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Joe Heap – The Rules of Seeing

©HarperCollins

©HarperCollins

9:15 Stunden
ungekürzte Lesung
Sprecherin: Cariad Lloyd
Hörprobe beim Verlag

Zum Autor (freie Übersetzung, vom Verlag)
Joe Heap wurde 1986 in Bradford geboren und fing früh mit dem Schreiben an. 2004 gewann er den Foyle Young Poet Award und seine Gedichte wurden in verschiedenen Publikationen veröffentlich. In Stirling studierte er Englische Literatur, in Glasgow dann Kreatives Schreiben. Heute lebt er mit seiner Freundin, dem 18 Monate alten Sohn und einer Katze.

Zur Sprecherin (von Wikipedia)
Cariad Lloyd wurde 1982 geboren und ist in Großbritannien als Komödiantin und Podcasterin bekannt. Beim Fringe Festival in Edinburgh wurde sie mehrmals ausgezeichnet.

Zum Inhalt
Nova, 32, von Geburt an blind, sprachgewandt und als Dolmetscherin bei der Polizeit tätig, bekommt die Möglichkeit durch eine Operation sehen zu können. Ihre neue Fähigkeit überfordert sie und macht die vorher selbstbewusste Nova plötzlich unsicher. Im Krankenhaus lernt sie Kate lernen, die seit einem Unfall in ihrer Wohnung an Panikattacken leidet. Die beiden freunden sich an und Nova versucht, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden. Ihre neuen Erfahrungen verpackt sie in eine Reihe von Regeln, die lose eingestreut sind und

Meine Meinung
Suppose a man born blind, and now adult, and taught by his touch to distinguish between a cube and a sphere (be) made to see. (Could he) by his sight, before he touched them, (…) now distinguish and tell which is the globe, which the cube?
William Molyneux in einem Brief an John Locke

(Angenommen: Ein erwachsener, blind geborener Mann, der gelernt hat, mit seinem Tastsinn zwischen einem Würfel und einer Kugel (…) zu unterscheiden, (…) und der Mann sei sehtüchtig geworden. Die Frage ist: Ob er in der Lage ist, durch seinen Sehsinn, bevor er diese Gegenstände berührt hat, sie zu unterscheiden, und mitteilen kann, welches die Kugel und welches der Würfel ist? )

Auf dieses Buch kam ich durch die aktuelle Liste zum First Book Award des Bookfests in Edinburgh und wurde durch die Vorstellung faszinierend, dass jemand im Erwachsenenalter plötzlich sehen lernen würde. Das Zitat hat Joe Heap seinem Erstling vorangestellt.

Die 32-jährige Jillian Savinova, gennannt Nova, ist seit ihrer Geburt blind. Bei gutem Licht kann Nova Rot, Schwarz und Weiß unterscheiden und stark verschwommene Umrisse erkennen. Ihre Muttersprachen sind Englisch und Urdu, dazu hat sie in Oxford drei weitere Sprachen studiert und arbeitet als Dolmetscherin bei der Polizei in London. In ihrem Leben fühlt sie sich recht wohl, bis ihr Bruder Alex eines Tages von einer Operation hört, durch die ihre Augen möglicherweise die normale Sehkraft bekommen könnten. Trotz anfänglicher Ablehnung entscheidet Nova sich für die Operation, die ihr ganzes Leben verändern wird.

Anfangs kann sie nur schärfere Umrisse als zuvor erkennen und mehr Farben, mit der Zeit und viel Übung wird ihre Sehkraft deutlich besser und sie fühlt sich von den vielen neuen Eindrücken völlig überfordert, während sie einige der Fähigkeiten verliert, die für Blinde selbstverständlich sind. So kann sie Entfernungen überhaupt nicht einschätzen, alles wirkt zweidimensional und durchsichtige Gegenstände stiften viel Verwirrung.

Novas rabenschwarzer Humor und ihr kreativer Umgang mit Sprache, die offene und hilfsbereite Art ließen sie schnell lebendig und sympathisch werden. Sehen lernen ist für sie so schwierig wie fünf Sprachen gleichzeitig zu lernen. Farben, Formen, Textur, Entfernungen, Gesichtsausdrücke usw., jeder Punkt eine Herausforderung. Wie die Grammatik einer fremden Sprache, versucht sie das Erlernen des Sehens durch eine Liste von Regeln zu strukturieren. Einige für mich auf den ersten Blick offensichtlich, andere ließen mich nachdenklich werden, über das was für mich als Sehende selbstverständlich ist.

