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Media Vita

Media Vita…

Der wohlvorbereitende Kunstbesucher informiert sich natürlich über die handelnden Personen, die ihn diesmal begeistern sollen. Dafür greift er meist auf die geschönten, knappen Kurzbiographien der Programmhefte zurück. Besser er fliegt darüber, da gerade bei Sängern das immer gleiche Aufzählen der üblichen Partien und Häuser selten neue Erkenntnisse liefert. Das Geburtsdatum gerade der Damen ohnehin nicht, weshalb meist in der Nachbereitung Wikipedia ein respektvolles Nicken oder erschrecktes Zusammenzucken aufgrund von Erhalt oder Niedergang eines Jahrgangs nachreicht.
Tiefstapelei wird bei diesen kurzen Werbetexten der Künstler nicht gerade betrieben. Verständlicherweise. Es kann jedoch sehr schnell ins andere Extrem und Übel umschlagen.
Ein sägender, knödelnder, schmerzender Quasitenor einer besseren Schulaufführung ließ sich auf einer Provinzbühne scheiternd doch tatsächlich als einer der „erfolgreichsten Tenöre unserer Zeit“ betiteln. In welchen Zeiten leben wir? Der Enthusiast dachte, die Zehn, die dieses Attribut verdienen, zu kennen und dieser Brülltamix gehörte nun wirklich nicht dazu. „Auf der ganzen Welt zu Hause“ schien dieser Unmusikvagabund zudem. Was nur bedeuten kann, dass er aus einigen Städten mit ziemlicher Sicherheit von einem heugabelschwingenden Mob an die Landesgrenze begleitet wurde. Von Einbürgerung keine Rede. Der Enthusiast hätte sich nach der Bildnisarie den Anschlussflugsverstärkern angeschlossen.
Dann schreibt man da gerne: Sang den Manrico in New York. Ob mit einem Hut im Central Park oder beim Veteranentreffen in einem Queenser Altenheim steht da freilich nicht. Auch gelesen: Gewinner des Gesangswettbewerbs auf Burg Hinterfels in Chur. Der Enthusiast würde zu gerne so manchen Juryvorstand oder tauben Grafenmäzen einmal kennenlernen, der, um die Burg zu erhalten, mit Preisen um sich wirft, die nur Schaden anrichten, da sie mittelmäßige Sänger mit zu viel Courage ausstatten. Kammersänger der freien Republik Murxsistan wäre da noch ein schöner Titelkauf, oder „sang den fünften Raben im Krabatmusicalsommer am Plattensee“, „begeistert an allen wichtigen Kiosken Südeuropas“ vielleicht? Der Enthusiast driftet ab.
media vita in morte sumus, wie der animus ardor und andere Lateiner wissen. Wenn aber die Vita der einzige mediokre Mittelpunkt eines Künstlerschaffens bleibt, dann stirbt nicht nur das Publikum am schiefen Tenorschrei, sondern dann stirbt auch die Kunst mitten in der Mittelmäßigkeit, die sich auf die Werbeformulierung des eigenen Scheins konzentriert, anstatt Kunst zu sein und ein Sein zu bedeuten. Denn auch die Vita kann schnell der Tod des Rufes sein.
finis aut exitus.

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Vorankündigung: Musicalgala Starke Kids, 01.06.2014 17 Uhr, Alte Kongresshalle

Die Sarré Musikprojekte sind bekannt dafür, Opern oder Musicals mit Kindern in den Hauptrollen erfolgreich auf die Bühne zu bringen. Jetzt studieren sie erstmals ein Konzert mit einem Thema zum Tag des Kindes am 01.06. ein. Es geht um Mobbing.

Nicht nur Erwachsene sich davon betroffen, auch Kinder und Jugendliche leiden darunter. Hier setzt das Projekt an. Beim Mobbing kann man drei Gruppen unterscheiden: Täter, Opfer und Mitmacher. Insbesondere die Mitmacher will Verena Sarré herausholen, durch Bühnenpräsenz eine starke Persönlichkeit herausbilden, die Nein sagen und sich auf die Seite der Opfer stellen kann. Neue Dimensionen erfährt das Thema Mobbing durch die Verlagerung in die sogenannten Social Media.

Etwa 30% der Kinder, die dann auf der Bühne stehen, kommen aus benachteiligten Familien. Es sind die unterschiedlichsten Schularten vertreten, so dass ein breites Spannungsspektrum vertreten ist.

Die Idee zu den Abend und das Konzept dafür stammt von der bekannten Regisseurin Julia Riegel, die neben Regieaufträgen für große Häuser auch immer wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Die Kinder konnten ihre Ideen miteinbringen, es mussten alle Mitwirkenden etwas zum Thema beitragen, egal in welcher Form. Diese Beiträge sind dann in den Abend geflossen und spiegeln sich in der Auswahl der Stücke und der Choreografie wieder.

Dafür schaffte es Verena Sarré, den renommierten Choreografen Alan Brooks zu gewinnen. Ich konnte bei einem Probenbesuch beobachten, wie sehr er auf die Acht- bis Zwanzigjährigen eingeht. Er schafft es, die Kinder zu Motivieren und zu Stärken, ohne sie zu überfordern. Er berücksichtigt wunderbar auf die spezifischen Belange von Kindern und Jugendlichen, schafft es dabei aber gleichzeitig, die notwendige Disziplin aufrechtzuerhalten.

16 Stücke wurden unter der Leitung von Verena Sarré einstudiert. Die Kindern werden von den renommierten Solisten  Volker Bengel und Iva Mihanovic, die kurzfristig für ihre erkrankte Kollegin eingesprungen ist, unterstützt. Am Klavier werden die Akteure von Liviu Petcu und Martin Steinlein begleitet.  Der Abend wird durch Videoinstallationen ergänzt.

Man darf auf einen kurzweiligen, aber dennoch unter die Haut gehenden Abend gespannt sein.

