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Premiere Fisch zu Viert, 08.06.2019, Blutenburg-Theater

Es ist wieder Krimizeit: Traditionell zeigt das Blutenburg-Theater im Sommer ein kleiner besetztes, jedoch nicht weniger spannendes und unterhaltsames Stück für die warmen Monate. Die kriminelle Komödie von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer handelt von den Schwestern und Brauerei-Erbinnen Charlotte, Cäcilie und Clementine, die wieder einmal ein paar ruhige Tage in ihrer Sommerresidenz verbringen wollen. Alles andere als entspannt ist das jedoch für den völlig überarbeiteten und kränkelnden Butler Rudolf, der die Damen nicht nur bedienen darf, sondern ihnen auch seit Jahren schon Liebesdienste erweist. Zwar haben ihm alle drei – ohne das Wissen der Schwestern – eine Erbschaft versprochen, sind jedoch nicht bereit, ihm diese für eine Weltreise und frühzeitige Rente auszuzahlen. Als er droht, mit seinen Affären an die Öffentlichkeit zu gehen, planen die Schwestern das Ableben des Erpressers.

Foto: Volker Derlath

Das Bühnenbild ist sehr ungewöhnlich für das kleine Krimitheater, es zeigt einen idyllischen Garten mit Rollrasen, Bäumen und Vogelhäuschen. Der blaue Himmel im Hintergrund wird dabei mithilfe von Lichteffekten nicht nur für die verschiedenen Tageszeiten sondern auch surrealistisch anmutende Szenen angepasst. Ein Augenschmaus sind auch die Kostüme der Schwestern: Andreas Haun hat aus demselben Stoff drei völlig unterschiedliche Outfits geschneidert. Ein enger Rock für die ernste Firmenchefin Charlotte, ein kindliches Kleid für die Jüngste Clementine und ein sexy Mieder mit Dreiviertelhose für die sportliche Cäcilie.
Regisseur Konrad Adams spielt gekonnt mit den Kontrasten zwischen den ungleichen Schwestern. Sacha Holzheimer spielt die Älteste und gibt die strenge Business-Frau, die sowohl die Brauerei als auch ihre Geschwister gut unter Kontrolle hat und sich vor allem um Clementine mütterlich kümmert. Bei dieser muss man sich natürlich in dieser Inszenierung auch wirklich in Erinnerung rufen, dass die Damen in diesem Krimi alle nicht mehr blutjung sind, denn Petra Wintersteller zeigt einen kindlichen Charakter, der aber offenbar auf sehr „erwachsene“ Spielchen mit dem Butler steht und diese gerne an ihrem Teddybär demonstriert. Ute Pauer darf das „Sandwichkind“ spielen, die

Foto: Volker Derlath

resolute und etwas verrückte Cäcilie, die den Butler gerne in die Rolle eines von ihr vergötterten Militärs schlüpfen lässt. Die drei ungleichen Liebhaberinnen verlangen Blutenburg-Neuzugang Markus Fisher viel an Wandlungsfähigkeit ab, was er mit Bravour meistert. Vor allen Dreien gibt er den unterwürfigen, schwächelnden Bediensteten, steht er den Schwestern einzeln gegenüber spielt er ihre Anziehung ihm gegenüber gekonnt gegen sie aus.
Adams’ Inszenierung ist gewohnt kurzweilig und wird vor allem immer wieder von ungewöhnlichen Elementen wie Gesang, Tanz und Surrealem gebrochen. Natürlich kommt auch in diesem Stück das Kriminelle nicht zu kurz, dazu wird aber nicht zu viel verraten. Für einen lauen Sommerabend ist diese kurzweilige Krimikomödie jedenfalls durchaus passend.

https://www.blutenburg-theater.de/willkommen.html

Regie/Sound: Konrad Adams
Kostüme: Andreas Haun
Bühne: Peter Schultze
Licht: Tom Kovacs
Regieassistenz: Renée Schöfer

