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Tragikomischer Vogel – Richard Strauss in Garmisch-Partenkirchen

Richard-Strauss-Festival Es ist als Brigitte Fassbaenders große Leistung anzusehen, eine Art von Gefälligkeit und Leichtigkeit im Straussfestival Garmisch-Partenkirchen durchzusetzen. Um die Oberbayern mit ihrem Heimatkomponisten ein wenig näher zusammenzubringen, wurden in den letzten Jahren unter anderem der Naturbursche und der Familienmensch Strauss ausgelotet. Dieses Jahr bildet die Komik die inhaltliche Klammer der Konzertreihe. Neben der am Freitag folgenden konzertanten Ariadne aus Wien bildet das große Orchesterkonzert dabei üblicherweise das Highlight der Reihe.

Komisches bei Strauss findet sich dann ja auch zu Genüge und an diesem – vorweg als wunderschön zu bezeichnenden – Konzertabend standen der Don Quixote, der Eulenspiegel und die Rosenkavaliersuite versöhnlich nebeneinander. Was die Essener Philharmoniker unter Stefan Soltesz dabei ablieferten wurde zurecht mit einem langen Bravokonzert beantwortet. In massiver – straussnotwendiger – Besetzung und mit Unterstützung des virtuosen Cellisten István-Alexander Gaal gelang ihnen Großes und sie bewarben sich für die Stelle eines dauerhaften Festivalorchesters für den kleinen Kurort, der an 6 Tagen im Jahr seinen berühmten Sohn Richard Strauss hochleben lässt.

Quixote allüberall. Während das Gärtnerplatztheater bereits an seiner Musicalvariante des Mannes von La Mancha lustmachend probt, geht Strauss mit seinem Ritter der traurigen Gestalt einen anderen Weg. Ohne Flamencoklänge und durchwegs komplex nähert er sich Cervantes und schafft es durch die Orchestrierung den Witz und mehr noch die Tragikomik der Vorlage zu vertonen. Der weinende Ton des Violoncellos der melodiös wieder zur leichten Melodie zurückreitet, nimmt uns mit auf den Trab durch die Mancha zwischen Sanchos Esel und Rosinante. Die {Verzeihung} mancha-mal optimistischen, machmal wunderbar leidenden Holzbläser erzählen nicht nur die Geschichte, sondern auch die Grundstimmung, den Tenor, die Essenz der großen Geschichte vom aufrechten Narren und seinem unmöglichen Traum.

Richard-Strauss-Festival Nach der Pause dann der komponierte Running Gag des Eulenspiegels; eine Variation auf ein witziges Thema mit hohem Tempo moduliert, überspielt, verspielt und immerfort dahingetragen zum gesteigerten Gagfinale. Da fällt der Rosenkavalier eigentlich raus. Die Komik versinkt ja hier in der lakonischen, melancholischen Schlussstimmung der Scheidung und dem Abschied des Alters von der Jugend. Aber wie kann man den Rosenkavalier und seine üppigen, satten Melodien nicht zugeben zu einer ironischen, und bläserstark verkaterten Liebesgeschichte, die wie die Ariadne die Komik de Tragik herauskitzelt. Ebenso verfährt der Quixote und lässt uns gerührt zurück. In der Suite jedoch kehrt Strauss zum Finale an den mittleren Höhepunkt zurück, ironisiert sein erfolgreichstes Bühnenwerk und seine Gassenhauer. Nein, nein, kein Wein, sondern einen doppelten Espresso kippen hier die Essener um über einen Pharisäer zu einem endlosen Verlängerten überzuwechseln und die Melange knackig zu vollenden.

Soltesz beginnt Strauss komischerweise nicht nur äußerlich mehr und mehr zu ähneln, nein, sein Dirigat steigert sich im Laufe des Abends etwa beim Eulenspiegel zu Nelsonsschem Ausdruckstanz und zuletzt zur feierlichen Kür der Walzerklänge aus dem Rosenkavalier. Strauss wurde brieflich von seinem Vater für sein Showdirigat noch getadelt, Soltesz lässt mit jeder Faser seiner Kennerschaft und Begeisterung für das anspruchsvolle wie gelungene Notenmaterial durchscheinen. Gaal unterstützt in gefühlvoll und virtuos.

Lange Bravochöre und begeisterter Applaus.

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Vorschau: Richard-Richard-Sterntaler am 16.06.2013 um 20.30 Uhr im Künstlerhaus München

Richard - Richard - Sterntaler Wagner- und Strauss-Gestalten rund ums Künstlerhaus: “Richard – Richard – Sterntaler”

Musiktheater in 12 Szenen aus 15 Opern mit 15 Solisten, Wilder Gungl, Barbershop, Jahrgang 1909, drei klugen Knaben, München und Meer

