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Vorschau: Sarré Musikprojekte präsentiert zu Weihnachten die „Zauberflöte für Familien“ ab 21.Dezember 2016

Die gemeinnützige Sarré Musikprojekte gGmbH präsentiert als diesjährige Neuproduktion „Die Zauberflöte für Familien“ mit über 60 Kindern, Jugendlichen und Flüchtlingskindern in der phantasievollen und familiengerechten Inszenierung von Opernregisseurin Julia Riegel in der Alten Kongresshalle in München. Liviu Petcu dirigiert das Orchester mit Musikern der Bayerischen Staatstheater.

Die faszinierende Königin der Nacht, der witzige Papageno und das junge Liebespaar Pamina und Tamino begeistern seit über 200 Jahren Groß und Klein. Mozarts bezaubernde Musik wird von den jungen Stimmen der Sarré Musikakademie gesungen. Auch die anspruchsvollen Solopartien sind ausnahmslos mit besonders begabten Jugendlichen besetzt. Regisseurin Julia Riegel stellt das Thema „Initiation“ in den Fokus. Mit einer großen Portion Humor und Augenzwinkern werden grundlegende Fragen junger Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden thematisiert. Dabei werden die klassischen Märchenfiguren der Oper modernen Fantasy-Ikonen angenähert, die sich Bewährungsproben stellen müssen.

„Im Kern geht es um die Fragen wer ist gut, wer ist böse, wem kann ich trauen?“ sagt Julia Riegel zu ihrem Konzept. Geleitet und beschützt werden die Protagonisten von der Musik und der Macht der Liebe.

Das Bühnenbild gestaltet Caroline Neven DuMont, für die Kostüme zeichnet Eva Beldig verantwortlich. Die speziell für Familien konzipierte Ausstattung setzt auf ein außergewöhnliches Farbkonzept mit schillernden Kostümen, kombiniert mit einer raffinierten Lichtregie und modernem Videodesign. Die sternflammende Königin der Nacht wird tatsächlich strahlen und darf mit Spannung erwartet werden, denn sie wird das Publikum in eine faszinierende Märchenwelt entführen.

Die neue Version der Oper ist eine leicht gekürzte Fassung des Originalwerkes und hat eine Spieldauer von etwa zwei Stunden.
Ein Überraschungs-Vorprogramm speziell für die jungen Zuschauer gibt es jeweils 30 Minuten vor Beginn der Vorstellungen im Foyer.
Premiere ist am 21. Dezember 2016 um 17:30 Uhr in der Alten Kongresshalle München auf der Theresienhöhe.
Weitere Vorstellungen: 22. Dezember um 18:00 Uhr und 23.Dezember um 17:00 Uhr.
Tickets über MünchenTicket
Kontakt für weitere Informationen und Interviews mit dem Leitungsteam
Verena Sarré: info@sarre-musikprojekte.de
Franziska Stürz: presse@sarre-musikprojekte.de

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Interview mit Sina Beerwald (2)

© Michael Magulski, Picture Time

© Michael Magulski, Picture Time

Liebe Sina, wir haben gerade festgestellt, dass das letzte Interview fünf Jahre her ist. In dieser Zeit hat sich viel getan. Du bist vom historischen Roman ins Krimigenre gewechselt, gerade ist Dein neuer Roman Kräherwald erschienen. Er hat bereits einige sehr positive Rezensionen erhalten. Wie fühlst Du Dich jetzt im Krimigenre?

SB: Auf jeden Fall sehr wohl. Ich hab ja zunächst mal das lustige Krimigenre beackert mit meinen Mordsmöwen und dem Möwenalarm und dem Heringsmord, in dem ein schwäbisches Rentnerehepaar sein Unwesen auf Sylt treibt. Bei den lustigen Krimis war immer Sylt der Schauplatz und jetzt bin ich zurück im Thrillerbereich und da ist Stuttgart nun auch wieder der Schauplatz so wie bei meinem ersten Thriller Hypnose. Im Kräherwald ist es eine Geschichte, die aufbaut auf einen wahren Fall und davon ausgehend hab ich dann meinen Thriller gestrickt.

Wieso hast Du diese Nord-Süd-Trennung? Wird die so bleiben?

SB: Naja, was heißt Trennung? Dieses Nord-Süd vereine ich ja auch nun in mir. Es ist ja einmal das Schwabenland, wo ich herkomme, wo ich aufgewachsen bin, und seit neun Jahren ist mein Lebensmittelpunkt eben Sylt und so verbinde ich das, würde ich sagen. Ich habe es aber noch nicht geschafft, in einem Buch beide Handlungsorte unterzubringen, das wäre vielleicht auch noch einmal was. Aber mit meinen Schwaben auf Sylt habe ich ja schon einmal so ein bisschen eine Verbindung geschaffen. Also, ich würde sagen, da trenne ich ja nun nicht ganz strikt.

Ich meinte die Trennung auch eher zwischen Thriller und humoristischen Krimis.

SB: Also es bei mir so dass ich froh bin über diese Vielfalt, dass ich beides machen kann, so wie ich auch meine historischen Romane gemacht habe. Ich fühle mich in so vielen Genres zu Hause. Und ich bin auch sehr froh darüber, dass mir viele Leser dabei folgen. Dass sie sagen, ich lese von Sina Beerwald einen lustigen Krimi, ich lese dann aber genau so gerne ihre Psychothriller, die es dann in sich haben.

Und wird es auch irgendwann noch einmal eine Rückkehr zum historischen Genre geben?

