein. Man kann sich sehr gut konzentrieren auf seine Aufgaben.

Wie erarbeiten Sie sich eine neue Rolle?

Ich studiere immer meine Partien mit meinem Pianisten Jobst Schneiderrat in Dresden und gehe danach zu meiner Gesangslehrerin Irmgard Boas, um die Partie mit ihr durchzuarbeiten.

Wie wichtig ist Ihnen der schauspielerische Aspekt in ihrer Arbeit?

Sehr wichtig! Ich liebe Oper, weil man hier singen und agieren kann. Ich liebe es, in eine neue Rolle zu schlüpfen!

In diesem Jahr gab es am grünen Hügel einen Dirigentenwechsel. Christian Thielemann dirigierte statt Thomas Hengelbrock. Was bedeutet es für das Ensemble, wenn ein kurzfristig wechselt,  und gab es große musikalische Veränderungen?

Für die Produktion hat es viel bedeutet. Wir hatten diesen Sommer einen viel besseren Erfolg. Christian Thielemann hat die Fähigkeit, dem Stück mehr Dichte zu geben.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Ich singe sehr gerne Richard Strauss.

Welche Rolle singen Sie am liebsten?

Eigentlich immer die Rolle, die ich gerade singe!

Sie haben auch Operette in ihrem Repertoire. Wie wichtig ist Ihnen dieses Genre?

Operette gut zu machen ist sehr schwierig. Ich habe damals bei der Rosalinde in Die Fledermaus sehr viel gelernt. Dialoge zu sprechen ist nicht immer leicht, da benutzt man die Stimme ganz anders als beim Singen.

Gibt es eine Traumrolle für Sie, die in Zukunft auf Sie zukommt? Camilla Nylund

Ich hoffe, dass ich noch viele Strausspartien singen werde und natürlich, dass ich eines Tages die Isolde singen kann.

Bleibt neben der regen Tätigkeit in der Oper noch Zeit für moderne Musik oder Liederabende?

Liederabende mache ich manchmal. Leider fehlt die Zeit, um sie regelmäßig zu machen. Das gleiche gilt für die moderne Musik.

Können Sie uns noch einen Ausblick in Ihre Zukunft geben? Wo und mit welchen Rollen können wir Sie hören?

In Zukunft werde ich viel Strauss singen. Kaiserin in Die Frau ohne Schatten von Strauss kommt in ein paar Jahren, sonst werde ich viele Partien wieder singen, die ich im Repertoire habe. Ich gebe auch viele Konzerte und habe auch da in Zukunft viele interessante Aufgaben.

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Interview mit Tanja Ariane Baumgartner

fotosalzb2 Sehr geehrte Frau Baumgartner, vielen Dank für dieses . Zum Einstieg möchte ich Sie bitten, etwas über Ihren Werdegang zu erzählen.

Ich war zuerst Geigerin; ich habe Geige studiert, obwohl ich immer als Kind sehr gerne gesungen habe, aber das war so ganz selbstverständlich. Dann ging es darum, ein Instrument zu lernen. Da habe ich mir die Geige ausgesucht – ich glaube, auch aus dem Grund, weil die Farbe der Geige der einer Stimme am nächsten ist. Irgendwann hatte ich dann einen sehr guten Lehrer und fing an, sehr viel zu üben, da ich auch merkte: Musik muss in meinem Leben doch eine zentrale Rolle spielen. Ich habe dann Violine studiert, in Freiburg, bis zum Diplom. Ich habe im Orchester als Aushilfe gespielt, im Theater Freiburg und der Jungen Deutschen Philharmonie. Ich habe aber schon während des Studiums auch meine Stimme entdeckt, und es hat immer so ein kleines weinendes Auge zu den Sängern herübergeschaut. Ich habe dann beschlossen, danach Gesang zu studieren. So kam das.

Wie kam dann der berufliche Einstieg auf der Bühne?

Am Anfang war ich Sopran. Ich habe also ganz hoch begonnen; ich habe wirklich zur Aufnahmeprüfung die erste Arie der Königin der Nacht gesungen, und “Exsultate, Jubilate”. Man glaubt es jetzt nicht mehr. (Beide lachen.) Ich habe dann aber als Sopran hauptsächlich Konzerte gesungen, auf der Opernbühne hat man mir den lyrischen Sopran nicht geglaubt. Ich war einfach immer Mezzo, schätze ich, allerdings mit einem sehr großen Stimmumfang, der viel ermöglicht. Aber es war auch schön, die Schöpfung, Jahreszeiten, Elias und die wunderbaren Oratorien und Passionen als Sopran zu singen. Eine meiner ersten Opernpartien war an der Jungen Oper in Stuttgart, in einer Kinderoper. Danach kam der Wechsel, und mein Debüt als Mezzo war in Wien an der Kammeroper als Rosina.

Wann war das?

Das war 2002. Danach kam sofort das erste Teilzeit-Engagement in Luzern.

Luzern, genau, bis 2008. Da gibt es ja bestimmt auch viele Erinnerungen an diese Zeit?

Ja, es war eine schöne Zeit. Ich meine, in so einem Ensemble – am Anfang ist es aufregend. Aber dann lebt man ja relativ ruhig an einem kleinen Haus. Man hat zwar viel zu tun, aber man singt 25 Mal die Zauberflöte, dritte Dame und solche Partien. Einige größere Partien, aber auch viele kleine und unbekannte Partien, bei denen man sich ganz ruhig frei spielen und singen kann.

Und größere Rollen kamen dann auch schon?

Doch, doch, es kam Charlotte (Werther), es kam eine Mrs. Quickly (Falstaff) – es gab eine Giulietta in Hoffmanns Erzählungen, Baba the Turk (The Rake’s Progress), usw. Aber die größeren Fachpartien habe ich dann eigentlich in Basel gemacht, mit , Prinzessin Eboli ().

Wie erarbeiten Sie sich eine Rolle, wenn Sie neu an eine Rolle herangehen?

Ich lese erst einmal die Noten und den Text, dann gehe ich an die Hintergründe und historischen Zusammenhänge. Dann gehe ich zu meinem Pianisten. Ich gehe meistens relativ früh und lerne gerne mit meiner eigenen Aufnahme dann das Stück. Ich versuche, mir so eine Master-Aufnahme zu machen. Am liebsten eigentlich so. Denn ich finde, dann hat man auch einen freieren Kopf. Ich lerne es auch am besten mit meiner eigenen Stimme. (Lacht.)

Singen Sie lieber Neuproduktionen oder Repertoire?

Ich finde beides spannend. Ich finde, eine Neuproduktion ist immer etwas Tolles, denn natürlich hat man sehr viel Zeit für die Rolle. Auf der anderen Seite, in einer Repertoire-Vorstellung, wenn das Stück schon sehr lange läuft, kann es auch sehr spannend sein, sich da hineinzufinden. Es muss eben dann sehr schnell gehen und man muss sehr viel Interpretationsarbeit zu Hause machen. Es wird mehr von einem selber gefordert.

Man kann sich auch besser einbringen?

Es kommt darauf an, manchmal hat man in einer neuen Produktion einen Regisseur, der einem viele Freiheiten lässt, manchmal nicht. Dasselbe gilt auch für die Assistenten in einer Wiederaufnahme.

Seit der Spielzeit 2009/10 sind Sie in Frankfurt am Haus. Wie kam es zu dem Engagement?

Der Intendant der war in einer Repertoire-Vorstellung im Luzerner Theater und hat mich als Mrs. Quickly gehört, und hat mir am nächsten Tag schon einen Vertrag angeboten. Dann kam er noch zur in Basel, danach war alles klar. Zwei Jahre später habe ich dann in Frankfurt begonnen.

Hatten Sie vorher schon Verbindungen nach Frankfurt?

Außer, dass ich dort einmal eine Vorstellung von Faust gesehen habe, keine.

Und vom Ensemble her fühlen Sie sich da auch sehr wohl, vom Ausprobieren her, oder von …?

Ja, sehr! Ich habe tolle Kollegen, und das Opern- und Museumsorchester ist ein fantastischer Klangkörper, was ich sehr, sehr wichtig finde, wenn man irgendwo fest ist. Dann finde ich es schön, weil wir so viel Repertoire spielen – es gibt ca. 30 oder 32 Opern und davon 14 oder 16 Neuproduktionen, ich weiß die Zahlen nicht ganz genau. Aber es ist eine gute Mischung. Und es ist doch viel drin: italienisches, deutsches, auch französisches Repertoire. – Sie kennen die ?

Ich bin öfters in Frankfurt, ich habe auch ein Abonnement für die .

Das freut mich. Gefällt es Ihnen?

Ja. Gerade das Ensemble in Frankfurt ist eine tolle Sache. Die Grund-Qualität ist so hoch, dass es immer wieder interessant ist und Spaß macht.

Ja, das macht auch Spaß. Ich finde es schon wichtig, wenn die Kollegen toll sind. Ich hatte jetzt gerade ein Kammermusik-Konzert hier in , mit dem Bennewitz-Quartett. Ich war so berührt, mit dem Quartett Musik machen zu dürfen. Das funktioniert natürlich auch in einem guten Ensemble genauso. Wir kennen uns und wissen, obwohl wir alle Solisten sind und natürlich oft die rein solistische Fähigkeit gefragt ist, so sind wir doch auch Teamplayer.

Und dann das sehr gute Orchester noch – das macht bestimmt auch den Sängern immer wieder Spaß, die Unterstützung von dem Orchester zu haben.

Ja die unterstützen uns sehr, sie geben uns oft ein Feedback und man merkt, dass sie jedem auch zuhören und ihn begleiten und unterstützen wollen.

Gibt es Vorlieben bei Ihnen für eine bestimmte Richtung?

Dem italienische Repertoire, dem gehört schon meine besondere Liebe. Wobei – Wagner ist auch für mich sehr, sehr spannend, und im französischen Repertoire gäbe es auch noch sehr viel zu entdecken: Gerade diese Meyerbeer-Sachen, die sehr selten gespielt werden, die sehr viel Virtuosität erfordern – also, das würde mich sehr reizen. Carmen habe ich ja jetzt gerade gesungen, das werde ich immer wieder gerne machen. Aber eben mal so was Außergewöhnliches…

Gibt es da im italienischen Fach eine Lieblingsrolle? Ich glaube, Verdi-Partien liegen Ihnen auch sehr am Herzen?

Ja, schon Prinzessin Eboli (), Amneris (Aida) auch, die zwei, ja. Eboli vielleicht sogar noch mehr.

In Frankfurt und in Basel, Sie haben es schon erwähnt, haben Sie die Titelrolle in Othmar Schoecks gesungen, in der Inszenierung von Hans Neuenfels – ein großer Erfolg. Wie ist es denn, auf der Bühne alleine das Ganze zu gestalten, da einzutauchen, quasi?

In diesen Wahnsinn? (Beide lachen.) Am Anfang, die erste Produktion, also in Basel diese Rolle zu erarbeiten, das war unglaublich, wirklich sehr viel Arbeit, und es ging an physische und psychische Grenzen. Denn das ist schon eine Rolle, die einen einfach sehr mitnimmt. Sowohl sängerisch, sie liegt extrem unsanglich in vielen Teilen, als auch physisch, denn natürlich, jede Sekunde muss da gefüllt und konzentriert sein, und psychisch. Diese Spannung, und dieser Wahnsinn, in den die Figur sich begibt, das ist nicht ganz leicht auszuhalten. Denn man hat ja auch keine Pause – ich glaube, ich gehe einmal ab, für fünf Minuten. Oder vielleicht sind es sieben oder so, aber das war es dann eigentlich. Und davor geht es Schlag auf Schlag.

Wie war die Zusammenarbeit mit Hans Neuenfels?

Spannend. Also, ich muss sagen, Neuenfels war einer, der hat bei mir Türen geöffnet, die noch kein anderer vorher so geöffnet hat. Ein künstlerischer Durchbruch.

In haben Sie 2010 als Gräfin Geschwitz in Alban Bergs Oper Lulu debütiert. Wie ist die Atmosphäre in , wie ist es, in der Festspielzeit hier zu arbeiten?

Aufregend! Es ist toll. Ich finde es wirklich schön. Am Anfang, bevor die Festspiele begonnen haben, ist es sehr, sehr familiär.

Wenn noch keiner da ist …

Genau. Es sind dann doch aber alle Künstler da. Sie haben ein schönes Künstlerfest gemacht, kurz vor der Eröffnung, wo dann alle zusammen noch mal gegessen und gefeiert haben. Das ist schon so richtig Familien-Treffen. Ich würde es ein bisschen vergleichen – also, ohne die Kompetition, aber es ist eine Art Olympiade, vom Treffen her. (Nicht, dass jetzt hier Sport oder Wettkämpfe ausgetragen werden, um Gottes Willen.) Aufregend. Toll. Ja, ich bin sehr gerne hier. Das ganze Festspielhaus atmet die Vergangenheit, und hier haben die größten gesungen und die größten Dirigenten und Orchester dirigiert respektive gespielt. Ich freue mich unglaublich, dass ich dabei sein darf.

fotosalzbrg Die Atmosphäre; die ganze Vergangenheit, die hier in dem Bau steckt.

Genau.

Jetzt in der Festspielzeit singen Sie in von Bernd Alois Zimmermann die Charlotte – würden Sie uns einen Einblick in das Stück geben, und wie Ihre Rolle da angelegt ist?

Ich bin die Schwester der Soldaten-Marie. Marie hat einen Freund, fängt dann mit einem anderen etwas an, dann kommt der Nächste, immer auf der Suche nach dem Glück und besseren Lebensumständen, bis sie als Soldatenhure endet… ich bin die mahnende Schwester, ich bin auch manchmal ein bisschen neidisch, weil Marie natürlich auch sehr viel Erfolg bei den Männern hat und das Ganze am Anfang etwas leichter nimmt, was ich nicht schaffe.

Wie ist da die Zusammenarbeit, mit dem Regisseur Alvis Hermanis, dem Dirigenten Ingo Metzmacher, den Kollegen, so kleine Eindrücke?

Es ist ein fantastisches und auch nettes Cast, die Kollegen sind so toll und gut. Dieses Stück gilt, glaube ich, als das schwerste Stück der Moderne. Ich dachte, Reimanns sei schwer, aber das toppt es noch. Und das gilt für alle Partien. Der hat immer wieder Geduld mit uns, und wir machen wieder Proben, und der Regisseur ist toll. Er gibt sehr viel darstellerische Freiheit und greift nur ein, wenn er denkt, dass man in eine falsche Richtung läuft.

Würden Sie uns einen Ausblick in Ihre nächste Spielzeit geben, bzw. was in Zukunft noch kommt?

Jetzt kommt die Wiederaufnahme von in Frankfurt, ein Verdi-Requiem in Straßburg, ein erster Akt Tristan in Glasgow/Edinburgh mit Donald Runnicles, Nina Stemme und Scottish BBC. Meine erste Santuzza in Düsseldorf, Cornelia in in Frankfurt, meine ersten Frickas in Frankfurt, die erste Ortrud in Frankfurt, Eboli wieder, dann gibt es einen Opernabend an der Staatsoper in Berlin mit Purcells Fairy Queen Kompositionen von Öhring. 2014 meine erste Brangäne an der Deutschen Oper. Das sind so die Highlights. Eine CD mit Pfitzner-Liedern nehme ich im Dezember auf.

Dann sage ich herzlichen Dank für dieses !

Danke!

(Das wurde geführt am 29. Juli 2012 in , Fotos von Luigi Caputo.)

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Interview mit Marc Ritter

Marc RitterLieber Marc, herzlichen Dank, dass du dich bereiterklärt hast zu einem für den Blog Nacht-Gedanken. Stellst du dich uns kurz vor?

Mein Name ist , ich bin 44 Jahre alt, bin seit zwei Jahren Autor von Kriminalromanen und Thrillern. Mein erster Krimi war , der im Oktober 2011 herausgekommen ist. Dieses Frühjahr ist erschienen, ein Thriller, der auf der Zugspitze spielt. Jetzt gerade ist das erste Serien-E-Book von mir namens Transalp auf den Markt gekommen.

 

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

So wie viele. Ich habe das schon immer machen wollen, seitdem ich ganz klein war. Ich habe dann auch mal versucht, das als Beruf zu ergreifen, es hat mich aber in eine andere Umlaufbahn geschleudert. Ich bin nicht Journalist, sondern Verlagsmanager geworden, war dann im Internet sehr früh unterwegs, habe da meine Jobs erledigt, immer schönere Jobs bekommen, wie es einen halt da so mitnimmt, auf so einer Welle, und habe darüber das Schreiben, also meine eigentliche Berufung, vergessen. Nicht ganz vergessen, weil es hat immer in mir gebrodelt, und ich habe mir immer gedacht: Ich muss es eines Tages dann doch noch zum Leben erwecken. Vor zwei, drei Jahren gab es das Schlüsselerlebnis, dass mir jemand gesagt hat: „Wenn du das unbedingt machen willst, dann zeig doch mal, was du schon geschrieben hast.“ Aus diesen 40 Seiten ist dann ein Exposé geworden und mit Hilfe dieses Freundes, der mir die Verlagskontakte eröffnet hat, dann auch ein Verlagsvertrag und mein erstes Buch, .

 

Wie findest du deine Geschichten oder finden sie dich?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, wir finden uns. Mich finden Szenen, die fallen mir ein. Die beschäftigen mich dann auch sehr lange. Das beste Beispiel ist , der geht los mit einer Szene, wo jemand joggen geht und dort eine Leiche findet während des Joggens. Und diese Szene habe ich mir oft selbst überlegt: wie wäre das, wenn du jetzt echt in dieser Gegend – in Garmisch-Partenkirchen habe ich ja mal gewohnt und bin sehr oft zum Joggen gegangen – wie wäre es, wenn du jetzt über den nächsten Hügel drüberläufst und da drüben liegt eine Leiche. Diese klassische Auffinde-Szene. Darüber habe ich dann lange nachgedacht, ich glaube, jahrelang habe ich darüber nachgedacht. Aus dieser Szene hat sich dann der ganze Roman entwickelt, und da war das schon eher so, dass nicht mich die Szenen gefunden haben, sondern ich die Szenen beim Schreiben auch rausgekitzelt habe. Also, das Schreiben ist ja schon so ein Vorgang: Man kann lange darauf warten, dass einen die Muse küsst. Eigentlich passiert es nur, wenn man es tut und wenn man einfach dabeibleibt und wenn man den inneren Schweinehund überwindet, und auch vor so einem leeren Blatt Papier zwei Stunden anfängt, und nach zwei Stunden kommt schon irgendetwas heraus. Und so finde ich dann meine Szenen, wobei natürlich vieles einfach in so einem alten Gehirn wie meinem abgespeichert ist. Die Charaktere, die ich gerade in meinen Heimatkrimis, wenn man die so bezeichnet will, wie dem habe, die habe ich alle kennengelernt vor 20 Jahren, als ich während der Schulzeit meine ersten Gehversuche als Lokaljournalist gemacht habe. Da habe ich diese Typen kennengelernt. Die kommen jetzt wieder alle aus der Versenkung hervor.

 

Bist du eher der Typ, der alles von Anfang an komplett durchplant, oder ändert sich da während des Schreibens auch mal was?

Teils-teils. Beim – und auch beim zweiten Krimi, den ich schon vollendet habe, der nächstes Jahr herauskommt – ist es so, dass ich wirklich sehr szenisch vorgehe und eine Szene nach der anderen schreibe und dann schaue, wo mich das hinbringt. Ich bin bei den Krimis sehr sicher, was das Setting anbelangt; die handeln in Garmisch-Partenkirchen und teilweise ein bisschen in München, da kenne ich mich sehr gut aus. Das heißt, da habe ich relative Sicherheit, was die Gegebenheiten anbelangt und auch was die Charaktere anbelangt. Die habe ich ganz gut drauf, sagen wir mal so. Und deswegen kann ich mich da von der Handlung überraschen lassen. Beim Thriller, beim , war es schon anders. Da war ich nicht ganz sicher, ob ich sowas überhaupt kann, und da habe ich mich herangetastet über mehrere Versionen der Geschichte, die ich am Anfang mal durchkonstruiert habe in Form von fast einer Art Polizeibericht: Zuerst passiert das, dann passiert das, dann passiert das. Relativ nüchtern die Fakten einfach hingeschrieben. Nicht in Stichworten, schon als durchgängiger Text, der hat so 40 Seiten gehabt. Das habe ich dann meinem Agenten gezeigt, auch einer Lektorin, und habe gesagt: Wäre das eine Richtung einer Geschichte, die euch interessieren würde oder die man verkaufen kann? Dann haben die gesagt: „Naja, an der und der Stelle ist es vielleicht ein bisschen too much, und da müsste man anders vorgehen.“ Dann habe ich das dreimal überarbeitet, und dann wusste ich dann aber ziemlich genau was passieren wird in meinem Thriller. Während des Schreibens hat er sich aber dann verändert, logischerweise. Der Plan hat sich dann doch durchaus als sehr, sehr gut erwiesen, aber ich habe ihn natürlich auch beim Schreiben dann verändert. Um Kant zu zitieren: die Verfestigung des Gedankens beim Sprechen. Bei mir ist es die Verfestigung des Plots beim Schreiben. Ich halte es mir die Geschichte schon relativ weit offen. Ich bin auch eher ein schlechter Planer. Ich könnte am Reißbrett kein Haus bauen. Ich bin auch kein Architekt geworden. Ich muss schon immer über das Tun etwas erfahren und auch dabei lernen.

