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Jasper Fforde – One of our Thursdays is missing

Im sechsten Band One of our Thursdays is missing der Thursday-Next-Reihe gelingt es Jasper Fforde wieder, die fantastische Welt der Bücher lebendig werden zu lassen und knüpft damit an die Erfolge der früheren Bände an.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Titel Eine unserer Thursdays wird vermisst, allerdings lautet der deutsche Titel Wo ist Thursday Next?, was dem Roman leider nur teilweise gerecht wird. Denn der Leser begegnet hier gleich drei Thursdays, von einer vierten wird gesprochen. Aber nur eine ist real, die anderen sind ihre geschriebenen Alter Egos. Naja, eine, Carmen, ist nur eine Thursday zur Aushilfe. Sie ist ja schließlich auch kein A3-Charakter. Minutiös breitet Fforde die Buchwelt, die am Anfang des Romanes auf topographisch umgestellt wird, vor dem Leser aus. Bereits hier kann man sich am Ideenreichtum des Autors freuen, auf kleine Seitenhiebe, z.B. auf DRM oder BOD und an den vielen Figuren, die man nicht nur aus den Vorgängerbänden, sondern auch aus unzähligen anderen Romanen kennt.

Die reale Thursday Next ist verschwunden und die geschriebene, also die aktuelle, da gibt es nämlich auch eine Vorgängerin, soll sie bei Friedensverhandlungen vertreten, weil sonst ein Krieg der Genre droht. Die geschriebene Thursday ist bei der Jurisfiction-Prüfung durchgefallen und soll nun auf einmal die Aufgaben der echten Thursday übernehmen. Das erweist sich als ziemlich schwierig und die geschriebene Thursday muss sogar in die reale Welt reisen um die echte Thursday zu finden. So taucht auch diese Welt wieder auf, in der Käse geschmuggelt wird wie andernorts Drogen und die Bahnen die kühnsten Science-Fiction-Träume erfüllen.

Die Handlung ist von Beginn an sehr komplex, man muss wirklich am Ball bleiben, um gut folgen zu können. Manchmal hätte ich mir ein Readers Companion, wie es ihn bei den ersten Bänden gab, gewünscht. Aber trotzdem gelang es Jasper Fforde immer wieder, mich zum Lachen zu bringen, etwa wenn er fabuliert, wie es denn IN einem Buch zugeht, wenn es gerade gelesen wird. Ein Feuerwerk an Ideen lässt mich jedes Mal aufs Neue staunen. Hier findet man übrigens eine Zeichnung der topographischen Bücherwelt. Ein genauer Blick lohnt sich 😉 Wer Bücher liebt, wird diesen Roman lieben.

Eine gelungene Fortsetzung, der siebte Roman in dieser Reihe The Woman, who died a lot, ist soeben erschienen. Ein weiterer ist in Planung, wird aber nicht vor 2015 erscheinen.

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Bernd Stelter – Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben

Oh nö, nicht schon wieder ein Diätratgeber. Oder so ein Motivationsbuch. Dachte ich.
Bernd Stelter schreibt überraschend offen und mit viel Humor über eine harte Phase in seinem Leben: die Gewichtsabnahme. Er nimmt sich selbst auf die Schippe, wenn er über seine früheren Diätversuche berichtet, er zieht eine ehrliche Bilanz und zieht den Leser damit auf seine Seite.

Gerade diejenigen, die schon immer mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hatten, werden sich in seinen Schilderungen wieder finden.

Sehr erheiternd sind dann auch seine Vorbereitungen, die ersten Versuche, mit dem Laufen zu beginnen, die ersten Höhepunkte, aber auch die unvermeidbaren Rückschläge. Das ist alles so leicht und locker wiedergegeben, als ob man sich mit einem guten Freund unterhält. Seien es die Anekdoten aus dem Laden des Laufpabstes oder die Schilderung eines normalen Tourtages, Bernd Stelter lässt den Leser an seinem Leben teilhaben. Er spricht auch über die Wechseljahres des Mannes und den Zwang, viel Geld für ein Hobby auszugeben, damit man dem dann auch wirklich nachgeht.