SB: Das möchte ich nicht ausschließen. Warum denn nicht. Wenn ich in einem Genre gerade arbeite, dann fühle ich mich da sehr zu Hause, aber die Rückkehr zum historischen Roman, das möchte ich nicht ausschließen, nein.

Oder ein historischer Krimi?

SB: Auch das ist möglich, na klar.

Deine Figuren sind ja immer sehr lebendig und immer nah bei Dir. Du hast gerade erzählt, Du hast zwei Möwenkrimis geschrieben, wie hat das da funktioniert?

SB: Meine Möwen sind mir ja sozusagen zugeflogen. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht mal einen Krimi schreiben will, der auf Sylt spielt, weil das bis dato nicht der Fall war. Ich wollte dann aber auch etwas schreiben, das so nicht in Posemuckelsdorf spielen könnte. Eines schönen Tages habe ich beobachtet, wie diese Möwen ein Fischbrötchen einer Frau aus der Hand heraus geklaut haben. Aber nur den Hering aus dem Brötchen herausgepickt, die Zwiebeln baumelten noch so in diesem zerrupften Brötchen. Die Frau war dann erst vor Schreck erstarrt, kuckte dann das Brötchen an und dann kuckte sie ihren Mann an und sagte „Bitteschön“ und und überreichte ihm dann die traurigen Überreste des Brötchens. Ich habe natürlich auch erst mal mitgelacht und dann habe ich gedacht: so, was wäre wenn das Ernährungssystem dieser frechen Möwen zusammenbricht? Es gibt bei uns auf Sylt einen Crepes-Stand, auf dem immer eine Möwe sitzt und Ausschau hält. Und das ist meine Möwe Ahoi geworden. Mein Ruf ist so gesehen ruiniert, weil ich dieses Buch sehr viel am Strand geschrieben habe, mit Manuskriptblock und Stift in der Hand, wie ich es gerne mache, und habe so die Möwen und ihr Umfeld immer vor Augen gehabt. Ich habe natürlich auch viel über die Möwen und ihre eigentliche Verhaltensweise gelesen. Weil die Möwen ja immer den Überblick über die Insel haben, habe ich mir erlaubt, den ein oder anderen Seitenhieb auf die Zustände hier auf der Insel mit einem Augenzwinkern einzubauen.

War es schwierig, den Möwen menschliche Züge zu verleihen?

SB: Nein, dieses Buch hat sich von selbst geschrieben. Diese Idee hat mich so verfolgt, hat mich nicht losgelassen, die habe ich in einer Nacht skizziert und das Expose entworfen. Morgens um fünf habe ich den Rechner zugeklappt, ich habe dieses Buch geschrieben, ohne auch nur irgendwas dran zu ändern, die Möwen standen mir vor Augen, ich musste da gar nicht viel dran tun.

Wird es noch einen Nachfolger geben?

SB: Auch das. Sicher ist schon, dass es einen Nachfolger zum Heringsmord geben wird. Meine Camper werden weiter auf Sylt ihr Unwesen treiben. Mit den Möwen hatte ich ja mit dem Möwenalarm schon einen zweiten Teil vorgelegt und ich vermute fast, dass die Bande keine Ruhe geben wird.

Du hast Dich jetzt in Kräherwald einer sehr speziellen psychischen Krankheit gewidmet, wie bist Du darauf gekommen? Der Story liegt ja ein realer Fall zugrunde.

SB: Angelehnt an einen wahren Fall habe ich es insofern, als es einen Leichenfund gab vor vielen, vielen Jahren im Main. Dieses Mädchen, das dort gefunden wurde, war niemals als vermisst gemeldet worden. Es ist auch bis heute nicht geklärt, wo dieses Mädchen eigentlich herkommt. Klar ist nur, dass es in der Nähe von Frankfurt gelebt haben muss, das konnten man aufgrund diverser Untersuchungen feststellen. Diese psychische Erkrankung, auf die Du anspielst, das ist etwas anderes, das hat mit diesem Fall nichts zu tun, da war es ein Zeitungsartikel, durch den ich drauf gekommen bin und davon gelesen habe. Ohne da jetzt zu viel zu verraten, aber das ist eben eine Erkrankung, die nun Gottseidank zwar nicht so häufig ist, aber es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Das hat mich so berührt, als ich das gelesen habe. Das war der zweite Ansatzpunkt, bei dem ich gesagt habe, diese Erkrankung möchte ich thematisieren, dass man vielleicht, wenn man das Buch gelesen hat, mal mit offeneren Augen durch die Welt geht und solche Dinge vielleicht auch erkennt.

Was meinst Du, warum es so eine hohe Dunkelziffer gibt? Wollen die Menschen es vielleicht nicht sehen, weil es so unglaublich ist?

SB: Bestimmt, aber auch, das gehört mit zu dieser psychischen Erkrankung, dass die Menschen sehr, sehr gute Schauspieler sind. Selbst Ärzte haben mir bestätigt, dass Erkrankte leugnen, auch wenn man sie direkt darauf anspricht, weil sie die Problematik selbst nicht erfassen können. Oft ist es dann so, dass erst ein Videobeweis zur Konfrontation hilft, dem Betroffenen das klar zu machen, was eigentlich los ist.

Nun ist Tessa als Reporterin ja prädestiniert für weitere Fälle. Ist da schon was in der Pipeline?

SB: (lacht) Ja, meine Pipeline 🙂

Ich kann mir vorstellen, die ist ziemlich lang…

SB: Die ist allerdings ziemlich lang und ich bin mir auch sehr sicher, dass da was in der Pipeline ist, ja.