 

Sitzen deine Figuren am Frühstückstisch, und wenn ja, wie geht deine Familie damit um?

Nein, überhaupt nicht. Sie wohnen auf meiner Festplatte, sie wohnen in meinem Kopf, sie wohnen am Schluss dann im Buch und von dort aus dann in den Köpfen der Leser, gottseidank. Ansonsten ist mein Leben mit Personen genug angefüllt, ich habe fünf Kinder (lacht), da brauche ich keine Fremden in meinem Haus. Die Romanfiguren wohnen ganz woanders. Es ist allerdings so, dass, wenn sie mal dann draußen in den Köpfen der Leser drin sind, überraschen mich bei Lesungen, bei anderen Terminen, immer wieder Leser mit Details über diese Personen, die ich selber gar nicht weiß. Das ist immer sehr, sehr spannend.

 

Haben sie ein Eigenleben?

Die haben ein Eigenleben, ja, oder sagen wir mal: sie erleben Identifikation. Das Schönste, was man erfahren kann: Der Hartinger Gonzo, also der Karl-Heinz Hartinger in meinen Krimis, ist ja Lokalreporter und Fotograf. Den habe ich so angelegt, dass er ein bisschen autobiografische Züge trägt, weil ich ja auch mal als rasender Reporter in Garmisch während Schule und Zivildienst angefangen habe, dann eben einen anderen Weg eingeschlagen habe. Der Hartinger Gonzo ist Reporter geblieben, ist dabei gescheitert und ist jetzt jemand, der sozusagen ein bisschen ein Desperado ist. Der kommt nach Garmisch zurück, nachdem er in München Karriere gemacht hat. Ich habe da niemanden konkret im Kopf gehabt. Und als ich dann meinen ersten Pressetermin in Garmisch hatte, habe ich das Buch dem Fotografen geschenkt vom Garmisch-Partenkirchener Tagblatt. Und dann ruft er mich zwei Wochen später an und sagt zu mir: „Jetzt habe ich das durchgelesen – das bin ja ich!“ – Ich sagte: „Ja, wenn Sie meinen!“ – „So viele Parallelen mit meinem Leben, und so weiter. Ich bin auch so eine verkrachte Existenz, meinen Sie mich?“ – „Nein, ich kannte Sie ja gar nicht!“ (lacht)! Es ist immer sehr interessant, wenn sich die Leute selber als Figuren darin erkennen, das ist sehr überraschend.

 

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

„Nicht so gut läuft“ heißt bei mir, dass ich nicht dazu komme, weil ich leider zu viel andere Dinge noch zu tun habe. Das Autorenleben ist ja wie eine Ich-AG, man muss oder darf Presse und Marketing machen, Interviews wie jetzt sind sehr schön, man muss ja in Facebook, muss ja in Twitter, ab und zu mit Leuten sprechen, Lesungen, und ich würde eigentlich am liebsten – ich würde es nicht durchhalten, ich weiß es selber – wie Stephen King, jeden Tag, auch Samstag, Sonntag, Weihnachten, Geburtstag, wie er ja selbst geschrieben hat, einfach dasitzen und schreiben. Kann ich nicht, deswegen habe ich eher ein Zeitproblem und nicht das Problem, dass mir nicht genug einfallen würde. Also, ich versuche es jeden Tag, mich hinzusetzen, aber ich schaffe es leider nicht, das ist mein größeres Problem.

 

Wie und wo schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen zum Schreiben?

Eigentlich bin ich da relativ flexibel, ich brauche also nicht diese absolute Ruhe. Wobei ich zum Beispiel jetzt hier, wo wir gerade das machen, auch in so einem Café könnte ich wunderbar schreiben, wenn keiner da ist, den ich kenne, der mich dann anspricht. Ich habe mir natürlich so Noise-Reduction-Kopfhörer gekauft, mit denen ich die Außengeräusche abdimmen kann. Da sitze ich dann gerne. Ich habe so ein paar Lieblings-Schreiborte. Das ist natürlich zu Hause bei mir, aber dann muss man auch immer raus. Es gibt ein paar Lokale in München, in denen ich gerne schreibe. Eines ist das San Francisco Coffee Company am Kurfürstenplatz. Es hat so eine runde Glasscheibe, und da im Eck sitzen immer Leute, die schreiben, da muss man schauen, dass man einen Platz bekommt. Das ist ein energetischer Ort, nicht nur, weil es da eine Steckdose gibt, was immer wichtig ist … da ist halt draußen wahnsinnig viel Verkehr, aber du hast die Glasscheibe dazwischen, man kann auch rausschauen, man braucht ein bisschen Abwechslung. Bewegung ist wichtig. Sonst schläft das Hirn ein. Dann schreibe ich wahnsinnig gerne, wenn es nicht allzu warm ist, auf der Terrasse vom BMW-Museum, da gibt es ja diese M1-Bar. Das ist auch ein unglaublich energetischer Ort für mich – Moment: ich bin gar kein Esoteriker, aber das spürst du einfach, weil du hast natürlich den mittleren Ring davor, der geht ja da in den Petueltunnel rein, du hast diesen Blick auf das Olympiadach, du hast drüben die BMW-Welt, den Olympiaturm, und nebenan ist ja noch ein Original-BMW-Autowerk, da rumpelt ja die ganze Gegend, wenn die da Teile pressen, und du hast ständig Leute über diese Brücke gehen, zur BMW-Welt rüber, aus aller Herren Länder. Japaner, Araber, die sich da fotografieren, es ist so ein wahnsinnig toller Ort, und der ist aber trotzdem unpersönlich, da ist niemand, den man kennt. Und der dritte Ort, das ist, wenn es heiß ist, mein Geheimtipp: Die Terrasse von der Goldenen Bar auf der Rückseite vom Haus der Kunst. Denn das Haus der Kunst steht ja so da, dass die Nordseite auch am Nachmittag im Hochsommer keine Sonne hat. Da ist es immer relativ schattig, dementsprechend, und da ist es kühl, und da kann man auch wunderbar sitzen. Das sind meine drei Lieblingsorte außerhalb der eigenen Wohnung.

 

Hörst du dann Musik beim Schreiben?

Ja, ich höre viel Musik. Da fragen mich dann immer die Leute, wie das geht. Aber ich höre, wenn ich mich konzentriere dann teilweise gar nicht, was ich da auf den Ohren habe. Ich nutze iTunes, und dann merke ich halt plötzlich: Aha, schon wieder vorbei, die Playlist, oder das Album ist schon wieder durch. Das müssen ja jetzt 45 Minuten gewesen sein … Für mich ist es so: Ich mag wahnsinnig gerne Gitarrenmusik und Rock undsoweiter, aber wenn es zu hart ist und zu schnell, zum Beispiel AC/DC oder Ohrenfreindt, das geht beim Schreiben gar nicht. Für mich gehen so Sachen, die ein bisschen ruhiger sind, teilweise ein bisschen kitschig, von Katie Melua bis Norah Jones und Melody Gardot, diese Frauenstimmen sind sehr beruhigend. James Taylor höre ich zur Zeit sehr viel beim Schreiben. Billy Joel, wobei das auch nicht ganz leicht ist, wenn jemand zu gute Geschichten in seinen Liedern erzählt: Billy Joel ist ein großer Geschichtenerzähler. Oder wenn ich die Musik zu gut kenne, wie die Beatles, mit denen ich aufgewachsen bin. Auch schwierig. Ich habe letztens Beatles im Webradio gehört. Da muss ich dann zu sehr zuhören. Also, wenn es mich zu sehr catcht, dann geht es nicht. Es muss so ein bisschen Fahrstuhlmusik sein. Norah Jones ist darum ganz gut, die läuft ja in jedem Fahrstuhl der Welt (lacht).

 

Also, es ist dann nicht so, dass du dich von Musik beim Schreiben inspirieren lässt?

Nein, während des Schreibens gar nicht, da wüsste ich gar nicht, welche Musik das sein könnte, denn es müsste ja zu der Situation passen oder zu den Szenen, die ich da gerade schreibe. Ich lasse sie einfach nur laufen, um das Gehirn sozusagen in so einen Modus zu setzen, wo einfach alle anderen Eindrücke weg sind, würde ich jetzt mal so sagen, um den Kopf warm zu bekommen, dass da irgendetwas ist. Ich habe das mal interessanterweise von einem Taekwondo-Meister gelernt. Man denkt ja immer, diese asiatischen Kampfsportler sind so Esoteriker, die immer Ruhe brauchen und so weiter. Der Mann hat so ein Studio eröffnet an der Sonnenstraße in München, das dürfte eine der meistbefahrenen Straßen in der Münchner City sein. Direkt im ersten Stock hat der sein Studio aufgemacht, mit viel Glas, und ich habe ihn gefragt: „Wieso sind Sie da her gegangen? Da ist ja so viel los draußen, und die Autos und so. Da kann man sich ja nicht konzentrieren“ Er hat gesagt: „Ja, genau. Wenn du dich konzentrieren willst, wenn du weiterkommen willst, denken willst, dann musst du Action um dich herum haben, denn sonst schläft dein Gehirn ein. Und wenn du dich in der Mitte des Getümmels auf eine Sache besinnst, bist du wirklich konzentriert.“ Und so sehe ich das mit der Musik und der Bewegung um mich rum seither auch. Zurück zur Frage: Was mich allerdings schon inspiriert, sind natürlich Musiker, die große Geschichtenerzähler sind. Ich habe Billy Joel schon genannt. Ich weiß nicht, ob du es kennst: Scenes From an Italian Restaurant, oder, klar, Piano Man – diese Szenen, die er da beschreibt an der Bar, und die verschiedenen Typen, mit nur ein paar Schlüsselwörtern, und du hast sofort diese Charaktere vor Augen. Oder die alten Springsteen-Sachen, die erste, Greetings from Asbury Park, N.J., da sind einfach unglaubliche Geschichten darauf, da kann man neidisch werden. Die Songwriter haben natürlich das große Glück, die müssen immer nur dreieinhalb Minuten oder fünf Minuten Text schreiben, aber sehr verdichtet. Das inspiriert mich, oder besser: motiviert mich, sozusagen, mit wenigen Mitteln Figuren so zu beschreiben, dass sie lebendig werden. Das ist ja die Kunst, die wir alle versuchen zu vollbringen.

 

Welche Phase eines Buches ist für dich die anstrengendste?

Das Redigieren und Dreimallesen mit dem Lektor, das ist die anstrengendste Phase. Das Fertigmachen, sozusagen. Alle Kraft ist am Anfang am größten; ich bin auch so ein Typ: Bitte neues Projekt, neues Projekt, neues Projekt. Zwischendrin muss man sich leider mal zusammenreißen, Arschbacken zusammen zwicken und fertigschreiben. Das Schreiben – wenn es mal läuft, ist es ein schöner Prozess, aber dann das fertige Buch noch fünfmal lesen müssen, das ist das Anstrengende.

 

In welchem Genre möchtest du gerne noch mal schreiben, und was hält dich davon ab?

Sachbuch. Mir sind ein paar gute Themen eingefallen. Nicht so sehr theoretische Themen, sondern Menschen vorzustellen, die ich kennengelernt habe. Vielleicht auch Teile meiner eigenen Vergangenheit ein bisschen aufzuarbeiten. Zum Beispiel eine Geschichte, die mir vorschwebt, ist: Ich habe als junger Mensch Zivildienst gemacht, und einer meiner Klienten, den ich betreut habe, war ein Rollstuhlfahrer, drei oder vier Jahre älter als ich, der einen Motorradunfall hatte. Das höchste, was er an seinem Körper bewegen konnte, waren die Schultern. Wie der sein Leben gemeistert hat, jetzt mittlerweile seit dreißig Jahren, verheiratet ist, Kinder hat. Das interessiert mich sehr, weil ich den wirklich seit 25 Jahren kenne, mit großen Abständen natürlich, würde ich den ganz gerne mal interviewen. Ein anderer Typ ist auch – anscheinend fällt mir gerade sehr stark das Thema Behinderung dazu ein – jemand, der war mit mir in der Volksschule in der gleichen Klasse und der hat in Afghanistan als Soldat seine beiden Beine verloren. Unsere beiden Söhne sind im gleichen Eishockey-Klub gewesen, und da ist das dem passiert. Beide Männer meistern ihr Leben auf unglaubliche Weise. Da können sich andere, die immer nur jammern, ein Beispiel nehmen. Und solche Menschen gibt ja einige. Diese unterschiedlichen Leben, die man so hat, in die man hineingeworfen wird. Das ist das Spannende. Portraits von solchen besonderen Menschen würde ich gerne schreiben.

 

Und was hält dich davon ab?

Die Zeit. Die Zeit, die Zeit, die Zeit. Aber ich mach’s. Ich mache mir für jede Idee einen Ordner auf meine Festplatte und schmeiße da wahnsinnig viel Zeug rein. Du kannst nicht alles machen, aber ab und zu im Gespräch mit dem Verlag oder mit einem Lektor oder einem Agenten, der sagt: „Mensch, wäre das jetzt nicht gerade aus dem und dem Thema …“ Da braucht man so einen Fundus an Ideen. Manche sind auch so zwingend; da ist eine andere Geschichte, die darf ich noch gar nicht verraten, das ist auch ein Sachbuchthema, da gibt es einfach noch nichts zu diesem Thema, darum verrate ich es jetzt auch nicht, da muss ich einfach schnell sein. Da hat man wieder Zeitdruck, und dann macht man es auch. Das wäre glaube ich auch der Tipp für jemanden, der fragt: „Wann soll ich das Buch zeitlich platzieren?“ Immer dann, wenn du wirklich meinst, das muss jetzt raus, das ist meistens eine gute Zeit.

 

Du hast mit einen sogenannten Regionalkrimi vorgelegt. Stört dich diese Schublade?

Ich habe ja sehr lange im Marketing gearbeitet, und daher weiß ich, dass alles seine Schublade und sein Label braucht, weil es sonst ja auch nicht verkäuflich wäre. Als Autor würde man sich natürlich freuen, wenn man ein bissl anders behandelt wird als andere, aber verkaufstechnisch ist es gut, wenn man genauso behandelt wird wie andere, dann weiß man nämlich, wo man liegt in der Buchhandlung. Es gibt ja nichts Schlimmeres, wenn man falsch liegt – mein Buch „“ habe ich schon bei „Bavarica“ gefunden, also da passt es wirklich nicht hin, so neben Professor Zöpfl und und Ludwig Thoma, wahrscheinlich, weil gestickte Hosenträger vorne drauf sind. Von daher ist es schon gut, wenn die Buchhändler wissen, dass sie es neben den Jörg Maurer und die Nicola Förg legen sollen. Stört mich überhaupt nicht. Natürlich denkt jeder Autor: „Mensch, das ist ja eigentlich Weltliteratur, was ich hier mache!“ Man darf aber nicht größenwahnsinnig werden. Wir machen als Krimiautoren gute Unterhaltung, das ist unser Job. Mein großes Vorbild ist Lion Feuchtwanger, und wenn ab und zu mir einer sagt: Mensch, an der und der Stelle „feuchtwangert“ dein Buch, dann freue ich mich natürlich wahnsinnig. Ohne dass ichFeuchtwanger imitieren wollte, „feuchtwangern“ reicht mir auch schon. Was ich gerne gehabt hätte, wäre gewesen – aber da wusste ich noch zuwenig über die Branche – dass der Verlag vorne draufschreibt: „Krimineller Heimatroman“. Denn für mich ist das „Heimatroman“ wichtiger als der Krimi, darum sollte das Hauptwort eigentlich „Heimatroman“ sein. Aber da haben die schlauen Leute bei Piper gesagt: „Vergiss es, dann weiß kein Mensch, wo er es hinlegen soll.“ Deswegen: Sagt alle „Regionalkrimi“, und dann kaufen es dieLeute, und dann sehen die ja beim Lesen: Es ist ja gar nicht so klischeehaft, und es bricht das Genre ja auch. Es bietet Sarkasmus, Satire. Meine Krimis sind also ein bisschen anders als der klassische Klischee-Krimi, aber das würden die hier wahrscheinlich in diesem Raum alle sagen. (Anm. d. Red.:Das Gespräch fand im Rahmen des Krimiautoren-Treffens in einem Cafè statt, in dem circa fünfzig Krimiautoren saßen.)

 

Mit hast du einen Thriller vorgelegt, der keine internationalen Vergleiche zu scheuen braucht. Wie kam dir die Idee dazu?

Danke erst einmal für das Lob. Auch bei gab es einen konkretenAnlass, eine konkrete Szene. Am 10. November 2010 wurde bekannt, dass es offenbar Anschlagspläne gab auf den Reichstag in Berlin. Ich weiß nicht, erinnerst du dich noch daran? Thomas de Maizière war damals Innenminister und hat sich vor die Kameras gestellt und hat gesagt: „Wir müssen die Reichstagskuppel sperren.“ Ich habe mir das im Fernsehen angeschaut und habe gedacht: Okay. Man hatte ja vorher schon Sauerland-Gruppe, und in Madrid und London waren vorher diese U-Bahn-Attentate, also das liegt ja in der Luft, sowas. Jetzt geht es also los. Und das fand ich schon mal hart, dass sie sagen: „Wir sperren den Reichstag für Besucher.“ Wenn die sowas öffentlich machen, dann ist schon irgendwas dran. Ich habe meinen Agenten an dem gleichen Abend angerufen, während der Tagesschau, und habe gesagt: „So ein Terrorthema. Was machen wir denn da?“ Und mein Agent, das ist so ein Klassikfan, sagte: „Bayreuth! Grüner Hügel! Da sind sie alle! Spreng in die Luft!“ – Da sage ich: „Geht nicht. Erstens kenne ich mich da nicht gut genug aus.“ – „Die kann man alle entführen und so!“ Auch ein bissl ein Revoluzzer, der Mann. Dann sage ich: „Außerdem hatte mein Freund Jan Weiler gerade in Drachensaat einen Anschlag in Bayreuth …“ Also, das hätte mich jetzt nicht wirklich gehindert, weil der Jan ein ganz anderes Buch geschrieben hat, aber mir war klar: ich müsste mich da erst einmal in diese Klassik-Szene reinfühlen. Da müsste ich erst mal einen Sommer lang nach Bayreuth gehen, denn man muss ja dieses Flair der Festspiele kennenlernen. Dann ist mein Agent auch noch Protestant und meinte: „Kölner Dom! Echt spannend, weil auch Domschatz und so weiter und so fort.“ Da sagte ich zu ihm: „Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, inspiriert mich jetzt nicht so wahnsinnig. Da kommt man doch zu leicht drauf.“ Aber, trotzdem, das war der richtige Hinweis. Denn Sekunden später ist es mir eingefallen. Er gab nämlich keine Ruhe und sagte: „Mensch, da sind doch so viele Touristen, da ist doch die ganze Welt …“ Und da kam die Idee, „Touristen“ war das Stichwort.„Weißt du, wo wirklich viele Touristen sind? Auf der Zugspitze. Und dann ist da dieses Kreuz da oben, also auch wieder wie ein Dom, wie eine Kirche, und da hast du diese ganzen technischen Anlagen, die man super sabotieren kann. Lass mich doch mal darüber nachdenken.“ Und mein Agent, er kommt aus Bayern, geht auch gerne in die Berge: „Ja, was denn, in unseren Bergen?“ – Darauf ich: „Ja, siehst du, das quält dich? Da hat noch keiner darüber nachgedacht.“ So ist die Idee an diesem Abend entstanden. Insofern bin ich dem Thomas de Maizière, oder dem BKA, oder wem auch immer, sehr dankbar, dass sie das veröffentlicht haben, denn sonst wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, so ein großes Terrording in Deutschland anzusiedeln.

