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Viktoria und ihr Husar, 31.1.2018, Gärtnerplatztheater

Oder: Die Liebe zur Operette

Wenn ich heute immer mit großer Vorfreude das Gärtnerplatztheater besuche, kann ich mir eigentlich kaum noch vorstellen, dass ich bis vor einigen Jahren das Genre der Operette überhaupt nicht so spannend fand. Erst durch ein wirklich interessantes Seminar im Rahmen meines Theaterwissenschafts-Studiums und vor allem der Regiehospitanz bei der Zirkusprinzessin im Jahr 2014 wurde meine Liebe zu diesem – zu Unrecht – unterschätzten Teil des Musiktheaters geweckt. Da trifft es sich ja umso mehr, dass ihm hier eine regelmäßige Plattform geboten wird.
Auch am letzten Januarabend standen einige junge Leute in Form von Schulklassen auf dem Gärtnerplatz und nicht alle der Schüler schienen so motiviert wie die Lehrer und Besucher. Doch seien wir mal ehrlich, die wenigsten Schüler waren auch in meiner Schulzeit große Fans von Theaterbesuchen. Doch schon bald nach Vorstellungsstart war von Missmut nichts mehr zu spüren im Saal.
Das liegt vor allem an der spannenden Inszenierung unseres Staatsintendanten Josef Köpplinger, der die Operette von Paul Abraham in ein Theater im Theater verwandelt. Im Original werden die zum Tode verurteilten Ungarn Rittmeister Koltay und sein Diener Jancsy von ihrem Gefängniswächter im Austausch gegen eine Geige frei gelassen. Das scheint doch etwas zu einfach und willkürlich. Im Gärtnerplatztheater fordert der russische Leutnant Petroff Koltay kurz vor der Hinrichtung auf zu erzählen, was er jetzt in Freiheit tun würde. Also erzählt der Ungar, wie er seine Verlobte Viktoria suchen würde, die inzwischen aber einen amerikanischen Botschafter geheiratet hat. Sie ist hin und her gerissen zwischen der Liebe zu ihrem totgeglaubten Verlobten und der Dankbarkeit gegenüber ihrem Ehemann, woraufhin Koltay wieder freiwillig in Gefangenschaft geht. Dagegen findet sein Diener Jancsy in Viktorias Zofe die große Liebe.

Foto: Christian POGO Zach

Durch die Tatsache, dass das beeindruckende Bühnenbild des russischen Gefangenenlagers ein verfallenes Theater zeigt, in das durch die kaputten Fenster der Schnee weht, wird die Erzählung mitten in das Elend des Gefangenenlagers mit Frauen, Kindern, Soldaten und Verwundeten gebracht. Zwischen grauen Mänteln und Dreck erscheint also Viktoria im eleganten Seidenkleid und japanische Kirschblüten rieseln von der Decke. Tatsächliche Kulissenteile dieser „Traumwelt“ sind zum Großteil nur auf der kleinen Bühne zu finden. Immer wieder wird die Erzählung Koltays unterbrochen durch seine Bewacher oder eine kleine Revolte der Gefangenen. Das nimmt der Operette also viel Kitsch und holt sie immer wieder zurück in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der sie eigentlich spielt.
Dies ist inzwischen scheinbar ein beliebter Kniff Köpplingers, schließlich wurde auch bei der Wiedereröffnungsinszenierung der Lustigen Witwe das Idyll gebrochen durch den Beginn eben dieses Krieges. Und gerade das macht solche Stücke heute auch für das junge Publikum interessant, das eben seine Liebe zur Operette oder zum Theater im Allgemeinen manchmal erst noch entdecken muss, was man aber eher durch solche fantasievollen Werke schafft als durch provokantes Regietheater.
Daniel Prohaska und Alexandra Reinprecht dürften sich ja inzwischen als Operetten-Traumpaar im Gärtnerplatztheater etabliert haben, schon bei der Zirkusprinzessin durfte ich von Anfang an erleben, wie sie ihre unglücklich verliebten Helden doch zusammen brachten. Ihr Zusammenspiel ist auch bei Viktoria und ihr Husar sehr emotional und intim, wenn auch Koltay in seiner rasenden Eifersucht tatsächlich manchmal sogar ein wenig bockig anmutet. Dass sich die beiden Charaktere eigentlich während der gesamten Inszenierung nicht wirklich treffen kann man bei all dem Herzschmerz und Glück fast vergessen, ebenso wie das Ende, in dem das Schicksal der beiden offen bleibt.
Bei allem Drama um das Hauptpaar tun die rasanten Beziehungen der beiden Buffo-Paare natürlich trotzdem Herz und Seele der Zuschauer gut. Josef Ellers zeigt einen energiegeladenen Jungspund in Koltays Diener, der sich in Japan auf den ersten Blick in die quirlige Zofe Riquette, gespielt von Katja Reichert, verliebt. Die beiden Jungen spielen und singen bezaubernd! Ihr Duett bei Janczys Bad, bei dem seine Handtücher um die Leistengegend immer knapper werden, ist nicht nur für die Damen im Publikum ein Highlight der Inszenierung. Aber selbst hier wird bei aller Fröhlichkeit auch immer vorgehalten, dass die Handlung doch nur Fantasie ist. Der Körper des jungen Mannes ist mit Wunden übersät und auch nach dem „Bad“ ist er immer noch dreckig.

