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Vorschau: Marie Lu – Legend »Fallender Himmel«

Mal wieder beim Loewe Verlag bin ich über ein Buch gestolpert, dessen Leseprobe mich angesprochen hat. Auf der Seite LegendFans erfährt man alle Neuigkeiten zum Buch und kann dort sogar eine tolle Reise nach L.A. gewinnen. Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie und soll sogar verfilmt werden.

Der Trailer ist jedenfalls schon filmreif 😉

Los Angeles, im Jahr 2130: Nach einer Flutkatastrophe, die die Küstenregionen des nordamerikanischen Kontinents heimgesucht hat, steht die Stadt unter Wasser. Die Vereinigten Staaten existieren nicht mehr; stattdessen teilt sich das Land in die Republik im Westen und die Kolonien im Osten. Riesige Generatoren und Wasserpumpen säumen die Küsten, Luftschiffe bevölkern den Himmel. Die einstige Staatengemeinschaft ist durch einen Bürgerkrieg entzweit. Rebellen wollen die Machenschaften der Regierung unterwandern, während die Herrschenden der Republik mit aller Macht versuchen, dem wachsenden Einfluss der Widerständler Herr zu werden.

Mitten in diesem Konflikt treffen sich Day und June. Er ist ein Rebell, der meistgesuchte Staatsfeind des Landes, sie eine Elite-Soldatin, die auf ihn angesetzt wird. Beide treiben starke Motive: Day versucht verzweifelt, seine Familie vor der Seuche zu retten, die die Regierung in geheimen Menschenversuchen in den Slums verbreitet hat, June ist auf Rache aus, weil sie Day für den Mörder ihres Bruders hält. Als sie sich begegnen, ist es Liebe auf den ersten Blick – ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft, Pläne und Ziele. Zerrissen von ihren Gefühlen und ihrer Loyalität zu ihren Familien, finden sie heraus, dass längst nicht mehr nur Day gejagt wird und dass die Regierung mehr Gründe hat, sie beide zu beseitigen, als sie selbst ahnen.

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Linksammlung “Das Schlaue Füchslein”, Gärtnerplatztheater

Onlinekritiken gibt es beim Donaukurier, Kulturvollzug, Münchner Merkur und BR. Vergleiche mit der zeitgleichen Inszenierung des Opernstudios gibt es bei TheaterPur und mucbook.
Jede Menge Fotos gibt es bei Pictures Berlin.
Und der Trailer des Theaters gibt auch ein gutes Bild der Inszenierung wieder:

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Nicholas Drayson – A Guide to the birds of East Afrika

Inhaltsangabe:
Ein bezaubernder Liebesroman, den man mit einem Lächeln zuklappt Mr. Malik ist ein warmherziger, schüchterner Mann mit einem großen Geheimnis: Er ist bis über beide Ohren verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern. Während er noch überlegt, wie er die Dame seines Herzens als Begleiterin zum jährlichen Nairobi Hunt Ball gewinnen kann, trifft der charmante Draufgänger Harry Kahn in der Stadt ein. Auch er hat bald ein Auge auf Rose geworfen und möchte sie ebenfalls zum Ball einladen. Da schreiten die Gentlemen aus Mr. Maliks Club ein und schlagen den beiden Rivalen eine Wette vor . . .

Wenn man dieses Buch zum ersten Mal Hand nimmt, erkennt man erst auf den zweiten Blick, dass man kein Sachbuch vor sich hat. Das schön gestaltete Cover fällt ins Auge und macht Lust darauf den Roman zu lesen. Als Urlaubslektüre hat er mir ausgesprochen gut gefallen. Der Autor schafft es, die Atmosphäre im Kenia der Gegenwart authentisch zu schildern, bleibt aber dabei leider etwas zu nah an der Oberfläche. Die Kapitel sind mit den verschiedenen Vogelarten überschrieben und manchmal ist nicht ganz klar, warum. Die Figuren sind sehr detailliert dargestellt, nur der stark auktoiriale Erzählstil hat mir nicht immer gefallen.

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Das schlaue Füchslein, 18.06.2012, Cuvilliéstheater sowie 19. und 20.06.2012, Gärtnerplatztheater im Prinzregententheater

Copyright by A.T.Schaefer
Im Schellenkönig 50
D - 70184 Stuttgart
Tel. ++49 711 640 95 31
FAX. ++49 711 735 28 54
A.T.Schaefer@t-online.de
Hypovereinsbank Konto 3092 828 BLZ 600 202 90

Das schlaue Füchslein

Oper in drei Akten von Leoš Janáček. Dichtung nach einer Novelle von Rudolf Těsnohlídek. Deutsch nach dem tschechischen Original von Peter Brenner unter Verwendung der Übersetzung von Max Brod. 
Werkeinführung jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz / Joachim Tschiedel
Regie: Rosamund Gilmore
Bühnenbild: Friedrich Oberle
Kostüme: Nicola Reichert
Dramaturgie: Isabelle Kranabetter  / Christoph Maier-Gehring 
Studierende des Studiengangs Gesang / Musiktheater, Ensemble, Chor, Mitglieder des Kinderchors, Extra-Ballett und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Kooperation des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München Meine Gedanken zu den zwei unterschiedlichen Produktionen finden sich wieder bei mucbook.

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Das schlaue Füchslein

Oper in drei Akten von Leoš Janáček. Dichtung nach einer Novelle von Rudolf Těsnohlídek. Deutsch nach dem tschechischen Original von Peter Brenner unter Verwendung der Übersetzung von Max Brod. 
Werkeinführung jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz / Joachim Tschiedel
Regie: Rosamund Gilmore
Bühnenbild: Friedrich Oberle
Kostüme: Nicola Reichert
Dramaturgie: Isabelle Kranabetter  / Christoph Maier-Gehring 
Studierende des Studiengangs Gesang / Musiktheater, Ensemble, Chor, Mitglieder des Kinderchors, Extra-Ballett und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Kooperation des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München

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Andreas Gruber – Todesfrist

Andreas Gruber - Todesfrist Schon mit Rachesommer legte Andreas Gruber einen faszinierenden Thriller vor, der vor allem durch seine genaue Personenanalyse und packende Handlung bestach. Mit dem nun erneut als Clubpremiere erscheinenden Thriller Todesfrist steigert sich der Autor nochmals.

