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I Masnadieri, 29.03.2010, Gärtnerplatztheater

Das liebe ich so an diesem Theater: am Samstag noch Tränen gelacht, heute flossen die Tränen vor Trauer.  Schon bevor der erste Ton gespielt ist, bei Sieglinde Zörners wirklich herzzerreißendem Schrei, bahnen sie sich ihren Weg und am Ende benetzen sie meine Wimpern.
Das ist so eine tolle Produktion, leider muss ich mit dem Publikum schimpfen. Da wird gnadenlos am Ende der Arie geklatscht, egal, ob man damit Spannungsbögen zerstört oder das Orchester noch spielt. Ich glaube, die Künstler würden sich über tosenden Applaus am Ende genauso freuen.
Den gab es dann auch reichlich, für den Chor, der eine tragende Rolle spielt und diese grandios meistert, für das tolle Orchester unter Henrik Nánási, für Holger Ohlmann, der zwar nur einen kleinen, aber dafür umso fulminanteren Auftritt als Moser hat, für Mario Podrečnik, der ein ausgezeichneter Roller ist, für Adrian Xhema, der als Arminio überzeugt, für Johannes Wiedecke, der ein tolles Rollendebüt als Massimiliano hinlegt, für Mikael Babajanyan, den ich leider bisher noch nie als Francesco erlebt habe, für Harrie van der Plas und für eine überragende Sandra Moon.

Schön, dass diese wunderbare Produktion auf die Bühne des Gärtnerplatztheaters zurückgekehrt ist. Ich habe mir für alle Vorstellungen meine Karte gesichert.

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Don Carlo, 17.01.2010, BSO

Leider, oder glücklicherweise, hatte ich an dem Morgen, als diese Vorstellung in den Onlineverkauf ging, keine Zeit und später hatte ich nur die Wahl, sauteure Karte, teure Karte oder für mich absolut ungeeignete billige Karte (ich weiß, dass ich mir auf Grund meine Körpergröße keine Karte in der 2. Reihe Stehplätze kaufen brauche, da sehe ich absolut nichts). Als blieb nur teure Karte. Aber es hat sich gelohnt. Diese Vorstellung war wie ein Rausch. Gäbe es davon eie DVD, ich würde sie mir kaufen.

Anja Harteros war sensationell, nicht nur die Stimme, sondern auch der Ausdruck, der mit Sicherheit auch noch in der Galerie gut ankam. Ihr zur Seite ein fantastischer Simon Keenlyside als Posa und auch der Rest brauchte sich nicht verstecken.

Die Bilder waren eindringlich, besonders das des Autodafé, mit dem man uns in die Pause entließ.  Da konnte ich nur tief durchschnaufen! Die Kostüme sind klasse, Farbtupfer in der grauen Bühne. Die Ausleuchtung ist traumhaft, das Bühnenbild einfach, aber dafür umso wirkungsvoller.

Diese ganze Aufführung war einfach genial. Und am Ende sah man auch, wo die wahren Fans sitzen: während die ersten Reihen Parkett schon gänzlich leer waren, erklatschte sich die Galerie noch einen weiteren Vorhang.

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Orchesterprobe Traviata III. Akt, 06.01.2010, Gärtnerplatztheater

Nach längerer Abstinenz wurde es mal wieder Zeit, dieses Kultstück der letzten Spielzeit anzusehen. Und wieder einmal fällt mir auf, wie ausgezeichnete Darsteller die Sänger am Theater meines Vertrauens sind. Sibylla Duffe und Marianne Larsen wirken wie professionelle Schauspieler und das macht ah einen Teil des Reizes dieses Stückes aus.

Mit dem Abstand von einigen Monaten veränderte sich bei mir aufgrund der mittlerweile gemachten Erfahrungen auch ein wenig die Rezeption. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich der Dirigent das letzte Mal über „Schauspielregisseure“ echauffiert hat, was aber vermutlich schon so drin war. jedenfalls habe ich auch beim fünften Mal Ansehen herzlich gelacht. Und die Musik aus der Traviata genossen.

