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Media Vita

Media Vita…

Der wohlvorbereitende Kunstbesucher informiert sich natürlich über die handelnden Personen, die ihn diesmal begeistern sollen. Dafür greift er meist auf die geschönten, knappen Kurzbiographien der Programmhefte zurück. Besser er fliegt darüber, da gerade bei Sängern das immer gleiche Aufzählen der üblichen Partien und Häuser selten neue Erkenntnisse liefert. Das Geburtsdatum gerade der Damen ohnehin nicht, weshalb meist in der Nachbereitung Wikipedia ein respektvolles Nicken oder erschrecktes Zusammenzucken aufgrund von Erhalt oder Niedergang eines Jahrgangs nachreicht.
Tiefstapelei wird bei diesen kurzen Werbetexten der Künstler nicht gerade betrieben. Verständlicherweise. Es kann jedoch sehr schnell ins andere Extrem und Übel umschlagen.
Ein sägender, knödelnder, schmerzender Quasitenor einer besseren Schulaufführung ließ sich auf einer Provinzbühne scheiternd doch tatsächlich als einer der „erfolgreichsten Tenöre unserer Zeit“ betiteln. In welchen Zeiten leben wir? Der Enthusiast dachte, die Zehn, die dieses Attribut verdienen, zu kennen und dieser Brülltamix gehörte nun wirklich nicht dazu. „Auf der ganzen Welt zu Hause“ schien dieser Unmusikvagabund zudem. Was nur bedeuten kann, dass er aus einigen Städten mit ziemlicher Sicherheit von einem heugabelschwingenden Mob an die Landesgrenze begleitet wurde. Von Einbürgerung keine Rede. Der Enthusiast hätte sich nach der Bildnisarie den Anschlussflugsverstärkern angeschlossen.
Dann schreibt man da gerne: Sang den Manrico in New York. Ob mit einem Hut im Central Park oder beim Veteranentreffen in einem Queenser Altenheim steht da freilich nicht. Auch gelesen: Gewinner des Gesangswettbewerbs auf Burg Hinterfels in Chur. Der Enthusiast würde zu gerne so manchen Juryvorstand oder tauben Grafenmäzen einmal kennenlernen, der, um die Burg zu erhalten, mit Preisen um sich wirft, die nur Schaden anrichten, da sie mittelmäßige Sänger mit zu viel Courage ausstatten. Kammersänger der freien Republik Murxsistan wäre da noch ein schöner Titelkauf, oder „sang den fünften Raben im Krabatmusicalsommer am Plattensee“, „begeistert an allen wichtigen Kiosken Südeuropas“ vielleicht? Der Enthusiast driftet ab.
media vita in morte sumus, wie der animus ardor und andere Lateiner wissen. Wenn aber die Vita der einzige mediokre Mittelpunkt eines Künstlerschaffens bleibt, dann stirbt nicht nur das Publikum am schiefen Tenorschrei, sondern dann stirbt auch die Kunst mitten in der Mittelmäßigkeit, die sich auf die Werbeformulierung des eigenen Scheins konzentriert, anstatt Kunst zu sein und ein Sein zu bedeuten. Denn auch die Vita kann schnell der Tod des Rufes sein.
finis aut exitus.

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Vorankündigung: Musicalgala Starke Kids, 01.06.2014 17 Uhr, Alte Kongresshalle

Die Sarré Musikprojekte sind bekannt dafür, Opern oder Musicals mit Kindern in den Hauptrollen erfolgreich auf die Bühne zu bringen. Jetzt studieren sie erstmals ein Konzert mit einem Thema zum Tag des Kindes am 01.06. ein. Es geht um Mobbing.

Nicht nur Erwachsene sich davon betroffen, auch Kinder und Jugendliche leiden darunter. Hier setzt das Projekt an. Beim Mobbing kann man drei Gruppen unterscheiden: Täter, Opfer und Mitmacher. Insbesondere die Mitmacher will Verena Sarré herausholen, durch Bühnenpräsenz eine starke Persönlichkeit herausbilden, die Nein sagen und sich auf die Seite der Opfer stellen kann. Neue Dimensionen erfährt das Thema Mobbing durch die Verlagerung in die sogenannten Social Media.

Etwa 30% der Kinder, die dann auf der Bühne stehen, kommen aus benachteiligten Familien. Es sind die unterschiedlichsten Schularten vertreten, so dass ein breites Spannungsspektrum vertreten ist.

