Die letzten Tage habe ich ja im IT-Sprech verbracht und ich zermarter mir schon die ganze Zeit das Hirn nach dem speziellen Terminus, aber vermutlich verabscheue ich die Ausdrucksweise zu sehr, deshalb fällt es mir nicht ein. Muss morgen oder besser heute einen bestimmten Kollegen dazu befragen, dann trage ich es nach.
Jedenfalls gab es heute für die interessierte Öffentlichkeit einen ersten Eindruck zu der kommenden Premiere von Sweeney Todd. Ich kann nur für mich sprechen, aber es war ein voller Erfolg. Nachdem ich den Film gesehen habe, fand ich die Musik eher langweilig. Nachdem ich es live gesehen habe, ist die Musik im Ohr.
Es war wirklich beeindruckend, was die Mitwirkenden auf die Beine gestellt haben, Florian Simson und Gregor Dalal sogar noch nach der regulären Vorstellung. Aber auch Marianne Larsen, Dirk Lohr, Frances Lucey, Milica Jovanovic und Florian Soyka beeindruckten mich mit ihrer Rolleninterpretation. Der absolute Höhepunkt war jedoch Johannes Wiedecke als Judge Turpin, Alan Rickman kann sich hier eine Scheibe abschneiden.
Abgerundet wurde das Ganze durch Erläuterungen durch den Regisseur und die Dramaturgin und eine sehr interessante Sicht auf die musikalischen Motive durch Liviu Petcu.
Während und im Anschluss habe ich tolle Gespräche geführt und zumindest bei mir hat dieser Abend eine bewirkt: Ich freu mich auf die Premiere!
Staatstheater am Gärtnerplatz
Sweeney Lounge
Donnerstag, 05.02.2009
22.30 Uhr bis open end
Nachtrag: Kick-Off-Veranstaltung wollte mir heute Nacht partout nicht einfallen.
Heute gab es eine Matinee begleitend zur derzeitigen Inszenierung des Zaren Saltan. Neben von Thomas Peters passend zu jedem Stück sehr gut gelesenen Märchen bildete der “Hummelflug” den roten Faden. Er wurde mit vier verschiedenen Soloinstrumenten – Flöte, Klarinette, Fagott und Violoncello – und Klavier vorgetragen. Alle waren für sich toll, wobei das Fagott wohl noch am nähsten an das Brummen der Hummel kommt. Interessant wäre noch gewesen, wie alle fünf Instrumente zusammen klingen.
Das schöne an diesen Matineen sind die Entdeckungen. Zwar habe ich Ruslan und Ljudmila schon auf meinem Wunschzettel, aber nach dem heutigen Vormittag steht für mich fest, dass die CD schnellstens her muss. “Rezitativ und Romanze der Gorislava”, sehr schön vorgetragen von Sigrid Plundrich, ging zwar nicht direkt ins Ohr, dafür aber das “Rondo des Farlaff” (Waräger musste ich erst mal googeln), gesungen von Holger Ohlmann, der mir heute ausnehmend gut gefallen hat. Ihn würde ich gerne mal an einem Liederabend erleben.
Christina Gerstberger und Peter Sonn glänzten jeweils mit Arien aus “Snjegurotschka” und “Sadko”, das absolute Highlight war jedoch die Arie des Zaren Saltan von Gary Martin. “Herzerweichend”, meinte meine Nachbarin, und das traf es ziemlich gut.
Danke an alle Beteiligten!
Russlands musikalische Märchenwelt
Ein musikalisch-literarisches Programm mit Oleg Ptashnikov und Solisten
Sonntag, 01. Februar 2009
11.00 Uhr
Beim Rossini-Blog wurde ich darauf aufmerksam und es lohnt sich bei youtube mal nach Luzatti zu suchen: nicht nur dass ich mich sogleich unsterblich in die Musik verliebt habe, die Umsetzung als Cartoon ist einfach absolut genial.