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Lesungen und Tango Criminale, 24.05.2014, Programmkino Casablanca und Tafelhalle Nürnberg

Petra Busch Der für mich letzte Tag der Criminale 2014 begann mit einer Lesung im Programmkino Casablanca, dem ältesten seiner Art in Nürnberg. Nachdem der vorherige Betreiber es aufgeben wollte, übernahm vor fünf Jahren ein Verein den Betrieb des Kinos. Mittlerweile verfügt man über drei Kinosäle, neue Bestuhlung und ab Herbst kann man sogar Filme in 3D zeigen.

Als erste las Petra Busch aus ihrem letzten Thriller Zeig mir den Tod. Mit klug ausgewählten Passagen und sehr ausdrucksstarker Stimme machte die Glauser-Preisträgerin (bestes Debüt 2011) Lust auf mehr. Im Anschluss las Petra Mattfeld, die bisher unter dem Pseudonym Caren Benedikt historische Romane veröffentlicht hat, aus ihrem ersten Kriminalroman Sekundentod. In diesem dramatischen Roman wird eine Autorin ermordet und zwar nach einer Mordmethode, die sie selbst in ihrem letzten, noch unveröffentlichten Buch beschrieben hat. Sehr gruselig. Den Abschluss bildete Nessa Altura, die erste Glauserpreisterägerin in der Sparte Kurzgeschichte, mit Jebrüder Behneken, die passenderweise in einem Kino in Berlin spielt.

Im Anschluss entspann sich eine rege Diskussion über die Art und Weise, wie die einzelnen Autorinnen an ihre Geschichten herangehen, die beste Art, sie anschliessend gedruckt zu bekommen und den Unterschied zwischen Romanen und Kurzgeschichten. Ein sehr informativer Nachmittag, der einen guten Einblick in das Leben und die unterschiedliche Arbeitsweise der drei Autorinnen gab.

Den Höhepunkt jeder Criminale bildet zweifelsohne der Tango Criminale mit der Verleihung des Hansjörg-Martin-Preises und des Freidrich-Glauser-Preises in verschiedenen Sparten. Die Moderation der Veranstaltung in der nicht optimalen Tafelhalle in Nürnberg lag in den bewährten Händen von Ralf Kramp. Er führte locker, schlagfertig und witzig durchs Programm und schoss den sicher weltgrößten Selfie. Er ist eine Bereicherung für jede Veranstaltung und so waren es sehr kurzweilige Stunden. Musikalisch umrahmt wurde der Abend und die darauf folgende Party von The Ballroomshakers. Warum sie so heißen, wurde spätestens nach dem ersten Lied klar: der Bass dröhnte, dass man die Resonanz deutlich spüren konnte. Die Sängerin hatte eine geile Röhre und auch die Saxofonistin war spitze. Eine gute Wahl der Veranstalter.

Der neugewählte zweite Bürgermeister der Stadt Nürnberg Christian Vogel hielt eine sehr launige Rede – gerade mal seine 14. im Amt. Befragt nach seiner letzten Straftat, bekannte er, vor 10 Minuten im Halteverbot geparkt zu haben. Na wenn das mal kein Knöllchen gab.

Die erste Preisverleihung des Abends war der Hansjörg-Martin-Preis für das beste Jugendbuch. Die Laudatio wurde durch die Kinderjury gehalten und diese hat vielleicht die bemerkenswertesten Worte des Abends gesagt. Ein Mädchen meinte, an die Verlage gewandt, man wolle keine pinken Cover, man wolle keine Bücher nur für Mädchen oder Jungs. Und keine Frauen mit abgeschnittenen Köpfen, fügte ich in Gedanken hinzu. Und keine -in-Romane. Und, und, und. Die Verlage dürfen den Lesern durchaus etwas Intelligenz zutrauen. In die gleiche Kerbe schlug auch ein Junge, als er anmerkte, die Verlage mögen doch bitte nicht am falschen Ende sparen und Bücher mit einem schlechten Lektorat auf den Markt bringen. Wahre Worte. Gewonnen hat den Preis dann schließlich Alice Gabathuler für No_Way_Out.

In der Sparte Bester Debüt-Kriminalroman konnte Harald Gilbers mit Germania unter 63 Einsendungen die Jury überzeugen. Der kurze Ausschnitt, der von dem Schauspieler Stefan Willi Wang gelesen wurde, klang interessant. Ein jüdischer Kommissar muss sich im Berlin der Nazizeit auf die Suche nach einem grausamen Frauenmörder machen. Dabei steht nicht nur das Leben der Frauen, sondern auch sein eigenes auf dem Spiel.

Sehr zur Erheiterung trug das Ukulele Orchestra of German Crime Writers bei. Egal, ob sie 6 Monate oder nur eine halbe Stunde geprobt hatten, das Ergebnis war beachtlich. Der Saal tobte und hätte eigentlich gerne noch eine Zugabe gesehen.

Zum besten Kurzkrimi wurde durch die prominent besetzte Jury die Geschichte Auf deine Lider senk ich Schlummer von Alexander Pfeiffer aus der Anthologie Küche, Diele, Mord gekürt. Die ausgezeichnete Laudatio von Judith Merchant brachte sehr gut rüber, wie die Jury zu diesem Ergebnis kam.

 

Michael Theurillat, der Glauser-Preisträger in der Sparte bester Roman von 2012, hielt schließlich die Laudatio auf den besten Roman, Die Deutschlehrerin von Judith Taschler. Die Autorin freute sich hörbar und hielt eine witzige Dankesrede, anscheinend würden die Österreicher jetzt alles gewinnen und es sei wunderbar, dass sie nach Conchita Wurst sozusagen in der Stadt der Würste gewonnen habe.

Der Ehrenglauser für besondere Verdienste um den Kriminalroman wurde in diesem Jahr dem Verleger Hermann-Josef “Hejo” Emons zuerkannt. Die Laudatio hielt Frank Schätzing der gleich zu Anfang warnte, dass es lang werden würde. Das stimmte dann auch, aber nur, weil Herr Schätzing zwar eloquent, aber hauptsächlich über sich selbst sprach. Irgendwas muss er da missverstanden haben. Der Verleger freute sich sichtlich, lies aber im Gegensatz zu seinem Laudator erkennen, dass er ein bescheidener Mann ist.

