Diese Vorstellung war für mich die schönste der Serie, und ich habe immerhin sechs von acht gesehen. Das lag aber auch daran, dass ich mich jetzt wirklich in Janaceks Musik verliebt habe. Auch die Inszenierung von Rosamund Gilmore finde ich nach wie vor zauberhaft. Gute Produktionen werden mit der Zeit besser, und man nimmt die kleinen Details wahr – zum Beispiel die wunderbare Beleuchtung von Peter Platz, wo am Ende des Stücks die Sonne untergeht – da könnte sich mancher preisgekrönte Kollege mehrere Scheiben abschneiden. Auch die ausgesprochen schöne Choreographie kann man die ersten Male gar nicht richtig würdigen – all die kleinen Bewegungen der Insekten. Besonders aufgefallen ist mir in jeder Vorstellung Laura Faig als Grille und Eichelhäher, die aus ihren kleinen Rollen 150 Prozent herausholte – diese Gestik, diese Mimik, wie sie im Raum herumzappelt, wie sie das Insekt, das vor ihr sitzt, sekkiert, schikaniert und piesackt – ein Hochgenuss. Das Besondere an diesem Abend war, dass Maria Celeng und Thérèse Wincent gemeinsam als Füchslein Schlaukopf bzw. Fuchs auf der Bühne standen – eine ausgesprochen schöne Kombination, und tatsächlich kam Romantik auf, obwohl die Regisseurin diese Szenen leider eher sachlich angelegt hatte. Ich war immer schon ein ganz großer Fan von Thérèse Wincents Sopran, und ihre Darstellung ist fantastisch. Auch die Nachwuchs-Sängerin Maria Celeng hat eine wunderbare Sopranstimme. Sie kann ihre unglaubliche Energie noch nicht an jeder Stelle kontrollieren, aber ich fand sie trotzdem immer großartig. Sobald sie das nächste Mal auf der Bühne steht, kaufe ich mir eine Karte, sofort. Sehr schön sind in dieser Oper die Bass-Partien, von Derrick Ballard (Förster) und Holger Ohlmann (der Wilderer Haraschta) toll gesungen. Carolin Neukamm als Dackel bzw. Gastwirtin war fabelhaft, wie schon bei der Premiere. Eun Kyong Lim gefiel mir sehr gut als Förstersfrau; Christoph Späth (Schulmeister), Sebastian Campione (Pfarrer/Dachs), Stefan Thomas (Mücke/Gastwirt), Anna Bromaeus (Seppl/Specht/Frosch), Nam Young Kim (Hahn, Heuschreck, Eule), Heidrun Blaser (Schopfhenne), Korbinian Heintze (Junges Füchslein Schlaukopf) und Jonas Hensler (Fröschlein) machten ebenfalls einen sehr guten Eindruck, ebenso die Tänzer Julien Feuillet (Eichhörnchen), Bettina Fritsche (Libelle), Michael Kitzeder (Igel), Elodie Lavoignat (Fliege, Sonnenblume), Sandra Lommerzheim (eine weitere Libelle) und Jochen Vogel (Marienkäfer). Der Kinderchor war super, wie immer. Das Orchester spielte gut, klang allerdings bei dieser Vorstellung, die von Joachim Tschiedel dirigiert wurde, anders als unter Andreas Kowalewitz.
Mal wieder beim Loewe Verlag bin ich über ein Buch gestolpert, dessen Leseprobe mich angesprochen hat. Auf der Seite LegendFans erfährt man alle Neuigkeiten zum Buch und kann dort sogar eine tolle Reise nach L.A. gewinnen. Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie und soll sogar verfilmt werden.
Der Trailer ist jedenfalls schon filmreif
Los Angeles, im Jahr 2130: Nach einer Flutkatastrophe, die die Küstenregionen des nordamerikanischen Kontinents heimgesucht hat, steht die Stadt unter Wasser. Die Vereinigten Staaten existieren nicht mehr; stattdessen teilt sich das Land in die Republik im Westen und die Kolonien im Osten. Riesige Generatoren und Wasserpumpen säumen die Küsten, Luftschiffe bevölkern den Himmel. Die einstige Staatengemeinschaft ist durch einen Bürgerkrieg entzweit. Rebellen wollen die Machenschaften der Regierung unterwandern, während die Herrschenden der Republik mit aller Macht versuchen, dem wachsenden Einfluss der Widerständler Herr zu werden.