Die Idee zu den Abend und das Konzept dafür stammt von der bekannten Regisseurin Julia Riegel, die neben Regieaufträgen für große Häuser auch immer wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Die Kinder konnten ihre Ideen miteinbringen, es mussten alle Mitwirkenden etwas zum Thema beitragen, egal in welcher Form. Diese Beiträge sind dann in den Abend geflossen und spiegeln sich in der Auswahl der Stücke und der Choreografie wieder.

Dafür schaffte es Verena Sarré, den renommierten Choreografen Alan Brooks zu gewinnen. Ich konnte bei einem Probenbesuch beobachten, wie sehr er auf die Acht- bis Zwanzigjährigen eingeht. Er schafft es, die Kinder zu Motivieren und zu Stärken, ohne sie zu überfordern. Er berücksichtigt wunderbar auf die spezifischen Belange von Kindern und Jugendlichen, schafft es dabei aber gleichzeitig, die notwendige Disziplin aufrechtzuerhalten.

16 Stücke wurden unter der Leitung von Verena Sarré einstudiert. Die Kindern werden von den renommierten Solisten  Volker Bengel und Iva Mihanovic, die kurzfristig für ihre erkrankte Kollegin eingesprungen ist, unterstützt. Am Klavier werden die Akteure von Liviu Petcu und Martin Steinlein begleitet.  Der Abend wird durch Videoinstallationen ergänzt.

Man darf auf einen kurzweiligen, aber dennoch unter die Haut gehenden Abend gespannt sein.

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Lesungen und Tango Criminale, 24.05.2014, Programmkino Casablanca und Tafelhalle Nürnberg

Petra Busch Der für mich letzte Tag der Criminale 2014 begann mit einer Lesung im Programmkino Casablanca, dem ältesten seiner Art in Nürnberg. Nachdem der vorherige Betreiber es aufgeben wollte, übernahm vor fünf Jahren ein Verein den Betrieb des Kinos. Mittlerweile verfügt man über drei Kinosäle, neue Bestuhlung und ab Herbst kann man sogar Filme in 3D zeigen.

Als erste las Petra Busch aus ihrem letzten Thriller Zeig mir den Tod. Mit klug ausgewählten Passagen und sehr ausdrucksstarker Stimme machte die Glauser-Preisträgerin (bestes Debüt 2011) Lust auf mehr. Im Anschluss las Petra Mattfeld, die bisher unter dem Pseudonym Caren Benedikt historische Romane veröffentlicht hat, aus ihrem ersten Kriminalroman Sekundentod. In diesem dramatischen Roman wird eine Autorin ermordet und zwar nach einer Mordmethode, die sie selbst in ihrem letzten, noch unveröffentlichten Buch beschrieben hat. Sehr gruselig. Den Abschluss bildete Nessa Altura, die erste Glauserpreisterägerin in der Sparte Kurzgeschichte, mit Jebrüder Behneken, die passenderweise in einem Kino in Berlin spielt.

Im Anschluss entspann sich eine rege Diskussion über die Art und Weise, wie die einzelnen Autorinnen an ihre Geschichten herangehen, die beste Art, sie anschliessend gedruckt zu bekommen und den Unterschied zwischen Romanen und Kurzgeschichten. Ein sehr informativer Nachmittag, der einen guten Einblick in das Leben und die unterschiedliche Arbeitsweise der drei Autorinnen gab.

Den Höhepunkt jeder Criminale bildet zweifelsohne der Tango Criminale mit der Verleihung des Hansjörg-Martin-Preises und des Freidrich-Glauser-Preises in verschiedenen Sparten. Die Moderation der Veranstaltung in der nicht optimalen Tafelhalle in Nürnberg lag in den bewährten Händen von Ralf Kramp. Er führte locker, schlagfertig und witzig durchs Programm und schoss den sicher weltgrößten Selfie. Er ist eine Bereicherung für jede Veranstaltung und so waren es sehr kurzweilige Stunden. Musikalisch umrahmt wurde der Abend und die darauf folgende Party von The Ballroomshakers. Warum sie so heißen, wurde spätestens nach dem ersten Lied klar: der Bass dröhnte, dass man die Resonanz deutlich spüren konnte. Die Sängerin hatte eine geile Röhre und auch die Saxofonistin war spitze. Eine gute Wahl der Veranstalter.

