Jahresrückblick 2011

Frohes Neues Jahr! Ich weiß, dass es eigentlich hier nicht mehr hineinpasst. Ich habe vor, alle persönlichen Posts auszulagern und arbeite gerade daran. Bis dahin bitte ich noch um ein wenig Geduld.

Vorherrschendes Gefühl für 2012?
Es wird sich viel verändern, hoffentlich auch etwas zum Besseren.

2011 zum ersten Mal getan?
Eine Pressekarte beantragt und auch bekommen.

2011 nach langer Zeit wieder getan?
Im Urlaub gewandert. Zuletzt in jenem fatalen Juli 2000, als ich mir mein Sprunggelenk verletzt hatte.

2011 leider gar nicht getan?
Sport getrieben. Bis auf ein paar Mal Nordic Walking. Definitiv zu wenig.

Wort des Jahres?
. Wie 2008. Wie 2009. Wie 2010.

Zugenommen oder abgenommen?
Weder. Noch.

Stadt des Jahres?
London. Wie 2007. Wie 2008. Wie 2009. Wie 2010.

Haare länger oder kürzer?
Gleich, nur jetzt in Natur.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Beides. Massiver Fortschritt der Altersweitsichtigkeit.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Gleich zuviel.

Höchste Handyrechnung?
Immer gleichbleibend.

Krankenhausbesuche?
Nein, glücklicherweise nicht.

Verliebt?
Ja, immer mit der gleichen Hoffnungslosigkeit.

Getränk des Jahres?
Dunkles Bier. Augustiner.

Essen des Jahres?
Confit de Canard.

Most called persons?
Meine Freundin, die ich nun seit 30 Jahren kenne.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Vorstellungen in Münchens schönstem Theater. Und danach ;-)

Die meiste Zeit verbracht mit?
Vorstellungen in Münchens schönstem Theater. Und arbeiten natürlich.

Song des Jahres?
See how the fates their gift allot

CD des Jahres?
The Mikado

Buch des Jahres?
: Die Mondspielerin

Film des Jahres?
The King’s Speech. Einfach grandios. Und Colin Firth ist ein Schnuckel.

Konzert/  des Jahres?
Lohengrin im Januar und Les Contes d’Hoffmann im November im Nationaltheater.

TV-Serie des Jahres?
Isch habe gar keinen Fernsäher.

Erkenntnis des Jahres?
Ich kann mir nur selbst helfen. Ich muss es aber auch wollen.

Drei Dinge auf die ich gut hätte Verzichten können?
Die drei schweren Husten des Jahres.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Neue Autoren für den Blog zu gewinnen.

Schlimmstes Ereignis?
Die Erkenntnis, nur benutzt worden zu sein.

Schönstes Ereignis?
Da gibt es mehrere: Fünf Tage in Istanbul im Sommer, eine Woche nur in Buxton, so viele schöne Stunden mit lieben Freunden

2011 war mit einem Wort?
Kein großer Schritt vorwärts.

Ich wünschen allen Freunden dieses Blogs, den stillen und den kommentierenden, einen schönen Start ins Neue Jahr und ein glückliches, zufriedenes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2012!

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Moritz Kienast (Hrsg.) – I hate Berlin: Unsere überschätzte Hauptstadt

Berlin, das ist für mich Klassenfahrt mit dem Leistungskurs Geschichte, das ist am Kudamm stehenbleiben und mit Tränen in den Augen auf der großen elektronischen Anzeige lesen, dass die ersten DDR-Bürger über Ungarn ausreisen dürfen, das ist MoMA ohne Langstreckenflug. Ich war jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr dort, aber ab nächstem Jahr stehen regelmäßige Besuche an und schon allein deshalb hat es mich interessiert, warum einige von mir sehr geschätzte Autoren unsere Hauptstadt nicht mögen.

