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Kategorien

Joe Heap – The Rules of Seeing

©HarperCollins

©HarperCollins

9:15 Stunden
ungekürzte Lesung
Sprecherin: Cariad Lloyd
Hörprobe beim Verlag

Zum Autor (freie Übersetzung, vom Verlag)
Joe Heap wurde 1986 in Bradford geboren und fing früh mit dem Schreiben an. 2004 gewann er den Foyle Young Poet Award und seine Gedichte wurden in verschiedenen Publikationen veröffentlich. In Stirling studierte er Englische Literatur, in Glasgow dann Kreatives Schreiben. Heute lebt er mit seiner Freundin, dem 18 Monate alten Sohn und einer Katze.

Zur Sprecherin (von Wikipedia)
Cariad Lloyd wurde 1982 geboren und ist in Großbritannien als Komödiantin und Podcasterin bekannt. Beim Fringe Festival in Edinburgh wurde sie mehrmals ausgezeichnet.

Zum Inhalt
Nova, 32, von Geburt an blind, sprachgewandt und als Dolmetscherin bei der Polizeit tätig, bekommt die Möglichkeit durch eine Operation sehen zu können. Ihre neue Fähigkeit überfordert sie und macht die vorher selbstbewusste Nova plötzlich unsicher. Im Krankenhaus lernt sie Kate lernen, die seit einem Unfall in ihrer Wohnung an Panikattacken leidet. Die beiden freunden sich an und Nova versucht, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden. Ihre neuen Erfahrungen verpackt sie in eine Reihe von Regeln, die lose eingestreut sind und

Meine Meinung
Suppose a man born blind, and now adult, and taught by his touch to distinguish between a cube and a sphere (be) made to see. (Could he) by his sight, before he touched them, (…) now distinguish and tell which is the globe, which the cube?
William Molyneux in einem Brief an John Locke

(Angenommen: Ein erwachsener, blind geborener Mann, der gelernt hat, mit seinem Tastsinn zwischen einem Würfel und einer Kugel (…) zu unterscheiden, (…) und der Mann sei sehtüchtig geworden. Die Frage ist: Ob er in der Lage ist, durch seinen Sehsinn, bevor er diese Gegenstände berührt hat, sie zu unterscheiden, und mitteilen kann, welches die Kugel und welches der Würfel ist? )

Auf dieses Buch kam ich durch die aktuelle Liste zum First Book Award des Bookfests in Edinburgh und wurde durch die Vorstellung faszinierend, dass jemand im Erwachsenenalter plötzlich sehen lernen würde. Das Zitat hat Joe Heap seinem Erstling vorangestellt.

Die 32-jährige Jillian Savinova, gennannt Nova, ist seit ihrer Geburt blind. Bei gutem Licht kann Nova Rot, Schwarz und Weiß unterscheiden und stark verschwommene Umrisse erkennen. Ihre Muttersprachen sind Englisch und Urdu, dazu hat sie in Oxford drei weitere Sprachen studiert und arbeitet als Dolmetscherin bei der Polizei in London. In ihrem Leben fühlt sie sich recht wohl, bis ihr Bruder Alex eines Tages von einer Operation hört, durch die ihre Augen möglicherweise die normale Sehkraft bekommen könnten. Trotz anfänglicher Ablehnung entscheidet Nova sich für die Operation, die ihr ganzes Leben verändern wird.

Anfangs kann sie nur schärfere Umrisse als zuvor erkennen und mehr Farben, mit der Zeit und viel Übung wird ihre Sehkraft deutlich besser und sie fühlt sich von den vielen neuen Eindrücken völlig überfordert, während sie einige der Fähigkeiten verliert, die für Blinde selbstverständlich sind. So kann sie Entfernungen überhaupt nicht einschätzen, alles wirkt zweidimensional und durchsichtige Gegenstände stiften viel Verwirrung.

Novas rabenschwarzer Humor und ihr kreativer Umgang mit Sprache, die offene und hilfsbereite Art ließen sie schnell lebendig und sympathisch werden. Sehen lernen ist für sie so schwierig wie fünf Sprachen gleichzeitig zu lernen. Farben, Formen, Textur, Entfernungen, Gesichtsausdrücke usw., jeder Punkt eine Herausforderung. Wie die Grammatik einer fremden Sprache, versucht sie das Erlernen des Sehens durch eine Liste von Regeln zu strukturieren. Einige für mich auf den ersten Blick offensichtlich, andere ließen mich nachdenklich werden, über das was für mich als Sehende selbstverständlich ist.

Nova muss lernen, dass ihr Sichtfeld sich beim Gehen auf und ab bewegt, dass Seifenblasen zwar durchsichtig sind, aber gleichzeitig wie ein fester Gegenstand schillern können und vieles mehr. Wolken sehen wie ein fester Gegenstand aus, fügen Flugzeugen und Vögeln jedoch keinen Schaden zu. Zigarettenrauch mag wie eine sich windende Schlange wirken, ist aber nicht gefährlich. Man geht mit Nova durch die Höhen und Tiefen der Monate nach der Operation, erlebt ihre Freude beim Anblick des ersten Sterns und der Frust, wie steinig der Lernprozess ist. Ihre Exfreundin aus Oxford und ihre Bruder sind ihr keine große Hilfe, Nova fühlt sich nicht „nur“ überfordert, wie ein ständig müder Zombie, sondern auch noch alleingelassen.

Im Krankenhaus lernt sie Kate kennen, die sich bei einem Sturz in ihrer Wohnung eine schwere Kopfverletzung zuzog und seitdem an Panikattacken leidet. Kate ist ganz anders als Nova, Architektin, eigentlich sehr selbständig, seit der Hochzeit vor zwei Jahren auf ihren Mann Tony fixiert, der ein Kontrollfreak zu sein scheint und Kate psychisch immer wieder stark unter Druck setzt. Kate scheint diesen Problemen gegenüber nicht ganz blind zu sein, blendet sie aber aus. Liebe solle temperamentvoll sein und sie sei doch glücklich mit ihm. Die beiden Frauen freunden sich miteinander an und helfen sich gegenseitig.

