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Tosca, 06.02.2013, Pasinger Fabrik – Zweite Rezension

Bühnen-/Szenenfotos der OHP1 Tosca - Münchens kleinstes Opernhaus Ich arbeite beruflich mit einem Programm, das so wie diese Oper heißt. Das ist keine Abkürzung wie “Elster”, weil der Erfinder des Testtools diese Oper so liebt. So ähnlich geht es mir auch, nur hab ich leider keine Erfindung gemacht, die ich nach der Oper benennen könnte.

Die Tosca-Version in Münchens kleinstem Opernhaus, der Pasinger Fabrik gefällt mir ausgesprochen gut. Die Idee von Regisseur Nilufar K. Münzing, den Angelotti von einer Frau singen zu lassen, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Besonders, wenn die Rolle dann so bezaubernd gespielt und ausgesprochen gut gesungen wird wie von Stephanie Firnkes an diesem Abend. Allerdings stellt das auch die Motivation von Cavaradossi in Frage, denn zwischen den beiden knisterte es ganz gewaltig. So hatte Tosca doch Grund zur Eifersucht, weil ihr Mario halt doch in erster Linie Frauenheld und erst in zweiter ein Freiheitskämpfer ist. Das tat mir ein wenig leid um ihn. Das Bühnenbild von Uta Gruber-Ballehr nutzt den Raum optimal aus, ihre Kostüme versetzten die Handlung in eine Zeit nahe der Gegenwart, was aber ganz gut passte. Nicht gefallen hat mir allerdings ihr Kostüm ab dem zweiten Akt für die Tosca. Diese mörderischen High Heels schränkten Irina Solomatina Tissot zu sehr ein, sie konnte damit nur wenig Bühnenpräsenz entwickeln, was schade war, denn sie sang gut.

Bühnen-/Szenenfotos der OHP1 Tosca - Münchens kleinstes Opernhaus Das autoaggressive Verhalten von Scarpia sollte wohl zeigen, dass auch er letztlich nur ein Mensch ist, allerdings meine ich, dass Menschen, die sich so verhalten, eher nicht aggressiv bis sadistisch anderen gegenüber sind, insofern hat das für mich nicht wirklich Sinn gemacht. Tibor Brouwer gestaltete die Rolle mit kraftvollem Bariton trotzdem dämonisch und versprühte die prickelnde Erotik der Macht. Andreas Stauber liess als Cavaradossi nicht nur Toscas und Angelottis Herz höher schlagen, man könnte meinen, er würden jeden Tag “Vittoria” rufen. Adrian Sandu als ASpoletta und Philipp Gaiser unter anderem als Mesner ergänzten das tolle Ensemble sehr gut.

Das Arrangement von Maximilian Fraas und Andreas Pascal Heinzmann hat mir ausgezeichnet gefallen, die Grundstimmung der Oper war auch in der kammermusikalischen Besetzung spürbar und Tonio Shiga leitete Musiker und Sänger souverän. Ein sehr schöner Abend!

Tosca. Oper von Giacomo Puccini in einem Arrangement von Maximilian Fraas und Andreas Pascal Heinzmann. Regie und Textfassung: Nilufar K. Münzing. Bühnenbild und Kostüme: Uta Gruber-Ballehr. Licht: Jo Hübner. Dirigent: Tonio Shiga. Floria Tosca: Irina Solomatina Tissot. Cavaradossi: Andreas Stauber. Scarpia: Tibor Brouwer. Caecilia Angelotti: Stephanie Firnkes. Spoletta: Adrian Sandu. Mesner, Scarrione, Schliesser: Philipp Gaiser.

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Tosca, 06.02.2013, Pasinger Fabrik

Bühnen-/Szenenfotos der OHP1 Tosca - Münchens kleinstes Opernhaus Ich bevorzuge die Tosca in der Originalversion - es ist eine meiner Lieblingsopern. Aber wenn schon gekürzt und arrangiert werden muss, dann meinetwegen so. Ein paar Details hätte ich musikalisch lieber anders gehabt, aber insgesamt erzeugten die zehn Musiker unter ihrem Dirigenten Tonio Shiga ein volles, abgerundetes Klangbild. Die Oper wurde auf deutsch gesungen, das hat nicht nur Vorteile, denn Italienisch passt eigentlich besser zu dieser Musik. Andererseits plagt man sich dann mit Untertiteln ab, das ist auch nicht optimal, weil man abgelenkt wird. Die Textfassung war realistisch und trocken, nicht so poetisch wie das Original.

Der Einfall, den Widerstandskämpfer Angelotti mit einer Mezzosopranistin zu besetzen, gefiel mir sehr gut – auch weil diese Sängerin hervorragend sang und viel Bühnenpräsenz hatte. Allerdings sah es so aus, als würde der Maler Cavaradossi dieser Widerstandskämpferin nicht nur aus altruistischen Motiven heraus helfen – da gab es einen richtig romantischen Moment zwischen den beiden, was die ursprüngliche Figurenzeichnung Puccinis schon sehr stark verändert. Liebt dieser Cavaradossi seine Tosca wirklich? Irgendwie wirkte er ein wenig genervt von ihrem Herumgezicke. Aber nachdem er sehr gut sang, kann er meinetwegen privat machen, was er will. Floria Tosca hatte eine fantastische Stimme, das war wirklich ein Genuss. Ihr Kostüm brachte jedoch die Diva nicht so richtig zur Geltung. Vielleicht war sie auch szenisch etwas eingeschränkt durch diese unglaublichen Stilettos – da hätte sie gar kein Messer gebraucht, um Scarpia zu erstechen. Der Polizeichef Scarpia war hier aus einem mir ungewohnten Blickwinkel dargestellt: Ich hatte ihn bis jetzt nur als bulligen, arroganten Psychopathen gesehen. Hier war er nicht überlebensgroß, sondern fast ein Mann, den man im wirklichen Leben kennen könnte, ein bisschen schmierig, nicht so großkotzig, nicht so dämonisch. Eine interessante Interpretation. Auf der Sängerseite war es also insgesamt gut besetzt, insbesondere das Sextett vor der Pause war großartig.

Bühnen-/Szenenfotos der OHP1 Tosca - Münchens kleinstes Opernhaus Das Ambiente in der Pasinger Fabrik trug seinen Teil zu dem angenehmen Abend bei: Man sitzt gemütlich an Vierertischen, der Rotwein war hervorragend und die Bedienung ganz reizend. Die Pasinger Fabrik hat eine 15jährige Geschichte von Opernproduktionen: Verdi, Donizetti, Haydn, Mozart, Rossini. Wenn einem also die derzeit grassierende Musical-Manie zu den Ohren rauskommt, und man mal wieder Opernsänger hören will und nicht nur singende Schauspieler, dann ist das eine echte Alternative.

Tosca. Oper von Giacomo Puccini in einem Arrangement von Maximilian Fraas und Andreas Pascal Heinzmann. Regie und Textfassung: Nilufar K. Münzing. Bühnenbild und Kostüme: Uta Gruber-Ballehr. Licht: Jo Hübner. Dirigent: Tonio Shiga. Floria Tosca: Irina Solomatina Tissot. Cavaradossi: Andreas Stauber. Scarpia: Tibor Brouwer. Caecilia Angelotti: Stephanie Firnkes. Spoletta: Adrian Sandu. Mesner, Scarrione, Schliesser: Philipp Gaiser.

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