Wieso hat mir die Musik eigentlich mal nicht gefallen? Nur viereinhalb Mal ansehen später höre ich sie sogar unterwegs. Bestimmte Stücke zumindest, wie “In these last years”, in dem mir Holger Ohlmann heute wieder sehr gut gefallen hat. Ist das eine Oboe, die ihn anfangs begleitet? Ich bin so schrecklich ungebildet und unmusikalisch. Wenn ich noch weiter überlegen, fallen mir bestimmt noch ein paar uns ein.
Aber zurück zum Abend. Der hat mal wieder gezeigt, dass es sich um ein absolutes Profitheater handelt, das sich auch durch ungewöhnliche Vorkommnisse nicht aus dem Konzept bringen lässt.
Besonders geachtet habe ich heute mal auf die Szene in der Kirche, der Halleffekt, der durch den Chor erzeugt wird, ist schon beieindruckend. Überhaupt ist es einfach immer wieder schön zu sehen und zu hören, dass in dieser Inszenierung einfach alles stimmt – vom Bühnenbild über die Personenführung, von den auf der Bühne agierenden bis zu denen im Graben.
Die Vorstellung war heute wieder sehr gut besucht, aber es ist doch immer wieder ein leichter Schwund zur Pause zu verzeichnen. Es würde mich mal interessieren, mit welchen Erwartungen diese Leute an den Abend herangehen, die dann nicht erfüllt werden. Der großen Mehrheit, die bis zum Schluss da blieb, hat es jedenfalls sehr gut gefallen, frenetischer Jubel für Hans-Jürgen Schöpflin, Gary Martin und David Stahl zeugten davon. Aber auch die restlichen Solisten, Chorsolisten und die Tänzer wurden mit reichlich verdientem Beifall bedacht. Besonderern Jubel für Florian Simson, dem ich hier ebenfalls alles Gute auf seinem weiteren Weg wünsche.
Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: danke für eine tolle Spielzeit! Ich wünsche allen Beschäftigten des Theaters und allen, die sonst damit zu tun haben, einen schönen, erholsamen Sommer!
Das war ja heute gestern die vierte Lady diese Spielzeit für mich und obwohl alle anderen auch fantastisch waren, war diese die Beste. Es kam mir so vor, als ob alle wirklich alles aus sich herausgeholt haben, um Marianne Larsen eine schöne letzte Vorstellung zu ermöglichen.
Denn schon auf der Homepage des Theaters war angekündigt, dass sie heute die Eliza zum letzten Mal singen wird. Ich finde sie nach wie vor in dieser Rolle sehr überzeugend, berührend, komisch. Die Nachfolgerin wird sich anstrengen müssen, denn gerade heute hat sie die Messlatte sehr hoch gelegt. Das Publikum feierte sie auch dementsprechend und vom Theater gabs auch noch einen schönen Blumenstrauß.
Christian Hübner, der das Ensemble verlässt, verabschiedete sich mit dieser Vorstellung vom Münchner Publikum. Ich finde das sehr schade, insbesondere seinen Antonio habe ich immer sehr geschätzt. Aber auch in seinen anderen Rollen, sei es ein Matteo, Moser, ein Geldverleiher, Grenvil, Checco, Kromow, Sergeant der Polizei oder eben 3. Cockney konnte er durch Stimme und Darstellung überzeugen. Ich wünsche ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute, vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit für ein Wiedersehen und -hören.
Ansonsten nur Höchstleistungen, wohin man blickte – und zu Schauen gibt eshier ja wirklich genug. Stefan Sevenich bekam heute sogar Applaus, obwohl er in der Szene weder gesungen noch getanzt hat, rein für seine darstellerische Leistung. Schön, dass das auch mal gewürdigt wurde, seine Tanz- und Sangeskünste bekommen ja eh immer sehr viel Beifall, zu Recht, sie tragen ja auch zu einem erheblichen Teil zum Erfolg des Abends bei.
