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Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, 20.06.2010, Gärtnerplatztheater

Die zweite Vorstellung einer Inszenierung finde ich immer besonders spannend. Erstens ist es im Normalfall die Premiere der Alternativbesetzung und zweitens kann ich mich schon mehr auf die Details konzentrieren. Ich brauch ja immer mindestens fünf Vorstellungen, bis ich ein Stück einigermaßen im Kopf habe.

Völlig vergessen habe ich in meinem Premierenpost das witzige Baumballett des Chores, die mit stilisierten Tannen über die Bühne “schweben” und so die Heimat der Holzfäller symbolisieren. Auch die mehr oder weniger verschmierten Clownsgesichter der Solisten sind mir entgangen, aus der Nähe wirken sie richtig unheimlich, während sie im dritten Rang naturgemäß nur als Farbflecken ankommen.

Ansonsten kann ich nur sagen, mir gefällt die Inszenierung und ich finde das Bühnenbild gerade wegen symbolträchtigen Minimalismus so klasse, hier stehen die Sänger und ihre musikalischen und szenischen Fähigkeiten im Vordergrund und werden durch Regie, Bühnenbild und Kostüme optimal unterstützt. Ich kann die negativen Kritiken nicht verstehen. Es wird völlig unterschlagen, dass das Publikum gejubelt hat wie schon lange nicht mehr, übrigens auch bei dieser zweiten Vorstellung applaudierte man lang anhaltend. Vielleicht kan man eine solche Vorstellung auch besser genießen, wenn man unbefangen und ohne Erwartungen hineingeht und das wird bei einem Berufskritiker kaum der Fall sein. Wenn allerdings jemand schreibt, bis zur Pause wäre auf der Bühne rein gar nichts passiert, dann hat er entweder gepennt oder ist erst danach gekommen, anders kann ich mir eine so eklatante abweichende Wahrnehmung nicht vorstellen.

Auch die Alternativbesetzung ist absolut erstklassig, so dass ich wirklich bedenkenlos jede Aufführung empfehlen kann. Marianne Larsen ist als peitschenknallende Dompteuse Begbick einfach umwerfend und auch Holger Ohlmann als Dreieinigkeitsmoses hat mir szenisch und musikalisch ausgesprochen gut gefallen. Elaine Ortiz Arandes war einer eher etwas zurückhaltende Jenny, was aber auch seinen Reiz hat. Sebastian Campione zeigte, was er drauf hat, auch beim Boxkampf  mit Moses, das war teilweise so realistisch, dass ich schon Angst hatte, einer von beiden geht wirklich zu Boden. Cornel Frey als Fatty erinnerte mich schon bei der Premiere an eine Comicfigur, ist es vielleicht der Joker? Jedenfalls war seine Bühnenpräsenz auch aus der Nähe sehr beeindruckend. Wolfgang Schwaninger als Jim Mahoney ist eine echte Schau, alle Emotionen wirken absolut echt, seien sie nun musikalisch oder szenisch. Der Chor und das Orchester unter Andreas Kowalewitz trugen das ihre zu einem Abend bei, den ich sicher noch lange im Kopf behalten werde.

Auch nach dem zweiten Durchgang lautet mein Fazit: Hingehen, anschauen, sich selbst ein Bild machen!

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