Mit Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez lässt Andreas Gruber zwei sehr gegensätzliche Ermittler aufeinander treffen. Stück für Stück lernt der Leser sie kennen, genau so, wie sie einander kennenlernen. Man kann anfangs förmlich die gespannte Atmosphäre zwischen den beiden spüren und verfolgt die Entwicklung der Beziehung hautnah. Dabei lockt der Schlagabtausch der beiden und die Kauzigkeit von Schneijder des Öfteren ein Schmunzeln hervor und dient damit als Comic Relief, ohne das wäre die Handlung wohl zu bedrückend. Auch der Killer, der gleich zu Anfang eingeführt wird, ist psychologisch sehr gut ausgeleuchtet, seine Motive und Handlungsweisen sind nachvollziehbar. Scheinbare Nebenfiguren verleiht Andreas Gruber Charaktertiefe, so dass es hier viele verschiedene Schichten zu entdecken gibt.

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die kurzen Kapitel, die verschiedenen miteinander verwobenen Zeitebenen und Handlungstränge sowie die umfangreiche Recherche ergeben eine komplexe Story, die bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist. Es gibt keine Längen, es geht Schlag auf Schlag und man muss am Ball bleiben, um den Rückblenden und wechselnden Brennpunkten folgen zu können. Dem Leser werden sozusagen Fesseln angelegt, aus denen er sich kaum befreien kann. Andreas Gruber versteht es, mit überraschenden Wendungen den Spannungsbogen bis zur allerletzten Seite aufrecht zu erhalten. Dabei wirkt nichts konstruiert, alle losen Fäden werden verknüpft und zeigen am Ende ein stimmiges Gesamtbild. Die wechselnden Schauplätze wirken sehr authentisch und fühlen sich real an. Sie sind in die Handlung eingebunden und haben großen Wiedererkennungswert, so dass sie den Gesamteindruck gut abrunden.

Ein packendes Lesevergnügen, das einen unstillbaren Hunger nach weiteren Thrillern von Andreas Gruber weckt!

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Avenue Q, 12.06.2012, Deutsches Theater

Mein Bericht zu der Premiere von Avenue Q in Deutschen Theater findet sich wieder bei mucbook.

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Interview mit Marc Ritter

Marc RitterLieber Marc, herzlichen Dank, dass du dich bereiterklärt hast zu einem Interview für den Blog Nacht-Gedanken. Stellst du dich uns kurz vor?

Mein Name ist Marc Ritter, ich bin 44 Jahre alt, bin seit zwei Jahren Autor von Kriminalromanen und Thrillern. Mein erster Krimi war Josefibichl, der im Oktober 2011 herausgekommen ist. Dieses Frühjahr ist Kreuzzug erschienen, ein Thriller, der auf der Zugspitze spielt. Jetzt gerade ist das erste Serien-E-Book von mir namens Transalp auf den Markt gekommen.

 

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

So wie viele. Ich habe das schon immer machen wollen, seitdem ich ganz klein war. Ich habe dann auch mal versucht, das als Beruf zu ergreifen, es hat mich aber in eine andere Umlaufbahn geschleudert. Ich bin nicht Journalist, sondern Verlagsmanager geworden, war dann im Internet sehr früh unterwegs, habe da meine Jobs erledigt, immer schönere Jobs bekommen, wie es einen halt da so mitnimmt, auf so einer Welle, und habe darüber das Schreiben, also meine eigentliche Berufung, vergessen. Nicht ganz vergessen, weil es hat immer in mir gebrodelt, und ich habe mir immer gedacht: Ich muss es eines Tages dann doch noch zum Leben erwecken. Vor zwei, drei Jahren gab es das Schlüsselerlebnis, dass mir jemand gesagt hat: „Wenn du das unbedingt machen willst, dann zeig doch mal, was du schon geschrieben hast.“ Aus diesen 40 Seiten ist dann ein Exposé geworden und mit Hilfe dieses Freundes, der mir die Verlagskontakte eröffnet hat, dann auch ein Verlagsvertrag und mein erstes Buch, Josefibichl.

 

Wie findest du deine Geschichten oder finden sie dich?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, wir finden uns. Mich finden Szenen, die fallen mir ein. Die beschäftigen mich dann auch sehr lange. Das beste Beispiel ist Josefibichl, der geht los mit einer Szene, wo jemand joggen geht und dort eine Leiche findet während des Joggens. Und diese Szene habe ich mir oft selbst überlegt: wie wäre das, wenn du jetzt echt in dieser Gegend – in Garmisch-Partenkirchen habe ich ja mal gewohnt und bin sehr oft zum Joggen gegangen – wie wäre es, wenn du jetzt über den nächsten Hügel drüberläufst und da drüben liegt eine Leiche. Diese klassische Auffinde-Szene. Darüber habe ich dann lange nachgedacht, ich glaube, jahrelang habe ich darüber nachgedacht. Aus dieser Szene hat sich dann der ganze Roman entwickelt, und da war das schon eher so, dass nicht mich die Szenen gefunden haben, sondern ich die Szenen beim Schreiben auch rausgekitzelt habe. Also, das Schreiben ist ja schon so ein Vorgang: Man kann lange darauf warten, dass einen die Muse küsst. Eigentlich passiert es nur, wenn man es tut und wenn man einfach dabeibleibt und wenn man den inneren Schweinehund überwindet, und auch vor so einem leeren Blatt Papier zwei Stunden anfängt, und nach zwei Stunden kommt schon irgendetwas heraus. Und so finde ich dann meine Szenen, wobei natürlich vieles einfach in so einem alten Gehirn wie meinem abgespeichert ist. Die Charaktere, die ich gerade in meinen Heimatkrimis, wenn man die so bezeichnet will, wie dem Josefibichl habe, die habe ich alle kennengelernt vor 20 Jahren, als ich während der Schulzeit meine ersten Gehversuche als Lokaljournalist gemacht habe. Da habe ich diese Typen kennengelernt. Die kommen jetzt wieder alle aus der Versenkung hervor.