Neben Deinen Romanen hast Du ja auch ein Sachbuch über den Ort, an dem Du lebst, veröffentlich, 111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss. Was hat Dir dabei denn am meisten Spaß gemacht?

SB: Spaß macht mir alles, was mit Sylt zu tun hat. Es war vor allen Dingen für mich eine neue Erfahrung, denn in diesem Buch durfte ich pro Örtlichkeit nur eine gewisse Textlänge verwenden und plötzlich auf Zeile schreiben zu müssen, wie ein Journalist es tun muss, dort meine ganzen Ideen und die Information, die ich dazu unterbringen möchte, hineinzubekommen, war für mich eine Herausforderung. Hier kann ich schon verraten, dass es einen Nachfolger geben wird, er kommt jetzt im Frühjahr und wird heißen 111 Orte auf Sylt, die Geschichte erzählen. Geschichte und Geschichten. Es ist unglaublich viel passiert auf Sylt, es waren auch sehr viele Schriftsteller auf Sylt, Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Stefan Zweig, also wirklich große Literaten, und denen ist immer auch nachweislich etwas auf Sylt passiert, was sich auch zu Erzählen lohnt, aber auch die Geschichte des Bades, da gibt es sehr viele Geschichten, da bin ich gerade dran.

Wie bist Du bei der Auswahl vorgegangen?

SB: Die Auswahl ergibt sich bei mir von selber. Ich wurde immer gefragt, wie ich denn auf dem nur 110 Quadratkilometer großen Sylt 111 Orte finden konnte. Das geht sehr gut. Das geht sogar so gut, dass ich immer noch eine Auswahl treffen konnte und mir überlegen konnte, manchmal auch überlegen musste, nehm ich den Ort jetzt mit rein oder nicht. genauso jetzt bei dem Nachfolger, erzähl ich jetzt diese Geschichte oder erzähle ich eine andere, da hab ich wirklich die Qual der Wahl.

Und was ist dann ausschlaggebend für Dich gewesen?

SB: Das ist natürlich auch immer ein bisschen subjektiv. Es wird immer jemanden geben, der fragt, warum dies oder jenes nicht enthalten ist, aber für ist dann einfach wichtig, was ich für erzählenswert halte. Bei den 111 Orten sind es natürlich auch Örtlichkeiten, die Besonders sind, über die man vielleicht nicht gleich drüber fällt. Mich sprechen auch manchmal Insulaner an, die sagen: Das wusste ich ja gar nicht. Ich lebe hier auf der Insel, ich bin hier geboren, aber das kannte ich gar nicht.“ das ist für mich dann natürlich ein ganz, ganz großes Kompliment.

Könntest Du Dir das auch für Stuttgart vorstellen?

SB: Ja, allerdings gibt es das schon für Stuttgart, die 111 Orte, aber das hätte ich natürlich sonst auch gerne gemacht. Sylt ist für mich Herzensheimat und natürlich, Stuttgart ist Heimat.

Hast Du das von Stuttgart gelesen und bist Du mit der Auswahl einverstanden?

SB: Auch da ist es so, dass es subjektiv ist, aber in weiten Teilen hätte ich es auch so gemacht. Wer weiß, vielleicht gibt es da noch einen Teil Zwei von den Stuttgartern, das ist ja auch möglich.

Hat sich Dein Schreibprozess irgendwie verändert?

SB: Nein, nur der Espressokonsum ist etwas höher geworden

Noch höher?

SB: Ja, seit ich die Tasse von Emons habe. Ich arbeite nach wie vor am Liebsten gerne Nachts, so weit sich das ermöglichen lässt. Ansonsten gilt eben auch, eine Muse hat ihre Geschäftsstunden. Ich bin nach wie vor freiberuflich und in der Hauptsache als Schriftstellerin tätig. Das gibt mir natürlich auch gleichzeitig viel Freiraum und ermöglicht mir eben auch, die Projekte umzusetzen, die mir am Herzen liegen.

Du bist sehr produktiv, in den vergangenen beiden Jahren sind jeweils zwei Bücher von dir erschienen. Musst Du nicht mehr so viel recherchieren oder geht der Schreibprozess so schnell?

SB: Nein, es ist das parallele Arbeiten. An 111 Ort, die Geschichte erzählen bin ich im Grunde seit zwei Jahren dran, eigentlich noch viel länger, weil ich schon immer diese Geschichten gesammelt habe und deswegen schon einen gewissen Fundus hatte. Die ganze Archivarbeit beispielsweise habe ich jetzt schon die ganze Zeit parallel gemacht. Bei solchen Projekten geht es sehr gut, parallel zu arbeiten, weil man eben nicht immer gerade textproduktiv ist und da kann man natürlich solche Recherchearbeiten machen.Das eignet sich ganz wunderbar, deshalb darf man das nicht so geradlinig sehen. Manchmal besteht mein Arbeitstag halt auch nicht nur aus acht Stunden, sondern aus zwölf oder mehr Stunden.

Gibt es noch ein Projekt, das Dir total am Herzen liegt, das Du aber noch nicht umsetzen konntest?

SB: Nein, ich hatte bisher immer das Glück, alles, was mir am Herzen lag, umsetzen zu dürfen.

Gibt es noch irgendwas, was Du Loswerden möchtest?