Die erste Hälfte ist fesselnd, im Vordergrund stehen Novas Erfahrungen, ihre Regeln und ihr sich veränderndes Leben. In der zweiten Hälfte stehen eher Kate und Tony im Mittelpunkt, sowie die besondere Freundschaft von Nova und Kate und die Handlung ist streckenweise sowohl zäh als auch unglaubwürdig. Während Nova eine glaubwürdige und komplexe Hauptfigur ist, konnte ich mit Kate irgendwie nicht viel anfangen, auch wenn ihre Reaktionen und Gedanken oft nachvollziehbar sind. Die zweite Hälfte hätte deutlich gekürzt werden können oder in ein separates Buch verpackt werden, ich hatte den Eindruck, dass zu viele Ideen untergebracht werden sollten und das dramatische Ende hätte es für mich auch nicht gebraucht.

Spoiler anzeigen

noch ein gewalttätiger Psychopath

[collapse]

Joe Heap hatte von Menschen gelesen, die erst im Erwachsenenalter Sehen lernten, bekam die meiste Inspiration jedoch von seinem neugeborenen Sohn, den er beim Erlernen des Sehens beobachtete.

Cariad Lloyd ist die ideale Sprecherin für sowohl Nova als auch Kate, liest einfühlsam und gleichzeitig mit der nötigen Distanz.

Fazit
Trotz gewisser Schwächen ein gelungenes und spannendes Erstlingswerk. Faszinierend mitzuerleben, wie es sein könnte, wenn jemand im Erwachsenenalter anfängt, Sehen zu lernen. Cariad Lloyd wird hoffentlich noch weitere Hörbücher einlesen.

Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.

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Linda Castillo – A Gathering of Secrets (Kate Burkholder 10)

©Macmillan Audio

©Macmillan Audio

ungekürzte Lesung

9:58 Stunden

Sprecherin Kathleen McInerney

Hörprobe bei audible.de

Leseprobe beim Verlag

 

 

Zur Autorin

Linda Castillo wurde in Ohio geboren und arbeitete lange Jahre als Finanzmanagerin, bevor sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Ihre Thriller, die in einer Amisch-Gemeinde in Ohio spielen, sind ein internationaler Erfolg.

Zur Sprecherin

Kathleen McInerney ist in den USA als Schauspielerin tätig, u.a. auf Bühnen in New York, sowie als Sprecherin von Radio-Hörspielen, Hörbüchern und Cartoons.

Zum Inhalt (freie Übersetzung des amerikanischen Klappentextes)

Als die Scheune eines amischen Hofs in Painters Mill mitten in der Nacht abbrennt, werden Kate Burkholder und ihre Kollegen eingeschaltet. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Unfall – bis der Leichnam des 18-jährigen Daniel Gingrich gefunden wird. Er wurde in der Sattelkammer eingesperrt und verbrannte bei lebendigem Leib. Wer wollte ihn so grausam töten?

Die Polizei stürzt sich in die Ermittlungen, stößt bei den Amischen jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Daniel Gingrich war allseits beliebt, galt als aufrichtig und hilfsbereit und wollte bald heiraten. Warum trachtete ihm jemand nach dem Leben? Umso intensiver Kate ermittelt, desto komplizierter wird dieser Fall. Wer sind hier die Guten und wer der Täter?

Sie wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, muss sich ihren eigenen Geistern stellen und hofft, auf der falschen Spur zu sein…

Meine Meinung

There is some soul of goodness in things evil,

Would men observingly distil it out.

(Es ist ein Geist des Guten in dem Übel,

Zög’ ihn der Mensch nur achtsam da heraus.

Shakespeare, König Heinrich V., 4. Aufzug, 1. Szene)

Dieses Zitat hat Linda Castillo „A Gathering of Secrets“ vorangestellt. Es geht diesmal um Schuld, Scham, Schweigen und Selbstjustiz. Der zehnte Band einer Serie, bei der jeden Sommer eine neue Folge erscheint, könnte langweilig oder überkonstruiert sein. Linda Castillo hingegen gelingt es wieder, ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln.

Im Mittelpunkt steht natürlich Chief of Police Kate Burkholder, der Schauplatz ist diesmal wieder Painters Mill in Ohio und somit spielen auch ihre Kollegen und ihr Partner John Tomasetti eine größere Rolle. Natürlich geht es wieder um einen Fall bei der amischen Bevölkerung, die wie gewohnt ihre Probleme lieber auf ihre eigene Weise ohne die Polizei lösen möchte oder wegschauen (Sieh nichts Böses, hör nichts Böses, sprich nichts Böses.). Der grausame Tod von Daniel Gingrich erschüttert seine Familie, Freunde und Kollegen. Er nutzte die Zeit zwischen Schule und Heirat zum “Rumspringa”, arbeitete in einem nicht-amischen Geschäft, kaufte ein Auto und traf sich mit jungen Frauen. Alle schätzten ihn sehr, was den genau geplanten Mord umso mysteriöser erscheinen lässt.

Man merkt deutlich den Reifeprozess von Kate Burkholder in ihrem Leben. Bei der Arbeit tritt sie gegenüber ihren Kollegen und anderen souveräner auf. Auch ihre Beziehung zu John Tomasetti ist stabiler geworden, beide sind ruhiger und geduldiger, können besser auf den Anderen eingehen und stellen die Beziehung nicht mehr in Frage. Ganz im Gegenteil. Auch Kates Schwester spielt wieder eine kleine Rolle, die beiden nähern sich in jedem Band wieder etwas mehr an

Spoiler
Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kate im nächsten Band schwanger wird, denn hier sind reichlich Hinweise gestreut, wie kinderlieb sie gerade Säuglingen gegenüber ist.
Einige der Figuren gehören der mir zuvor unbekannten Gruppe der Beachy-Amischen Diese Gruppe ist auch tief religiös, viele der Regeln sind so, wie man es von amischen Gemeinden erwartet. Andererseits könnten sie zum Beispiel Autos und Handys besitzen, Computer und das Internet nutzen, Kleidung kaufen statt selbst zu nähen.