Das erste Essay hätte mich beinahe das Buch wieder aus der Hand legen lassen, denn ich empfand es als polemisch und garstig, es war zwar sehr gut geschrieben, hinterließ bei mir aber irgendwie einen schlechten Nachgeschmack. Versöhnt hat mich aber gleich danach die “Fünfzehn Gründe, als “ambitionierter Künstler” von Hamburg nach Berlin zu ziehenvon . Die Anführungszeichen im Titel geben den Ton vor, satirisch nähert sich die Autorin Künstlern in Berlin an, da konnte ich schon mehr als einmal schmunzeln. Berührend erzählt von seiner Zeit als Grenzposten an der Mauer und bringt mir die Geschichte der Stadt damit viel näher als jeder Leistungskurs es je vermag, ebenso wie Hauke Hückstädt mit seiner sehr persönlichen Sicht auf Berlin. Stefan Bonner und Anne Weiss vergleichen Berlin mit Köln und es ist zwar nicht überraschend, wer das Duell gewinnt, aber durchaus gut argumentiert. findet zwar, dass Berlin die mit größtem Abstand wunderbarste Stadt der Welt ist (hier muss ich ihm leider widersprechen, besser als in München lässt es sich sicher nicht leben), warnt den Leser aber trotzdem vor Taxifahrten vor Ort. Nach der Lektüre von s “Weltstadt der Agoraphobiker” versteht man, warum Berlin eigentlich ein Dorf ist, oder vielmehr viele Dörfer. Bov Bjerg schließlich hat mich mit seinem Vergleich von Berlinern und Schwaben heftig zum Lachen gebracht. Auch die Geschichten der anderen 17 Autoren, darunter so bekannte Namen wie , , und sind sehr interessant und beleuchten Berlin und Provinz gleichermaßen. So bekommt man als Leser einen umfassenden Eindruck, der zwar nicht immer so total negativ ist, wie der Titel vermuten lässt, aber der Hauptstadt durchaus ein wenig die Schminke aus dem Gesicht wischt und das verlebte, gequälte Lachen darunter zum Vorschein kommen lässt. Bereichert wird das Ganze durch Zitate über Berlin, die zum größten teil aus dem 19. Jahrhundert stammen und zeigen, dass Berlin damals schon gehypt wurde, dem aber nicht jeder folgen kann. Die Cartoons von Claas Janssen mit Texten von Tommy Mayer peppen das ganze noch optisch etwas auf und erzählen auch eine eigene Geschichte.

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Der Nussknacker, 26.12.2011, Gärtnerplatztheater

Ich hatte mir fest vorgenommen, mit einem offenen Geist in diese Vorstellung zu gehen. Doch leider war die Inszenierung bei mir schon nach drei Minuten unten durch. Wer eine Ouvertüre so lang andauernd und nachhaltig stört, sollte sich vielleicht Peter-Alexander-Liedern zuwenden. Es soll auch Besucher einer Ballettvorstellung geben, die nicht der knackigen Körper, sondern der Musik und der Bewegung wegen kommen. Denen sei diese Aufführung nicht empfohlen. Auch später quasseln die Blumen mitten in die Harfe hinein. Wer so wenig Respekt vor der Musik hat, kann meiner Meinung nach keine gute Choreografie machen. Auch hatte ich im ersten Teil immer wieder das Gefühl, dass es eigentlich egal ist, was im Graben gespielt wird. Musik und Tanz passten nicht wirklich zusammen.

Leider hat es sich Hans Henning Paar auch nicht nehmen lassen, dem bei Jung und Alt beliebten Stück seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. Zuckerburg ade, Märchen olé. Nur dass diesen Märchen ganz klar der rote Faden fehlt, dass man sich manchmal am Kopf kratzt und fragt, was genau denn das jetzt für ein Märchen gewesen ist. Aber wen interessiert das schon, wenn man es so schön rote Blätter regnen lassen kann. Getanzt wurde übrigens für meinen Geschmack recht gut, zumindest Semi-Klassisch, mehr war wohl nicht drin. Caroline Fabre als Zuckerfee zeigte Spitzentanz und den sieht man ja wahrhaftig selten im schönsten Theater Münchens.

Den meisten Applaus erntete am Ende aber das Orchester unter , zu Recht, wie ich meine.

Übrigens, hier wird der aktuelle Nussknacker der Semperoper vorgestellt. Der ist auf jeden Fall einen zweiten Blick wert:

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Der Freischütz, 25.12.2011, Gärtnerplatztheater