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Giovanna d’Arco, 26.12.2009, Gärtnerplatztheater

Zum vierten Mal habe ich dieses Stück nun schon gesehen und ich finde kaum einen Punkt, an dem ich eine Kritik ansetzen könnte. Gut, die Stimme der Sprech-Johanna war mir diesmal etwas zu hoch, aber das ist absolut persönliches Empfinden, weil ich es halt bisher anders gewohnt war. Aber Elaine Ortiz Arandes als Johanna ist halt ein absoluter Genuss und auch Adrian Xhema ist ein stattlicher König, im besten Sinne des Wortes. Riccardo Lombardi beeindruckt in seinen Arien und der Chor schafft es, selbst wenn er sich nicht viel bewegt, große Präsenz zu erzeugen und Ausdruck auch in die kleinsten Gesten zu legen. Am Beispiel von Dirk Driesang, der neben der Mitwirkung im Chor auch noch zwei Sprechrollen hat, wird deutlich, wie vielseitig dieser Chor ist. Sie singen nicht nur gut, sie spielen auch exzellent. Und ich glaube, das ist das Beste, was man über einen Opernchor sagen kann.

Kleine Randbemerkung: auch an diesem Abend habe ich wieder jemanden kennen gelernt, der gerne und offensichtlich auch oft im Theater meines Vertrauens ist. Ich bin also nicht alleine!

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Oper, bombastisch

So nannte es gestern Abend jemand aus der Gruppe, die ich in das Theater meines Vertrauens geschleift habe. Nun, das ist zwar nicht ganz das Wort, das ich verwenden würde, meines wäre eher eindringlich, zum Nachdenken anregend, aufwühlend, aber es drückte im Grunde genommen eines aus: es hat gefallen.

Ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen und auch der heftige Applaus und die Bravorufe am Ende zeigen doch, dass das Publikum die Konzeption des Regisseurs besser versteht als die Kritiker. Allerdings wurde mir auch gesagt, dass es ohne Einführung schwierig gewesen wäre, der Handlung zu folgen.

So konnten wir uns ganz auf den tollen Chor, dessen Auftritte mir von Mal zu Mal besser gefallen – wo hab ich da am Anfang was Statisches gesehen? – , die Solisten und das Orchester konzentrieren. Diesmal sass ich im dritten Rang, da sieht man die Lichtstimmungen und auch sonst alles sehr gut.

Danke für einen sehr schönen Abend!

Giovanna d’Arco

Mittwoch, 18. November 2009
19:30 – 22:30 Uhr

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Oper, austrocknend

Die Randnotiz diesmal als Vorbemerkung: heute wurde mir mal wieder bewusst, warum ich kein Wochentagsabo habe. Vermutlich würde ich nach diesem Abend alle Tickets verfallen lassen, wenn ich nur daran denke, hinter (ging ja noch, der war einfach nur groß) und vor allem neben wem ich gesessen bin. Die Karten könnte ich ja guten Gewissens nicht mal verschenken – jedenfalls nicht an Menschen, an denen mir etwas liegt.

Ich finde es ja immer sehr spannend, wie die Alternativ-Besetzung die Rollen gestaltet. Und sie haben natürlich den Vorteil meiner erhöhten Aufmerksamkeit, da ich die Inszenierung ja jetzt schon mal gesehen habe und auf ganz andere Dinge achte als beim ersten Mal.

Elaine Ortiz Arandes ist eine wunderbare Hauptfigur. Einerseits sehr kämpferisch, andererseits sehr empfindsam, eine sehr berührende und emotionale Giovanna, und das alles sowohl gesanglich wie auch mimisch. Herr Rosenthal würde hier einen Luftsprung von ungefähr 1,50 m machen und „Das war spitze!“ rufen.

Ich bin ja nicht so ein Tenorfan, aber Adrian Xhema begeistert mich immer wieder. Bei ihm klingt alles immer sehr leicht und natürlich, anders kann ich es mit meinem laienhaften Worten nicht ausdrücken.

Riccardo Lombardi hat mir schon bei der Premiere gefallen und wird mir sicher bei allen weiteren Vorstellungen, die ich noch sehen werde, gefallen, ebenso wie dem heutigen Publikum. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass das Abopublikum offener ist als das Premierenpublikum. Der Applaus heute war jedenfalls ungeteilt und langandauernd und auch die tollen Schauspieler haben keine albernen Buhrufer mehr ertragen müssen.