Der neugewählte zweite Bürgermeister der Stadt Nürnberg Christian Vogel hielt eine sehr launige Rede – gerade mal seine 14. im Amt. Befragt nach seiner letzten Straftat, bekannte er, vor 10 Minuten im Halteverbot geparkt zu haben. Na wenn das mal kein Knöllchen gab.

Die erste Preisverleihung des Abends war der Hansjörg-Martin-Preis für das beste Jugendbuch. Die Laudatio wurde durch die Kinderjury gehalten und diese hat vielleicht die bemerkenswertesten Worte des Abends gesagt. Ein Mädchen meinte, an die Verlage gewandt, man wolle keine pinken Cover, man wolle keine Bücher nur für Mädchen oder Jungs. Und keine Frauen mit abgeschnittenen Köpfen, fügte ich in Gedanken hinzu. Und keine -in-Romane. Und, und, und. Die Verlage dürfen den Lesern durchaus etwas Intelligenz zutrauen. In die gleiche Kerbe schlug auch ein Junge, als er anmerkte, die Verlage mögen doch bitte nicht am falschen Ende sparen und Bücher mit einem schlechten Lektorat auf den Markt bringen. Wahre Worte. Gewonnen hat den Preis dann schließlich Alice Gabathuler für No_Way_Out.

In der Sparte Bester Debüt-Kriminalroman konnte Harald Gilbers mit Germania unter 63 Einsendungen die Jury überzeugen. Der kurze Ausschnitt, der von dem Schauspieler Stefan Willi Wang gelesen wurde, klang interessant. Ein jüdischer Kommissar muss sich im Berlin der Nazizeit auf die Suche nach einem grausamen Frauenmörder machen. Dabei steht nicht nur das Leben der Frauen, sondern auch sein eigenes auf dem Spiel.

Sehr zur Erheiterung trug das Ukulele Orchestra of German Crime Writers bei. Egal, ob sie 6 Monate oder nur eine halbe Stunde geprobt hatten, das Ergebnis war beachtlich. Der Saal tobte und hätte eigentlich gerne noch eine Zugabe gesehen.

Zum besten Kurzkrimi wurde durch die prominent besetzte Jury die Geschichte Auf deine Lider senk ich Schlummer von Alexander Pfeiffer aus der Anthologie Küche, Diele, Mord gekürt. Die ausgezeichnete Laudatio von Judith Merchant brachte sehr gut rüber, wie die Jury zu diesem Ergebnis kam.

 

Michael Theurillat, der Glauser-Preisträger in der Sparte bester Roman von 2012, hielt schließlich die Laudatio auf den besten Roman, Die Deutschlehrerin von Judith Taschler. Die Autorin freute sich hörbar und hielt eine witzige Dankesrede, anscheinend würden die Österreicher jetzt alles gewinnen und es sei wunderbar, dass sie nach Conchita Wurst sozusagen in der Stadt der Würste gewonnen habe.

Der Ehrenglauser für besondere Verdienste um den Kriminalroman wurde in diesem Jahr dem Verleger Hermann-Josef “Hejo” Emons zuerkannt. Die Laudatio hielt Frank Schätzing der gleich zu Anfang warnte, dass es lang werden würde. Das stimmte dann auch, aber nur, weil Herr Schätzing zwar eloquent, aber hauptsächlich über sich selbst sprach. Irgendwas muss er da missverstanden haben. Der Verleger freute sich sichtlich, lies aber im Gegensatz zu seinem Laudator erkennen, dass er ein bescheidener Mann ist.

Eine sehr schöne Veranstaltung, die die Vielfalt der im Syndikat organisierten Autoren gezeigt hat und ein würdiger Rahmen für die Verleihung des größten deutschen Krimipreises war.

 

 

 

 

 

 

 

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Lesungen Criminale 2014, 22.05.2014, Nürnberg und Fürth

imageDas Schlimme an der Criminale ist, dass man sich eigentlich vierteilen müsste, weil es so viele interessante Termine gibt. Das Wunderbare an der Criminale ist, dass man sich eigentlich vierteilen müsste, weil es so viele interessante Termine gibt.