Der Freischütz

Das war ein ausgesprochen schöner Abend mit dem ”Freischütz”. Wenn wir mal die bescheuerte “Wolfsschlucht” außer Acht lassen, durch die alle staksen müssen wie Störche im Salat. Die Beleuchtung ist hier durchaus effektvoll, und alle Darsteller schaffen es, trotz der Balanceakte ihre Würde zu bewahren, also wirkt die Szene trotzdem. als Caspar gefiel mir sehr gut. Seine Stimme ist immer wunderbar anzuhören. Darstellerisch setzt er zum Teil andere Akzente als die Alternativbesetzung, zum Beispiel wird die Vergewaltigungsszene bei ihm so dezent angedeutet, dass man sie nur erkennt, wenn man darum weiß. Insbesondere bei dieser Vorstellung war das eine sehr gute Idee, sonst hätte doch noch eins der vielen Kinder zu heulen angefangen. sang die Agathe sehr berührend, mit wundervollen Arien. sang und spielte das Ännchen mit Energie und Pfiffigkeit und einer tollen Ausstrahlung. als Eremit war stimmlich und darstellerisch eine imposante Erscheinung – Glückwunsch hier auch an die Maske! als Fürst Ottokar gefiel mir supergut – jeder Zoll ein Herrscher. Ein sehr gut aussehender, übrigens. als Samiel ist ein Genuss fürs Auge. in der zentralen Rolle des Max war ganz große Klasse, sehr überzeugend. Allein die Schluss-Szene, der wortlose Dialog zwischen Max und Agathe, war wirklich beeindruckend: bedeutete ihr in Mimik und Gestik: “Ich habe getan, was ich konnte, ich habe mein Bestes gegeben, was soll ich noch tun?” Absolut fabelhaft.

Und dann gab es da noch den Cuno. Der mit einer Papiertüte über dem Kopf bestimmt aufregender gewirkt hätte. Die exquisite Farblosigkeit, die dieser spezielle Darsteller seinen Figuren verleiht, fand ich immer schon bemerkenswert. (Wenn ich nur an den Micha in der “Verkauften Braut” denke, wo er quasi mit der Tapete verschmilzt!) Es hatte mich aber zuvor nie besonders gestört. Auch an diesem Abend war an seiner Leistung objektiv nichts auszusetzen. Subjektiv gesehen hatte ich den Cuno immer für eine kleine, relativ unbedeutende Rolle gehalten. Das stimmt aber nicht, musste ich bei dieser Vorstellung feststellen. Auch diese kleine Rolle ist offensichtlich für die Atmosphäre nicht ganz unwichtig: Jedesmal, wenn dieser Cuno auftrat, schoss mir der ernüchternde Gedanke durch den Kopf, dass da eigentlich nur ein paar Leutchen wie du und ich in unmodernen Klamotten auf einer staubigen Bühne stehen und versuchen, den Zuschauern etwas vorzumachen. Sobald die Kollegen sangen, verschwand dieses Gefühl sofort wieder. Dieser Cuno, der eigentlich aufgrund seiner Position als fürstlicher Erbförster vor Selbstbewußtsein strotzen müsste, erinnerte mich eher an eine der Figuren von Wilhelm Busch. Über das Phänomen, warum der eine Solist das Interesse des Zuschauers weckt, auch wenn er nur reglos dasteht, und der andere so überhaupt nicht, habe ich dann den halben Abend ergebnislos nachgedacht. Es würde ja auch nicht viel bringen, einem Darsteller zu sagen: “Sei doch mal ein bisschen charismatisch!” Obwohl dieser Herr einer der größeren Solisten auf der Bühne war – in Zentimetern gesprochen – wirkte er, als er zum Beispiel direkt neben dem Max stand, kleiner, obwohl er diesen eigentlich vom Längenmaß her überragt – eine faszinierende optische Täuschung. Dieser Cuno bekam, wie alle anderen auch, großen Schlussapplaus im ausverkauften Haus. Die Schuld liegt also ganz allein im Auge des Betrachters, und jedem beleidigten Fan stelle ich mich gerne zum Duell. Nur bitte nicht im Morgengrauen.

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Cleveland Amory – Die Katze, die zur Weihnacht kam

Das Buch stammt bereits von 1987, ist aber in seiner genauen Betrachtungsweise der Beziehung zwischen Katze und Mensch allgemeingültig. Der Autor, einer der bekanntesten Tierschützer in Amerika, versteht es, auch Nicht-Katzenbesitzern das Wesen von Katzen näher zu bringen. Immer mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Zusammen mit den wunderschönen Illustrationen von Silvio Neuendorf ein ideales Weihnachtsgeschenk für Menschen, die bereits das Eigentum einer oder mehrerer Katzen sind und für solche, die es werden wollen.

