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Die Weiße Rose – Aus den Archiven des Terrors, 20.02.2011, Kleines Theater Haar

Ein Ausflug in Schauspiel brachte mich zum ersten Mal in das gar nicht so kleine Kleine Theater Haar. Das ist wirklich ein schnuckeliges Theater, leidet allerdings daran, dass die Zuschauerreihen nicht ansteigen. Und selbst in der ersten Reihe hatte ich durch eine etwas unglückliche Konstellation, ein Tisch auf der Bühne stand fast genau vor meiner Nase, keine freie Sicht.

Das tat aber dem Stück keinen Abbruch. Einzig und allein die Stelle, in der Hans Scholl sich einen Schuss setzt, fand ich nicht gut. Das ist unter Historikern umstritten und indem man es mit Tatsachen in einen Kontext setzt, macht man es quasi zur Tatsache. Man möge mich nicht falsch verstehen, die Leistung Hans Scholls wäre nicht geringer zu schätzen, wenn er drogensüchtig gewesen wäre, aber man muss es ihm auch nicht unterstellen.

Ansonsten fand ich dieses Stück wirklich hervorragend, berührend, fantastisch gespielt von allen aus dem Ensemble. Ich fand die Auswahl der Szenen aus dem Leben der Widerstandsgruppe sehr exemplarisch und gut erklärend, wie sie dazu kamen und was sie bewegt hat und die Entwicklung, die schließlich zur Entdeckung und dem Tod der meisten Mitgleider der Gruppe führte, aufzeigte.

Am Ende verließ ich das Theater mit einem Kloß im Hals, viel Stoff zum Nachdenken und Bewunderung für das JSEM, die es geschafft haben, einen so schwierigen Stoff sensibel und doch einprägsam auf die Bühne zu bringen.

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Oper, außergewöhnlich

Bei meinem zweiten Besuch wollte ich ein bisschen mehr auf die Musik achten, die mir beim ersten Mal irgendwie größtenteils entgangen ist. Interessanterweise gelang es mir dieses Mal tatsächlich, sowohl Musik als auch Gesang wahrzunehmen. Großartig auch diesmal Thérèse Wincent. Anscheinend habe ich mich beim ersten Mal doch etwas reingehört, denn heute habe ich wesentlich mehr verstanden.

Das Kammerorchester unter Oleg Ptashnikov spielte bis auf eine winzige Ausnahme grandios und ich konnte diesmal durchaus musikalische Motive erkennen.

Eigentlich wäre ein dritter Besuch jetzt genau richtig für mein Verständnis, leider muss ich damit wohl bis nächstes Jahr warten. Außerdem hätte ich mir eine Einführung gewünscht, gerade heute am Jahrestag der Reichskristallnacht hätte man sogar einen aktuellen Bezug gehabt.

Das Tagebuch der Anne Frank

Montag, 9. November 2009
19:30 Uhr

Marstall

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Oper, eindringlich

Gestern Abend zeigte das Theater meines Vertrauens mal wieder, wie vielseitig ein Musiktheater sein kann.

An einem für diese Sparte eher ungewöhnlichen Ort, dem Marstall, hatte die 1972 uraufgeführte Mono-Oper “Das Tagebuch der Anne Frank” von Gregori Frid Premiere. Die Akustik war etwas gewöhnungsbedürftig und leider bin ich – frauenuntypisch – nicht multitaskingfähig. Ich habe mich so auf das intensive Spiel und den exzellenten Gesang von Thérèse Wincent konzentriert, dass ich von der Musik nicht viel mitbekommen habe. Nur an einigen wenigen Stellen, so zum Beispiel als Anne davon singt, dass sich die Familie nicht an das Glockengeläut gewöhnen kann, wenn sie in zarter Verliebtheit von Peter erzählt oder zu Swingmusik die Schuhe tanzen lässt, rückt bei mir die Musik in den Fokus. Und natürlich während des ziemlich aufwühlenden Schlusses, bei dem das Kammerensemble unter der ausgezeichneten Leitung von Oleg Ptaschnikov seine vollen Stärken ausspielen kann. Das Bühnenbild aus einem geviertelten Quadrat und auch die intime Atmosphäre des Theaters unterstreichen das beklemmende Gefühl des Eingesperrtseins.

Am Ende, wenn der letzte Ton verklungen ist und nur noch eine einzelne Kerze den Raum beleuchtet, ist selbst der notorischste Frühklatscher, der sich immer irgendwo im Publikum befindet, so ergriffen, dass er noch ein paar Sekunden inne hält. Danke für diese Sekunden der Besinnung!

Eine sehr sehenswerte Aufführung, ich hätte mich allerdings besser darauf vorbereiten müssen. Es wäre sicher nicht verkehrt gewesen, die literarische Grundlage noch einmal zur Hand zu nehmen, immerhin ist es schon über 25 Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Aber es ist ja nie zu spät, das nachzuholen.

Das Tagebuch der Anne Frank

Donnerstag, 29. Oktober 2009
19:30 Uhr

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