Mitten in diesem Konflikt treffen sich Day und June. Er ist ein Rebell, der meistgesuchte Staatsfeind des Landes, sie eine Elite-Soldatin, die auf ihn angesetzt wird. Beide treiben starke Motive: Day versucht verzweifelt, seine Familie vor der Seuche zu retten, die die Regierung in geheimen Menschenversuchen in den Slums verbreitet hat, June ist auf Rache aus, weil sie Day für den Mörder ihres Bruders hält. Als sie sich begegnen, ist es Liebe auf den ersten Blick – ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft, Pläne und Ziele. Zerrissen von ihren Gefühlen und ihrer Loyalität zu ihren Familien, finden sie heraus, dass längst nicht mehr nur Day gejagt wird und dass die Regierung mehr Gründe hat, sie beide zu beseitigen, als sie selbst ahnen.
Onlinekritiken gibt es beim Donaukurier, Kulturvollzug, Münchner Merkur und BR. Vergleiche mit der zeitgleichen Inszenierung des Opernstudios gibt es bei TheaterPur und mucbook.
Jede Menge Fotos gibt es bei Pictures Berlin.
Und der Trailer des Theaters gibt auch ein gutes Bild der Inszenierung wieder:
Hengst der Sonne war eines meiner Lieblingsbücher, als ich ein Kind war, und daran hat sich nichts geändert. Möglicherweise ist dieses fantastisch tolle Sachbuch der Grund, warum ich historische Romane meistens nur querlese: Es ist viel schöner und spannender als all das, was mir in dieser Sparte seitdem in die Finger gekommen ist - die Wirklichkeit übertrifft die Erfindungsgabe auch guter Autoren bei weitem. Der Autor hat Geschichte und Geographie studiert und als Auslandskorrespondent gearbeitet. Außerdem kannte er sich mit Pferdezucht aus, und diese fundierte Basis merkt man in jedem Satz. Der Detailreichtum der Beschreibungen ist bezaubernd, sei es am Hof des Sultans von Marokko, in Frankreich am Schloss von Versailles oder auf dem Gut des englischen Grafen Godolphin. Das Buch beginnt im Jahr 1725, als in Marokko der Araberhengst El Sham das Licht der Welt erblickt. Der Sultan züchtete Araber für den Rennsport; diese kleinen, wilden Wüstenpferde waren seine ganze Leidenschaft. Die besten Tiere wurden in Gold aufgewogen, und jedes dieser kostbaren Pferde hatte am Hof des Sultans einen eigenen Pferdepfleger. Zusammen mit dem jungen Sklaven Agba und der ebenso wilden Katze Moumou wird El Sham, mit sieben weiteren Araberhengsten, aus diplomatischen Gründen seiner Majestät, dem König von Frankreich zum Geschenk gemacht. In Versailles ahnt man nichts von dem immensen Wert dieser Rassetiere, hält sie für reizende kleine Pferdchen, stellt aber sehr bald fest, dass sie für die gewohnten Zwecke völlig ungeeignet sind. Als El Sham schließlich den Küchenkarren zerlegt, vor den man ihn gespannt hat, wird er über Umwege nach England verkauft – eine Leidensgeschichte wie von Charles Dickens. Der Negerjunge Agba, der geschworen hat, diesem Pferd treu zu bleiben bis in den Tod, folgt dem Tier wie ein Schatten.
