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Premiere Im Weissen Rössl am Starnberger See, 02.05.2019, Hofspielhaus München

Foto: Verena Gremmer

Foto: Verena Gremmer

Dem Münchner Operettenliebhaber ist das berühmte Stück von Ralph Benatzky vermutlich schon in den größeren Dimensionen des Gärtnerplatztheaters über den Weg gelaufen. Umso spannender ist es, wenn eine kleine Bühne wie das Hofspielhaus dieses Werk auf die Bühne bringt. Da hier kein Platz für viele Solisten, Chor oder Orchester ist, hat es mich im Vorfeld durchaus neugierig gemacht.
Das Schönste war zunächst mal, dass die Musikbegleitung – ganz minimalistisch – mit Klavier und Gitarre live gespielt wurde. Bei einer vergangen Musiktheater-Produktion hat mir das viel zu laute Playback nämlich nicht wirklich zugesagt. Aber die fünf Solisten und zwei Instrumente reichen völlig, um den Liedern (eine Mischung aus den originalen Songs und passenden Fremd-Werken) die passende Stimmung zu verleihen.
Die Geschichte des unglücklich verliebten Oberkellners Leopold und der schönen Rösslwirtin wurde im Hofspielhaus wurde weiter westlich an den Starnberger See verlegt. Wie im Original steht zwischen dem Liebesglück der Anwalt Doktor Siedler, auf den die Wirtin ein Auge geworfen hat. Doch von da an ändert sich das Personal etwas, denn zusätzlich taucht noch ein griechischer Olivenöl-Händler mit seiner Tochter auf. Die beiden machen eine typische Bayern-Reise auf den Spuren König Ludwigs und nächtigen im Rössl, wo ihnen Leopold das Zimmer Doktor Siedlers zuteilt. Der verliebt sich in die schöne Griechin, die passenderweise sowieso von ihrem Vater verheiratet werden soll.
Stimmlich und darstellerisch eine absolute Wucht ist Maria Helgath als bairisch sprechende Wirtin, sie gibt ihrer Rolle das nötige Selbstbewusstsein, das angesichts ihres Doktor Siedlers ganz schnell in mädchenhafte Schwärmerei umschlägt. Leopold ist auch in der bayerischen Version des Rössls Österreicher, sehr sympathisch gespielt von Christoph Theussl, der neben einer angenehm natürlichen Gesangsstimme vor allem auch großes komödiantisches Talent beweist. Sehr unterhaltsam ist auch Georg Roters als grantiger Grieche, der sich gerne über die bayerischen Eigenheiten ärgert und mit Sprichworten um sich wirft. Er ist auch – mit Pagenmütze auf dem Kopf – für die Klavierbegleitung zuständig. Die reizende Tochter Theodora wird von Marina Granchette gespielt, mit unschuldigem Charme und viel Energie. Burkhard Kosche schließlich komplettiert als selbstbewusster und redegewandter Doktor Siedler das kleine Ensemble.

Foto: Verena Gremmer

Foto: Verena Gremmer

Das Bühnenbild von Jonas Klein ist für das Hofspielhaus gewohnt minimalistisch, trotzdem fehlt weder das heiß umkämpfte Balkonzimmer noch ein idyllischer Hotelgarten. Regisseurin Franziska Reng gelingt in ihrem Debüt auf jeden Fall eine unterhaltsame Inszenierung, in der die bekannte Operette geschickt auf das Wesentliche reduziert und mit einer Prise Lokalkolorit gewürzt wird. In jedem Fall ist es spannend zu sehen, wie ein solches Werk auch auf einer kleinen Bühne gespielt wird und dank des wunderbaren Ensembles, dem guten Spielfluss und sogar der ein oder anderen fetzigen Choreographie auch wirklich funktioniert.Mitwirkende: Maria Helgath, Marina Granchette, Burkhard Kosche, Christoph Theussl und Georg Roters

