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Die Sache Makropulos, 31.05.2011, Gärtnerplatztheater

Und wieder einmal hieß es “Zum letzten Mal” und diesmal war es besonders schade.

Neben einer sehr intelligenten und passenden Inszenierung hatte dieses Stück vor allem musikalisch unglaubliches zu bieten. Zu aller erst einmal zwei jede auf ihre Art fantastische Sängerinnen der Titelrolle. Einerseits Mezzosopran Rita Kapfhammer, deren vier Vorstellungen als Emilia Marty in dieser Spielzeit leider in die Zeit einer Schreibblockade bei mir gefallen sind, ansonsten hätte man hier Lobeshymnen über ihre scheinbar mühelose Höhe und bewegenden Ausdruck ohne Ende lesen können. Andererseits Sopran Elaine Ortiz Arandes, die die Rolle ein klein wenig anders, aber ebenso gut angelegt hat. Auch hier hatte ich eine extreme Gänsehaut während der Schlussszene.

Die Sache Makropulos, Staatstheater am Gärtnerplatz, Premiere: 19.03.2010

Dazu kommen weitere exzellente Sänger, die diesen Abend und alle vorgehenden zum Erlebnis machten: Thérèse Wincent als Christa, die in den Kleidern von Talbot Runhof einfach hinreißend aussieht, berührend sowohl in ihrer Bewunderung der Diva als auch in ihrer Trauer um Janek, Gary Martin als stolzer Jaroslav Prus zwischen Verführung und Verzweiflung, Robert Sellier als vor Bewunderung stotternder Janek, Tilmann Unger als verschwendungssüchtiger Albert Gregor, der der Geliebten nicht geben kann, was sie sich am meisten wünscht, John Pickering als Vitek und last but not least Stefan Sevenich als Rechtsanwalt Kolenaty, der Skrupel hat und immer alles ganz genau wissen will. Sie alle sangen und spielten nicht nur an diesem Abend hervorragend.

Leider wusste das Münchner Publikum diese in meinen Augen beste Regiearbeit des scheidenden Staatsintendanten Dr. Ulrich Peters nicht ausreichend zu würdigen.

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Die Sache Makropulos, 13.06.2010, Gärtnerplatztheater

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass ich auch bei in diesem Fall vierten Ansehen noch neues entdecke. Das Bühnenbild wurde mit viel Liebe zum Detail entworfen und so fällt mir immer wieder etwas anderes auf. Nur den Regen, der auf die Fenster tropft, habe ich weder gesehen noch gehört, vielleicht ist das eine Frequenz, die mir wegen meines Tinnitus abhanden gekommen ist. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass es in meinem Kopf wesentlich weniger “rauscht” (bei mir hatte sich der kleine Freund im Ohr weniger durch Pfeifen als durch ein nervendes Grundrauschen bemerkbar gemacht), seitdem ich regelmäßig ins Musiktheater gehe? Offensichtlich entspannt es mich so sehr oder hat sonst einen positiven Einfluss auf mich. Oper als Therapie, sozusagen.

Ansonsten war es wieder ein tolles Erlebnis, intensiv, unter die Haut gehend, manchmal ein ganz kleines bisschen lustig, genau die richtige Mischung für einen wunderbaren Opernabend. Danke an alle Beteiligten!

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Die Sache Makropulos, 02.05.2010, Gärtnerplatztheater

Eigentlich hatte ich mir diesen Tag herausgesucht, weil ich einmal Elaine Ortiz Arandes als Emilia Marty erleben wollte. Ich vermute, es lag nicht nur an ihr, sondern auch an der kurzen Zeitspanne seit der letzten Vorstellung, dass ich alles noch intensiver fühlte als am Mittwoch. Bei der Einführung sprach Frau Olbrich auch über die musikalischen Motive jeder Person, die in gewisser Weise auch den Charakter widerspiegeln und es ist mir zum ersten Mal gelungen, diesen nachzuspüren. Eigentlich müsste ich spätestens in ein paar Tagen die nächste Aufführung sehen und hören, um mein Verständnis des Stückes zu vertiefen, aber der nächste Termin ist leider erst im Juni. Bis dahin ist vermutlich alles wieder aus meinem Kopf draußen, mein musikalisches Gedächtnis lebt bedauerlicherweise von ständiger Wiederholung.

Frau Ortiz Arandes war großartig, sie setzt ein wenig andere Akzente und fügt der Rolle damit neue Facetten zu. Meiner Meinung nach kommt es in diesem Stück nicht nur darauf an, exzellent zu singen, was alle ohne Ausnahme tun, sondern auch darstellerisch top zu sein, sonst funktioniert das kammerspielartige nicht. Und hier zeigt sich wieder, was für tolle Opernsänger das Theater meines Vertrauens beschäftigt. Meines Erachtens nach definiert sich ein guter Opernsänger nicht nur dadurch, dass er diesen oder jenen Ton trifft, sondern dass er auch szenisch überzeugt – mich im Idealfall. Und das war in dieser Vorstellung ausnahmslos der Fall. Hingehen, anschauen!

Danke an alle Beteiligten!

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Die Sache Makropulos, 28.04.2010, Gärtnerplatztheater

Da ich ja immer ganz gerne verschiedene Perspektiven ausprobiere, saßen wir dieses Mal unten im Parkett vorne. Die Übertitel braucht man im Grunde genommen nicht, weil sehr verständlich gesungen wurde. Außer wenn das Orchester unter David Stahl ein wenig zu laut wurde und die Solisten übertönt hat, war kein Blick nach oben nötig.