Er gibt keine Ratschläge, sondern zeigt nur auf, wie es bei ihm funktioniert hat. Das kann man als Leser für sich umsetzen oder nicht. Ich fand vor allem seinen Trick der Visualisierung toll, denn so kann man sich halt immer vor Augen führen, was man tatsächlich erreicht hat.

Besonders sympathisch ist die Stelle, wo er über die Glücksgefühle schreibt, die er hatte, als er zum ersten Mal wieder „normale“ Kleidung gekauft hat und wie es ihm nach dem Verlust von 30 kg geht. Schon allein dafür lohnt sich die Schinderei, signalisiert er damit.

Ein offenes, ehrliches, Mut machendes Buch, das immer wieder zum Lachen reizt. Und Lachen ist ja schließlich gesund.

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Premiere La Cenerentola, 23.08.2012, Kammeroper München im Hubertussaal

La Cenerentola Über die wirklich sehr gelungene Premiere der Kammeroper München habe ich wieder drüben bei mucbook geschrieben.

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Interview mit Camilla Nylund

Camilla Nylund Können Sie uns zu Beginn einen Einblick in Ihren Werdegang geben?

Ich habe als Kind immer gesungen. Viel im Chor und manchmal auch solistisch. Mit 14 habe ich dann angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen in Vasa am Musikinstitut. Ich habe nach dem Abitur ein Jahr Musikwissenschaft in Turku und Gesang am Konservatorium studiert, ich war seitdem ich 15 war jeden Sommer beim Gesangskurs, u.a. in Rom, Wien und dann in Salzburg. 1988 habe ich die Aufnahmeprüfung am Mozarteum bestanden. Bis 2005 habe ich dann studiert, danach fing ich am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover meine Karriere an. 1999 wechselte ich nach Dresden an die Semperoper, von wo ich meine internationale Karriere starten konnte. 2008 wurde ich zur sächsischen Kammersängerin ernannt.

Was gab den Ausschlag, Sängerin zu werden?

Ich habe immer gesungen, konnte alle ABBA-Lieder auswendig, wollte eigentlich Pop-Sängerin werden. Durch den Gesangsunterricht bin ich dann zum klassischen Gesang gekommen. Meine erste klassische Platte war eine Mozart-Platte mit Kathleen Battle, die hat mich schwer beeindruckt.

Mit welchen Rollen haben Sie nach den Anfängen international debütiert?

Ich habe mit Strauss-Partien wie Marschallin, Arabella und Salome international debütiert sowie mit Leonore in Fidelio und Elisabeth in Tannhäuser .

Gibt es ein Opernhaus, in dem Sie besonders gerne singen?

Ich singe sehr gerne in Wien. Das Wiener Publikum ist toll und kennt sich wirklich gut aus. Die Semperoper ist mein altes Stammhaus, mit fantastischer Akustik und einem tollen Orchester, leider singe im Moment gar nicht dort.

Sie singen nun im zweiten Jahr in Bayreuth die Elisabeth im Tannhäuser, inszeniert von Regisseur Sebastian Baumgarten.Wie sehen Sie die Inszenierung und wie ist Ihre Rolle angelegt? Wie kann man sich die Arbeit in Bayreuth vorstellen?

Der zweite Sommer ist bald zu Ende, ich muss sagen, dass es mir diesen Sommer viel besser gefallen hat. Wir hatten ja diesen Sommer mit Thielemann einen neuen Dirigenten, und das hat dem Stück viel gebracht. Ich finde die Inszenierung sehr interessant und es gibt besonders für meine Rolle als Elisabeth neue Aspekte. Sie inszeniert sich als Märtyrerin. Die Gesellschaft bringt sie dazu. Ich finde es sehr entspannend, in Bayreuth zu sein. Man kann sich sehr gut konzentrieren auf seine Aufgaben.