 

Bist du eher der Typ, der alles von Anfang an komplett durchplant, oder ändert sich da während des Schreibens auch mal was?

Teils-teils. Beim Josefibichl – und auch beim zweiten Krimi, den ich schon vollendet habe, der nächstes Jahr herauskommt – ist es so, dass ich wirklich sehr szenisch vorgehe und eine Szene nach der anderen schreibe und dann schaue, wo mich das hinbringt. Ich bin bei den Krimis sehr sicher, was das Setting anbelangt; die handeln in Garmisch-Partenkirchen und teilweise ein bisschen in München, da kenne ich mich sehr gut aus. Das heißt, da habe ich relative Sicherheit, was die Gegebenheiten anbelangt und auch was die Charaktere anbelangt. Die habe ich ganz gut drauf, sagen wir mal so. Und deswegen kann ich mich da von der Handlung überraschen lassen. Beim Thriller, beim Kreuzzug, war es schon anders. Da war ich nicht ganz sicher, ob ich sowas überhaupt kann, und da habe ich mich herangetastet über mehrere Versionen der Geschichte, die ich am Anfang mal durchkonstruiert habe in Form von fast einer Art Polizeibericht: Zuerst passiert das, dann passiert das, dann passiert das. Relativ nüchtern die Fakten einfach hingeschrieben. Nicht in Stichworten, schon als durchgängiger Text, der hat so 40 Seiten gehabt. Das habe ich dann meinem Agenten gezeigt, auch einer Lektorin, und habe gesagt: Wäre das eine Richtung einer Geschichte, die euch interessieren würde oder die man verkaufen kann? Dann haben die gesagt: „Naja, an der und der Stelle ist es vielleicht ein bisschen too much, und da müsste man anders vorgehen.“ Dann habe ich das dreimal überarbeitet, und dann wusste ich dann aber ziemlich genau was passieren wird in meinem Thriller. Während des Schreibens hat er sich aber dann verändert, logischerweise. Der Plan hat sich dann doch durchaus als sehr, sehr gut erwiesen, aber ich habe ihn natürlich auch beim Schreiben dann verändert. Um Kant zu zitieren: die Verfestigung des Gedankens beim Sprechen. Bei mir ist es die Verfestigung des Plots beim Schreiben. Ich halte es mir die Geschichte schon relativ weit offen. Ich bin auch eher ein schlechter Planer. Ich könnte am Reißbrett kein Haus bauen. Ich bin auch kein Architekt geworden. Ich muss schon immer über das Tun etwas erfahren und auch dabei lernen.

 

Sitzen deine Figuren am Frühstückstisch, und wenn ja, wie geht deine Familie damit um?

Nein, überhaupt nicht. Sie wohnen auf meiner Festplatte, sie wohnen in meinem Kopf, sie wohnen am Schluss dann im Buch und von dort aus dann in den Köpfen der Leser, gottseidank. Ansonsten ist mein Leben mit Personen genug angefüllt, ich habe fünf Kinder (lacht), da brauche ich keine Fremden in meinem Haus. Die Romanfiguren wohnen ganz woanders. Es ist allerdings so, dass, wenn sie mal dann draußen in den Köpfen der Leser drin sind, überraschen mich bei Lesungen, bei anderen Terminen, immer wieder Leser mit Details über diese Personen, die ich selber gar nicht weiß. Das ist immer sehr, sehr spannend.

 

Haben sie ein Eigenleben?

Die haben ein Eigenleben, ja, oder sagen wir mal: sie erleben Identifikation. Das Schönste, was man erfahren kann: Der Hartinger Gonzo, also der Karl-Heinz Hartinger in meinen Krimis, ist ja Lokalreporter und Fotograf. Den habe ich so angelegt, dass er ein bisschen autobiografische Züge trägt, weil ich ja auch mal als rasender Reporter in Garmisch während Schule und Zivildienst angefangen habe, dann eben einen anderen Weg eingeschlagen habe. Der Hartinger Gonzo ist Reporter geblieben, ist dabei gescheitert und ist jetzt jemand, der sozusagen ein bisschen ein Desperado ist. Der kommt nach Garmisch zurück, nachdem er in München Karriere gemacht hat. Ich habe da niemanden konkret im Kopf gehabt. Und als ich dann meinen ersten Pressetermin in Garmisch hatte, habe ich das Buch dem Fotografen geschenkt vom Garmisch-Partenkirchener Tagblatt. Und dann ruft er mich zwei Wochen später an und sagt zu mir: „Jetzt habe ich das durchgelesen – das bin ja ich!“ – Ich sagte: „Ja, wenn Sie meinen!“ – „So viele Parallelen mit meinem Leben, und so weiter. Ich bin auch so eine verkrachte Existenz, meinen Sie mich?“ – „Nein, ich kannte Sie ja gar nicht!“ (lacht)! Es ist immer sehr interessant, wenn sich die Leute selber als Figuren darin erkennen, das ist sehr überraschend.

 

Hast du einen bestimmten Schreibrhythmus, und was tust du, wenn es mal nicht so gut läuft?

„Nicht so gut läuft“ heißt bei mir, dass ich nicht dazu komme, weil ich leider zu viel andere Dinge noch zu tun habe. Das Autorenleben ist ja wie eine Ich-AG, man muss oder darf Presse und Marketing machen, Interviews wie jetzt sind sehr schön, man muss ja in Facebook, muss ja in Twitter, ab und zu mit Leuten sprechen, Lesungen, und ich würde eigentlich am liebsten – ich würde es nicht durchhalten, ich weiß es selber – wie Stephen King, jeden Tag, auch Samstag, Sonntag, Weihnachten, Geburtstag, wie er ja selbst geschrieben hat, einfach dasitzen und schreiben. Kann ich nicht, deswegen habe ich eher ein Zeitproblem und nicht das Problem, dass mir nicht genug einfallen würde. Also, ich versuche es jeden Tag, mich hinzusetzen, aber ich schaffe es leider nicht, das ist mein größeres Problem.

 

Wie und wo schreibst du am liebsten? Brauchst du bestimmte Bedingungen zum Schreiben?