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La Cage aux Folles, 22.12.2011, Gärtnerplatztheater

Ein Käfig voller Narren (La cage aux folles)

All jenen, die Männer bislang unter der Rubrik “Harte Schale, weicher Keks” subsumiert haben (fantasiert, konsumiert, inkommodiert, desertiert oder abserviert, was auch immer Sie damit machen), denen muss man sagen: Das stimmt nicht. Zumindest nicht für alle. Männer sind keineswegs alle gleich. In der Beziehung, die hier auf der Bühne gezeigt wird, kommunizieren die beiden jedenfalls von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Kommunikation ist ja für eine gelungene Partnerschaft un-ab-ding-bar, gemäß der alten Bauernregel: Wenn die Teller hoch fliegen, gibt’s gutes Wetter. Wenn das Geschirr unterhalb von zwei Metern an die Wand donnert, ist die Prognose durchwachsen. Die aufregenden Geschöpfe, die hier über die Bühne stöckeln, brauchen sich allerdings ums Beziehungsmanagement weiter keine Gedanken zu machen: Viele Zuschauer würden sich jederzeit als Ersatz zur Verfügung stellen. Die Herren aus dem Publikum mustern seufzend die flachen Absätze und hochgeschlossenen Blusen der Damen an ihrer Seite. Die Damen fragen sich, warum all diese schnuckligen Jünglinge und eleganten Männer keine Frau gefunden haben, so dass sie in Begleitung eines Kumpels ins Theater gehen mussten. Der Mann auf dem Platz neben uns arbeitet tagsüber vermutlich als Radioreporter und begleitete den ersten Teil der Aufführung mit einer angenehmen, kräftigen Stimme (bis sogar seine Freunde ihm bedeuteten, mal abzuschalten). Gleich am Anfang behandelte er die Frage, warum der Typ da unten bei den Musikern schon beim Reinkommen Applaus bekam, wo er noch überhaupt nichts gemacht hatte.

Der musikalische Leiter, , wurde dann seinen Vorschusslorbeeren durchaus gerecht. (Einen anderen als Herrn KUSSel hätte man ja für diese Produktion gar nicht nehmen können.) Überhaupt hatte der Regisseur Helmut Baumann viel Sinn fürs Detail. Es war eine tolle Show, von Albin bis Zaza (). Die Buchstaben dazwischen, Mercedes, Phädra, Hanna, Chantal, Dermah und wie sie alle heißen (Tom Schimon, Konstantin Krisch, Jesco Himmelrath, Gaines Hall, Volker Michl und die Herren vom ) kamen in den Kostümen von Uta Loher so richtig zur Geltung. Die Rolle des Georges ist auf den Leib geschrieben. und als das Liebespärchen Anne und Jean-Michel behaupteten sich erstaunlich gut inmitten der rassigen Schönheiten um sie herum, obwohl beide in normalem Schuhwerk auf der Bühne standen. Edouard Dindon () benahm sich nach besten Kräften daneben. Seine Gattin Marie () hatte grundsätzlich immer Schuld und stand ihm regelmäßig im Weg herum. Der Mann aber, wegen dem ich nochmal in diese Vorstellung gehen werde, heißt Jacob oder Chantal – nein, Pauline? Egal, jedenfalls eine dieser kleinen französischen Leckereien. Manchmal nennt er sich auch . Abgesehen davon, dass er in jeder Klamotte rasend gut aussieht, macht er die raffiniertesten Statik-Experimente, und das ganz ohne Architekturstudium. Allein bei der Szene, wo er zu seinem ersehnten Finale abrauscht und dazu auf seinen himmelhohen Stilettoabsätzen aus der Tür schlingert, blieb den Orthopäden im Zuschauerraum vermutlich die Luft weg: So ein 90-Grad-Schwenk in vollem Lauf, mit seitlicher Belastung des rechten Knöchels, geht bei den meisten Leuten nicht mal in Turnschuhen gut. Was für ein Mann! Ich persönlich fühle mich ja in einer dieser klassischen Dreiecksbeziehungen am wohlsten (me, myself and I), aber manchmal mache ich eine Ausnahme.

Wir vom Blog “Nacht-Gedanken” wünschen euch allen ein frohes Fest:

Wee fish ewe a mare egrets moose, panda hippo gnu deer!