Erste Anlaufstelle war das Galeriehaus Nord in Nürnberg, wo es an diesem Nachmittag um Kaffee, Kunst und Korruption gehen sollte. Für den Kaffee war es allerdings zu heiß, blieben Kunst und Korruption. Das erste war nicht nur in den Büchern, aus denen gelesen wurde, präsent, sondern auch an den Wänden: zur Zeit läuft im Galeriehaus Nord die Ausstellung Nachtabsenkung mit Bildern von Mathias Otto. Die Bilder passten hervorragend zu den Krimis, zeigten sie doch die dunkle Seite der Welt.

Als erstes las Eva Ehley aus ihrem vierten Sylt-Krimi Mörder weinen, in dem es um die Ermordung eines Galeristen geht. In Kurschattenerbe versetzte Sigrid Neureiter das Publikum nach Meran und weckte die Neugier auf Oswald von Wolkenstein. Ihre Hobbydetektivin Jenny Sommer macht sich auf die Suche nach einem verschwundenen Professor.

Als Letzter las schliesslich Bernhard Aichner, der mich ja gestern schon mit seiner Kurzgeschichte Dürers Hase begeistert hat. Bemerkenswert ist, dass bereits in seinem 2006 erschienenen Roman Nur Blau, der von der Obsession eines Mannes mit Bildern von Yves Klein handelt, seine einzigartige Erzählstimme erkennbar ist, die seinen neuesten Roman Totenfrau so genial macht. image

Im Thalia-Buchhaus CAMPE in der Nürnberger Fußgängerzone las am frühen Abend Elisabeth Herrmann aus ihrem Bestseller Versunkene GräberIch hatte ja schon in Leipzig daraus eine Lesung gehört,  aber sie las noch mal andere Textstellen, so dass die Stunde eigentlich viel zu kurz für diesen spannenden Roman war.

Zum Abschluß ging es dann noch nach Fürth, wo im Bühlers ebenfalls Kunst und Literatur verlinkt wurden. Die Räume der Galeristin und Sammlerin Sabine Pillenstein bildeten einen fantastischen Rahmen für einen gelungenen Abend. Dort sind zur Zeit die Bilder von Katrin Heichel, einer Meisterschülerin von Neo Rauch, in einer Ausstellung unter dem Titel Die Nacht zu sehen. Es gab nicht nur Literatur und Kunst, sondern auch Häppchen, Wein und die Möglichkeit, mit allen an diesem Abend in Fürth lesenden Autoren ins Gespräch zu kommen, ein wirklich gelungener Abend.

Den Auftakt bildete Ingrid Schmitz mit ihrem vierten Kriminalroman Liebeskiller.  Dieser ist gerade erst erschienen, so dass es sich bei der Lesung sogar um die Buchpremiere handelte. Leider war es ein bisschen schwierig, die einzelnen Stimmen auseinanderzuhalten, aber der Anfang klang schon mal spannend. Wolfgang Polifka stellte seinen Roman Die Rosenberg-Pergamente vor, der in Kronach spielt. Die Autoren stellten sich jeweils gegenseitig vor und seine einleitenden Worte für das Autorenehepaar Jean Bagnol waren wirklich der Kracher. image

Hinter Jean Bagnol verbergen sich Nina George und Jo Kramer, die auch mit ihren Soloprojekten erfolgreich sind. Sie lasen aus der Anthologie Auf leisen Sohlen kommt der Tod ihre Kurzgeschichte Der Heiratsschwindler. Mit verteilten Rollen, unglaublich witzig und charmant, machten sie Lust auf diese Geschichte und auf ihren Roman Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Sicherlich einer der Höhepunkte dieser Criminale.

Der Tag, angefüllt mit neuen Eindrücken und Anregungen für mindestens ein halbes Jahr Lesestoff, klang noch an der Criminalebar aus, wo das Publikum Gelegenheit hat, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen.

