Premiere Heimatlos (Kleiner Lord Remi), 18.03.2012, Gärtnerplatztheater (1)

Meine Eindrücke von der finden sich wieder bei mucbook.

Ähnliche Artikel:

Premiere Heimatlos (Kleiner Lord Remi), 18.03.2012, Gärtnerplatztheater – Nachtkritik

Heimatlos Spritzig, sexy, superspannend, mit schmissigen Melodien: Das war Musical at its best. Die Bühne war rappelvoll mit großartigen Sängern und Tänzern, die wenigsten davon Profis, sondern Mitglieder der Jugendtheatergruppe jtg und der Seniorentheatergruppe stg des Gärtnerplatztheaters.  wurde 2003 in Oslo unter dem Titel Frendelaus uraufgeführt; diese Vorstellung war die Münchener Erstaufführung. Dass die hervorragende Jugendarbeit des Gärtnerplatztheaters in den letzten Jahren sich wahrhaftig gelohnt hat, kann man sehr gut an sehen, die in der Titelrolle als der elfjährige Junge Remi auf der Bühne stand. Darstellerisch großartig, mit jeder Menge Ausstrahlung und Bühnenpräsenz, zog sie das Publikum sofort in den Bann der Geschichte. Gesanglich gibt es volle Punktzahl in der Pflicht und einige wenige Punkte Abzug in der Kür (wenn wir jetzt mal keinen Jugendbonus vergeben, sondern Profi-Maßstäbe anlegen), aber da wächst zweifellos ein großes Talent heran.

Acht Solisten des Gärtnerplatztheaters rahmten die Produktion ein, und da konnte man ebenfalls tolle Dinge erleben: habe ich zum ersten Mal in einem Musical auf der Bühne gesehen, und sie war fabelhaft als die junge, attraktive Witwe Lady Milligan, deren Sohn als Baby entführt wurde, mit einer beeindruckenden Stimme. James Milligan, der böse Onkel, der mit allen Mitteln an das Erbe kommen will, wurde dargestellt von , der in Gentleman-Rollen immer eine hervorragende Figur macht (in anderen Rollen genauso, übrigens). Er übergibt das Baby an Harry und Maggie Driscoll, damit die es um die Ecke bringen. Diese beiden Kleinganoven spekulieren aber auf eine langfristige Erpressungsmöglichkeit und bringen den kleinen Remi nach Frankreich, wo er als Findelkind von Marie Barberin () aufgezogen wird. Es taucht der böse Stiefvater auf (widerlich, unsympathisch, einfach klasse: ), der den kleinen Remi loswerden will und für 50 Francs an einen umherziehenden Gaukler verkauft: Vater Vitalis, sehr liebevoll dargestellt von , der dafür einen riesigen Schlussapplaus erhielt. Dort findet der kleine Remi ein neues Zuhause und drei neue Freunde, die mit Vater Vitalis auftreten: einen Affen und zwei Hunde (ganz fantastisch: , und ).

Prompt erscheinen Lady Milligan und der böse James Milligan wieder auf der Bildfläche. Die Lady macht mit ihrem zweiten Sohn Arthur (sehr schön gespielt von ) eine Schiffsfahrt durch Frankreich (da ist also noch ein Kind, das beseitigt werden muss, bevor der böse Onkel das Erbe antreten kann). James Milligan erfährt zu seinem Entsetzen, dass Remi noch lebt und erteilt den beiden Verbrechern erneut den Auftrag, den Kleinen jetzt mal endgültig umzubringen, was sich so als makabrer running gag durch das ganze Stück zieht. und als Harry und Maggie Driscoll muss man gesehen haben.  kann in diesem Musical sein komisches Talent voll ausleben, und das tat er auch: Sein expressives Spiel ist ein Hochgenuss, und dasselbe gilt für den Publikumsliebling , die als rotgelocktes Energiebündel über die Bühne fegte. In Stimme und Darstellung hatte sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Cruella de Ville aus 101 Dalmatiner. In dieser Rolle konnte sie alles zeigen: Power, Witz, Charme, Ausstrahlung. trat in vier verschiedenen Rollen auf. Große Klasse war das Duett des Direktors Dietrich mit der Sekretärin (), ein gesungener Dialog, wo immer nach ein paar Wörtern der andere weitersingt. Die Nebenrollen waren mit , , und sehr schön besetzt. Toll anzusehen waren die tanzenden Wölfe, mit grauem Fell und orange glühenden Augen. Nach vielen Irrungen und Wirrungen gibt es ein Happy-End. (Für den kleinen Remi und seine Familie geht die Geschichte gut aus, aber das Programmheft erinnert daran, dass auch heutzutage Kinder entführt, verkauft, versklavt und ausgebeutet werden.)