Eine sehr schöne Veranstaltung, die die Vielfalt der im Syndikat organisierten Autoren gezeigt hat und ein würdiger Rahmen für die Verleihung des größten deutschen Krimipreises war.

 

 

 

 

 

 

 

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Lesungen Criminale, 23.05.2014, Nürnberg und Feuchtwangen

imageDas Schöne an der Criminale ist für mich, dass man eine unglaubliche Vielfalt geboten und neue Leseanregungen bekommt und das in einer Konzentration, die wirklich seinesgleichen sucht.
Die erste Lesung des Tages fand für mich im historischen Henkerhaus in Nürnberg statt. Das war früher die Wohnung des Henkers und ist die einzige bebaute Brücke über die Pegnitz. Da das Haus entlang der ehemaligen Stadtmauer liegt, ist es eher langgestreckt und damit als Lesungsort eine Herausforderung. Wir sassen sozusagen den Autoren auf dem Schoß.
Den Anfang machte Veit Müller, der aus seinem im Herbst erscheinenden Roman Tod am Kreuzweg las. Dies ist der fünfte Band in seiner Reihe um den Lokaljournalisten Luka Blum. Myriane Angelowski widmet sich in ihrem Roman Finkenmoor der Frage nach Strafe und Gerechtigkeit und las daraus ein paar sehr packende Passagen, die Opfer, Täter und Angehörige vorstellten.
Sybille Baecker hat mit Das Recht zu töten einen Roman aus Täterinnensicht vorgelegt. An ihrem Titel entspann sich eine rege Diskussion um die Einflussmöglichkeiten von Autoren auf das Cover und den Titel eines Romanes. Hier zeigte es sich, dass das von Verlag zu Verlag unterschiedlich ist. Auch die Frage, ob die Autoren denn am Anfang schon wüssten, wie der Roman ausgeht, wurde unterschiedlich beantwortet. Manche Autoren haben schon von Anfang an ein festes Gerüst, an dem sie entlangschreiben und bei anderen entwickeln die Figuren ein Eigenleben und es geht plötzlich anders aus als geplant.
imageDer Nachmittag war sehr kurzweilig und die Autoren nahmen sich im Anschluss noch Zeit, ihre Bücher zu signieren und weitere Fragen zu beantworten.
Am Abend ging es dann ins 90 Kilometer entfernte Feuchtwangen, denn nicht nur in Nürnberg und Fürth fanden Lesungen statt. Insgesamt 18 Städte und Gemeinden in der Metropolregion Nürnberg wurden im letzten Jahr von Autoren besucht, die dann eine Kurzgeschichte für die Criminale-Anthologie Nicht nur der Hund begraben schrieben.
Der Abend fand im Sängermuseum statt, dem deutschlandweit einzigem Museum, dass sich mit dem Chorwesen beschäftigt. In einer interessanten Ausstellung wird das Chorwesen in seiner Wandlung von 1809 bis in die Gegenwart dargestellt.
Dazu gibt es spannende Geschichten, wie zum Beispiel, dass Frauen erst gegen 1900 an den Liedertafeln teilnehmen durften, davor aber durchaus ihren abwesenden Männern den Platz freihalten durften. Auf großformatigen Fotos wurden die Männerchöre dargestellt, verstarb einer, wurde sein Kopf ausgeschnitten und durch den seines Nachfolgers ersetzt.
Ein Archiv, das aus Notenmaterial, Fahnen und sonstigen Gegenständen aus dem Besitz von Sammlern und aufgelösten Gesangsvereinen stammt, bietet Möglichkeiten zur Forschung. Ein interessantes kleines Museum, in dem sich eine Führung lohnt.
Der Abend begann mit einer launigen Begrüßung des Bürgermeisters Patrick Ruh. Musikalisch sehr schön umrahmt wurde die Lesung von den jungen Musikern Thomas Hähnlein am Saxofon und Philipp Schiepek an der Gitarre.
imageIm ersten Teil lasen Nina George und Jo Kramer aus ihrem Provence-Krimi Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. In freier Rede stellten sie die beiden Protagonisten Zadira Matéo, eine Polizistin, die von Marseille in das Kaff Mazan strafversetzt wird, und Commissaire Mazan, einen streunenden Kater, der detektivische Fähigkeiten entwickelt, vor.
Nina George hatte in ihrer Vorstellung erwähnt, dass sie eigentlich Schauspielerin werden wollte, aber man ihr nach den Vorsprechen geraten habe, einen anderen Beruf zu ergreifen. Wenn man allerdings einmal ihre Darstellung des Hundes Artus bei den Lesungen gesehen hat, zweifelt man an der Urteilsfähigkeit der damaligen Juroren. An ihr ist mit Sicherheit eine gute Schauspielerin verloren gegangen.
In zwei Ausschnitten und in insgesamt neun verschiedenen Rollen machte das Autorenehepaar Lust auf ihren spannenden Krimi.
Nach der Pause lasen die beiden dann ebenfalls mit verteilten Rollen Nina Georges Geschichte für die Anthologie Romeo und Julia kamen nur bis Feuchtwangen. Geschickt webt sie Lokalkolorit in eine spannende Geschichte mit einem überraschenden Ende ein. Das Publikum war begeistert und lies die beiden erst nach langem Applaus gehen.
Ein wunderbarer Abend in einem schönen Ambiente.

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Lesungen Criminale 2014, 22.05.2014, Nürnberg und Fürth

imageDas Schlimme an der Criminale ist, dass man sich eigentlich vierteilen müsste, weil es so viele interessante Termine gibt. Das Wunderbare an der Criminale ist, dass man sich eigentlich vierteilen müsste, weil es so viele interessante Termine gibt.