SB: Ich freue mich, dass wir dieses Interview gemacht haben und das Revival nach der langen Zeit. Ich finde es immer sehr spannend und schön Deine Fragen zu beantworten, weil sie von Dir immer mit sehr viel Bedacht überlegt sind und das ist für mich umso schöner.

Vielen Dank für das Lob und für Deine Bereitschaft zu dem Interview!

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Lesung Laksmi Pamuntjak, 20.10.2016, Haus des Buches Frankfurt

Die Veranstaltung wurde souverän moderiert von Claudia Kramatschek, die deutschen Textausschnitte trug Jochen Nix vor – den nicht nur ich mir als Sprecher für eine Hörversion wünschte. Die Stühle waren fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Zu Beginn wurde die diesjährige Preisträgerin des LiBeraturpreises kurz vorgestellt, dann erzählte sie, wie sie auf die Idee zu „Alle Farben Rot“ kam und über ihre rund zehnjährige Arbeit an dem Roman.

Schon als Schülerin missfiel ihr ihr Darstellung der Ereignisse von 1965* nicht, alles wurde schwarz-weiß durch Lehrer und Schulbücher vermittelt. Ihr Vater, eigentlich ein überzeugter Anti-Kommunist, habe sie schon früh gelehrt, alles zu hinterfragen.

Im Mittelpunkt steht das Liebespaar Amba und Bhisma, die während der Unruhen getrennt werden. Amba sucht intensiv nach Bhisma, der unauffindbar ist und erst Jahrzehnte später erhält sie Hinweise, dass Bhisma damals auf die Gefängnisinsel Buru verschleppt wurde. Buru sei damals eine Art tropisches Gulag gewesen, auf dem Suharto alles des Kommunismus Verdächtigten verschwinden lassen wollte. Sie wurden zur Zwangsarbeit bzw. Umerziehung auf die Insel geschickt und veränderten dort sowohl die Landschaft als auch die Gesellschaft.

Dann folgte eine kurze Lesung aus dem indonesischen Originaltext, sowie die Erklärung, dass Indonesisch noch keine 100 Jahre als sei und als klassenlose Lingua Franca eingeführt wurde, um das soziale Unterschiede betonende Javanesisch** zu ersetzen.

Im Anschluss las Jochen Nix eine längere Passage vor, die im Dezember 1973 spielte und die Situation im damaligen Indonesien eindrücklich vermittelte. Später folgten noch weitere Abschnitte.

„Alle Farben Rot“ war nicht der erste indonesische Roman, der die Ereignisse von 1965 und deren Folgen in den Mittelpunkt stellte. Seit Beginn des neuen Jahrtausends habe die zunehmende Redefreiheit die öffentliche Auseinandersetzung damit ermöglicht und große Verlage haben aktiv nach alternativen Darstellungen der historischen Ereignisse gesucht. Zuvor seit es eher die Domäne der kleineren Verlage gewesen.

Laksmi Pamuntjak wollte jenen Menschen eine Stimme geben, deren Erlebnisse und Ansichten zuvor keine Raum in der Öffentlichkeit haben durften. Romane sollten nicht über die Geschichte urteilen, sondern alternative Sichtweisen liefern. Im Gegensatz zur offiziellen Darstellung sind in „Alle Farben Rot“ die Rollen weitgehend umgekehrt verteilt, es ist klar, wer hier die Opfer sind – die jedoch nicht alle unschuldig an ihrem Schicksal waren.

Das Schlüsselerlebnis für die Entstehung des Romans in seiner endgültigen Fassung war ein Besuch der Insel Buru mit einem 80-jährigen ehemaligen Häftling im Jahr 2006. Er habe ihr seine Erfahrungen dort sehr lebendig vermittelt, konnte an den Originalschauplätzen über eigene Erlebnisse berichten, auch wenn von dem damaligen Gefangenenlager praktisch nichts mehr sichtbar war. Während heute Besucher eine idyllische Insel wahrnehmen, ließ er das Lager vor ihrem inneren Auge entstehen, zeigte vermittelte das vielschichte Verhältnis zwischen Wächtern und Gefangenen und vor allem die Bedeutung von Vergebung.

Danach sei ihr bewusst gewesen, dass sie eine große Verantwortung gegenüber den Betroffenen habe, deren Erfahrungen so authentisch wie möglich wiederzugeben, auch wenn sie es selbst nicht miterlebt hat.

Ein zweites wichtiges Element ist das indische Nationalepos Mahabharata, das auch bis heute in Indonesien eine große Bedeutung hat. Viele Kinder werden nach den Figuren aus dem oft als Schattentheater aufgeführten Epos benannt und es würden viele moralische/philosophische Themen behandelt.

Im Mahabharata sei Bhishma ein Krieger, der über die besondere Gabe verfüge, den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen zu können. Im Roman habe Bhishma das Schicksal erst 12 Jahre im Gefängnis zu überleben um dann mitzuerleben, wie die Geschichte sich wiederhole. Es habe sie sehr erschreckt zu sehen, wie es wieder zu Religionskriegen auf einigen der Insel kommen könne – ähnlich wie Bhishma, der im Kreislauf der Geschichte gefangen sei und immer wieder das Gleiche erleben müsse.