Zum Fall selbst möchte ich nicht allzu viel schreiben, außer dass Kates bekannte Vergangenheit, der Grund für ihren Austritt aus der Gemeinschaft ihren Blickwinkel bei den Ermittlungen deutlich beeinflussen. Das spielte auch in früheren Bänden schon eine Rolle, jedoch lässt Linda Castillo ihre Hauptfigur auch in dieser Hinsicht reifen während Kate sowohl den Fall als ihren persönlichen moralischen Konflikt lösen muss. Die Autorin greift ein Thema auf, das im letzten Jahr international viele Wellen schlug und auch bei den Amischen leider noch sehr aktuell ist.

Spoiler
Die #me too Debatte.

Wie geht die amische Gemeinschaft damit um, wenn eines ihrer Mitglieder Schande über sich und somit auch seine Familie bringt? Wie unterschiedlich die Vorstellungen von Schande und deren Ursachen sind, in Kates alter und neuer Welt, das steht im Mittelpunkt von „A Gathering of Secrects“. Kate Burkholder muss sich der Frage stellen, ob sie diesen Mord wirklich restlos aufklären möchte, ob das möglichweise die Falschen treffen würde. Andererseits ist ihr deutlich bewusst, dass der Mantel des Schweigens der Amischen für viele Probleme insbesondere hier nicht der richtige Weg ist. So harmonisch die vermeintlich heile Welt der Amischen wirkt, so deutlich wird vor allem in diesem Band, dass der Preis in diesem System für einige sehr hoch ist.

Kate McInerney liest in den ersten Kapiteln teilweise etwas stockend, ab dem 5. Kapitel dann wieder souverän mit eigenen Stimmen für die verschiedensten Figuren und vermittelt die Stimmungen perfekt. Eine andere Sprecherin könnte ich mir nach zehn Bänden allerdings auch kaum vorstellen.

Für den nächsten Band wünsche ich mir nur, dass Kate nicht wieder alleine in Lebensgefahr gerät und ihre eigene Vergangenheit zur Abwechslung keine so große Rolle spielt.

 

Fazit

Kaum erschienen, schon durchgehört und gespannt auf den nächsten Band. So fällt das kurze Fazit für den zehnten Band der Reihe um Kate Burkholder aus. Man lernt wieder Neues über das Leben der Amischen inmitten der modernen Welt um sie herum. Die Serie bleibt spannend, die Haupt- und Nebenfiguren entwickeln sich deutlich weiter, der Fall selbst und das überraschende Ende waren wieder überzeugend und die Sprecherin Kathleen McInerney gehört einfach dazu.

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Elisabeth Herrmann – Die Mühle

Die Mühle von Elisabeth Herrmann Cover ©cbt HC

Die Mühle von Elisabeth Herrmann
Cover ©cbt HC

ungekürzte Lesung
10:56 Stunden
Sprecherin: Laure Maire
Hörprobe beim Verlag

Zum Inhalt (vom Verlag)
“The Court” – das waren die Coolen. Die Angesagten, die Unerreichbaren, die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Der Trip führt die Clique in eine alte Mühle, umgeben von wilder Natur. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als dann der erste der Freunde verschwindet, wird Lana klar, dass sie in der Falle sitzt. Denn es geht um Leben und Tod…

Zur Autorin (vom Verlag)
Elisabeth Herrmann, geboren 1959 in Marburg/Lahn, ist eine der aufregendsten Thrillerautorinnen unserer Zeit. Zum Schreiben kam sie neben ihrer Tätigkeit als Journalistin erst über Umwege – und hatte dann sofort durchschlagenden Erfolg mit ihrem Thriller “Das Kindermädchen”, der von der Jury der KrimiWelt-Bestenliste als bester deutschsprachiger Krimi 2005 ausgezeichnet wurde und vom ZDF verfilmt wurde. Seitdem macht Elisabeth Herrmann Furore mit ihren Thrillern und Romanen. 2012 erhielt sie den Deutschen Krimipreis für “Die Zeugin der Toten”, die ebenfalls vom ZDF verfilmt wird. “Die Mühle” ist ihr vierter Thriller für jugendliche Leser.

Zur Sprecherin (vom Verlag)
Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie “Verdammt verliebt”. Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in “Raum” (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der “Twilight”-Reihe. Daneben war sie immer wieder in “How I Met Your Mother” zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller “Schattengrund” von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr “virtuoses Sprach-Spiel” noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.

Meine Meinung
Nachdem „Zartbittertod“ von Elisabeth Herrmann war ich neugierig auf ein weiteres ihrer Jugendhörbücher, nicht zuletzt, weil Laura Maire eine meiner Lieblingssprecherinnen ist.

Die Grundidee ist zwar nicht originell, trotzdem spannend: Eine Gruppe von Menschen, die sich in einem abgeschlossenen Raum befindet und in Lebensgefahr schweben. Hier ist es eine abgelegene alte Mühle, wo ihnen jemand nach dem Leben trachtet. Die alte Elite-Clique wird einige Jahre nach dem Abitur für ein Wochenende nach Karlsbad eingeladen. Alle gehen davon aus, dass einer von ihnen die Einladungen verschickt hat. Johnny, ein ehemaliges Mitglied der Gruppe, kann aufgrund eines Unfalls nicht selbst fahren und fragt Lana, ob sie fahren möchte. In Karlsbad werden sie auf einen Ausflug in die Berge gelockt und landen in der alten Mühle, in der schon alles für ihren Aufenthalt und ihr Ableben vorbereitet zu sein scheint.

Lana ist die klassische Außenseiterin. Ihr Vater arbeitete viel im Ausland, die Familie zog oft um und Lana hatte nie irgendwo die Möglichkeit, enge Freunde zu finden. Als die Familie sich dann im Ort L niederlässt, bleibt sie an der Schule eine Außenseiterin, so wie auch später an der Uni. So gerne würde sie zur Clique gehören, kann es aus den verschiedensten Gründen jedoch nicht. Zufällig landet sie an der gleichen Uni wie Johnny aus ihrer alten Schule. Er wirkt inzwischen eher zurückgezogen und geheimnisvoll. Die beiden haben keinerlei Kontakt, bis Johnny ihr an einer Treppe buchstäblich vor die Füße fällt und später im Krankenhaus die Einladung nach Karlsbad gibt. Danach ist Lana mit der Clique und einem Mörder allein. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive erzählt, ihre Gedanken und Motive sind nachvollziehbar.