Foto: Christian POGO Zach

Das dritte Paar besteht aus Viktorias Bruder Graf Hegedüs, in der Wiederaufnahme gespielt von Peter Lesiak und Susanne Seimel als seine halb-japanischen Braut O Lia San, die ein rauschendes asiatisches Hochzeitsfest mit tanzenden Sumo-Ringern und japanischen Schönheiten feiern. Auch sie sorgen für zahlreiche Lacher in diesem Stück, vor allem da sie das frisch verheiratete Ehepaar spielen, die sich schon vor der Hochzeit ständig gegenseitig aufziehen, doch trotzdem unendlich glücklich scheinen.
Viele verschiedene Charaktere, wundervolle Darsteller und die spannenden Kontraste zwischen Fantasie und Realität im Bühnenbild und in den Kostümen machen Viktoria und ihr Husar zu einer ungewöhnlichen und interessanten Inszenierung. Regie und Dramaturgie haben wieder einmal genau an den richtigen Stellen kleine Veränderungen vorgenommen, um das Stück auch für ein Publikum des 21. Jahrhunderts nicht seicht wirken zu lassen und trotzdem das ein oder andere Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. In dieser Saison ist die Operette nur noch am 10. Februar zu sehen, doch ich hoffe sehr, dass wir auch in der nächsten Spielzeit wieder nach Russland, Japan und Ungarn reisen dürfen.

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/viktoria-und-ihr-husar.html

Dirigat: Andreas Partilla
Regie: Josef E. Köpplinger
Choreografie: Karl Alfred Schreiner
Bühne: Karl Fehringer, Judith Leikauf
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Licht: Michael Heidinger
Choreinstudierung: Felix Meybier
Video: Meike Ebert, Raphael Kurig
Dramaturgie: David Treffinger

Leutnant Petroff, Kosak und Lagerleiter in Sibirien: Gunther Gillian
Stefan Koltay, Husarenrittmeister: Daniel Prohaska
Janczy, sein Bursche: Josef Ellers
Unteroffizier Krutow, Lageraufseher: Uwe Thomsen
John Cunlight, amerikanischer Gesandter: Erwin Windegger
Gräfin Viktoria, seine Frau: Alexandra Reinprecht
Graf Ferry Hegedüs auf Doroszma, Viktorias Bruder: Peter Lesiak
O Lia San, Ferrys Braut: Susanne Seimel
Riquette, Viktorias Kammerfrau: Katja Reichert
Bela Pörkölty, Bürgermeister von Doroszma: Florian Wolf
James, Butler von Cunlight: Maximilian Berling

Chor, Orchester, Ballett, Statisterie und Kinderstatisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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Ganz viel Spaß und genauso viel Wut und Trauer

Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Ensemble
© Christian POGO Zach

Wenn am 27. Januar eine Operette wie Viktoria und ihr Husar auf dem Spielplan steht, regen sich ganz unterschiedliche Gefühle. Eine große Freude auf einen Strauß fabelhafter Melodien und absurd-komischer Dialoge. Auf der anderen Seite eine wahnsinnige Wut auf die Verbrechen der Nazis und auf die, die dieses Regime ermöglichten und ihm dienten.

