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Die Zauberflöte, 23.12.2012 19:00 Uhr, Staatsoper Hamburg

Die Zauberflöte TheaterzettelVier Zauberflöteninszenierungen habe ich bisher gesehen, und diese hier war mit Abstand die Schlechteste.
Ein Tamino, der auf Großwildjagd ist und mit seinem Gewehr gleich mal ins Publikum zielt. Das geht gar nicht, wirklich! Und warum erschießt er die Schlange dann nicht gleich, verdammt noch mal? Dann wäre uns der Rest dieses zumindest szenisch verschwendeten Abends erspart geblieben. Da wurde echt nichts ausgelassen, was an Geschmacklosigkeiten zu bieten war. Eine drei Meter hohe Königin der Nacht, die neckisch mit dem schlecht nachgebildeten Füßchen kokettiert. Ein noch größerer Sarastro, der so auf der Hinterbühne platziert war, das man ihn sicher aus dem zweiten Rang schon nicht mehr richtig sehen konnte. Was ich im vierten Rang erkennen konnte, war eine große, missgebildete Hand, in der offensichtlich ein Mensch steckte. Daumen und Zeigefinger sind nunmal nicht gleich lang, auch wenn sie von den Armen eines Menschen dargestellt werden. Ansonsten war das ganze sterbenslangweilig. Keine Komik, die ja durchaus in der Zauberflöte auch vorhanden ist. Nur Schenkelklopferhumor wie bei dem erwähnten Füßchen der Königin der Nacht. Einzig die schauspielerischen Leistungen der Sänger brachten Emotionen in das Stück. Der Regisseur Achim Freyer versuchte besser zu sein als die Musik, aber Mozart setzt sich halt überall durch. Warum man eine solche Geschmacksverirrung 30 Jahre auf dem Spielplan behält, verstehe ich nicht. Man kann nur hoffen, dass sich die Staatsoper Hamburg demnächst mal eine Neuinszenierung gönnt. Auf der Homepage der Staatsoper Hamburg steht bei dieser Vorstellung “Letzte Aufführung”, man darf also vielleicht hoffen.
Musikalisch war es ein hingegen ein guter Abend. Ich war ja eigentlich wegen Peter Sonn auf diese Zauberflöte aufmerksam geworden, der an diesem Abend den Tamino singen sollte und den ich noch aus seiner Zeit am Münchner Gärtnerplatztheater in guter Erinnerung hatte. Leider, es ist Winter, es ist kalt, musste er erkrankungsbedingt absagen. Martin Homrich vertrat ihn jedoch gut. Für mich die beste des ganzen Abends war Christiane Karg als Pamina. Eine wunderbare Innigkeit bei Ach, ich fühls und auch sonst glänzte sie in ihrer Rolle. Mandy Fredrich sang eine ganz ausgezeichnete Königin der Nacht und der Sarastro von Wilhelm Schwinghammer gefiel mir gut – die Stimme, nicht das sogenannte Kostüm, wohlgemerkt. Positiv durch seine Textverständlichkeit ist mir auch Chris Lysack als Monostatos aufgefallen. Gregor Bühl leitete das Orchester souverän und mit guter Rücksichtnahme auf die Sänger.
Szenisch zum Davonlaufen, Musikalisch gut – nach der altbackenen Traviata in 2008 konnte mich die Staatsoper Hamburg wieder nicht überzeugen.

Musikalische Leitung Gregor Bühl; Chor Christian Günther; Sarastro Wilhelm Schwinghammer; Tamino Martin Homrich; Pamina Christiane Karg; Sprecher Jan Buchwald; Priester Manuel Günther; Königin der Nacht Mandy Fredrich; Erste Dame Katja Pieweck; Zweite Dame Maria Markina; Dritte Dame Renate Spingler; Papageno Moritz Gogg; Papagena Solen Mainguené; Monostatos Chris Lysack; Erster Geharnischter Jürgen Sacher; Zweiter Geharnischter Szymon Kobylinski; Drei Knaben Solisten des Tölzer Knabenchors; Orchester Philharmoniker Hamburg

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