Richard Wagner (1813-1883) – Komponist, Dirigent, Regisseur, Schriftsteller aus Leipzig, welcher 1864 in München ein Wunder erlebte.
Richard Strauss (1864-1949)
– Komponist, Dirigent, Gründer der GEMA.
Richard Stury (1859-1928)
– Schauspieler und Kgl. Hofrat, Erster Held und Liebhaber an den Kgl. Hofbühnen
Das Holländerschiff strandet…Der Junge Richard Strauss spielt an der Isar…Der Junge Richard Stury hilft seiner Mutter…der Holländer nimmt an ihrem Mittagstisch Platz…Siegmund und Sieglinde ebenso…Richard Wagner träumt von seiner Kindheit in Leipzig…Ein König konstruiert Flugwerke…die Schwäne fliegen ohne ihn weiter…Elektra lächelt…Siegfrieds Schmiede trifft auf Ariadnes Insel…der Drache singt dem Abendstern…Wotan nimmt Abschied…der Waldvogel staunt…

Das Stück beginnt am Mittagstisch, den die verwitwete Mutter von Richard Stury in der Maximilianstraße 38 (vorm. 29) für Schauspieler und Sänger der Hofbühnen unterhielt. Erzählt werden Momente der Münchner Stadt- und Musikgeschichte, welche sich ab und an mit Stationen aus „Sterntaler“ kreuzen. Uns begegnen Frauen und Männer aus den Opern von Strauss, Wagner und Verdi und aus Balladen Bob Dylans. Ebenso bayrische, finnische, sephardische Volkslieder. Und Hans Sachs als Handwerksbursch in der Poetenschule an der Frauenkirche im Jahre 1513…

Opern-Charaktere, welche im normalen Theater-Alltag nicht die Aussicht haben, einander zu begegnen, erleben gemeinsam Geschichte und Geschichten. Nach „Knospen und Mantel“ im Lichthof der LMU und „Geigerin und blauer Vogel“ im Abgussmuseum ist dies die abschließende Zeitreise der „Münchner Trilogie“ von der an großen Opernhäusern im In- und Ausland inszenierenden Regisseurin Kristina Wuss, für einen breitgefächerten Zuschauerkreis ab 10 Jahre konzipiert.

Der US-amerikanische Bariton Gary Martin als Holländer und Wotan kurz vor seinem Bayreuth-Debüt als Wotan im „Ring an einem Abend“ ist ebenso dabei wie der US-amerikanische Tenor Jason Papowitz als Siegfried und Bacchus. Die schwedische Sopranistin Thérèse Wincent als Waldvogel und Violetta, die Münchner Sopranistinnen Micaela di Catalano (demnächst im Mariinski-Theater in St. Petersburg) als Sieglinde und Elsa, Julia Krieger als Brünnhilde, Verena Barth als Chrysothemis, Julia Makarevich als Zerbinetta, Susanna Leismüller als Marschallin, der finnische Solist Jussi Järvenpää als Siegmund, der für seine „Oper für Obdach“ bekannte Liedsänger Christoph von Weitzel als Hans Sachs, Peter Kellner als bajuwarischer Daland, der 72jährige Franz Spindler als Wolfram u.v.a. gehören zu den bereits bekannten oder (noch) unentdeckten Münchner Sternen zwischen den Komponisten-Planeten, musikalisch betreut vom Dirigenten Christopher McMullen Laird.

Das Symphonieorchester Wilde Gungl München mit ihrem tschechischen Dirigenten Jaroslav Opela wird in freier Fahrt mit der frühen Concertouvertüre von Strauss zusteigen, ebenso der Barbershop-Herrenchor aus München mit Dirigent Hans-Jürgen Wieneke, Mitglieder der Tanz-Wirkstatt (Mafalda Wiesmet, Leonie Spindler, Kornelia Wantuch), des Volkschores Dachau und des Kinderchores der Bayerischen Staatsoper (Alexander Lakatár, Jan Niedringhaus, Maximilian Schinke) sowie der Leiter desselben, Stellario Fagone und Elena Arnovskaya am Klavier, nicht zuletzt Marco Toth als Ludwig II und Arthur Galiandin und Étienne Gillig als fremdsprachige Gäste. Die 1909 geborene Graphikerin und Autorin Marylka Bender-Kellerer wird auch in dieser szenischen Spurensuche wieder mit ihren Bildern mitwirken. Für Bühne & Licht ist Michael Bischoff vom Institut für Glücksfindung zuständig; die Kostüme stammen vom Verleih Ralf Rainer Stegemann.

Szenen: Holländer „Die Frist ist um“ – Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ – Elsa „Einsam“ – Siegmund „Ein Schwert“ / „Winterstürme“ – Erda „Weiche, Wotan, weiche“ – Violetta „Sempre libera“ – Hans Sachs „Wohin“ – Chrysothemis „Ich kann nicht sitzen“– Wotans Abschied – „Siegfried“ Schmiedeszene, Waldweben – Brünnhilde „Ewig“ – Marschallin „Da geht er hin“ – Wolfram „Abendstern“ u.a.

Symphonieorchester Wilde Gungl mit Dirigent Jaroslav Opela.