Heute hatte ich eine Führung durch das Staatstheater am Gärtnerplatz mit anschließendem Opernbesuch organisiert. Die Führung war toll, informativ und umfassend. Ein echter Blick hinter die Kulissen. Es war unkompliziert zu organisieren und kann ich jedem Operenthusiasten nur empfehlen.
Die von mir mittlerweile gefürchteten drei Worte standen mal wieder im Spielplan, wieder hieß es Abschied nehmen von einer lieb gewonnenen Inszenierung. Meiner Gruppe hat es jedenfalls ausgezeichnet gefallen, ich hatte mir ja schließlich auch Gedanken bei der Auswahl des Stückes gemacht. Es waren einige dabei, die noch nie im Theater meines Vertrauens waren, aber der ein oder andere wird sicher zurückkommen. Damit habe ich mein Ziel ja schon erreicht. Als nächstes schleife ich die Musikschule in den Zaren mit.
Heute Abend gab es besondere Schmankerl. Alle gaben ihr Bestes (das Orchester manchmal etwas zu viel davon), es war wieder sehr witzig und es wurden diesmal beide Enden gespielt. Erst der rote, moralische, gnädigere Schluss, bei dem Fra Diavolo einfach abgeführt wurde und dann als Krönung den unmoralischen, grünen aber Lady Pamela beinhaltenden Schluss noch oben drauf. Das war schon etwas ganz Besonderes! Ab heute müssen die Bilder in meinem Kopf entstehen, wenn ich die Aufnahme von Fra Diavolo höre, aber da sind sie ganz fest verankert.
Danke an alle Beteiligten, ich bin gerade ziemlich traurig.
Staatstheater am Gärtnerplatz
Fra Diavolo
oder Das Gasthaus in Terracina
Opéra-comique in drei Akten von Daniel Francois Esprit Auber
Dichtung von Eugène Scribe
Deutsche Fassung von Ulrich Peters
Dienstag, 27. Januar 2009
19.30 – 21.55 Uhr
Nachtrag: manchmal bin ich auch einfach doof. Jetzt habe ich mir seit mehr als einem halben Jahr den Kopf zerbrochen, wer der französisch aussehende Herr in der obersten Reihe ist, dabei hätte ich einfach nur das Programmheft aufmerksam lesen müssen: es ist natürlich Cartouche. Ich hab noch viel zu lernen!
Letztens konnte ich wieder ein Prachtstück für meine “Gärtner”-Sammlung ergattern:
Das Spielzeitheft 1969/70:
Neben dem Vorwort des Intendanten, der Ensembleliste, der Übersicht der Eintrittspreise und der Rückseitenwerbung ist die Vorstellung der Abonnements (damals “Platzmiete”) besonders interessant, es gab nämlich schon eine frühe Form des Wahl-Abos.
Und als netter Gag:
Eine Single mit Ausschnitten aus einem Konzert des Ensembles im Herkulessaal, in den vorhergehenden Spielzeiten war ja die große Renovierung.
Das wünsche ich mir für das nächste Spielzeitheft auch – also vielleicht nicht gerade als Single, einen Plattenspieler besitze ich leider nicht mehr 😉
Everything You Never Knew About Opera for Buffs and Bluffers
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten Verlag: Cyan Books (5. November 2007) Sprache: Englisch ISBN-10: 1905736282 ISBN-13: 978-1905736287 Größe:17,8 x 11,4 x 2,4 cm
Synopsis (von amazon)
You might know Bellini from Puccini, Bizet from Britten, even Shaposhnikov from Shostakovich but can you name the ten opera plots in which a goat features heavily? Opera buffs as well as fans of the Muppet opera (Pigoletto, of course) will be entertained (and possibly educated) by this varied and engaging compendium of facts, figures, trivia, statistics, stories and quotations from the colourful world of opera. This is a miscellany of the madness, with operatic proportions of wit and wisdom (includes Puccini’s recipe for cooking beans, and Rossini’s tips on recycling), the valuable knowledge contained in this little book will confound, delight and amaze even the most hardened Glydebourne-goer.