Laksmi Pamuntjak wollte auch darstellen, dass Toleranz und Liebe insbesondere in einer künstlich geformten und multikulturellen Gesellschaft wie Indonesien von besonderer Bedeutung seien. Man müsse dort an die Liebe glauben, nur durch Empathie sei Verständnis möglich. Ihrer Ansicht nach war die Veröffentlichung des Filmes „The Act of Killing“ von Joshua Oppenheimer (2012) ein wichtiger Schritt gewesen. Erstmal sprachen Täter vor laufender Kamera über ihre damaligen Taten, danach sei es nicht mehr möglich gewesen, die Ereignisse zu leugnen. In der jetzigen Regierung säßen immer noch Mitglieder der alten Elite, die radikale Maßnahmen befürworten. (Todesstrafe, chemische Kastrierung wurden als Beispiele genannt.) Der Film „Look of Silence“ (2014) stelle die Sicht der Opfer dar und hätte nur mit Guerillataktik gefilmt werden können.

Es sei eine komplexe Situation gewesen, zu der es nicht zufällig oder überraschend gekommen sei, beide Seiten trügen einen Teil der Schuld – was jedoch nicht das damalige Vorgehen entschuldigen würde. Jedoch wären z.B. in Südafrika nach dem Ende der Apartheid Versöhnungskomitees eingeführt worden, in Indonesien würde mit der Todesstrafe reagiert.

Sie hoffe auf eine positive Entwicklung in Indonesien und bedankte nach rund 1,5 Stunden sich beim Publikum für das Interesse. Danach nahm sie sich viel Zeit beim Signieren, um weitere Fragen zu beantworten. Derzeit arbeitet sie an ihrem nächsten Buch, über dessen Thema sie noch nichts verraten wollte.

*
Aufstieg Suhartos, Militärdiktatur *3SAT*
Artikel aus der Zeit von 1967 *klick*

**
Javanesisch (und noch etwas gelernt)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Javanische_Sprache

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Frisch eingetroffen: Sabine Kornbichler – Wie aus dem Nichts

€ 12,99 [D], € 13,40 [A] Erscheint am 02.11.2016
368 Seiten, Broschur
ISBN: 978-3-492-30873-1

Lügen können Leben zerstören, die Wahrheit aber auch. Das weiß Dana Rosin nur zu gut. Die Inhaberin einer Alibi-Agentur hat schon vor langer Zeit einen Pakt mit der Lüge geschlossen. Ihr neuer Freund Alex – ein Enthüllungsjournalist und Verfechter der Wahrheit – lehnt ihre Einstellung allerdings strikt ab. Doch dann wird er eines Morgens erschossen, während sich Dana in letzter Sekunde vor dem Mörder verstecken kann. Bei den polizeilichen Ermittlungen stellt sich schnell heraus, dass Alex nicht der war, als der er sich ausgegeben hat. Wer aber war er dann? Und warum musste er sterben? Fragen, die Dana nicht loslassen – und ihr Leben in Gefahr bringen.

Leseprobe (pdf)

Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr erster Roman, »Klaras Haus«, war ein großer Erfolg. Mit »Das Verstummen der Krähe«, ihrem ersten Kriminalroman um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo, wurde sie für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in München.

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Sina Beerwald – Kräherwald

Es ist einer der heißesten Tage des Jahres, als die Stuttgarter Journalistin Tessa Steinwart eine Leiche am Ufer des Neckars findet. Ein junges Mädchen, nackt in ein weißes Bettlaken gehüllt, mit Rosenblättern bedeckt und mit Zeichen eines jahrelangen Martyriums. Niemand scheint sie zu kennen, niemand zu vermissen. Kurz darauf geraten Tessa und ihr kleiner Sohn ins Visier des Mörders. Er scheint alles über sie zu wissen – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zuschlagen wird …

Als ich den Titel des neuen Romans von Sina Beerwald das erste Mal gelesen habe, dachte ich an einen Druckfehler. Das musste doch sicher Krähenwald heißen, oder? Aber es war kein Fehler, denn Kräherwald ist tatsächlich ein vermutlich ziemlich unzugängliches Waldgebiet im Westen von Stuttgart. Es nimmt hier auch so etwas was wie eine Protagonistenrolle ein, deshalb passt der Titel auch hervorragend zum Roman.

Nach Hypnose legt Sina Beerwald hier ihren zweiten Thriller vor und wieder gelingt es ihr, den Leser in ihren Bann zu ziehen mit einem spannenden, sehr gut recherchierten Plot. Sie legt sehr viele falsche Fährten, bringt mehrere Verdächtige ins Spiel, zwischen denen man sich kaum entscheiden kann. Auch wenn ich sehr früh einen Verdacht hatte, der sich am Ende als halbwegs richtig herausgestellt hat, lag ich doch ziemlich weit daneben, weit genug jedenfalls, um die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten und die Lösung einigermaßen verblüfft zur Kenntnis zu nehmen. Dabei tut die Autorin eigentlich alles, um den Leser auf die richtige Spur zu bringen, aber ich zumindest habe die Anspielungen nicht deuten können.

Die Protagonisten sind authentisch und ihre Handlungen nachvollziehbar, insbesondere gelingt es Sina Beerwald, den Leser die Ängste einer Mutter spüren zu lassen, auch wenn man vielleicht selbst gar kein Kind hat. Man wird hineingezogen in den Strudel der Gefühle und leidet mit Tessa mit. Ich konnte ihre Panik und ihre Suche nach dem Täter, die in Verdächtigung ihrer sämtlichen Freunde gipfelt, gut verstehen. Man erlebt die Berg- und Talfahrt der Gefühle live mit und ist am Ende fast so fertig wie Tessa.