Nova muss lernen, dass ihr Sichtfeld sich beim Gehen auf und ab bewegt, dass Seifenblasen zwar durchsichtig sind, aber gleichzeitig wie ein fester Gegenstand schillern können und vieles mehr. Wolken sehen wie ein fester Gegenstand aus, fügen Flugzeugen und Vögeln jedoch keinen Schaden zu. Zigarettenrauch mag wie eine sich windende Schlange wirken, ist aber nicht gefährlich. Man geht mit Nova durch die Höhen und Tiefen der Monate nach der Operation, erlebt ihre Freude beim Anblick des ersten Sterns und der Frust, wie steinig der Lernprozess ist. Ihre Exfreundin aus Oxford und ihre Bruder sind ihr keine große Hilfe, Nova fühlt sich nicht „nur“ überfordert, wie ein ständig müder Zombie, sondern auch noch alleingelassen.

Im Krankenhaus lernt sie Kate kennen, die sich bei einem Sturz in ihrer Wohnung eine schwere Kopfverletzung zuzog und seitdem an Panikattacken leidet. Kate ist ganz anders als Nova, Architektin, eigentlich sehr selbständig, seit der Hochzeit vor zwei Jahren auf ihren Mann Tony fixiert, der ein Kontrollfreak zu sein scheint und Kate psychisch immer wieder stark unter Druck setzt. Kate scheint diesen Problemen gegenüber nicht ganz blind zu sein, blendet sie aber aus. Liebe solle temperamentvoll sein und sie sei doch glücklich mit ihm. Die beiden Frauen freunden sich miteinander an und helfen sich gegenseitig.

Die erste Hälfte ist fesselnd, im Vordergrund stehen Novas Erfahrungen, ihre Regeln und ihr sich veränderndes Leben. In der zweiten Hälfte stehen eher Kate und Tony im Mittelpunkt, sowie die besondere Freundschaft von Nova und Kate und die Handlung ist streckenweise sowohl zäh als auch unglaubwürdig. Während Nova eine glaubwürdige und komplexe Hauptfigur ist, konnte ich mit Kate irgendwie nicht viel anfangen, auch wenn ihre Reaktionen und Gedanken oft nachvollziehbar sind. Die zweite Hälfte hätte deutlich gekürzt werden können oder in ein separates Buch verpackt werden, ich hatte den Eindruck, dass zu viele Ideen untergebracht werden sollten und das dramatische Ende hätte es für mich auch nicht gebraucht.

Spoiler anzeigen

noch ein gewalttätiger Psychopath

[collapse]

Joe Heap hatte von Menschen gelesen, die erst im Erwachsenenalter Sehen lernten, bekam die meiste Inspiration jedoch von seinem neugeborenen Sohn, den er beim Erlernen des Sehens beobachtete.

Cariad Lloyd ist die ideale Sprecherin für sowohl Nova als auch Kate, liest einfühlsam und gleichzeitig mit der nötigen Distanz.

Fazit
Trotz gewisser Schwächen ein gelungenes und spannendes Erstlingswerk. Faszinierend mitzuerleben, wie es sein könnte, wenn jemand im Erwachsenenalter anfängt, Sehen zu lernen. Cariad Lloyd wird hoffentlich noch weitere Hörbücher einlesen.

Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.

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Wladimir Kaminer – Ausgerechnet Deutschland Geschichten unserer neuen Nachbarn

Cover ©Goldmann

Cover ©Goldmann

gekürzte Lesung

2:19 Stunden

Sprecher: Wladimir Kaminer

Hörprobe *beim Verlag*

zum Inhalt (vom Verlag)

Über neue Mitbürger und unerwartete Nachbar

Täglich beobachtet Wladimir Kaminer, wie die Flüchtlingswelle Deutschland durcheinanderwirbelt. Und er beobachtet, wie das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen zahllose Geschichten hervorbringt. Diese erzählt Wladimir Kaminer voll Humor und echter Neugier, aber ohne falsches Pathos. Er berichtet von … (gekürzt, weil hier sehr viel aus dem nur zweistündigen Hörbuch verraten wird.)