Überhaupt, die Schauspieler. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach tragen sie ganz erheblich dazu bei, die Handlung auf der einen Seite voranzutreiben und auf der anderen Seite eine Meta-Ebene zu visualisieren, die uns Zuschauer tiefer in  die Figuren blicken lässt. Ich finde die Dialoge toll, dass sie viel vorne an der Rampe vor einem schwarzen Vorhang spielen, gibt ihnen etwas Intimes.Und Sieglinde Zörner ist einfach klasse, schon ein Augenaufschlag genügt und ich könnte dahinschmelzen, wenn ich ein Mann wäre.

Auch mit den Chorszenen habe ich mich jetzt angefreundet. Mein erster Eindruck des allzu statischen war etwas übertrieben (habe ich bei der Premiere nach der Pause abgeschaltet?).

Musikalisch und szenisch gefällt mir mittlerweile der dritte Akt am Besten. Die Cello-Stelle am Schluss ist ja auch schön, aber ich persönlich bevorzuge die vielen Holzbläserstellen.  Ich höre ja insgesamt nicht so wahnsinnig viel Rigoletto heraus, vermutlich kenne ich die Oper nicht gut genug, dafür höre ich alle Nas lang was aus der Traviata, und ist die Giovanna nicht auch zeitweise eine Violetta?

Für mich ist bei einer Inszenierung immer sehr wichtig, dass alles „passt“. Sie kann gerne modern sein, aber sie muss stimmig sein, und das ist diese Inszenierung. Sie gibt im positiven Sinne Stoff zum Nachdenken, zum Diskutieren, zum sich-auch-in-zwanzig-Jahren-noch-daran-erinnern.

In der Pause und am Ende fühle ich mich, als hätte ich einen Marathon hinter mir, ich bin so gefangen genommen, dass ich vergesse zu Schlucken und am Ende totalen Durst habe. Aber es ist ein gutes Gefühl!

Danke an alle Beteiligten!

Giovanna d’Arco

Montag, 5. Oktober 2009
19:30 Uhr

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Oper, nachwirkend

Gestern startete das Staatstheater am Gärtnerplatz in die neue Spielzeit mit der Premiere von „Giovanna d’Arco“. Die Namen Thomas Wünsch, Henrik Nánási und Giuseppe Verdi ließen auf ein großes Opernerlebnis hoffen und im Prinzip wurde diese Hoffnung auch nicht enttäuscht.

Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Mitteln Thomas Wünsch es schafft, die Atmosphäre des 16. Jahrhunderts auferstehen zu lassen, dem Zuschauer die Nöte und die Zerrissenheit Johannas nahezubringen. Ich habe gestern einen Selbstversuch gewagt und habe die Übertitel ignoriert. Mein Italienisch beschränkt sich eher auf Bestellungen im Restaurant, aber ich wollte wissen, ob die Bilder und die Musik mir die Geschichte vermitteln können. Bis zur Pause hat das ganz hervorragend geklappt, ich war absolut gefangen genommen und konnte der Handlung gut folgen. Nach der Pause war das nicht mehr ganz der Fall, da habe ich die Bildersprache nicht mehr so gut lesen können, aber es ist definitiv ein Fall für „Nochmal Anschauen, mehr verstehen“. Wenn sich mir alles auf Anhieb erschließen würde, wäre es ja irgendwann langweilig.

Ganz großartig fand ich die Idee der zweiten, sprechenden Johanna. Auch wenn es nicht allen im Publikum gefallen hat, diese „Oper mit Kammerspiel“ ist im Ergebnis stimmig und gewinnt an Intensität. Ein großes Lob gebührt hier Sieglinde Zörner, die die zweite Johanna großartig gesprochen und dargestellt hat. Der berührendste Moment für mich am diesem Abend war ausnahmsweise nicht musikalisch, sondern das Vater unser vor der Pause.