Eigentlich bin ich da relativ flexibel, ich brauche also nicht diese absolute Ruhe. Wobei ich zum Beispiel jetzt hier, wo wir gerade das Interview machen, auch in so einem Café könnte ich wunderbar schreiben, wenn keiner da ist, den ich kenne, der mich dann anspricht. Ich habe mir natürlich so Noise-Reduction-Kopfhörer gekauft, mit denen ich die Außengeräusche abdimmen kann. Da sitze ich dann gerne. Ich habe so ein paar Lieblings-Schreiborte. Das ist natürlich zu Hause bei mir, aber dann muss man auch immer raus. Es gibt ein paar Lokale in München, in denen ich gerne schreibe. Eines ist das San Francisco Coffee Company am Kurfürstenplatz. Es hat so eine runde Glasscheibe, und da im Eck sitzen immer Leute, die schreiben, da muss man schauen, dass man einen Platz bekommt. Das ist ein energetischer Ort, nicht nur, weil es da eine Steckdose gibt, was immer wichtig ist … da ist halt draußen wahnsinnig viel Verkehr, aber du hast die Glasscheibe dazwischen, man kann auch rausschauen, man braucht ein bisschen Abwechslung. Bewegung ist wichtig. Sonst schläft das Hirn ein. Dann schreibe ich wahnsinnig gerne, wenn es nicht allzu warm ist, auf der Terrasse vom BMW-Museum, da gibt es ja diese M1-Bar. Das ist auch ein unglaublich energetischer Ort für mich – Moment: ich bin gar kein Esoteriker, aber das spürst du einfach, weil du hast natürlich den mittleren Ring davor, der geht ja da in den Petueltunnel rein, du hast diesen Blick auf das Olympiadach, du hast drüben die BMW-Welt, den Olympiaturm, und nebenan ist ja noch ein Original-BMW-Autowerk, da rumpelt ja die ganze Gegend, wenn die da Teile pressen, und du hast ständig Leute über diese Brücke gehen, zur BMW-Welt rüber, aus aller Herren Länder. Japaner, Araber, die sich da fotografieren, es ist so ein wahnsinnig toller Ort, und der ist aber trotzdem unpersönlich, da ist niemand, den man kennt. Und der dritte Ort, das ist, wenn es heiß ist, mein Geheimtipp: Die Terrasse von der Goldenen Bar auf der Rückseite vom Haus der Kunst. Denn das Haus der Kunst steht ja so da, dass die Nordseite auch am Nachmittag im Hochsommer keine Sonne hat. Da ist es immer relativ schattig, dementsprechend, und da ist es kühl, und da kann man auch wunderbar sitzen. Das sind meine drei Lieblingsorte außerhalb der eigenen Wohnung.

 

Hörst du dann Musik beim Schreiben?

Ja, ich höre viel Musik. Da fragen mich dann immer die Leute, wie das geht. Aber ich höre, wenn ich mich konzentriere dann teilweise gar nicht, was ich da auf den Ohren habe. Ich nutze iTunes, und dann merke ich halt plötzlich: Aha, schon wieder vorbei, die Playlist, oder das Album ist schon wieder durch. Das müssen ja jetzt 45 Minuten gewesen sein … Für mich ist es so: Ich mag wahnsinnig gerne Gitarrenmusik und Rock undsoweiter, aber wenn es zu hart ist und zu schnell, zum Beispiel AC/DC oder Ohrenfreindt, das geht beim Schreiben gar nicht. Für mich gehen so Sachen, die ein bisschen ruhiger sind, teilweise ein bisschen kitschig, von Katie Melua bis Norah Jones und Melody Gardot, diese Frauenstimmen sind sehr beruhigend. James Taylor höre ich zur Zeit sehr viel beim Schreiben. Billy Joel, wobei das auch nicht ganz leicht ist, wenn jemand zu gute Geschichten in seinen Liedern erzählt: Billy Joel ist ein großer Geschichtenerzähler. Oder wenn ich die Musik zu gut kenne, wie die Beatles, mit denen ich aufgewachsen bin. Auch schwierig. Ich habe letztens Beatles im Webradio gehört. Da muss ich dann zu sehr zuhören. Also, wenn es mich zu sehr catcht, dann geht es nicht. Es muss so ein bisschen Fahrstuhlmusik sein. Norah Jones ist darum ganz gut, die läuft ja in jedem Fahrstuhl der Welt (lacht).

 

Also, es ist dann nicht so, dass du dich von Musik beim Schreiben inspirieren lässt?

Nein, während des Schreibens gar nicht, da wüsste ich gar nicht, welche Musik das sein könnte, denn es müsste ja zu der Situation passen oder zu den Szenen, die ich da gerade schreibe. Ich lasse sie einfach nur laufen, um das Gehirn sozusagen in so einen Modus zu setzen, wo einfach alle anderen Eindrücke weg sind, würde ich jetzt mal so sagen, um den Kopf warm zu bekommen, dass da irgendetwas ist. Ich habe das mal interessanterweise von einem Taekwondo-Meister gelernt. Man denkt ja immer, diese asiatischen Kampfsportler sind so Esoteriker, die immer Ruhe brauchen und so weiter. Der Mann hat so ein Studio eröffnet an der Sonnenstraße in München, das dürfte eine der meistbefahrenen Straßen in der Münchner City sein. Direkt im ersten Stock hat der sein Studio aufgemacht, mit viel Glas, und ich habe ihn gefragt: „Wieso sind Sie da her gegangen? Da ist ja so viel los draußen, und die Autos und so. Da kann man sich ja nicht konzentrieren“ Er hat gesagt: „Ja, genau. Wenn du dich konzentrieren willst, wenn du weiterkommen willst, denken willst, dann musst du Action um dich herum haben, denn sonst schläft dein Gehirn ein. Und wenn du dich in der Mitte des Getümmels auf eine Sache besinnst, bist du wirklich konzentriert.“ Und so sehe ich das mit der Musik und der Bewegung um mich rum seither auch. Zurück zur Frage: Was mich allerdings schon inspiriert, sind natürlich Musiker, die große Geschichtenerzähler sind. Ich habe Billy Joel schon genannt. Ich weiß nicht, ob du es kennst: Scenes From an Italian Restaurant, oder, klar, Piano Man – diese Szenen, die er da beschreibt an der Bar, und die verschiedenen Typen, mit nur ein paar Schlüsselwörtern, und du hast sofort diese Charaktere vor Augen. Oder die alten Springsteen-Sachen, die erste, Greetings from Asbury Park, N.J., da sind einfach unglaubliche Geschichten darauf, da kann man neidisch werden. Die Songwriter haben natürlich das große Glück, die müssen immer nur dreieinhalb Minuten oder fünf Minuten Text schreiben, aber sehr verdichtet. Das inspiriert mich, oder besser: motiviert mich, sozusagen, mit wenigen Mitteln Figuren so zu beschreiben, dass sie lebendig werden. Das ist ja die Kunst, die wir alle versuchen zu vollbringen.

