Archives

  • 2021
  • 2020
  • 2019
  • 2018
  • 2017
  • 2016
  • 2015
  • 2014
  • 2013
  • 2012
  • 2011
  • 2010
  • 2009
  • 2008
  • 2007
  • 2006

Kategorien

Operette, auswärts

Ich mag Gastspiele ja. So gerne ich im Theater meines Vertrauens bin, so spannend finde ich es, wie ein Stück woanders wirkt.

Zur Zeit gastieren die Piraten ja in Ingolstadt. Und der Unterschied könnte größer nicht sein: hier die Theateratmosphäre, in der ich mich wohl fühle mit Gold und Stuck und ansprechender Bühnentechnik, dort ein Beton-Zweckbau mit zu kurzem Vorhang und ohne Drehbühne, aber dafür mit guter Akustik. Trotzdem wirken die Piraten auch dort. Es gab Anpassungen an die veränderten Dimensionen der Bühne, aber ansonsten durften die Piraten wie gehabt ihr Unwesen treiben.  Nur aus dem Orchestergraben tönte es etwas arg zügig an diesem Tag, da gingen im Duett Mabel-Frederic (fabelhaft Thérèse Wincent und Robert Sellier) die getragenen Elemente völlig verloren.

Ansonsten alle Solisten wie immer top, ich finde es schon erstaunlich, wie gut das Ensemble neben Singen auch Schauspielern kann. Besonders in den witzigen Dialogen ein absoluter Genuss, (göttlich, wenn Stefan Sevenich donnert: Das ist sein Todesurteil!)  dadurch bekommen sie noch mehr Pfeffer. Und die Messer und Pistolen auch diesmal auf Stichwort, war also beim ersten Mal kein Zufall 😉 Auch der Chor beteiligte sich zum wiederholten Male bravourös an dieser Jagd von Höhepunkt zu Höhepunkt.

Den Ingolstädtern hats gefallen, wie ich den Pausengesprächen entnehmen konnte. Mir auch.

Die Piraten von Penzance

Sonntag, 11. Oktober 2009
19:00 – 21:20 Uhr

Gastspiel in Ingolstadt

Ähnliche Artikel

Lesestoff Belletristik 2009/35 – Jan Winter: Erzähl mir von den weißen Blüten

Gebundene Ausgabe: 445 Seiten
Verlag: Marion Von Schröder (1. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3547711509
ISBN-13: 978-3547711509
Größe: 21,8 x 14,6 x 3,8 cm

Kurzbeschreibung (von der HP des Autors)

Der Maler Paul Handewitt verliert in Nepal auf tragische Weise seine große Liebe, die Italienerin Giulia. Er kann ihren Tod nicht verwinden und flüchtet sich in ein Leben ohne Bindungen und Verantwortung. Achtzehn Jahre später lernt der inzwischen international erfolgreiche Paul in Malaysia die Galeristin Julie kennen. Ihre Liebesbeziehung ist stürmisch, dennoch kann Paul die Tote nicht vergessen.

Als Julie erkennt, dass Giulia immer zwischen ihnen stehen wird, trennt sie sich schweren Herzens von ihm. Auf einer ebenso abenteuerlichen wie emotionalen Reise durch Asien stellt Paul sich schließlich der Vergangenheit. Er begreift, dass er seinen Gefühlen vertrauen kann – und dass er der Liebe noch einmal begegnet ist.

Über den Autor

Link zur Homepage

Meine Meinung:

Ich bin ja nicht so die Beziehungsgeschichtenromanleserin normalerweise. Aber wenn jemand, dessen Meinung ich sehr schätze, das Buch in den höchsten Tönen lobt, gefällt es mir vermutlich auch. Zusätzlich kam jetzt noch dazu, dass das Buch zu großen Teilen im asiatischen Raum spielt, der mich seit meiner Rückkehr aus Taiwan auch literarisch interessiert.