Wie erarbeiten Sie sich eine neue Rolle?

Ich studiere immer meine Partien mit meinem Pianisten Jobst Schneiderrat in Dresden und gehe danach zu meiner Gesangslehrerin Irmgard Boas, um die Partie mit ihr durchzuarbeiten.

Wie wichtig ist Ihnen der schauspielerische Aspekt in ihrer Arbeit?

Sehr wichtig! Ich liebe Oper, weil man hier singen und agieren kann. Ich liebe es, in eine neue Rolle zu schlüpfen!

In diesem Jahr gab es am grünen Hügel einen Dirigentenwechsel. Christian Thielemann dirigierte statt Thomas Hengelbrock. Was bedeutet es für das Ensemble, wenn ein Dirigent kurzfristig wechselt,  und gab es große musikalische Veränderungen?

Für die Produktion hat es viel bedeutet. Wir hatten diesen Sommer einen viel besseren Erfolg. Christian Thielemann hat die Fähigkeit, dem Stück mehr Dichte zu geben.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Ich singe sehr gerne Richard Strauss.

Welche Rolle singen Sie am liebsten?

Eigentlich immer die Rolle, die ich gerade singe!

Sie haben auch Operette in ihrem Repertoire. Wie wichtig ist Ihnen dieses Genre?

Operette gut zu machen ist sehr schwierig. Ich habe damals bei der Rosalinde in Die Fledermaus sehr viel gelernt. Dialoge zu sprechen ist nicht immer leicht, da benutzt man die Stimme ganz anders als beim Singen.

Gibt es eine Traumrolle für Sie, die in Zukunft auf Sie zukommt? Yannick Nézet-Séguin (conductor), Willy Decker (director), Meisje Barbara Hummel (preparation), Wolfgang Gussmann (sets), Wolfgang Gussmann & Susana Mendoza (costumes), Hans Toelstede (lighting design), Klaus Bertisch (dramaturge)

Ich hoffe, dass ich noch viele Strausspartien singen werde und natürlich, dass ich eines Tages die Isolde singen kann.

Bleibt neben der regen Tätigkeit in der Oper noch Zeit für moderne Musik oder Liederabende?

Liederabende mache ich manchmal. Leider fehlt die Zeit, um sie regelmäßig zu machen. Das gleiche gilt für die moderne Musik.

Können Sie uns noch einen Ausblick in Ihre Zukunft geben? Wo und mit welchen Rollen können wir Sie hören?

In Zukunft werde ich viel Strauss singen. Kaiserin in Die Frau ohne Schatten von Strauss kommt in ein paar Jahren, sonst werde ich viele Partien wieder singen, die ich im Repertoire habe. Ich gebe auch viele Konzerte und habe auch da in Zukunft viele interessante Aufgaben.

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P.D. James – Cover Her Face

In ihrem ersten Kriminalroman Cover Her Face (deutsch Ein Spiel zuviel) bleibt P.D. James ganz in der Tradition eines klassischen Whodunit und hat eine ziemlich überraschende Auflösung für ihre Leser parat.

Sally, ein “gefallenes Mädchen”, da unverheiratet und Mutter, wird in einem englischen Landhaus als Hausangestellte beschäftigt. Am Morgen nach der Ankündigung, dass Stephen, der Sohn des Hauses, ihr einen Antrag gemacht hat, ist sie tot. Mit bloßen Händen in einem verschlossenen Zimmer erwürgt. Es gibt reichlich Verdächtige, innerhalb und außerhalb der Familie, aber keiner scheint eine Gelegenheit gehabt zu haben. Adam Dagliesh, Inspektor bei Scotland Yard, ermittelt fleissig und ruft am Ende alle Verdächtigen zusammen, um den Mörder oder die Mörderin zu enthüllen.

