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Premiere De Amore, 23.06.2017, Gärtnerplatz Jugend (in der Reithalle)

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Die Liebe ist ein seltsames Spiel wusste schon Connie Francis in den Sechzigern. Tatsächlich war es aber früher mal anders, am Anbeginn der Zeit. Da waren alle Menschen die Hälfte eines Ganzen, kugelförmig, immer mit dem perfekt zu ihnen passenden Partner zusammengefügt. Sie waren glücklich, aber wie das so ist, wenn man alles hat, strebt man nach noch mehr. Sie wollten den Göttern nicht mehr huldigen, sondern gegen sie in den Krieg ziehen. Das konnten diese natürlich nicht zulassen und so trennten sie die Kugelwesen. Seitdem sind die Menschen auf der Suche nach dem perfekten Partner. Mancher findet ihn, wenn auch vielleicht nur auf Zeit, aber es gibt auch Menschen, die alleine bleiben.

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Sehr frei nach Platons Das Gastmahl hat sich die Gärtnerplatz Jugend dem Thema Liebe angenommen. In sehr ausdrucksstarken Bilder erforschen sie die Spielarten Liebe im Laufe der Jahrhunderte von den Neandertalern über Tristan und Isolde, Cyrano de Bergerac, Othello bis in die Gegenwart. Das war manchmal witzig, oft nachdenklich machend und immer genau auf den Punkt.

Beeindruckend ist, dass die Jugendlichen das Stück selbst erarbeitet haben. Neben solistischen Einlagen gab es auch immer wieder tolle Ensembleszenen. Die Choreografie von Roberta Pisu und die Regie von Susanne Schemschies geben dem Abend Struktur, aber besonders bemerkenswert ist die Leistung der Mitglieder der Gärtnerplatz Jugend.  Tolle Stimmen, sehr gute schauspielerische Leistung und eine unglaubliche Energie zeichnen diesen hervorragenden Abend aus. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man von einigen auch in Zukunft noch hören wird. Abgerundet wird der nachwirkende Abend durch das exzellente Licht von Jakob Bogensberger und die passenden Kostüme und die Bühne von Stephanie Thurmair. Andreas Partilla und Andreas Begert begleiten am Flügel zu Toneinspielungen und spielen auch manchmal selbst mit 😉

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Leider gibt es nur zwei Vorstellungen, für heute Abend um 18 Uhr gibt es noch wenige Restkarten.

Platon Isabelle Braun
Zeus Benjamin Weygand
Hera / Toni Sofia Lainovic
Poseidon / Isolde Carlotta von Stetten
Hades / Michi Kilian Bohnensack
Aphrodite / Solosängerin Ella Römer
Athene / Waschweib Elena Bin
Bäuerin Julia Spieler
Nonne Anna Häuser
Solotänzerin / Solosängerin Ella Miner
Cyrano / Othello Teo Pop
Christian Alexander Wertmann
Roxanne Sophie Scherrieble
Frau Neandertal Salome Ortiz Obermayer
Taschentuch / Solotänzerin Saskia Wagner
Desdemona Nadine Kurschus
Jago / David Josef Roth
Emilia Neve Leonhardt
Alex Moritz Kühner
Lina Tabea Popp
Julia Mai Linh Nguyen
Steffi Ann-Kathrin Storfinger

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Lisa / Solotänzerin Sabrina Nitschke
Kugelmenschen Alle Beteiligten

Klavier Andreas Partilla, Andreas Begert

Musikalische Leitung Andreas Partilla
Regie Susanne Schemschies
Choreografie Roberta Pisu
Bühne / Kostüme Stephanie Thurmair
Licht Jakob Bogensperger
Videodesign Christian Gasteiger
Dramaturgie David Treffinger

 

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Premiere Lust auf Mord, 10.06.2017, Blutenburg-Theater

Foto: Volker Derlath

Foto: Volker Derlath

Der Sommer gilt ja nicht unbedingt als Theaterzeit. Man will sich in den Biergarten setzen oder dem Balkon ein Eis löffeln. Dabei sollte man aber definitiv auch in den warmen Monaten ab und zu ein Theater besuchen.
Im Blutenburg-Theater kann man sich mit der Krimikomödie Lust auf Mord des erfolgreichen Autoren Jack Jaquine sogar in kühlere Gefilde versetzen: im seit Wochen verregneten Frankreich langweilen sich nämlich die beiden Schwestern Hélène und Clarisse zu Tode. Während Clarisse ihre große Puppensammlung hegt und pflegt, legt ihre Schwester Karten und kaut falsch verbundenen Anrufern das Ohr ab.
Endlich gibt es Licht am Ende des tristen Tunnels, in der Nachbarschaft ist nämlich eine Dame verschwunden. Auf der Suche nach Unterhaltung schreiben die Schwestern einen anonymen Brief an die örtliche Polizei und tatsächlich schneit endlich mit Inspektor Spingeot männlicher Besuch ins Haus.
Die Geschichte an sich klingt ja schon mal recht schräg, was Regisseurin Miriam Gniwotta jedoch daraus gezaubert hat ein Meisterwerk des Slapstick und des Absurden. Die nicht mehr ganz blutjungen Schwestern kommen angesichts des männlichen Gastes in Wallung und stellen sich zu französischer Musik amouröse Abenteuer mit dem Inspektor vor. Hélène scheint absichtlich den Verdacht auf ihre Schwester zu lenken und Clarisse schleppt eine mysteriöse Kiste an, in der Spingeot die Überreste der verschwundenen Nachbarin vermutet.

