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Generalprobe Die Hochzeit des Figaro, 23.11.2012, Volksoper Wien

Die Hochzeit des Figaro Die Hochzeit des Figaro gehört zum Standardrepertoire jedes Opernhauses, das etwas auf sich hält. Dass ein Regisseur nach Jahrzehnten das gleiche Stück nochmal inszeniert, dürfte aber eher ungewöhnlich sein.

Marco Arturo Marelli startete vor knapp 40 Jahren an der Volksoper Wien seine Karriere, inszenierte dort bereits einmal alle Da-Ponte-Opern und kehrte jetzt mit einer entzückenden, witzigen, spritzigen neuen Produktion zurück. Das Bühnenbild besteht aus verschiebbaren Wänden, die immer neue Einblicke in die gräflichen Gemächer gewähren und am Ende sich sogar in einen formidables Gartenlabyrinth verwandeln. Die Kostüme sind passend zum zeitlichen Kontext und überhaupt stört hier nichts den reinen, unverfälschten Operngenuss. Die Hochzeit des Figaro Herr Marelli hat sich wohl schon einen Namen gemacht und muss sich nicht mit Skandalinszenierungen profilieren. Das hatte Witz und Charme (besonders die Bücherszene mit Bartolo), das war eine hervorragende Personenführung, das hatte einfach Hand und Fuß und ich musste nicht stundenlang darüber nachgrübeln, was mir der Regisseur jetzt sagen wollte. Einzig und allein die Übersetzung störte. Und damit meine ich jetzt nicht, dass es mich gestört hätte, dass nicht auf Italienisch gesungen wurde. Sondern dass es bessere deutsche Übersetzungen gibt. Man mag von der Inszenierung der Hochzeit von Alfred Kirchner am Münchner Gärtnerplatztheater halten, was man will, die Übersetzung war klasse.

Und es lohnte sich wirklich ungemein, genau hinzuhören. Natürlich gab es den ein oder anderen Patzer beim Einsatz, aber was wäre eine Generalprobe, in der nix schief geht. Nix wäre das. Hier war wirklich fast jeder Part optimal besetzt. Lediglich Yasushi Hirano sang zwar gut, aber seine Textverständlichkeit ging vor der Pause gegen Null. Das ist bei einem deutsch gesungenen Text ziemlich ärgerlich. Dafür stimmte bei Rebecca Nelsen als Susanna einfach alles. Eine Rosenarie zum Niederknien (und das um die Mittagszeit!) und ein bezauberndes Spiel. Spitzenmäßig auch Dorottya Lang als Cherubino und Jacquelyn Wagner als Gräfin. Hier stimmte jeder Ton, jede Nuance, jede Geste. Jeder Zoll und jeder Ton ein Herrscher war Konstantin Wolff als Graf, aber gleichzeitig auch ein begehrenswerter Mann. Die Hochzeit des Figaro Fast unverständlich, dass Susanna nicht schwach wird. Und ganz besonderes Lob an Sulie Girardie als Marcellina und Stefan Cerny als Bartolo. Gemeinsam schafften sie es, das ältere, fast schon in seiner Einfalt bemitleidenswerte Paar, zu neuen Höhen zu heben. Besonders Stefan Cerny beeindruckte mit einer wundervollen Stimme, das Münchner Publikum darf sich auf seine Rolle in der Uraufführung Der Präsident (ab 01.06. im Prinzregententheater) schon jetzt freuen. Dirk Kaftan führte Solisten, Chor und Orchester sicher und spritzig durch den Vormittag.

Am Ende gab es viel Beifall für alle Beteiligten und auch bei der Premiere soll viel gejubelt worden sein. Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dafür noch einmal nach Wien zu fahren.

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Interview mit Rebecca Nelsen

Rebecca Nelsen Liebe Frau Nelsen, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns ein Interview zu geben. Könnten Sie uns zu Beginn einen Einblick in Ihren Werdegang geben?

Ich habe Gesang und Oper zuerst an der Texas Tech Universität in Lubbock, Texas, studiert. Danach ging ich nach Wien, mit einem Fulbright-Stipendium, um mein Studium dort an der Universität für Musik und Darstellende Kunst fortzusetzen. Noch während der Studienzeit habe ich mein erstes professionelles Vorsingen für die Neue Oper Wien absolviert und habe die weibliche Hauptrolle in der Oper God’s Liar von John Casken gewonnen. Die Oper war ein Erfolg, und es folgten viele weitere Engagements an der Neuen Oper Wien. Im Jahr 2007 wechselte ich ins Ensemble des Staatstheaters Braunschweig als festes Ensemblemitgleid, wo ich viele unterschiedliche Partien singen durfte, unter anderem Gilda (Rigoletto), Musetta (La Boheme), Sophie (Der Rosenkavalier), Blondchen (Die Entführung aus dem Serail), Komtesse Stasi (Die Csárdásfürstin), die Tochter (Cardillac) und Eurilla (Orlando Paladino), sowie die Hosenrolle des Ippolito in der deutschen Erstaufführung von Johann Simon Mayrs Fedra.