Die anderen Figuren sind klischeehaft und mehr oder weniger überzeugend gezeichnet. Der Anführer, das Modell, der eher Zurückhaltende usw. Seit dem Abitur haben sich die Mitglieder der Clique nicht mehr gesehen und schnell wird klar, dass ein dunkles Geheimnis der Grund sein muss – über das natürlich niemand in Hörweite der fremden Lana sprechen möchte. Die schüchterne und unbeholfene Lana gerät schnell in Verdacht, mit dem abwesenden Johnny hinter der Einladung zu stecken. Anfangs ist es für die früheren Mitglieder der Clique schwierig, die alten Freunde zu treffen, dann rutschen alle schnell wieder in ihre alten Rollen. Alte Rivalitäten flammen wieder auf während alle in der Mühle zusammenhalten und gemeinsam einen Rettungsplan schmieden sollten.

Die erste Hälfte gefiel mir sehr gut, zumal Laura Maire meiner Meinung nach die perfekte Sprecherin für dieses Buch ist. Sie verleiht den Figuren eigenen Stimmen ohne es zu übertreiben, vermittelt die Gefühle von Lana und auch den anderen. Ich hatte das Gefühl, Lana selbst zuzuhören. Kopf Kino vom Feinsten. Sicherlich ist die Handlung insgesamt sehr konstruiert, aber das passt zum Genre und zur Grundidee, tat der Spannung für mich keinen Abbruch.

Geschickt lässt Elisabeth Herrmann die Hauptfigur Lana von allen anderen nur in der Vergangenheit sprechen, so dass man sich immer fragt, ob und wer überlebt. Lana und somit die Zuhörer erfahren nach und nach ein wenig mehr über die Vergangenheit der Clique, die Szenenwechsel sind nicht allzu abrupt und gewollt spannungserzeugend gestaltet.

In der zweiten Hälfte wurde es dann noch spannender. Leider gab es einige unglaubwürdige Stellen und insbesondere das Ende verdarb mir den Hörspaß. Auch wenn die Motive nachvollziehbar sind, hinter dem dunklen Geheimnis eine realistische Begebenheit steckt, die ausführlich dargestellt wird, hakte es in einem Punkt massiv für mich.

Ein spannender Jugendthriller, rasant erzählt und genial vorgetragen von Laura Maire, mit einer glaubwürdigen Hauptfigur und einem lebendig dargestellten Schauplatz. Leider ein teilweise verkorkstes Ende und einige Logiklücken, die mich vermutlich auch schon mit 14 gestört hätten. Karlsbad und seine Umgebung hingegen sind auf der Liste der Wunschurlaubziele gelandet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsbad

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Wladimir Kaminer – Ausgerechnet Deutschland Geschichten unserer neuen Nachbarn

Cover ©Goldmann

Cover ©Goldmann

gekürzte Lesung

2:19 Stunden

Sprecher: Wladimir Kaminer

Hörprobe *beim Verlag*

zum Inhalt (vom Verlag)

Über neue Mitbürger und unerwartete Nachbar

Täglich beobachtet Wladimir Kaminer, wie die Flüchtlingswelle Deutschland durcheinanderwirbelt. Und er beobachtet, wie das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen zahllose Geschichten hervorbringt. Diese erzählt Wladimir Kaminer voll Humor und echter Neugier, aber ohne falsches Pathos. Er berichtet von … (gekürzt, weil hier sehr viel aus dem nur zweistündigen Hörbuch verraten wird.)

Wie immer mit russischem Charme gelesen vom Autor selbst.

zum Autor (vom Verlag)

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und inzwischen erwachsenen Kindern in Berlin. Mit seiner Erzählsammlung »Russendisko« sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.

Meine Meinung

Obwohl die Hörversionen zu Wladimir Kaminers Büchern immer gekürzt sind, habe ich sie wegen seines humorvollen Vortrags immer lieber gehört als gelesen.

Schon das Titelbild macht deutlich, dass es diesmal nicht „nur“ um Russen und Deutsche geht – ein Gartenzwerg mit einer Wasserpfeife. Es geht um die Flüchtlingsproblematik 2015, aus der Perspektive der Einwohner des kleinen Dorfs in Brandenburg, in dem er lebt. Schnell wird klar, dass sich durch das Eintreffen der zwei (?) Großfamilien im Dorf einiges ändert und die sehr langsam zunehmenden Deutschkenntnisse und Google Translator das Miteinander fördern. Gewohnt warmherzig und selbstironisch beschreibt der scharfe Beobachter die Ereignisse.

Wladimir Kaminer ist ein Meister des humorvollen Erzählens auch drastischer oder peinlicher Begebenheiten, doch hier liest er stellenweise sehr ungelenk, fast als ob er den Text nicht kennen würde. Da wäre mir der Mitschnitt einer Lesung lieber gewesen.

Auch bei seinen Lesereisen durch Deutschland sammelte er Material für dieses Buch, in dem es mal nicht „nur“ um Russen und Deutsche geht. Die Dorfbewohner versuchen auf ihre Weise den Flüchtlingen zu helfen und es gibt zahlreiche interessante und auch peinliche Begebenheiten. Es entsteht der Eindruck, die Flüchtlinge würden keinen Kontakt oder Deutsch lernen wollen, andererseits wirken die Spenden eher wie das Ergebnis einer Kellerentrümpelung… Er macht deutlich, dass es „die Syrer“ an sich nicht gibt und es für beide Seite nicht einfach ist, zeigt, wie sich der Umgang im Dorf langsam ändert, durch wachsende Sprachkenntnisse auf beiden Seiten und nicht zuletzt dank Google Translator.

Gegen Ende gibt es noch ein so amüsantes wie treffendes Kapitel über die Gender-Manie. :grin

Das Thema liegt ihm am Herzen, das wird vor allem in der zweiten Hälfte deutlich. Die Auswahl der Kapitel wirkte auch mich etwas wahllos, die Handlung wechselte abrupt, es entstand oft der Eindruck, etwas würde fehlen.240 Seiten auf 2:19 Stunden, da wurde vermutlich viel ausgelassen.