Erste Anlaufstelle war das Galeriehaus Nord in Nürnberg, wo es an diesem Nachmittag um Kaffee, Kunst und Korruption gehen sollte. Für den Kaffee war es allerdings zu heiß, blieben Kunst und Korruption. Das erste war nicht nur in den Büchern, aus denen gelesen wurde, präsent, sondern auch an den Wänden: zur Zeit läuft im Galeriehaus Nord die Ausstellung Nachtabsenkung mit Bildern von Mathias Otto. Die Bilder passten hervorragend zu den Krimis, zeigten sie doch die dunkle Seite der Welt.

Als erstes las Eva Ehley aus ihrem vierten Sylt-Krimi Mörder weinen, in dem es um die Ermordung eines Galeristen geht. In Kurschattenerbe versetzte Sigrid Neureiter das Publikum nach Meran und weckte die Neugier auf Oswald von Wolkenstein. Ihre Hobbydetektivin Jenny Sommer macht sich auf die Suche nach einem verschwundenen Professor.

Als Letzter las schliesslich Bernhard Aichner, der mich ja gestern schon mit seiner Kurzgeschichte Dürers Hase begeistert hat. Bemerkenswert ist, dass bereits in seinem 2006 erschienenen Roman Nur Blau, der von der Obsession eines Mannes mit Bildern von Yves Klein handelt, seine einzigartige Erzählstimme erkennbar ist, die seinen neuesten Roman Totenfrau so genial macht. image

Im Thalia-Buchhaus CAMPE in der Nürnberger Fußgängerzone las am frühen Abend Elisabeth Herrmann aus ihrem Bestseller Versunkene GräberIch hatte ja schon in Leipzig daraus eine Lesung gehört,  aber sie las noch mal andere Textstellen, so dass die Stunde eigentlich viel zu kurz für diesen spannenden Roman war.

Zum Abschluß ging es dann noch nach Fürth, wo im Bühlers ebenfalls Kunst und Literatur verlinkt wurden. Die Räume der Galeristin und Sammlerin Sabine Pillenstein bildeten einen fantastischen Rahmen für einen gelungenen Abend. Dort sind zur Zeit die Bilder von Katrin Heichel, einer Meisterschülerin von Neo Rauch, in einer Ausstellung unter dem Titel Die Nacht zu sehen. Es gab nicht nur Literatur und Kunst, sondern auch Häppchen, Wein und die Möglichkeit, mit allen an diesem Abend in Fürth lesenden Autoren ins Gespräch zu kommen, ein wirklich gelungener Abend.

Den Auftakt bildete Ingrid Schmitz mit ihrem vierten Kriminalroman Liebeskiller.  Dieser ist gerade erst erschienen, so dass es sich bei der Lesung sogar um die Buchpremiere handelte. Leider war es ein bisschen schwierig, die einzelnen Stimmen auseinanderzuhalten, aber der Anfang klang schon mal spannend. Wolfgang Polifka stellte seinen Roman Die Rosenberg-Pergamente vor, der in Kronach spielt. Die Autoren stellten sich jeweils gegenseitig vor und seine einleitenden Worte für das Autorenehepaar Jean Bagnol waren wirklich der Kracher. image

Hinter Jean Bagnol verbergen sich Nina George und Jo Kramer, die auch mit ihren Soloprojekten erfolgreich sind. Sie lasen aus der Anthologie Auf leisen Sohlen kommt der Tod ihre Kurzgeschichte Der Heiratsschwindler. Mit verteilten Rollen, unglaublich witzig und charmant, machten sie Lust auf diese Geschichte und auf ihren Roman Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Sicherlich einer der Höhepunkte dieser Criminale.

Der Tag, angefüllt mit neuen Eindrücken und Anregungen für mindestens ein halbes Jahr Lesestoff, klang noch an der Criminalebar aus, wo das Publikum Gelegenheit hat, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen.

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Criminale 2014 – Eröffnung, 21.05.2014, Stadttheater Fürth

imageGibt es einen schöneren Rahmen für die Eröffnung der Criminale 2014 als das Stadttheater Fürth? Wohl kaum.

Angela Eßer ist spontan, witzig und klug, die besten Voraussetzungen, um einen Abend wie diesen kurzweilig zu moderieren. Ob es die schicken Swingschnitten waren, die für die musikalische Untermalung sorgten und mit ihrem Namen schon so manchen Moderator in die Verzweiflung getrieben haben dürften, der Tipp an alle Ehefrauen, den lästigen Mann doch ja von vorne zu ermorden, sonst wäre es ja Heimtücke oder die Gebrauchsanweisung für verirrte Autoren war, sie hatte für jede vorhergesehene und unvorhergesehene Situation einen lockeren Spruch auf Lager und brachte das Publikum nicht nur einmal zum Lachen.

Sie begrüßte die Ehrengäste und Sponsoren, führte witzige Interviews mit der Leiterin des Fürther Kulturamtes und dem hiesigen Oberbürgermeister, mit Preisträgern, Autoren, Vortragenden und animierte das Publikum zum Singen. Eine bessere Moderatorin hätte man sich wirklich nicht wünschen können.

Die reine Frauenband Die schicken Swingschnitten umrahmten den Abend mit einem extra einstudierten Programm musikalisch. Das gelang ganz gut, auch wenn sie am Ende einen etwas bizarren Auftritt hinlegten, im Verlaufe dessen die Sängerin als Leiche von der Bühne geschleift wurde. image

Im ersten Teil trugen Bernhard Aichner für Nürnberg und Sunil Mann für Fürth ihre Geschichten für die Criminale-Anthologie Nicht nur der Hund begraben teilweise vor, natürlich nur bis zu einem Punkt, an dem man einfach weiterlesen muss – und sich dann wohl das Buch zulegen muss. Bernhard Aichner erzählt in Dürers Hase die Geschichte des Zuhälters Albrecht Dürer und zwar aus der Sicht einer Frau – absolut packend und einfühlsam. Sunil Mann wiederum versetzte sich in Winterkalt – vermutlich – in einen Auftragskiller, der  einen 83-jährigen erledigen soll.