Aber auch das restliche Ensemble braucht sich nicht zu verstecken und des halb erlaube ich mir mal ausnahmsweise, die Besetzungsliste zu posten:
Eliza Doolittle: Marianne Larsen
Henry Higgins: Dirk Lohr
Oberst Pickering: Gunter Sonneson
Mrs. Eynsford-Hill: Rotraut Arnold
Freddy Eynsford-Hill: Thomas Peters
1. Cockney: Mario Podrečnik
2. Cockney: Franz Garlik
3. Cockney: Christian Hübner
4. Cockney: Werner Stückmann
Alfred P. Doolittle: Stefan Sevenich
Kneipenwirt: Fritz Graas
Harry: Martin Hausberg
Jamie: Thomas Schimon
Mrs. Pearce: Christel Peschke
Mrs. Hopkins: Rotraut Arnold
Butler: Markus Heissig
1. Stubenmädchen: Isabella Pregartner
2. Stubenmädchen: Barbara Wozniak
3. Stubenmädchen: Christa Schneider
Mrs. Higgins: Susanne Heyng
Karpathy: Dieter Kettenbach
Lord Boxington: Hans-Otto Weinand
Lady Boxington: Astrid Weimann
Majordomus: Christian Ammermüller
Königin von Transsylvanien: Fiona Copley
Prinz von Transsylvanien: N. N.
Mrs. Higgins’ Zofe: Ulrike Aberle
Stiefmutter: Hedi Klauser
Ohne den Chor und seine Spielfreude wäre das Stück natürlich nur halb so schön und auch das Orchester unter Henning Kussel trug seinen Teil zu einem fantastischen Abend bei.
Danke an alle Beteiligten, auch diejenigen, die die technische Seite betreuen oder immer das Sofa nach vorne schleppen. Der große Erfolg dieses Stückes beruht meiner Meinung nach -neben den bekannten Melodien- auch auf dem hervoragendem Zusammenspiel aller. Chapeau!
Eigentlich müsste ich jetzt ein Patent anmelden, denn ich habe die Formel fürs Unsichtbarsein gefunden. Wenn man (=ich) nur unwichtig – uninteressant – unwürdig – unattraktiv (Nichtzutreffendes bitte nicht streichen) genug ist, dann schafft Mann es auch, durch mich trotz meiner durchaus ausladenden Körperformen hindurchzusehen.
Genug der persönlichen Eitelkeiten. Es begann, wie wohl schon Tradition, mit einer Bläserfanfare
Danach rockte erst mal das jtg den Platz, hier Antonia Welke mit einem wunderschönen Song aus Les Miserables
und dann Ausschnitten aus Mensch, sterblich, sucht,… und dem neuen Musicalprojekt “Snoopy”
Danach versteigerte der Intendant Herr Dr. Peters gewohnt launig ausgemusterte Kostüme, leider zog das Publikum nicht richtig mit.
Ich habe mir ja schon schwer überlegt, ob es mir einen höheren zweistelligen Betrag wert ist, ihn in einem der Frauenkostüme zu sehen, aber ich habe das Geld dann doch lieber in Theaterkarten investiert.
Danach folgte erst mal ein heftiger Regenguss, der Wettergott war dem Fest in diesem Jahr nicht wirklich wohlgesonnen. Da hat wohl irgendwer sein Tellerchen nicht aufgegessen.
Die Sopranistin Elaine Ortiz Arandes überraschte mit ihren Mädels und einem ganz eigenen Sound
Bei den Orchestermusikern mit Volksmusik fing es dann erneut zu regnen an, so dass Rotraut Arnold mit ihrer fulminanten Zusammenstellung der Lieder von Hans Fritz Beckmann erst mit Verspätung auf die Bühne konnte.
Es folgte der Kinderchor mit einem Abbamedley in gewohnt guter Qualität und die beiden Sopranistinnen Christina Gerstberger und Stefanie Kunschke mit Liedern abseits des Opernrepertoires.
Frau Gerstberger überzeugt mit einem Telefonat mit Margaret
und einer wunderschönen Interpretation meines All-Time-Favourite “Summertime” aus Porgy und Bess.
Frau Kunschke empfahl sich für die Musical-Sparte mit “Ich hätt’ getanzt heut nacht”, das zweite Lied haben ich wegen eines akuten Hustenanfalls leider nicht mitbekommen.
Johannes Wiedecke schließlich kämpfte tapfer mit ungewohnten, aber sehr ansprechenden Melodien am Flügel gegen den wiedereinsetzenden Regen, dem er sich schliesslich geschlagen geben musste. Schade!
Am Rande habe ich viele wirklich sehr nette Menschen getroffen, neue kennengelernt und mich gut unterhalten.
Krankheitsbedingt gibt es keinen Bericht zu Death in Venice gestern. Ich war nur bis zur Pause da und wenn ich ehrlich bin, wäre es besser gewesen, ich wäre gar nicht gekommen.