Fazit

Die Buchversion ist in diesem Fall vermutlich deutlich besser, denn Wladimir Kaminer erzählt gewohnt humorvoll, auch wenn deutlich ist, dass auch er das Verhalten seiner neuen und alten Nachbarn nicht nachvollziehen konnte. Er hat sich eines schwierigen Themas angenommen, reißt viele Probleme an und vertritt die Ansicht, dass die Ereignisse 2015 weitaus tiefgreifendere Folgen haben als die deutsche Wiedervereinigung.

Vielleicht werde ich das 240 Seiten dicke Buch noch lesen, auf das mich das Hörbuch neugierig gemacht hat oder mal wieder zu einer seiner Lesungen gehen. Die vermutlich auf die Hälfte gekürzte und stockend vorgetragene Hörfassung kann ich leider nicht so recht empfehlen.

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Adventskalender 2017 Tag 3: Bloß a Gschicht von Hans Söllner

In Bayern ist der Musiker Hans Söllner vor allem durch seine provokanten Texte und Aussagen bekannt. Die einen verehren seinen Mut, sich gegen die Obrigkeiten aufzulehnen, andere halten so gar nichts von dem “gspinnerten” Künstler.

Natürlich kenne ich als Bayer Söllners Werke, schließlich ist er auch in den Medien recht präsent. Musikalisch gehört Söllner tatsächlich auch nicht zu meinen liebsten Künstlern, mein Musikggeschmack ist völlig anders und ich lege auch mehr Wert auf die Musik an sich. Sein wenig bekannter Roman “Bloß a Gschicht” aus dem Jahr 2005 hat mich jedoch berührt wie selten ein Werk zuvor. Nach eigener Aussage (ich habe ihn 2014 im Rahmen meiner Masterarbeit interviewed) schrieb Söllner dieses Buch nur, weil ihm im Urlaub langweilig war. Doch es bietet einen faszinierenden Einblick in die Ansichten des Künstlers, die für viele vielleicht in seiner Musik eher wirr erscheinen. Der Roman scheint eine Mischung zu sein aus Söllners eigener Biografie und einer utopischen Geschichte einer Stadtbevölkerung, die sich von Deutschland frei kauft und von da an völlig autonom und untereinander in Frieden leben. Und tatsächlich, so verrückt klingen die Pläne überhaupt nicht. Gerade die Aussage, dass die Menschen sich nicht alle lieben sondern nur respektieren müssten, um Frieden zu schaffen, zeigt sogar einen guten Anstoß für das eigene Handeln. Doch so idyllisch ist auch diese Traumvorstellung Söllners nicht. Die Autonomen werden von den anderen angegriffen, ihr Eigentum wird zerstört und irgendwann müssen sie sich eingestehen, dass ihre Ideale auf dieser Welt einfach noch kein Bestehen haben können.

Besonders ist noch zu erwähnen, dass Söllner das Buch im bairischen Dialekt verfasst hat, denn Sprache und Dialekt sind sein stärkstes Ausdrucksmittel. Aber keine Sorge, gleich im Anhang ist der Text auch ins Hochdeutsche übersetzt.

Münchner sollten übrigens immer mal wieder auf die Seite des Musikers und Regisseurs Peter Pichler schauen, der eng mit Söllner zusammen arbeitet. Dieser arbeite den Roman nämlich in ein Theaterstück mit der Musik Söllners um und dies wird immer mal wieder mit dem Schauspieler Stephan Zinner aufgeführt.

Bloß a Gschicht beim Trikont-Verlag

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Bettina Belitz – Panthersommernächte

©Loewe Verlag

Unter Ninas Bett liegt ein schwarzer Panther. Eine lebendige, wilde Raubkatze, die urplötzlich in der Kleinstadt aufgetaucht ist und die Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Während draußen schon der Schützenverein zur Jagd auf „die Bestie“ bläst, ist es Nina gelungen, Kontakt zu dem Tier aufzunehmen. Sie spürt den geheimnisvollen Zauber des Panthers, der sich sogar von ihr berühren lässt. Aber ein Panther ist kein Schmusekätzchen. Er braucht Freiheit und vor allem täglich jede Menge frisches Futter. Hilfe bekommt Nina von ihrem Klassenkameraden Lionel. Ausgerechnet, denn Lionels Vater ist der Anführer der Panther-Jagdgesellschaft.

Bettina Belitz entwirft eine Welt, die vielen von uns bekannt vorkommen dürfte: eine normale Kleinstadt, normale Teenager, normale Schule, fast normale Eltern. Sie füllt diese normale Welt jedoch mit Magie: zuallererst natürlich mit der Magie des Panthers, der plötzlich in dieser Kleinstadt  auftaucht. Zwischen ihm und Nina besteht eine besondere Beziehung und die Autorin hat diese Beziehung auch an den Leser weitergegeben. Dieser Panther hat mein Herz berührt.

Bettina Belitz füllt diese normale Welt aber auch mit der Magie der ersten Liebe, mit der Magie des Vertrauens, in sich und in andere, mit der Magie des Erwachsenwerdens und nicht zuletzt mit der Magie des Eiskunstlaufens. Sie zeichnet mit leichter Hand eine Welt, die einen gefangennimmt und an die Herzen der Protagonisten führt. Dazu kommt eine wirklich spannende, aber gleichzeitig auch humorvolle Umsetzung  des Coming-of-Age-Themas, der diesen Jugendroman auch für Erwachsene sehr lesenswert macht. Ich konnte micht nur schwer von Nina, Lionel und natürlich Spirit trennen.

Bettina Belitz, geboren 1973 in Heidelberg, verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen allein genügte ihr bald nicht mehr – nein, es mussten eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald und lässt sich von der Natur und dem Wetter zu ihren Romanen inspirieren.

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Jean Bagnol – Commissaire Mazan und der blinde Engel

Es ist ein goldener September kurz vor der Weinlese in Mazan, als die von Liebeswirren gestresste Mordermittlerin Zadira Matéo um Amtshilfe gebeten wird. Eine bizarre Pariser Mordserie scheint mit den verstörenden Bildern des gerade in die Provence übergesiedelten Malers Etienne Idka zusammenzuhängen. Commissaire Mazan, der Katzenermittler, könnte Zadira helfen. Denn er kennt den „blinden Engel“ an Idkas Seite, der das Geheimnis um die rätselhaften Bildermorde entschlüsseln kann.