Im zweiten Teil wurde dann zum 3. Mal der Fränkische Krimipreis für Nachwuchsautoren verliehen, der von den Nürnberger Nachrichten und vom ars vivendi Verlag ausgeschrieben wurde. Es wurden 128 Geschichten eingereicht, der jüngste Teilnehmer war 14, der älteste 83. Die Vorgabe war, dass die Geschichte in Franken spielen muss und der Autor noch keine eigenständige Veröffentlichung haben darf. Eine Jujorin äußerte sich in meinen Augen abfällig über die Geschichten, was angesichts der Qualität des Ausschnitts aus den beiden vorgetragenen verwunderlich war. Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Fränkischen Krimipreis geben.image

Den Publikumspreis konnte Susanne Reiche mit Der Tod des Baulöwen erringen, der gleichzeitig von der Jury auf den dritten Platz gewählt wurde. Eine Geschichte, die in Nürnberg spielt und offensichtlich voller Anspielungen steckte, da es im Publikum immer wieder Heiterkeitsausbrüche gab.  Den zweiten Platz belegte Barbara Dicker mit Steuber im Sturm, der Laudatio nach ein gelungenes Schelmenstück. Den ersten Platz sicherte sich Theobald Fuchs mit Der Tote im Wehr. Auch hier versprach der Anfang ein starkes Krimivergnügen. Alle drei Geschichten sind im fünften Band von Mörderisches Franken erschienen.

Ein gelungener Auftakt für ein spannendes Krimifestival in einer spannenden Region.

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Die DeLiA-Liebesromantage 2014 in Büsum

imageZugegeben, Büsum ist nicht gleich um die Ecke, aber die lange Fahrt dahin wurde mit einem wundervollen Wochenende belohnt. Besonders meine herzliche Aufnahme durch die Teilnehmerinnen hat die Tage zu etwas Besonderem gemacht.

Da ist zum einen der Ort selbst. Büsum hat ca 4800 Einwohner und durchschnittlich 16000 Touristen. Das ist für so ein großes Literaturevent wie die DeLiA-Liebesromantage schon eher klein, aber was der Ort auf die Beine gestellt hatte, konnte sich sehen lassen. Alle großen Publikumsveranstaltungen wurden im Gäste- und Veranstaltungszentrum abgehalten, das immerhin 300 Personen Platz bot für die große Gala mit Preisverleihung am Samstag Abend. Dazu kommt noch, dass der Ort wirklich ganz wunderbar am Wattenmeer liegt und die Zeit zwischen den einzelnen Veranstaltungen gestalteten sich so sehr erholsam.image

Offiziell los ging es für mich mit der langen Lesenacht am Freitag Abend. Moderiert wurde dieser Abend von Andrea Reichart, die die einzelnen Autorinnen und ihre jeweiligen Werke vorstellte. Zwischen den einzelnen Lesblöcken gab es immer wieder Pausen, in denen man am gut bestückten Büchertisch stöbern konnte oder mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen konnte. Der Abend begann mit Elisabeth Büchle, die aus dem dritten Band Hoffnung eines neuen Tages ihrer damit vollendeten 1.-Weltkriegs-Trilogie las. Patricia Mennen entführte anschließend in das Indien des 19. Jahrhunderts mit einer spannenden Passage aus ihrem neuesten Roman Im Land der sieben Schwestern, der den Auftakt zu einer Trilogie bildet.

Im zweiten Block las Kerstin Gier in ihrer unnachahmlichen und natürlichen Art ebenfalls aus einem Auftaktband zur einer Trilogie, Silber – das 1. Buch der Träume, bevor Angelika Schwarzhuber das Publikum mit Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück auf witzige Weise das Publikum ins tiefste Bayern entführte. Am Ende dieses kurzweiligen Abends stellte Tania Krätschmar noch ihren Roman Eva und die Apfelfrauen vor sowie das erfolgreiche Autorenehepaar Iny und Elmar Lorentz den zweiten Teil ihrer Mexiko-Auswanderersaga Der weiße Stern. Eine sehr gelungene Veranstaltung, die die Vielfalt der in der Autorenvereinigung DeLiA vertretenen Schriftsteller repräsentierte.

Weiter ging es am Samstag Vormittag mit der Preisverleihung im Kurzgeschichten Wettbewerb. Hier gab es zwei verschiedene Ausschreibungen, einmal für Schüler der Jahrgangsstufen 8 -10 und 11 – 13, die in Zusammenarbeit mit einer Schule vor Ort durchgeführt wurde, und einmal eine für Erwachsene, die im gesamten deutschsprachigen Raum durchgeführt wurde. DeLiA-Präsidentin Rebecca Michèle erläuterte, dass die Jugendförderung ein erklärtes Ziel der Organisation sei und es gar nicht so einfach ist, eine gute Kurzgeschichte zu schreiben. Sie selbst würde lieber Romane mit 700 Seiten abliefern. Die Vorsitzende der Jugendjury wie auch der Bürgermeister Maik Schwartau und der Vertreter der Sparkasse  betonten die Qualität der eingereichten Kurzgeschichten der Schüler, zeigten sich aber gleichzeitig betroffen darüber, dass das Thema “Wellen” sehr viele depressive Geschichten hervorbrachte. Die Gewinnergeschichten, Wellen der Erinnerung von Marieke Bühl in der Jahrgangsstufe 8-10 sowie Die Kraft eines Geistes von Timo Stecker, wurden von den beiden vorgetragen und hatten hohes literarisches Niveau. Von beiden wird man sicher hören, wenn sie eine literarische Laufbahn einschlagen.