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Die liebe Werbung

Die liebe Werbung

Keine Sorge geneigter Leser, es folgt kein Werbeblock, sondern ein Blog über das Werden des Werbens, das Herstellen des Konsumgutes Werbung.
Eine Szene aus Coppolas Lost in translation mit Bill Murray verdeutlicht den Wahnsinn Werbung wunderbar: Der gealterte Star bekommt als Werbeträger für Whiskey, der filmisch durch Eistee gedoubelt wird, genaueste Instruktionen, um das Produkt sexy, attraktiv, relaxing und sophisticated wirken zu lassen. Murray versteht davon nichts, doch der japanische Regisseur redet auf ihn ein, während allerlei Hände an ihm herumnesteln. Der genervte und verwirrte Schauspieler spult seine Grimassen ab und die Branche ist zufrieden.
Aus meiner eigenen Erfahrung mit der lieben Werbung kann ich diese Szene mittlerweile verstehen. In der Realität wird die Satire an Aufwand oft noch übertroffen. Bis in die kleinsten Parts werden zielgruppenorientierte Castings abgehalten, um alles Werbewirksame abzudecken. En détail werden Abläufe strategisch vorausgeplant, jede körperliche Variante vorausgedacht und der werbespielende Schauspieler genauestens inspiziert.
Wird man dann genommen, kann es passieren, dass man auf einem Riesenset vor einem Team steht, das keiner deutschen Serie und selbst nur wenigen Spielfilmen zur Verfügung steht. Diese Werbeerotiker betreiben dann eine finanzkräftige Perfektion, die ihresgleichen sucht und eben doch noch eine Form seltsamer Kunst sein soll.
„Was brauchst du? Gib mir mehr Verbindlichkeit! Lad mich mit deinem Blick zum Chinesen ein! Ja, genau, mehr und keine Zähne, ja grinsen.“
Ich schaute dann etwa eine Stunde – nun ja, verbindlich eben – in die am Kran kreisende Kamera und tat mein Bestes, den Mitarbeiter des Monats zu geben. Das dauerte ewig und zwei Maskenmädchen kümmerten sich um die Verbindlichkeit mit mehr HD-makeup, als die Öffentlichen an einem Tag verbraten. Insgesamt wurden neunzig Sekunden in mehreren Wochen produziert und mit einem Budget ausgestattet, das keinem Abschlussfilm ansteht.
Als das Ergebnis erschien, wunderte ich mich wie Murray ganz unverbindlich. Denn trotz allen verbindenden Lächelns wurde ich unumwunden aber mit vollen Bezügen aus diesem Werbeblock herausgeschnitten.

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Premiere Tschitti Tschitti Bäng Bäng, 30.04.2014, Gärtnerplatztheater (im Prinzregententheater)

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Ein Regisseur hat einen Kindheitstraum und ein ganzes Theater träumt mit ihm. Heraus kommt ein fulminanter Abend, der allen Beteiligten lange im Gedächtnis bleiben wird.