 

Fährst du noch unbefangen mit der Zahnradbahn?

Ja, mit allen Zugspitzbahnen. Ich bin jetzt mit allen Bahnen mehrmals rauf- und runtergefahren. Der BR hat eine Geschichte gemacht und wir haben Filme gemacht für das Internet, da bin ich ständig damit gefahren. Ich habe überhaupt kein Problem damit. Ich würde auch niemandem raten, sich von meinem Buch abbringen zu lassen, auf die Zugspitze zu fahren. Das ist bei schönem Wetter ein super Aussichtspunkt, einen schöneren gibt es gar nicht. Und man muss sich anschauen, wie viel Technik da oben ist. Es ist wirklich teilweise ja wie im Science-Fiction-, diese ganzen Telekommunikationsanlagen. Da steht dann mittendrin noch dieses schöne alte Münchener Haus, diese über hundertjährige Alpenvereinshütte. Aber der ganze Gipfel ist ansonsten mit Beton überzogen wie eine Jacketkrone. Und wenn du dir überlegst, dass du da im Winter nicht rauf- und runterkommst ohne diese Bahn, du bist also auf einer Insel, das ist schon sehr beeindruckend. Aber auf was wir uns immer verlassen so als Menschen – da sagst du: „Da komme ich schon wieder runter.“ Ja, aber wenn da mal der Strom ausfällt, dann schaut es schlecht aus. Und über sowas kann man da oben super nachdenken. Darüber geht ja mein Buch eigentlich: Über den technischen Fortschritt und wie er sich auf den Menschen auswirkt.

 

Im Moment veröffentlichst du gerade eine Rätsel-Krimiserie, Transalp wie kam es denn dazu?

Wieder spontan, beziehungsweise hat das natürlich mit meinem Engagement rund um das E-Book zu tun. Ich habe letztes Jahr angefangen, einfach weil es mich interessiert hat. Ich habe ja sehr viel im Internet gearbeitet die letzten 20 Jahre und da fand ich es natürlich spannend: was tut sich denn da mit dem Direct Publishing? Ich habe dann einfach mal eine Kurzgeschichte veröffentlicht als Kindle-Direct-Publishing-Book. Das hat sich natürlich so mäßig verkauft, und ich habe gemerkt: Das eigentlich Schwierige ist das Bücherverkaufen, und nicht das Schreiben. Damals habe ich dann viel gepostet auf Twitter und auf Facebook, und das hat sich dann auch bei mir im Verlag, bei Droemer, herumgesprochen, und ich war da, und da sagte die E-Book-Chefin: „Mensch, können wir sowas wie diesen Mini-Krimi nicht in Serie machen? Wir möchten sowas mal machen, und zwar bitte schon so im Alpenraum.“ Die wissen natürlich, ich bin der Alpen-Spezialist mittlerweile. Da habe ich gesagt: „Ja, gut, Serie wäre natürlich toll, wenn ich jetzt aber einen einen dreihundertseitigen Text durch zwölf teile, und das ist dann eine Serie, dann ist das ja fad. Man braucht ein wirklich verbindendes Element.“ Da meinte die Verlagskollegin: „Ja, es wäre doch schön, wenn jedes Kapitel oder jede Folge aufhört mit einer Frage, wo sich die Leute dann im Internet selber was suchen müssen.“ Gute Idee, das Problem dabei ist aber: Google ist mittlerweile leider so gut, dass du eigentlich wahnsinnig wenig findest, was du nicht findest. Darum meine Anregung: Lass uns doch lieber richtige Rätselfragen machen. Zufälligerweise kenne ich den CUS, den Rätselpapst, aus meiner SZ-Magazin-Zeit. Das hat alles wirklich drei Tage gedauert, dann haben wir gesagt: Das machen wir. Der CUS hat sich auch in die Krimischreiberei reinentwickelt, und nicht nur die Rätsel geliefert. Er ist sozusagen in der Geschichte mit einem Charakter, dem Benno Spindler, vorneweg gegangen. Ich ich mit dem Ermittlerteam hinterher. Und dann haben wir beide ein Faible für die Verschwörungstheorie. Wir sind ja aich in Transalp mitten in einer Weltverschwörung mal wieder, da geht es ja um eine Nazigeschichte außenrum, und um Hitlers Vermächtnis, und um die Nibelungen, und solche Dinge. Sehr viel hat da auch der CUS beigetragen, weil er sich historisch sehr gut auskennt. Das war sehr spannend für mich, zum ersten Mal mit einem Co-Autor parallel an der gleichen Geschichte zu schreiben. Wirklich in Echtzeit, das war unter hohem Zeitdruck, das sollte ja zur Leipziger Buchmesse fertig werden. Wir haben in Google Docs reingeschrieben, gleichzeitig teilweise. Da konnte jeder dem anderen beim Schreiben zusehen, war ein großer Spaß. Der Roman ist also auch komplett im Internet entstanden, wenn man so möchte.

 

Kannst du uns schon etwas über dein nächstes Projekt sagen?

Ja, es ist gerade fertig geworden, es ist natürlich der Nachfolger vom , der heißt Herrgottschrofen. Auch das wie der ein real existierender Ort, diesmal in Garmisch, nicht in Partenkirchen – ich muss ja da auch immer ausgleichen – ein sehr schöner Felsen, an dem ich einen wichtigen Teil meiner Jugend verbracht habe. Wo dann aber Sachen passieren, die natürlich mit meiner Jugend nichts zu tun haben. Morde geschehen da, schlimme Morde. Frauen werden den Felsen runtergeschmissen, ganz schlimm geht es da zu. Der Roman ist fertig, und der kommt im Frühjahr 2013 bei Piper heraus. Für Droemer schreibe ich gerade den Nachfolger des Kreuzzugs. Damit fange ich jetzt im Sommer an, denn der kommt dann im Herbst 2013 raus. Der CUS und ich haben uns sehr verliebt in unser Ermittlerpärchen und den Verbrecher aus Transalp, und auch in dieses Setting mit den Nazis außenrum, und jetzt schauen wir mal, was wir daraus noch machen können. Transalp wird vielleicht auch als Print-Buch herauskommen, das ist ja nur ein reines E-Book, und da haben wir schon zwei, drei Ideen, wie wir das weiterentwickeln können.

 

Welches Genre bzw. welche Romane liest du selbst am liebsten?

Ich halte mich von Krimis und Thrillern so weit es geht fern, denn ich will gar nicht wissen, wie andere schreiben, ich will mein eigenes Ding entwickeln und auch gar nicht sagen: „Mensch, der ist ja viel besser, so würde ich es nie schaffen.“ Also, ich will mich gar nicht damit beschäftigen: ist der jetzt besser oder schlechter als ich. Ich lese sehr viel Sachbücher, logischerweise, für meine Themen. Oder, sagen wir mal, auch so Betrachtungen, wie jetzt gerade Alain de Boton, der das Buch über die Arbeitswelt geschrieben hat. Sehr, sehr schöne Artikel. Wenn ich Literatur lese im klassischen Sinn, das hat immer schon was mit dem 20. Jahrhundert und mit der schrecklichen Nazizeit zu tun. Ich habe die Hoffnung, dass man über Literatur das vollkommen Unverständliche, wie so eine Perversion zustande kommt, vielleicht nicht verstehen, aber vielleicht sich annähern kann. Zur Zeit natürlich Peter Nadasch, die Parallelgeschichten – da wird er wahrscheinlich den Nobelpreis kriegen, hoffe ich, das sagen einige, die mehr davon verstehen als ich. Zuvor habe ich gelesen Himmlers Hirn heißt Heydrich, von Binet und davor Erik Emmanuel Schmidt: Adolf H. zwei Leben. Für mich persönlich ist das die riesengroße Frage, die sich mir stellt: Wie konnte das geschehen? In meinem Land? Das ist mir so unbegreiflich, und dem versuche ich mich über Literatur zu nähern.

 

Du lebst momentan in München. Ist das deine Traumstadt, oder gibt es noch eine andere Stadt, in der du gerne leben würdest?

München ist die bequemste Stadt für mich, muss ich sagen, es lässt sich da auch sehr gut leben. Ich fühle mich da sehr zuhause. Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass ich wahnsinnig gerne mal im Ausland leben würde. New York wäre ein Traum. Es hat auch alles seine Schattenseiten, klar. Ich würde vielleicht auch mal am Meer leben wollen. Montpellier? Das schaue ich mir jetzt auch an. Nicht mit dem Hintergrund, da hinzuziehen; mein Französisch ist viel zu schlecht. Aber noch mal umziehen in meinem Leben – das könnte gut passieren.

 

Wie hoch ist dein aktueller SUB?

Wie bitte?

 

Stapel ungelesener Bücher. SUB.

Jetzt muss ich erst mal im Geiste in mein Schlafzimmer schauen. Also, neben dem Bett 1,20 Meter, im rechten Eck. Und nochmal zu viel im linken. Da sind aber Bücher von meiner Frau dabei. Auf dem Schreibtisch, gerade für ein aktuelles Projekt, viele Sachbücher, so 40 Zentimeter, sind wir schon auf 1,60, und dann vieles, was halt im Regal steht. Ich würde mal sagen: rund 3 Meter, wenn man es aufeinanderstellt. Ich kaufe gerne Bücher. (Lacht.) Deswegen ruinieren sich ja Autoren so. Du gehst ja ständig in eine Buchhandlung rein, um Store-Check zu machen. Drehst dein Buch so ein bisschen von Kante auf frontal, denkst dir: Wow, jetzt hast du wieder was getan für dein Buch. Gehst aber raus mit 30 Euro weniger, weil du andere Bücher gekauft hast. Das ist das Problem. Wenn man sich das abgewöhnt, kein Store-Check mehr, dann würde man mehr Geld in der Tasche haben. Nicht, weil man deswegen mehr verkauft, sondern weil man weniger ausgibt.

 

Was ist das Beste daran, ein erfolgreicher Autor zu sein, und was ist das Nervigste?

Ja, das wäre schön, wenn ich das wüsste, denn ich bin ja noch kein erfolgreicher Autor. Ich versuche, es zu werden. Das Schönste dabei, Autor zu sein, ist, dass du dein eigener Herr bist, Der Freiheitsgrad ist ziemlich hoch. Ich habe eine angeborene Chef-Allergie, und die brauche ich jetzt nicht mehr haben. Ich habe auch als Unternehmensberater freiberuflich gearbeitet, da habe ich aber immer Kunden. Gut, jetzt habe ich auch Kunden, ich habe Leser, und ich habe einen Verlag, und so weiter, aber man hat ein bisschen Abstand zu Menschen. Wobei ich Menschen gerne mag. Aber ich genieße es, für das Blatt Papier zu arbeiten, sozusagen, für meinen Computer. Das ist also schon ein bisschen so splendid isolation, wenn du das machst. Das ist das Schöne. Das Nervige für mich sind die Ablenkungen des Lebens und vor allem des Internets: Facebook, Twitter, E-Mail. Ist alles wichtig, glauben wir immer, für den Verkauf unserer Bücher, deswegen twittern wir alle wie die Wahnsinnigen oder facebooken, aber es ist ein unglaublicher Zeitstaubsauger. Ich habe mal gesagt, wenn ich drei Monate schaffe, dann kann ich mich auch abmelden. Es sind dann zwei Monate geworden, aber ich versuche, es zu reduzieren. Ich meine, fernsehen tun wir ja sowieso alle schon nicht mehr, weil man gar keine Zeit dazu hat, aber Facebook ist der nächste Zeitstaubsauger. Und teilweise nicht wirklich produktiv.

 

Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Autorenleben?

Ich war gestern Abend auf einer Lesung in Vilsbiburg, was ja in Niederbayern ist, und Garmisch-Partenkirchen ist ja bekanntermaßen in Oberbayern. Die Vilsbiburger Zeitung hat meine Lesung angekündigt mit der Überschrift: „Mönchsmord im Allgäu“. Es gibt halt übermächtige Autoren, die im Allgäu geschrieben haben. Aber da sieht man mal, wie weit Niederbayern und Oberbayern weit auseinander sind. Wenn ich nämlich nach Hamburg gehe und ich frage dort: „Wer war denn schon in Garmisch-Partenkirchen?“, sagen 90% der Leute „Ja, das kenne ich.“ Gestern in Niederbayern waren es ungefähr 20% von dem Publikum. Weil, so nah wie es ist, aber die Leute fahren nicht hin. Die fahren schon nicht nach München, die fahren nach Landshut oder so. „Was täte ich in Garmisch?“ Das ist eine ganz andere Welt … Da ist mir wieder bewußt geworden, wie kompliziert ja Bayern eigentlich ist.

 

Eine allerletzte Frage: Gibt es eine Frage, die du gerne mal beantworten wolltest, die dir aber noch keiner gestellt hat.

Ja, die Frage – das ist fast schon ein Buchtitel. Man möchte irgendwann mal gefragt werden: „Wie haben Sie es geschafft, reich zu werden und sexy zu bleiben?“

 

Und was würdest du dann darauf antworten?

Das mit dem Reichwerden ist ja das Schwierige. Das ist frühestens in 15 Jahren der Fall, und dann weiß ich nicht, ob ich noch sexy bin. (Lacht.) Ich würde dann sagen wollen:„Einfach nicht so sehr aufregen über das Leben. Einfach locker angehen lassen. Das hat mir bei beidem geholfen.“ Das wäre schön, wenn man die Antwort mit gutem Gewissen sagen könnte.

 

Dann sage ich Danke für das Gespräch!

Danke auch! Hat sehr viel Spaß gemacht!

(Das wurde geführt am 27.04.2012 in Olsberg.)

 

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Interview mit Liviu Petcu

Liviu Petcu Sehr geehrter Herr Petcu, herzlichen Dank, dass Sie sich bereiterklärt haben zu einem . Würden Sie uns zu Beginn des Gesprächs etwas zu Ihrem Werdegang erzählen?

Vielen Dank auch für das . – Ich bin in Rumänien geboren und kam knapp sechzehnjährig nach Deutschland. Ich habe zunächst ein paar Monate in Berlin gelebt. Dann kam ich nach Bad Königshofen im Grabfeld. Das ist ein ganz kleines unterfränkisches Städtchen, das aber den Vorzug hatte, gleich drei Schulen zu haben, davon eine Berufsfachschule für Musik, die für mich quasi ausschlaggebend war, mit Musik weiterzumachen. In Rumänien hatte ich das nämlich von Kindheit an gemacht, mit sieben Jahren angefangen, in der ersten Klasse. In Bad Königshofen hat sich ergeben, dass ich eine vorbereitende Ausbildung gemacht habe, drei Jahre lang, woraufhin ich dann zum Studieren nach Saarbrücken ging. In Saarbrücken habe ich zuerst Klavierlehrer studiert, dann Konzertreife Klavier, anschließend noch Dirigieren. Nach dem Studium bin ich nach Münster gekommen, zu den Städtischen Bühnen, wo ich Repetitor mit Dirigierverpflichtung wurde, bis 2007. Seit 2007 bin ich hier in München am . Und jetzt sitze ich auf dieser Couch (im ). (Lacht.)

Welche Musik haben Sie als Kind gehört?

Als Kind habe ich – hm, jetzt muss ich mal kurz überlegen: Natürlich die Klavierliteratur, die ich ja üben musste, teilweise, während meine Freunde draußen Fußball oder Tischtennis spielten und ich manchmal wehmütig aus dem Fenster schaute, während ich meine Mozart-Sonatinen und so weiter geübt habe. Also: Mozart, Klassik im allgemeinen, Beethoven. Dann kam irgendwann Queen dazu. Mein Vater hat eine Platte auf dem Schwarzmarkt erwerben können, und die habe ich dann ziemlich oft gehört. Das war irgendwann Mitte der Achtziger, da war ich noch ein Kind.

Welche Platte von Queen war das?

Greatest Hits. Ja, ansonsten, so in der Zeit eben: Michael Jackson, und auch die gute, alte Popmusik, die es heutzutage leider nicht mehr gibt, und zwar überhaupt nicht mehr gibt. Kindheit. Später kam – obwohl, zählt 15, 16 noch zur Kindheit? Ja. Dann kam nämlich Brahms in mein Leben. Seine Symphonien, Konzerte, Lieder und überhaupt. Ich hatte eine Phase, in der ich extremer Brahms-Süchtling war, kann man sagen. Fanatiker.

Und heute?

Heute, möchte ich sagen, höre ich jede Art gute Musik. Das ist natürlich ein sehr, sehr weiter Begriff, ein sehr weites Feld. Zugegeben, wenn ich privat bin, dann höre ich meistens Jazz zuhause. Funk höre ich auch ganz gerne. Ziemlich selten Klassik, das kommt irgendwie durch den Beruf – dadurch, dass wir ständig diese Musik machen, braucht man so eine Art Abwechslung oder Erholung von dem, was natürlich immer konzentriert erfolgt. Ja. Das ist dann die Entspannungsphase.

Sie haben gerade gesagt, Sie haben Klavier bis zur Konzertreife studiert. Spielen Sie noch andere Instrumente?

Nein, gottseidank (lacht).

Haben Sie musikalische Vorbilder?

Ja, da gibt es doch gewiss einige. Früher habe ich sehr für Krystian Zimerman geschwärmt, den polnischen Pianisten, der den Chopin-Wettbewerb 1975 gewonnen hat. Natürlich Vladimir Horowitz, Arthur Rubinstein – großartige Künstler. Dinu Lipatti, ein Landsmann von mir. Aber eben auch Leonard Bernstein, ganz, ganz weit oben. Ansonsten Dirigenten: Carlos Kleiber war ein ganz großartiger , den ich sehr schätze. Unter den Lebenden, gottlob: Mariss Jansons schätze ich auch sehr. Dann von den Jazzern: Bill Evans. Das ist ein unglaublich toller Pianist gewesen. Wen kann man da noch nennen? György Sebök. Das ist ein Klavierlehrer in Bloomington gewesen, in den USA, Indiana University. Bei dem hatte ich das Glück, zwei Kurse zu machen, und er hat mich sowohl künstlerisch als auch, denke ich, menschlich sehr stark geprägt.

Braucht ein Kondition, und wenn ja, was tun Sie dafür?

Die zweite Frage ist ganz schnell beantwortet: Ich tue (leider) nichts dafür. Und die erste Frage: Ja, ein braucht natürlich Kondition, und ich merke das immer wieder nach einem aufreibenden, zehrenden Abend. Wie neulich La Cage aux Folles, eine Vorstellung, die ich vorgestern zum ersten Mal dirigiert habe. Da war ich nach diesen drei Stunden schweißgebadet und ich schätze mal zweieinhalb Kilo leichter. Ich fahre ziemlich viel Rad in letzter Zeit, gerade wenn es nicht mehr ganz so kalt ist. Ansonsten laufe ich sträflich vor dem Sport davon…

(Lacht.) Das ist doch auch eine Art von Sport. – Haben Sie das absolute Gehör?

Nein.

Beeinträchtigt Sie das?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe eine Art gebundenes absolutes Gehör. Das heißt, wenn ich Klaviermusik höre, Klavierklänge, dann weiß ich meistens ziemlich genau, welche Töne das sind, welche Akkorde. Ich habe ein relativ gutes Gehör im Allgemeinen, aber, wie gesagt, nicht das absolute Gehör. Was manchmal auch störend sein kann, so habe ich zumindest von Kollegen oder Freunden, die es haben, gelernt.

Wie bereiten Sie sich auf ein neues Dirigat vor?