Beim Lesen dieses Buches muss man sich in die Zeit hineinversetzen, in der es geschrieben wurde. Viele Ansichten gelten heute als antiquiert, die in diesem Roman vermittelt werden. Das “Heim für gefallene Mädchen” hieße heute bestimmt nicht so und sicher ist auch das Verhältnis der oberen Zehntausend zu ihren Hausangestellten ein bisschen anders. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, entfaltet sich eine spannende Story vor dem Leser. P.D. James gelingt es vor allem, ihre Figuren sehr präzise und tiefgründig zu charakterisieren und die Atmosphäre in einem englischen Landhaus der 60er-Jahre gut einzufangen. Dabei steht nicht der Ermittler, sondern die Ermittlungen im Vordergrund. Man erfährt wenig über Adam Dagliesh, aber er macht einen sympathischen Eindruck und er versteht sein Handwerk.

Ein gelungener Auftakt der Serie um den Scotland Yard Inspektor Adam Dagliesh.

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Nicole C. Vosseler – Das Herz der Feuerinsel

Nicole C. Vosselers Roman Das Herz der Feuerinsel verlangt den Protagonisten und Lesern viel ab, verbirgt sich hinter dem netten Cover doch eine emotional fordernde und spannende Geschichte.

Jacobina und Floortje haben augenscheinlich wenig gemeinsam, als sie sich 1882 auf einem Schiff kennenlernen, das sie von den Niederlanden nach Batavia bringt. Jacobina, die wohlerzogene Tochter aus vornehmen Hause, die eine Gouvernantenstelle antreten wird, um damit der Enge der Familie zu entfliehen. Floortje, die ihre einfache Herkunft verheimlicht und es sich in den Kopf gesetzt hat, einen reichen Pflanzer zu heiraten. Zaghaft schließen die beiden Frauen Freundschaft, verlieren sich jedoch bald nach der Ankunft wieder aus den Augen. Scheint Batavia anfangs noch ein Paradies zu sein, offenbart es nach und nach sein wahres Gesicht. In der Hölle des Vulkanausbruchs treffen die beiden Frauen wieder aufeinander und schmieden ein festes Band der Freundschaft.

Nicole C. Vosseler erweckt zum Leben, wovon sie schreibt, seien es die Figuren, die Landschaften, die historischen Hintergründe, hier ist alles vierdimensional mit dem Geruch als vierter Dimension. Denn ich konnte sie riechen, die salzige Seeluft, an einem scharfen Curry schnuppern, den beißenden Qualm in den Lungen spüren. Es ist eine dunkle Geschichte, die sie erzählt, schonungslos setzt sie den Leser der dunklen Seite des Paradieses aus: Prostitution, Rassismus, Gewalt. Aber wenn ein Kind lacht, zeigt sich die friedliche und sonnige Seite, wenn die Freundinnen zusammen Einkaufen gehen oder zusammen Tee trinken. Nicht nur die Insel hat zwei Seiten, auch die Figuren sind wie aus dem Leben gegriffen und haben ihre Ecken und Kanten. Nicht jeder Böse ist nur böse und nicht jeder Gute ist nur gut. Das verleiht den Personen bis hin zu den Nebenfiguren Tiefe und Lebendigkeit. Die historischen Hintergründe sind, wie immer bei Nicole C. Vosseler, ausgezeichnet recherchiert und in die Handlung gewoben, so dass sich der Film im Kopf sehr wirklich anfühlt. Manchmal hätte ich allerdings gerne die Augen geschlossen, um nicht mit ansehen zu müssen, was passiert und die Ereignisse, die den beiden Frauen widerfahren, gingen mehr als einmal an meine persönliche Schmerzgrenze und ich habe mit Jacobina und Floortje mitgelitten. Ich habe noch lange nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, an die beiden denken müssen.

Ein bewegender und lange nachwirkender Roman, danke Nicole für diese intensiven Lesestunden!