Zum zweiten Mal gelingt es Nina George und Jo Kramer, einen sehr spannenden Krimi zu schreiben, der teilweise aus Katzensicht erzählt wird und trotzdem nicht künstlich oder aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil, sowohl die menschlichen als auch die tierischen Protagonisten sind für mich so lebendig, dass ich am Liebsten immer weiter gelesen hätte, um weiter an ihrem Leben teilzuhaben. Ich kann diesen Roman deshalb nicht nur Katzenliebhabern, sondern allen Krimifans empfehlen.

Wieder zeichnen die Beiden ein so mehrdimensionales Bild der  Provence, der Landschaft und ihren Bewohnern, dass der Leser sich als Bewohner dieses kleinen Ortes fühlt, in dem unter der bürgerlichen Oberfläche die Abgründe einer Gesellschaft lauern, die rücksichtslos ihre Gier nach immer mehr Genuß auslebt.

Gleichzeitig kommt aber auch eine neue Note in das Duftpotpourri des Romans: diesmal geschehen Morde in Paris und Zadira wird von einem dortigen Ermittler, der ihr privat besser gefällt als dienstlich, um Amtshilfe gebeten. Pariser sind weder bei den Marseillesen noch bei den Provenzalen besonders beliebt und so gestaltet sich die Zusammenarbeit schwierig. Als dann aber ein dritter Mord in der Provence geschieht, ist es Zadira, die näher am Fall und an den Menschen ist. Dabei verzichten die Autoren auf blutige Szenen und setzen eher auf das hervorragend funktionierende Kopfkino. Bei aller Spannung gibt es aber auch immer wieder Szenen, die mich laut auflachen ließen, zum Beispiel wenn Tin-Tin sich totstellt und keiner seiner Katzenkumpels es ernst nimmt.

Besonders gefallen hat mir, dass Lucien Brell hier einen eigenen Fall zu lösen hat, er ist sicher die liebenswerteste Nebenfigur, außer der Katzengang natürlich. Die hat hier einen eigenen Fall zu lösen, Manon ist verschwunden und schwebt in Lebensgefahr.

Einfühlsam und für jeden Katzenbesitzer absolut nachvollziehbar sind die Teile aus der Sicht von Commissaire Mazan erzählt, der sich, genau wie sein menschliches Gegenstück Zadira, in diesem Roman weiterentwickelt, über sich selbst lernt und den Leser so in seinen Bann zieht, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Hier geht es zur Leseprobe, hier zu einem Interview, das ich mit den Autoren zum Erscheinen des ersten Bandes geführt habe, und hier zu einem Lesungsbericht.

Jean Bagnol Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens “Jo” Kramer.

Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane).
George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman “Die Mondspielerin”.
Mehr über Jean Bagnol
Mehr über Jens “Jo” Kramer
Mehr über Nina George

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Jojo Moyes – Weit weg und ganz nah

Originaltitel: The One plus One

512 Seiten
Mai 2014 erschienen

Zur Autorin (vom Verlag)
Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex.

Zum Inhalt (Vom Verlag)
Einmal angenommen …

… dein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Du schaffst es kaum, deine Familie über Wasser zu halten. Deine hochbegabte Tochter bekommt eine einmalige Chance. Und du bist zu arm, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich liegt da ein Bündel Geldscheine. Du weißt, dass es falsch ist. Aber auf einen Schlag wäre dein Leben so viel einfacher …

Und einmal angenommen, du strandest mitten in der Nacht mit deinen Kindern am Straßenrand – und genau der Mann, dem das Geld gehört, bietet an, euch mitzunehmen. Würdest du einsteigen? Würdest du ihm irgendwann während eures verrückten Roadtrips gestehen, was du getan hast?

Und kann das gutgehen, wenn du dich ausgerechnet in diesen Mann verliebst?

Meine Meinung
“Weit weg und ganz nah” ist das neuste Buch aus der Feder von Jojo Moyes, deren sehr erfolgreiches “Ein ganzes halbes Jahr” und das bisher leider nicht übersetzte “The Girl You Left Behind” (Das Mädchen, das Du zurückgelassen hast) mich sehr beeindruckt hatten. Weil die Geschichten an sich vielleicht noch nicht mal besonders originell waren, Jojo Moyes es jedoch verstand, etwas Besonderes daraus zu machen, die Figuren mit Leben zu füllen und authentisch wirken zu lassen. Weil sie so fesselnd erzählt, dass ich die Lektüre bzw. das Hörbuch nur ungern unterbrach.

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an “Weit weg und ganz nah”, zu hoch. Im Prinzip verrät der Klappentext schon alles und die Figuren sind schablonenhafter als in den anderen beiden Büchern. Die Ausgangssituation ist durchaus glaubwürdig.

Die alleinerziehende Jess Thomas arbeitet mit einer Freundin als Putzfrau in der örtlichen Feriensiedlung und abends in der Kneipe, um sich selbst, ihre Tochter Tanzie und den bei ihr lebenden Sohn Nicky ihres Noch-Mannes über Wasser zu halten. Verständlich, dass der seit Jahren andauernde Überlebenskampf sie etwas bitter und misstrauisch gemacht hat, zu einer wahren Tigermutter. Allzu gerne würde sie ihrer mathematisch hochbegabten Tochter besser Möglichkeiten bieten, kann jedoch die finanziellen Mittel nicht aufbringen. Nicht zuletzt, weil sie auf jegliche finanzielle Unterstützung ihres Noch-Mannes verzichtet, sich nicht damit auseinandersetzen will.

Einer ihrer Kunden ist Ed Nichols, der zwar sehr vermögend ist, jedoch dieses Vermögen und seine Freiheit verlieren könnte. Und wenn ich boshaft wäre, würde ich ihn als den weißen Ritter am Horizont darstellen, der flugs alle Probleme löst.