Charmant erzählte Regisseur und Staatsintendant Josef E. Köpplinger bei der Einführung, dass er als Fünfjähriger den Film zum ersten Mal sah und sofort im Anschluss den Besuch einer weiteren Vorstellung durchsetzte, wie, das wollen wir hier nicht verraten 😉 Seitdem hegte er den Wunsch, den Film auf die Bühne zu bringen und 2002 schien sich dieser sich zu erfüllen, als der Musicalfilm von 1968 für die Bühne bearbeitet wurde. Zwölf Jahre hat es gedauert, bis er das Stück endlich für das Gärtnerplatztheater inszenieren durfte. Es war sehr schwierig, die Rechte zu bekommen, schließlich hat es aber doch geklappt. Die kontinental-europäische Erstaufführung ist ein hinreißender Abend geworden, den man wirklich jedem nur empfehlen kann.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Caractacus Potts ist ein Erfinder, der seine zwei Kinder zusammen mit dem Großvater  aufzieht, nachdem die Mutter gestorben ist. Es ist zwar nie viel Geld vorhanden, aber man liebt sich und die Kinder wachsen in einer glücklichen Umgebung auf. Das Herz der Beiden hängt an einem Schrottauto, das nun an einen Alteisenhändler verkauft werden soll. Um seinen Kindern nicht das Herz zu brechen, treibt Caractacus das Geld unter im wahrsten Sinne haarsträubenden Bedingungen auf. Dabei lernt die kleine Familie eine entzückende Frau kennen, die wunderschöne Truly Scrumptious. Abgesehen auf das Auto hat es aber auch der böse Baron Bomburst, der eigentlich immer noch ein Kind ist und immer bessere, größere und schönere Spielzeuge braucht. Was er nicht braucht, ist die Frau Baronin, aber die wird er leider nicht los. Die hat eine Kinderallergie und so gibt es im Reiche Vulgarien, das beide regieren, keine Kinder, es wird ihnen sogar der Garaus gemacht durch einen fiesen Kinderfänger. Der Baron lässt den Großvater entführen, den er irrtümlich für den Erfinder hält und Caractacus, Truly und die Kinder reisen ihnen in inzwischen umgebauten Auto nach. Tschitti Tschitti Bäng Bäng heißt es und kann Schwimmen und sogar Fliegen. Natürlich gibt es ein Happy End, aber erst nach dem die kleine Familie Stärke und Zusammenhalt bewiesen hat.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Josef E. Köpplinger greift in die Vollen, stellt 123 Darsteller auf die Bühne, lässt für die 39 Mann im Orchestergraben von John Owen Edwards eine erweiterte Orchesterfassung arrangieren und beschäftigt 92 Kollegen hinter der Bühne. Der Aufwand ist riesig, aber jede Minute ist es wert. Die Bühne vom bewährten Team Judith Leikauf und Karl Fehringer ist ein Musterbeispiel dafür, wie man auch mit wenig Platz großartige Illusionen erzeugen kann. Es fühlt sich echt an, wie das Auto fährt schwimmt und auch fliegt. Wann hat schon jemals ein technisches Gerät einen Auftrittsapplaus bekommen? In dieser Premiere war das irgendwie selbstverständlich. Es ist wirklich ein technisches Wunderwerk, die Werkstätten des Gärtnerplatztheaters haben wirklich Großartiges vollbracht. Wenn man gehört hat, mit wie viel Leidenschaft der neue Technische Direktor Heiko Pfützner bei der Einführung über das Auto gesprochen hat, kann man vielleicht nachvollziehen, wie viel Herzblut und Arbeit in dieser Produktion steckt.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Die Szene wechselt ständig, die Bühne ist wie gezeichnet, wirklich sehr, sehr schön. Die Techniker an diesem Abend haben wirklich herausragend gearbeitet, jeder Wechsel klappte reibungslos. Bedingt durch die vielen Darsteller und die ständigen Szenenwechseln braucht es natürlich auch viele Kostüme, die Alfred Mayerhofer wirklich zauberhaft entworfen hat. Ungefähr 700 wären es, erzählte er bei der Einführung. Das ist natürlich aufwändig, aber es lohnt sich. Die Choreografie von Ricarda Ludigkeit hat sehr viel Schwung, einer der Höhepunkte des Abends war sicher der Bombie-Samba, im sehr langen Applaus gab es sogar Zugabe-Rufe. Die Melodien gehen selbst Menschen wie mir, die den Film nicht kennen, sofort ins Ohr. Das Publikum folgte atemlos der Handlung, es war bei einer Dauer von 2 Stunden 40 Minuten keine Sekunde weder für das junge Publikum noch für die Erwachsenen langweilig. Die Regie von Josef E. Köpplinger zeigt einmal mehr, wie gut er sich auf das jeweilige Stück einstellen kann, da stimmt jede Geste, da klappten die Slapstickmomente genauso gut wie die etwas ruhigeren, etwa wenn Caractacus seine Kinder ins Bett bringt oder er und Truly sich zum ersten Mal tief in die Augen schauen. Es passiert unglaublich viel auf der Bühne, einmal ansehen ist wirklich zu wenig, man hat immer grad irgendwas verpasst. Ein wirklich toller Abend für alle Generationen. In meiner Begleitung waren drei einer Familie und alle waren begeistert.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Die beiden sehr talentierten Kinder Marinus Hohmann und Amelie Spielmann waren die unbestrittenen Stars des Abends. Sie wirkten sehr natürlich und hatten nicht nur viel zu Singen, sondern auch sonst sehr viel Text und waren sehr präsent auf der Bühne. Peter Lesiak als Caractacus und Nadine Zeintl als Truly sind den Münchner mittlerweile von ihren vorherigen Produktionen ein Begriff und waren ein tolles Paar. Ihre Gegenspieler, Baron und Baronin Bomburst, wurden von Erwin Windegger und Sigrid Hauser verkörpert, die beiden sind ebenfalls keine unbekannten in München mehr. Besonders Sigrid Hauser räumte mit ihrer fabelhaften Darstellung der kinderfeindlichen Baronin im großen Stil ab, die Wandlung von der resoluten Rösslwirtin über die naive Erma in Anything Goes zur schnuckelig-bösen Baronin ist äußerst gelungen. Die vielseitige Sängerin wird ab Juli als Hotelbesitzerin Schlumberger in der Zirkusprinzessin zu sehen sein.

