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Auftakt Joseph Süß, 19.02.2012, Gärtnerplatztheater

Die nächste und zugleich letzte (I stand corrected: vorletzte) Premiere im Gärtnerplatztheater vor dem großen Umbau ist eine Oper von Detlev Glanert mit einem Libretto von Werner Fritsch und Uta Ackermann. Sie handelt von Joseph Süß Oppenheimer, Geheimer Finanzrat am Hofe des württembergischen Herzogs Karl Alexander, wurde 1999 in Bremen uraufgeführt. Die Premiere wird die 6. Inszenierung dieses Stückes sein, was für eine moderne Oper schon ganz beachtlich ist.

Hört man den Namen des Protagonisten, so muss man fast unweigerlich an den unsäglichen Propagandafilm von Veit Harlan denken. Doch nicht erst im 3. Reich ist der markanten Figur Unrecht getan worden. Er fiel einem Justizmord zum Opfer, ausgelöst durch Intrigen und seine Prunksucht und dem Wunsch, geadelt zu werden. Glanert und seine Librettisten versuchen nicht, ihn zu idealisieren, sondern ihn als Menschen mit Licht- und Schattenseiten zu zeigen. Die Oper beginnt mit der Kerkerszene, zu der sie auch immer wieder zurückkehrt. Dazwischen gibt es Rückblicke ins Leben Joseph Süß’. Dies greift auch das Bühnenbild des bekannten Bühnenbildners Peter Sykora auf. Er unterteilt die Bühne mit Stelen, die die verschiedenen Räume begrenzen und gleichzeitig aber Durchblicke erlauben. So soll man, auch wenn die Handlung zum Beispiel in der Wunderkammer von Süß spielt, immer an den Kerker erinnert werden. Das Bühnenbild ist wohl eher zeitlos, während die ebenfalls von Sykora stammenden Kostüme eindeutig der Zeit des Geschehens zuzuordnen sind. Der Regisseur Guy Montavon, gebürtiger Schweizer und derzeit Intendant in Erfurt, kann sicher als die beste Wahl angesehen werden. Einerseits kann er als Nichtdeutscher unbefangener an den Stoff gehen, andererseits wird in seinem Opernhaus seit 10 Jahren jedes Jahr ein Werk uraufgeführt, er ist also mit neuer Musik bestens vertraut. Trotzdem habe er gezögert, berichtete er, nicht wegen Glanert, den er als einen der größten lebenden Komponisten bezeichnet hat, sondern wegen der schwierigen Thematik. Er zeigte sich begeistert von Komposition und Libretto, insbesondere die Chorteile hob er hervor. Aber auch Joseph Süß, der inmitten all der Hektik lyrisch und nobel seinem Ende entgegen gehe. Gary Martin, der die Partie übernommen hat, sang begleitet von Anke Schwabe am Flügel, zwei wirklich sehr schöne Beispiele. Ein weiterer musikalischer Beitrag kam von Karolina Andersson, die die Graziella singt. Montavon bezeichnete sie als comic relief, als Hofopernsängerin zeige sie die Relation zum Theater. Bezüge zum 3. Reich habe er weitgehend vermieden, die Ausgrenzung wegen Religionszugehörigkeit sei nicht zeitgebunden. Deutlich werde dieser Bezug allerdings beim Blick in den Orchestergraben, dort fehlen ganze Instrumentengruppen wie Hörner oder Streicher. Dies war nach 1933 ein häufiges Bild, da die Musiker jüdischer Abstammung Berufsverbot hatten und deshalb im Graben fehlten.

Der Komponist Detlev Glanert wird die Endproben begleiten und auch zur Premiere anwesend sein. Nach anfänglicher Skepsis hat mich dieser Vormittag überzeugt, dass es ein spannender Theaterabend wird. Die Vorstellung dauert rund 90 Minuten, außer bei der Premiere gibt es eine halbe Stunde vor Beginn eine Einführung, die man wohl nicht versäumen sollte.