Zufällig stößt der Pferdezüchter Graf Godolphin auf das Pferd, das mittlerweile in keinem besonders guten Zustand mehr ist. Er kauft es auf der Stelle, für den unwahrscheinlichen Fall, dass es sich tatsächlich um einen dieser sagenumwobenen Araberhengste handeln sollte (englische Pferdeliebhaber hatten schon seit langem versucht, solche Tiere zu kaufen, was aber praktisch unmöglich war). Den Pferdepfleger Agba holt er aus dem Gefängnis, aber der Stammbaum des Tieres wurde gestohlen, so dass der Graf zögert, es beim Pferderennen laufen zu lassen. Schließlich wird El Sham als Probierhengst auf die beste Zuchtstute des Gutes angesetzt (um die Stute in Stimmung zu bringen, bevor sie vom Zuchthengst gedeckt wird). Es kommt, wie es kommen muss: Das neugeborene Fohlen ist klein, dünn und häßlich, ein halbes Araberpferd, der Graf tobt, die Zuchtstute gilt als ruiniert. Der Oberstallmeister des Grafen soll den Araberhengst erschießen, aber er verfrachtet Agba und El Sham in ein Versteck. Die nächsten Jahre laufen schlecht für den Grafen: in der Zucht und bei den Pferderennen hat er nur Misserfolge. Als der Graf finanziell praktisch am Ende ist, zwingt ihn Seine Majestät Georg II aus einer Laune heraus, dieses mißratene Pferdchen im Rennen der Zweijährigen laufen zu lassen (aus reiner Neugier, und um dem Herzog von Somerset eins auszuwischen). Der kleine Bastard gewinnt das Rennen mit haushoher Überlegenheit, Graf Godolphin ist fortan ein gemachter Mann. Ab 1791 wird das “General Studbook” geführt, das Stammbuch des englischen Rennsports. Darin sind alle “thoroughbreds” eingetragen. Alle Vollblutpferde der Welt stammen von 43 englischen Rassestuten und von lediglich drei Araberhengsten ab; einer davon war El Sham.
Franz Born: Hengst der Sonne. Verlag: Sebaldus, 1961. ASIN B0000BGQ9X (zur Zeit nur antiquarisch erhältlich).
Inhaltsangabe:
Ein bezaubernder Liebesroman, den man mit einem Lächeln zuklappt Mr. Malik ist ein warmherziger, schüchterner Mann mit einem großen Geheimnis: Er ist bis über beide Ohren verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern. Während er noch überlegt, wie er die Dame seines Herzens als Begleiterin zum jährlichen Nairobi Hunt Ball gewinnen kann, trifft der charmante Draufgänger Harry Kahn in der Stadt ein. Auch er hat bald ein Auge auf Rose geworfen und möchte sie ebenfalls zum Ball einladen. Da schreiten die Gentlemen aus Mr. Maliks Club ein und schlagen den beiden Rivalen eine Wette vor . . .
Wenn man dieses Buch zum ersten Mal Hand nimmt, erkennt man erst auf den zweiten Blick, dass man kein Sachbuch vor sich hat. Das schön gestaltete Cover fällt ins Auge und macht Lust darauf den Roman zu lesen. Als Urlaubslektüre hat er mir ausgesprochen gut gefallen. Der Autor schafft es, die Atmosphäre im Kenia der Gegenwart authentisch zu schildern, bleibt aber dabei leider etwas zu nah an der Oberfläche. Die Kapitel sind mit den verschiedenen Vogelarten überschrieben und manchmal ist nicht ganz klar, warum. Die Figuren sind sehr detailliert dargestellt, nur der stark auktoiriale Erzählstil hat mir nicht immer gefallen.
