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Premiere Die Zauberflöte, 07.05.2010, Gärtnerplatztheater

Eine zauberhafte Zauberflöte wünschte sich das Publikum für das Theater beim Theatervergnügen 2008, und gestern erfüllte sich dieser Wunsch, mit einigen kleinen Abstrichen.

Es gibt zwei Seiten, Nacht und Tag,  Barock und Aufklärung. Das erste wurde durch das Bühnenbild symbolisiert, das den ganzen Raum einnimmt und aus dem 3. Rang leider nicht vollständig einsehbar ist. So fehlen die Überschriften über den Toren und Sarastro ist ziemlich kopflos, wenn er zu Beginn des zweiten Aktes aus dem Tor tritt, das mit “Vernunft” überschrieben ist. Eigentlich es es aber sehr schön und raffiniert, wunderschön gemalt, ein großes Kompliment an die Werkstätten und besonders den Malersaal. Am Anfang besteht es aus einem breiten ansteigenden Steg mit links dem Nachtteil und rechts dem Gegenstück, später wird das ganze mit weiteren Seiten- und Rückfronten ergänzt zum Tempel Sarastros. Die Kostüme sollen Barock und Aufklärung widerspiegeln, das wurde aber nicht ganz durchgehalten, der Gehrock Sarastros mutet mir schon schon fast viktorianisch an und bei den Chordamen habe ich einige Biedermeierkostüme gesichtet. Die Farben sind bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls symbolhaft, auf der Seite der Königin der Nacht Dunkel, auf der anderen einheitshell bis braun, nur das Priestergewand von Sarastro ist sonnengelb, der aber ansosnten mir unerklärlich auch dunkel gekleidet ist. Papagena und Paganeno stechen ebenfalls mit farbigen Akzenten heraus, es ist sehr nett anzusehen, wenn Papageno sich “aufplustert” mit seinem federgefütterten Rockschößen.

Der Vorhang hat sich bereits zur Mitte der Ouvertüre geöffnet und man sieht das Extraballett als die wilden Tiere, warum hat sich mir nicht erschlossen. Sie tauchen immer wieder auf, meistens weiß ich nicht warum, nur wenn die Musik es hergibt und sie eine Art Menuett tanzen, passen sie zu dem poetischen Grundton der Inszenierung. Ansonsten stört mich das im 3. Rang sehr gut hörbare Fußgetrappel eher. Dass die drei Damen sich um Tamino unter Einsatz aller körperlichen Reize streiten, ist eine netter Einfall, die Ausführung war aber einen Tick zu überdreht, hier wäre ein bisschen weniger vielleicht mehr gewesen.

Ansonsten fand ich die szenische Umsetzung sehr ansprechend, die Regisseurin Rosamund Gilmore wurde ihrem Anspruch gerecht, ein Märchen zu erzählen, es gab auch viele Stellen, an denen gelacht wurde und auch wunderschöne Bilder prägen sich ein. Ob diese Oper, und damit meine ich jetzt nicht diese Inszenierung, sondern generell, wirklich dazu geeignet ist, auch jüngste Opernbesucher mit dem Virus Theatersucht zu infizieren, halte ich jedoch eher für unwahrscheinlich. Dafür ist sie zu lang, zu wenig bunt und es passiert einfach zu wenig auf der Bühne. In meinem Freundeskreis haben die Mütter mit “Fra Diavolo”, Viva la Mamma” und auch der Operette “Die Piraten von Penzance” beste Erfahrungen gemacht, neben den speziell für Kinder produzierten Stücken natürlich. Ich würde hier auf jeden Fall überlegen, bei Familienvorstellungen eine kindgerechte Einführung zu machen.

Auf der musikalischen Seite gibt es nur Pluspunkte, alle Partien bis auf die Rolle der Königin, die von Dorothea-Maria Marx als Gast ansprechend gesungen wurde, sind aus dem Ensemble besetzt. Angefangen bei den aus dem Kinderchor stammenden drei Knaben über die drei Damen Sandra Moon, Sybille Specht und Rita Kapfhammer bis zu der wundervollen Milica Jovanovic als Papagena, die hier einmal mehr gezeigt hat, dass sie nicht “nur” ein Musicalstar ist, merkte man die Qualität dieses Ensembles, auf das das Theater zu recht stolz sein kann. Stefanie Kunschke ist eine innige, berührende Pamina, die deutlich macht, was die Regisseurin damit meinte, dass eigentlich sie die größte Prüfung hätte. Auch der Chor, sehr gut einstudiert von Jörn Hinnerk Andresen, überzeugte sängerisch, durfte seine Spielfreude aber nicht ganz so ausleben, aber das ist wohl eher im Stück denn in der Regie begründet. Holger Ohlmann beeindruckte szenisch und musikalisch als weiser, würdevoller Sarastro und Robert Sellier spielte und sang den Tamino einfach perfekt. Besonders gefallen hat mir der Papageno von Daniel Fiolka, er agierte und sang sehr aussdrucksstark, so dass auch die kleinste Finesse im 3. Rang ankam. Gregor Dalal, Adrian Xhema, Martin Hausberg und Cornel Frey komplettierten die sehr gute Männerriege. Das Orchester unter Henrik Nánási kann ich schlecht beurteilen, mir persönlich hat es angesprochen.

Am Ende stürmischer und lang anhaltender Applaus für alle Beteiligte. Man kann dem Theater nur gratulieren zu dieser gelungenen Produktion! Plätze sollte man sich schnell sichern, für die nächsten vier Vorstellungen gibt es schon nur noch Restkarten.

Ein paar schöne Bilder gibt es hier und eine erste Premierenkritik hier.

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2 comments to Premiere Die Zauberflöte, 07.05.2010, Gärtnerplatztheater

  • beowulf

    Dann warten wir mal auf den Eindruck aus der ersten Reihe…

    Interessant übrigens der unterschiedliche Eindruck des BR Kommentars und deine Meinung zur Kindertauglichkeit- ganz generell würde ich deine Meinung teilen. Die Inszenierung kenne ich natürlich nicht, aber ganz so verständlich sind selbst die Papageno/a Szenen nicht aus sich heraus.

  • Ja, die Eindrücke von unten folgen morgen 😉
    Der BR-Kritiker hat vermutlich bei der Rede des Herrn Staatsintendanten genau zugehört, der gebrauchte ziemlich ähnliche Worte in seiner Rede. Wenn man meint, man muss Kinder heute schon im Vorschulalter den Anzüglichkeiten der drei Damen aussetzen, bitte nur zu.

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