Die Schauplätze in Asien und Europa sind wunderbar beschrieben, ich hatte die Gerüche in der Nase und den Blick über unendliche Reisfelder vor dem inneren Auge. Man merkt die Liebe des Autors zu seiner Szenerie in jedem Wort.So ist es nur zu verständlich, wenn sie nicht nur eine x-beliebige Kulisse sind, sondern selbst Protagonisten in der Handlung. Denn ebenso wie die beiden Frauen in Pauls Leben symbolisiseren sie die zwei Kulturkreise, zwischen denen der Protagonist hin- und hergerissen ist. Paul ist kein strahlender Held und manchmal nicht mal jemand, den ich sympathisch finden würde. Trotzdem hat mich dieser Roman gefesselt, nicht zuletzt auch dank einiger überraschender Wendungen, die den Spannungsbogen bis zum Schluß aufrechterhalten haben. Die sehr visuelle Sprache des Autors tut ein übriges dazu, dass ich am Ende glücklich war, das Buch trotz aller Vorbehalte gegen das Genre zu lesen.

Mein Fazit:

Ein gelungenes Debüt eines vielversprechenden Autors. Ich bin gespannt auf das nächste 🙂

Ähnliche Artikel

Lesestoff Belletristik 2009/34 – Remco Campert: Tagebuch einer Katze

Gebundene Ausgabe: 75 Seiten
Verlag: Arche Verlag (Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3716023779
ISBN-13: 978-3716023778
Größe: 19,4 x 11,4 x 1,2 cm

Kurzbeschreibung (von amazon)

Liebeserklärung an eine Katze
Ihr Name ist Pöff, doch eigentlich würde sie lieber Cleopatra heißen. Sie lebt bei „Brille“ und „Rock“ und erzählt aus ihrem Leben als Katze. Von dem „Drohenden Ding“, dem Staubsauger, dem überflüssigen Kratzbaum – wozu gibt es Sofabezüge? – von der „Tragbaren Wohnung“, von Brilles Arbeitsmaschine und von Kater Harry berichtet sie mit untrüglicher Beobachtungsgabe, eigensinnigem Humor und kätzischer Überlegenheit.

Über den Autor

Link zur Wikipedia-Seite (englisch)

Meine Meinung:

Für einen Katzenliebhaber gibt es doch nix schöneres als zu sagen: ja, so ist es! Die Erzählweise aus Katzensicht wurde perfekt durchgehalten, jedenfalls was ich mir darunter vorstelle. Und ich meine, man hat sogar gemerkt, dass es eine Katze und kein Kater ist, die haben nämlich durchaus verschiedene Verhaltensweisen. Das einzige nicht ganz Schlüssige ist, warum Pöff in den Garten darf und nicht vorne zur Haustür raus. Nachdem der Garten offensichtlich nicht eingezäunt ist, ist das bei dem Bewegungsradius von Katzen eigentlich völlig egal. Aber ansonsten ist es eine liebevolle, schön erzählte Geschichte für zwischendurch.

Mein Fazit:

Gerne gelesen, bei Gelegenheit würde ich auch zu anderen Büchern des Autors greifen.

Ähnliche Artikel

Lesestoff Belletristik 2009/33 – Tom Finnek: Unter der Asche

Gebundene Ausgabe: 650 Seiten
Verlag: Ehrenwirth; Auflage: 1., Aufl. (11. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3431037828
ISBN-13: 978-3431037821
Größe: 21,8 x 14,8 x 4,4 cm

Kurzbeschreibung (von amazon)

London 1666. Vier Tage lang brennt die Stadt. Es ist eine Stadt voller Menschen, die in den Schatten leben. Der Straßenjunge Geoff, der in einem Taubenschlag lebt. Seine schöne Schwester Jezebel, die abends in der verrufenen Kneipe »Boar’s Head« Bier ausschenkt und eines Tages spurlos verschwindet. Der junge Jamie Hollar, der ein Bild von ihr gemalt hat. Der Gauner Ray Webster, der vom Dieb zum Dichter wird. Und viele andere mehr, Menschen besessen von Kunst, von Religion, von Hass oder dem schieren Hunger nach Leben. Sie alle sind Akteure in einem Drama, das sich vor dem Panorama dieser Stadt entfaltet. Ein Mord in einer dunklen Gasse, ein seltsamer Eremit auf einem Friedhof, ein Grabstein, der eine alte Geschichte von Schuld und Sühne erzählt. Aus diesem Gemisch entspringt der Funke, der ganz London in Brand setzen wird. Der Roman für alle, die London lieben.