Entdeckt habe ich dieses kleine Büchlein im Shop des Royal Opera House und in die Oper hat es mich seitdem immer begleitet. Es wurde wohl noch nicht übersetzt. Es passt ideal in die Handtasche als kleiner Pausenfüller zwischendurch, da es in kleinste Abschnitte unterteilt ist. Einen festen Bestandteil bilden die vierzig Kurzzusammenfassungen von Opern unter dem Titel “Lost the plot”. Diese sind witzig zu lesen, wobei manche ihren Humor auch aus der doch arg verkürzten Darstellung ziehen.
Ansonsten gibt es viele nette, kleine Häppchen aus der Welt der Oper, serviert bunt gemixt und nie langweilig. Wer sich im Zusammenhang mit dieser höchsten Kunstform unterhalten lassen will, ist mit diesem Büchlein gut beraten.
Der einzige, für mich ziemlich störende Punkt, ist ein sehr schlampiges Lektorat, was Wörter in deutscher Sprache angeht – bei den anderen Opernsprachen Italienisch und Französisch kann ich es nicht beurteilen, aber mir ist auf den ersten Blick nichts aufgefallen. Manchmal hat man den Eindruck, das hat jemand geschrieben, der das Wort gar nicht kennt, manchmal sind es einfach nur Tippfehler, die im großen Stil nicht ausgebessert wurden. Schade, ohne diesen Makel wäre es wirklich ausgezeichnete Unterhaltung gewesen.
Mein Fazit:
Wenn die Fehler in der nächsten Auflage ausgebessert werden, kann ich diese Buch jedem Opernfan ans Herz legen.
Mächtig sind sie, die Bilder dieser Oper. Und bei fast allen überwältigenden Szenen ist der Chor im Spiel. Besonders das Ende des ersten Aktes, der mir heute eine veritable Gänsehaut beschert hat.
doch Du mordest Deinen Sohn
Gottes Strafe sei Dein Lohn
Wenn Elaine Ortiz Arandes das singt, spüre ich den ganze Schmerz der Mutter. Wunderschön auch die Passage, die mit dem Cello unterlegt ist. Weiter gehts am Ende des zweiten Akt, der vor Freude nur so überschäumt und bis ins kleinste Detail den Kontrapunkt zum Ende des ersten Aktes bildet. Und beim Hummelflug habe ich diesmal einfach die Augen geschlossen und versucht, das Gelächter meiner Sitznachbarn zu ignorieren.
Gary Martin, den ich als Zaren schon vermisst hatte, lieferte wieder eine sehr überzeugende Wandlung vom leicht reizbarem zum reuigen Ehemann und Vater.
Insgesamt ein toller Abend, der beim Publikum Begeisterungsstürme entfachte. Danke an alle Mitwirkenden!
Irgendwie habe ich das Gefühl, bei jedem mal Ansehen ziehe ich eine weitere Haut ab. Wieviel Mal noch, bis ich zum Kern vordringe. Heute das erste Mal aus dem 2. Rang gesehen, das verändert die Perspektive enorm. Leider ist die etwas hochgestellte Drehbühne ein Sichthindernis im Parkett, so habe ich einige Sachen heute zum ersten Mal gesehen, im Prinzip alles, was sich auf der Hinterbühne abgespielt hat. Aber dort oben ist man sooo weit weg, seufz.
Das Highlight heute war natürlich wieder Stefan Sevenich, aber auch Christian Hübner wirkte hier oben irgendwie noch kraftvoller als von unten. Florian Simson erstaunt mich immer wieder, wie er noch singen kann, wenn er einen ausgewachsenen Mann rumschleppt.
Insgesamt wieder ein sehr schöner Abend, der nur einen kleinen Makel hatte: vor der Pause war es oben sehr warm, darauf war ich eingerichtet. Aber dass es nach der Pause richtig kalt war, das hat mir doch arg zugesetzt.