Münchner Barbershop Herrenchor mit Dirigent Hans-Jürgen Wieneke

Mitglieder des Kinderchores der Bayerischen Staatsoper mit Dirigent Stellario Fagone

Eintritt:
17€, ermäßigt: 10€
Abendkasse: 18€, ermäßigt: 11€ über karten@theater-werkmuenchen.de oder Theater Werkmünchen Tel. 089 / 32494945

 

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Festspiel-Liederabend Elina Garanca, 25.07.2012, Bayerische Staatsoper

Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca beeindruckte mit ihrem Liederabend im Münchner Nationaltheater. Auf dem Programm stand eine schlüssige und geschickte Auswahl an deutschen Liedern von Robert Schumann, Alban Berg und Richard Strauss. Der erste Teil des Konzerts stand ganz im Zeichen der Lieder von Robert Schumann. Vier Lieder aus dem Liederkreis “Myrthen”: Widmung, Der Nussbaum, Jemand und Zwei Lieder der Braut. Der zweite Block war Frauenliebe und -leben, op. 42 nach Gedichten von Adalbert von Chamisso. Vor allem in den Liedern von Frauenliebe und -leben konnte die Mezzosopranistin durch ihre schöne Tiefe und Mittellage überzeugen.
Im zweiten Teil nach der Pause waren Sieben frühe Lieder von Alban Berg zu hören. Hier konnte Elina Garanca die ganze Stimmfarbe zeigen, die ihr leuchtender Mezzo zur Verfügung hat. Bei den folgenden Liedern Leises Lied, All mein Gedanken, Ach Lieb, ich muss nun scheiden, Meinem Kinde, Allerseelen und Heimliche Aufforderung von Richard Strauss war Elina Garanca genau in ihrem Fach. Textverständlichkeit, Stimmfärbung und Ausdruck – einfach toll. Das ausverkaufte Nationaltheater brach in Jubel aus! Als erste Zugabe hörte Zueignung. Dann forderte ein Herr im Publikum die Habanera aus Carmen, und Elina Garanca lachte und sprach: “Ich habe gedacht, es wäre ein Liederabend!” Eine kurze Abstimmung zwischen Sängerin und Pianist, und Roger Vignoles holte die Habanera-Noten. Das Publikum war aus dem Häuschen, und Elina Garanca dankte mit einer zweiten Arie: Al Pensar von Ruperto Chapí. Ein beglücktes Publikum und Standing Ovations!

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Ist wie ein Gruß vom Himmel, 05.02.2012, Gärtnerplatztheater

Ein reines Richard Strauss Programm mit dem Titel “Ist wie ein Gruß vom Himmel” war im Foyer des Gärtnerplatztheaters zu erleben. Gleich drei Solistinnen des Hauses, Sandra Moon, Stefanie Kunschke und Ann-Katrin Naidu, hatten ein Konzert mit Liedern und Ausschnitten von Bühnenwerken zusammengestellt. Am Flügel beeindruckte solistisch und auch in der Begleitung der Stimmen Liviu Petcu.

Zu Beginn des Nachmittages stand das Terzett Najade/Dryade/Echo aus Ariadne auf Naxos (1912) mit anschließendem Duett Komponist/Zerbinetta, gesungen von Frau Naidu und Sandra Moon. Stefanie Kunschke interpretierte dann mit schöner Mittellage zwei Lieder, Nichts und Die Zeitlose. Im weiteren Verlauf des Konzertes hörte das Publikum Allerseelen, Die Nacht sowie Zuneigung ausdrucksstark gesungen von der Mezzosopranistin Ann-Katrin Naidu. Diese Lieder sind nach den Texten von Hermann von Gilm im Jahr 1883 entstanden. Der berührende und innige Sopran von Sandra Moon ließ September aus Vier letzte Lieder erklingen.

Der Pianist Liviu Petcu brillierte mit einem Stück aus Fünf Klavierstücke op. 3 Nr.1 (1881) und der Träumerei für Klavier op.9 Nr.4 (1882); es machte viel Freude, diese Stücke von ihm zu hören. Mit einem Duett aus Arabella präsentierte sich Stefanie Kunschke als Arabella und Sandra Moon als Schwester Zdenka. Dramaturg Christoph Meier-Gehring führte durch das Programm. Es machte ihm sichtlich Spaß, immer wieder Geschichten und Briefwechsel zwischen Richard Strauss und seiner Frau Pauline zu zitieren, aber auch zwischen Strauss und Hugo von Hoffmannsthal, dem Textdichter vieler Strauss-Opern. Das war sehr unterhaltsam!

Der Rosenkavalier, uraufgeführt 1911, darf bei einem reinen Strauss-Konzert natürlich nicht fehlen, ist dies doch eines der wichtigsten Werke des Komponisten. Es erklang das Duett Octavian/Sophie (Rosenüberreichung) mit Ann-Katrin Naidu und Stefanie Kunschke. Als vorletzte Darbietung wieder Klavier solo, die Mondscheinmusik aus Capriccio (1941), dem Konversationsstück für Musik. Zum großen Finale hörte man das eindrucksvoll gestaltete Schlußterzett Marschallin/ Octavian/ Sophie aus Der Rosenkavalier, mit allen Solistinnen.

Den begeisterten Zuhörern sangen die Sängerinnen als Zugabe noch ein Terzett aus der Ariadne auf Naxos. Strauss hätte viel Freude bei diesem Konzert im Foyer des Gärtnerplatztheaters München gehabt.

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