Ich besorge mir natürlich die Partitur. Je nachdem, was das für ein Stück ist, also in letzter Zeit natürlich meistens am Theater eine Produktion, an der ich idealerweise auch selbst beteiligt war (Einstudierung, Solo- und Bühnenproben), so dass ich die musikalischen Vorgänge vorher schon kenne. Dann gilt es eben, sich die Stimmen einzurichten, die ganzen Einsätze, die Struktur der Partitur zu erkennen und sich zu notieren, welchem Instrument man jetzt den Einsatz gibt, oder geht das jetzt in Vierteln oder in Halben und so weiter. Dann besorge ich mir auch meistens eine DVD von der Produktion, die es zu dirigieren gilt, um eben auch die Darsteller auf der Bühne zu sehen. Da schreibe ich manchmal hin: XY links vorne, oder: Chor hinten, und dergleichen. Ansonsten – um noch einmal auf La Cage aux Folles zurückzukommen: Da bin ich vor ein paar Tagen auf der Terrasse unserer Kantine gesessen, viereinhalb Stunden lang, und habe die ganzen Stichwörter eingetragen. (Dabei habe ich meine Stirn ein wenig in der Sonne verbrannt…)

Sie haben in den letzten Jahren sich hier immer sehr für das jtg engagiert, für das Junge Theater am Gärtnerplatz. Sie haben auch die letzte große Produktion von Anfang an begleitet, haben sie auch dirigiert. Erzählen Sie uns mal ein bisschen was von . Es ist ja jetzt schon wieder vorbei, es waren nur vier Vorstellungen, leider, denn es war wirklich ein ganz tolles Erlebnis.

ist, wie eigentlich jedes Projekt mit dem jtg, ein sehr kurzes Projekt gewesen, zumindest was die Anzahl der Vorstellungen betrifft. Wenn ich daran denke, dass für unser erstes großes Stück, Footloose, vor ziemlich genau drei Jahren, nur drei Vorstellungen angesetzt waren, worauf wir dann eine vierte (Zusatz-)Vorstellung bekommen haben, aufgrund der wirklich sehr großen Nachfrage, und wenn ich bedenke, dass wir immer mindestens 3-4 Monate am Arbeiten sind mit der Jugend, dann ist das fast schon, ja, wie kann man das sagen – kriminell wäre schon zu extrem formuliert – aber das steht in keinem so guten Verhältnis. Aber was ich von der Jugend gelernt habe in dieser Zeit, also seit viereinhalb Jahren, seit ich der musikalische Leiter bin, ist, dass man Energie gibt, sie aber vermehrt zurückbekommt von den Jugendlichen, und dass diese teilweise extrem anstrengende Arbeit sich tausendfach lohnt. Die Proben für fingen irgendwann im November, Anfang Dezember an. Zu Jahresbeginn habe ich angefangen, mit der Band zu proben, mit den Jugendlichen vom Pestalozzi-Gymnasium, und ich habe gezählt: Es waren genau zehn Wochen von der ersten Probe mit ihnen bis zur Premiere. Da war es zum Beispiel so, dass in der ersten Probe alles wie Kraut und Rüben klang, und die teilweise eben nicht so genau wussten, was z. B. „in zwei“ oder „in vier“ heißt, also unsere dirigentischen Basics. So kann man nur staunen, was am Ende dabei herausgekommen ist. Sogar bis zu der Tatsache, dass die Musiker unten im Graben jeden Text mitsprechen konnten, der auf der Bühne lief. Dann waren sie immer ganz Ohr, wenn plötzlich ein Extra-Lacher im Publikum war, wo sie es nicht vermutet hatten, und solche Geschichten. Besonders schön war natürlich auch die Zusammenführung jtg – stg (das Seniorentheater am Gärtnerplatz) und die acht Solisten, die wir aus dem Ensemble auf der Bühne hatten, und zu erleben, wie das so harmonisch und organisch ineinander übergeht, und dass man irgendwann tatsächlich – gut, vielleicht bin ich jetzt ein wenig voreingenommen – , aber dass man tatsächlich oft nicht unterscheiden konnte: Wer ist jetzt Profi, wer ist kein Profi – und das zeigt mir erstens, wie wichtig und wie fruchtbar diese Arbeit gerade von Holger Seitz war, dem Gruppenleiter,  und wie sich die Profis quasi von dieser Energie, die ich anfangs erwähnt habe, von dieser Energie, von dieser Verve, diesem Engagement und diesen glühenden großen Augen der Jugend haben anstecken lassen.

Wie kam es zu dieser Entscheidung, die Band mit Schülern des Pestalozzi-Gymnasiums und Mitgliedern der Münchener Musikschule zu besetzen?

Mit der Musikschule hatten wir bis jetzt schon zwei Projekte gehabt. Footloose war das erste. Daraus entstand eben der Gedanke: Lasst uns doch noch ein Stück mit denen spielen, Honk, das war das zweite. Jetzt für das dritte Stück haben wir hin und her überlegt: Ja, es soll eben diese Zusammenführung stattfinden: jtg und Profis. Die Profis haben am Ende nur auf der Bühne agiert und nicht im Graben. Eine Entscheidung, die ich auch besser fand, denn die Besetzung der Band wäre nicht so richtig kompatibel gewesen mit dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Wir haben beispielsweise nur eine Reed-Stimme dringehabt, also eine Bläserstimme, die zwischen sechs Instrumenten wechselt. Darunter auch ein Saxophon, und das wäre sowieso ein Gast gewesen; ferner nur eine Violine, die zu Akkordeon bzw. Bratsche in drei-vier Nummern wechselt. Kurzum: verschiedene technisch-organisatorische Argumente. Und dann habe ich mir gedacht: Warum nicht Pestalozzi? Denn es war auch früher, noch vor meiner Zeit hier am Gärtnerplatz, so, dass man sehr gut mit diesem Gymnasium zusammengearbeitet hat. Darüber hinaus hatte ich in meiner früheren Band, also von Footloose und Honk, auch zwei, drei Leute vom Pestalozzi-Gymnasium, die ich sehr geschätzt habe. Und dann dachte ich mir: Gut, dann machen wir jetzt ein pädagogisches Projekt auch in der Band daraus. Also quasi, dass junge Menschen die Möglichkeit bekommen, etwas von Anfang an mitzulernen und bis zur Aufführung zu bringen. Das, was im jtg eigentlich blüht; eine Chance, wie die sie bekommen: Hätte ich die in meiner Kindheit gehabt, dann wäre ich mit Sicherheit noch früher zum Theater gekommen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Musiker ausgewählt?

Nach gar keinen. Ich habe sie strenggenommen zugeteilt bekommen. Ich hatte eine Kontaktperson am Pestalozzi-Gymnasium, Sebastian Reutter. Er hat quasi für mich das übernommen, er hat mit den ganzen Instrumentallehrern gesprochen – er kennt ja sein Kollegium – und die sagten: „Ja, der käme dafür in Frage, die wäre ganz gut, und der wäre noch nicht ganz so weit, deswegen nehmen wir den“, und so weiter. Dann habe ich eine Liste bekommen mit Jugendlichen, die zwischen 15 und 17 waren, einer ist 18, glaube ich. So um den Dreh. Ziemlich junge Menschen, natürlich, verglichen mit dem jtg – naja, obwohl mittlerweile das jtg sich auch verjüngt hat in letzter Zeit. Gerade bei diesem Projekt haben wir etliche 16- und 17-jährige drin. Insofern hat es auch wieder gepasst.

Wie war die Arbeit mit den Jugendlichen, im Unterschied zu Profimusikern?

In der Band? Es war zeitweise eine sehr anstrengende Angelegenheit. Weil Jugendliche doch gleichermassen ziemlich unruhig und lethargisch sein können. Wir haben ja immer samstags geprobt, und das ist ihr Wochenende. Es sind so viele Eindrücke, die auf sie einprasseln: „Ach, das habe ich dir noch nicht erzählt“ , “wie war denn deine Franz-Schulaufgabe?” etc. – und dann sitzen sie nebeneinander … Die Disziplin, großes Stichwort. Dazu kam, dass sie, wie gesagt, noch nicht so genau wussten: wie spielt man eigentlich diesen Ton? Oder: was meinst du: „in vier“? Einerseits. Andererseits haben die sich unglaublich gesteigert, in jeglicher Hinsicht. Und, man muss sagen, jetzt im Vergleich zu den Profis, dass die Jugendlichen einen unheimlichen Lerneifer haben, und eine Wissbegier und eine Neugier im allgemeinen, die ich den Kollegen aus meinem Orchester hier am Gärtnerplatz um Gottes Willen nicht absprechen will, aber wie das halt so ist: Profis sind Profis, die wissen ganz genau, was sie tun. Es geht um Nuancen bei einer Einstudierung. Sie schauen nach vorne zum Dirigenten, Taktstock, Dirigier-Figuren, Tempo, Ausdruck. Bei den Proben sagt er eben, wie er es haben will, und das wird dann auch gemacht. Mit den Jugendlichen war es dann doch ziemlich anders; eine Mischung aus Pädagogik, Entertainment, Zehnkampf und Fun. Ich hatte wahnsinnigen Spaß mit ihnen, weil ich auch oft genug fünf habe gerade sein lassen. Dadurch, dass ich selber Klavier gespielt habe und durch die ganze Proberei selber nicht so richtig zum Üben meiner Partie gekommen bin, wie ich es ansonsten gemacht hätte. Auch durch diesen Mix: dirigieren und selber spielen, da habe ich mir auch gedacht: Das wird so schon gehen; ich muss die jetzt nicht unnötig überstrapazieren und quälen.

Hat das Musical musikalische Besonderheiten?

Dieses Musical ist – ich sag mal so: ein Sammelsurium von Einfällen und Klischees, und zwar nicht im negativen Sinne Klischees, sondern musikalischen Typologien, und dieser Mix veredelt einerseits das Stück und macht es andererseits angreifbar. Sprich: „Mensch, das klingt ja wie das.“ Oder: „Das hat er bei dem-und-dem geklaut“ oder ähnlich. Es gibt wiederum ja auch Stücke, die klingen wie Mozart. Oder wie Haydn. Mozart klingt manchmal wie Haydn. Das ist das, was man Stilistik nennen würde. Nehmen wir das Beispiel „Und jetzt“. Das ist eine der Nummern, wo die Driscolls, Harry und Maggie Driscoll, singen und ihre Machenschaften durchziehen. Es ist eine Swingnummer, die natürlich an Leonard Bernsteins West Side Story angelehnt ist. Das hört jeder Esel, um Johannes Brahms zu zitieren, der das gesagt hat, nachdem man das Thema in seiner ersten Symphonie im letzten Satz moniert hat: „Mensch, das klingt ja wie Beethovens Ode an die Freude.“ Worauf Brahms: „Jawohl, und noch merkwürdiger ist, dass das jeder Esel gleich hört“. Mit anderen Worten: wenn man das bewusst macht und bewusst anlehnt, aber dann doch das gewisse Quentchen Andersartigkeit reinbringt, dann finde ich das einfach gut. Und nicht wie es in der einen oder anderen Kritik rüberkam: „epigonenhaft“ und so weiter. Ich finde das irrelevant. Oder es gibt zum Beispiel in „Harrys Traum“, wo er auf der Bühne auf seinem Fahrrad erscheint und nicht nur von seiner Krämerhalle träumt, sondern von ganz verrückten Dingen und natürlich auch ein bisschen nackte Haut gezeigt wird auf der Bühne, und viel Bein, da gibt es eine hinreißend getanzte Samba. Eben dieses Samba-Stück, das muss man auch erst mal schreiben in einem Musical; das passiert nicht immer! Es ist ein sehr schöner Mix, wie ich finde, aus schönen Balladen, aus ganz zärtlichen Nummern, wo Vater Vitalis auftritt, mit seinen drei Tieren und seinem Findelkind Remi, das er freikauft: Das ist eine ganz lyrische Musik. Auch alles sehr transparent instrumentiert, sowohl in den schnellen Show-Nummern als auch eben in den leisen Passagen. Dann gibt es natürlich auch – was mich in der Arbeit manchmal zur Weißglut gebracht hat – ziemlich schwere, komplizierte Nummern, meistens genau dann, wenn auf der Bühne viel Aufregung ist. Als eben Remi verkauft werden soll auf dem Jahrmarkt. Oder wenn es zu der Schlägerei kommt zwischen dem Polizisten und Vater Vitalis. Da wechseln die Taktarten ständig, und das muss man eben koordinieren können von unten, vom Dirigenten- bzw. Pianistenpult. Das war nicht immer einfach, denn man muss ja immer auf das Bühnengeschehen reagieren. Dafür gibt es die sogenannten Vamps, wo man einfach abwarten muss, bis das Stichwort kommt bzw. bis die Position erreicht wird, und dann muss es weitergehen, und dieses Weitergehen läuft nicht immer so reibungslos ab. Aber das haben wir am Ende doch gut hingekriegt.

Der Komponist war in der Premiere anwesend – hatten Sie Kontakt zu ihm?

Ja, ich habe mich durch die gefühlt 230 Leute durchschlängeln können, die in der Kantine waren, und er war voller Lob für die Produktion im Ganzen und im Besonderen eben für die Band. Ich musste ihm versprechen, dieses Lob weiterzugeben. Was ich natürlich mit größtem Vergnügen getan habe, wo meine Band dann eben auch mit Riesen-Augen mich angeschaut hat, mit offenem Mund: „Wirklich?“ – Ja, wirklich. Er fand es großartig und erzählte auch von der Premiere bzw. von der Uraufführung in Oslo – er sagte, es sei ein Theaterorchester gewesen, ich weiß es nicht, wird schon so stimmen – wo ihn der Kontrabassist damals angesprochen hat: „Wie kann man sowas schreiben? Das kann man ja gar nicht spielen!“ Genauso die Posaunenstimme, die ist teilweise fast schon überambitioniert gewesen – die Stimme, meine ich – und der Kollege Willert, der das bei uns gemacht hat, aus dem Orchester, der hat auch die ganze Zeit gesagt: „Das Ding hat es in sich.“ Er hat hier und da Dinge verändert, damit die Geste stimmt. Der Komponist war wie gesagt sehr, sehr angetan und sehr glücklich, genauso sein Partner Wiik, der Librettist des Stückes.

Das war ein sehr schöner Erfolg zum Ende der fünfjährigen Ära des jtg. Wissen Sie schon, wie es weitergeht mit der Jugendarbeit hier am ?

Ehrlich gesagt, nein. Das weiß ich noch nicht. Es heißt, dass es Jugendarbeit geben wird; ich weiß allerdings nicht genau, in welcher Form. Ich denke, das wird sich spätestens im Herbst zeigen, wenn das neue Team seine Arbeit aufnimmt.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf, und was ist das Nervigste?

Das Beste an meinem Beruf ist, dass man etwas erlebt, und zwar tagtäglich erlebt oder erleben kann, sagen wir mal so … (das ist ja in den Proben nicht immer Höchstform. Manchmal wird auch markiert, manchmal wird auch nur improvisiert ) – aber dass man Kunst bekommt von den Kollegen oder teilweise auch selbst mit verantwortet, die man ansonsten nur als Publikum oder Zuschauer erleben würde. Vor zwei Jahren, glaube ich, habe ich eine Probe gehabt, Zauberflöte, und eine liebe Kollegin hat „Ach, ich fühl’s“ gesungen, Paminas Arie, und sie hat das so gemacht, als wäre sie auf der Bühne gewesen, obwohl das nur ein Klavier war, total verstimmt, muss man dazu noch sagen. Ich habe sie am Klavier begleitet, und hinterher war ich gerührt und glücklich. Ich war einfach so sprachlos, dass das gerade passiert war. Und sie auch. Wir haben uns alle nur angestrahlt. Wir waren nur zu dritt: die Regisseurin, diese und ich. Ja. So etwas passiert in meinem Beruf, wenn sich das ergibt. Und das tut es ziemlich oft. – Nervig ist, wenn ich im Supermarkt an der Kasse bin und man sagt zu mir: „Schönes Wochenende!“ … denn ich habe kein Wochenende. (Lacht.) Ja. Nein, das ist eigentlich nicht nervig. Manchmal ergibt sich ein ziemlich hartes Pensum an Arbeit. Ich habe zum Beispiel jetzt – der letzte Sonntag war mein erster freier Sonntag seit neun Wochen, glaube ich, und seit Januar hatte ich vielleicht zwei, drei freie Tage, und das sind immerhin jetzt drei Monate gewesen. Sowas kann eben auch passieren.

Haben Sie noch ein Wunsch-Stück, das Sie irgendwann unbedingt dirigieren möchten?

Naja, da wären schon eine ganze Menge, so gesehen. Ich würde am liebsten alle Mozart-Opern mal dirigieren. Brahms, mit dem ich großgeworden bin (lacht). Seit 2002 bin ich ja auch Wagnerianer, auch wenn man das nicht so mitkriegt. Natürlich, wie denn auch. Hier am geht das ja kaum. So ein Tristan, das wäre doch großartig. Aber eben auch das, was jetzt ansteht: Cabaret werde ich auch übernehmen in der nächsten Spielzeit, da freue ich mich auch unheimlich darauf. La Cage Aux Folles hatte ich jetzt vor ein paar Tagen das Vergnügen. Die Zauberflöte kommt am 8. April, meine erste, und da freue ich mich auch irrsinnig darauf.

Das wäre eigentlich schon meine letzte Frage gewesen: der Ausblick auf die Zukunft. Kommt nächste Spielzeit noch etwas?

Die nächste Spielzeit wird zumindest von der Vielfalt der Arbeit, was das Dirigieren zumindest angeht, etwas entspannter. Ich werde in zwei Stücken dabei sein, und zwar in Dschungelbuch und Cabaret. Das werden die Stücke sein, die ich nachdirigieren werde. Ich freue mich auch sehr darauf, ich freue mich im allgemeinen auf diese Umbauzeit. Naja, man kann schon mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man daran denkt, was alles passiert. Aber genau dieses Ungewisse und dieses Chaos, das erwarte ich mit großer Vorfreude, denn – das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hobbyphilosophisch, aber Chaos ist ja durchaus etwas Künstlerisches. Also, aus Chaos entsteht oft Ordnung, oder wenn man das Chaos irgendwie bändigt, dann wird etwas Kreatives oder etwas Schönes daraus. Das ist das eine, was uns/mir hier am Gärtnerplatz blüht. Ansonsten erhole ich mich immer wieder mit Liederabenden oder Chanson-Abenden. Chanson, Jazz, all das mache ich in letzter Zeit verstärkt, und verstärkt gerne, und das werde ich auf jeden Fall auch weiter verfolgen.

Dann wünsche ich alles Gute für die Zukunft und sage herzlichen Dank für das !

Danke ebenfalls!

(Dieses wurde geführt am 30.03.2012 in München.)

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Interview mit Elke Pistor

Elke Pistor Liebe Elke, herzlichen Dank, dass du dich bereit erklärt hast zu einem auf dem Blog „Nacht-Gedanken“. Stellst du dich uns kurz vor?

Mein Name ist , ich bin Krimiautorin, und zurzeit bin ich auf der Criminale im Hochsauerlandkreis, wo alle Krimiautoren zusammengekommen sind, um ein großes Krimifestival zu feiern.

 

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Durch einen Zufall. Ich habe, als ich 40 Jahre alt wurde, mir überlegt, dass ich gerne ein neues Hobby hätte. Ich habe geschwankt zwischen einem Schwedischkurs, weil mein Mann Schwede ist, damit ich endlich richtig Schwedisch lernen kann, und einem Kurs in kreativem Schreiben. Ich habe mich dann für das kreative Schreiben entschieden, und aus dem ursprünglich geplanten Hobby ist mittlerweile mein Beruf geworden.

 

Wie findest du deine Geschichten – oder finden sie dich?

Die Auslöser für die Geschichten finden mich. Zum Beispiel für das neue Buch, an dem ich gerade arbeite: Es wird heißen und im Herbst erscheinen. Dazu ist mir die Idee gekommen, als ich in Gemünd, dem Ort, in dem der Krimi spielt, eine Straße entlang gefahren bin und aus dem Augenwinkel gesehen habe, wie ein Haus abgerissen wurde, das ich schon seit meiner Kindheit kannte. Dieses Haus war ein sehr imposantes Herrenhaus, und ich wusste durch Zufall, wie der Keller aussah, und habe gedacht: „Das ist ganz klasse, da finden die jetzt eine Leiche.“ Diese Idee kam mir im Vorbeifahren mit 50 km/h, und aus dieser Idee hat sich dann über die Recherche, die sehr erstaunliche und für mich als Gemünderin sehr erschreckende Sachen zu Tage gefördert hat, langsam die Idee zu dem Buch entwickelt. Danach ist die Plot-Arbeit eine strukturierte Arbeit. Aber der Impuls kam aus diesem Augenwinkel-Augenblick des Vorbeifahrens.

 

Sitzen deine Figuren am Frühstückstisch?

Nein. Am Frühstückstisch sitzt meine Familie, und die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe, die gehört auch meiner Familie. Aber sobald alle aus dem Haus sind, kommen auf einmal die Figuren und bevölkern unser Haus. Allerdings ist es auch so, dass ich dann nicht irgendwo sitze und auf die Muse warte, sondern ich bin jemand, der an den Schreibtisch geht, den Computer anschaltet und ganz normal wie in einem Bürojob erst mal die Kleinigkeiten erledigt. Als nächstes mache ich mich an die Überarbeitung von Szenen, die ich am Tag vorher geschrieben habe, und danach an die neuen Szenen.