Cäcilie: Ute Pauer
Charlotte: Sacha Holzheimer
Clementine: Petra Wintersteller
Rudolf: Markus Fisher

 

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Uraufführung Atlantis, 07.06.2019, Gärtnerplatztheater

Atlantis – Eine Expedition mit zu vielen Gedanken statt Gefühlen

Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Marie-Laure Briane

Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz
© Marie-Laure Briane

Tanz schafft es meist bei mir direkt Gefühle anzusprechen oder zu erzeugen. Das ist also etwas Abstraktes. Gleichzeitig entsteht dann oft auch eine ganz persönliche Geschichte in mir. So wird ein Tanzabend immer zu etwas ganz Persönlichem in mir. Das mag ich. So gibt es eine Spannung darauf, was Musik und Bewegung in mir auslöst.

Luca Seixas, Isabella Pirondi © Marie-Laure Briane

Luca Seixas, Isabella Pirondi
© Marie-Laure Briane

Der neueste Tanzabend im Gärtnerplatztheater hatte dazu die besten Voraussetzungen. Ein tolles Bühnenbild, eine beeindruckende Musik und eine Kompanie, die Bewegungen zeigte, die genau diese Spannung in mir erzeugt. Jedoch war ich hierbei nicht frei, mich ganz auf diese Wirkung einzulassen. Warum? Es gab eine Handlung. Im Programmheft konnte man diese lesen. Das führte insbesondere im ersten Teil dazu, dass ich versuchte, alles in kurze Szenen zu zerlegen, die etwas sehr Konkretes darstellen sollten. Aber gerade in den Ensemblebildern gelang mir das kaum. So waren eher Fragen, die mich grübeln ließen, im Kopf als ein Erleben von Gefühlen im Bauch. Das fand ich sehr schade. Hinzu kam, dass die weißen Overalls zum Teil die körperliche Kunst der Tänzerinnen und Tänzer reduzierten. Ähnliches gilt für den Einsatz der Bühnentechnik. Drehungen und die immer wiederkehrenden schwarzen Kästen der Hubpodien habe ich mittlerweile in (zu) vielen Produktionen des Hauses gesehen. Auch hier lenken mich die zusätzlichen Bewegungen davon ab, die Gefühle des Tanzes wirken zu lassen. Genauso wie die Frage, weshalb „das Wesen“ in Gefangenschaft sich optisch (blau) von denen in „freier Wildbahn“ (beige) so stark unterscheidet.

Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Marie-Laure Briane

Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz
© Marie-Laure Briane

Und jetzt frage ich mich zum Schluss noch, warum mich diese Gedanken jetzt noch beschäftigen, als einfach diese auszublenden und an den berührenden Tanz zu denken. Es bleibt die Hoffnung, dass ich mich in der nächsten Vorstellung davon lösen kann und die Gefühle direkt wirken.

Ballett von Karl Alfred Schreiner

mit Musik von Pēteris Vasks, Fredrik Gran, Fazil Say, Elena Kats-Chernin, Brett Dean, Erkki-Sven Tüür

BESETZUNG am 07.06.2019
Dirigat Michael Brandstätter
Choreografie Karl Alfred Schreiner
Bühne Julia Müer, Heiko Pfützner
Kostüme Alfred Mayerhofer
Licht Michael Heidinger
Video Meike Ebert
Dramaturgie David Treffinger

Ein Wissenschaftler Luca Seixas
Eine Atlantikerin Isabella Pirondi
Projektleiter Thomas Martino
Ensemble
Alessio Attanasio, Özkan Ayik, Guido Badalamenti, Rita Barão Soares, David Cahier, Anna Calvo, Marta Jaén, Rodrigo Juez Moral, Mikayla Lambert, Amelie Lambrichts, James Nix, Ariane Roustan, Verónica Segovia, Javier Ubell, David Valencia, Lieke Vanbiervliet, Chiara Viscido