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Faust I, 16.12.2011, Pepper-Theater

Natürlich kannte ich den Faust von Goethe, so gut man halt ein Stück Literatur kennt das zur Allgemeinbildung gehört, man es aber nicht selbst gelesen hat. Es hat mich schon sehr überrascht, wie viele Zitate ich daraus kannte, die meisten durch den Monolog des Frosches in der Fledermaus am . Jetzt, wo ich weiß, woher diese Zitate stammen, bekommen sie in diesem Zusammenhang noch einmal eine andere Bedeutung.

Das liegt im Keller und bietet rund 100 Personen Platz. Die bequeme Bestuhlung erinnert ans Kino, komplett mit Flaschenhalter, was zwei anwesende Schulklassen auch gleich dazu animiert hat, kräftig dem Alkohol zuzusprechen. Die Lehrer hatten sich vorsichtshalber schon mal abseits gesetzt, damit sie auch ja nichts davon mitbekommen. Entsprechend war teilweise der Geräuschpegel. Das Münchner Galerie Theater ist ein freies Theaterensemble, das seit einiger Zeit hauptsächlich in diesem Theater spielt.

Das Bühnenbild von Manuela Clarin setzte sich aus verschiedenen Ebenen zusammen, von lebensgroß bis Miniatur. Es spielten nämlich nicht nur die Schauspieler, manche Szenen wurden durch Marionetten oder Stabpuppen dargestellt. Ich fand diese Idee sehr schlüssig und gut umgesetzt. So ließen sich auch Szenen wie der Osterspaziergang realisieren. Es zeigt sich mal wieder, wie gut man die Fantasie der Zuschauer auch mit geringen Mitteln anregen kann. Die ausgezeichnete Personenregie von Ingmar Thilo tat ein übriges, um den Abend kurzweilig und interessant zu gestalten. So schaue ich mir auch Klassiker gerne an.

Die Schauspieler waren ganz ausgezeichnet, allen voran Amadeus Bodis als Faust, als Gretchen und Raphaela Zick als Mephisto. Ihre intensive Darstellung erweckte die Figuren wirklich zum Leben. Weiter waren noch Brigitte Hoerrmann, Ulf-Jürgen Wagner, Manuela Clarin, Sabine Heckmann und Franziska Fischer zu sehen, die teils in wechselnden Rollen ihr Können zeigten.

Ein sehr gelungener Abend, der Lust auf mehr Klassiker macht. Das Münchner Galerie Theater hat auch den Faust II sowie Maria Stuart im Repertoire, die werde ich mir auf jeden fall noch ansehen.

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Die Verkaufte Braut, 19.12.2011, Gärtnerplatztheater

Szenenfoto Die verkaufte Braut

Das Orchester unter war an diesem Abend fabelhaft. Alles andere an dieser Vorstellung war auch sehr gut, und das an einem Montagabend vor Weihnachten! Der Applaus in dem gut gefüllten Haus war entsprechend groß, mit vielen Bravo-Rufen. Mit so einem Ensemble braucht man sich um die Zukunft des Gärtnerplatztheaters auch in der Umbau-Phase keine Gedanken mehr zu machen. Äh. Habe ich was Falsches gesagt? Oh, ich vergaß, es wird die kommenden drei Spielzeiten kein vollständiges Ensemble mehr geben. Ach so. Wie dumm von mir. Dann genießen wir es zumindest, solange wir es noch haben.

in der Rolle als “verkaufte Braut” Marie war in der vorhergehenden Braut-Vorstellung unglaublich fabelhaft, supertoll und hinreißend gewesen, und auch in dieser war sie hervorragend.  als Hans und als Kecal gefielen mir beide ausgesprochen gut, und auch darstellerisch war das eine feine Sache. Mario Podrecnik als Wenzel ist immer klasse, und an diesem Abend war er so gut in Form, dass der Wenzel schon fast etwas aufmüpfig klang. Bei (Ludmilla) konnte man die ausgefeilte Personenregie Peter Baumgardts bewundern, und auch die anderen Eltern, Kruschina, Micha und Hata (, Martin Hausberg und ) machten ihre Sache gut. Aufregend wie immer als Esmeralda: , die übrigens auch immer ausgezeichnet bei Stimme ist (und ich habe sie nun doch schon des öfteren in unterschiedlichen Rollen gehört). Ein Detail für Kenner war, dass (wie schon bei der vorherigen Vorstellung) Gelegenheit bekam, in der Rolle des Zirkusdirektors seinen Charme zu zeigen. Vorher und nachher sang er auch noch an seiner gewohnten Chorposition. Entweder man konnte seinen Tenor nicht entbehren, oder er war choreografisch unverzichtbar. Oder beides. Zwar brauchte es zwei Sänger, um den zuweilen überlebensgroßen zu ersetzen, aber dann klappte das sehr gut. Der Rap wurde gesungen von , und in einer Bass-Stimme klingt er auch noch cooler.