Der Chor spielt in dieser Oper eine große Rolle, er ist mir im Vergleich zu anderen Stücken fast ein wenig zu statisch, aber andererseits, bei genauem Nachdenken, hätte mehr Bewegung in den Chorszenen gar nicht gepasst. Musikalisch gab es sowieso überhaupt nichts auszusetzen, angefangen bei Sebastian Campione, der sich mit seinem Kurzauftritt als englischer Kommandant für größere Aufgaben empfahl, über Harrie van der Plas, den zu Recht frenetisch gefeierten Riccardo Lombardi, bis zur sängerisch und szenisch ausdruckstarken Sandra Moon.

An meinem musikalischen Gehör arbeite ich ja immer noch, ich habe aber für mich einige sehr schöne Stellen entdeckt, speziell mit den Holzbläsern. Gut herausgearbeitet fand ich auch die Stellen mit den beiden Stimmen, die bösen Geister und ihr Widerpart.

Die Inszenierung ist auf jeden Fall spannend, aber sicher nicht jedermanns Sache. Wer eine „traditionelle“ Verdi-Oper sehen möchte, ist mit der Hamburger Traviata sicher besser bedient, wer einen fesselnden Opernabend mit Regietheater im besten Sinne, mit Stoff für Augen, Ohren, Herz und Hirn vorzieht, dem sei ein Besuch einer der nachfolgenden Vorstellungen empfohlen. Ich war sicher nicht zum letzten Mal drin.

Staatstheater am Gärtnerplatz

Giovanna d’Arco

Donnerstag, 1. Oktober 2009
19:30 Uhr

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Oper, nahegebracht

Die Einführung zu „I masnadieri“ war überhaupt die erste, die ich besucht habe. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass diese ausführlicheren Einführungen für mich wesentlich zum Verständnis der Inszenierung beitragen und so war die Veranstaltung am letzten Sonntagvormittag schon fast Pflichtprogramm.

Es war wieder sehr informativ und anregend. Der Chefdramaturg des Hauses Christoph Maier-Gehring erläuterte die Hintergründe der Oper und befragte den Regisseur Thomas Wünsch zu Themen wie „Warum ausgerechnet Giovanna d’Arco?“. Dieser beschrieb sein Konzept, das auf mich einen spannenden und schlüssigen Eindruck machte. Henrik Nánási beleuchtete schliesslich die musikalische Seite. Dazu kamen Beiträge von Sieglinde Zörner, Klaus Brückner, Sandra Moon und Harrie van der Plas.

Mich hat der Vormittag dazu angeregt, mich noch intensiver mit der Thematik zu beschäftigen. Ich habe mir schon mal eine Aufnahme angehört und auch schon eine Lieblingsstelle gefunden – eine Chorszene, wie sollte es auch anders sein 😉 Die Protokolle des Prozesses kann man online lesen und das werde ich sicher noch machen. Mal sehen, ob mein Sachbuch-SUB noch was hergibt.

Ich bin schon sehr gespannt auf den 01. Oktober. Danke an alle Beteiligten für diesen bereichernden Vormittag.

Auftakt: Giovanna d’Arco

Einführungsmatinee im Foyer
Sonntag, 20. September 2009
11:00 – 12:00 Uhr

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Theater, vergnügt 2009

Gestern war es mal wieder soweit: das große Theatervergnügen läutete den Beginn der neuen Spielzeit ein. Nachdem es im letzten Jahr eines der drei schönsten Erlebnisse war, waren meine Erwartungen natürlich hoch gesteckt. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Aber von Anfang an: heuer öffnete das Theater eine Stunde später als letztes Jahr seine Pforten. Das hatte mehrere Nebenwirkungen: ich kam kaum in die S-Bahn rein, weil der Wiesn-Anstich zur selben Zeit stattfand. Und eine Horde bereits in Freising vorgeglühter Halbbetrunkener ist nicht wirklich dazu gegeignet, mich auf einen schönen Tag einzustimmen. Aber wenn die Erfahrung natürlich zeigt, dass die meisten Besucher eher später kommen, wäre es ja ein glatter Schmarrn, für eine Handvoll Leute ein Riesenprogramm auf die Beine zu stellen. Außerdem war der Intendant verständlicherweise dem Ruf des Münchener OBs gefolgt, beim Anstich dabei zu sein, so dass er den Tag nicht selbst eröffnen konnte. Vielleicht sollte man mal grundsätzlich über einen anderen Termin nachdenken. Von mir aus könnte das Theater während der gesamten Wiesnzeit geschlossen sein, dann könnte ich nämlich das tun, was jeder gscheite Münchner während dieser 16 Tage macht: wegrennen. Ganz weit.