 

Haben deine Figuren ein Eigenleben?

Manchmal hätten sie gerne, aber ich lasse sie nicht. – Also, sie haben insofern ein Eigenleben, weil vor allen Dingen meine Serienfiguren, Ina Weinz, und auch ihr – wie soll ich das ausdrücken – ihr „mal mehr, mal weniger“-Freund, der Förster Steffen Ettelscheid, in meinem Kopf mittlerweile so stark vertreten sind, als ob es sie wirklich geben würde. Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, muss ich mir klarmachen: Moment, die gibt es ja gar nicht wirklich. Weil ich sie so in ihren Tiefen und ihren Ecken und Kanten mittlerweile kenne, dass sie für mich sehr plastisch sind. Das versuche ich rüberzubringen. Und dann passieren solche Sachen, dass zum Beispiel in einer Szene, die ich eigentlich geplant habe, die ich von der Dramaturgie her strukturiert habe, auf einmal aus dieser Persönlichkeit und aus dem Charakter heraus irgendetwas passiert, bei dem ich denke: O ja, das passt. Lass das mal jetzt so laufen. Und guck mal, wie sich das entwickelt. An dem Punkt haben sie natürlich ein Eigenleben, aber nicht so, dass sie mir völlig davongaloppieren, sondern in diesen persönlichen Eigenheiten. Dann ja.

 

Wie viel von dir steckt in Ina Weinz?

Eine von mir sehr geschätzte Kollegin hat gesagt: „Natürlich steckt eigentlich alles von uns in unseren Figuren, weil sie ja durch unsere Köpfe auf die Welt kommen.“ Aber es ist schon so, dass man ganz bewusst Sachen ganz anders macht. Natürlich ist es meine Sicht auf die Welt, die ich zwar versuche, durch die Augen meiner Figuren zu sehen, aber so, dass ich sage: Die ist wie ich, oder: Die reagiert jetzt so wie ich in dieser Situation reagieren würde – das ist nicht so. Allerdings, hat meine Ina Weinz zwei Sachen mir gemeinsam: Das eine ist die Liebe zu Strickjacken jeglicher Art – ich habe auch jetzt wieder eine an (lacht) – und die Liebe zu Katzen. Und das arbeite ich hemmungslos in die Bücher ein.

 

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Der Schreibrhythmus richtet sich nach unserem Tagesrhythmus. Das heißt, wenn meine Familie morgens aus dem Haus ist, habe ich die Möglichkeit, einen Acht-Stunden-Arbeitstag zu machen, und den nutze ich auch. Wobei ich nicht acht Stunden am Stück schreibe, sondern als Autor muss man ja viele Sachen machen: Lesungen akquirieren, Pressearbeit machen, Interviews führen (lacht). Die Schreibarbeit selber nimmt ungefähr die Hälfte des Tages ein. Beziehungsweise, es gibt auch immer wieder Tage, an denen ich recherchiere und unterwegs ist. Das macht mir besonders Spass, wenn ich zu bestimmten Themen ganz tief in die Materie einsteigen kann. Oft passiert es mir allerdings, dass mir das dann entgleitet, weil ich so fasziniert bin von dem Thema, von Hölzchen auf Stöckchen und immer weiter, und immer mehr, und ich nachher unheimlich viel weiß über ein bestimmtes Wissensgebiet, das im Buch später vielleicht auf einer halben Seite vorkommt. Das erfordert etwas Disziplin, vor allen Dingen, wenn man einen Abgabetermin im Rücken hat, zu sagen: „So, jetzt tu das weg und schreib weiter!“ Aber es ist natürlich auch sehr inspirierend. Je mehr Ahnung man hat von einer Sache, umso besser kann man auch darüber schreiben, und umso mehr fällt mir dann auch ein, was ich damit machen könnte.

 

Und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Mich hinsetzen und trotzdem schreiben. Also, zu warten, dass einen die Muse küsst, das geht nicht, wenn man als professioneller Autor arbeitet. – Gut, reinkommen klappt bei mir immer dadurch, dass ich die Szenen, die ich am Vortag geschrieben habe, überarbeite. Das ist eigentlich immer der Einstieg. Wenn ich das Gefühl habe, es geht gar nichts heute, fange ich an und gehe ganz strukturiert vor, arbeite streng nach dramaturgischen Regeln. Ich gucke mir dann an: Was brauchst du für die Szene, wo gehst du rein, wo gehst du raus, was soll da passieren, was ist das Ziel der Szene? Was hat die Protagonistin für ein Ziel in der Szene? Wenn ich an diesem Gerüst drehe und schraube, kommt auch oft eine Inspiration, wie ich das Ganze in ein lebendiges Bild packe.

 

Wie und wo schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen dazu?

Ich brauche Ruhe, ganz wichtig. Ich kann gar nicht, wenn es um mich herum laut ist. Ich schreibe in den meisten Fällen an meinem Schreibtisch. Ich bin niemand, der mit dem Laptop in Cafes zieht oder sich in den Garten setzt. Ich sitze am Schreibtisch, mein Schreibtisch bedeutet Arbeitszeit.

 

Welche Phase eines Buches oder einer Kurzgeschichte ist die anstrengendste für dich?

Der Anfang. Der Übergang von der Idee zum Papier – also, ein Buch wächst über Monate hinweg nur als Phantasie. Und zwar so weit, dass ich im Grunde genommen nachher eine Art im Kopf habe, den ich, wenn ich dann wirklich anfange zu schreiben, „nur noch“ abschreibe. Dem vorausgegangen ist die Impulsidee, ist eine Recherche, ist eine Struktur der Grund-Dramaturgie. Und dann beginne ich, hin und her zu überlegen. Wenn ich anfange, zu schreiben, bin ich meistens auch relativ schnell, in drei bis vier Monaten, fertig mit dem Buch. Allerdings habe ich es davor acht Monate in Herz und Hirn bewegt, bis es dann „rauskommt“.

 

Du hast neben zwei Eifel-Krimis auch einen Mystery-Krimi veröffentlicht, „“. Wie kam es denn dazu?

Dazu kam es auf zweierlei Arten. Zum einen habe ich selber einen Hang in dieses Genre: Ich lese gerne Mystery-Bücher, und dann kam das Angebot des Verlags, einen Mystery zu schreiben. Das passte schon mal sehr gut, und darüber hinaus hatte ich auch bei diesem Buch einen Auslösermoment, nämlich dass ich vor dem Dom gestanden und auf eine Freundin gewartet habe und mich, anstatt die Leute zu begucken, umgedreht und die Portale des Doms angeschaut habe. Da ist mir dieser eine Engel ins Auge gefallen, seine abgebrochene Nase, und dem sichtlich ein Stück in der Hand fehlt, so dass dann diese Maschinerie in meinem Kopf anlief und die Frage: „Was wäre, wenn du jetzt nicht ein einzelner Steinengel wärst, sondern wenn du etwas anderes wärst? Was wärst du dann? Wo kommst du her? Warum sitzt du da?“ So ist die Idee entstanden, ich habe das Angebot des Verlags angenommen und gesagt: „Ja, ich habe eine Idee, wir können das machen.“ Es hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht, vor allen Dingen die Recherche des historischen Handlungsstrangs. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich da noch mal was mache, mit dem Schwerpunkt Historie. Vielleicht einen historischen Krimi, weil mir das wirklich viel Spaß gemacht hat, in der Geschichte zu wühlen und auf Geschichten in der Geschichte zu stoßen.

 

Da komme ich gleich zu meiner nächsten Frage: In welchem Genre möchtest du unbedingt noch mal einen Roman schreiben?

Ich möchte gerne einen Liebesroman schreiben. (Lacht.) Das ist das übernächste Projekt nach dem, was ich jetzt gerade schreibe. Das wird Ende Mai fertig werden, also das Roh-Manuskript. Danach geht es an einen Thriller, der für übernächstes Jahr geplant ist, und wenn ich den fertig habe, dann setze ich mich an den Liebesroman, der im Moment schon so in meinem Hinterkopf schwirrt und dreht und sich wendet. Mal sehen, ob und wie er ans Tageslicht kommt; aber ich hoffe es sehr, denn da freue ich mich darauf, da habe ich Lust darauf, das zu machen. Mal was völlig anderes, ohne Krimi, ohne Tote, sondern wirklich auf die Figuren konzentriert, und da freue ich mich sehr darauf, wenn das läuft.

 

Und welches Genre kannst du dir gar nicht vorstellen?

Ich kann ganz schlecht mir vorstellen, selber Science Fiction zu schreiben: Aber nicht, weil ich es nicht mag: Ganz im Gegenteil, ich lese sehr gerne Science-Fiction-Sachen. Aber um so etwas glaubwürdig rüberzubringen, muss man eine gewisse Grundkenntnis haben – meine Meinung – und die habe ich nicht. Ich bin, was das angeht, komplett unbegabt und könnte mir niemals diese technischen Details antun. Das würde mich langweilen, das für mich zu erarbeiten, aber lesen tue ich es wiederum ganz gerne.

 

Mit deinen beiden Eifel-Krimis bist du ja jetzt in die sogenannte Regio-Krimi-Schublade gesteckt worden. Hast du ein Problem damit?

Nee, habe ich überhaupt nicht, weil meine Kommissarin Ina Weinz auch eine Regio-Kommissarin ist, ganz bewußt von mir dort angelegt, wo ich selber groß geworden bin. Das heißt, es steckt für mich natürlich eine Menge Heimat drin, und insofern ist das auch völlig in Ordnung. Was natürlich nicht heißt, dass ich als Autorin immer auf der Regio-Schiene bleibe, aber Ina Weinz wird auf der Regio-Schiene bleiben. Da ist sie gut aufgehoben.

 

Das heißt, du kannst dir auch gut vorstellen, mal einen Roman zu schreiben, der irgendwo anders spielt?

Also, der Thriller, der ja jetzt dann als nächster auf dem Arbeitsplan steht, der ist ein „nicht-verorteter“ Thriller, wie man das so schön nennt. Der Liebesroman natürlich auch. Natürlich muss jedes Buch irgendwo spielen. Aber es ist ja noch mal ein Unterschied, ob man jetzt ganz bewusst sagt: Regio. Ein Regio-Krimi hat ja für mich eigentlich das Kennzeichen: er kann nur da spielen, weil bestimmte Gegebenheiten oder Charaktereigenschaften der Leute nur da zu finden sind. Ich kann jetzt nicht einen Eifel-Förster durch Paris laufen lassen, dann ist der Witz weg. Das wäre zwar eine andere schöne Geschichte, aber eben nicht diese Geschichte. Und so ein Thriller, der hat einfach noch mal andere Anforderungen. Da geht es um ganz andere Sachen. Da geht es nicht darum, dass die Leute einen Wiedererkennungseffekt haben. Nicht, was die Gegend angeht. Vielleicht, was dann psychologische Macken von Leuten angeht, das ja. Aber die sind nicht verortet. Die können überall passieren.

 

Hast du literarische Vorbilder?

Ja und nein. Es gibt immer wieder Kollegen, bei denen ich völlig begeistert bin von der Sprache, die ich sehr gerne lese – wobei ich das jetzt nicht an Namen festmachen möchte, weil es auch durchaus so sein kann, dass das eine Buch mir unheimlich gut gefällt und das andere gar nicht. Grundsätzlich gefällt es mir sehr gut, wenn ich merke: da versteht jemand sein Handwerk. Dass ich merke: Da ist die Handlung durchdacht, da hat man sich auch die Mühe gegeben, es noch mal von hinten aufzurollen und – also gerade bei den Krimis: auf Logikfehler abzuklopfen. Wenn ich merke, da ist jemand, der spielt mit Sprache und schafft es trotzdem, die Sprache seinen Protagonisten anzupassen. Dann lese ich das sehr gerne. Und die intelligenten Kriminalfälle. Für mich muss nicht eimerweise Blut verspritzt werden, sondern ich finde manchmal das leise Psychodrama schöner als den Splatter.

 

Liest du dann eher querbeet?

Im Moment lese ich gar nicht querbeet, sondern im Moment lese ich nur Krimi. Das hat aber damit zu tun, dass ich derzeit in der Jury sitze für den Friedrich-Glauser-Preis, in der Debüt-Jury für 2013. Das lässt mir keine Zeit, irgendetwas anderes zu lesen als die Debütbücher, die mir zugeschickt werden. Aber auch das ist eine sehr interessante Palette, die auf meinem Tisch landet; die ich mir vielleicht so nie im Buchladen oder in der Bücherei ausgesucht hätte. Es ist immer wieder überraschend und immer wieder spannend, zu sehen, was da kommt.

 

Welche Musik hörst du am liebsten?

Ich muss es gestehen, ich höre Punkrock, ich mag laute Starkstrom-Gitarren. Ich habe in meiner Jugend solche Sachen gehört wie Ramones und The Clash, und später ja, das ist allerdings kein Punkrock, sondern eher so die düstere Ecke, Sisters of Mercy und The Cure und so was alles, das ist meine musikalische Heimat. Die Ärzte seid es sie gibt, bis heute. Im Moment, das kann ich sagen, bin ich ein sehr großer Fan der einzigen Eifel-Punkrock-Band, Jupiter Jones. Die übrigens auch meine Kommissarin sehr begeistern. Das ist noch eine Gemeinsamkeit. Auch Ina Weinz singt schon mal in ihrem Auto laut einen Titel von Jupiter Jones mit.

 

Lässt du dich dann von Musik beim Schreiben inspirieren?

Nein! Weil ich Ruhe brauche. Also, ich weiß, dass es Kollegen gibt, die lassen während des Schreibens Musik im Hintergrund laufen. Das könnte ich gar nicht. Also schon mal keine mit Text, und schon mal gar keine mit Text, den ich verstehe. Also, deutsche Musik im Hintergrund laufen lassen, ginge überhaupt nicht. Was vielleicht ginge, wäre klassische Musik, aber da ich wirklich die Ruhe brauche, um diese Gedankengänge gehen zu können: keine Musik. Was mich schon mal inspiriert, sind dann in der Tat Liedzeilen. Wenn ich dann ein Stück Text höre und darüber nachdenke, was damit gemeint sein kann. Das wiederum kann mich vielleicht für eine Szene inspirieren. Aber nicht während des Schreibens.

 

In welcher Stadt möchtest du gerne leben?

In Köln.

 

Und sonst nirgendwo?

Nein. Ich bin sehr verwurzelt. Köln ist furchtbar, Köln ist dreckig, Köln ist eine Stadt, die mittlerweile pleite ist. Die haben einen schrecklichen Fußballverein, an dem ich ganz furchtbar hänge. Die Kölner Fußballfans sind ja erst im Elend wirklich gut, da gehöre ich auch zu. Ich möchte nicht weg aus Köln. Was nicht heißt, dass ich nicht gerne wegfahre und verreise, aber es ist immer wieder schön, heimzukommen. Wenn ich ganz lange weg war – es gibt so Phasen, wo ich dann auch mal so 6-8 Wochen unterwegs war, da fahre ich danach in die Stadt und stelle mich einmal vor den Dom und sage: „So, jetzt bin ich wieder da.“ (Lacht.) Das ist wichtig.

 

Wie hoch ist dein aktueller SUB?

Durch die Jury-Arbeit stapelt sich natürlich eine Menge. Der SUB der Kollegen-Bücher, die ich gerne lesen möchte oder die ich empfohlen bekommen habe, der ist relativ groß im Moment, und wird auch ganz furchtbar anwachsen. Ich denke mal, dass ich, wenn ich dieses Jury-Jahr hinter mir habe, ein weiteres Jahr brauche, um meinen SUB abzuarbeiten. Im Moment liegen, glaube ich, 9 oder 10 Bücher auf dem nächstes Jahr zu lesenden SUB, und wir haben jetzt schon etliche Jury-Bücher bekommen.

 

Das ist dann für die Criminale 2013?

Für den Friedrich-Glauser-Preis Debüt 2013, genau. Da können Bücher, die vom 1.1.2012 bis zum 31.21.2012 als Debüt-Krimi erscheinen, eingereicht werden. Debüt heißt, die AutorInnen dürfen noch gar kein anderes Buch veröffentlicht haben. Die werden in dieser Sparte bewertet und der oder die Gewinner/-in wird auf der Criminale in Bern 2013 bekannt gegeben.

 

Du hast gerade schon erwähnt, im Herbst kommt dein neuer Ina Weinz-Krimi. Kannst du uns schon ein bisschen was dazu erzählen?

Ja. Die Assistentin meiner Kommissarin Ina Weinz, die bekommt dieses Mal eine eigene Erzähl-Perspektive. Sie konnte ja nicht immer Praktikantin bleiben. Judith Bleuler ist in der Tat jetzt eine eigenständige Kommissarin geworden. Die beiden treffen wieder aufeinander, nicht ganz freiwillig und nicht ohne Probleme. Es wird um Vergangenheit gehen, es wird um die Gegenwart gehen, beides durchmischt und miteinander verwoben. Im Moment bin ich in den letzten Zügen: Ich habe jetzt noch einen Monat und siebzig Seiten vor mir, die noch geschrieben werden wollen. Es macht mir sehr viel Spaß mit diesem Buch, weil ich für einen Handlungsstrang sehr viel in der Gemünder Geschichte recherchieren konnte, der sich ausschließlich mit einer Zeit Anfang des letzten Jahrhunderts beschäftigt. Das hat mich schon wieder gepackt, das hatte fast schon was von Heimatforschung. Ich arbeite in dem Fall auch in der Tat mit einem Heimatforscher zusammen, um diese geschichtlichen Fakten richtig wiederzugeben. Mehr möchte ich eigentlich noch gar nicht verraten. Das große Thema dieses Romans ist: Schuldlos schuldig. Was bringt Leute dazu, einen Mord zu begehen, obwohl ihre Persönlichkeitsstruktur sehr friedlich ist? Was passiert, wenn äußere Zwänge und starke Einflussnahmen dazu kommen? Und vor allen Dingen, die große Frage ist: Was macht Gewalt mit und aus einem Menschen? Also, Gewalt, die man jetzt nicht im finalen Sinne einmal erlebt, sondern eine Gewalt, der man permanent ausgesetzt ist. Was macht die mit dem Charakter? Wie reagieren die Leute da? Und da ist natürlich so ein Krimi ein wunderbares Feld, um das in ganz verschiedenen Facetten auszuarbeiten. Das ist es, was mich bei der Arbeit an diesem Krimi besonders interessiert hat. Natürlich begegnen alle meine Protagonisten Gewalt in unterschiedlichen Ausführungen. Es gibt ja direkte Gewalt, es gibt aber auch jede Menge indirekte Gewalt, und alle reagieren anders, alle gehen unterschiedlich damit um, und dann ist die Frage: Wann ist man noch schuldlos schuldig? Oder ist irgendwo der Schritt, zu sagen: Nein, das ist jetzt bewusst, was du gemacht hast? Diese Entwicklung in einem Charakter hat mich sehr interessiert, und das spiegelt sich dann hoffentlich auch in dem Roman wieder.

 

Den Titel kannst du uns schon verraten?

Den kann ich schon sagen. Er heißt , und ich denke, das trifft es sehr gut.

 

Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Schriftstellerin zu sein, und was ist das Nervigste?

Das Beste daran ist, dass ich eine Arbeit machen darf, die meinen Neigungen entspricht und die meine Neugierde befriedigt. Selbst wenn ich morgens müde bin, Kopfschmerzen habe und denke: Oh nee, du hast jetzt eigentlich überhaupt keine Lust! – dann reicht ganz oft der Gedanke: Es könnte jetzt auch sein, dass du etwas völlig anderes in deinem Leben hättest machen müssen. Wenn du jammerst, jammerst du auf einem hohen Niveau. Ich betrachte es immer wieder als Geschenk, dass ich das machen darf. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich da hingekommen bin, also bis ich das gefunden habe, diesen Beruf zu machen, und bin da einfach unglaublich froh darüber – auch wenn mir die Brötchen nicht vom Himmel in den Schoß fallen. Das ist es, was ich immer wieder genieße. Und das Beste ist natürlich, hier auf solch einem Festivals zu sein und 250 andere Verrückte um mich herum zu haben, mit denen man den ganzen Tag über das gleiche Thema, das uns alle bewegt, reden kann, und alle verstehen einander. Das finde ich sehr schön. Nervig, ist für mich manchmal mein Perfektionsanspruch, den ich an mich selber stelle. Dass ich sehr oft nicht zufrieden bin mit dem, wie ich es mache, mit dem Ergebnis und denke, das kann ich besser. Damit stehe ich mir selbst dann oft im Weg. Zu denken, so, jetzt mach einfach und hör auf, alle Eventualitäten durchzudenken, alles im Voraus durchzuspielen, zu planen, zu gucken und abzuklopfen. Mach einfach mal.