Heimatlos Dazwischen gab es immer wieder beeindruckende Massenszenen, wunderbar choreografiert von Fiona Copley und . Der Chor sang die mitreißenden Melodien sehr gut, und man merkte nur an einigen wenigen Stellen, dass es sich um Laien handelte (wie gesagt: Jugend und Senioren). Kostüme brauchte man in dieser Produktion unglaublich viele, und sie waren alle sehr gut gemacht, da war nicht gespart worden. Das Bühnenbild von Herbert Buckmiller ist schön und erstaunlich vielseitig: Wald, Herrenhaus, Bergwerk. Auf den Hintergrund wurden Landschaftsgemälde projiziert, sehr atmosphärisch. Das Orchester bestand aus Schülerinnen und Schülern des Pestalozzi-Gymnasiums und der Städtischen Musikschule München, nur die Posaune und das Klavier wurden von Profis gespielt. Bei der musikalischen Einstudierung hat der Dirigent ganze Arbeit geleistet. Die Inszenierung von ist eine wunderbar runde Sache, das Publikum war begeistert. Der Komponist   und der Librettist  Øystein Wiik waren bei dieser  anwesend und äußerten sich hochzufrieden.

Weitere Termine: 19., 23., 27. März.

jtg, Junges Theater am Gärtnerplatz: Sandra Boyaci, Diana Brückner, Mareike Bruns, , Alexandra Ginger, , Veronica Habela, , Alicia Höllerer, Dominique-Lea Kappl, Sarah Kiekens, Sophie Klaus, Louisa Klauser, Estelle Köhler, Kristin Mackensen, Sarah Mair, Seggen Mikael, Katharina Rambau, Corinna Romeikat, Ulrike Schneider, , Ariadni Stark, Ploy-Amelie Tismer, Clara Tolle, Olivia Troccoli, Julia Walser, Dorothee Weingarten, Angelina Zehender, , , Jonas Doggenweiler-Menkhaus, Fabian Goldammer, Lion Leuker, Leonard Lücke, , Sharif Osman, , Jan Reinhardt, Johannes Rudschies, Gregor Schleuning, , Maximilian Vering

stg, Seniorentheater des Gärtnerplatztheaters: Petra Bartel, Reinhild Bickert, Hanna Habenicht, Annegrit Ihmig, Ingrid Mayr, Gisela Schäfer, Jutta Schlirf, Rolf Krämer, Gerd Rankl

Band: Schülerinnen und Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums und der Städtischen Musikschule München: Matthias Grädener, Timo Stucky, Jerome Marmorstein, Johannes Erdelt, Maria Weruchanova, Jill Krupp, Felix Hellmeier, Florian Gabriel, Sandra Grujovic, Cathrine Craemer, Christian Craemer, Leonie Schmidt, Ronja Lunkenheimer; sowie zwei Mitglieder des Orchesters des Staatstheaters am Gärtnerplatz: Quirin Willert, Posaune, , Klavier und Leitung.

Ähnliche Artikel:

Archiv

  • 2013 (133)
  • 2012 (278)
  • 2011 (203)
  • 2010 (190)
  • 2009 (304)
  • 2008 (261)
  • 2007 (50)
  • 2006 (38)

Kategorien

Statistisches

  • Posts: 1.457
  • Kommentare: 373
  • Wörter in Posts: 617.518
  • Tags: 2.656