Frank Berg war ein sehr liebenswerter Großvater Potts und Markus Meyer verlieh dem Kinderfänger etwas Dämonisches, das mir Schauer über den Rücken liefen lies. Eigentlich müsste man wirklich jeden Einzelnen erwähnen, es ist ein großartiges Ensemble, das Josef E. Köpplinger für das Stück verpflichtet hat. Der Chor (Einstudierung Jörn Hinnerk Andresen) zeigte mal wieder, wie eigentlich immer, dass er nicht nur Singen, sondern vor allem auch Spielen kann. Das trägt zum Gelingen von Stücken wie diesem maßgeblich bei. Der Kinderchor, bestens vorbereitet von Verena Sarré, ist sicherlich einer der Besten in Deutschland. Auch das Ballett schien Spaß zu haben, das Publikum hatte ihn sicherlich. Last but not Least zeigte das Orchester unter dem 1. Kapellmeister Michael Brandstätter seine Wandlungsfähigkeit und trug dazu bei, dass dieser Abend ein ganz großer wurde.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Ich bin jetzt noch heiser vom vielen Bravo rufen, die Zuschauer im ausverkauften Prinzregententheater sprangen wie ein Mann auf, nachdem der Vorhang sich geschlossen hatte und der Applaus wollte schier nicht enden. Selten habe ich so großen Jubel gehört und noch seltener habe ich aus vollem Herzen mitgemacht. Danke für diesen großartigen Abend an ein großartiges Staatstheater!

Kontinentale Erstaufführung

Musik und Gesangstexte von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman, für die Bühne bearbeitet von Jeremy Sams und Ray Roderick, basierend auf dem gleichnamigen MGM-Film, Deutsch von Frank Thannhäuser Dauer ca 2 Stunden und 40 Minuten

Musikalische Leitung Michael Brandstätter, Regie Josef E. Köpplinger, Choreografie Ricarda Regina Ludigkeit, Bühne Judith Leikauf, Karl Fehringer, Kostüme Alfred Mayerhofer, Licht Michael Heidinger, Dramaturgie Michael Otto

Caractacus Potts Peter Lesiak, Truly Scrumptious Nadine Zeintl, Großvater Potts Frank Berg, Baron Bomburst Erwin Windegger, Baronin Bomburst Sigrid Hauser, Der Kinderfänger Markus Meyer, Jeremy Potts Marinus Hohmann, Jemima Potts Amelie Spielmann, Boris David Jakobs, Goran Hannes Muik, Lord Scrumptious / Ausrufer u.a. Alexander Franzen, Der Spielzeugmacher / Bill Coggins u.a. Frank Winkels, Truthahnzüchter Patrick A. Stamme, Schrotthändler / Hauptmann / Sidney Andreas Goebel, Violet Evita Komp, Edison / Soldat Nicola Gravante, Miss Phillips Susanne Seimel, Erfinder Alexander Franzen, Carl van Wegberg, Patrick A. Stamme, Peter Neustifter, Jörn Linnenbröker, Christian Schleinzer, Ensemble Carl van Wegberg, Kerstin Ibald, Patrick A. Stamme, Peter Neustifter, Andreas Goebel, Evita Komp, Jörn Linnenbröker, Corinna Ellwanger, Nicola Gravante, Katharina Lochmann, Christian Schleinzer, Susanne Seimel, Chor, Kinderchor und Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Weitere Vorstellungstermine
Mi. 30. April 2014 19.30 Uhr, Fr. 2. Mai 2014 19.30 Uhr*, So. 4. Mai 2014 18.00 Uhr*, Di. 6. Mai 2014 19.30 Uhr, Do. 8. Mai 2014 19.30 Uhr, Sa. 10. Mai 2014 19.30 Uhr*, Mo. 12. Mai 2014 19.30 Uhr, Mi. 14. Mai 2014 19.30 Uhr, Fr. 16. Mai 2014 19.30 Uhr*, Sa. 17. Mai 2014 19.30 Uhr*, So. 18. Mai 2014 18.00 Uhr* * KiJu-Vorstellung Altersempfehlung ab 6 Jahren

Weitere Vorstellungen im September 2014

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