Foto: Volker Derlath

Foto: Volker Derlath

Auch, wenn die Besetzung mit nur drei Schauspielern recht klein ist, wuseln diese jedoch so über die Bühne, dass es dem Zuschauer garantiert nicht langweilig wird. Sonja Reichelt zeigt Clarisse wie ein großes Kind: mit Schleifen im Haar und immer einer ihrer unzähligen Puppen auf dem Arm, die dem Bühnenbild einen -in meinen Augen- etwas gruseligen Touch verleihen, weil man sich unweigerlich von den vielen Augen beobachtet fühlt. Es kann sein, dass es nur mir so geht, weil ich Puppen tatsächlich unheimlich finde. Clarisse jedenfalls scheint sich daran nicht zu stören, tatsächlich scheint auch mehr hinter ihrer naiven Fassade zu sein, als man zunächst annimmt.
Ihre Schwester Hélène, gespielt von Shirin Lotze scheint da ein ganz anderes Kaliber zu sein. Sie wirkt selbstbewusst, wenn auch ein klein wenig verrückt und hat vor allem eine ausgeprägte Fantasie, sei es für Kriminalfälle oder für oben genannte Abenteuer mit Inspektor Spingeot.
Uwe Kosubek zeigt mal wieder sein großes komödiantisches Talent. Spingeot ist ein quirliger, übermotivierter Polizist, der erstaunlich wenig Probleme damit zu haben scheint, bei den Schwestern zu übernachten, die er doch des Mordes verdächtigt und die ihn in ein rosa Nachthemd stopfen.
Auch wenn man zwischenzeitlich definitiv verwirrt sie Stirn runzelt, klärt sich jedoch am Ende alles auf und vor allem hat man in der Zwischenzeit jede Menge zu Lachen. Wenn das mal kein Abschluss für einen Sommertag ist!
Besonders hervorzuheben ist dieses mal das Bühnenbild. Axel Ploch hat auf der kleinen Bühne einen altbackenen, heruntergekommenen Raum geschaffen, der mit der gemusterten Tapete wirkt wie ein Puppenhaus. Ob jetzt der Umbau von Wohn- zum Esszimmer wirklich nötig ist, hat sich mir jetzt nicht ganz erschlossen und die erotischen Tagträume der Damen wirkten auf mich zum Teil ein bisschen lang. Aber das sind wirklich nur kleine Kritikpunkte bei einer ansonsten sehr gelungenen und vor allem unterhaltsamen Inszenierung!
Regie & Ton: Miriam Gniwotta
Kostüm & Ausstattung: Nathalie Seitz
Bühne: Axel Ploch
Licht: Tom Kovacs
Abendspielleitung: Melanie Kisslinger & Thomas Brückner

Vorstellungstermine: bis 22. Juli & 22. August bis 30. September, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr

http://www.blutenburg-theater.de

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Jesus Christ Superstar, Gärtnerplatztheater (in der Reithalle)

 

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Manch einer, der meine Theaterleidenschaft nicht teilt, hat mich schon gefragt, warum ich mir ein Stück mehrfach ansehe. Meine Standardgegenfrage ist dann, wie oft sie oder er den Lieblingsfilm schon gesehen hat. Und im Gegensatz zum Film, der statisch ist, ist eine Vorstellung etwas Lebendiges, die jedes Mal anders ist.

Warum habe ich mir Jesus Christ Superstar in der Inszenierung von Staatsintendant Josef E. Köpplinger sieben Mal angesehen? Zugegebenermaßen hat es mich selbst überrascht, wie stark ich auf das Stück reagiert habe. Das war nach der halbszenischen Aufführung im Cirkus Krone im Juli 2014 nicht zu erwarten. Ich denke, ich war damals zu sehr mit mir selbst beschäftigt, schließlich hatte ich davor und danach selbst Vorstellungen mit der Zirkusprinzessin.

Es berührt mich. Wenn Jesus seinen Vater anfleht Take this cup away from me oder wenn Maria Magdalena singt Could We Start Again, Please?, schießen mir die Tränen in die Augen. Das liegt nicht nur an der sehr ergreifenden Musik, sondern zum sehr großen Teil auch an den fantastischen Darstellern Armin Kahl und Bettina Mönch.