Wie immer mit russischem Charme gelesen vom Autor selbst.

zum Autor (vom Verlag)

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und inzwischen erwachsenen Kindern in Berlin. Mit seiner Erzählsammlung »Russendisko« sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.

Meine Meinung

Obwohl die Hörversionen zu Wladimir Kaminers Büchern immer gekürzt sind, habe ich sie wegen seines humorvollen Vortrags immer lieber gehört als gelesen.

Schon das Titelbild macht deutlich, dass es diesmal nicht „nur“ um Russen und Deutsche geht – ein Gartenzwerg mit einer Wasserpfeife. Es geht um die Flüchtlingsproblematik 2015, aus der Perspektive der Einwohner des kleinen Dorfs in Brandenburg, in dem er lebt. Schnell wird klar, dass sich durch das Eintreffen der zwei (?) Großfamilien im Dorf einiges ändert und die sehr langsam zunehmenden Deutschkenntnisse und Google Translator das Miteinander fördern. Gewohnt warmherzig und selbstironisch beschreibt der scharfe Beobachter die Ereignisse.

Wladimir Kaminer ist ein Meister des humorvollen Erzählens auch drastischer oder peinlicher Begebenheiten, doch hier liest er stellenweise sehr ungelenk, fast als ob er den Text nicht kennen würde. Da wäre mir der Mitschnitt einer Lesung lieber gewesen.

Auch bei seinen Lesereisen durch Deutschland sammelte er Material für dieses Buch, in dem es mal nicht „nur“ um Russen und Deutsche geht. Die Dorfbewohner versuchen auf ihre Weise den Flüchtlingen zu helfen und es gibt zahlreiche interessante und auch peinliche Begebenheiten. Es entsteht der Eindruck, die Flüchtlinge würden keinen Kontakt oder Deutsch lernen wollen, andererseits wirken die Spenden eher wie das Ergebnis einer Kellerentrümpelung… Er macht deutlich, dass es „die Syrer“ an sich nicht gibt und es für beide Seite nicht einfach ist, zeigt, wie sich der Umgang im Dorf langsam ändert, durch wachsende Sprachkenntnisse auf beiden Seiten und nicht zuletzt dank Google Translator.

Gegen Ende gibt es noch ein so amüsantes wie treffendes Kapitel über die Gender-Manie. :grin

Das Thema liegt ihm am Herzen, das wird vor allem in der zweiten Hälfte deutlich. Die Auswahl der Kapitel wirkte auch mich etwas wahllos, die Handlung wechselte abrupt, es entstand oft der Eindruck, etwas würde fehlen.240 Seiten auf 2:19 Stunden, da wurde vermutlich viel ausgelassen.

Fazit

Die Buchversion ist in diesem Fall vermutlich deutlich besser, denn Wladimir Kaminer erzählt gewohnt humorvoll, auch wenn deutlich ist, dass auch er das Verhalten seiner neuen und alten Nachbarn nicht nachvollziehen konnte. Er hat sich eines schwierigen Themas angenommen, reißt viele Probleme an und vertritt die Ansicht, dass die Ereignisse 2015 weitaus tiefgreifendere Folgen haben als die deutsche Wiedervereinigung.

Vielleicht werde ich das 240 Seiten dicke Buch noch lesen, auf das mich das Hörbuch neugierig gemacht hat oder mal wieder zu einer seiner Lesungen gehen. Die vermutlich auf die Hälfte gekürzte und stockend vorgetragene Hörfassung kann ich leider nicht so recht empfehlen.

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Jojo Moyes – Weit weg und ganz nah

Originaltitel: The One plus One

512 Seiten
Mai 2014 erschienen

Zur Autorin (vom Verlag)
Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex.

Zum Inhalt (Vom Verlag)
Einmal angenommen …

… dein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Du schaffst es kaum, deine Familie über Wasser zu halten. Deine hochbegabte Tochter bekommt eine einmalige Chance. Und du bist zu arm, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich liegt da ein Bündel Geldscheine. Du weißt, dass es falsch ist. Aber auf einen Schlag wäre dein Leben so viel einfacher …

Und einmal angenommen, du strandest mitten in der Nacht mit deinen Kindern am Straßenrand – und genau der Mann, dem das Geld gehört, bietet an, euch mitzunehmen. Würdest du einsteigen? Würdest du ihm irgendwann während eures verrückten Roadtrips gestehen, was du getan hast?