Klavier Oleg Ptashnikov

Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Weitere Termine:

Mo 10.06.2019 18.00 Uhr
Mi 12.06.2019 19.30 Uhr
So 16.06.2019 18.00 Uhr
Di 25.06.2019 19.30 Uhr
So 07.07.2019 18.00 Uhr

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Premiere Der junge Lord, 23.05.2019, Gärtnerplatztheater

Foto: Christian POGO Zach

An sich ist es ja kein Kompliment, wenn es in einer Oper affig zugeht. Bei dem modernen Werk von Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann aus dem Jahr 1965 ist genau das jedoch gewollt. Zu meinem Geburtstag durfte ich der Premiere der Regie-Legende Brigitte Fassbaender beiwohnen, deren Inszenierungen von Don Pasquale und La Cenerentola zu meinen Favoriten am Gärtnerplatztheater gehören. Musikalisch ist Der junge Lord selbstverständlich nicht so leicht verdaulich und verständlich, wie die beiden genannten Werke, was auch ein paar Zuschauer gestört zu haben scheint. Doch auch in der modernen Oper kann man eigentlich nach etwas Einhören erkennen, wie die Charaktere musikalisch gezeichnet werden, was dank dem Dirigenten Anthony Bramall und dem Orchester des Gärtnerplatztheaters gewohnt wundervoll und energiegeladen gelingt.
Der junge Lord stellt gekonnt das typisch deutsche Spießbürgertum an den Pranger. In einer Kleinstadt erwarten die High Society und die normalen Bürger ihren neuesten Bewohner: den wohlhabenden englischen Sir Edgar, von dem sie sich neuen Glanz in ihrer doch irgendwie tristen und langweiligen Heimat erhoffen. Diese Hoffnungen werden jedoch schnell zerstört, da sich Sir Edgar lieber in seinem neuen Haus zurückzieht und mit seinen – in den Augen der Deutschen – ungewöhnlichen Bediensteten umgibt, etwa der resoluten jamaikanischen Köchin Begonia oder seinem Sekretär, der mit seinem exzentrischen Auftreten einem Tim Burton-Film entsprungen scheint. Als er dann auch noch einen armen Wanderzirkus zu sich einlädt anstatt der Stadtväter und feinen Damen wendet sich der Frust der Bürger sehr schnell gegen den Engländer und vor allem seine Angestellten. So wird sein Haus beschmiert und sein dunkelhäutiger Diener von den Kindern verspottet und attackiert. Besonders wütend ist die einflussreiche Baronin Grünwiesel, die ihr Mündel Luise gerne mit dem Neuankömmling verheiratet hätte. Luise ist eigentlich in den armen Studenten Wilhelm verliebt, findet aber dann doch Interesse an Sir Edgars merkwürdigen Neffen Lord Barrat, den er urplötzlich den Städtern bei einem Empfang präsentiert. Schnell ist aller Zorn verflogen und die einfach gestrickten Bewohner der Stadt imitieren sogar die ungewöhnliche Kleidung und das Verhalten des Neuankömmlings. Plötzlich werden barocke Kniebundhosen, Masken, wilde „Tänze“ und Bananen als neuester Schrei angesehen. Und nicht einmal Luise, an der der junge Lord besonderes Interesse zeigt bemerkt, dass es sich bei ihm um den dressierten Affen des Zirkus handelt.