 

Welche Phase eines Buches ist für dich die anstrengendste?

Das Redigieren und Dreimallesen mit dem Lektor, das ist die anstrengendste Phase. Das Fertigmachen, sozusagen. Alle Kraft ist am Anfang am größten; ich bin auch so ein Typ: Bitte neues Projekt, neues Projekt, neues Projekt. Zwischendrin muss man sich leider mal zusammenreißen, Arschbacken zusammen zwicken und fertigschreiben. Das Schreiben – wenn es mal läuft, ist es ein schöner Prozess, aber dann das fertige Buch noch fünfmal lesen müssen, das ist das Anstrengende.

 

In welchem Genre möchtest du gerne noch mal schreiben, und was hält dich davon ab?

Sachbuch. Mir sind ein paar gute Themen eingefallen. Nicht so sehr theoretische Themen, sondern Menschen vorzustellen, die ich kennengelernt habe. Vielleicht auch Teile meiner eigenen Vergangenheit ein bisschen aufzuarbeiten. Zum Beispiel eine Geschichte, die mir vorschwebt, ist: Ich habe als junger Mensch Zivildienst gemacht, und einer meiner Klienten, den ich betreut habe, war ein Rollstuhlfahrer, drei oder vier Jahre älter als ich, der einen Motorradunfall hatte. Das höchste, was er an seinem Körper bewegen konnte, waren die Schultern. Wie der sein Leben gemeistert hat, jetzt mittlerweile seit dreißig Jahren, verheiratet ist, Kinder hat. Das interessiert mich sehr, weil ich den wirklich seit 25 Jahren kenne, mit großen Abständen natürlich, würde ich den ganz gerne mal interviewen. Ein anderer Typ ist auch – anscheinend fällt mir gerade sehr stark das Thema Behinderung dazu ein – jemand, der war mit mir in der Volksschule in der gleichen Klasse und der hat in Afghanistan als Soldat seine beiden Beine verloren. Unsere beiden Söhne sind im gleichen Eishockey-Klub gewesen, und da ist das dem passiert. Beide Männer meistern ihr Leben auf unglaubliche Weise. Da können sich andere, die immer nur jammern, ein Beispiel nehmen. Und solche Menschen gibt ja einige. Diese unterschiedlichen Leben, die man so hat, in die man hineingeworfen wird. Das ist das Spannende. Portraits von solchen besonderen Menschen würde ich gerne schreiben.

 

Und was hält dich davon ab?

Die Zeit. Die Zeit, die Zeit, die Zeit. Aber ich mach’s. Ich mache mir für jede Idee einen Ordner auf meine Festplatte und schmeiße da wahnsinnig viel Zeug rein. Du kannst nicht alles machen, aber ab und zu im Gespräch mit dem Verlag oder mit einem Lektor oder einem Agenten, der sagt: „Mensch, wäre das jetzt nicht gerade aus dem und dem Thema …“ Da braucht man so einen Fundus an Ideen. Manche sind auch so zwingend; da ist eine andere Geschichte, die darf ich noch gar nicht verraten, das ist auch ein Sachbuchthema, da gibt es einfach noch nichts zu diesem Thema, darum verrate ich es jetzt auch nicht, da muss ich einfach schnell sein. Da hat man wieder Zeitdruck, und dann macht man es auch. Das wäre glaube ich auch der Tipp für jemanden, der fragt: „Wann soll ich das Buch zeitlich platzieren?“ Immer dann, wenn du wirklich meinst, das muss jetzt raus, das ist meistens eine gute Zeit.

 

Du hast mit Josefibichl einen sogenannten Regionalkrimi vorgelegt. Stört dich diese Schublade?

Ich habe ja sehr lange im Marketing gearbeitet, und daher weiß ich, dass alles seine Schublade und sein Label braucht, weil es sonst ja auch nicht verkäuflich wäre. Als Autor würde man sich natürlich freuen, wenn man ein bissl anders behandelt wird als andere, aber verkaufstechnisch ist es gut, wenn man genauso behandelt wird wie andere, dann weiß man nämlich, wo man liegt in der Buchhandlung. Es gibt ja nichts Schlimmeres, wenn man falsch liegt – mein Buch „Josefibichl“ habe ich schon bei „Bavarica“ gefunden, also da passt es wirklich nicht hin, so neben Professor Zöpfl und und Ludwig Thoma, wahrscheinlich, weil gestickte Hosenträger vorne drauf sind. Von daher ist es schon gut, wenn die Buchhändler wissen, dass sie es neben den Jörg Maurer und die Nicola Förg legen sollen. Stört mich überhaupt nicht. Natürlich denkt jeder Autor: „Mensch, das ist ja eigentlich Weltliteratur, was ich hier mache!“ Man darf aber nicht größenwahnsinnig werden. Wir machen als Krimiautoren gute Unterhaltung, das ist unser Job. Mein großes Vorbild ist Lion Feuchtwanger, und wenn ab und zu mir einer sagt: Mensch, an der und der Stelle „feuchtwangert“ dein Buch, dann freue ich mich natürlich wahnsinnig. Ohne dass ichFeuchtwanger imitieren wollte, „feuchtwangern“ reicht mir auch schon. Was ich gerne gehabt hätte, wäre gewesen – aber da wusste ich noch zuwenig über die Branche – dass der Verlag vorne draufschreibt: „Krimineller Heimatroman“. Denn für mich ist das „Heimatroman“ wichtiger als der Krimi, darum sollte das Hauptwort eigentlich „Heimatroman“ sein. Aber da haben die schlauen Leute bei Piper gesagt: „Vergiss es, dann weiß kein Mensch, wo er es hinlegen soll.“ Deswegen: Sagt alle „Regionalkrimi“, und dann kaufen es dieLeute, und dann sehen die ja beim Lesen: Es ist ja gar nicht so klischeehaft, und es bricht das Genre ja auch. Es bietet Sarkasmus, Satire. Meine Krimis sind also ein bisschen anders als der klassische Klischee-Krimi, aber das würden die hier wahrscheinlich in diesem Raum alle sagen. (Anm. d. Red.:Das Gespräch fand im Rahmen des Krimiautoren-Treffens Criminale 2012 in einem Cafè statt, in dem circa fünfzig Krimiautoren saßen.)