Und kann das gutgehen, wenn du dich ausgerechnet in diesen Mann verliebst?

Meine Meinung
“Weit weg und ganz nah” ist das neuste Buch aus der Feder von Jojo Moyes, deren sehr erfolgreiches “Ein ganzes halbes Jahr” und das bisher leider nicht übersetzte “The Girl You Left Behind” (Das Mädchen, das Du zurückgelassen hast) mich sehr beeindruckt hatten. Weil die Geschichten an sich vielleicht noch nicht mal besonders originell waren, Jojo Moyes es jedoch verstand, etwas Besonderes daraus zu machen, die Figuren mit Leben zu füllen und authentisch wirken zu lassen. Weil sie so fesselnd erzählt, dass ich die Lektüre bzw. das Hörbuch nur ungern unterbrach.

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an “Weit weg und ganz nah”, zu hoch. Im Prinzip verrät der Klappentext schon alles und die Figuren sind schablonenhafter als in den anderen beiden Büchern. Die Ausgangssituation ist durchaus glaubwürdig.

Die alleinerziehende Jess Thomas arbeitet mit einer Freundin als Putzfrau in der örtlichen Feriensiedlung und abends in der Kneipe, um sich selbst, ihre Tochter Tanzie und den bei ihr lebenden Sohn Nicky ihres Noch-Mannes über Wasser zu halten. Verständlich, dass der seit Jahren andauernde Überlebenskampf sie etwas bitter und misstrauisch gemacht hat, zu einer wahren Tigermutter. Allzu gerne würde sie ihrer mathematisch hochbegabten Tochter besser Möglichkeiten bieten, kann jedoch die finanziellen Mittel nicht aufbringen. Nicht zuletzt, weil sie auf jegliche finanzielle Unterstützung ihres Noch-Mannes verzichtet, sich nicht damit auseinandersetzen will.

Einer ihrer Kunden ist Ed Nichols, der zwar sehr vermögend ist, jedoch dieses Vermögen und seine Freiheit verlieren könnte. Und wenn ich boshaft wäre, würde ich ihn als den weißen Ritter am Horizont darstellen, der flugs alle Probleme löst.

Sicherlich beschreibt Jojo Moyes überzeugend und glaubwürdig die Probleme der Hauptfiguren, mal aus Sicht der Erwachsenen, mal aus den Augen der Kinder. Jede einzelne Figur hat massive persönliche Probleme und Selbstzweifel,darüber hinaus tauchen irgendwie ständig neue Probleme auf. Der gelegentlich aufblitzende Humor wirkt eher aufgesetzt oder gar wie Slapstick und teilweise brach ich die Lektüre entnervt ab, weil es gar zu unglaubwürdig wurde. Während Jess und Ed streckenweise fast überzeichnet wirkten, bewegten mich die Gedanken und das Schicksal von Tanzie und Nicky deutlich mehr.

Schade, denn die Grundidee und Jojo Moyes’ Schreibstil bieten eine Menge Potenzial, vielleicht wäre es besser gewesen, der Roman hätte nur 400 statt 512 Seiten. Oder vielleicht war es einfach nur der falsche Zeitpunkt für mich.

Fazit
Das neuste Buch von Jojo Moyes reicht meiner Meinung nach bei weitem nicht an “Ein ganzes halbes Jahr” heran, weder von der Figurenzeichnung noch vom Suchtfaktor. Dafür ist die Handlung meiner Meinung nach zu durchschaubar, es gibt zu viele Probleme. Die ersten 100-150 Seiten und die letzten rund 100 Seiten sind gelungen, der Mittelteil hat deutliche Längen.

“Weit weg und ganz nah” konnte mich nicht so recht fesseln, obwohl die Figuren insgesamt gut gezeichnet waren, insbesondere die beiden Kinder. Irgendwie fehlte das besondere Etwas. Das Ende ist passend und versöhnte mich wieder ein wenig mit dem Buch.

 

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