Das Publikum hat sich anscheinend mittlerweile an Rap, Breakdance und sonstige Exotismen gewöhnt, und der Teenager hinter mir war davon völlig begeistert. Es heißt ja immer, man muss die Schüler da abholen, wo sie stehen, und wer hätte gedacht, dass ein derartig gutes Händchen für die Jugend besitzt? Vor allem, nachdem deren Lebenswirklichkeit mit der des durchschnittlichen Opernbesuchers herzlich wenig zu tun hat. Und meine Lebenswirklichkeit wird dann in der nächsten Spielzeit so aussehen, dass ich kreuz und quer durch München fahre, um irgendwelche Neuproduktionen anzuschauen, wo ich nur einen oder zwei der Mitwirkenden kenne? Hm. Mal sehen. Ich denke, das werde ich dann recht kurzfristig vom Besetzungszettel abhängig machen.

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Der Mikado, 08.12.2011, Gärtnerplatztheater

Der Mikado

Das und der Regisseur haben sich für eine deutsche Fassung des Stücks “” von entschieden. Diese deutsche Fassung ist von Walter Brandin und Arno Assmann und hat einen Erzähler, diesen gibt es im englischen Original nicht. Am Gärtnertheater wird diese Rolle von sehr eindrucksvoll gestaltet, aber die Dialoge sind an einigen Stellen zu lange. Es hätte gerne gekürzt werden können, und die Übergänge der Szenen Dialog-Musik wäre schneller auf den Punkt gekommen. Nun aber genug davon. Es gibt ja so viel Schönes an der Produktion: Das schlicht gestaltete Bühnenbild von Peter Engel, das von der gelungenen Lichtgestaltung von Hans Guba zum Leben erweckt wird und in jeder Minute eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt. Schon wenn sich beim langsamen Satz der Ouvertüre der Vorhang öffnet und die roten Lampions leuchten. Kostümbildnerin Sandra Münchow hat zeitlose Kostüme gestaltet, Anzüge in verschiedenen Graustufen mit Zeitungsaufdrucken, beim großen Auftritt des Mikado schwarze Anzüge mit goldgelben Ärmeln und für den Frauenchor bunte blumenbedruckte Kleider mit Schleifen. kann bei seiner Regie und der Entwicklung der Personenführung ganz auf das spielfreudige Ensemble des Theaters setzen. Ein Glücksgriff ist auch der Dirigent der Produktion : mit dem gut gelaunten und spielfreudigen Orchester blühen die Melodien von Sullivan aus dem Orchestergraben; an dieser Stelle ein besonderes Lob an die Holzbläser.

Der Mikado

Yam-Yam, Mündel von Co-Co, und Nanki-Poo wurden an diesem Abend von Therese Wincent und Mario Podrecnik gespielt. Therese Wincent beeindruckte während der ganzen Aufführung mit ihrer Bühnenpräsenz. In Gesang, Spiel und Choreographie war sie ideal für die Rolle der Yam-Yam. Der gut geführte Tenor von Mario Podrecnik stand ihr in nichts nach. Einen gelungenen Auftritt hatte auch als Mikado, mit kräftigem Bass und enormer Autorität. als älteres Hoffräulein Katisha war voll in ihrem Element, ausgestattet mit kräftigem Mezzo und großer Bühnengeste. Der Scharfrichter von Titipu, Co-Co, der kein Blut sehen kann, mit der Vergangenheit eines Schneiders, wurde gelungen verkörpert von . Dieser hatte an diesem Abend Glück und bekam viel sichere Unterstützung aus dem Orchestergraben. Sehr aufmerksam! Die restlichen Rollen waren rollendeckend und gut besetzt: (Pooh-Bah, Minister für alles), (Pitti-Sing), (Peep-Bo) und (Pish-Tush, ein Edelmann). Der Chor, in der Einstudierung von Inna Batyuk, sang an diesem Abend sehr klangschön, und auch die Darstellung war wieder sehr gelungen.
Es ist schön, dieses Stück von am zu sehen und zu hören mit dem noch existierenden Ensemble.