Aus der Nähe ist vor allem die schauspielerische Leistung aller Beteiligter noch intensiver zu erleben, gesanglich fehlt sich ja eh nichts. Vor allem Rita Kapfhammer ist wirklich klasse,  was die Leistung der restlichen Solisten aber keinesfalls schmälert.

Auch wenn ich die Musik jetzt nicht so leicht zugänglich finde und sich keine Melodien in meinem Kopf festsetzen, finde ich die Produktion außerordentlich gelungen als Gesamtkunstwerk, die ich jedem Opernfreund ans Herz lege.

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Die Sache Makropulos, 22.03.2010, Gärtnerplatztheater

Die Einführung lies es schon erahnen: wer intelligent inszeniertes Musiktheater, das nicht zum Standardrepertoire eines durchschnittlichen Opernhauses gehört, sucht, ist hier goldrichtig.

Beginnend mit dem Vorhang, auf den verschiedenen, verschachtelte Ansichten von Prag zu sehen sind, der dann während der Ouvertüre durchsichtig wird und die gemarterte Emilia Marty zeigt bis zum fulminanten Schluss ist alles in sich stimmig, harmonieren Personenführung, Projektionen, Bühnenbild und Kostüme auf prächtigste miteinander. Lediglich im 2. Akt hätte ich mir gewünscht, dass man für die Projektionen auch eine freie Fläche schafft, der untere Teil der Wand ist nicht glatt und so konnte ich oft nur die obere Hälfte des Gesichtes gut erkennen und der Rest verlor sich irgendwo zwischen Bilderrahmen und Blumentisch. und Talbot Runhof können zwar tolle Kleider für Konfektionsgröße 34 entwerfen, aber das Kleid der Emilia im 1. Akt fand ich von den Proportionen her einfach grauenvoll.

Musikalisch kann ich es nicht beurteilen, ich kannte die Oper vorher nicht, aber mein erster Eindruck ist fantastisch.  Ich habe praktisch alles verstanden und zu dem tollen sängerischen Leistungen kommt auch noch eine unglaublich gute szenische Darstellung. Ich hatte den Eindruck eines gesungenen Kammerspiels und da ist natürlich auch die Bühnenpräsenz ein wesentlicher Faktor. Dass Rita Kapfhammer eine wahnsinnige Ausstrahlung hat, weiß jeder, der sie schon mal als Carmen gesehen hat und auch in dieser Oper singt und spielt sie die Emilia Marty absolut überzeugend. Aber auch die restliche Besetzung ist vom Feinsten, Stefan Sevenich ist ein genauso überzeugender Advokat wie Gary Martin als Baron Prus. Tilman Unger gefällt als Albert Gregor ebenso wie Robert Sellier als Janek  und Thérèse Wincent als Christa, und auch die restlichen Rollen waren mit John Pickering, Fred Silla-Silhanek, Sonja Leutwyler, Snejinka Avramova und Martin Hausberg sehr gut besetzt.

Ein toller Abend!

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Auftakt Die Sache Makropulos, 07.03.2010, Gärtnerplatztheater

Diese Premiere ist Chefsache: Der Chefdramaturg Christoph Maier-Gehring, der Chefdirigent David Stahl und der oberste Chef Staatsintendant Dr. Ulrich Peters als Regisseur haben sich der vorletzten Oper von Leos Janáček angenommen. Zu Beginn des heutigen Auftaktes zitierte Herr Maier-Gehring aus einem Brief von Janáček an Kamila Stösslová, in dem er Makropulos erwähnt. Im Anschluss daran informierte er über Leben und Werk des Komponisten, bevor David Stahl sich nach einem eingespielten Ausschnitt aus der Ouvertüre ausführlich zur musikalischen Seite äußerte. Unter anderem erläuterte er die Zusammensetzung des Orchesters und den großen musikalischen Bogen der Oper. Die Solisten Elaine Ortiz Arandes und Tilman Unger, begleitet von Anke Schwabe am Flügel, trugen die erste Begegnung von Marty und Gregor vor. Hier wurde der Musikstil der Oper schon sehr deutlich. Die beiden beantworteten dann noch Fragen zur Einstudierung der Rollen, die sich wegen der Form der gesungenen Konversation ziemlich schwierig gestaltete. Herr Dr. Peters erläuterte schließlich noch seine Motivation, diese Oper auf den Spielplan zu setzen und auch selbst zu inszenieren, das Bühnenbild und die Kostüme und skizzierte, wie er das Innenleben der handelnden Personen auf die Bühne bringen wird. Zum Schluss sang Frau Ortiz Arandes noch ein Stück aus dem Schlussteil der Oper. Insgesamt klingt das ganze nach einer intelligenten Inszenierung.
Leider werde ich die Premiere nicht erleben, ich bin genau zu dem Zeitpunkt im Renaissancesaal des Leipziger Rathauses, wo Richard Dübell aus seinem neuen Roman “Die Erbin der Teufelsbibel” lesen wird. In den ersten beiden Teilen der Trilogie spielt übrigens Kaiser Rudolf und sein Kuriositätenkabinett eine wesentliche Rolle, der ja auch in Makropulos der Auslöser ist. Und so schließt sich der Kreis.

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