Der Kurzgeschichtenwettbewerb für Erwachsene hatte das etwas weiter gefasste Thema “Büsum oder Nordsee” und handelten nach Aussage der Jury ebenfalls viel von unglücklicher Liebe und es gab wenige Happy Ends. bei allen drei prämierten Geschichten sei man sich einig  gewesen. Es wurden 56 Geschichten eingereicht, die den Kriterien entsprachen. Den 3. Platz belegte Verena Jenner mit Eine zweite Chance, auf den 2. Platz kam Felicita Brandt mit Spuren im Sand und zur Siegerin wurde Leonie Lastella gekürt mit der sehr feinen Kurzgeschichte Tropfen auf unserer Haut.  Der kurzweilige Vormittag endete mit der musikalischen Umrahmung der Kurband.

imageHöhepunkt war dann die Gala am Samstag Abend zur Verleihung des DeLiA-Literaturpreises für den besten Liebesroman 2013. Die Moderation lag wieder in den bewährten Händen von Andrea Reichart, die souverän und kurzweilig durch den Abend führte. Sie nutzte die Gelegenheit, die Geschichte und die Ziele von DeLiA den zahlreich erschienenem Publikum vorzustellen. Die Autorenvereinigung DeLiA wurde 2003 von 12 Autorinnen gegründet und zählt mittlerweile fast 200 Mitglieder. Sie widmet sich genreübergreifend der Förderung des deutschsprachigen Liebesromans. Denn: ohne Liebe ist alles nichts!

2004 wurden 36 Romane für den DeLiA-Literaturpreis eingereicht,  für dieses Jahr schlugen 74 Verlage Romane vor, von denen 195 zugelassen wurden. Und das sind die Romane, die es bis auf die Shortlist geschafft haben:

Doch bevor es zur Preisverleihung ging, wurde erst das Lovely Cover prämiert. Dieses Jahr erhielt Micaela Jary und ihr Roman Das Bild der Erinnerung den begehrten Publikumspreis.

Schliesslich wurde der dritte Platz bekannt gegeben: er ging an René Freund und Liebe unter Fischen. 

Die Meinung der Jury (bestehend aus Stefanie Gerstenberger, Katrin Müller, Cosima B. Quirini, Britt Reissmann und Vorsitzende Petra Schier):

Dem Autor gelingt es auf herausragende Weise, das Besondere im Alltäglichen greifbar zu machen. Seine Liebesgeschichte ist mit Humor gewürzt, und sein Held mit all seinen Fehlern und Macken sympathisch und liebeswert. Ein Lesegenuss.

Der zweite Platz ging an Philipp Andersen und Miriam Bach für ihren bewegenden Roman Warte auf mich.

Die Meinung der Jury:

Die Geschichte einer Affäre zwischen einem älteren Schriftsteller und einer jungen Kollegin, die zu einer Liebesbeziehung wird, ist von der ersten Zeile an packend geschrieben. Durch die abwechselnde Sicht der beiden Hauptfiguren, taucht man als Leser in die unterschiedliche männliche und weibliche Welt der Gefühle ein. Man meint diese Welt der Verliebtheit, die zu Liebe wird, der Zwänge, der mutigen Vorstöße und der verwirrten Rückzieher, zu kennen, und wird doch von der unprätentiösen, klaren und gleichzeitig sehr sinnlichen Erzählweise und dem Ende überrascht.

Der erstplatzierte Roman war wie im letzten Jahr ein Jugendbuch, Julie Leuze und Der Geschmack von Sommerregen.

Die Meinung der Jury:

Sophie und Matti verlieben sich ineinander, doch bevor sie miteinander glücklich werden, muss Sophie noch einiges über sich, ihre Familie und ihr geheimnisvolles Farben-Sehen lernen. Endlich mal ein Jugendbuch, das auf spannende und wunderschöne Weise die erste Liebe und den ersten Sex beschreibt, dabei aber das alberne Augenzwinkern und die gewollt coole Jugendsprache weglässt. In Julie Leuzes klischeebefreiten Charakteren kann man sich mühelos wieder finden, auch wenn man schon ein bisschen älter ist.

Im Anschluß an die Preisverleihung wurde noch bis spät in die Nacht gefeiert. Eine sehr schöne und gut organisierte Gala!

Natürlich gab es nicht nur die hier aufgeführten Veranstaltungen. Darüber hinaus gab es Schullesungen, Workshops, ein Werkstattgespräch und eine Signierstunde. Es war also wirklich viel geboten für das zahlreiche Publikum. Die nächsten DeLiA-Literaturtage finden vom 28.05. – 31.05.15 in Sulzbach im Saarland statt. Literaturbegeisterte sollten sich diesen Termin schon ganz dick im Kalender anstreichen.

 

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Die liebe Werbung

Die liebe Werbung

Keine Sorge geneigter Leser, es folgt kein Werbeblock, sondern ein Blog über das Werden des Werbens, das Herstellen des Konsumgutes Werbung.
Eine Szene aus Coppolas Lost in translation mit Bill Murray verdeutlicht den Wahnsinn Werbung wunderbar: Der gealterte Star bekommt als Werbeträger für Whiskey, der filmisch durch Eistee gedoubelt wird, genaueste Instruktionen, um das Produkt sexy, attraktiv, relaxing und sophisticated wirken zu lassen. Murray versteht davon nichts, doch der japanische Regisseur redet auf ihn ein, während allerlei Hände an ihm herumnesteln. Der genervte und verwirrte Schauspieler spult seine Grimassen ab und die Branche ist zufrieden.
Aus meiner eigenen Erfahrung mit der lieben Werbung kann ich diese Szene mittlerweile verstehen. In der Realität wird die Satire an Aufwand oft noch übertroffen. Bis in die kleinsten Parts werden zielgruppenorientierte Castings abgehalten, um alles Werbewirksame abzudecken. En détail werden Abläufe strategisch vorausgeplant, jede körperliche Variante vorausgedacht und der werbespielende Schauspieler genauestens inspiziert.
Wird man dann genommen, kann es passieren, dass man auf einem Riesenset vor einem Team steht, das keiner deutschen Serie und selbst nur wenigen Spielfilmen zur Verfügung steht. Diese Werbeerotiker betreiben dann eine finanzkräftige Perfektion, die ihresgleichen sucht und eben doch noch eine Form seltsamer Kunst sein soll.
„Was brauchst du? Gib mir mehr Verbindlichkeit! Lad mich mit deinem Blick zum Chinesen ein! Ja, genau, mehr und keine Zähne, ja grinsen.“
Ich schaute dann etwa eine Stunde – nun ja, verbindlich eben – in die am Kran kreisende Kamera und tat mein Bestes, den Mitarbeiter des Monats zu geben. Das dauerte ewig und zwei Maskenmädchen kümmerten sich um die Verbindlichkeit mit mehr HD-makeup, als die Öffentlichen an einem Tag verbraten. Insgesamt wurden neunzig Sekunden in mehreren Wochen produziert und mit einem Budget ausgestattet, das keinem Abschlussfilm ansteht.
Als das Ergebnis erschien, wunderte ich mich wie Murray ganz unverbindlich. Denn trotz allen verbindenden Lächelns wurde ich unumwunden aber mit vollen Bezügen aus diesem Werbeblock herausgeschnitten.