Die Geschichte von Viktoria und ihr Husar ist schnell erzählt: Ein ungarischer Husar flieht aus früh-sowjetischer Gefangenschaft über die Grenze nach Japan. Entdeckt dort seine Verlobte, Viktoria, die mittlerweile den US-Botschafter geheiratet hat. Dieser wird am Folgetag nach Petrograd versetzt, nimmt Frau und den Husaren mit. Viktoria steht zwischen beiden Männern. Keiner wird glücklich. Der Husar geht lieber zurück ins Kriegsgefangenenlager und wartet auf die Hinrichtung. Der Botschafter lässt sich scheiden. In Ungarn treffen sich alle wieder. Viktoria heiratet dann endlich ihren Husaren. Dazu zwei Buffopaare mit schnellerem Liebesglück. Bei diesen Ortswechseln konnte sich Paul Abraham mit den verschiedensten Musikstilen 1930 austoben.

Josef Ellers (Janczy), Katja Reichert (Riquette) © Christian POGO Zach

Was macht man mit so einer Story? Als Josef E. Köpplinger das vor 2 Jahren in die Hand nahm, sollte eine nachvollziehbare Geschichte daraus werden. Der Husar flieht nicht, sondern muss sich eine Geschichte ausdenken, die er seinen Bewachern erzählt. Und wenn man 1917/1918 in Sibirien in einem improvisierten Lager sitzt, können die Gedanken schon etwas verrückt spielen. Das Lager, ein alter Wirtshaussaal mit Bühne, wird zur Traumkulisse. Hier treffen die oben beschriebenen Personen ein. Genauso der Bursche des Husaren, der die „französische“ Gesellschafterin Viktorias lieben lernt, wie auch Viktorias Bruder, der eine Halb-Pariserin-Halb-Japanerin heiratet. Letztere den Alkohol nicht abgeneigt, erstere die ewige Treue – mit Einjahresgarantie, schwörend. Beide sehr selbstbewusst und emanzipiert. Wenn diese Paare auf einander treffen, tobt der Saal. Sei es bei den Duetten Meine Mama war aus Yokohama und Mausi, süß warst Du heute Nacht oder dem Tanz mit dem immer kleiner werdenden Handtuch des Burschen. Für diese Rollen braucht man Allroundtalente, die nicht nur singen, sondern auch Komödie sprechen und spielen und auch tanzen können. Mit Katja Reichert (Riquette) und Josef Ellers (Janczy) sowie Susanne Seimel (Lia San) und Peter Lesiak (Graf Ferry), der die Rolle bereits in Mörbisch, jetzt aber am Gärtnerplatztheater das erste Mal spielt (und hier nur den Frack und nicht noch Hemd und Hose bei Mausi verliert), hat man die passende Besetzung gefunden. Gleiches gilt auch für Alexandra Reinprecht als Viktoria und Daniel Prohaska als Stefan Koltay, den Husaren, die sich lange wegen ihrer Liebe zueinander und der gesellschaftlichen Norm quälen. Erwin Windegger als Botschafter John Cunlight hat die Rolle des edlen, aber auf sein Glück verzichtenden, Liebenden. Daneben sieht man auf der Bühne noch eine Menge mehr. Eine riesige Statistenmannschaft lässt das Lagerleben einer gefangenen Dorfgemeinschaft vom Kind bis zum Greis niemals aufhören. Der Chor gibt die Traumgesellschaft und dazwischen tanzt das Ballett zwischen Sumōringern, Pyjamapartyfreaks und Pusztafantasien.

Ensemble © Christian POGO Zach

Nach der heutigen Wiederaufnahme freue ich mich auf 5 weitere Vorstellungen. Die eingangs erwähnte Wut und Trauer kommt – nicht nur am Holocaust-Gedenktag – dadurch zustande, dass der eine Textdichter, Fritz Löhner-Beda, dem wir ganz viele Operetten und Schlager verdanken, bereits einen Tag nachdem die in Österreich einmarschierenden Nazi-Truppen zum Teil jubelnd empfangen wurden, verhaftet, und 1942 nach den abfälligen Worten einiger IG-Farben-Direktoren, die im Nachkriegsdeutschland noch herausragende Stellungen bekamen, erschlagen wurde. Der Komponist Paul Abraham konnte 1933 Berlin und 1938 auch Wien noch rechtzeitig verlassen, ebenso der zweite Textdichter Alfred Grünwald.