Auf diesem guten Fundament gelang es mir, meine Gast-Karierre aufzubauen. Bisher habe ich Violetta (La Traviata) gesungen, am Teatro La Fenice in Venedig, dann Adele (Die Fledermaus), Sophie, Susanna (Le Nozze di Figaro), Blondchen und Violetta an der Semperoper Dresden; Olympia (Les Contes d’Hoffmann) und Sophie am Aalto Theater Essen, Blondchen an der Oper Köln, Fiorilla (Il Turco in Italia) beim Garsington Opera Festival in London, Julia de Weert (Der Vetter aus Dingsda) und Gretel (Hänsel und Gretel) an der Volksoper Wien, und jetzt auch Blondchen an der Bayerischen Staatsoper München. Ich habe auch ein Konzert mit dem Pittsburgh Symphonieorchester in Heinz Hall, Pittsburgh, gesungen.

Sind Aufnahmen von Ihnen erhältlich?

Ja, ich bin auf verschiedenen kommerziellen Aufnahmen zu hören: als die Engel in Radek von Richard Dünser (ORF: Mitschnitt von den Bregenzer Festspielen), als Ippolito in Fedra von Johann Simon Mayr (Oehms Classics), als Mary in The Brothers von Georg Antheil (CPO), als Solistin in Es geht wohl anders – Kunstlieder von Walter Arlen (Gramola) und als Solistin in Creation – ein Crossover Album von MOMO mit Erfolgskomponist Toni Castells (Itunes).

Was gab den Ausschlag, Opernsängerin zu werden?

Also, ich bin in New Mexico geboren und in Texas aufgewachsen; dort ist Oper eher ein Fremdwort. Es gibt zwar eine sehr gute Oper in Santa Fe, New Mexico, und auch eine in Houston, Texas, aber im Großen und Ganzen gibt es sehr wenige Möglichkeiten, in die Oper zu gehen, besonders als Kind oder Student. Ich bin über meine Trompete zur klassischen Musik gekommen. Ich bin eines von sieben Kindern – meine Zwillingsschwester und ich waren das fünfte und das sechste Kind. Als wir acht Jahre alt waren, kamen unsere Eltern nach Hause mit einer Trompete und einer Klarinette und haben uns die einfach ausgehändigt. Wir haben dann begonnen, unsere neuen Instrumente kennenzulernen, und über die Jahre sind wir beide wirklich gut geworden: als wir am Gymnasium waren, saßen wir beide am ersten Pult im großen Jugendorchester in Texas. Das Orchester veranstaltete jedes Jahr einen Konzert-Wettbewerb, dessen Hauptpreis ein Auftritt als Solist mit dem Orchester war. Weil ich am ersten Pult saß, wurde es von mir erwartet, dass ich vorspielen würde. Ich hatte mir aber etwas anderes einfallen lassen: Ich dachte mir, dass es ein großer Gag wäre, wenn ich statt einem Konzert für die Trompete eine Opernarie darbieten würde. Ich habe also, nach der ersten Gesangsstunde meines Lebens als Achtzehnjährige, die Arie “O mio babbino caro” aus Gianni Schicchi gesungen und damit den Wettbewerb gewonnen. Das Preisträgerkonzert fand im großen Konzertsaal der Texas Tech Universität statt. Nach dem Konzert kam der Gesangsprofessor der Universität zu mir und sagte: “Ich weiß, du denkst, dass du Trompeterin bist, aber du bist eigentlich eine Opernsängerin.” Er hat mir auf der Stelle ein Stipendium angeboten und mich überzeugt, Gesang an der Uni zu studieren. Das war der unwahrscheinliche Anfang meiner Gesangskarriere.

Sie sind freischaffende Sängerin. An welchen Opernhäusern haben Sie schon gesungen?

Bisher habe ich am Staatstheater Braunschweig gesungen, an der Semperoper Dresden, an der Oper Köln, an der Volksoper Wien, am Teatro La Fenice in Venedig, beim Garsington Opera Festival, und jetzt auch an der Bayerischen Staatsoper in München.

Gibt es für Sie schöne Erlebnisse (Produktionen, Dirigenten, Kollegen), von denen Sie berichten möchten?

Eine der schönsten Erinnerungen, die ich bisher sammeln konnte, kommt aus meiner Braunschweig-Zeit. Ich habe im ersten Jahr meines Festvertrags in Braunschweig die Musetta in einer Neuproduktion von La Boheme gesungen. Damals war der Großteil des Ensembles neu am Haus und wir sind alle während dieser Produktion sehr gute Freunde geworden. Wir haben fast jeden Tag zusammen gegessen und haben sogar inoffiziell einen Club ,,La Boheme” begründet. Es war eine sehr schöne Zeit und die Freundschaften, die in dieser Zeit entstanden, zählen immer noch zu den wichtigsten meines Lebens.