 

Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Autorenleben?

Es gibt so ganz viele Sachen. Es gibt ganz niedliche Geschichten, die schon mal auf Lesungen passieren. Ich hatte zum Beispiel im Portal, von dem wir eben gesprochen haben, da gibt es eine Szene, wo eine Eule ein Kaninchen reißt. Auf meiner zweiten oder dritten Lesung, die ich hatte – es gibt ja nachher immer diese Fragerunden – meldet sich ein älterer Herr und sagt: „Also, da möchte ich Ihnen jetzt gerne mal was sagen: Eine Eule würde nie ein Kaninchen reißen, das ist dann immer ein Uhuvogel.“ Gut. Das ist dann so ein Punkt, wo man denkt: „Mist, da hast du jetzt nicht richtig recherchiert. Aber auf der anderen Seite freue ich mich natürlich auch darüber. Genauso freue ich mich darüber, wenn Leute mir zum Beispiel etwas über Polizeiarbeit erzählen. Da bin ich aber mittlerweile soweit, dass ich einen Ansprechpartner habe bei der Polizei. Ich habe zum Beispiel für ‚‘ sehr lange mit dem persönlichen Assistenten der Bonner Polizeipräsidenten reden dürfen. Er hat mir viel erklärt, weil Judith Bleueler, die ehemalige Praktikantin von Ina Weinz, nun Kommissarin geworden ist und in der Bonner Mordkommission sitzt. Er hat einen regelrechten Karriereplan entworfen und erklärt, was sie darf und was sie nicht darf und wo sie hin soll und wo sie nicht hin soll. Er hat auf alle meine nervigen Fragen sehr freundliche und ausführliche Antworten. Darüber bin ich sehr froh. Das entspricht meinem Perfektionsdrang. Und dem meiner Leser, seien sie nun Polizisten oder Ornithologen.

 

Gut, dann sage ich herzlichen Dank für dieses !

Danke schön!

 

(Das wurde geführt am 26.04.2012 in Olsberg.)

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Interview mit Jens Kramer

Jens Kramer lebt und schreibt in Hamburg. Er kokettiert gerne damit, dass er in einem früheren Leben eine Frau war. In diesem Leben ist er allerdings mit einer Frau verheiratet, um die ihn viele Männer beneiden. Nach seinen historischen Romanen , und schreibt er neuerdings unter dem Autorennamen amüsante Liebesromane, nicht nur für Frauen: (Verlag: Knaur, 2011) und (wird im Herbst 2012 erscheinen). Was der Leser bei diesem leider nicht hören kann, ist die wunderbare Sprechstimme von

Aah!

Da tut sich was! (Beide betrachten wie hypnotisiert das Diktiergerät.)

Da tut sich was. Genau. Das müsste so reichen, hoffe ich mal. Wow, meine Güte!

(Die Lautstärke-Anzeige des Diktiergeräts zeigt eine äußerst zufriedenstellende Gesprächsqualität an. Wir stehen nämlich am Tresen einer rappelvollen Bar. Hin und wieder haut uns ein bierseliger Mensch seinen Ellenbogen in den Rücken.)

Lieber Jens, schön, dass du zu einem bereit bist, dass du Zeit hattest! Stell dich uns bitte kurz vor.

Ja, danke! Jens Johannes Kramer, Autor, Schriftsteller, freier Journalist. – Mehr?

Nein, nicht unbedingt. So, wie du das möchtest. – Das ist mittlerweile eine ganze Menge. Wie bekommst du das zeitlich unter einen Hut?

Och, ich finde nicht, dass es eine Menge ist. (Lacht.) Ich arbeite eigentlich ganz normal, finde ich, vom späten Vormittag bis abends.

Also, Work-Life-Balance ist in Ordnung, sagst du?

Jaah. Also, es gibt Zeiten, in denen natürlich mehr ansteht. Das geht jedem Selbstständigen so. Es ist ja wie verrückt: Mal stapeln sich die Aufträge, dann ist wieder eine lange Durststrecke, und wenn dann Aufträge reinkommen, versucht man, die mit Ach und Krach zu bewältigen, weil man immer denkt: Mein Gott, bloß keinen ausfallen lassen. Es gibt immer so Höhepunkte, in denen es sich wirklich stapelt und staut, und vielleicht gibt es irgendwann keine Leerläufe mehr, aber es bleibt die Angst vor den Leerläufen. Ich glaube, das geht den meisten Selbstständigen so. Bis da erst mal eine Sicherheit eintritt, dass man ohne in Panik zu geraten auch mal einen Job ablehnt, da muss man schon gut im Geschäft sein.

Fangen wir mal so an: Seit wie vielen Jahren schreibst du? Wann hast du angefangen, Romane zu schreiben, vor wie vielen Jahren?

Seit 1994, seit 18 Jahren.

Und Romane sind deine bevorzugte literarische Form, hast du gesagt?

Ja. Lange galt meine Vorliebe dem historischen Schinken von 500 Seiten. Darunter fand ich es uninteressant. Mittlerweile bin ich etwas flexibler.

Das hat doch einen gewissen Charme. Dann hast du also mit historischen Büchern angefangen … Du hast Ethnologie studiert. Hatte das damit zu tun?

Nee. In dem Fall gar nicht. Das war der Hintergrund, der mir dann geholfen hat. Ich war irgendwann in Ghana, habe einen Freund besucht und habe dort, als ich durch so einen Wald gegangen bin, überwucherte Gräber gefunden. Moosüberwuchert. Da waren deutsche Namen darauf, aus dem 19. Jahrhundert, von denen ist keiner älter als 25 geworden. Und ich habe mir überlegt: Was machen die hier, am Ende der Welt, in einer Zeit, in der die medizinische Versorgung ja nun lausig war, was haben die da gemacht? Da habe ich nachrecherchiert, und daraus hat sich die Idee für den ersten Roman entwickelt. Es waren Missionare.

Also, das erste, was du geschrieben hast, war ein Roman. Du hast dich nicht irgendwie mit Kurzgeschichten oder sonstwas herangetastet -

Überhaupt nicht.

Sondern gleich in medias res. Einen großen Roman.

Ich habe mittlerweile mehr Romane als Kurzgeschichten geschrieben.

Mhm! Und dein zweites Buch war auch in Afrika angesiedelt.

Richtig. Da ging es um eine Frauengestalt, eine authentische, Mary Kingsley, die Ende des 19. Jahrhunderts auf Entdeckungsreise nach Afrika gegangen ist. Die Frau hat mir dermaßen imponiert – ich habe ihre Bücher gelesen. Die hat sich Sachen getraut – eine viktorianische Lady im Urwald! Sie ist da immer mit Hut und schwarzem Wollrock herumgelaufen; sie hat sich geweigert, irgendwelche Tropenkleidung zu tragen. Die hat unglaubliche Sachen gemacht. Ich muss dazusagen – bei meiner Recherche stellte sich heraus: Es gab damals jede Menge Entdeckungsreisende. Jeder Halbadelige, der etwas auf sich hielt, ist damals nach Afrika gefahren. Die haben dort Abenteuer erlebt. Die sind da mit der Flinte und einem großen Tross Schwarzer durch den Busch gegangen, die Schwarzen haben dann abends das Zelt aufgebaut, man hat noch schnell eine Antilope geschossen, und dann wurde eine Flasche Portwein aufgemacht. Und so waren die Berichte auch. Also: „Ich, der mutige Sowieso …“ Da wurde im Grunde nichts vom Land erzählt. Die Schwarzen, das waren diejenigen, die die Klamotten getragen haben und die man ab und zu mit der Peitsche antreiben musste. So wurde es gesagt. Das war so der typische Bericht eines Entdeckungsreisenden. Von einigen Ausnahmen wie Heinrich Barth abgesehen (unbestritten der größte aller Entdeckungsreisenden. Seine im englischen Auftrag 1849 – 55 durchgeführte Reise durch Afrika wird als Beginn der Afrikanistik gesehen, Anm. des Autors). Heinrich Barth ist eine andere Klasse. Auch Richard Burton (ebenfalls ein wagemutiger und bedeutender Entdeckungsreisender, aber im Gegensatz zu Barth einer mit einer großen Klappe. Anm. des Autors). Aber dann gibt es noch eine andere Gestalt: Mary Kingsley. Während also die Männer immer ihre Abenteuer erzählt haben, und was sie alles über den Haufen geschossen haben, hat Mary Kingsley allein drei Seiten Beschreibung der Lehm-Ufer eines Flusses beschrieben, den sie gerade befuhr. Und es war nie langweilig. Die ist so völlig ohne Vorurteile, völlig offen, in dieses Land gereist. Die ist überall hingegangen, und zwar alleine! Die hat nicht irgendwie einen Tross Träger gehabt oder so. Sie ist alleine mit einer Tasche, einem Regenschirm und einer Pistole durch den Regenwald gegangen und hat dort irgendwelche – ja, Kannibalen getroffen.

Also, ohne Begleitung, tatsächlich? Eine einzelne Person?

Ohne Begleitung! Ja! Die ist in jedes verdammte Wasserloch gefallen. Bei Regenschauern hat sie sich mal irgendwo versteckt, weil das so ein mörderischer Sturm mitten im Wald ist. Sie hat sich also versteckt, und irgendwann hat sie so über den Baumstamm geguckt, hinter dem sie sich verborgen hat, und auf der anderen Seite lag ein Leopard, der sich ebenfalls vor dem Regen versteckt hat. Dann ist sie ganz schnell wieder runtergegangen und hat gewartet, bis der Regen vorbei war, hat dann noch mal geguckt, und der Leopard war weg. Also, die hat sich Sachen getraut, das kann man sich nicht vorstellen. Über diese Frau MUSSTE ich schreiben. Ich habe ihr dann in dem Roman, weil ich ein paar Freiheiten haben wollte, einen anderen Namen gegeben: Mary Cooley. Dadurch konnte ich ein bisschen freier mit ihrer Vita arbeiten. Es hat einen Heidenspaß gemacht. Aber das ist auch so ein Buch, das wurde natürlich unter ganz anderem Label verkauft. Ich glaube, bis heute wissen die Leute nicht, dass es sich da um Mary Kingsley handelte, weil der Verlag gar nicht erkannt hat – soviel zum Marketing –

Was für ein Potential da eigentlich drinsteckt.

Eben.

Und du warst auch noch nicht erfahren genug, um das vorzuschlagen, einzufordern, wie auch immer?

Ich hatte gar nicht die Möglichkeiten. Wenn ich denen was gesagt habe, haben die mir über den Kopf gestreichelt und gesagt: „Jaja, wir machen das schon.“

Mhm. Anfängerschicksal. (Lacht.)

„Alles wird gut. Setzen Sie sich mal wieder an die Arbeit. Wissen Sie, Autoren stören nur bei der Bücherherstellung …“

Dieses Buch klingt spannend. Das werde ich mir kaufen.

Ja. .

Sprechen wir jetzt vielleicht über dein neues Buch, das für den DeLiA nominiert ist: . Das klingt sehr vielversprechend.

Der DeLiA ist der deutsche Liebesroman-Preis. Da sind zwölf Bücher nominiert, und ich bin der einzige Mann. Alle anderen sind Frauen. Das finde ich natürlich schon mal urkomisch.

Und du schreibst auch unter einem Männer-Namen.

Ja.

Nicht unter einem Frauen-Namen. Unter welchem Namen?

. Jetzt könnte man natürlich sagen, das könnte auch Johanna Kramer heißen, aber es ist , und es wird eigentlich sehr schnell ersichtlich, dass es von einem Mann geschrieben ist, denn es ist aus einer männlichen Perspektive erzählt. Also ein Liebesroman aus der männlichen Perspektive.

Magst du uns kurz erzählen, worum es geht?

Die Hauptfigur Jonas ist ein Handwerker, der sich irgendwann darauf spezialisiert hat, die Wohnungen frisch getrennter Frauen zu renovieren. Die wollen sozusagen die Erinnerung an eine vermurkste Liebe loswerden und lassen sich von ihm – er ist so ein Geheimtipp – die Wohnung renovieren. Sein Chef, in dessen Firma er arbeitet und der ihn da immer einsetzt, der sagt: „Du hast da so ein Talent, das ist wie Voodoo. Du machst nicht nur ihre Wohnung neu, du kühlst auch ihre Wunden. Darum wollen sie, dass du in ihre Wohnung kommst.“ Und manchmal heilt er eben auch ihr Herz. Das Talent hat er wahrscheinlich, weil er natürlich selber irgendwann mal ein tragisches Erlebnis hatte und das auf diese Weise kompensiert. Das geht natürlich nur bis zu einem bestimmten Grad gut. Irgendwann stolpert er über eine recht biestige Architektin und ihre vorwitzige Tochter, und dann gerät er in einen Strudel von Ereignissen, die alles auf den Kopf stellen.

Mhm … Wie lang ist das Buch?

333 Seiten.

Das klingt so, als müsste die Geschichte dann noch weitergehen, nach 333 Seiten.

Seltsamerweise wurde ich da oft nach gefragt, aber ich mache keine Fortsetzung. Der nächste hat wieder das gleiche Thema, allerdings anderes Personal. Titel: . Erscheint im Oktober bei Knaur. Dort geht es um einen etwas leichtfüßigen, erfolgreichen, völlig gedankenlosen Menschen, der an seinem 38. Geburtstag in einem Bistro mit seinen Kumpels feiert, und irgendwann lässt er sich zu einer Wette überreden. Dass er innerhalb eines Jahres die Frau seines Lebens findet und es schaffen wird, sie vor den Altar zu schleppen. Die Wette wird mit einem mörderischen Preis versehen. Hinterher kann keiner mehr zurück. Und so macht er sich auf die Suche. Sein Handicap dabei ist: Bisher war er immer der Bruder Leichtfuß, den die Frauen überreden wollten zu einer festen Beziehung. Jetzt ist er derjenige, der die feste Beziehung sucht, und auf einmal misstrauen ihm alle Frauen. Und so stößt er auf eine ganze Palette von weiblichen Neurosen, auf seiner Suche nach der Frau seines Lebens.

Das klingt richtig gut! Und wie definiert er die Frau seines Lebens? Man hat ja manchmal das Gefühl, Männer sind zufrieden mit: „Blond, gute Figur, und der Rest findet sich“.

Ja, genau. Darauf wird er von seinem Coach irgendwann angesprochen. Er hat eine Vermieterin, Frau Dornbach, die sich seiner annimmt, auf strenge aber auch mütterliche Weise. Die fragt ihn irgendwann, wie denn diese Frau mal aussehen soll. Da erschafft er sich sozusagen so eine Art Bild, so eine traurige Kriegerin. Eine kämpfende Frau, die verliert, aber auch immer wieder aufstehen lernt. Also, er möchte nicht so ein Püppchen, ausdrücklich nicht.

Sagt er.

Sagt er.

Okay. (Lacht.)

Wie er diese Kriegerin findet oder nicht findet, das muss man dann sehen.

Wie viel von steckt in dir, beziehungsweise: Wie viel von dir hast du in die Jo-Kramer-Bücher einfließen lassen? Ist das jemand, der definitiv nicht du bist, oder ist da viel von dir drin, auch wenn es nur die Hälfte ist? Oder wie muss man sich das vorstellen?

Es sind natürlich Wahrnehmungen und Perspektiven von mir drin. Also, Sachen, die ich gesehen habe, wie ich vielleicht Frauen erlebt habe. Wenn ich von der Frau erzähle, die in ihrem früheren Leben eine Schweinehirtin war, dann ist das ein Ereignis, das mir selbst schon passiert ist. Aber es bin nicht ich. Jede Figur in einem Roman gewinnt eigentlich in einem sehr frühen Stadium ein Eigenleben und eine eigene Dynamik. Man könnte, wenn man ein wenig genauer hinguckt, sagen, dass er auch meine Defizite ausgleicht. Also, da wo ich gescheitert bin, ist er vielleicht erfolgreich. Aber es ist tatsächlich so: Die Figur gewinnt ein Eigenleben. Ich kann nicht die ganze Zeit denken: „Das bin ich.“ Ich kann mich höchstens in diese Figur hineinversetzen, aber sie ist eine eigenständige Figur. Anders würde es nicht funktionieren.

Ja. Man sagt ja, dass das erste Buch oft autobiografisch sei. Beim soundsovielten Buch ist das natürlich nicht mehr so, zwangsläufig. Aber diese Falle hast du ja umgangen durch deine historischen Romane. Oder? Siehst du das auch so?

Richtig. Ich habe meine erste Hauptfigur so weit weg von mir angesiedelt, wie man sie nur ansiedeln kann. Ein protestantischer Missionar aus dem 19. Jahrhundert. Und ich bin so was von unchristlich, also, weiter weg konnte die Figur gar nicht sein. Ich bin dann im Laufe der Romane immer dichter an mich herangekommen, sagen wir mal so. – Ich hatte immer die Befürchtung: Wenn ich einmal anfange, von mir zu erzählen, höre ich nicht mehr auf.

Warum schreibst du? Also, kannst du dir selber einen Grund dafür sagen, oder ist das einfach eine Tätigkeit, die dich zufriedenstellt, ohne dass du es so richtig begründen kannst?

Doch, es gibt viele Gründe. Man kann das von verschiedenen Seiten sehen. Man kann es rein rational sehen: Es ist eine Arbeit, die ich einigermaßen gut kann und mit der ich Geld verdienen kann und die mir Spaß macht. Man kann es aber auch leicht mystisch sehen – und ich sehe es gerne leicht mystisch: Da ist eine Geschichte, die will erzählt werden, und ich bin der einzige, offensichtlich, der sie erzählen kann. Wenn ich sie nicht erzähle, lässt sie mich nicht in Ruhe. Ich träume von ihr, die Figuren tanzen mir auf der Nase herum, und es ist schon so weit gekommen: Es gab mal einen Traum, den ich hatte, weil ich an einer Stelle war, wo ich nicht weiterkam, über Monate. Da saßen meine Figuren in einem Krankenzimmer; ich kam da rein, und die guckten mich ganz vorwurfsvoll an: Hier, wann geht das weiter? – Dem musste ich mich dann stellen. Also, ich befürchte: Ja, es ist eine Geschichte, die erzählt werden will, und das ist meine Aufgabe. So sehe ich das auch. Außerdem ist es natürlich auch mit vielen angenehmen Sachen verbunden: Es ist eine sehr leidenschaftliche Arbeit. Ich mag es, leidenschaftlich zu leben. Das ganze Auf und Ab der Gefühle. Das liegt mir. Es liegt mir viel mehr, dafür nehme ich auch die Unsicherheit dieses Berufes in Kauf.

Ja, du hast ja praktisch eine sichere Firma für deine Berufung – so kann man da wirklich schon sagen – aufgegeben. Nicht?

Jaa. Jaah. Ich denke aber, ich hätte sie sowieso irgendwann in den Sack gehauen. Ich habe schon öfter mal was in den Sack gehauen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.

Der Mann für Neuanfänge.

Ja, so ein bisschen so. Und leider selten gut überlegt.

Aber man sagt ja beim Reiten: Wirf dein Herz über das Hindernis, und das Pferd springt hinterher.

Interessant, das kannte ich noch nicht. So muss es wohl gewesen sein. Ich bin oft meinem Herz hinterhergesprungen.

(Beide lachen.) Das war ja offensichtlich nicht ganz erfolglos.

Es ist ein bisschen Glück dabei, schätze ich.

Ja. Glück muss dabei sein.

Ja.

Was mich interessieren würde: Wenn du einen Plan für ein neues Buch hast – kannst du dann das Exposé schon von Anfang bis Schluss schreiben? Also, schreibst du dir gewissermaßen eine Gliederung, wie in der Schule, und die arbeitest du dann ab – wie es mir bei einigen Autoren wirklich der Fall zu sein scheint?