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Tereza Vanek – Die Ketzerin von Carcassonne

Mit Die Ketzerin von Carcassonne ist Tereza Vanek zum wiederholten Mal ein Roman gelungen, der lebendige Historie mit interessanten Charakteren und einer spannenden Geschichte verbindet.

Ein Kloster in Köln im 13. Jahrhundert. Adelind und Hildegard sind Zwillingsschwestern, aber sehr unterschiedlich im Aussehen und Charakter. Während Hildegard wunderschön ist, aber sich schlecht durchsetzen kann, ist Adelind die tatkräftigere von beiden, die immer eine schützende Hand über die Schwester hält. Nachdem Hildegard nach einer Vergewaltigung schwanger wird, muss sie das Kloster verlassen und Adelind folgt ihr heimlich. Sie schließen sich fahrenden Gauklern an und gelangen mit ihnen schließlich nach Dun in ein Haus der Katharer. Adelind hat sich in Peyres, den Anführer der Gaukler verliebt und möchte mit ihm weiterziehen. Ihrer Schwester zuliebe bleibt sie aber bei den Katharern und wird sogar eine Perfach, das höchste Amt, das man innerhalb dieser Religionsgemeinschaft erreichen kann. Die Angriffe auf die Katharer häufen sich, Peyres möchte die Schwestern in Sicherheit bringen und Adelind muss sich schließlich zwischen einem Leben mit ihm und einem Leben mit den Katharern entscheiden.

Tereza Vanek gelingt es immer wieder, interessante Fakten so in ihre Romane einzubauen, dass man gar nicht merkt, wie man nebenbei auch noch dazulernt. in diesem Fall ist das Wissen besonders weit gefächert, vom Leben im Kloster über Gaukler im 13. Jahrhundert zu den Katharern. Die Autorin recherchiert wohl sehr intensiv und kann ihre Ergebnisse auch sehr gut in den Roman einfließen lassen. Besonders die Geschichte der Katharer ist sehr intensiv verarbeitet und bringt einem diese Religionsgemeinschaft, die so brutal durch die katholische Kirche aufgelöst wurde, näher. Die Figuren sind sehr fein gezeichnet und nicht alle sind liebenswert, aber nie schwarz-weiß. So mochte ich Hildegard zum Beispiel überhaupt nicht, habe sie aber letztendlich für ihren Mut bewundert. Die Geschichte ist spannend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Protagonisten sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich konnte mich nur schwer von ihnen verabschieden.

Ein spannendes Lesevergnügen mit Tiefgang!

 

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P.D. James – Death Comes to Pemberley

Wie fühlt es sich an, wenn man sich mit 90 Jahren einen Lebenstraum erfüllen kann? P.D. James weiß es. Die Grande Dame des britischen Krimis und Jane Austen-Verehrerin hat in Zeiten, wo gruselige Fanfiction wie Fifty Shades of Grey rasenden Absatz findet, eine Art Krimi-Fortsetzung zu Pride and Prejudice geschrieben, die sich hinter dem Original nicht zu verstecken braucht.

Gleich zu Beginn entschuldigt sich Mrs James bei Jane Austen dafür, dass sie ihre Figuren in so etwas Unangenehmes wie eine Mordermittlung hineingezogen hat, Miss Austen hatte wohl ziemlich strenge Ansichten, was dererlei Dinge betraf. Ich glaube aber trotzdem, dass ihr Death Comes to Pemberley Jane Austen gefallen hätte. Elizabeth und Darcy leben in Pemberley im Jahre 1803, sie sind seit sechs Jahren glücklich verheiratet und haben zwei entzückende Söhne. Die Vorbereitung für den großen Herbstball sind in vollem Gange, als die jüngste der fünf Bennet-Schwestern Lydia in einer stürmischen Nacht mit einer Kutsche heranrast und zusammenbricht, weil sie der Meinung ist, ihr Mann wäre ermordet worden. Es war dann doch nicht Wickham, sondern ein Freund von ihm, der getötet wurde, und Wickham steht nun selbst unter Mordverdacht. Um seinen Ruf und vor allem seine Schwester Georgiana zu beschützen, muss Darcy alles daran setzen, diesen Mord aufzuklären.