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Auftakt: Die Liebe zu den drei Orangen, 02.05.2011, Gärtnerplatztheater

Bei diesem Auftakt wurde erstmals von der Sonntagsmatinée abgewichen und ein Probenbesuch integriert. So interessant dieses Konzept auch war, durch den frühen Beginn um 17.30 Uhr wurde die arbeitende Bevölkerung ohne gleitende Arbeitszeit praktisch ausgeschlossen. Falls man mal wieder über eine ähnliche Veranstaltung nachdenkt, sollte man diesen Aspekt auch berücksichtigen.
Ansonsten war es in jeder Hinsicht eine sehr gelungener Einführung. Produktionsdramaturgin Sonja Westerbeck führte in gewohnt souveräner Weise in das Stück ein, Choreograf Fabian Posca und die zusammen mit Tino Dentler für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnende Okarina Peter erläuterten die verschiedenen Inszenierungsaspekte schlüssig und nachvollziehbar. Regisseur Immo Karaman und musikalischer Leiter Anthony Bramall waren durch die Probensituation verhindert. Wir konnten uns dann bei der Bühnenorchesterprobe, einer Probe ohne Kostüme, selbst ein Bild machen. Ich denke, wer mal so eine Probe gesehen hat, begreift erst wirklich, wieviel Arbeit dahinter steckt, bis ein Stück Premiere hat. So mancher wird danach vermutlich eine Vorstellung mit anderen Augen und mehr Respekt sehen.
Mein Eindruck nach diesem Auftakt war, dass München sich auf ein weiteres Highlight, musikalisch wie szenisch, in seinem schönsten Theater freuen kann.

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Auftakt: Grand Hotel, 23.01.2011, Gärtnerplatztheater

Bei Einführungen vor Premieren stellen üblicherweise der Dramaturg, der Regisseur und der musikalische Leiter das Stück vor, das dann innerhalb der nächsten zwei Wochen dann zum ersten Mal in der jeweiligen Inszenierung gespielt wird. An diesem Vormittag waren jedoch zwei der drei Akteure verhindert und der zuständige Dramaturg war erst vor kurzem von einer Gastdramaturgie in Hanoi zurückgekehrt, so dass die Vorstellung hauptsächlich in der Hand der Dramaturgieassistentin lag, die bestens vorbereitet war, sowie dem Choreographen und Sänger des Hardy Rudolz und einem weiteren Assistenten, der die musikalische Seite vorstellte, dem ich aber nicht wirklich folgen konnte, weil er sehr schnell und ziemlich theoretisch sprach. Ergänzt wurde das ganze durch Songs des Musicals, vorgetragen von April Hailer und Lucius Wolter, sowie einer mitreissenden Tanz- und Gesangseinlage von Tom Schimon und Vladimir Maxim Korneev, begleitet wurden sie dabei von Benjamin Reiners.

Es scheint eine sehr aufwändige Produktion zu werden mit vielen Shownummern und man kann die Werkstätten, die Technik, das Orchester und das Ensemble des Hauses nur bewundern, dass sie in der Lage sind, nur drei Wochen nach der letzten Premiere so etwas zu stemmen. Ich war nach diesem Vormittag nicht ganz von der Produktion überzeugt, ich lasse mich aber gerne positiv überraschen, wegen verpeilter Urlaubsplanung aber leider erst bei der zweiten Vorstellung.

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Auftakt: L´Italiana in Algeri, 09.01.2011, Gärtnerplatztheater

Zwei Jahre und acht Monate nach der letzten Vorstellung des “Barbiers von Sevilla” steht ab Freitag 14.01.11 endlich wieder ein Rossini auf dem Spielplan. Die nicht ganz so oft gespielte “Italienerin in Algier” wird es sein, in Originalsprache mit Übertiteln. Bekanntermaßen bin ich kein Freund der Originalsprache am schönsten Theater Münchens, ich habe es im Gegenteil immer als außerordentlich positiv empfunden, dass ich bei einem humorvollen Stück wie zum Beispiel der “Hochzeit des Figaros” immer genau an der Stelle schmunzeln konnte, an der sie gesprochen wurde und zur Handlung passte und nicht wenn sie mir irgendwann verfrüht oder verzögert wie bei einem schlecht synchronisierten Film als Übertitel angeboten wird. Außerdem bin ich nicht multitaskingfähig und neige dazu, wie beim Fernsehen mehr auf die Übertitel zu achten und die eigentliche Handlung zu vernachlässigen. Auch sind Übertitel von meinen bevorzugten Plätzen nur unbequem (erste Reihe) oder oft unvollständig (dritter Rang) einzusehen und somit eigentlich eher ärgerlich als hilfreich.

Idealerweise kann man auf die Übertitel ganz verzichten, wenn die Inszenierung gut ist und man der Handlung so folgen kann. Und die Einführung durch Dramaturgin Sonja Westerbeck und Regisseur Thomas Enzinger lässt die Hoffnung zu, dass das hier der Fall sein könnte, die Ausführungen beider zur Inszenierung und ihre Sicht auf das Stück haben mich überzeugt, ebenso wie die Erläuterungen des musikalischen Leiters Lukas Beikircher. Auch das vorgestellte Bühnenbild und die Figurinen deuten auf einen vergnüglichen Abend hin.