Foto: Christian POGO Zach

Das Bühnenbild und die Kostüme von Dietrich von Grebmer bilden einen interessanten Kontrast: während die Bürger ganz im Biedermeier-Stil gekleidet sind und die Damen allesamt in Grüntönen ist das Bühnenbild selbst etwas surrealistisch mit einem auf-den-Kopf-gestellten Stadtmodell, durch das in den Zwischensequenzen eine Kamera reist. Auch der Garten und das Haus Sir Edgars sind mit überdimensionalen Schneckenhäusern, exotischen Exponaten und schrillen Farben durchaus skurril und passen so gar nicht ins Weltbild der Spießer.
Brigitte Fassbaender zeigt in ihrer Inszenierung wieder einmal einen feinen Sinn für Humor. Schon in den Zwischensequenzen wird das Leben in der Kleinstadt karikiert. Der Diener Jeremy darf hier mit einem Schoßhund spazieren gehen, dessen Hinterlassenschaften er zumindest beim zweiten Spaziergang ganz brav mitnimmt. Die scheinbar gesitteten Bürger dagegen lassen dagegen nach dem Empfang bei Sir Edgar ihren Trieben freien Lauf. Herrlich zeigt sie, wie die beeinflussbaren Stadtbewohner auf den Scherz des englischen Adeligen hereinfallen.
Fast das gesamte Opernensemble des Gärtnerplatztheaters steht in Brigitte Fassbaenders Inszenierung auf der Bühne. Maximilian Mayer darf sich als Lord Barrat diesmal im wahrsten Sinne des Wortes zum Affen machen. Während seine Rolle relativ wenig zu Singen hat, kann er vor allem durch akrobatische Tanzeinlagen und wirklich überzeugendes Spiel auftrumpfen. Mária Celeng spielt die unschuldige Luise, die hin und her gerissen scheint zwischen ihrer Liebe zu Wilhelm und den Erwartungen der Baronin Grünwiesel. Die wird von Ann-Katrin Naidu wundervoll als eitle Furie gespielt, die sich und ihre Damengesellschaft für den Mittelpunkt der Stadt hält. Lucian

Foto: Christian POGO Zach

Krasnec ist als Wilhelm definitiv einer der großen Sympathieträher des Abends, er umsorgt Luise liebevoll, auch wenn diese wegen des Einflusses der Baronin zögerlich bleibt.
Wer moderne Musik nicht scheut und schräge Geschichten sowie humorvolle Inszenierungen schätzt ist beim Jungen Lord sehr gut aufgehoben.

weitere Termine: 8./14. Juni 2019 um 19.30 Uhr

Dirigent: Anthony Bramall
Regie: Brigitte Fassbaender
Choreografische Mitarbeit: Alessio Attanasio
Bühne / Kostüme: Dietrich von Grebmer
Licht: Wieland Müller-Haslinger
Video: Raphael Kurig, Thomas Mahnecke
Dramaturgie: David Treffinger

Sir Edgar: Dieter Fernengel
Sir Edgars Sekretär: Christoph Filler
Lord Barrat: Maximilian Mayer
Begonia: Bonita Hyman
Der Bürgermeister: Levente Páll
Oberjustizrat Hasentreffer: Liviu Holender
Ökonomierat Scharf: Holger Ohlmann
Professor von Mucker: Juan Carlos Falcón
Wilhelm, Student: Lucian Krasznec
Baronin Grünwiesel: Ann-Katrin Naidu
Luise, ihr Mündel: Mária Celeng
Frau Oberjustizrat Hasentreffer: Jennifer O’Loughlin
Ida, ihre Tochter: Ilia Staple
Frau von Hufnagel: Anna-Katharina Tonauer
Amintore La Rocca: Alexandros Tsilogiannis
Ein Kammermädchen: Elaine Ortiz Arandes
Ein Schneeschipper: Martin Hausberg
Jeremy: Deman Benifer / Marcell Johnson
Rosita, Tänzerin: Hedi Klauser / Ingrid König
Brimbilla, Jongleur: Alexander Merola
Vulcano, Zauberer: Florian Hüttner
Lakaien, Männer aus dem Volk: Udo Quast, Saeid Yazdani, Yegor Pogorilyy, Markus Hörl, Martin Bayer
Chor, Extrachor und Kinderchor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/junge-lord.html?ID_Vorstellung=1767&m=66

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