Sina Beerwald schreibt im Nachwort, dass sie eine bestimmte psychische Erkrankung in den Fokus rücken wollte. Dies gelingt ihr insbesondere durch die feinfühligen Einschübe aus der Sicht des Mädchens, die deutlich macht, wie sich Opfer dieser Erkrankung fühlen müssen. Auch wenn man von dieser Erkrankung schon einmal gehört hat, erkennt man sie doch nicht, so subtil sind die Hinweise.

Kräherwald ist ein spannender und stimmiger Thriller, der einen tief in die menschlichen Abgründe blicken lässt und einen bis zum Schluss in Atem hält.

Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, studierte Wissenschaftliches Bibliothekswesen und hat sich bislang mit sechs erfolgreichen Romanen einen Namen gemacht.  2011 wurde sie Preisträgerin des NordMordAward, des ersten Krimipreises für Schleswig-Holstein. 2014  erhielt sie den Samiel Award für ihren Sylt-Krimi “Mordsmöwen.” Mehr über die Autorin erfahren Sie auf ihrer Homepage und bei Facebook.

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Jonathan Safran Foer – Hier bin ich

ungekürzte Lesung
16:59 Stunden
Sprecher: Ari Fliakos
Hörprobe bei audible *klick*

Zum Inhalt
Jacob Bloch, Anfang 40, erlebt mal mehr mal weniger passiv mit, wie seine Familie und seine (vermeintliche?) religiöse Heimat zu zerbrechen drohen. Sein Großvater möchte lieber sterben als ins Pflegeheim, sein erzkonservativer Vater mischt sich in alles ein, die Söhne werden selbständig, mal verschlossen, mal sehr wortgewandt, der Hund ist krank… und dann kommt noch eine schwere Krise in Israel hinzu. Sein Leben wird erschüttert und er wird gezwungen, neue Wege zu gehen.

Wo steht Jacob Bloch wirklich und wer ist er?

Zum Autor
Jonathan Safran Foer studierte in Princeton Philosophie und Literatur. Mit seinen internationalen Bestsellern Alles ist erleuchtet, Extrem laut und unglaublich nah und Tiere essen begeisterte er Publikum und Kritik gleichermaßen. Foer lebt und arbeitet in New York.

Zum Sprecher
Ari Fliakos ist ein amerikanischer Autor und Produzent, der schon zahlreiche Hörbücher eingelesen hat.

Meine Meinung
„When the destruction of Israel commenced, Isaac Bloch was weighing whether to kill himself or move to the Jewish home”
(“Als die Zerstörung von Israel begann, überlegte Isaac Bloch, ob er sich das Leben nehmen solle oder in das Jüdische (Pflege)Heim ziehen”)

Mit diesem Satz beginnt der erste Roman von Jonathan Safran Foer nach elf Jahren – hohe Erwartungen und ein Buch, das selbstverständlich ganz anders ist. Auch diesmal geht es um mehrere Krisen, familär und politisch, wie der Satz gleich deutlich macht. Im Mittelpunkt steht jedoch über sehr lange Zeit ausschließlich die Zerstörung der Familie von Jacob Bloch.

Zahllose Dialoge der Familienmitglieder untereinander, teilweise einseitige Wiedergabe von Telefonaten, schnell ist klar, dass Jacob (Anfang 40) und seine Frau Julia auf die Scheidung zusteuern, es „nur“ noch darum geht, dies den drei minderjährigen Kindern zu vermitteln, die Betreuung soll abwechselnd durch die Eltern erfolgen. Sie haben verlernt, miteinander zu sprechen, überhaupt miteinander zu kommunizieren und sie versuchen auch viel zu lange nicht mehr ernsthaft, es zu ändern. Dass die bevorstehende Bar Mitzwa ihres ältesten Sohnes eventuell nicht stattfinden wird, ist nur noch ein weiterer Tropfen in das Fass ihrer Probleme.

Jacob selbst schreibt Drehbücher für das Fernsehen, gewann mit 24 einen Buchpreis, wird bald geschieden sein – das erinnert stark an das Leben von Jonathan Safran Foer selbst. Hinzu kommt Jacobs Suche nach dem Sinn seines Lebens, auf dem besten Weg in die Midlife Crisis, trotz regelmäßiger Therapeutentermine. Seine zahlreichen Pflichten und Ziele zerreißen ihn, machen ihn unzufrieden und irgendwie hilflos.

Einige der Dialoge sind wirklich gelungen, messerscharf beobachtet, andere zäh wie Kaugummi und meiner Meinung nach für die Handlung bzw. Charakterisierung der Figuren unnötig. Alle Familienmitglieder, auch Jacobs Vater Irv und Großvater Isaac, gewinnen schnell an Konturen, ihre vielen Unterschiede und wenigen Gemeinsamkeiten werden durch die Dialoge und inneren Monologe deutlich. Dies alleine hätte schon mehr als genug Stoff für einen Roman geboten, zumal Foer häufig abrupt den Schauplatz und Gedankengang wechselt, was das Buch oft sehr hektisch wirken lässt.

Jonathan Safran Foer nimmt jedoch noch ein grundsätzlich interessantes Gedankenspiel hinzu, allerdings erst in der zweiten Hälfte und meiner Meinung nach auch zu stark vereinfacht, zu plakativ dargestellt.

Jacobs in Israel lebender Cousin Tamir ist eine sehr interessante Figur, kommt just kurz vor dem prägnanten Ereignis in Israel zu Besuch und könnte oberflächlich gesehen nicht unterschiedlicher als Jacob sein. Durch ihn werden Perspektiven vermittelt, die dem schon lange in Amerika lebenden Zweig der Familie zumindest unangenehm, oft völlig fremd sind.