Nun Ihr Debüt an der Bayerischen Staatstoper in der Entführung aus dem Serail. –  Es ist aber nicht ihre erste Blonde?

Meine erste Blonde war in Braunschweig während meines Festengagements. Es ist wunderbar, wie viele schöne Seiten von dieser facettenreichen Figur ich in Produktionen in Dresden, Köln und jetzt in München kennengelernt habe.

In der Münchner Inszenierung von Martin Duncan wurden die Dialoge durch eine Erzählerin ersetzt. Macht es das schwierig, eine Beziehung zum Partner auf der Bühne aufzubauen? Vermissen Sie die Dialoge?

Ich habe mit Martin Duncan in London gearbeitet, bei seiner wunderbaren Produktion von Il Turco in Italia für das Garsington Opera Festival. Er ist ein toller, phantasievoller Regisseur, und seine Produktion der Entführung finde ich wirklich einfallsreich. Die Figur der Erzählerin verwandelt die Oper fast in eine Gute-Nacht-Geschichte und hat einen echten Reiz an sich. Ich habe, natürlich, die schönen Dialoge vermisst, besonders diejenigen mit Osmin, aber ich hatte in München solche wunderbaren Kollegen, dass es mir sehr leicht fiel, eine Beziehung zu ihnen im Rahmen der Oper aufzubauen.

Wie sehen Sie die Figur der Blonde? In welchen Momenten liegen die musikalischen Besonderheiten?

Ich sehe Blonde als eine starke Frau, die sich in einer furchtbaren Situation befindet und es trotzdem schafft, positiv zu bleiben. Sie glaubt an die Liebe und an die unveräußerliche Freiheit, die das Geburtsrecht jedes Menschen ist. Sie ist stolz auf ihre englische Herkunft und gibt nie die Hoffnung auf. Sie ist oft ein wenig leichtsinnig dargestellt, aber ihre Fähigkeit, nach zwei Jahren Gefangenschaft die Freude zu empfinden, die man in “Welche Wonne, welche Lust” hört, sehe ich als eine wahre Stärke.

Wo liegen die Charakterunterschiede zwischen Blonde und Konstanze?

Ich glaube, der größte Unterschied zwischen den beiden liegt in ihrer Art, mit der Situation im Serail umzugehen. In seinem Paradise Lost schrieb John Milton: “The mind is its own place, and in itself can make a heaven of hell, a hell of heaven.” (“Der Geist ist eine Welt für sich, in der die Hölle zum Himmel und der Himmel zur Hölle werden kann.”) Konstanze leidet viel in ihrer Gefangenschaft und ist bereit, für ihre Liebe und für ihre Treue zu sterben. Blondchen versucht, das Beste aus einer furchtbaren Situation zu machen und bleibt eher auf der sonnigen Seite des Lebens. Beide Frauen behalten souverän ihre Würde, sie gehen nur sehr verschieden damit um.

Gibt es für Sie musikalische Vorbilder?

Ja, natürlich! Für mich sind Beverly Sills, Joan Sutherland, Maria Callas und Edita Gruberova die ganz Großen. Es gibt auch heute wirklich sagenhafte Sängerinnen, die ich unglaublich toll finde, wie Renée Fleming, Natalie Dessay, Anja Harteros und Diana Damrau.

Gibt es Wunschrollen und Lieblingskomponisten?

Ich würde wahnsinnig gerne eine Trompete-spielende Marie in La Fille du Régiment singen! Ich würde auch sehr gerne die Lucia singen … also, es kommt mir sicher Donizetti auf die Liste von Lieblingskomponisten! Ich liebe Strauss und hoffe, dass ich irgendwann die Chance haben werde, Zerbinetta zu singen. Verdi zählt ja auch zu meinen Lieblingskomponisten, weil seine Opern so leidenschaftlich musikalisch gestaltet sind.  Rebecca Nelsen

Sie haben einen vollen Terminkalender! Wo und mit welchen Partien kann man Sie in der nächsten Zeit hören?

Meine weiteren Engagements in dieser Spielzeit werden mich wieder nach Dresden führen, als die Tochter in Cardillac und wieder als Violetta. Dann singe ich in München die Hauptrolle in einer Uraufführung der modernen Oper Mutter Dolorosa für die Münchener Biennale. Des weiteren werde ich in nächster Zeit die Susanna, Violetta und Gretel singen, außerdem Lauretta in Gianni Schicchi sowie meine erste Konstanze.

Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg und sage vielen Dank für dieses Interview!

Danke schön!

(Interview vom Januar 2012)

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