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Premiere Tschitti Tschitti Bäng Bäng, 30.04.2014, Gärtnerplatztheater (im Prinzregententheater)

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Ein Regisseur hat einen Kindheitstraum und ein ganzes Theater träumt mit ihm. Heraus kommt ein fulminanter Abend, der allen Beteiligten lange im Gedächtnis bleiben wird.

Charmant erzählte Regisseur und Staatsintendant Josef E. Köpplinger bei der Einführung, dass er als Fünfjähriger den Film zum ersten Mal sah und sofort im Anschluss den Besuch einer weiteren Vorstellung durchsetzte, wie, das wollen wir hier nicht verraten 😉 Seitdem hegte er den Wunsch, den Film auf die Bühne zu bringen und 2002 schien sich dieser sich zu erfüllen, als der Musicalfilm von 1968 für die Bühne bearbeitet wurde. Zwölf Jahre hat es gedauert, bis er das Stück endlich für das Gärtnerplatztheater inszenieren durfte. Es war sehr schwierig, die Rechte zu bekommen, schließlich hat es aber doch geklappt. Die kontinental-europäische Erstaufführung ist ein hinreißender Abend geworden, den man wirklich jedem nur empfehlen kann.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Caractacus Potts ist ein Erfinder, der seine zwei Kinder zusammen mit dem Großvater  aufzieht, nachdem die Mutter gestorben ist. Es ist zwar nie viel Geld vorhanden, aber man liebt sich und die Kinder wachsen in einer glücklichen Umgebung auf. Das Herz der Beiden hängt an einem Schrottauto, das nun an einen Alteisenhändler verkauft werden soll. Um seinen Kindern nicht das Herz zu brechen, treibt Caractacus das Geld unter im wahrsten Sinne haarsträubenden Bedingungen auf. Dabei lernt die kleine Familie eine entzückende Frau kennen, die wunderschöne Truly Scrumptious. Abgesehen auf das Auto hat es aber auch der böse Baron Bomburst, der eigentlich immer noch ein Kind ist und immer bessere, größere und schönere Spielzeuge braucht. Was er nicht braucht, ist die Frau Baronin, aber die wird er leider nicht los. Die hat eine Kinderallergie und so gibt es im Reiche Vulgarien, das beide regieren, keine Kinder, es wird ihnen sogar der Garaus gemacht durch einen fiesen Kinderfänger. Der Baron lässt den Großvater entführen, den er irrtümlich für den Erfinder hält und Caractacus, Truly und die Kinder reisen ihnen in inzwischen umgebauten Auto nach. Tschitti Tschitti Bäng Bäng heißt es und kann Schwimmen und sogar Fliegen. Natürlich gibt es ein Happy End, aber erst nach dem die kleine Familie Stärke und Zusammenhalt bewiesen hat.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Josef E. Köpplinger greift in die Vollen, stellt 123 Darsteller auf die Bühne, lässt für die 39 Mann im Orchestergraben von John Owen Edwards eine erweiterte Orchesterfassung arrangieren und beschäftigt 92 Kollegen hinter der Bühne. Der Aufwand ist riesig, aber jede Minute ist es wert. Die Bühne vom bewährten Team Judith Leikauf und Karl Fehringer ist ein Musterbeispiel dafür, wie man auch mit wenig Platz großartige Illusionen erzeugen kann. Es fühlt sich echt an, wie das Auto fährt schwimmt und auch fliegt. Wann hat schon jemals ein technisches Gerät einen Auftrittsapplaus bekommen? In dieser Premiere war das irgendwie selbstverständlich. Es ist wirklich ein technisches Wunderwerk, die Werkstätten des Gärtnerplatztheaters haben wirklich Großartiges vollbracht. Wenn man gehört hat, mit wie viel Leidenschaft der neue Technische Direktor Heiko Pfützner bei der Einführung über das Auto gesprochen hat, kann man vielleicht nachvollziehen, wie viel Herzblut und Arbeit in dieser Produktion steckt.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Die Szene wechselt ständig, die Bühne ist wie gezeichnet, wirklich sehr, sehr schön. Die Techniker an diesem Abend haben wirklich herausragend gearbeitet, jeder Wechsel klappte reibungslos. Bedingt durch die vielen Darsteller und die ständigen Szenenwechseln braucht es natürlich auch viele Kostüme, die Alfred Mayerhofer wirklich zauberhaft entworfen hat. Ungefähr 700 wären es, erzählte er bei der Einführung. Das ist natürlich aufwändig, aber es lohnt sich. Die Choreografie von Ricarda Ludigkeit hat sehr viel Schwung, einer der Höhepunkte des Abends war sicher der Bombie-Samba, im sehr langen Applaus gab es sogar Zugabe-Rufe. Die Melodien gehen selbst Menschen wie mir, die den Film nicht kennen, sofort ins Ohr. Das Publikum folgte atemlos der Handlung, es war bei einer Dauer von 2 Stunden 40 Minuten keine Sekunde weder für das junge Publikum noch für die Erwachsenen langweilig. Die Regie von Josef E. Köpplinger zeigt einmal mehr, wie gut er sich auf das jeweilige Stück einstellen kann, da stimmt jede Geste, da klappten die Slapstickmomente genauso gut wie die etwas ruhigeren, etwa wenn Caractacus seine Kinder ins Bett bringt oder er und Truly sich zum ersten Mal tief in die Augen schauen. Es passiert unglaublich viel auf der Bühne, einmal ansehen ist wirklich zu wenig, man hat immer grad irgendwas verpasst. Ein wirklich toller Abend für alle Generationen. In meiner Begleitung waren drei einer Familie und alle waren begeistert.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Die beiden sehr talentierten Kinder Marinus Hohmann und Amelie Spielmann waren die unbestrittenen Stars des Abends. Sie wirkten sehr natürlich und hatten nicht nur viel zu Singen, sondern auch sonst sehr viel Text und waren sehr präsent auf der Bühne. Peter Lesiak als Caractacus und Nadine Zeintl als Truly sind den Münchner mittlerweile von ihren vorherigen Produktionen ein Begriff und waren ein tolles Paar. Ihre Gegenspieler, Baron und Baronin Bomburst, wurden von Erwin Windegger und Sigrid Hauser verkörpert, die beiden sind ebenfalls keine unbekannten in München mehr. Besonders Sigrid Hauser räumte mit ihrer fabelhaften Darstellung der kinderfeindlichen Baronin im großen Stil ab, die Wandlung von der resoluten Rösslwirtin über die naive Erma in Anything Goes zur schnuckelig-bösen Baronin ist äußerst gelungen. Die vielseitige Sängerin wird ab Juli als Hotelbesitzerin Schlumberger in der Zirkusprinzessin zu sehen sein.