Von der Qualität der künstlerischen Personals konnte man sich ebenfalls schon überzeugen, die wunderbare Rita Kapfhammer sang die Auftrittsarie der Isabella und später noch ein Duett mit Juan Fernando Gutiérrez, der den Taddeo verkörpern wird. Auch Karol Kozłowski, der als Gast in der Rolle des Lindoro zu sehen und hören sein wird, begeisterte mit seiner Arie den Rest des Publikums und Sebastian Campione als Haly war eindeutig in seinem Element. Begleitet wurden die Solisten von Martin Steinlein am Flügel.

Alles in allem eine informative, stimmige Einführung, die bei mir die Vorfreude auf die Premiere noch gesteigert hat.

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Auftakt: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, 13.06.2010, Gärtnerplatztheater

Obwohl ich mir diese Oper bewusst noch nicht angehört habe, stellte ich im Laufe der Einführungsmatinée fest, dass ich doch schon viel daraus kannte, so zum Beispiel den von Heike Susanne Daum brillant vorgetragenen Alabama-Song und auch verschiedenen Zitate. So ganz jungfräulich gehe ich dann doch nicht in diese Premiere, auf die ich schon sehr gespannt bin.

Der Dramaturg Christoph Maier-Gehring befragte zunächst den Regisseur Thomas Schulte-Michels nach seinem Werdegang, den dieser ausführlich und humorvoll darstellte und so wurde auch schnell klar, dass er zwar aus der Schauspielecke kommt, aber mittlerweile auch ein gefragter Musiktheaterregisseur ist. Er hat für diese Inszenierung auch das Bühnenbild entworfen, das anhand seiner Skizzen umrissen wurde, ich bin sehr gespannt auf die Umsetzung. Sehr sympathisch war seine Aussage, dass immer die Sänger im Vordergrund stehen würden, mal sehen, ob sich das bewahrheitet. Es gab auch die Entwürfe der Kostüme zu sehen, sowie Hintergrundinformationen zu Musik und Libretto.

Musikalische Kostproben gab es außerdem von Cornel Frey und Stefan Sevenich sowie den Boxkampf mit Sebastian Campione in der Rolle des Joe, das war unglaublich beeindruckend. Begleitet wurden die Solisten von Anke Schwabe am Flügel.

Ich freue mich auf die letzte Opernpremiere dieser Spielzeit!

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Auftakt Die Sache Makropulos, 07.03.2010, Gärtnerplatztheater

Diese Premiere ist Chefsache: Der Chefdramaturg Christoph Maier-Gehring, der Chefdirigent David Stahl und der oberste Chef Staatsintendant Dr. Ulrich Peters als Regisseur haben sich der vorletzten Oper von Leos Janáček angenommen. Zu Beginn des heutigen Auftaktes zitierte Herr Maier-Gehring aus einem Brief von Janáček an Kamila Stösslová, in dem er Makropulos erwähnt. Im Anschluss daran informierte er über Leben und Werk des Komponisten, bevor David Stahl sich nach einem eingespielten Ausschnitt aus der Ouvertüre ausführlich zur musikalischen Seite äußerte. Unter anderem erläuterte er die Zusammensetzung des Orchesters und den großen musikalischen Bogen der Oper. Die Solisten Elaine Ortiz Arandes und Tilman Unger, begleitet von Anke Schwabe am Flügel, trugen die erste Begegnung von Marty und Gregor vor. Hier wurde der Musikstil der Oper schon sehr deutlich. Die beiden beantworteten dann noch Fragen zur Einstudierung der Rollen, die sich wegen der Form der gesungenen Konversation ziemlich schwierig gestaltete. Herr Dr. Peters erläuterte schließlich noch seine Motivation, diese Oper auf den Spielplan zu setzen und auch selbst zu inszenieren, das Bühnenbild und die Kostüme und skizzierte, wie er das Innenleben der handelnden Personen auf die Bühne bringen wird. Zum Schluss sang Frau Ortiz Arandes noch ein Stück aus dem Schlussteil der Oper. Insgesamt klingt das ganze nach einer intelligenten Inszenierung.
Leider werde ich die Premiere nicht erleben, ich bin genau zu dem Zeitpunkt im Renaissancesaal des Leipziger Rathauses, wo Richard Dübell aus seinem neuen Roman “Die Erbin der Teufelsbibel” lesen wird. In den ersten beiden Teilen der Trilogie spielt übrigens Kaiser Rudolf und sein Kuriositätenkabinett eine wesentliche Rolle, der ja auch in Makropulos der Auslöser ist. Und so schließt sich der Kreis.

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