Es stellt sich jedes Mal neu die Frage, welche Blüte aufgegangen wäre, hätte man die menschenverachtende Politik und deren Verbrechen früh genug verhindert. Deshalb braucht man diese Erinnerung. Jeder Mensch hat das Recht in Freiheit geschützt zu leben. Und wer diese nicht hat, dem müssen wir sie geben. Denn auch jeder von uns kann ganz schnell in die gleiche Lage geraten, wenn wir nicht aufpassen und die Freiheit verteidigen.

Dirigat Oleg Ptashnikov
Regie Josef E. Köpplinger
Choreografie Karl Alfred Schreiner
Bühne Karl Fehringer, Judith Leikauf
Kostüme Alfred Mayerhofer
Licht Michael Heidinger
Choreinstudierung Felix Meybier
Video Meike Ebert, Raphael Kurig
Dramaturgie David Treffinger

Leutnant Petroff, Kosak und Lagerleiter in Sibirien Gunther Gillian
Stefan Koltay, Husarenrittmeister Daniel Prohaska
Janczy, sein Bursche Josef Ellers
Unteroffizier Krutow, Lageraufseher Uwe Thomsen
John Cunlight, amerikanischer Gesandter Erwin Windegger
Gräfin Viktoria, seine Frau Alexandra Reinprecht
Graf Ferry Hegedüs auf Doroszma, Viktorias Bruder Peter Lesiak
O Lia San, Ferrys Braut Susanne Seimel
Riquette, Viktorias Kammerfrau Katja Reichert
Bela Pörkölty, Bürgermeister von Doroszma Florian Wolf
James, Butler von Cunlight Maximilian Berling
Chor, Ballett, Statisterie und Kinderstatisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Weitere Vorstellungen am 28. und 31.01.18 sowie am 03., 04. und 10.02.18, Restkarten erhältlich.

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Premiere Der Mann von La Mancha, 02.10.2013, Gärtnerplatztheater in der Reithalle – Nachtkritik

DER MANN VON LA MANCHA Das Gärtnerplatztheater eröffnete die neue Spielzeit mit dem Musical Der Mann von La Mancha in der Reithalle und feierte eine gelungene Premiere.

Als den größten Roman aller Zeiten bezeichnete Christoph Wagner-Trenkwitz die Geschichte um den Dichter Cervantes, der des Hochverrates angeklagt wird und sich im Gefängnis einer ganz eigenen Gerichtsverhandlung gegenübersieht. Seine Mitgefangenen, Diebe , Mörder, politisch Verfolgte, sitzen über ihn zu Gericht und zu seiner Verteidigung erzählt Cervantes die Geschichte vom Edelmann Alonso Quijana, der wiederum sich selbst in die Ritterrolle hineinträumt und als Don Quijote die Ebenen von La Mancha unsicher macht. In seiner Vorstellung wird aus einer Windmühle ein gefährlicher Riese, aus einer Spelunke eine Burg und aus einer Küchenmagd ein Edelfräulein. Nicht immer stößt er dabei auf Verständnis seiner Umwelt, aber seine Sichtweise ist ansteckend und am Ende träumen alle den unmöglichen Traum.

Miguel de Cervantes saß selbst mindestens dreimal im Gefängnis und auch er hat als Steuereintreiber gearbeitet, insofern dürfte in der Rahmenhandlung ziemlich viel Biographisches stecken. Außerdem war er auch noch Soldat und Pirat und ein eher erfolgloser Schriftsteller, der erste Teil von Don Quijote war zwar ein Kassenschlager, kassiert hat aber nur der Verleger. Selbst seinen Todestag muss er sich mit William Shakespeare teilen, sein Roman wirkt indes noch lange nach und hat Werke von Purcell, Telemann, Richard Strauss und verschiedene Zarzuelas beeinflusst. 1965 entstand das Musical von Dale Wasserman, der auch Einer flog über das Kuckucksnest für das Theater adaptierte. Ursprünglich sollte W. H. Auden die Liedtexte schreiben, aber er war zu sozialkritisch, deshalb wurde Joe Darion damit beauftragt. Es war ein riesiger Erfolg am Broadway und zählt noch heute zu den am längsten gespielten Stücken.