Da gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Vorgehensweisen. Einmal diejenigen, die – bestes Beispiel: Elisabeth George – die sich einen genauen Fahrplan machen. Die jede Szene vorher anlegen, anskizzieren, und dann an diesem Fahrplan entlangschreiben. Und die andere Richtung, das sind die sogenannten exploring writers, wie Stephen King einer ist, die fangen einfach an und haben keine Ahnung, wohin die Reise geht, und lassen es einfach auf sich zukommen. Bei mir liegt es dazwischen. Ich habe einen groben Fahrplan. Ich weiß, wo es hingehen soll. Aber ich versuche, mir auf dem Weg dahin möglichst viele Freiräume noch zu erhalten. Weil ich weiß, dass gerade Nebenfiguren sich wunderbar entfalten können manchmal. Es ist mir immer wieder passiert, dass eine Nebenfigur, die ich einfach nur mal kurz durchlaufen lassen wollte, auf einmal ein Gewicht bekam und einen eigenen Handlungsstrang. Das macht einen Roman reizvoll, dessen möchte ich mich nicht berauben. Also, ich weiß die grobe Richtung, und daran halte ich mich auch, aber ich lasse mir viel Platz da drin. – Die Frage nach dem Exposé ist eine etwas andere. Da werden mich jetzt wahrscheinlich die Verlage dafür an die Wand nageln, aber: Ein Exposé ist ein Verkaufspapier. Da schreibe ich schon rein, wie ich den Roman schreiben will, aber da steht nicht drin, wie der Roman verläuft.

Ah. – Okay. Ja.

Ich muss mit dem Exposé die Lektorin überzeugen. Wenn ich hinterher was anderes schreibe, da hat sich noch niemand darüber beschwert.

Wenn es dann noch überzeugender ist, beschwert sich ja keiner, schon klar.

Eben. Das ist denen dann egal. Also, im Großen und Ganzen haut das schon hin, aber oft weiche ich ab. Und das geht eigentlich den meisten so. Ein Exposé ist keine Gliederung, sondern ein Verkaufspapier.

Erzähl mal, wie du schreibst. Was hast du am liebsten für Bedingungen zum Schreiben, was für Musik vielleicht, was für einen Rhythmus?

Ich brauche meine Ruhe, meine eigenen Räume. Deswegen habe ich auch eine eigene Wohnung, obwohl ich verheiratet bin. Meiner Frau (ebenfalls Schriftstellerin) geht es genauso. Was ich nicht mag, ist sozusagen die idyllische Stille. Darauf pfeife ich. Das Haus im Grünen, wo es schön still ist. Biolärm macht mich nervöser als Stadtlärm. Es können die ganz normalen Geräusche des Lebens sein: Knatternde Mopeds, Autoverkehr, mal ne Bahn, mal ein Martinshorn, das ist alles okay. Was ich nicht abkann, sind hüstelnde Menschen, die um Aufmerksamkeit ringen in meiner Umgebung. Ich brauche wirklich den Raum dann für mich. – Ja. Das ist eigentlich so die Arbeitsumgebung. Wir haben auch schon in irgendwelchen Ferienhäusern gearbeitet, geht auch, aber dann hatte eben jeder seinen Raum für sich.

Ach so, so im Zug oder im Café arbeiten ist nicht so deins?

Nee, nee, nicht wirklich. Habe ich schon probiert – nee, ich bin lieber bei mir zuhause. Da kann ich mich auch benehmen, wie ich will; da brauche ich mich nicht verhalten (will sagen: benehmen. Gerade sitzen, nicht rülpsen und so, Anm. d. Autors).

Ohne Musik.

Ohne Musik. Ja. Immer. Ich höre nur im Auto Musik, glaube ich.

Hm. (Pause.) Ich hatte eine rasend interessante Frage, sie ist mir entfallen. Was möchtest du mir noch erzählen?

Dass ich es vielleicht unfassbar finde, dass so viele Menschen die Arbeit der Schriftsteller so falsch einschätzen und ihnen das wegnehmen wollen, was ihnen so viel wert ist. Dass es eine Bewegung gibt, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen will. Die Piraten und Konsorten. Das ist das, was uns im Moment – mir auch – sehr viel Sorgen bereitet.

Du sprichst das Thema „Geistiges Eigentum“ an.

Ja. Da wird auf einmal das geistige Eigentum – darüber wird gesagt: Das gibt es nicht. Nur weil es einige Leute beim Daddeln stört. Das macht mich fassungslos.

Ich finde das auch unverständlich. Also, dieses Konzept: Nur weil man es nicht anfassen kann, ist es auch nicht wirklich da und deswegen auch nichts wert – das kommt mir schon so ein bisschen kindergartenmäßig vor. Denn zum Beispiel ein Gemälde von einem Maler, der dafür so viel Zeit aufwendet wie du vielleicht für das Schreiben einer Kurzgeschichte – da würde kein Mensch auf die Idee kommen, dass das jeder auf der Straße einfach so mitnehmen kann.

Ja. Ja. Es sind natürlich massive wirtschaftliche Interessen, die da im Gange sind, die dahinterstehen. Und dumme Menschen, die mitlaufen. Aber das ist im Moment das, was ich am erschütterndsten finde, und was sehr viel – nicht nur von meiner – Zeit und Energie raubt: Wir müssen auf einmal uns überhaupt dafür verteidigen, dass wir für unsere Arbeit Geld haben wollen. Das ist doch absurd. Hätte ich nie mit gerechnet.

Aber die Musiker bekommen es ja auch mittlerweile hin. Jedenfalls die flexibleren. Dass sie auf einer anderen Schiene bezahlt werden, mit Konzerten, mit -

Ach ja? – Ach ja?

Zum Teil schon, ja. Zum Teil nicht (lacht).

Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, da findet schon ein Ausdörren statt. Also, der Sven Regener hat das ja ganz gut gesagt: Die junge Independent-Musik zwischen 15 und 30, die ist völlig ausgedörrt. Da gibt es kaum Neues. Es gibt im Grunde die Altrocker, und diejenigen, die wenigen, die sich im Internet behaupten können. Aber diese vielfältige, bunte Szene, die es noch vor 30 Jahren gab oder vor 20, die ist vollkommen ausgetrocknet. Also, ich finde, gerade bei der Musik sieht man jetzt schon, dass durch die Politik von Google und YouTube eine ganze Musikergeneration halbwegs verlorengeht.

Darüber weiß ich zu wenig.

Müsste man den Sven Regener mal fragen; ich weiß auch nicht viel darüber. Das ist ja auch – so eine Independent-Band, die jetzt über das Internet irgendwie einen Bekanntheitsgrad kriegen will – ja, die wird doch nicht sagen: „Scheiße, bezahlt für unsere Clips, oder ihr kriegt sie nicht zu hören!“ Das ist, wie Regener sagte, uncool. Das heißt, die halten die Klappe. Die lassen sich nicht nur beklauen, sie trauen sich nicht mal, dagegen zu protestieren, weil das „uncool“ ist. So weit ist es schon.

Ja. Und die hoffen auf den Bekanntheitsgrad, um dann irgendwann mit Konzerten Geld zu verdienen. – Könntest du dir vorstellen, mit Lesungen dein Geld zu verdienen? Es gibt ja Autoren, die den größeren Teil ihrer Einnahmen mit Lesungen bestreiten.

Kenne ich. Ist mühsam. Ist sehr mühsam, denn auch eine Lesung muss vorbereitet sein und ist Arbeit. Ist nicht so mein Ding. Ich habe schon Lesungen gemacht; ich glaube, sie sind auch ganz gut gewesen – also, ich gehöre nicht zu diesen pfurztrockenen Lesern. Aber ich finde es sehr anstrengend. Nee, nur damit das Geld zu machen, finde ich zu anstrengend. Das ist nicht einfach.

Du hast gesagt, du arbeitest seit 1994 als Autor. Seit wann kannst du davon leben?

Seit einem Jahr. Die Bücher bringen mir im Jahr zwischen 10.000 und 16.000 ein, maximal. Davon allein kann kein Mensch leben.

Inwieweit bist du in Marketing-Maßnahmen eingebunden, also inwieweit nimmt dir das vom Schreiben Zeit weg? Oder läuft das einfach bei dir unter Hobby?

Die Marketing-Maßnahmen?

Ja … ich weiß nicht, Kontaktpflege kann man ja auch als Hobby verstehen, zum Beispiel.

Ja, das nimmt bei mir einen sehr kleinen Raum ein. Ich bin weder bei Facebook, noch habe ich, außer einer Webseite, eine große Internet-Präsenz. Zumal ich ja auch unter zwei Namen veröffentliche, die in der öffentlichen Wahrnehmung gar nichts miteinander zu tun haben. Ich habe da viel darüber gesprochen, und ich kann mich nicht davon überzeugen, dass es notwendig ist, Marketing-Maßnahmen zu übernehmen. Ich denke – ich bin da vielleicht ein bisschen konventionell, aber ich denke, der Verlag sorgt dafür, dass die Dinger verkauft werden. Und wenn er mir sagt, was ich tun soll – Lesungen, Interviews oder sonstwas – dann mache ich das auch. Aber ich selbst bin da eher unbeholfen und zurückhaltend. Ich wurde auch schon gefragt, warum so wenig von mir im Netz steht. Ich mache wenig Marketing. Wenig bis gar nicht.

Ja, das finde ich durchaus sympathisch, denn man braucht ja auch Zeit für was anderes. Dass du sagst: Das ist die Aufgabe des Verlags.

Ja. Dafür gibt es Leute, die ausgebildet wurden, und denen will man ja auch nicht den Job wegnehmen. Ich finde das alles übertrieben. Es gab hier (auf der ) einen Workshop, wie man seine Internet-Präsenz am besten aufstellt, um sich eine Fan-Base zu schaffen, auf der dann weitere Erfolge aufgebaut werden können. Ich hätte da gar keine Zeit für. Ich weiß nicht, wann die Leute, die das machen, wann die Bücher schreiben. Ich habe im letzten Jahr zwei Romane geschrieben – okay, bis in diesen Februar hinein. Ich hatte nicht mal Zeit, mir anständiges Futter zu kaufen. Meine Frau hat mir einmal am Tag eine Schale Reis vor die Tür gestellt. Ich weiß nicht, woher die die Zeit nehmen, sich auf Facebook oder sonstwo ständig neu darzustellen und zu repräsentieren, Fragen zu beantworten, Kontaktpflege zu machen, womöglich noch interaktives Autoren-Leser-Sonstwie zu machen. Das ist alles Zeitfresserei, dann kann ich nicht mehr schreiben.

Ja. Das kann ich sehr gut verstehen.

Das eben auch zum Zeitmanagement. Wenn man eben nicht nur Bücher schreibt, die ja, wie man weiß, nur bei ganz wenigen Menschen gut bezahlt werden – und die meisten, die arbeiten da für einen Lohn, da würde jeder Fabrikarbeiter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Man braucht also noch journalistische oder andere Jobs. Da bleibt keine Zeit für irgendetwas anderes! Marketing? Also, ich finde es unmöglich, dass jetzt auch noch von den Autoren verlangt wird, sie sollen ihr eigenes Marketing machen.

Ich weiß nicht, ob es verlangt wird.

Oder erwartet, vielleicht.

Ich weiß allerdings, dass sehr viele das als gewissermaßen unerlässlich sehen. – Den deinen finde ich aber einen sehr nachvollziehbaren Ansatz. Das, was der Verlag für dich organisiert, das machst du aber, so gut es in deinen Terminplan passt?

Ja! Ja, natürlich.

Wie viele Lesungen machst du, wie muss man sich das vorstellen?

Ja, das ist komisch: Das Buch, mit dem ich den wenigsten Erfolg hatte, da habe ich die meisten Lesungen gemacht, etwa ein halbes Dutzend. Und das Buch, mit dem ich bisher am meisten Erfolg hatte – da habe ich noch keine einzige gemacht. Also, auch die Anzahl der Lesungen sagt nichts – bei mir, nach meiner Erfahrung – nichts über die Verkaufszahlen aus. Ich habe in dem ganzen letzten Jahr noch keine Lesung gemacht, auch in diesem Jahr noch nicht. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber die Bücher verkaufen sich trotzdem.

Machst du bei Leserunden mit? Büchereule, Lovelybooks?

Wurde mir bisher noch nicht angeboten. Es soll angeblich im nächsten Jahr über die Büchereule was laufen, ich weiß es nicht. Auch da bin ich noch nicht so ganz überzeugt, ob das sinnvoll ist. Da wird immer von Leser-Autoren-Bindung geredet; ich denke, das ist wohl so eine Marketing-Sache. Ich muss mir das erst noch angucken. Ich bin da, ehrlich gesagt, noch ein bisschen unbeleckt.

Es ist ja auch wirklich die Frage von dem Aufwand und dem, was dann dabei rauskommt.

Ja. Ich habe mich bei Lovelybooks angemeldet und habe versucht, zu kapieren, wie diese Seite, wie dieses ganze System funktioniert. Ich habe es bis heute nicht geschafft. Ich habe mir das erklären lassen – ich weiß auch gar nicht, was die für Begriffe benutzen, ich kenne die ganzen Begrifflichkeiten nicht. Da sagt mir dann einer in einer Mail: „Ja, du brauchst doch nur einen Widget da einbauen und da irgend so einen anderen Periodenausdruck da hinsetzen.“ Ich kenne diese Worte nicht. Ich weiß auch nicht, wo ich nachschlagen muss.

Und man hat auch nicht immer unbedingt Zeit dafür.

Ja, das nervt mich total. Ich komme mir dann vor wie ein Idiot, wie so ein Neandertaler, dem irgend so ein Sechzehnjähriger erklärt, wie ein Computer funktioniert. Und da werde ich sauer.

Ja, das ist schon in Ordnung. Das finde ich im Gegenteil sehr nachvollziehbar.

Also, ich weiß noch nicht genau, ob das funktioniert. Wenn das ansteht, werde ich das sicherlich auch ausprobieren. Im Moment steht es nicht an.

Was wirst du als nächstes schreiben?

Ich erzähle ungern über künftige Projekte, aber ich bleibe auf der humoristischen Seite, ich möchte da noch etwas ausprobieren. Dazu brauche ich ein bestimmtes Standing im Verlag, dass die mich nicht in die zweite Reihe setzen, sondern in die erste.

Das hoffe ich sehr! – Hast du noch ein Schlusswort? Famous last words?

Nö. Fällt mir jetzt nichts ein.

Alles klar. Ich wollte dir nur die Chance nicht vorenthalten. (Beide lachen.)

Das können wir ja dann nächstes Jahr um dieselbe Zeit weiter besprechen.

Okay. Schön! Der Termin steht: Criminale in Bern, 2013. Wir sehen uns!

Ja! Freut mich!

(Dieses wurde geführt am 28. April 2012 während der Criminale in Olsberg.)

Foto © Nina George

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Interview mit Rita Hampp

Rita Hampp Liebe Rita, herzlichen Dank, dass du dich bereiterklärt hast zu einem für den Blog „Nacht-Gedanken“. Stellst du dich uns kurz vor?

Ich bin Autorin von Krimis und Romanen, die in Baden-Baden spielen. Dies ist seit meinem 50. Lebensjahr – also seit nunmehr sieben, fast acht Jahren, ganz offiziell meine zweite Karriere; ich war vorher Journalistin.

Wie kam das? Du hast vorher als Journalistin gearbeitet – wie kamst du dann zu den Romanen?

Das ist relativ einfach. Ich muss sagen, Journalistin, das war mein Leib- und Magen-Beruf. Das habe ich sehr, sehr gerne gemacht. Ich war für die Main-Post in Würzburg als Rechts- und Gerichts-Berichterstatterin tätig Als ich meinen Mann kennenlernte, bekam er gerade einen Auftrag in die USA. Da bin ich natürlich mit fliegenden Fahnen mitgegangen: Drei Jahre New York, das kann man sich nicht entgehen lassen – und habe dort festgestellt, dass ich natürlich in meinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, weil ich so gut Englisch nicht kann. Gerade im Journalismus kommt es ja auf jede Nuance an, und das ging nicht mehr. Daraufhin habe ich mich besonnen, dass ich eigentlich schon immer gerne ein Buch hätte schreiben wollen, was allerdings als Journalistin nicht geht. Wenn du den ganzen Tag zuhörst, mitschreibst, Formulierungen im Kopf hast und dann Artikel schreibst, dann setzt du dich abends nicht noch mal hin und schreibst. Da bist du abends leer. In den USA habe ich mich an der New York Universität eingeschrieben und mich unter anderem im kreativen Schreiben weitergebildet und mir irgendwann gesagt: „So, und jetzt fängst du an.“ Das ging gleich ganz schief.

Wie das?

Ich habe gedacht, ich setze mich an den Computer und schreibe los, schreibe einen Liebesroman. Also habe ich angefangen, einfach angefangen. Nach einer halben Seite habe ich festgestellt: „So geht das nicht, meine Liebe.“ Weil ich ja als Redakteurin gelernt hatte, mich sehr, sehr kurz zu fassen. Ich durfte mir nichts ausdenken, ich konnte keine Dialoge schreiben, keine inneren Monologe. Und plötzlich stand ich vor der Frage: Wie geht das überhaupt? Wie schreibt man frei? Wie schreibe ich Emotionen nieder? Das ist für mich ganz schwierig gewesen. Oder – ein anderes Problem: Ich dachte, ich hätte überhaupt keine Phantasie, ich könne mir gar nichts ausdenken! Das ist natürlich im Laufe meines Lebens schon anders geworden. Aber in der ersten Zeit war das für mich ein großes Problem. Daraufhin habe ich mich besonnen, das zu schreiben, was ich am besten kann: über das Gericht. Über eine Gerichtsverhandlung, die mir auch nach Jahren noch durch den Kopf ging, weil ich insgeheim überzeugt war: In diesem einen bestimmten Mordfall war der Angeklagte nicht der Mörder. Es kann nicht gewesen sein. Der kann seine Ehefrau nicht im Beisein seines kleinen Kindes erschlagen haben, das macht der nicht. Das habe ich dann noch mal aufgearbeitet, und bin der Frage nachgegangen, was eigentlich passieren würde, wenn dieser Mann irgendwann aus dem Gefängnis entlassen wird. Wie geht er mit dem Misstrauen seiner Umwelt um, was empfindet sein Sohn? Das war dann mein erster Gerichtsroman – von mehreren unveröffentlichten übrigens. Den habe ich noch in den USA angefangen und hier in Deutschland zu Ende geschrieben und dann hoffnungsvoll an große Verlage geschickt. Eine Lektorin von einem sehr großen Verlag hat mir tatsächlich zurückgeschrieben, sie hätte das Manuskript an einem Wochenende durchgelesen, weil es so spannend war. Aber sie könnten es leider nicht veröffentlichen, weil es nicht marktgerecht sei, weil es in Deutschland bei den Buchhandlungen kein Regal gab für deutsche Gerichtsromane. Man muss dazu sagen, das ist ein paar Jahre her, ich weiß nicht, ob es heute anders ist. Aber ich hatte drei Jahre daran geschrieben! Und dann sagte sie: “Schreiben Sie doch einfach etwas Neues, schreiben Sie etwas Marktgerechtes!”

Schlummert der jetzt noch bei dir in der Schublade?

Ganz, ganz tief, und den werde ich auch nie mehr in meinem Leben herausholen, weil ich mich ja von Buch zu Buch weiterentwickle. Das Gerichtsding stammt also noch aus meinem – würde ich vom heutigen Stand sagen – „Kaulquappenstadium“. Nicht zu retten. Wahrscheinlich fliegt er beim nächsten Umzug weg.

Wie findest du deine Geschichten – oder finden sie dich?

Beides. Die Baden-Baden-Krimis konstruiere ich. Ich bin im Jahr 2000 nach Baden-Baden gezogen. Eines Abends, als ich im Herbst bei uns in der Nachbarschaft die Umgebung erkundet habe und es immer dunkler wurde, war für mich klar: das ist es! Ich schreibe die Baden-Baden-Krimis. Das ist marktgerecht, ich habe hier weltberühmte Schauplätze und kann jeden einzelnen mörderisch beleuchten. In meiner Nachbarschaft gibt es die romantische Wasserkunstanlage „Paradies“, damit habe ich angefangen. Der Titel war so herrlich zweideutig: Die Leiche im Paradies. Zweiter Krimi war Tod auf der Rennbahn, über die Pferderennen in Iffezheim, dann kam Mord im Grandhotel, das im Brenners Parkhotel spielt, und jetzt zum Schluss natürlich das Casino Baden-Baden. Die Geschichten konstruiere ich mit fester Hand. Da sage ich mir: Hier ist der Schauplatz. Wo könnte die Leiche liegen? Wer ist diese Leiche? Wer könnte einen Grund haben, sie zu hassen oder sogar umzubringen? Da wird nichts dem Zufall überlassen. Ganz anders ist das mit meinem Ausreißer, nennen wir ihn mal so, Das Rosenhaus am Merkur gewesen.