 

Mit Kreuzzug hast du einen Thriller vorgelegt, der keine internationalen Vergleiche zu scheuen braucht. Wie kam dir die Idee dazu?

Danke erst einmal für das Lob. Auch bei Kreuzzug gab es einen konkretenAnlass, eine konkrete Szene. Am 10. November 2010 wurde bekannt, dass es offenbar Anschlagspläne gab auf den Reichstag in Berlin. Ich weiß nicht, erinnerst du dich noch daran? Thomas de Maizière war damals Innenminister und hat sich vor die Kameras gestellt und hat gesagt: „Wir müssen die Reichstagskuppel sperren.“ Ich habe mir das im Fernsehen angeschaut und habe gedacht: Okay. Man hatte ja vorher schon Sauerland-Gruppe, und in Madrid und London waren vorher diese U-Bahn-Attentate, also das liegt ja in der Luft, sowas. Jetzt geht es also los. Und das fand ich schon mal hart, dass sie sagen: „Wir sperren den Reichstag für Besucher.“ Wenn die sowas öffentlich machen, dann ist schon irgendwas dran. Ich habe meinen Agenten an dem gleichen Abend angerufen, während der Tagesschau, und habe gesagt: „So ein Terrorthema. Was machen wir denn da?“ Und mein Agent, das ist so ein Klassikfan, sagte: „Bayreuth! Grüner Hügel! Da sind sie alle! Spreng in die Luft!“ – Da sage ich: „Geht nicht. Erstens kenne ich mich da nicht gut genug aus.“ – „Die kann man alle entführen und so!“ Auch ein bissl ein Revoluzzer, der Mann. Dann sage ich: „Außerdem hatte mein Freund Jan Weiler gerade in Drachensaat einen Anschlag in Bayreuth …“ Also, das hätte mich jetzt nicht wirklich gehindert, weil der Jan ein ganz anderes Buch geschrieben hat, aber mir war klar: ich müsste mich da erst einmal in diese Klassik-Szene reinfühlen. Da müsste ich erst mal einen Sommer lang nach Bayreuth gehen, denn man muss ja dieses Flair der Festspiele kennenlernen. Dann ist mein Agent auch noch Protestant und meinte: „Kölner Dom! Echt spannend, weil auch Domschatz und so weiter und so fort.“ Da sagte ich zu ihm: „Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, inspiriert mich jetzt nicht so wahnsinnig. Da kommt man doch zu leicht drauf.“ Aber, trotzdem, das war der richtige Hinweis. Denn Sekunden später ist es mir eingefallen. Er gab nämlich keine Ruhe und sagte: „Mensch, da sind doch so viele Touristen, da ist doch die ganze Welt …“ Und da kam die Idee, „Touristen“ war das Stichwort.„Weißt du, wo wirklich viele Touristen sind? Auf der Zugspitze. Und dann ist da dieses Kreuz da oben, also auch wieder wie ein Dom, wie eine Kirche, und da hast du diese ganzen technischen Anlagen, die man super sabotieren kann. Lass mich doch mal darüber nachdenken.“ Und mein Agent, er kommt aus Bayern, geht auch gerne in die Berge: „Ja, was denn, in unseren Bergen?“ – Darauf ich: „Ja, siehst du, das quält dich? Da hat noch keiner darüber nachgedacht.“ So ist die Idee an diesem Abend entstanden. Insofern bin ich dem Thomas de Maizière, oder dem BKA, oder wem auch immer, sehr dankbar, dass sie das veröffentlicht haben, denn sonst wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, so ein großes Terrording in Deutschland anzusiedeln.

 

Fährst du noch unbefangen mit der Zahnradbahn?

Ja, mit allen Zugspitzbahnen. Ich bin jetzt mit allen Bahnen mehrmals rauf- und runtergefahren. Der BR hat eine Geschichte gemacht und wir haben Filme gemacht für das Internet, da bin ich ständig damit gefahren. Ich habe überhaupt kein Problem damit. Ich würde auch niemandem raten, sich von meinem Buch abbringen zu lassen, auf die Zugspitze zu fahren. Das ist bei schönem Wetter ein super Aussichtspunkt, einen schöneren gibt es gar nicht. Und man muss sich anschauen, wie viel Technik da oben ist. Es ist wirklich teilweise ja wie im Science-Fiction-Film, diese ganzen Telekommunikationsanlagen. Da steht dann mittendrin noch dieses schöne alte Münchener Haus, diese über hundertjährige Alpenvereinshütte. Aber der ganze Gipfel ist ansonsten mit Beton überzogen wie eine Jacketkrone. Und wenn du dir überlegst, dass du da im Winter nicht rauf- und runterkommst ohne diese Bahn, du bist also auf einer Insel, das ist schon sehr beeindruckend. Aber auf was wir uns immer verlassen so als Menschen – da sagst du: „Da komme ich schon wieder runter.“ Ja, aber wenn da mal der Strom ausfällt, dann schaut es schlecht aus. Und über sowas kann man da oben super nachdenken. Darüber geht ja mein Buch eigentlich: Über den technischen Fortschritt und wie er sich auf den Menschen auswirkt.

 

Im Moment veröffentlichst du gerade eine Rätsel-Krimiserie, Transalp wie kam es denn dazu?