Das schlaue Füchslein ist hopsassa, märchenhaft, wie Hänsel und Gretel. Ich hatte einen guten Blick, das war gut. Angefangen hat es mit den Insekten. Die Insekten waren genauso witzig wie später die Hühner. Die Hühner waren noch ein minibisschen spaßiger. Die Mücke hatte einen coolen Hairstyle. Was sollte der Tänzer an der Leiter machen? Ach, das war ein Eichhörnchen. Hätte ein bisschen flauschiger sein können. Das eine Insekt, das da Bodenturnen gemacht hat, das sah irgendwie komisch aus. Man hatte die Tiere gar nicht wirklich erkannt, den Dackel zum Beispiel. Die Hühner waren am coolsten, total aufgedreht. Als sie von dem Fuchs getötet wurden, wurden die Kleider heruntergerissen. Das Huhn mit dem hellblauen Top hat mir am besten gefallen. Was ich lustig gefunden hätte: Wenn die Hühner nach dem Rupfen ein gepunktetes Unterhemd angehabt hätten, so wie eine Gänsehaut. Die Schopfhenne war toll, sehr gut gespielt. Die Haare von dem Füchslein, in dem feurigen Rot, waren echt wunderschön. Dann kam ein Förster und hat das Füchslein mit nach Hause genommen und angebunden. Die Förstersfrau hatte voll coole puffige Haare. Dann gab es Zoff mit den Hühnern, dem Förster und der Förstersfrau, und dann ist die Füchsin ja weggerannt. Dann hat sie den feinen Herrn kennengelernt: Der Fuchs – hat das überhaupt eine Frau oder ein Mann gespielt? Sie ist alleine durch den Wald spaziert, und er ist vorbeigelaufen, und so haben sie sich kennengelernt. Er hat ihr Kaninchenfleisch geschenkt. Er hat ihr die ganze Zeit Komplimente gemacht: Sie war so schön … ich meine, Füchse haben ja keinen Spiegel. Dann hat sie ja ihren Umriß gemalt, aber daraus konnte sie es nicht so richtig erschließen. Die Hochzeit war lustig, mit den Insekten als Trauzeugen und so. Der Schulmeister war lustig, wie er probiert hat, ob es auf dem Heimweg auch ohne Stock geht und wie er so herumgeeiert ist, nachdem sie etwas getrunken hatten. Die Sonnenblume war toll! Man hat sie zwar nicht wirklich erkannt, aber sie hat sich schön bewegt.
Die Fuchskinderchen, die da rumgehüpft sind, waren witzig. – Als die Fuchsmutter erschossen wurde, habe ich nicht kapiert, wieso die anderen Füchse da einfach vorbeigehen und runtergucken. Ich meine, da tust du doch mehr als runtergucken. – Okay, ist ja auch ein Fuchs. Das Rumgeknalle war zu laut. Die Knarre könnte ja auch etwas leiser Peng sagen. Der Wilderer sang von seiner Terynka. Ich habe überhaupt nicht verstanden, wer diese Terynka sein soll, denn die kam überhaupt nicht vor – was sollte die überhaupt bekommen? Irgendwas vom Fuchs, schon klar, aber der Wilderer hat da doch gar nichts mitgenommen? Mir hätte es mehr getaugt, wenn die Terynka mitgespielt hätte. Am Schluss, als der Förster gestorben ist … da habe ich irgendwie nicht so darauf geachtet. Es sah aus, als würde er einschlafen. - Die Musik? Passt schon. Bei den Insekten und bei den Hühnern ganz lustig, hibbelig. An den traurigen Stellen aber eher lahm. Aber was ich komisch finde: Ich habe mir keine einzige Melodie gemerkt. Sonst merkt man sich ja immer was. - Ich habe den Sinn der Geschichte nicht wirklich verstanden. Die Terynka hätte ja auch mal erscheinen können, und wenn es nur für zwei Sekunden gewesen wäre.
Schon mit Rachesommer legte Andreas Gruber einen faszinierenden Thriller vor, der vor allem durch seine genaue Personenanalyse und packende Handlung bestach. Mit dem nun erneut als Clubpremiere erscheinenden ThrillerTodesfrist steigert sich der Autor nochmals.