Über den Autor

Link zur Homepage

Meine Meinung:

Bereits im Prolog wird die Spannung aufgebaut, die den ganzen Roman durchzieht. Tom Finnek lässt jede der Hauptfiguren ihre eigene Geschichte erzählen. So schält sich der eigentliche Verlauf der Dinge erst langsam und unter vielen Schichten verschiedener Sichtweisen und Denkmustern heraus. Davon habe ich mich auch gelegentlich auf die falsche Fährte locken lassen, was aber letztendlich nur die Authenzität der Protagonisten zeigt. Lediglich bei der kindlichen und teilweise kindischen Sicht von Geoff hatte ich anfangs Schwierigkeiten, die sich aber in dem Maße legten, wie Geoff erwachsener und reifer wurde. Jede der Figuren ist sehr komplex beschrieben und lösen viele verschiedene, teilweise auch sich widersprechende Emotionen in mir aus. Der Spannungsbogen wird bis zum Schluß gehalten und die verschiedenen Puzzleteilchen der Einzelschicksale fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Mein Fazit:

Die ungewöhnliche Erzählperspektive und die werden mich auch zu weiteren Büchern dieses Autors greifen lassen.

Ähnliche Artikel

Einführung, zeitverschwendend

Eigentlich habe ich Einführungen in neue Inszenierungen schätzen gelernt, zumindest im Theater meines Vertrauens gaben sie mir tiefere Einblicke in das Stück, sowohl von der Dramaturgie wie auch von der musikalischen Seite und die Sicht des Regisseurs auf das Stück.

So etwas ähnliches erwartete ich auch, als ich mir eine Karte zur Einführung von „Don Giovanni“ im Nationaltheater kaufte. Außerdem, wann kann ich es mir schon mal leisten, dort in der 5. Reihe zu sitzen?

Es begann mit Ausschnitten aus Fellinis „Casanova“, nach Worten des Staatsintendanten ein Kultfilm, der anscheinend völlig an mir vorbeigegangen ist. Nicht meine Generation, denke ich mal. Er führte auch nonchalant in die Hintergründe der Oper, die Verbindung Casanova, Da Ponte und Mozart sowie den genauen Inhalt ein. So war schon eine gute halbe Stunde vergangen, bis der Regisseur und der Dramaturg die Bühne betraten. Leider war ersterer am Anfang akustisch nicht sehr gut zu verstehen und später konnte ich ihm intellektuell nicht folgen. Jedenfalls gab mir seine Sichtweise auf drei zentralen Figuren keinen Hinweis, wie die Inszenierung später aussehen würde. Der GMD sagte ein paar sehr interessante Sachen zu den musikalischen Aspekten, immerhin habe ich hier etwas gelernt. Auch die beiden Arien der Donna Anna und des Don Ottavio, vorgetragen von Ellie Dehn und Pavol Breslik, waren eine echte Bereicherung. Aber so zentrale Informationen wie welche Fassung gespielt wird, habe ich entweder überhört oder konnte sie aus dem Wust nicht herausfiltern. Oder sie wurden schlicht nicht gegeben.

Nachdem das Ganze mit einer Dauer von einer Stunde angegeben war, verliessen nach 90 Minuten die ersten Leute den Zuschauerraum, mein Nachbar sichtlich entnervt und mit einem entsprechenden Kommentar. Mit einem etwas gestrafften Programm hätte man sicher den zeitlichen Rahmen etwas besser einhalten können und es wäre meiner Meinung trotzdem nichts Wichtiges ungesagt geblieben.