Frank Berg war ein sehr liebenswerter Großvater Potts und Markus Meyer verlieh dem Kinderfänger etwas Dämonisches, das mir Schauer über den Rücken liefen lies. Eigentlich müsste man wirklich jeden Einzelnen erwähnen, es ist ein großartiges Ensemble, das Josef E. Köpplinger für das Stück verpflichtet hat. Der Chor (Einstudierung Jörn Hinnerk Andresen) zeigte mal wieder, wie eigentlich immer, dass er nicht nur Singen, sondern vor allem auch Spielen kann. Das trägt zum Gelingen von Stücken wie diesem maßgeblich bei. Der Kinderchor, bestens vorbereitet von Verena Sarré, ist sicherlich einer der Besten in Deutschland. Auch das Ballett schien Spaß zu haben, das Publikum hatte ihn sicherlich. Last but not Least zeigte das Orchester unter dem 1. Kapellmeister Michael Brandstätter seine Wandlungsfähigkeit und trug dazu bei, dass dieser Abend ein ganz großer wurde.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng Ich bin jetzt noch heiser vom vielen Bravo rufen, die Zuschauer im ausverkauften Prinzregententheater sprangen wie ein Mann auf, nachdem der Vorhang sich geschlossen hatte und der Applaus wollte schier nicht enden. Selten habe ich so großen Jubel gehört und noch seltener habe ich aus vollem Herzen mitgemacht. Danke für diesen großartigen Abend an ein großartiges Staatstheater!

Kontinentale Erstaufführung

Musik und Gesangstexte von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman, für die Bühne bearbeitet von Jeremy Sams und Ray Roderick, basierend auf dem gleichnamigen MGM-Film, Deutsch von Frank Thannhäuser Dauer ca 2 Stunden und 40 Minuten

Musikalische Leitung Michael Brandstätter, Regie Josef E. Köpplinger, Choreografie Ricarda Regina Ludigkeit, Bühne Judith Leikauf, Karl Fehringer, Kostüme Alfred Mayerhofer, Licht Michael Heidinger, Dramaturgie Michael Otto

Caractacus Potts Peter Lesiak, Truly Scrumptious Nadine Zeintl, Großvater Potts Frank Berg, Baron Bomburst Erwin Windegger, Baronin Bomburst Sigrid Hauser, Der Kinderfänger Markus Meyer, Jeremy Potts Marinus Hohmann, Jemima Potts Amelie Spielmann, Boris David Jakobs, Goran Hannes Muik, Lord Scrumptious / Ausrufer u.a. Alexander Franzen, Der Spielzeugmacher / Bill Coggins u.a. Frank Winkels, Truthahnzüchter Patrick A. Stamme, Schrotthändler / Hauptmann / Sidney Andreas Goebel, Violet Evita Komp, Edison / Soldat Nicola Gravante, Miss Phillips Susanne Seimel, Erfinder Alexander Franzen, Carl van Wegberg, Patrick A. Stamme, Peter Neustifter, Jörn Linnenbröker, Christian Schleinzer, Ensemble Carl van Wegberg, Kerstin Ibald, Patrick A. Stamme, Peter Neustifter, Andreas Goebel, Evita Komp, Jörn Linnenbröker, Corinna Ellwanger, Nicola Gravante, Katharina Lochmann, Christian Schleinzer, Susanne Seimel, Chor, Kinderchor und Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Weitere Vorstellungstermine
Mi. 30. April 2014 19.30 Uhr, Fr. 2. Mai 2014 19.30 Uhr*, So. 4. Mai 2014 18.00 Uhr*, Di. 6. Mai 2014 19.30 Uhr, Do. 8. Mai 2014 19.30 Uhr, Sa. 10. Mai 2014 19.30 Uhr*, Mo. 12. Mai 2014 19.30 Uhr, Mi. 14. Mai 2014 19.30 Uhr, Fr. 16. Mai 2014 19.30 Uhr*, Sa. 17. Mai 2014 19.30 Uhr*, So. 18. Mai 2014 18.00 Uhr* * KiJu-Vorstellung Altersempfehlung ab 6 Jahren

Weitere Vorstellungen im September 2014

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