Sicherlich beschreibt Jojo Moyes überzeugend und glaubwürdig die Probleme der Hauptfiguren, mal aus Sicht der Erwachsenen, mal aus den Augen der Kinder. Jede einzelne Figur hat massive persönliche Probleme und Selbstzweifel,darüber hinaus tauchen irgendwie ständig neue Probleme auf. Der gelegentlich aufblitzende Humor wirkt eher aufgesetzt oder gar wie Slapstick und teilweise brach ich die Lektüre entnervt ab, weil es gar zu unglaubwürdig wurde. Während Jess und Ed streckenweise fast überzeichnet wirkten, bewegten mich die Gedanken und das Schicksal von Tanzie und Nicky deutlich mehr.

Schade, denn die Grundidee und Jojo Moyes’ Schreibstil bieten eine Menge Potenzial, vielleicht wäre es besser gewesen, der Roman hätte nur 400 statt 512 Seiten. Oder vielleicht war es einfach nur der falsche Zeitpunkt für mich.

Fazit
Das neuste Buch von Jojo Moyes reicht meiner Meinung nach bei weitem nicht an “Ein ganzes halbes Jahr” heran, weder von der Figurenzeichnung noch vom Suchtfaktor. Dafür ist die Handlung meiner Meinung nach zu durchschaubar, es gibt zu viele Probleme. Die ersten 100-150 Seiten und die letzten rund 100 Seiten sind gelungen, der Mittelteil hat deutliche Längen.

“Weit weg und ganz nah” konnte mich nicht so recht fesseln, obwohl die Figuren insgesamt gut gezeichnet waren, insbesondere die beiden Kinder. Irgendwie fehlte das besondere Etwas. Das Ende ist passend und versöhnte mich wieder ein wenig mit dem Buch.

 

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Alan Bradley – Flavia de Luce 6: Tote Vögel singen nicht

8:07 Stunden
ungekürzte Lesung
Sprecherin: Jayne Entwistle
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Zum Autor
Alan Bradley wurde 1938 geboren und ist in Cobourg in der kanadischen Provinz Ontario aufgewachsen. Nach einer Karriere als Elektrotechniker, die schließlich in der Position des Direktors für Fernsehtechnik am Zentrum für Neue Medien der Universität von Saskatchewan in Saskatoon gipfelte, hat Alan Bradley sich 1994 aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen.

Zur Sprecherin
Jayne Entwistle ist eine britische Hörbuchsprecherin, die in Los Angeles lebt. Für ihre herausragende Sprecherleistung bei den Hörbüchern der Reihe um Flavia de Luce wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

Zum Inhalt (freie Übersetzung des englischen Klappentextes)
An einem Frühlingstag im Jahr 1951 versammelt sich die 11-jährige leidenschaftliche Chemikerin und Detektivin Flavia de Luce mit ihrer Familie am Bahnhof von Bishop’s Lacey. Der Anlass ist die Rückkehr ihrer lange verschollenen Mutter Harriet. Kurz nachdem der Zug mit Harriets Sarg eingetroffen ist, wird Flavia von einem großen Fremden angesprochen, der ihr eine kryptische Botschaft zuflüstert. Gleich darauf ist er tot, weil ihn jemand aus der wartenden Menge vor den abfahrenden Zug gestoßen hat.

Wer war dieser Mann und was bedeuten seine Worte? Warum richtete er sie ausgerechnet an Flavia? Zurück in Buckshaw, dem zerfallenden Familiensitz der Familie de Luce, richtet Flavia ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Fall und findet eine alte Filmrolle mit ihr völlig unbekannten Aufnahmen, die sie zu einem Familiengeheimnis führen, in das auch Winston Churchill verwickelt zu sein scheint…

Meine Meinung
Die Vorfreude auf den sechsten Band der Reihe um die junge Flavia de Luce war so groß wie das Risiko, dass das Niveau der Vorgänger nicht gehalten werden kann.

Alan Bradley wartet diesmal mit einer ganz unerwarteten Ausgangssituation auf: Der Leichnam von Flavias Mutter wurde gefunden und nicht nur die gesamte Familie, sondern zahlreiche andere Ehrengäste sind am Bahnhof von Bishop’s Lacey versammelt um den Sarg zu empfangen. Wird wirklich das Geheimnis um ihr Verschwinden gelüftet und somit auch eine Last von Flavia genommen? Denn ihre Schwester werden nicht müde, ihr die Schuld am Verschwinden der Mutter zu geben. Andererseits stirbt nun auch endgültig die letzte Hoffnung, ihre Mutter könne doch noch lebendig auftauchen.

Flavia wirkt in diesem Band deutlich reifer, was sicherlich auch an den drastischen Umständen liegt. Ihr Vater ist überhaupt nicht ansprechbar, ihre Schwestern sehr angespannt, so wie auch der Rest der Anwesenden. Dann geschieht bei der Einfahrt des Zuges auch noch ein Mord, just jener Fremde stirbt, der kurz zuvor das Gespräch mit Flavia gesucht hatte.

Endlich ist Flavia nicht mehr die Jüngste, sondern ihre nicht minder intelligente und wenig zurückhaltende Cousine Undine. Für Flavia eine ganz neue Situation, die Ältere zu sein und ausgerechnet auf ein jüngeres Mädchen aufpassen zu müssen, das in mancher Hinsicht gebildeter ist als sie selbst und mindestens genauso neugierig. Grinsen Das deutsche Titelbild zeigt Flavia bei einer ganz neuen Erfahrung, die sie ihrer Mutter auf andere Weise näher bringt.

Die Entwicklung der bisher bekannten Hauptfiguren und auch das Verhalten von Undine sind glaubwürdig, jede geht anders mit dem Tod der Mutter bzw. Ehefrau um. Weniger glaubwürdig ist das Auftauchen einiger Prominenter, auch wenn früher schon angedeutet wurde, wie bedeutend die Familie de Luce früher war.

Natürlich spielen auch Flavias Labor und ihr detektivischer Spürsinn wieder eine Rolle, wobei sie sich in ihrer Verzweiflung zu sehr fragwürdigen Experimenten hinreißen lässt – was in ihrer Situation und zu jener Zeit nicht ganz unverständlich ist, wenn auch meiner Meinung nach etwas weit hergeholt. Eigentlich ist die Zeit zwischen den Bänden zu knapp, um die inzwischen deutliche Reifung von Flavia glaubwürdig erscheinen zu lassen, auf der anderen Seite bin ich froh, dass sie sich weiterentwickelt, was gerade in diesem Band natürlich sprunghaft passiert.