Ich steuere mal einen der drei Festspieltermine an, musikalisch wird das Ganze für meine laienhaften Ohren sicher ein Genuß und von der Inszenierung kann ich eigentlich nur positiv überrascht werden.

Einführungsmatinée „Don Giovanni“

Sonntag, 11. Oktober 2009
Nationaltheater
11.00 – ca. 12.00 Uhr

Ähnliche Artikel

Lesestoff Belletristik 2009/32 – Diana Gabaldon: Dragonfly in amber

Broschiert: 976 Seiten
Verlag: Arrow Books (3. März 1994)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0099294710
ISBN-13: 978-0099294719
Größe: 17,4 x 11 x 4,2 cm

Kurzbeschreibung (von amazon)

For twenty years, Claire Randall has kept her secrets. But now she is returning with her grown daughter to the majesty of Scotland’s mist-shrouded hills. Here, Claire plans to reveal a truth as stunning as the events that gave it birth: about the mystery of an ancient circle of standing stones, about a love that transcends the boundaries of time, and about James Fraser, a warrior whose gallantry once drew the young Claire from the security of her century to the dangers of his. Now a legacy of blood and desire will test her beautiful daughter as Claire’s spellbinding journey continues in the intrigue-ridden court of Charles Edward Stuart, in a race to thwart a doomed uprising, and in a desperate fight to save both the child and the man she loves.

Über die Autorin

Link zur Homepage

Meine Meinung:

Nachdem ich mich schon anfangs ziemlich geärgert habe, weil ich es einfach nicht glauben kann, dass die Hauptstrasse von Inverness schon Mitte der sechziger Jahre mit Souvenirläden vollgepflastert war, wollte auch im weiteren Verlauf keine rechte Stimmung aufkommen. Zu konstruiert, zu abstrus, zu wenig fesselnd erschien mir das Ganze. Bis ca. Seite 200 habe ich mich durchgequält. Da ich wegen drohenden Übergepäcks etwas ausmisten musste, fiel es mir nicht schwer, das Buch in der JuHe in Taipei zurückzulassen, vielleicht findet sich ja noch jemand, dem der Roman mehr Spaß macht als mir.

Mein Fazit:

Just not my cup of tea. Schade, die Idee fand ich sehr gut, nur die Umsetzung gefällt mir nicht.

Ähnliche Artikel

Oper, lauwarm

Langsam frage ich mich, ob ich nicht anderen Opernhäusern gegenüber zu kritisch bin. Am Theater meines Vertrauens gefällt mir praktisch alles, ich komme aus den Vorstellungen und bin wahlweise aufgeheitert oder aufgewühlt, jedenfalls nie emotionslos. So wie am Mittwoch aus einer ausgesprochen unfeurigen Carmen in der BSO.

Auf den Sänger des Don José  war ich gespannt, kannte ich ihn doch bisher nur aus den Erzählungen meiner äußerst opernerfahrenen Kollegin. Stimmlich soll er ja in der vorhergehenden Vorstellung etwas indisponiert gewesen sein, davon habe ich zumindest nichts gemerkt. Allerdings gab er nicht das Bild eines schneidigen Offiziers ab, sondern bewegte sich über die Bühne, als ob ihm alle Knochen weh täten. Besonders im Kampf mit Escamillo  sah es leider so aus, als würden die beiden sich mit Staubwedeln duellieren. Leider fehlte auch seinem Widersacher das nötige Feuer, seine Stimme kam in der Galerie trotz fabelhafter Akustik nicht sehr gut an und seine Darstellung des Stierkämpfers lies irgendwie das Zwingende vermissen, das alle Frauen in seine Arme treibt. Die Sängerin der Titelfigur war angenehm zu hören, aber ihrer Stimme und insbesondere ihrer Darstellung fehlte völlig die erotische Anziehungskraft, die die Carmen sonst selbst für Frauen hat und so war dieses feurige Zigeunermädchen lediglich eine ordinäre Schlampe. Aber es gab auch Lichtblicke: Christian van Horn als Zuniga etwa und das Orchester unter Karel Mark Chichon. Das war schon sehr mitreißend, wie im Zuschauerraum das Licht mit einem Schlag ausgeht und das Vorspiel mit Macht einsetzt. Und die Akustik ist wirklich Klasse, ich hätte schwören können, dass die Triangel direkt neben mir war.