Da hat die Geschichte dich gefunden.

Richtig. Am Küchentisch. Ich koche sehr gerne für meine Freunde, und dann sitzen wir auch wirklich sehr lange, wir haben einen sehr gemütlichen Tisch in der Küche. Spät abends hat damals ein Freund sinniert: „Mensch, ich war immer so – (das genaue Wort kann ich natürlich jetzt nicht verraten in diesem ) – etwas Besonderes in der Familie, und ich habe mir immer ausgemalt, dass ich aus diesem einen bestimmten Grund so anders gewesen war.“ Sofort hatte mich diese Idee so gepackt, dass ich sie zum Kern der neuen Geschichte gemacht habe. Ich wusste plötzlich: Das möchte ich gerne schreiben. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass diese Geschichte nicht als Krimi funktioniert (auch wenn es auch hier wieder einen ungeklärten Todesfall gibt), sondern nur als Familienroman. Zum gleichen Zeitpunkt – das hat sich ganz gut ergeben- hatte ich mir sowieso überlegt: Ich würde gerne mal das Genre wechseln. In den Baden-Baden-Krimis stecke ich ja immer in den Köpfen von drei Ermittlern und stelle meine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln dar. Das ist ganz lustig, auch was die drei so alles erleben, aber ich bin nie richtig in der Tiefe. Ich wollte einmal eine Geschichte in nur einem Kopf durchschreiben und durchleiden und durchlachen und durchweinen.

Sitzen deine Protagonisten mit dir am Frühstückstisch?

Am Frühstückstisch? Nie. Nein. Nein. Da sitzt mein Ratgeber, mein Mann, dem erzähle ich, wie meine Nacht gelaufen ist und was mir alles eingefallen ist und wo es vielleicht haken könnte und manchmal findet er einen Ausweg, weil er ja weiter entfernt ist von der Geschichte. Oftmals habe ich damals beim Rosenhaus am Frühstückstisch gesagt: Ich kriege es nicht zu Ende geschrieben. Ich finde es nicht gut.“ Ich bin sehr selbstkritisch. Ja – es war mir sehr unheimlich. Und mein Mann hatte die erste Version – er liest immer nur die Rohfassung, leider, er weiß eigentlich gar nicht, wie schön das Buch nachher, nach all den stilistischen Überarbeitungsdurchgängen geworden ist. Also – damals hat er die Rohfassung gelesen und hat das Manuskript dann, glaube ich, drei oder vier Mal aus der Papiertonne wieder herausgeholt und gesagt: Das ist so gut, das schmeißt du nicht weg, da bleibst du dran. Aber abends, nach dem Tagespensum, da bringe ich meine Helden mit an den Tisch, das stimmt schon.

Wie viel von dir steckt in deinen Protagonisten?

Hm, in jeder Figur steckt etwas von mir. Ich bin die Frau Campenhausen, ich bin der Max. Am wenigsten bin ich eigentlich Lea oder in dem Rosenhaus-Fall Clara, das muss ich ganz ehrlich sagen. Gerade im Rosenhaus habe ich sehr viele eigene Erlebnisse verarbeitet. Natürlich erlebt man Dinge im Leben. Ich habe zum Beispiel – das Rosenhaus ist ihm ja auch gewidmet – einen ganz, ganz lieben alten Onkel gehabt, den Onkel Fritz, der ist 94 geworden. Ihn hab ich wirklich unglaublich geliebt. Ein sehr gütiger und gebildeter, nur körperlich gebrechlicher, aber ansonsten ein wunderbarer Mann, der in meinen Armen gestorben ist. Das sind Dinge, die ich in diesem Buch verarbeitet habe. Genauso wie den Tod meiner Tante. Kürzlich kam in einer Leserunde für das Rosenhaus die Frage auf, was denn das wohl für eine Krankheit gewesen sei, die Claras Mutter durchlitten hat? Dazu kann ich nichts sagen, denn hier habe ich die Wirklichkeit mitschreiben lassen. Genau so ist meine Tante gestorben, und die Ärzte haben bis zum Schluss nicht gewusst, was sie hatte. Ich wollte thematisieren, dass es das eben auch gibt: Dass man im Angesicht des rätselhaften Sterbens dasitzt und relativ schnell Entscheidungen treffen muss. Meine Tante lag drei Monate auf der Intensivstation. Sie trug mir auf, wem ich ihre Kleidung, welches Schmuckstück ich wem schenken sollte. Es war klar, dass sie abgeschlossen hatte, und ich habe dann irgendwann die Ärzte bitten müssen: „Jetzt quält sie doch nicht weiter.“ Aber das habe ich die Clara dann doch nicht bis ins letzte Detail durchleiden lassen.

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

Die ersten Baden-Baden-Krimis habe ich eher nachts geschrieben. Da bin ich um vier aufgewacht, habe die nächste Szene im Kopf gehabt, sie ließ mich nicht mehr einschlafen, und um fünf habe ich mich an den Computer gesetzt. Schreibblockaden, wenn du jetzt vielleicht darauf hinauswillst, habe ich nicht, weil ich ja mein ganzes Leben lang geschrieben habe. Ich konnte doch nicht nach einer Gerichtsverhandlung in die Redaktion spazieren und verkünden: „So, jetzt habe ich eine Schreibblockade, ihr kriegt für morgen nichts.“ Das geht nicht. Natürlich gibt es bei den Büchern – die sind sehr komplex – oft Momente, in denen es fürchterlich hakt. Ich bin gerade dabei, den fünften Baden-Baden-Krimi zu konstruieren und ich kam jetzt zwei, drei Wochen nicht weiter. Irgendetwas stimmte nicht, etwas hatte ich falsch gemacht in meinen Vorbereitungen, Ich habe dann mein altes Lehrbuch vorgeholt und festgestellt: Beim Lebenslauf und bei der charakterlichen Ausarbeitung des Mörders oder der Mörderin – das verrate ich jetzt nicht – war ich nicht gründlich genug gewesen, die Figur war nicht ausgereift genug.

Wie und wo schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen zum Schreiben?

In meinem Dachstudio, weg von allem. Ich brauche absolute Ruhe. Und ich muss alles erledigt haben, was für den Tag zu erledigen ist. Das ist für mich sehr, sehr schwierig, da sage ich manchmal: Ich wäre manchmal lieber ein Mann, da hätte ich keinen Haushalt, keine Wäsche, Garten sowieso nicht, sondern könnte gleich morgens um acht mit einer Tasse Kaffee, die mein Schatz mir an den Schreibtisch bringt, anfangen zu schreiben. So ist das Leben aber nicht. Inzwischen habe ich mich damit arrangiert. Ich habe Haupt-Schreib-Stunden, in denen es besonders gut läuft. Viele Dinge muss ich mir vorab überlegen und konstruieren, außerdem das Geschriebene vom Vortag überarbeiten, das erledige ich in der Nicht-Schreib-Zeit. So gegen vier lege ich dann richtig los.

Also ab vier Uhr nachmittags.

Vier Uhr nachmittags, genau.

Und dann in die Nacht rein?

Nein, alles, was ich nach dem Abendessen schreibe, lässt mich nicht schlafen. Das habe ich mir abgewöhnt. Das geht nicht. Nach dem Abendessen ist Schluss.

Welche Phase eines Buches ist für dich die anstrengendste?

Das ist eine sehr gute Frage. Es ist am Anfang eine Phase, in der man nicht weiß – ich vergleiche mich oft mit einem Bildhauer – was aus diesem Stein, den ich da vor mir habe, wird … wie ich das wohl schaffe, eine Figur oder eine Aussage herauszumeißeln. Die anstrengendste Phase ist, das wird aber jeder Autor so sehen, wenn man ganz am Ende die Druckfahne zurückbekommt, weil man dann nicht sehr viel Zeit hat, drei, vier Tage vielleicht, um das ganze Buch noch einmal durchzulesen und weil man die absolute Endkontrolle hat. Alles, was danach noch an Fehlern drin ist, gehört einem selbst, und man kann nichts mehr auf einen anderen abwälzen. Da verzweifele ich oft. Ja.

Du hast jetzt gerade, wie du uns vorhin erzählt hast, das Genre gewechselt. Gibt es noch ein Genre, in dem du gerne schreiben möchtest?

Ich weiß jetzt nicht, ob das als eigenes Genre gilt. Wenn man Krimis noch mal unterteilen könnte, habe ich also erst Regionalkrimis verfasst, dann das Rosenhaus im Bereich Familienroman, und nun ist das nächste, was übrigens bereits fertig geschrieben ist, ein – ich nenne es Psychokrimi. Psychothriller wäre mir zu reißerisch, da wären die Erwartungen eventuell übertrieben hoch. Also ein Psychokrimi ohne Polizeiarbeit, etwas Gruseliges, das Menschen im Alltag passiert und ihnen so viel Angst macht, dass …. Mehr darf ich nicht verraten.

Aber zum Beispiel ein historischer Roman oder so?

Auf gar keinen Fall. Auf gar keinen Fall! Ich bewundere die Kolleginnen und Kollegen, die sich dieses Fach herausgesucht haben. Wenn man kein Historiker ist, wie macht man das? Ich bin da immer fassungslos. Das könnte ich nicht, und die Geduld hätte ich auch nicht, mich in diese ganzen Kleinigkeiten einzuarbeiten. Es kommt ja wirklich auf alles an: Hatte man in dem Jahr schon Tomaten angebaut, oder Kartoffeln auf dem Tisch? Nein, das könnte ich nicht. Absolut nicht. Hat mich auch nie gereizt, obwohl ich historische Bücher sehr, sehr gerne lese. Lieber als Krimis.

Du hast uns vorher erzählt, dass du drei Jahre in New York gelebt hast. Deine Romane haben bisher alle in Baden-Baden gespielt. Kannst du dir vorstellen, auch mal über einen anderen Schauplatz zu schreiben?

Die Frage habe ich mir am Anfang gestellt, aber ich habe mir dann gedacht: Irgendwo müssen ja meine Romane oder Krimis spielen. Ja, warum denn nicht in Baden-Baden? Es ist eine wunderschöne Stadt, die ich sehr liebe, die ich kenne, die es wert ist, immer wieder genannt zu werden, die viele Menschen kennen – warum soll ich jetzt in irgendeine fremde Stadt gehen oder mir vielleicht sogar eine ausdenken?

Aber dadurch bist du natürlich jetzt in die Regionalkrimi-Ecke gerutscht, sage ich mal. Ist das problematisch?

Am Anfang habe ich damit gehadert. Man kommt sich ja erst mal etwas piefig vor. Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich mehr Bücher verkaufe als manche Kolleginnen und Kollegen, die bei einem sehr großen Publikumsverlag ein Buch veröffentlichen, aber nicht entsprechend promoted werden, wo ihr Buch einfach eine Saison – zwar bundesweit – in den Buchhandlungen liegt, sie dann vielleicht tausend Exemplare verkauft haben, und das war’s, und dann werden sie verramscht, und werden irgendwann gar nicht mehr gefragt, ob sie noch ein weiteres Buch für diesen großen Verlag schreiben wollen. Oder sie müssen sich den inhaltlichen Vorgaben des Verlags beugen und sich regelrecht verbiegen. Das Regionale birgt hingegen unglaublich erfüllende Momente, weil ich in Baden-Baden zum Beispiel bekannt bin wie ein bunter Hund. Es macht einfach Spaß, hier Premierenlesungen zu haben und die Begeisterung der Leute zu spüren. Die sprechen mich auf der Straße an oder sie schreiben mir, wie viel Freude ich ihnen bereite. Das ist fantastisch. So klein ist mein Publikum gar nicht. Ich bin inzwischen sehr zufrieden damit. Außerdem gibt es Unterschiede: Ich schreibe einerseits die reinen Regionalkrimis, in denen Baden-Baden die „Hauptrolle“ spielt. Beim „Rosenhaus“ ist diese Rolle schon kleiner, und ich habe die Rückmeldung vom Verlag, dass es sich nicht nur in der Stadt sondern Baden-Württemberg-weit hervorragend verkauft. Damit ist die Schwelle der Regionalität überschritten. Bei meinem Psycho-Krimi, in dem natürlich auch wieder ein Handlungsstrang in Baden-Baden spielen wird, wird es noch mal einen weiteren Schritt in die breite Öffentlichkeit geben. Man kann gar nicht sagen, dass ein Buch, das in Baden-Baden spielt, „nur“ Regionalliteratur ist. Es hängt immer auch mit der Aussage und Tragweite des Themas zusammen.

Kannst du uns schon etwas über deinen Psycho-Krimi erzählen?

Darf ich nicht. Ich würde gerne, aber ich darf es nicht.

Und über den nächsten Baden-Baden-Krimi?

Ja, wie gesagt, der ist gerade im Entstehen. Es sind wieder meine drei Ermittler, das kann ich schon mal verraten (lacht). Ich habe jetzt noch überlegt, ob ich vielleicht wieder eine vierte Person hinzunehme. Im Roulette war es ein Mörder, jetzt beim fünften Baden-Baden-Krimi könnte ich vielleicht die russische Putzfrau von Marie Luise Campenhausen noch mit ins Boot nehmen, aber es hat sich jetzt herausgestellt, dass es zuviel wäre. Oh, ich muss gestehen, da hakt es gerade gewaltig.

Gibt es da schon eine Zeitschiene?

Nein, ich habe den Luxus, mir Zeit lassen zu können. Ich werde mich auf jeden Fall nicht kannibalisieren und zwei Bücher in einem Jahr auf den Markt bringen wollen.

Das heißt, wenn der Psycho-Krimi nächstes Jahr kommt, dann kommt das andere Buch erst übernächstes Jahr?

Ja.

Du hast vorhin gesagt, du liest gerne historische Romane. Hast du einen Lieblingsautor, und welches Genre liest du sonst noch gerne?

Also, ganz besonders begeistert hat mich Jonathan Frantzen mit den Korrekturen. Ansonsten kann ich nicht sagen, dass ich einen besonderen Lieblingsautor habe. Eine ganze Zeitlang war mein Lieblingsbuch Die Säulen der Erde von Ken Follett. Aber die Nachfolger haben mich dann nicht mehr so vom Hocker gerissen. Vielleicht sollte man das in einem nicht sagen – aber manchmal denke ich mir, man sollte vielleicht von jedem Autor nur ein Buch lesen: Das beste. Aber welches ist das? Ansonsten muss ich sagen, dadurch, dass ich mich ja sehr mit dem Genre Kriminalroman beschäftige, habe ich leider die Unschuld des Lesens von Kriminalromanen verloren und lese sie sehr ungern.

Hast du literarische Vorbilder?

Nein. Nein. Möchte ich auch gar nicht, ich möchte einfach ich sein.

Welche Musik hörst du am liebsten?

Ganz schwere Frage. Ganz schwere Frage. Ich höre sehr gerne Klassik, die Traviata kann ich auswendig. Wie fast jedes Mädchen musste ich als Kind Klavier spielen, klassische Stücke natürlich. Mein berühmter Onkel Fritz hat mich oft in die Oper in Köln mitgenommen, das fand ich sehr schön. Ansonsten ist es wechselnd, Oldies, Phil Collins … Bei mir läuft kein Radio, kein CD-Player. Ich brauche einfach Stille. Ich bin nicht der Mensch, der immer Musik um sich haben muss.

Also du lässt dich dann auch nicht von Musik beim Schreiben inspirieren?

Nein, ich beneide die Kollegen, bei denen das funktioniert. Ich kann es gar nicht.

Möchtest du noch einmal in einer anderen Stadt als Baden-Baden leben?

Nein. Auf gar keinen Fall. Wir haben das lange geprüft, ich bin sehr oft umgezogen. Nein, auf gar keinen Fall. Baden-Baden ist in meinen Augen eine perfekte Umgebung für mich. Die Stadt ist klein, sie hat ein großes Kulturangebot. Ich kann alle meine Bedürfnisse erfüllen, das heißt, ich wandere sehr gerne, ich habe viele Freunde in der Stadt. Die Nahrungsbeschaffung ist relativ einfach und auf kurzen Wegen zu erledigen. Ja, da passt einfach alles. Und ich habe in der Stadt mein Publikum und meine Heimat gefunden.

Wie hoch ist dein aktueller SUB?

Okay… Ich komme selten an einer Buchhandlung vorbei, ohne ein Buch zu kaufen. Aber oftmals habe ich, bis ich endlich dazu komme, dieses Buch zu lesen, irgendwie keine Lust mehr, weil ich schon sehr viel darüber gehört oder gelesen habe. Zum Glück liest mein Mann sehr gerne, mehr als ich, insofern baut er oft meinen SUB ab. Wenn ich in der Schreibphase bin, dann lese ich nicht. Muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt ja viele Kollegen, die sagen: Man muss lesen, lesen, lesen, um schreiben, schreiben, schreiben zu können. Das ist bei mir ein bisschen anders.

Was ist das Beste daran, eine erfolgreiche Autorin zu sein, und was ist das Nervigste?

Das Beste daran sind die Leserreaktionen und natürlich meine Lesungen. Die liebe ich, in denen kann ich mein Buch mit Haut und Haaren vorstellen. Es ist so toll, wenn man dabei spürt, wie das Publikum mitgeht. Ja, wie soll ich sagen: Das ist mein Lohn. Mein Lohn für viele einsame Stunden der Selbstdisziplin und der Selbstüberwindung. Man hat ja nicht immer Lust, zu schreiben. Das Gehirn möchte eigentlich nicht arbeiten, es möchte lieber irgendetwas anderes tun, aber sich nicht hinsetzen und sich mit einem anstrengenden Stoff beschäftigen. Es ist auch, gerade in der Anfangsphase von Büchern, sehr anstrengend, einen Stoff im Kopf hin- und herzuwälzen und nichts zu verlieren. Das Nervigste ist, dass ich nie Feierabend habe. Dass ich diese Geschichte immer, immer mit mir herumtrage, und selbst wenn ich sie dann weggeschickt habe zum Lektorat – sie kommt ja wieder zurück zu mir, mehrmals. Bis es endlich in Druck geht, sitze ich schon am nächsten Projekt. So hört die Arbeit nie auf. Ich gönne mir keinen Urlaub, ich habe am „Feierabend“ ein schlechtes Gewissen. Ja. Das ist die Kehrseite des Berufs.

Ist es dann, weil du schreiben möchtest, also, weil es aus dir herausdrängt?

Ja. Absolut. Jeder Moment, in dem ich nicht schreibe, oder in irgendeiner Weise an einem Buchprojekt arbeite, fehlt mir dann. Jede Stunde, in der ich nicht schreibe, möchte ich wieder einholen. Das ist mir das Wichtigste, dass ich immer schreiben kann und immer die Möglichkeit dazu hätte. Da teile ich, glaube ich, mit vielen Kollegen eine tiefe Sehnsucht nach einer einsamen Almhütte. Aber das gilt nur für die ganz intensive Schreibphase des ersten Rohentwurfs. Das sind ungefähr drei Monate. Danach bin ich wieder normal.

Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Autorenleben?

Es war bei meiner Premierenlesung vom Baden-Badener Roulette. Da kamen 150 Leute, eine Riesenschlange stand im Anschluss zum Signieren an. Ein Ehepaar kam, schlug das Buch auf und bat, ich möge es „Für Herbert und Marianne“ signieren. Gesagt, getan. Nach einer halben Stunde standen die beiden wieder mit dem Buch vor mir und drucksten verlegen: „Herbert ist doch gar nicht mehr mit Marianne zusammen. Können Sie aus der Marianne eine Silvia machen?“

Und meine allerletzte Frage an dich: Welche Frage wolltest du schon immer mal gerne beantworten, aber es hat sie noch keiner gestellt?

Da fällt mir nichts ein. Es gibt auch nichts, was ich vermisst hätte in unserem Gespräch. Doch. Vielleicht kannst du mich fragen, ob ich glücklich bin. Dann sage ich Ja.

Dann sage ich herzlichen Dank für dieses !

Ich danke auch!

Im Anschluss an dieses hat übrigens ihr Projekt “Fünfter Baden-Baden-Krimi” vorerst auf Eis gelegt und widmet sich nun mit Feuereifer einer ganz neuen belletristischen Romanidee, die sie überfallen und nicht mehr losgelassen hat.

(Das wurde geführt am 25. April 2012 in Olsberg.)

 

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