Mit Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez lässt Andreas Gruber zwei sehr gegensätzliche Ermittler aufeinander treffen. Stück für Stück lernt der Leser sie kennen, genau so, wie sie einander kennenlernen. Man kann anfangs förmlich die gespannte Atmosphäre zwischen den beiden spüren und verfolgt die Entwicklung der Beziehung hautnah. Dabei lockt der Schlagabtausch der beiden und die Kauzigkeit von Schneijder des Öfteren ein Schmunzeln hervor und dient damit als Comic Relief, ohne das wäre die Handlung wohl zu bedrückend. Auch der Killer, der gleich zu Anfang eingeführt wird, ist psychologisch sehr gut ausgeleuchtet, seine Motive und Handlungsweisen sind nachvollziehbar. Scheinbare Nebenfiguren verleiht Andreas Gruber Charaktertiefe, so dass es hier viele verschiedene Schichten zu entdecken gibt.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die kurzen Kapitel, die verschiedenen miteinander verwobenen Zeitebenen und Handlungstränge sowie die umfangreiche Recherche ergeben eine komplexe Story, die bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist. Es gibt keine Längen, es geht Schlag auf Schlag und man muss am Ball bleiben, um den Rückblenden und wechselnden Brennpunkten folgen zu können. Dem Leser werden sozusagen Fesseln angelegt, aus denen er sich kaum befreien kann. Andreas Gruber versteht es, mit überraschenden Wendungen den Spannungsbogen bis zur allerletzten Seite aufrecht zu erhalten. Dabei wirkt nichts konstruiert, alle losen Fäden werden verknüpft und zeigen am Ende ein stimmiges Gesamtbild. Die wechselnden Schauplätze wirken sehr authentisch und fühlen sich real an. Sie sind in die Handlung eingebunden und haben großen Wiedererkennungswert, so dass sie den Gesamteindruck gut abrunden.
Ein packendes Lesevergnügen, das einen unstillbaren Hunger nach weiteren Thrillern von Andreas Gruber weckt!
Die zweite Vorstellung von Janaceks Das Schlaue Füchslein gefiel mir ausgesprochen gut. Elaine Ortiz Arandes als Füchslein Schlaukopf und Thérèse Wincent als Fuchs waren ein wunderbares Pärchen, gesanglich und darstellerisch hervorragend. Sogar die Textverständlichkeit war bei ihnen immer gegeben, an anderen Stellen dagegen zum Teil problematisch, was nicht unbedingt die Schuld der Sänger gewesen sein muss: Das Orchester spielt nämlich in diesem Stück gerade an den Textstellen etwas lauter. (Vielleicht sind das auch die Auswirkungen der besseren Akustik des Prinzregententheaters.) Gesanglich und darstellerisch war das insgesamt eine runde Sache. Günter Papendell sang den Förster, Eun Kyong Lim die Förstersfrau, Christoph Späth war der Schulmeister (mit besonders schöner Darstellung), Marios Sarantidis war ein überzeugender Pfarrer bzw. Dachs, Florence Losseau absolvierte ebenfalls zwei Charakterstudien (Dackel/Gastwirtin), desgleichen Byeonghoon Chang (Mücke/Gastwirt). Die Schopfhenne wurde fabelhaft verkörpert von Antje Blaschke. Alpinia Albesteanu (Seppl/Specht/Frosch), Danae Kontora (Franzl/Grille/Eichelhäher) und Dorothee Koch (Hahn/Heuschreck/Eule) waren ebenfalls sehr gut. Das junge Füchslein Schlaukopf wurde von Moritz Kanngießer dargestellt, das Fröschlein von Arabella Wäscher, und in den Szenen mit den Fuchswelpen beeindruckte der Kinderchor durch seine natürliche Spielfreude.
Die Inszenierung von Rosamund Gilmore wäre, glaube ich, sehr im Sinne von Janacek gewesen. Janacek selbst hielt diese Oper für sein bestes Werk. Er arbeitete lange daran und legte Wert auf eine sehr naturalistische, klare Inszenierung. Die realistischen Tiermasken, die er sich gewünscht hat, muss man heutzutage abstrahieren, damit der moderne Opernbesucher dieses sehr philosophische Stück nicht für Kindertheater hält. Die Regisseurin zeigt den Wald als Schule des Lebens für die Fuchskinder; das Bühnenbild ist ein altmodisches Klassenzimmer, aus dem ein Wald wächst, wie eine Traumsequenz. Ich musste unwillkürlich an einen Kinderbuchklassiker denken, ”Wo die wilden Kerle wohnen”, in dem im Kinderzimmer des kleinen Jungen ein Wald wächst. Auch von der Farbkomposition her ist dieses Bühnenbild sehr gelungen: es scheint ein ganz leichter Sepiaton darüberzuliegen, und die Beleuchtung erinnert an Sonnenlicht, das durch die Wipfel auf den Waldboden fällt. (Bühne: Friedrich Oberle, Kostüme: Nicola Reichert, Licht: Peter Platz.) Immer wieder eine Augenweide sind die Tänzer des Extraballetts, sehr schön choreographiert: Julien Feuillet turnt als Eichhörnchen durch die Szenerie, neben Bettina Fritsche (Libelle), Michael Kitzeder (Igel), Elodie Lavoignat (Fliege), Sandra Lommerzheim (Libelle) und Jochen Vogel (Marienkäfer). Darüber hinaus ist Elodie Lavoignat die verführerischste Sonnenblume, die man überhaupt jemals gesehen hat.