Der Schluss heute Abend war wirklich phänomenal. Toll gestaltet von Frances Lucey, Thomas Peters, Gregor Dalal und Marianne Larsen. Letztere brillierte, wie immer, möchte ich schon fast sagen, als Mrs. Lovett. Mein Lieblingsstück wie schon die letzten Male “Am Meer”. Schon bewundernswert, wie sie es schafft, neben all der Komik auch noch eine unterschwellig erotische Ausstrahlung zu haben. Florian Soyka, Milica Jovanovic, Johannes Wiedecke, Dirk Lohr und Mario Podrečnik trugen das ihre zu einem gelungenen Abend bei.
Der Chor ist natürlich ein Kapitel für sich. Ohne ihn wäre dieses Stück flach wie ein Brett (so wie der Film es ist). Erst seine Spielfreude und Gesangsqualitäten geben dem Ganzen Konturen. Aus dem Orchestergraben schließlich der unverzichtbare Unterbau, souverän unter Andreas Kowalewitz.
Nur das Zusammenspiel aller bürgt für einen außerordentliches Erlebnis aller Sinne und das war es – heute Abend.
Danke an alle Beteiligten – auch an die hinter der Bühne, die natürlich genauso zum Gelingen beitragen und so gut wie nie den wirklich verdienten Applaus bekommen.
Auch beim dritten mal Ansehen hat dieses Stück nichts von seinem Zauber verloren, für mich wenigstens, manche Leute scheinen dafür unempfänglich zu sein und gleichen es mit enthusiastischem Klatschen, möglichst eine Sekunde vor allen anderen, aus. Ich bin für Prangerstrafen für Frühklatscher.
Auch heute wieder, der Vorhang war noch nicht ganz unten, schon gings los. Ich trauere immer noch diesem magischen Moment in der Premiere nach, 20 Sekunden absolute Stille und Finsternis, erst damit war das Stück zu Ende. Denn auch Stille kann zu einem Stück gehören. Ein interessanter Artikel zu diesem Thema war diese Woche im TimeOut, dem Londoner Stadtmagazin (via Carl, dem Opernhühnchen ). Er bezieht sich zwar ausdrücklich nur auf Konzerte, aber für die Oper gilt das genauso.
Heute war es trotzdem wieder sehr, sehr schön. Ich habe zwar nicht das Bedürfnis zu weinen, wenn Aschenbach stirbt, aber dennoch berührt mich diese Szene sehr. Hans Jürgen Schöpflin als Hauptfigur war heute wieder excellent, Gary Martin in der Siebenfachrolle des Todesboten immer überzeugend, sängerisch wie szenisch. Yosemeh Adjei als die Stimme des Apoll ist ein absoluter Glücksfall für die Produktion. Die Szene im Reisebüro mit Holger Ohlmann hat mir heute mal wieder sehr gut gefallen, und auch alle anderen Solisten, Chor-Solisten, der Chor, die Tänzer und das Orchester haben eine tolle Leistung gebracht.
Danke an alle Beteiligten!
Da fällt mir ein, ich habe meine Gedanken zur Premiere noch ein wenig erweitert und bei Tamino eingestellt. Kommentiert hat es zwar noch keiner, aber gelesen wurde der Post schon mehr als 250 mal.
Nie hätte ich gedacht, dass ich das jemals schreibe, aber ich habe mich heute gelangweilt in der Oper. Das ist mir noch nie passiert und passiert mir hoffentlich auch so schnell nicht mehr. Das wars jedenfalls für mich mit Nabucco.
Assyrer im Lederdress mit Gewehren sollen wohl Zeitlosigkeit andeuten, manifestieren aber nur eins: Einfallslosigkeit. Zitat von der HP der Staatsoper
Doch das Bibel-Epos um Macht, Liebe und Religion ist sicher mehr, als ein bloßes Historiendrama, das Hollywood alle Ehre macht und Sänger, Chöre und Bühnentechnik auf das Äußerste fordert.
Wer den Kommafehler findet, darf ihn behalten. Und wir wissen jetzt auch, dass die Bühnentechnik der Staatsoper aufs äußerste gefordert ist, wenn eine Treppe von links nach rechts fährt oder die Unterbühne nach oben. Und wenn man die Geschichte in der Historie gelassen hätte, wäre vielleicht auch ein Hollywooddrama draus geworden, so war es bloss eine Sonntag-Nachmittag-Schmonzette.
Zu den Sängern kann ich nicht viel sagen, weil ich die Partien vorher nicht gekannt habe und nicht weiß, wie es klingen sollte. Ich weiß nur, dass mir einige gar nicht gefallen haben, zum allerersten mal auch eine Bassstimme, eine Stimmlage, die mir sonst Schauer über den Rücken jagt. Der Chor war völlig ausdrucks- und bewegungslos, ich hoffe aber, dass dies der Inszenierung zuzuschreiben ist und nicht mangelnder Spielfreude.