Der Kriminalfall ist diesmal wirklich eher eine Randerscheinung, Flavias Ermittlungen nehmen zwar einigen Raum ein, ihr Reifeprozess sowie zahlreiche Hintergrundinformationen über das frühere Leben ihrer Eltern deutlich mehr. Hinzu kommen auch Veränderungen bei Flavias Schwestern, das Leben in Bishop’s Lacey geht weiter und auch bei Flavia selbst stehen größere Veränderungen an.

Das Ende wäre auch perfekt passend für den Abschluss der Reihe gewesen, sehr glaubwürdig und stimmig, jedoch sind wohl inzwischen noch weitere vier Bände vorgesehen.

Die Stimme von Jayne Entwistle ist für mich inzwischen zu der von Flavia geworden, mal vorlaut, mal sehr verletzlich und stets den passenden Ton findend.

Fazit
Auch der sechste Band um die junge leidenschaftliche Chemikerin und Hobby-Detektivin Flavia de Luce ist unterhaltsam, wenn auch mit düsteren Untertönen als die Vorgänger. Der Leichnam von Flavias Mutter wurde gefunden und die Atmosphäre daher entsprechend ernster.
Flavia entwickelt sich deutlich und glaubwürdig weiter, auch die anderen Mitglieder ihrer Familie spielen wieder wichtige Rollen, insbesondere eine naseweise und hochintelligente jüngere Cousine.
Eigentlich sollte dieser Band den Abschluss der Reihe bilden, die jetzt auf zehn Bände ausgeweitet wird. Hoffentlich gelingt es Alan Bradley, Flavia auch die nächsten vier Bände ähnlich glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Die deutsche Fassung ist für Oktober angekündigt, die ISBN für das Hörbuch noch nicht verfügbar, diese trage ich dann nach.

P.S. Sam Mendes hat sich die Filmrechte gesichert und es ist ein TV-Serie geplant.

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Lesung Jean Bagnol, 22.10.2013, Café Katzentempel

Lesung Jean Bagnol Münchens erste Katzencafé, das Café Katzentempel, erwies sich als der ideale Schauplatz für die Lesung aus Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Zwar gäbe es von technischer Seite noch Optimierungsbedarf, aber der Raum, l-förmig mit dem Autorenehepaar im Winkel und daher von jedem Platz aus gut zu sehen, eignete sich gut für das Zusammentreffen von literarischem Kater und echten Katzen. Und obwohl der Raum proppevoll war, kam keiner der tierischen Bewohner zu Schaden. Außerdem gab es ein superleckeres vegetarisches Büffet, großes Kompliment an die Küche!

Dass hier die Katzen an erster Stelle stehen, wurde gleich zu Beginn deutlich: Nina George bat die Zuschauer, nicht zu klatschen, da dieses laute Geräusch die Katzen erschrecken könnte. Stattdessen sollten wir mit den Armen in der Luft wedeln. Und das taten wir ausgiebig an diesem Abend. In Anbetracht der tierischen Zuhörer hatten sich die beiden entschieden, mehr kätzische Teile aus dem Buch zu lesen und das ist wirklich sehr, sehr gut gelungen. Anfangs wurden die beiden Ermittler, die nach Mazan abgeschobene Polizistin Zadira Matéo und der herrenlose schwarze Kater, genannt Commisaire Mazan, vorgestellt. Später kamen noch ein attraktiver Tierarzt, ein sabbernder Hund, vier zwielichtige Gestalten, ein Mordopfer sowie jede Menge Katzenpersonal dazu. Nina George und Jo Kramer lasen hervorragend mit verteilten Rollen und führten den Text schon fast halbszenisch auf. Köstlich war Nina als Hund oder der Höhepunkt am Schluss (die Trapeznümmer – denken Sie sich jetzt einen französischen Akzent dazu), als zwei Autoren sechs verschiedene Katzen (die tierische Ermittlerbande oder auch KatzenNSA) lasen und diese sehr unterschiedlich ausgestalteten. So wurde an diesem Abend auch viel gelacht.

Zwischen den einzelnen Abschnitten, die klug gewählt waren und extreme Lust auf das Buch machten, erzählten die Autoren vom Schauplatz Mazan. Der Ort liegt im Schatten des Mont Ventoux, jedem Fahrradenthusiasten bestens bekannt von der alljährlichen Tour de France. Es gibt in der Innenstadt keine Autos, dafür aber jede Menge Katzen. Er hat einen Friedhof, auf dem eine große Anzahl von Merowinger-Sarkophagen zu bewundern sind, wenn man sie denn findet und nicht für die Friedhofsmauer hält.  Marquis de Sade hatte eine Residenz dort und begründete hier das erste Theaterfestival Frankreichs. Außerdem hat Keira Knightley dort geheiratet, aber erst nachdem sich das Autorenduo dort die Inspiration für ihren ersten gemeinsamen Roman geholt hat.

Aus dem Publikum kamen nach dem sehr gelungenen Vortrag Fragen nach der Zusammenarbeit als Ehepaar, worauf die beiden eine typische Szene beim Schreiben vorführten. Sie hatten sich die Protagonisten aufgeteilt und waren jeder für die deren Detailausgestaltung  zuständig. Jo Kramer, von Nina George auch liebevoll Katzenflüsterer genannt, übernehm dabei die Katzen. In den gelesenen Abschnitten konnte man feststellen, dass es ihm sehr gut gelungen ist, aus deren Sicht zu schreiben. Den Namen Bagnol haben sie sich vom Friedhof in Mazan geliehen und nicht von dem französchichen Wort für Klapperkiste, bagnole. Die Autoren haben noch Ideen für viele weitere Bände um das ungleiche Ermittlerduo und so kann man nur hoffen, dass es bald Nachschub gibt.

Eine sehr, sehr gelungene Lesung, die nicht nur den Roman, sondern auch die Menschen dahinter und den Entstehungsprozeß vorstellte. Danke Nina George und Jo Kramer für einen großartigen Abend!

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