Insgesamt habe ich es in diesem Jahr etwas ruhiger angehen lassen. Es gibt immer so ein riesiges Angebot, ich schaffe nie alles, was ich sehen will. Warum also stressen. Außerdem hatten wir dieses Jahr nicht nur die Tochter, sondern auch den fünfjährigen Sohn meiner Freundin dabei, da mussten wir schon ein paar mehr Pommes in der Kantine einplanen.

Nach der Fanfareneröffnung begann der Tag mit einer fast einstündigen öffentlichen Probe für die Premiere nächste Woche, „Giovanna d’Arco“ von Giuseppe Verdi. Es  war für mich als Theaterlaie sehr informativ, mal hautnah mitzuerleben, wie so eine Probe abläuft. Der Regisseur Thomas Wünsch erklärte auch immer wieder dem Publikum, was jetzt gerade gemacht wurde und stellte alle Beteiligten mit ihrer Funktion vor. Das Gesehene war auf jeden Fall eine tolle Werbung für die Premiere am 1. Oktober.

Danach war erst mal wieder Abokauf fällig. Ich kann ja meine Theatersucht nur befriedigen, weil ich größtenteils auf sogenannte Wahlabo-Gutscheine zurückgreife. Das Prinzip ist einfach: man kauft 8 oder 10 Gutscheine in einer bestimmten Kategorie und kann diese einlösen, wann immer man will. Nur einige wenige Vorstellungen wie Premieren sind ausgenommen, aber es findet sich eigentlich immer eine Vorstellung, bei der man seinen Lieblingsplatz noch bekommt. Man kann auch mehrere Gutscheine auf einmal einlösen und sich so einen schönen, finanzierbaren Theaterabend mit Freunden machen. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt.

Danach ging es zum Stöbern im Theaterflohmarkt und hier entdeckte ich ein wirklich tolles Teil:

flohmarktkauf

Genauer gesagt, sind es drei Teile. Sie waren Requisiten in der Oper, die am 28.05.2007 sozusagen meine Kick-Off-Veranstaltung wurde und mich mit dem Gärtnervirus infizierte. Wer mir sagt, worum es sich handelt und welche Oper ich meine, hat wie immer ein Bier gut. Wahlweise auch Wasser. Natürlich nur auf dem Gelände der Hausnummer 3 am Gärtnerplatz 😉 Linksweg wie immer ausgeschlossen.

Die nächste Station war die Technikshow. Leider unterschied sich diese nicht wesentlich von der letztjährigen, neu war lediglich die Moderation von Dr. Peters und seine dramatischen Auf- und Abtritte.

buehnenshow1 buehnenshow2

Danach ging es direkt in das obere Foyer zum Café musikalisch. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um Rita Kapfhammer die Habanera singen zu hören. Einfach phänomenal, die Stimme und die Ausstrahlung dieser sehr sympathischen Sängerin. Danach sangen Daniel Fiolka und Robert Sellier von Amore bis Eros. Einige Kinder kuckten bei der „Biene Maja“ (gibt es die heute überhaupt noch im Fernsehen?) von Robert Sellier zwar etwas verschreckt, aber mir hat sie sehr gut gefallen.

Weiter gings zur Maskenvorführung im Chorsaal, wo einer der vier Pagen aus „Death in Venice“ seine falsche Nase und seine Mini-Hörnchen verpasst bekam. Die Maskenbildnerin beantwortete geduldig alle Fragen aus dem Publikum und beim anschließenden Abschminken wurde mir klar, warum die Protagonisten des Abends oft mit der gleichen U-Bahn wie ich fahren: es dauert nur einen Bruchteil des Auftragens.