Positiv auf gefallen ist mir Daniela Sindram als Fenena, neben einer sehr schönen Stimme kam auch der Ausdruck im dritten Rang noch an. Sehr schön auch Paolo Gavanelli als Nabucco, wobei ich ständig erwartet habe, dass er mit der Partie des Giorgio Germont weitersingt, denn die Aufnahme der Traviata, die ich bestimmt schon hundert Mal gehört habe, ist von ihm.
Christian van Horn als Il Gran Sacerdote war ein Erlebnis, der andere Mitwirkende um Längen schlug. Ihn sollte man im Auge behalten.
Insgesamt ein Abend der Kategorie: okay, mal gemacht, kann ich im meinem Lebensplan abhaken, muss ich nicht wiederholen. Schade.
Nabucco
Nationaltheater
Münchner Opernfestspiele 2009
Samstag, 18. Juli 2009
Und bevor jemand auf dumme Gedanken kommt: das ist der Schnurrator, unser einziger Kater, der schnurren kann. Und wie. Manchmal nennen wir ihn auch Apollo.
Da liefen sie wieder, die Tränen, als Butterfly sich von ihrem Sohn verabschiedet. Das ist die ergreifendste Szene, die mir bisher untergekommen ist. Sehr schön finde ich auch den Summchor und die Szene, wie Sharpless ihr den Brief vorliest.
Sandra Moon war excellent heute Abend, sehr textverständlich und auch toll im Ausdruck, und auch Harrie van der Plas hat mir ausgezeichnet gefallen, ebenso wie Torsten Frisch, Florian Simson und Sonja Leutwyler in ihren Partien. Bis hin zu den kleineren Rollen, den Chor-Solisten, dem Chor und dem Orchester lieferten alle ein sehr schöne Leistung ab. Nur der Dirigent nahm hin und wieder keine Rücksicht auf die Sänger und so tönte es manchmal arg laut aus dem Orchestergraben.
Trotzdem eine toller, nachwirkender Abend, danke an alle Beteiligten!
Zum Spielzeitende gibt es im Theater meines Vertrauens nochmal ein paar Kracher. Heute war es eine Aufführung des Liebestrankes mit allen Beteiligten in Bestform.
Nach der gestrigen tollen Vorstellung ala Piratenkönig setzte Stefan Sevenich als Dulcamara heute nochmal eins drauf. Schön gesungen und wie immer seeeeehr schön gespielt. Aber auch Stefanie Kunschke als Adina, Adrian Xhema als Nemorino, Julian Kumpusch als Belcore und Brigitte Bayer als Gianetta glänzten in ihren Rollen. Und der Chor ist sowieso eine feste Größe, was Ausdruck und Gesang angeht.
Da war es dann auch nicht ärgerlich, dass die Besetzung erheblich von der auf der Homepage abwich, obwohl ich zugegebenermaßen Peter Sonn doch noch einmal gerne gesehen hätte. Zürich ist halt doch nicht um die Ecke.
Seit einiger Zeit schreiben auf diesem Blog mehrere Autoren. Die Artikel sind deshalb mit dem Namen gekennzeichnet und unten befindet sich eine Liste, die alle Autoren aufführt. Die Namen sind Links zu den Artikeln des jeweiligen Autors. Jeder Artikel gibt ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder.
Wenn Sie Bücher über dieses Widget oder über den Link im Artikel bestellen, erhalten wir eine kleine Provision, mit der wir die Serverkosten bezahlen.
nacht_gedanken Berührend am Ende des Abends "Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände" vom gesamten Ensemble zur Erinnerung an Komponist Paul Abraham. - gezwitschert am 09.06.2013 22:40
nacht_gedanken Sehr schöne Premiere von Ball im Savoy an der Komischen Oper Berlin! Mitreißende Choreografien und freche... http://t.co/zwRIaNGhGl - gezwitschert am 09.06.2013 22:38
nacht_gedanken Gefeierte Premiere der Esclarmonde von Massenet! Da hat das Anhaltische Theater Dessau einen Schatz ausgegraben! - gezwitschert am 26.05.2013 20:36
nacht_gedanken Tolles Interview mit der wunderbaren Nina George unter anderem über ihr neues Buch "Das Lavendelzimmer" http://t.co/n3RAFXLzIW - gezwitschert am 07.05.2013 18:14
Letzte Kommentare