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Der Mikado, 13.12.2011, Gärtnerplatztheater

Der Mikado

Zuallererst möchte ich mit einem weitverbreiteten Missverständnis aufräumen: 49 ist eine Zahl kleiner als 100, auch wenn man das in letzter Zeit zuweilen anders gehört hat. 49 ist immer noch 49. Okay, meinetwegen auch 48, aber bestimmt nicht 125. Diese ärgerliche Tatsache erklärt sich aus dem Umstand, dass man nach der Rechtschreibreform auf halbem Wege stehengeblieben ist und die Mathematikreform, auf der so viele Hoffnungen ruhten, immer noch nicht implementiert wurde. Konkret: Auf der Internet-Seite des Gärtnerplatztheaters findet sich unter “Repertoire > Repertoire seit 1947″ der Premierentermin 30.01.1963 für ein Stück namens “”. Was auch das Erscheinungsdatum der deutschen Fassung von Assmann/Brandin erklärt.

Die Inszenierung von damals hätte ich ja auch gerne gesehen, aber man kann nicht alles haben. Fast 49 Jahre später sitzt man also in der sehr schönen fünften Vorstellung der aktuellen Mikado-Produktion und amüsiert sich. Interessant war, dass das Publikum an anderen Stellen lachte als ich. Die hintergründigen Anspielungen und subtilen Scherze entfalten erst beim zweiten Ansehen so richtig Wirkung, würde ich sagen. Beim ersten Mal amüsiert man sich auch, nur eben über andere Elemente. Nicht jeder Deutsche hat alle Folgen von “Fawlty Towers” gesehen, und daher erklärt sich wohl auch, dass hier nicht an jeder Stelle gelacht oder geklatscht wurde, wo die Engländer es gewohnt sind: Die Zuschauer waren etwas überrascht, wurden aber durchaus auf dem richtigen Fuß erwischt: Es gab großen Schlussapplaus. Auf der Bühne sah man die fast komplette Premierenbesetzung, die mir schon im November sehr gut gefallen hatte, und an diesem Abend eben auch. Besonders bemerkenswert war , der in der Rolle des Pish-Tush so schmierig war, dass man sich an einigen Stellen bemüßigt fühlte, die Hände an der Hose abzuwischen, und , die durch ihre Stimmstärke beeindruckte. als Kokos Mündel Peep-Bo war unwiderstehlich charmant. war gut bei Stimme, und gefällt mir ohne Maske übrigens noch besser.  zeigt in der Figur des Pooh-Bah, dass ihm auch unernste, verspielte Rollen liegen. Den Gilbert’schen schwarzen Humor, wo auch noch die absurdeste Situation mit einem coolen Spruch und einer Tasse Tee einhergeht, konnte ein Teil des Ensembles ja schon bei den “Piraten von Penzance” üben.

Die einzige Abweichung zur Premierenbesetzung war als Mikado, und der war ausgesprochen gut. Insbesondere die -Einlage war klasse. Auch bei Künstlern, die man ein wenig zu kennen meint, entdeckt man also immer wieder neue Seiten. Kurz beschlich mich der Verdacht, dass Herr Ballard in Wirklichkeit netter ist als der blutrünstige Despot, den er darstellt. Jedenfalls hat sogar dieser lächelnde Psychopath ordentlich Respekt vor Katisha, fabelhaft dargestellt von , die im roten Kostüm so dominant auftritt, dass man denkt, sie könnte Tiger töten. Ich frage mich zwar, ob Gilbert diese Rolle wirklich so sexy angelegt hat … Katisha wird als furchterregende Persönlichkeit beschrieben, aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Jedenfalls wird sie, kaum dass Koko Interesse zeigt, unversehens zum schnurrenden Kätzchen. Frauen sind doch alle gleich. Kiss me, tiger! Naja, vielleicht sind sie doch nicht alle völlig identisch. Ich wüsste jedenfalls gerne, worüber sich Katisha und Koko am Frühstückstisch unterhalten. (Mit verschmitztem Charme in der Rolle des Koko: .) als Yum-Yum und als Nanki-Poo sangen und spielten die beiden Turteltäubchen sehr romantisch. Musikalisch wird dieses Stück mit jeder Vorstellung besser, wobei die Qualitätssteigerung wohl hauptsächlich zwischen den Ohren stattfindet: Man hört sich ein. Das Orchester unter spielte sehr gut. Der Chor spielte ebenfalls hervorragend, und singen können sie ja bekanntermaßen auch.

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