Auf den nächsten Programmpunkt habe ich mich schon gefreut, seitdem ich ihn im Ablauf entdeckt habe: „Sing mit Sevenich“. Stefan Sevenich erklärte die die physischen Voraussetzungen des Singens, lies uns einige Übungen machen und beantwortete Fragen aus dem Publikum, unter anderem zu Kopf- und Bruststimme und gedeckten und offenen Vokalen. Die zweite Hälfte sangen dann wieder Zuschauer vor und Herr Sevenich gab Tipps zum Vortrag. Es ist wirklich unglaublich, wie er nicht nur bei fast jedem auch eine Verbesserung erreicht, sondern den Vortragenden auch die Nervosität nimmt und ihnen das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein. Was sie natürlich auch sind, ich würde ja keinen Ton rausbringen vor so vielen fremden Menschen.

Danach gab es noch ein paar Pommes und ein wenig La Triviata und dann hiess es schon bald „Vorhang auf 09/10“. Ich hatte das Glück, auf einem meiner Lieblingsplätze sitzen zu können. Allerdings hatte ich ein etwas seltsames Paar neben mir, die zwar anscheinend Stammgäste waren, aber das Ganze wohl mit dem heimischen Wohnzimmer verwechselten: da wurde der Creme-Fraiche-Becher und die Chipstüte ausgepackt und fleissig getunkt und geknuspert. Glücklicherweise verschwand alles wieder bis zum Vorstellungsbeginn, aber ihre Fettfinger haben sie natürlich trotzdem überall hingeschmiert. Leute gibts!

Eröffnet wurde die Vorschau auf die Spielzeit vom jtg mit einer sehr aussagekräftigen Interpretation von „I will follow him“, gefolgt von zwei Stücken aus „Giovanna d’Arco“, einem musikalisch sehr ansprechenden Stück. Milica Jovanovic machte Lust auf den „Zauberer von Oz“ mit dem spätestens seit Judy Garland  sehr bekannten Stück „Over the rainbow“. Danach gab es das schon bei der Langen Nacht der Musik gezeigte Bankduett des TTM, das „Lied des Hans Styx“, amüsant vorgetragen von Gunter Sonneson und einen kleinen Ausschnitt aus „Death in Venice“ mit Sibylla Duffe und Robert Sellier. Anschließend erfolgte eine Bekanntgabe der Preise aus der Tombola durch den moderierenden Dr. Peters. Sehr attraktive Preise, muss ich sagen. Ich hatte ja die Lose der beiden Kinder mitgenommen und eines hat tatsächlich gewonnen. Es folgten Holger Ohlmann und Stefanie Kunschke mit einem Duett aus der Hochzeit, was mich daran erinnerte, dass ich noch Karten holen muss für die Termine 2010. Als nächstes stellte sich das neue Ensemblemitglied Cornel Frey mit dem Hexentanz vor, die Vorstellungen von Hänsel und Gretel werden sicherlich sehens- und hörenswert. Vor der Pause gab es noch die Kracher aus den Piraten mit Thérèse Wincent, Robert Sellier, Martin Hausberg und den Bassisten des Herrenchors.

Nach der Pause gab es mein absolutes Lieblingsstück aus dem Zar Saltan, das Finale des zweiten Aktes, in dem die weiße Stadt auftaucht. Im Anschluss besangen Marianne Larsen und Gergor Dalal aka Mrs. Lovett und Sweeney Todd ihre Freunde und Tilmann Unger machte Lust auf einen Besuch der „Gräfin Mariza“. Noch ein neues Ensemblemitglied gab es beim Duett Boccaccio und Fiametta von Ann Katrin Naidu und Katja Stuber zu bewundern. Witzigerweise ist mir hier erstmals, obwohl ich das Stück jetzt wirklich schon oft gesehen habe, die Bedeutung der Kostümierung von Fiametta klar geworden. Die nachfolgende Darbietung des TTM wurde vom Publikum mit sehr kräftigem Applaus bedacht, ebenso wie Adrian Xhema, der wie schon im letzten Jahr die wohl bekannteste Arie des Nemorino bravourös vortrug. Anschliessend konnte Rita Kapfhammer bei der Habanera erneut mehr als überzeugen und der Auftritt von Stefan Sevenich als Mamma Agatha war der absolute Höhepunkt des Abends.  Etwas ruhiger, aber nicht minder schön, ging es dann beim Duett Stefanie Kunschke und Daniel Fiolka, „Bei Männern, welche Liebe fühlen“, zu. Zum Abschluss drehte das Orchester, das auch durchaus mal ohne Dirigent (im Laufe des Abends wechselten sich Henrik Nánási, David Stahl, Jörn Hinnerk Andresen und Liviu Petcu ab)  auskommt, beim Can Can noch mal voll auf. Am Ende gab es viel Applaus für alle Beteiligten und mir bleibt nur zu wünschen, dass das Theater bei jeder Vorstellung so voll ist.