Wieder spontan, beziehungsweise hat das natürlich mit meinem Engagement rund um das E-Book zu tun. Ich habe letztes Jahr angefangen, einfach weil es mich interessiert hat. Ich habe ja sehr viel im Internet gearbeitet die letzten 20 Jahre und da fand ich es natürlich spannend: was tut sich denn da mit dem Direct Publishing? Ich habe dann einfach mal eine Kurzgeschichte veröffentlicht als Kindle-Direct-Publishing-Book. Das hat sich natürlich so mäßig verkauft, und ich habe gemerkt: Das eigentlich Schwierige ist das Bücherverkaufen, und nicht das Schreiben. Damals habe ich dann viel gepostet auf Twitter und auf Facebook, und das hat sich dann auch bei mir im Verlag, bei Droemer, herumgesprochen, und ich war da, und da sagte die E-Book-Chefin: „Mensch, können wir sowas wie diesen Mini-Krimi nicht in Serie machen? Wir möchten sowas mal machen, und zwar bitte schon so im Alpenraum.“ Die wissen natürlich, ich bin der Alpen-Spezialist mittlerweile. Da habe ich gesagt: „Ja, gut, Serie wäre natürlich toll, wenn ich jetzt aber einen einen dreihundertseitigen Text durch zwölf teile, und das ist dann eine Serie, dann ist das ja fad. Man braucht ein wirklich verbindendes Element.“ Da meinte die Verlagskollegin: „Ja, es wäre doch schön, wenn jedes Kapitel oder jede Folge aufhört mit einer Frage, wo sich die Leute dann im Internet selber was suchen müssen.“ Gute Idee, das Problem dabei ist aber: Google ist mittlerweile leider so gut, dass du eigentlich wahnsinnig wenig findest, was du nicht findest. Darum meine Anregung: Lass uns doch lieber richtige Rätselfragen machen. Zufälligerweise kenne ich den CUS, den Rätselpapst, aus meiner SZ-Magazin-Zeit. Das hat alles wirklich drei Tage gedauert, dann haben wir gesagt: Das machen wir. Der CUS hat sich auch in die Krimischreiberei reinentwickelt, und nicht nur die Rätsel geliefert. Er ist sozusagen in der Geschichte mit einem Charakter, dem Benno Spindler, vorneweg gegangen. Ich ich mit dem Ermittlerteam hinterher. Und dann haben wir beide ein Faible für die Verschwörungstheorie. Wir sind ja aich in Transalp mitten in einer Weltverschwörung mal wieder, da geht es ja um eine Nazigeschichte außenrum, und um Hitlers Vermächtnis, und um die Nibelungen, und solche Dinge. Sehr viel hat da auch der CUS beigetragen, weil er sich historisch sehr gut auskennt. Das war sehr spannend für mich, zum ersten Mal mit einem Co-Autor parallel an der gleichen Geschichte zu schreiben. Wirklich in Echtzeit, das war unter hohem Zeitdruck, das sollte ja zur Leipziger Buchmesse fertig werden. Wir haben in Google Docs reingeschrieben, gleichzeitig teilweise. Da konnte jeder dem anderen beim Schreiben zusehen, war ein großer Spaß. Der Roman ist also auch komplett im Internet entstanden, wenn man so möchte.

 

Kannst du uns schon etwas über dein nächstes Projekt sagen?

Ja, es ist gerade fertig geworden, es ist natürlich der Nachfolger vom Josefibichl, der heißt Herrgottschrofen. Auch das wie der Josefibichl ein real existierender Ort, diesmal in Garmisch, nicht in Partenkirchen – ich muss ja da auch immer ausgleichen – ein sehr schöner Felsen, an dem ich einen wichtigen Teil meiner Jugend verbracht habe. Wo dann aber Sachen passieren, die natürlich mit meiner Jugend nichts zu tun haben. Morde geschehen da, schlimme Morde. Frauen werden den Felsen runtergeschmissen, ganz schlimm geht es da zu. Der Roman ist fertig, und der kommt im Frühjahr 2013 bei Piper heraus. Für Droemer schreibe ich gerade den Nachfolger des Kreuzzugs. Damit fange ich jetzt im Sommer an, denn der kommt dann im Herbst 2013 raus. Der CUS und ich haben uns sehr verliebt in unser Ermittlerpärchen und den Verbrecher aus Transalp, und auch in dieses Setting mit den Nazis außenrum, und jetzt schauen wir mal, was wir daraus noch machen können. Transalp wird vielleicht auch als Print-Buch herauskommen, das ist ja nur ein reines E-Book, und da haben wir schon zwei, drei Ideen, wie wir das weiterentwickeln können.

 

Welches Genre bzw. welche Romane liest du selbst am liebsten?

Ich halte mich von Krimis und Thrillern so weit es geht fern, denn ich will gar nicht wissen, wie andere schreiben, ich will mein eigenes Ding entwickeln und auch gar nicht sagen: „Mensch, der ist ja viel besser, so würde ich es nie schaffen.“ Also, ich will mich gar nicht damit beschäftigen: ist der jetzt besser oder schlechter als ich. Ich lese sehr viel Sachbücher, logischerweise, für meine Themen. Oder, sagen wir mal, auch so Betrachtungen, wie jetzt gerade Alain de Boton, der das Buch über die Arbeitswelt geschrieben hat. Sehr, sehr schöne Artikel. Wenn ich Literatur lese im klassischen Sinn, das hat immer schon was mit dem 20. Jahrhundert und mit der schrecklichen Nazizeit zu tun. Ich habe die Hoffnung, dass man über Literatur das vollkommen Unverständliche, wie so eine Perversion zustande kommt, vielleicht nicht verstehen, aber vielleicht sich annähern kann. Zur Zeit natürlich Peter Nadasch, die Parallelgeschichten – da wird er wahrscheinlich den Nobelpreis kriegen, hoffe ich, das sagen einige, die mehr davon verstehen als ich. Zuvor habe ich gelesen Himmlers Hirn heißt Heydrich, von Binet und davor Erik Emmanuel Schmidt: Adolf H. zwei Leben. Für mich persönlich ist das die riesengroße Frage, die sich mir stellt: Wie konnte das geschehen? In meinem Land? Das ist mir so unbegreiflich, und dem versuche ich mich über Literatur zu nähern.