Der Titel ist ein Bibelzitat, die Worte von Abraham an Gott, kurz bevor er fast seinen Sohn opfert. Jacob nutzt diesen Satz oft einem seiner Söhne gegenüber, um diesem mit Worte Nähe zu vermitteln, die er ihm körperlich nicht geben kann. Gleichzeitig steht der Satz auch für die Fragen, die Jacob sich stellt, wo ist er und wer ist er. “He was a father to the boys, a son to his father, a husband to his wife, a friend to his friends, but to whom was he himself?” (“Er war ein Vater für die Jungen, ein Sohn für seinen Vater, ein Ehemann für seine Frau, ein Freund für seine Freunde, aber wer war er für sich selbst?”)

Die Sprachlosigkeit als Thema hatte ich erst vor kurzem in „Shtum“, vielleicht hätte mir „Here I Am“ besser gefallen, hätte ich es zuerst gehört.

Ari Fliakos wechselt gekonnt die Stimmlage mit den verschiedenen Familienmitgliedern und erweckt alle zu Leben, vermittelt überzeugend die jeweilige Stimmung.

Fazit
Als experimentellen Roman, als Erstling hätte mir „Here I Am“ vermutlich besser gefallen. So wirkte es auf mich irgendwie unfertig und überladen, obwohl wirklich viele gute Ideen drinstecken – vielleicht wäre weniger mehr gewesen, lieber zwei Bücher statt alles in eines gequetscht? Der Handlungsstrang um den schwer kranken und inkontinenten Hund wirkt fast wie eine Geschichte von Brecht über Herrn Keuner. Die Geschichte um die auseinandertreibende Familie ist so treffend wie deprimierend realistisch erzählt, der Handlungsstrang um Israel ein interessantes Gedankenspiel, meiner Meinung nach nicht ganz so gelungen umgesetzt. Vielleicht würde ich das Buch mit etwas mehr Abstand positiver beurteilen, aktuell überwiegt leider die Enttäuschung.

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Tana French – The Trespasser: Dublin Murder Squad 6 (Der gefrorene Schrei)

Zum Inhalt
Antoinette Conway, die bärbeißige und hartnäckige Detektivin aus “Geheimer Ort” (“The Secret Place”) arbeitet nach wie vor im Morddezernat, noch gerade so. Inzwischen ist Stephen Moran ihr fester Partner, sie arbeiten gut zusammen – der Rest ihres Berufslebens verläuft eher weniger gut. Sie arbeitet nicht gut mit den anderen im Team und es läuft eine sehr persönliche Schmutzkampagne gegen sie.
Sie und Stephen bekommen eine Fall auf den Tisch, der auf den ersten Blick wie ein ganz gewöhnliche Beziehungstat wirkt. Die junge, attraktive Aislinn Murray liegt tot in ihrem makellosen Haus, alles ist vorbereitet für ein romantisches Abendessen zu Zweit. Es dauert nicht lange, bis die beiden auf Widersprüche stoßen und es nicht mehr so klar scheint, dass der Freund von Aislinn Murray der Täter ist. Gleichzeitig wird ihre Arbeit im Dezernat in Frage gestellt und ganz offensichtlich werden ihre Ermittlungen behindert. Wer steckt dahinter, warum und wer ist der wahre Täter?

Zur Autorin (vom Verlag)
Tana French ist die junge Bestsellerstimme des anspruchsvollen Kriminalromans. Sie wurde in den USA geboren, wuchs in Irland, Italien und Malawi auf und lebt seit 1990 in Dublin. Tana French machte eine Schauspielausbildung am Trinity College und arbeitet für Theater, Film und Fernsehen. Ihr erstes Buch Grabesgrün wurde mit dem Edgar Allan Poe Award für das beste Debüt ausgezeichnet, auch die folgenden Kriminalromane Totengleich und Sterbenskalt wurden sofort zu großen internationalen Erfolgen.

Zur Sprecherin
Hilda Fay ist eine irische Theater- und TV-Schauspielerin. Dies scheint das erste von ihr eingelesene Hörbuch zu sein.

Meine Meinung
So wie es anderen schon beim fünften Teil erging (Geheimer Ort – Tana French), so war für mich der sechste Teil der Reihe, der mich auf der einen Seite fesselte, andererseits in der Mitte gewisse Längen hatte und erst im letzten Viertel wieder richtig spannend wurde.

Antoinette Conway ist eine sperrige und sehr komplexe Hauptfigur, mit sich selbst und ihrem Privat- und Berufsleben unzufrieden, ständig auf Angriff, äußerst misstrauisch und bereit, das Schlechteste von ihren Kollegen zu erwarten, fast schon komplett menschenfeindlich, hat sie sich in eine Ecke manövriert. Das düstere Januarwetter in Dublin hilft auch nicht mehr. Ihr neuster Fall scheint auf den ersten Blick langweilige Routine zu sein, ganz klar war es eindeutig der Freund des Opfers, Aislinn Murray. Auch nach Ansicht einiger älterer Kollegen, die darauf drängen, ihn zu verhaften.

Antoinette und Steve stoßen auf einige Ungereimtheiten und fangen an, heimlich auf eigene Faust zu ermitteln, die sie in eine ganz unerwartete und vor allem unerfreuliche, wenn nicht gar gefährliche Richtung führt – deren Ende sie vielleicht lieber nicht finde möchten.