Und das absolute Highlight war Maija Kovalevska. Eine supertollle Stimme und ihre Micaela war grandios. Kein zartes Seelchen, sondern eine zupackende Frau, die auch schon mal den José hinter sich herzerrt, wenn er nicht spurt. Sie bekam verdientermaßen frenetischen Beifall.

Die Inszenierung ist eher traditionell, aber damit auch beliebig. Ich hatte die Carmen in der BSO schon vor etwa drei Jahren gesehen, aber sie ist mir mir nicht im Gedächtnis geblieben.

Nationaltheater

Carmen

Mittwoch, 7. Oktober 2009

19.00 – ca. 22.15 Uhr

Ähnliche Artikel

Oper, austrocknend

Die Randnotiz diesmal als Vorbemerkung: heute wurde mir mal wieder bewusst, warum ich kein Wochentagsabo habe. Vermutlich würde ich nach diesem Abend alle Tickets verfallen lassen, wenn ich nur daran denke, hinter (ging ja noch, der war einfach nur groß) und vor allem neben wem ich gesessen bin. Die Karten könnte ich ja guten Gewissens nicht mal verschenken – jedenfalls nicht an Menschen, an denen mir etwas liegt.

Ich finde es ja immer sehr spannend, wie die Alternativ-Besetzung die Rollen gestaltet. Und sie haben natürlich den Vorteil meiner erhöhten Aufmerksamkeit, da ich die Inszenierung ja jetzt schon mal gesehen habe und auf ganz andere Dinge achte als beim ersten Mal.

Elaine Ortiz Arandes ist eine wunderbare Hauptfigur. Einerseits sehr kämpferisch, andererseits sehr empfindsam, eine sehr berührende und emotionale Giovanna, und das alles sowohl gesanglich wie auch mimisch. Herr Rosenthal würde hier einen Luftsprung von ungefähr 1,50 m machen und „Das war spitze!“ rufen.

Ich bin ja nicht so ein Tenorfan, aber Adrian Xhema begeistert mich immer wieder. Bei ihm klingt alles immer sehr leicht und natürlich, anders kann ich es mit meinem laienhaften Worten nicht ausdrücken.

Riccardo Lombardi hat mir schon bei der Premiere gefallen und wird mir sicher bei allen weiteren Vorstellungen, die ich noch sehen werde, gefallen, ebenso wie dem heutigen Publikum. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass das Abopublikum offener ist als das Premierenpublikum. Der Applaus heute war jedenfalls ungeteilt und langandauernd und auch die tollen Schauspieler haben keine albernen Buhrufer mehr ertragen müssen.

Überhaupt, die Schauspieler. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach tragen sie ganz erheblich dazu bei, die Handlung auf der einen Seite voranzutreiben und auf der anderen Seite eine Meta-Ebene zu visualisieren, die uns Zuschauer tiefer in  die Figuren blicken lässt. Ich finde die Dialoge toll, dass sie viel vorne an der Rampe vor einem schwarzen Vorhang spielen, gibt ihnen etwas Intimes.Und Sieglinde Zörner ist einfach klasse, schon ein Augenaufschlag genügt und ich könnte dahinschmelzen, wenn ich ein Mann wäre.

Auch mit den Chorszenen habe ich mich jetzt angefreundet. Mein erster Eindruck des allzu statischen war etwas übertrieben (habe ich bei der Premiere nach der Pause abgeschaltet?).

Musikalisch und szenisch gefällt mir mittlerweile der dritte Akt am Besten. Die Cello-Stelle am Schluss ist ja auch schön, aber ich persönlich bevorzuge die vielen Holzbläserstellen.  Ich höre ja insgesamt nicht so wahnsinnig viel Rigoletto heraus, vermutlich kenne ich die Oper nicht gut genug, dafür höre ich alle Nas lang was aus der Traviata, und ist die Giovanna nicht auch zeitweise eine Violetta?