 

Du lebst momentan in München. Ist das deine Traumstadt, oder gibt es noch eine andere Stadt, in der du gerne leben würdest?

München ist die bequemste Stadt für mich, muss ich sagen, es lässt sich da auch sehr gut leben. Ich fühle mich da sehr zuhause. Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass ich wahnsinnig gerne mal im Ausland leben würde. New York wäre ein Traum. Es hat auch alles seine Schattenseiten, klar. Ich würde vielleicht auch mal am Meer leben wollen. Montpellier? Das schaue ich mir jetzt auch an. Nicht mit dem Hintergrund, da hinzuziehen; mein Französisch ist viel zu schlecht. Aber noch mal umziehen in meinem Leben – das könnte gut passieren.

 

Wie hoch ist dein aktueller SUB?

Wie bitte?

 

Stapel ungelesener Bücher. SUB.

Jetzt muss ich erst mal im Geiste in mein Schlafzimmer schauen. Also, neben dem Bett 1,20 Meter, im rechten Eck. Und nochmal zu viel im linken. Da sind aber Bücher von meiner Frau dabei. Auf dem Schreibtisch, gerade für ein aktuelles Projekt, viele Sachbücher, so 40 Zentimeter, sind wir schon auf 1,60, und dann vieles, was halt im Regal steht. Ich würde mal sagen: rund 3 Meter, wenn man es aufeinanderstellt. Ich kaufe gerne Bücher. (Lacht.) Deswegen ruinieren sich ja Autoren so. Du gehst ja ständig in eine Buchhandlung rein, um Store-Check zu machen. Drehst dein Buch so ein bisschen von Kante auf frontal, denkst dir: Wow, jetzt hast du wieder was getan für dein Buch. Gehst aber raus mit 30 Euro weniger, weil du andere Bücher gekauft hast. Das ist das Problem. Wenn man sich das abgewöhnt, kein Store-Check mehr, dann würde man mehr Geld in der Tasche haben. Nicht, weil man deswegen mehr verkauft, sondern weil man weniger ausgibt.

 

Was ist das Beste daran, ein erfolgreicher Autor zu sein, und was ist das Nervigste?

Ja, das wäre schön, wenn ich das wüsste, denn ich bin ja noch kein erfolgreicher Autor. Ich versuche, es zu werden. Das Schönste dabei, Autor zu sein, ist, dass du dein eigener Herr bist, Der Freiheitsgrad ist ziemlich hoch. Ich habe eine angeborene Chef-Allergie, und die brauche ich jetzt nicht mehr haben. Ich habe auch als Unternehmensberater freiberuflich gearbeitet, da habe ich aber immer Kunden. Gut, jetzt habe ich auch Kunden, ich habe Leser, und ich habe einen Verlag, und so weiter, aber man hat ein bisschen Abstand zu Menschen. Wobei ich Menschen gerne mag. Aber ich genieße es, für das Blatt Papier zu arbeiten, sozusagen, für meinen Computer. Das ist also schon ein bisschen so splendid isolation, wenn du das machst. Das ist das Schöne. Das Nervige für mich sind die Ablenkungen des Lebens und vor allem des Internets: Facebook, Twitter, E-Mail. Ist alles wichtig, glauben wir immer, für den Verkauf unserer Bücher, deswegen twittern wir alle wie die Wahnsinnigen oder facebooken, aber es ist ein unglaublicher Zeitstaubsauger. Ich habe mal gesagt, wenn ich drei Monate schaffe, dann kann ich mich auch abmelden. Es sind dann zwei Monate geworden, aber ich versuche, es zu reduzieren. Ich meine, fernsehen tun wir ja sowieso alle schon nicht mehr, weil man gar keine Zeit dazu hat, aber Facebook ist der nächste Zeitstaubsauger. Und teilweise nicht wirklich produktiv.

 

Erzählst du uns noch eine Anekdote aus deinem Autorenleben?

Ich war gestern Abend auf einer Lesung in Vilsbiburg, was ja in Niederbayern ist, und Garmisch-Partenkirchen ist ja bekanntermaßen in Oberbayern. Die Vilsbiburger Zeitung hat meine Lesung angekündigt mit der Überschrift: „Mönchsmord im Allgäu“. Es gibt halt übermächtige Autoren, die im Allgäu geschrieben haben. Aber da sieht man mal, wie weit Niederbayern und Oberbayern weit auseinander sind. Wenn ich nämlich nach Hamburg gehe und ich frage dort: „Wer war denn schon in Garmisch-Partenkirchen?“, sagen 90% der Leute „Ja, das kenne ich.“ Gestern in Niederbayern waren es ungefähr 20% von dem Publikum. Weil, so nah wie es ist, aber die Leute fahren nicht hin. Die fahren schon nicht nach München, die fahren nach Landshut oder so. „Was täte ich in Garmisch?“ Das ist eine ganz andere Welt … Da ist mir wieder bewußt geworden, wie kompliziert ja Bayern eigentlich ist.

 

Eine allerletzte Frage: Gibt es eine Frage, die du gerne mal beantworten wolltest, die dir aber noch keiner gestellt hat.

Ja, die Frage – das ist fast schon ein Buchtitel. Man möchte irgendwann mal gefragt werden: „Wie haben Sie es geschafft, reich zu werden und sexy zu bleiben?“

 

Und was würdest du dann darauf antworten?

Das mit dem Reichwerden ist ja das Schwierige. Das ist frühestens in 15 Jahren der Fall, und dann weiß ich nicht, ob ich noch sexy bin. (Lacht.) Ich würde dann sagen wollen:„Einfach nicht so sehr aufregen über das Leben. Einfach locker angehen lassen. Das hat mir bei beidem geholfen.“ Das wäre schön, wenn man die Antwort mit gutem Gewissen sagen könnte.

 

Dann sage ich Danke für das Gespräch!

Danke auch! Hat sehr viel Spaß gemacht!

(Das Interview wurde geführt am 27.04.2012 in Olsberg.)

 

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