P.D. James gelingt es hervorragend, nicht nur den Stil von Jane Austen beizubehalten, sondern auch die Charaktere so weiterzuentwickeln, dass sie auch in einen Roman der ursprünglichen Autorin passen würden. Der Tonfall ist zwar etwas ernster hier, aber Elizabeth und Darcy haben ja schließlich auch schon zueinander gefunden und müssen nicht mehr mit spitzer Zunge darüber hinwegtäuschen, was sie eigentlich füreinander empfinden. Es gibt viele clevere Verbindungen zu Pride and Prejudice, die einen dazu animieren, auch diesen Roman noch einmal zu lesen. Der Kriminalfall ist spannend, auch wenn ich mir schon sehr früh über die Mordwaffe klar war, war die Auflösung dann doch eine Überraschung für mich.

Eine wundervolle und spannende Hommage an Jane Austen von einer Meisterin ihres Fachs.

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Linksammlung 19. Internationales Gilbert & Sullivan Festival in Buxton

Ich habe in diesem Jahr vier Produktionen gesehen und habe dazu noch ein paar ergänzende Links:

Marvellous Mikado at the Buxton Gilbert and Sullivan Festival

OPERA REVIEW: THE MIKADO, GILBERT & SULLIVAN FESTIVAL, BUXTON OPERA HOUSE

Interview mit dem Regisseur von Patience der Derby Gilbert & Sullivan Company

Incantation Scene aus dem Sorcerer von SavoyNet (ericpetersonmusic hat noch mehr Ausschnitte hochgeladen)

Weitere Ausschnitte aus dem Sorcerer

STAGE REVIEW: HMS PINAFORE GILBERT AND SULLIVAN FESTIVAL, BUXTON OPERA HOUSE

A British tar is a soaring soul: HMS Pinafore at the Buxton Gilbert and Sullivan Festival

2012 Festival Winners

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Anne Hertz – Wunschkonzert

Ich werde diesen Satz nie wieder schreiben, sagen oder auch nur denken: also eigentlich sind Frauenromane nicht so mein Genre. Denn Wunschkonzert, der neueste Roman der Schwestern Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz unter ihrem Pseudonym Anne Hertz hat mich glämzend unterhalten und auch so berührt, dass ich in Flugzeug und S-Bahn heulend dasaß und es mir *piiiiep*egal war, wer mich in diesem Zustand sieht.

Stella hat ihr Leben im Griff: ein cooler Job bei einem Plattenlabel, einen Riesendeal kurz vor dem Abschluss, ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter und ein Betthäschen für einsame Nächte. Aber plötzlich gerät alles aus den Fugen: ihren Job könnte schon bald ein anderer machen, den Deal darf sie vorerst nicht abschließen, ihre Mutter hat zu viele gute Ratschläge für sie bereit und ein Häschen aus Stoff ersetzt nun mal kein Liebesleben.

Natürlich ist Stella kein einfacher Mensch, aber einen Roman mit einer einfach gestrickten Protagonistin würde ich nach 50 Seiten wieder aus der Hand legen. Sie hat ihre Prinzipien und an die hält sie sich, auch wenn alle Welt sich über sämtliche Regeln hinwegsetzt, und das macht sie in meinen Augen sympathisch. Sie ist geradeheraus, auch wenn sie damit manchmal aneckt, aber trotzdem irgendwie schüchtern. Man merkt es, ich mag Stella sehr. Aber auch die anderen Figuren sind sehr gelungen, liebevoll gezeichnet und mit Tiefgang. Die Handlung ist witzig, aber auch gefühlvoll, voller innerer Musik, die man nur hören kann, wenn man ihr sein Herz öffnet.

Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber vielleicht darf ich mir ja doch das baldige Erscheinen eines neuen Anne Hertz-Romanes wünschen?

 

 

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