Ein ganz besonderes Kaliber ist Ludwig Mittelhammer, der den Wilderer singt. Ich habe ihn schon im vergangenen Jahr auf der Bühne des Prinzregententheaters gesehen und fand seine Stimme damals schon toll. Auch in diesem Stück überzeugte er auf der ganzen Linie, in einer durchaus hintergründigen Rolle: In dieser Oper, die viele bedeutende Fragen des Lebens äußerst wortkarg oder sogar wortlos abhandelt, kommt im letzten Teil der Wilderer auf die Bühne, der die ganze Zeit redet oder singt, und noch dazu lauter unwichtiges Zeug: “Liebchen, was schaust du so? Komm, ich kaufe dir was Nettes zum Anziehen.” Als er die Füchsin sieht, ist sein erster Gedanke: “Das wird ein Muff für Terynka!” (Und tatsächlich: die unbekannte Terynka, die der Zuschauer sich lediglich vorstellen kann, weil sie gar nicht in Erscheinung tritt, bekommt einen Muff. Zur Hochzeit mit dem Wilderer.) Als der erste Jagdversuch fehlschlägt und die Füchsin sogar ihren Schabernack mit ihm treibt, hält er sich die verletzte Nase: “Aua! Was wird Terynka sagen, wenn sie mich so sieht?” Der dramaturgische Sinn dieses scheinbar sinnlosen Geplappers beschäftigte mich eine ganze Weile, bis ich verstand, dass dies Janaceks Anleitung dafür ist, wie ein Mann das Herz einer Frau gewinnt: Der Wilderer denkt viel an seine Terynka, er überlegt, wie sie sich fühlt und warum, wie er ihr eine Freude machen kann, und wie sie ihn wahrnimmt. Deshalb hat er die begehrte Terynka bekommen: Eine Frau findet so etwas unwiderstehlich. Alle Männer in diesem Stück waren verliebt in Terynka, aber für den Schulmeister war sie zu wild, für den Förster zu schwierig, und für den Pfarrer … ach Gott. Der Förster liebt zwar “sein Füchslein” (das hier gleichzeitig das Mädchen Terynka symbolisiert), aber er liebt es auf seine Weise: er legt das Füchslein an die Kette, und als es flüchtet, schießt er sogar … was ihm gleich darauf schrecklich leid tut. Aber auf diese Art von Liebe kann die Füchsin verzichten. Ob die schöne Terynka nicht vielleicht für den Wilderer auch zu schwierig ist, darüber hören wir bei Janacek nichts. Doch der Wilderer ist ein kluger Mann, er wird schon wissen, was er will und was nicht.
Seit einiger Zeit schreiben auf diesem Blog mehrere Autoren. Die Artikel sind deshalb mit dem Namen gekennzeichnet und unten befindet sich eine Liste, die alle Autoren aufführt. Die Namen sind Links zu den Artikeln des jeweiligen Autors. Jeder Artikel gibt ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder.
nacht_gedanken Tolles Interview mit der wunderbaren Nina George unter anderem über ihr neues Buch "Das Lavendelzimmer" http://t.co/n3RAFXLzIW - gezwitschert am 07.05.2013 18:14
nacht_gedanken Das ist meine Bettlektüre in nächster Zeit. Was würdet Ihr an Euer 16-jähriges Ich schreiben? http://t.co/B66d80wUzU - gezwitschert am 06.05.2013 23:18
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