DER MANN VON LA MANCHA Premiere hatte das Musical in einem Theater, das eigentlich abgerissen werden sollte und dementsprechend schon teilweise demontiert war. So hatte das Theater keinen Vorhang mehr und genau das empfindet die Bühne von Thomas Stingl nach. Ein Podest zwischen zwei Tribünen stellt die Spielfläche dar und stellt die Mitwirkenden vor besondere Herausforderungen. Bis auf die Gefängniswärter sind ausnahmslos alle ständig – man spielt ziemlich genau zwei Stunden ohne Pause – auf oder neben der Bühne. Da kann man sich nicht mal eben die Nase putzen oder schnell einen Müsliriegel essen. Jeder steht ständig unter Beobachtung und es ist sehr schwierig, beim ersten Mal wirklich alle Aspekte zu erfassen.  Regisseur Josef E. Köpplinger, der nach eigenem Bekunden als Kind Angst vor dem Stück hatte, versteht sich auf die Personenregie und schafft mit einfachen Mitteln Illusionen und setzt damit die Essenz des Romanes perfekt um. Das Konzept der zu zwei Seiten offenen Bühne ist sehr gut umgesetzt, natürlich wird einem schon mal der Rücken zugedreht aber generell merkt man doch die Bemühung, beide Tribünen gleichermaßen einzubeziehen. Die Vergewaltigungsszene war mir persönlich etwas zu explizit umgesetzt und insgesamt ist mir das Stück zu textlastig, auch wenn es natürlich so geschaffen wurde. Die Kostüme geben in der Rahmenhandlung eine Jetztzeit vor – aus dem Gefängnis wurde ein Auffanglager -, für die Zeit des Theaterstückes konnte ich aber keine Renaissancekostüme entdecken, das war eher so irgendwie historisch. Das tut aber der Aussage dieses Stückes keinen Abbruch, der philosophische Hintergrund wird trotzdem deutlich.

DER MANN VON LA MANCHA Die Sänger waren allesamt gut, für mich herausragend war Carin Filipčić, die ein unglaublich berührendes Portrait der Hure Aldonza zeichnete und auch stimmlich für mich die beste des Abends war. Peter Lesiak als Diener bzw Sancho und Erwin Windegger als Cervantes/Don Quijote ergänzten sich prächtig. Alle Rollen waren gut bis sehr gut mit teilweise bekannten Gesichtern wie zum Beispiel Maurice Klemm (Weißes Rössl/Anything goes) besetzt. Das Orchester des Staatstheaters am Gätnerplatz bewies mal wieder seine Vielseitigkeit und ließ unter Andreas Kowalewitz die zum größten Teil spanisch angehauchten Rhythmen strömen.

Weitere Vorstellungen bis 19. Oktober, Karten von 17€ biss 55€ an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Musikalische Leitung Andreas Kowalewitz, Regie und Licht Josef E. Köpplinger, Co-Regie Nicole Claudia Weber, Choreografie Hannes Muik, Bühne Thomas Stingl, Kostüme Bettina Breitenecker, Dramaturgie David Treffinger, Cervantes / Don Quijote Erwin Windegger, Diener / Sancho Peter Lesiak, Aldonza / Dulcinea Carin Filipčić, Gouverneur / Gastwirt Martin Hausberg, Padre Jesper Tydén, Herzog / Dr. Carrasco Frank Berg, Antonia Katja Reichert, Barbier / Juan, Maultiertreiber / Maure Maurice Klemm, Jose, Maultiertreiber / Maure Hannes Muik, Anselmo, Maultiertreiber / Maure Christoph Graf, Tenorio, Maultiertreiber / Maure Peter Neustifter, Paco, Maultiertreiber / Maure Alexander Moitzi, Pedro, Maultiertreiber / Maure Florian Peters, Haushälterin Snejinka Avramova, Maria, Frau des Gastwirts Marika Lichter, Fermina, Dienstmädchen Frances Lucey, Maurin Kenia Bernal Gonzàles, Hauptmann Peter Windhofer, Pferd / Maultiertreiber / Maure Pál Szepesi, Esel / Maultiertreiber / Maure Nicola Gravante, Gefängniswärter u.a. Statisterie, Orchester, Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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