Für mich ist bei einer Inszenierung immer sehr wichtig, dass alles „passt“. Sie kann gerne modern sein, aber sie muss stimmig sein, und das ist diese Inszenierung. Sie gibt im positiven Sinne Stoff zum Nachdenken, zum Diskutieren, zum sich-auch-in-zwanzig-Jahren-noch-daran-erinnern.

In der Pause und am Ende fühle ich mich, als hätte ich einen Marathon hinter mir, ich bin so gefangen genommen, dass ich vergesse zu Schlucken und am Ende totalen Durst habe. Aber es ist ein gutes Gefühl!

Danke an alle Beteiligten!

Giovanna d’Arco

Montag, 5. Oktober 2009
19:30 Uhr

Ähnliche Artikel

Operette, erheiternd

Nicht, dass ich heute Abend schlechte Laune gehabt hätte. Aber selbst wenn, ich wäre fröhlich und gut gelaunt aus dem Theater gekommen. Es ist einfach unglaublich, wie viel positive Energie diese Musik und die Bilder ausstrahlen.

Die Besetzung war heute aber auch wieder klasse. Dirk Lohr als Generalmajor in Höchstform, Heike Susanne Daum eine mitreißende Mabel, Susanne Heyng als Ruth hervorragend in Gesang und Ausdruck, ebenso wie Stefan Sevenich als Piratenkönig. Sebastian Campione singt klasse und zieht die Messer und Pistolen aufs Stichwort aus dem Sack, das stelle ich mir gar nicht so einfach vor. Tilmann Unger, Martin Hausberg, die Mädels unter Frances Lucey und der Piraten-/Polizistenchor tun ein übriges, um den Abend gelingen zu lassen. Danke, danke, danke!

Und dann ist da noch was, was mir schon seit geraumer Zeit im Kopf rumgeht: die Absurdität des Librettos. Laut Beschreibung beginnt das Ganze an Cornwalls Küste (und eben nicht in der Karibik, Herr S. 😉 ). Wir haben den 28. Februar eines Nicht-Schaltjahres. Laut Wetteraufzeichnungen schwankt die Temperatur zwischen 5 und 9 ° C. Selbst in einem ungewöhnlich milden Winter werden wohl nicht mal die abgehärteten Engländer auf die Idee kommen, ein Picknick inklusive Meeresplantschen zu veranstalten. Aber irgendwie nimmt man es als gegeben hin. Genauso wie Frederic es als gegeben hinnimmt, dass man seinen Geburtstag zwar offensichtlich jahrelang am 28.02. begangen hat, aber irgendwie nicht zählt das nicht.

Ach, es ist einfach herrlich! Ich glaube, ich fahre schon nächsten Sonntag nach Ingolstadt 😉

Die Piraten von Penzance

Freitag, 2. Oktober 2009
19:30 – 21:50 Uhr

Ähnliche Artikel

Randnotizen eines Opernabends

Ich trenne das jetzt mal von den eigentlichen Eindrücken der gestrigen Premiere, weil mir manche Sachen auch früher schon aufgefallen sind oder sie sich auch an jedem anderen Abend abspielen könnten.

Liebe Mitmenschen, ist es denn so schwierig, vor dem Betreten des Zuschauerraumes das Hirn ein- und das Handy auszuschalten? Auch ein Hörgerät kann man so einstellen, dass es nicht permanent fiept und ja, man kann sich auch mal auf seine Hände setzen und erst dann klatschen, wenn der Vorhang zu und der letzte Ton verklungen ist.

Man zerstört doch sich selbst und den anderen Zuhörern einen Teil des Genusses, wenn man eine aufgebaute Spannung zerklatscht und richtig peinlich wird es, wenn man vor dem eigentlichen Ende der Arie seine Hände nicht mehr in Zaum halten kann.

Weniger ist manchmal mehr.

Ähnliche Artikel