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Kaspar Hauser, 03.09.2014, Kammeroper München im Hubertussaal

Kaspar Hauser Die Kammeroper München legt mit Kaspar Hauser bereits das vierte Opernpasticcio vor, allerdings hat man sich hier von der Komödie verabschiedet. Wie Regisseur Dominik Wilgenbus und Arrangeur Alexander Krampe bei der Einführung verdeutlichten, ging das Thema von der Musik aus. Schubert hat durchaus Opern geschaffen, 17 Bühnenwerke inklusive Schauspielmusik finden sich in seinem Werk. Allerdings sind diese, wenn man als Maßstab die Lieder von Schubert nimmt, nicht wirklich inspiriert, was an der mangelnden Aufführungspraxis von Schubert gelegen haben könnte. Auch heute findet man die Werke nur selten auf dem Spielplan der deutschen Theater, sie sind deshalb auch weitgehend unbekannt.

Kaspar Hauser Bei dem Traumspiel genannten Werk der Kammeroper handelt es sich um keine Rekonstruktion einer historischen Wahrheit mit Hilfe der Oper, sondern vielmehr um eine Abfolge von Episoden, die aus Kaspar Hausers Leben bekannt sind. Interessant hierbei ist die Verwendung von Stücken aus dem Lazarus-Fragment, einem unvollendeten Oratorium von Schubert. Die Geschichte Kaspar Hausers ist nicht nur sehr plakativ verwandt mit der von Lazarus, der Todestag Hausers, der 17.12., ist gleichzeitig auch der Lazarustag. So viele Zufälle kann es gar nicht geben, und so identifiziert sich Hauser in Wilgenbusch’ Fassung auch mit Lazarus, aber gleichzeitig auch mit dem Froschkönig.

Kaspar Hauser Das klingt absurd? Ist es aber nicht. Der rote Faden ist Kaspar Hauser selbst, an ihm entspinnt sich eine Geschichte aus Rückblenden, Traumbildern und Märchensequenzen.  Dominik Wilgenbus hat ein feines Gespür für das, was er dem Publikum zumuten kann, wo es noch mitgeht, mithalten kann. Es wird eingehüllt in diese Lebensgeschichte dieses außergewöhnlichen Mannes, dessen Geheimnis bis heute nicht ergründet ist. Er spielt perfekt mit dem Bühnenbild von Udo Vollmer, das eigentlich nur aus ein paar Stangen auf Rädern besteht, an die ab und zu mal etwas hingehängt wird oder die Sänger drin herumklettern, das aber doch so vielschichtig ist wie zehn Prospekte. Sehr gut in die Zeit passend waren die Kostüme von Katharina Raif.

Kaspar Hauser Die Kammeroper München hat, wie immer eigentlich, exzellente junge Sänger für diese Produktion engagiert, allen voran der junge portugiesische Bariton André Baleiro, der die Titelrolle mit starker Bühnenpräsenz und großem Einfühlungsvermögen zeigte. Die anderen Sänger übernehmen jeweils mehrere Rollen, stark Katherina Konradi als Daumers Katze und Florence Lousseau als Hausers Mutter. Altistin Aline Kostrewa war an diesem Abend etwas gehandicapt, so dass sie nur Singen (was sie ausgezeichnet tat), aber nicht spielen konnte. Der Regieassistentin Franziska Reng ist es zu verdanken, dass der Abend nicht ausfallen musste, sie spielte die Rollen, als hätte sie die ganze Zeit nichts anderes getan. Thomas Huber, Philipp Jekal und Clemens Joswig ergänzten das prächtige Ensemble.

Ich gestehe, weder die Winterreise noch die schöne Müllerin geben mir besonders viel. Ich bin kein großer Fan von Schuberts Liedzyklen, aber die Musik an diesem Abend war einfach traumhaft. Die Ensembles so ätherisch-schön, die Arien nicht minder. Da hat Arrangeur Alexander Krampe ganze Arbeit geleistet. Das Orchester der  Kammeroper München unter Nabil Shehata musizierte sehr klar und rein und machte den Abend zu einem vollkommenen Vergnügen.

Regie Dominik Wilgenbus, Arrangement Alexander Krampe, Musikalische Leitung Nabil Shehata, Bühne Udo Vollmer, Kostüme Katharina Raif, Choreographie Bettina Fritsche, Maske Tatjana Bösch, Licht Wolfgang Förster, Regiesassistenz Franziska Reng, Dramaturgie Karoline Wernicke, Musikalische Assistenz Andreas Partilla, Requisite Helmut Eiler
Kaspar Hauser André Baleiro, Das “Du” Philipp Jekal, Gerichtspräsident Feuerbach Clemens Joswig, Professor Daumer Thomas Huber, Daumers Katze Katharina Konradi, Lord Stanhope Aline Kostrewa, Kaspars Mutter Florence Losseau, Flöte Christiane Steffens, Klarinette Christophe Gördes, Fagott Ruth Gimpel, Violinen Anton Roters Senta Kraemer, Viola Georg Roters, Violoncello Thomas Wollenweber, Akkordeon Alexander Kuralionok, Kontrabass Ronald Schweppe, Gitarre Iva Nezic

Weitere Vorstellungen am  6., 7., 10., 11. und 13. September im Hubertussaal

Fotos ©Sabina Tuscany

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Ein detektivisches Opernerlebnis für Groß und Klein

Musik von Franz Schubert

Fritz Feuerbach will es allen beweisen: Es steckt ein grandioser Detektiv in ihm! Sollen die anderen ruhig über seine ungewöhnlichen Gedanken und Einfälle lachen. Er wird das größte Rätsel der letzten 200 Jahre lösen: das Rätsel um die wahre Herkunft von Kaspar Hauser.

Ihr wisst nicht, wer Kaspar Hauser ist? Ihr kennt ihn nicht, diesen wunderlichen Jungen, der plötzlich auf dem Marktplatz der Stadt Nürnberg steht, von seiner möglicherweise königlichen Abstammung nichts ahnt und nur einen Satz sagen kann: “Ein Reiter will ich werden, wie mein Vater einer war.”?

Staunt und rätselt mit! Die Kammeroper München entdeckt mit der mal heiteren, mal melancholischen Musik von Franz Schubert und detektivischem Witz die Geschichte vom Findling Kaspar Hauser neu. Mit der kleinen Oper “Prinz Kaspar” bietet sie ein berührendes und aufregendes Theatererlebnis für die ganze Familie!

Musik Franz Schubert, Text/Dramaturgie Karoline Wernicke, Regie Anette Klare, Ausstattung/Illustrationen Peter Engel, Mitwirkende: Schauspiel/Gesang Maximilian Nowka, Flöte Christiane Steffens, Klarinette Christophe Gördes, Cello Thomas Wollenweber, Akkordeon Alexander Kuralionok

Premiere 3. September 2014 im Schloss Nymphenburg, weitere Vorstellungen 4./6. (15 Uhr) und 7.9.2014 (11 Uhr)

Eine Produktion von „Projekt Kammeroper München e.V.”

 

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