Bayerische Theaterakademie proudly presents: Das Musical Dracula, aufgeführt von Studierenden des 2.-4. Jahrgangs Musical. Die Darsteller waren mit Enthusiasmus dabei, das Publikum war begeistert, und wenn man keine Angst vor Kitsch hat, ist dieses Stück von Frank Wildhorn eine feine Sache. Ich selbst bin da mittlerweile relativ schmerzfrei, aber bei der deutschen Übersetzung von Roman Hinze bin ich dann doch hin und wieder zusammengezuckt. Die Atmosphäre auf dem Video trifft es ziemlich genau, da bräuchten Sie eigentlich gar nicht weiterlesen. Musikalisch war es streckenweise ganz klasse, streckenweise aber auch nicht, weil die Tontechnik immer noch Probleme machte. Manchmal habe ich mir die Ohren zugehalten, weil es mir zu laut war.
Das Eingangsbild war hochinteressant: wunderschöne Vampirfrauen in aufreizender Kleidung und lasziven Posen, die (trotzdem oder deswegen) auf mich völlig steril und unsexy wirkten. (Was übrigens zur Handlung passt, so ist es nicht.) Nachdem ich leider zu den Frauen gehöre, die ihr Gehirn benutzen müssen, wenn sie gut aussehen wollen, fand ich diesen Effekt faszinierend. Kurz hatte ich eine Vision von einem Mann, der gelangweilt durch ein Luxusbordell wandert, sich schließlich in der Küche an die Spüle lehnt und dem Küchenmädel Gedichte von Baudelaire im französischen Original vorträgt … Sie entschuldigen meine schmutzige Fantasie, ich schweife ab. Irgendwie hatte das Ganze Ähnlichkeit mit einem Softporno, obwohl die Hauptfiguren durchaus differenziert gezeichnet waren. Vielleicht, weil sich die klassische Frage (wie nähere ich mich jemandem, ohne ihm zu nahe zu treten) bei Vampiren nicht stellt. Naja, jeder so wie er kann. Insofern finde ich die aktuelle Sexismus-Debatte fast komisch, weil da jeder Leitartikler von irgendwelchen Politikern erwartet, dass sie für irgendwelche Zufallsbekanntschaften im Dirndl mehr Sensibilität aufbringen sollen als die Frau Gemahlin das in soundsovielen Jahren Ehe jemals erlebt hat. Wünschen darf man sich ja alles, aber realistisch ist das nicht… Graf Dracula braucht aber nicht sensibel sein, Mina und Lucy schätzen seinen Sex-Appeal. Die anderen Männer sahen aber auch gut aus. Bis auf einen: Völlig unsexy und absolut brilliant war der verrückte Renfield, an dem sich ein fantastischer Maskenbildner verwirklicht hatte. Hin-rei-ßend in jeder Hinsicht die beiden Gargoyles, Steinstatuen mit Monsterkopf, auch bekannt als Wasserspeier. Tolle Bewegungen, und ein tolles Kostüm. Die würde ich mir gerne jede Woche ansehen.
Dracula. Musical von Frank Wildhorn. Texte: Don Black, Christopher Hampton. Übersetzung: Roman Hinze. Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz. Inszenierung: Nina Kühner. Choreografie: Alan Brooks. Bühnenbild: Hanna Zimmermann. Kostüme: Claudia Casera.
Jonathan Harker: Jannik Harneit. Graf Dracula: Christian Fröhlich. Mina Murray: Laura Luppino. Renfield: Pascal Höwing. Dr. Jack Seward: Philipp Büttner. Lucy Westenra: Stefanie Pütz. Quincey Morris: Nico Schweers. Arthur Holmwood: Benjamin A. Merkl. Prof. van Helsing: Sascha Luder. 1.-3. Vampirin: Corinne Steudler, Sybille Lambrich, Julia Hiemer. Ensemble: Christina Gösslbauer, Veronika Hörmann, Katrin Paasch, Peter Schmid, Marco Toth. Kind: Maya Kühner.
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