Staatstheater am Gärtnerplatz
Die Hochzeit des Figaro
Le Nozze di Figaro
Opera buffa in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo da Ponte nach Pierre Augustin Caron de Beaumarchais
Deutsche Fassung von Bettina Bartz und Werner Hintze
Dienstag, 20. Januar 2009
19.00 – 22.30 Uhr
Heute etwas ganz besonderes: Kammermusik für Schlagzeug. Klavier und Flöte. Das erste Stück, Music for Pieces of Wood, war faszinierend. Hier konnte ich wunderbar beobachten, wie jeder Schlagzeuger seinen eigenen Rhythmus hielt, nur um am Ende doch wieder mit den anderen dreien synchron zu sein. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Andreas Kowalewitz moderierte witzig und originell. Das darauf folgende Werk von Jolivet sagte mir jetzt bis auf den zweiten Teil nicht so zu, aber die Kombination aus Flöte und Schlagzeugen hatte auch seinen Reiz. Und ich habe was dabei gelernt: es gibt ein Instrument namens Röhrenglocke, im Englischen Tubular Bells und da klingelts bei Mike-Oldfield-Fans doch gleich. Vor der Pause dann noch ein Xenakis-Stück, auf das Herr Nachtgedanken besonders gespannt war. Es hätte mich nicht gewundert, wenn hier der Putz von der Decke gefallen wäre, aber anders als bei der sogenannten Rockoper halt nicht, weil die Instrumente so gewaltig verstärkt sind, sondern weil sie von Haus aus eine mächtige Resonanz haben. Dieses Stück hat mir sehr gut gefallen und auch der Tanz auf der Leinwand hat überraschend gut dazugepasst. Nach der Pause gab es einen Schnelldurchlauf durch die West Side Story, die Schlagzeuger waren hier durch zwei Klaviere verstärkt. Beeindruckend.
Als Zugabe erfuhr man, was vier Schlagzeuger mit vier Tischen und acht Kochlöffeln anstellen können. Toll! Den großen Applaus haben sich alle Mitwirkenden redlich verdient. Danach noch nette Begegnungen in der Kantine (huhu Dagi 😉 )
Staatstheater am Gärtnerplatz
3. Kammerkonzert
All you can beat
Sonntag, 18. Januar 2009
11.00 – 12.30 Uhr
es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr ein anderer Platz die Sichtweise auf eine Aufführung verändert. Heute sass ich zum ersten Mal im Parkett und wieder ist ein Puzzleteilchen an seinen Platz gefallen. Die Szene in der weißen Stadt ist das genaue Spiegelbild der vorherigen in der Zarenstadt, sogar von den musikalischen Motiven her.
Im Parkett merkt man auch erst, wie gewaltig die Bilder sind. Sie wirken jedenfalls noch lange nach. Genauso wie die Musik, die sich in meinen Kopf eingeschlichen hat. Es sind aber seltsamerweise nur die Chorszenen, die ich mit meinem geistigen Ohr höre.
Sandra Moon hat mir heute Abend sehr gut gefallen, ebenso wie Rita Kapfhammer. Nur mit der Hummel bin ich nicht glücklich. Wir werden einfach keine Freunde. Ob sich die Regisseurin vorgestellt hat, wie es ist, wenn man sowieso schon umgeben ist von Leuten, die eine Opernaufführung mit ihrem heimischen Fernseher verwechseln und alles und jedes in ungezügelter Lautstärke kommentieren und dann kommt diese Hummel auf die Bühne? Das Geschnatter wollte kein Ende nehmen. Hört da überhaupt noch irgendjemand auf die Musik? Ich finde das wirklich extrem unpassend. Man hätte die Hummel doch auch projezieren können, schliesslich hat man zwischendurch ja auch diese unglaublich schönen Wellen- und Himmelprojektionen.
Aber die restlichen 90 Minuten waren wirklich klasse.
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