Im Anschluss gab es noch die Möglichkeit, bei von der Brauerei Weihenstephan gestifteteten Freibier über den Tag mit Beschäftigten des Theaters zu plaudern. Wie schon im letzten Jahr hat das Theater mit Riesenaufwand einen tollen Tag für sein Publikum organisiert und ich hoffe doch, dass es ganz vielen Zuschauern Lust gemacht hat, eine der regulären Vorstellungen zu besuchen.

Danke an alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen, im Chorproberaum, im Orchesterprobesaal, im Malersaal und an den unzähligen anderen Orten, die dem Publikum offen standen.

TheaterverGnügen 2009

Samstag, 19. September 2009
12:00 Uhr

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Oper, langweilig

Nie hätte ich gedacht, dass ich das jemals schreibe, aber ich habe mich heute gelangweilt in der Oper. Das ist mir noch nie passiert und passiert mir hoffentlich auch so schnell nicht mehr. Das wars jedenfalls für mich mit Nabucco.

Assyrer im Lederdress mit Gewehren sollen wohl Zeitlosigkeit andeuten, manifestieren aber nur eins: Einfallslosigkeit. Zitat von der HP der Staatsoper

Doch das Bibel-Epos um Macht, Liebe und Religion ist sicher mehr, als ein bloßes Historiendrama, das Hollywood alle Ehre macht und Sänger, Chöre und Bühnentechnik auf das Äußerste fordert.

Wer den Kommafehler findet, darf ihn behalten. Und wir wissen jetzt auch, dass die Bühnentechnik der Staatsoper aufs äußerste gefordert ist, wenn eine Treppe von links nach rechts fährt oder die Unterbühne nach oben. Und wenn man die Geschichte in der Historie gelassen hätte, wäre vielleicht auch ein Hollywooddrama draus geworden, so war es bloss eine Sonntag-Nachmittag-Schmonzette.

Zu den Sängern kann ich nicht viel sagen, weil ich die Partien vorher nicht gekannt habe und nicht weiß, wie es klingen sollte. Ich weiß nur, dass mir einige gar nicht gefallen haben, zum allerersten mal auch eine Bassstimme, eine Stimmlage, die mir sonst Schauer über den Rücken jagt. Der Chor war völlig ausdrucks- und bewegungslos, ich hoffe aber, dass dies der Inszenierung zuzuschreiben ist und nicht mangelnder Spielfreude.

Positiv auf gefallen ist mir Daniela Sindram als Fenena, neben einer sehr schönen Stimme kam auch der Ausdruck im dritten Rang noch an. Sehr schön auch Paolo Gavanelli als Nabucco, wobei ich ständig erwartet habe, dass er mit der Partie des Giorgio Germont weitersingt, denn die Aufnahme der Traviata, die ich bestimmt schon hundert Mal gehört habe, ist von ihm.

Christian van Horn als Il Gran Sacerdote war ein Erlebnis, der andere Mitwirkende um Längen schlug. Ihn sollte man im Auge behalten.

Insgesamt ein Abend der Kategorie: okay, mal gemacht, kann ich im meinem Lebensplan abhaken, muss ich nicht wiederholen. Schade.

Nabucco

Nationaltheater
Münchner Opernfestspiele 2009
Samstag, 18. Juli 2009

19.00 – ca. 21.40 Uhr

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