Über die Premieren der Kammeroper München (Diener zweier Herren am 25.08.) und des Jungen Schauspiel Ensemble München (Schweig, Bub am 14.09.) habe ich drüben bei mucbook geschrieben.
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Über die Premieren der Kammeroper München (Diener zweier Herren am 25.08.) und des Jungen Schauspiel Ensemble München (Schweig, Bub am 14.09.) habe ich drüben bei mucbook geschrieben. Ähnliche Artikel:Ich hatte dieses Stück zuvor schon zweimal gesehen und fand es beide Male ziemlich anstrengend. Interessant, bunt, spannend und ausgesprochen schön, aber danach war ich fix und fertig gewesen. Alte Musik ist zuweilen schwer verdaulich, besonders, wenn man sie nicht gewöhnt ist. An diesem Abend aber, gleich nach der Sommerpause, lief alles rund. “Der geduldige Sokrates” ist nun glattgeschliffen wie ein Marmorkiesel am Strand vor Athen. Die Continuo-Gruppe unter ihrem Dirigenten Jörn Hinnerk Andresen spielt mittlerweile so routiniert wie ihre Kollegen zu Barockzeiten, und dadurch wird das Hörerlebnis sehr entspannt. Die üblichen Verdächtigen machten ihre Sache alle sehr gut: Holger Ohlmann als Sokrates, Sandra Moon als Xanthippe, Elaine Ortiz Arandes als Sokrates’ Zweitfrau Amitta und Stefanie Kunschke als Prinzessin Rodisette. Inga-Britt Andersson, ein Gast, sang die Edronica ganz hervorragend und verlieh der zimtzickigen Prinzessin das nötige Quantum Arroganz. Gregor Dalal als König Nicia gefiel mir wie immer ausgesprochen gut, Cornel Frey als Melito fand ebenfalls großen Beifall, und am beeindruckendsten war für mich persönlich Yosemeh Adjei, der den Prinzen Antippo an diesem Abend fast perfekt sang (was für einen Countertenor ja nicht ganz so leicht ist). Dadurch, dass diese Partie jetzt so unangestrengt klang, kamen seine darstellerischen Qualitäten so richtig zur Geltung. Dieser Prinz hat eine ganz außergewöhnliche Bühnenpräsenz. Ich war auch schon bei den anderen Vorstellungen ganz hin und weg von seiner Ausstrahlung und seinem Charme, und am Ende des Stücks ist dann auch eine der Prinzessinnen weichgekocht. Interessant finde ich auch das Eheleben des Sokrates: es ist nämlich in jeder Vorstellung anders. Bei der Premiere zeigte Stefan Sevenich einen Sokrates, der zwar eine turbulente Ehe führt, in der ständig diskutiert werden muss (wie lästig!), aber es war alles noch im grünen Bereich. In der zweiten Vorstellung ließ Holger Ohlmann als Sokrates das Abgründige, Verzweifelte, fast Pathologische dieses Beziehungsdreiecks durchscheinen. Bei dieser Vorstellung nun, der sechsten insgesamt, war das klaustrophobische Gefühl verschwunden, und der Sokrates fügte sich mit souveräner Resignation in sein Eheunglück. Das war auch gut so, denn an diesem Abend hätte ich so viel Intensität gar nicht verkraftet (so künstlerisch wertvoll sie auch sein mag), und eine gewisse Lässigkeit war schon auch im Sinne des Erfinders Telemann, der dem Publikum eher locker-flockige Unterhaltung bieten wollte. Unter den Schülern des Sokrates erfreut Mauro Peter mit seinem kräftigen Tenor, auch Stefan Thomas, Bernhard Appich und Oliver Weißmann füllten ihre Rollen hervorragend aus. Maximilian Wintergerst bot einen ganz entzückenden Cupido, und dem Tänzer Denis Mogylyov als Adonis stand sein Feigenblatt ganz ausgezeichnet (und das ist jetzt mal keiner meiner tendenziell tendenziösen, latent sexistischen Kommentare, sondern eine fachliche Bewertung, jawohl). Und zu guter Letzt mein wichtigster Textbaustein: Ceterum censeo: Der Chor war sehr gut. Obwohl der Zuschauerraum nur halb voll war (die andere Hälfte war auf dem Oktoberfest), gab es am Ende einen sehr langen und kräftigen, wohlverdienten Applaus. Ähnliche Artikel:Morgen beginnt mit dem Theatervergnügen im schönsten Theater Münchens die neue Spielzeit, allerhöchste Eisenbahn für den Rückblick auf die vergangene Wieder einen Schritt weiter gegangen bin ich in dieser Spielzeit, habe gelernt, mich noch intensiver mit dem Gehörten und Gesehen auseinanderzusetzen. Letztlich bin ich damit auf einer neuen Ebene des Schreibens angelangt, die aber auch ganz schön anstrengend ist. Mal sehen, ob ich das durchhalte. Einige Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen, manche fehlen mir jetzt schon. Die Spielzeit hatte fröhliche Momente, aber auch sehr traurige. und es wird nicht besser werden. Spielzeit 2010/2011 Gärtnerplatztheater
Spielzeit 2010/2011 Bayerische Staatsoper
Spielzeit 2010/2011 Sonstige
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