Während der Fall selbst und die Ermittlungen teilweise etwas zäh sind, vor allem einige der Gespräche mit einem älteren Kollegen, so sind die Darstellung der Polizeiarbeit, des Vorgehens bei den Ermittlungen und das Zusammenspiel der Kollegen untereinander ungleich spannender. Insbesondere die Szenen mit Befragungen mussten ohne Unterbrechung gehört werden, egal wie spät es wurde, so lebendig lässt Tana French ihre Figuren werden. Wieder schafft es Tana French eine ganz besondere psychologische Spannung aufzubauen, die bis zum Ende anhält.

Vielleicht war es auch einfach ein allzu von sich selbst überzeugter Kollege von Antoinette, der mich mit seinen ausufernden, besserwisserischen Reden immer wieder nervte. Grinsen

Vielleicht unnötig aber gleichzeitig reizvoll sind gewisse Parallelen im Leben von Antoinette Conway und Aislinn Murray. Den Fall selbst fand ich nicht hundertprozentig überzeugend, wobei die Auflösung und die Ermittlungsarbeiten auf mich sehr überzeugend wirkten, die Charakterentwicklung der Hauptfiguren, ihre Motive und Taten umso glaubwürdiger.

Allzu viel möchte ich nicht verraten, schon der deutsche Klappentext verrät meiner Meinung nach zu viel und ich hoffe, dass die „Übersetzung“ des Titels nichts über die Qualität der Übersetzung des gesamten Textes aussagt. (Trespasser = Eindringling, passt zum Inhalt) Die englische Fassung ist sprachlich anspruchsvoll und einfallsreich.

Die Konstruktion der Reihe ist originell, denn wieder stehen Nebenfiguren aus einem vorherigen Band diesmal im Mittelpunkt, vorherige Hauptfiguren werden zu Nebendarstellern.

Hilda Fays Stimme passt vermutlich zur spröden und abweisenden Antoinette Conway, machte „The Trespasser“ jedoch nicht gerade zu einem Hörvergnügen.

Fazit
Ein insgesamt gelungener sechster Band, der literarisch durchaus überzeugend ist, jedoch im Mittelteil gewisse Längen aufweist. Tana French versteht es, psychologische Spannung aufzubauen und vermittelt überzeugend die Ermittlungen an diesem Fall, sowie viel über das Vorgehen bei Mordermittlungen und Verhören.

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Frisch eingetroffen: Christine Kabus – Das Geheimnis der Mittsommernacht

Norwegen, 1895. Im Bergbaustädtchen Røros begegnen sich zwei junge Frauen, deren Schicksal kaum unterschiedlicher sein könnte. Die Deutsche Clara ist ihrem Ehemann in dessen Heimatstadt gefolgt, wo sich dieser endlich mit seinen Eltern aussöhnen will. Doch die Ordals begegnen Clara und ihrem kleinen Sohn Paul mit unverhohlener Ablehnung. Als wenig später ein furchtbares Unglück geschieht, ist Clara plötzlich auf sich allein gestellt. Unerwartete Hilfe erfährt sie ausgerechnet durch Sofie, die Tochter des mächtigen Bergwerksbesitzers, dem die Ordals schon lange ein Dorn im Auge sind. Sofie empfindet ihr behütetes Dasein als goldenen Käfig und bewundert es, wie Clara ihr Leben meistert. Während Clara und Sofie zu Freundinnen werden, kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das ihre Familien seit Jahrzehnten überschattet.

 

Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte.
Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen. Ihr erster Roman IM LAND DER WEITEN FJORDE ist eine Hommage an dieses faszinierende Land.

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Frisch eingetroffen: Louis de Bernières – Imagining Alexandria

Poetry was Louis de Bernières’ first literary love. Here the much-loved author returns us to the vivid Mediterranean landscape of his fiction. Introduced to Greek poetry while in Corfu in 1983, de Bernières’ own poems about the distant past, the erotic and the philosophical owe much to the influence of the great Alexandrian poet.

Louis de Bernières, who lives in Norfolk, published his first novel in 1990 and was selected by Granta magazine as one of the twenty Best of Young British Novelists in 1993. Since then he has become well known internationally as a writer, with Captain Corelli’s Mandolin winning the Commonwealth Writers’ Prize for Best Novel in 1994. His sixth novel, the acclaimed Birds Without Wings, came out in 2004., A Partisan’s Daughter (2008) was shortlisted for the Costa Novel Award and Notwithstanding: Stories from an English Village was published in Autumn 2009, followed by de Bernieres’ first collection of poetry, Imagining Alexandria: Poems in Memory of Constantinos Cavafis, in 2013; it is also available in audio, read by the author. Publication of his major new novel, The Dust That Falls From Dreams, was in July 2015, and his new collection of poems, OF LOVE AND DESIRE, is out in February 2016. As well as writing, de Bernieres plays the flute, mandolin and guitar. He was born in London in 1954.

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Nachlese Edinburgh International Book Festival 2016

Auch dieses Jahr war ich im August wieder auf dem Edinburgh International Book Festival oder kurz EdBookFest. Wie auch in den Jahren zuvor wurden einige Events in voller Länge aufgezeichnet und Interviews im YouTube Channel des Festivals veröffentlicht. Es lohnt sich immer wieder, einen Blick hineinzuwerfen, da immer mal wieder neue Videos dazu kommen.

Viele Bilder findet man auch bei Flickr:

2016 Edinburgh International Book Festival

Für mich war es erneut ein Wahnsinns-Erlebnis. Entgegen meinem ursrünglichen Plan, nächstes Jahr mal was anderes zu machen, habe ich jetzt doch schon wieder gebucht 🙂

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