Überhaupt ist ein Glück, so viel Talent auf der Bühne erleben zu dürfen. Neben den genannten ist auch David Jakobs ein Glücksfall, der die innere Zerrissenheit des Judas in jeder Geste und in jeder Note grandios darstellt. Aber auch die Mitglieder des Ensembles des Theaters zeigen, dass sie an einem Haus, das sowohl Oper wie auch Operette und Musical spielt, bestens aufgehoben sind. So überrascht der junge Tenor Maximilian Mayer (Simon Zelotes) mit einer großartigen Rocknummer, nachdem er in dieser Spielzeit schon an zwei Opern-Uraufführungen, einem Purcell, der Dreigroschenoper und einer Operette mitgewirkt hat. Auch Erwin Windegger, der in dieser und vorangegangen Spielzeiten seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt, erreicht mit der Rolle des Pontius Pilates einen neuen Höhepunkt. Eigentlich könnte man wirklich jeden Einzelnen der Mitwirkenden bis hin zu den Statisten namentlich benennen, weil sie alle so großartig sind. Obwohl ich ja sonst eher sparsam mit Standing Ovation bin, hat es mich bei keiner Vorstellung auf dem Sitz gehalten. Auch der wie immer äußerst spielfreudige Chor und das fantastische Orchester unter Jeff Frohner bzw. Andreas Partilla tragen zu diesen sehr emotionalen und erfüllenden Abenden bei.

© Christian POGO Zach

© Christian POGO Zach

Es sind starke Bilder. Egal ob wütender Mob, das letzte Abendmahl oder der Selbstmord von Judas, Josef E. Köpplinger erzählt die letzten sieben Tage von Jesus in der Jetztzeit stringent und aufregend. Wie immer ist es eigentlich mit einmal Ansehen nicht getan, selbst in der siebten Vorstellung habe ich noch Neues entdeckt. Die Bühne von Rainer Sinell ist minimalistisch und unterstützt die Übertragung in die Gegenwart ebenso wie die Kostüme von Anja Lichtenegger. Die Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit ergänzt das Team großartig.

Mir wurde vorgeworfen, ich wäre unkritisch. Tatsächlich hat mich in dieser Spielzeit praktisch jedes Stück von der Opernuraufführung über die Operette bis zum Ballett fasziniert. Aber ok, die Herodesszene gefällt mir nicht ganz so gut. Aber wie sagt Previn Moore als König Herodes so schön: This is my Song und so dominiert er mit seiner groovigen Soulstimme die Szene und drängt die etwas schrägen weiteren Beteiligten in den Hintergrund.

Ich hätte es gerne öfter gesehen als sieben Mal. Ich bin kein religiöser Mensch, meine Entwicklung diesbezüglich reicht von der katholischen Taufe erst mit zehn Jahren über den Übertritt in die evangelische Kirche als junge Erwachsene zum jetzigen pragmatischen Atheismus, aber trotzdem berührt mich diese Darstellung der letzten sieben Tage von Jesus Christus. Weil er ein Mensch ist, mit Zweifeln, mit Hoffnung, mit Liebe. Ich habe es aus verschiedenen Perspektiven gesehen, von ganz nah bis ganz weit weg, von rechts oder von links. So sehr ich mich freue, dass das Stück nächstes Jahr in meiner Herzensheimat, dem Stammhaus wieder gespielt wird, so sehr bedauere ich es, dass es manche Perspektiven wohl nicht mehr geben wird. Ansehen werde ich es mir trotzdem, so oft es geht.

PS: erwähnte ich das Licht schon? Das ist einfach großartig!

Musikalische Leitung Jeff Frohner
Regie Josef E. Köpplinger
Choreografie Ricarda Regina Ludigkeit
Bühne Rainer Sinell
Kostüme Anja Lichtenegger
Licht Michael Heidinger / Josef E. Köpplinger
Videodesign Meike Ebert / Raphael Kurig
Choreinstudierung Felix Meybier
Dramaturgie Daniel C. Schindler

Jesus von Nazareth Armin Kahl
Judas Ischariot David Jakobs
Maria Magdalena Bettina Mönch
Pontius Pilatus Erwin Windegger
Herodes Previn Moore
Kaiphas Holger Ohlmann / Levente Páll
Annas Juan Carlos Falcón
Simon Zelotes Maximilian Mayer
Petrus Benjamin Oeser
Johannes / Soldat Jens Olsen
Judas Thaddäus Nicola Gravante
Jakobus der Jüngere Lars Schmidt
Bartholomäus Christian Schleinzer
Andreas Michael B. Sattler
Matthäus Alexander Moitzi
Jakobus der Ältere Claus Opitz
Philippus Peter Neustifter
Thomas Carl van Wegberg
1. Priester Dirk Lüdemann
2. Priester Martin Hausberg / Holger Ohlmann
3. Priester Frank Berg
Soul-Girl / Frau am Feuer Dionne Wudu
Soul-Girl Joana Henrique, Susanne Seimel
Girls Katharina Lochmann, Evita Komp, Leoni Kristin Oeffinger, Valerie Luksch, Lisandra Bardél, Lisa Rothhardt
Ein Soldat Maximilian Berling
Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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