Dramaturgie und Regie: Franziska Reng
Kostüme: Uschi Haug
Bühnenmalerei: Jonas Klein

weitere Termine: 30./31. Mai und 15./21. Juni 2019, 20 Uhr
2. Juni 2019, 18 Uhr

https://www.hofspielhaus.de/spielplan/detailansicht/im-weissen-roessl-am-starnberger-see-977.html

 

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Premiere L’Heure Espagnole, 28.04.2019, Gärtnerplatztheater

In der Kürze liegt die Würze. Dieses schöne Sprichwort trifft auf viele Lebenslagen zu, im Besonderen aber auf die absurd-lustige Kammeroper L’heure espagnole von Maurice Ravel und Franc-Nohain, die 1911 in Paris uraufgeführt wurde und am vergangenen Sonntag auf der Studiobühne des Gärtnerplatztheaters Premiere feiert.

Foto: Adrienne Meister

Zentrum dieses Stücks ist die schöne Concepción, Gattin des Uhrmachers Torquemada, der einmal in der Woche eine Stunde lang die Rathausuhren warten muss und ihr so Zeit gibt, abwechselnd einen ihrer Liebhaber im Laden zu empfangen. Dummerweise taucht an diesem Tag der Mauleseltreiber Ramiro auf, der seine Uhr reparieren lassen muss und will im Uhrmachergeschäft auf Torquemada warten. Als Concepcións Liebhaber, der Poet Gonzalvo auftaucht, bittet sie Ramiro eine schwere Uhr die Treppe hinauf in ihr Schlafzimmer zu schaffen. Als dummerweise auch noch ihr zweiter Verehrer Don Inigo erscheint, versteckt sie Gonzalvo in einer Standuhr und lässt Ramiro diese hinauf schleppen. So werden abwechselnd die beiden Liebhaber in das Schlafzimmer der Dame geschmuggelt, bis diese Gefallen an dem starken Ramiro findet und ihre beiden – noch immer in Uhren versteckten – Besucher alleine im Geschäft stehen lässt, wo sie von Torquemada entdeckt werden.

Foto: Adrienne Meister

Ich kannte ja das Stück bereits aus einer anderen Inszenierung und war sehr gespannt, wie Regisseur Lukas Wachernig dieses amouröse Verwirrspiel auf der kleinen Studiobühne inszenieren würde. Er setzt dabei vollkommen auf die Absurdität der Kurz-Oper, was optisch durch die Ausstattung von Stephanie Thurmair unterstützt wird. Die Bühne erinnert stark an die surrealistischen Gemälde des spanischen Künstlers Salvador Dalí, vor allem die schmelzenden Uhren, die die drei Liebhaber anfangs über einen dürren Baum hängen. Der Uhrmacher Torquemada selbst erinnert dabei mit dem ikonischen gezwirbelten Bart an den berühmten Künstler.

Die Kostüme der fünf Solisten passen perfekt in das bunte Bühnenbild. Concepción trägt ein rotes Kleid im Stil der 20er Jahre, passend dazu ist auch ihr zukünftiger Liebhaber Ramiro in Rot- und Orangetönen gekleidet und sieht aus wie ein Muskelmann, wie man ihn früher auf Jahrmärkten sehen konnte. Gonzalvo und Inigo sind dagegen vorwiegend in kühlem Blau gekleidet. Auch das Makeup passt bis ins kleinste Detail zu diesen Kostümen und den überspitzten Charakteren. Ramiro und Gonzalvo bekommen beide ein Brusthaar-Toupet verpasst und letzterer erinnert nicht nur durch das Makeup sondern auch in seinen selbstverliebten Reden an den aktuellen amerikanischen Präsidenten.
Wachernig setzt in seiner absurden Inszenierung vor allem auf Slapstick und eine eindeutige Zeichnung der Charaktere, was zu dem schrägen Stück durchaus passt und somit beim Publikum für viele Lacher sorgt.

Foto: Adrienne Meister

Valentina Stadler gibt als Concepción eine verwöhnte Zicke, die die Uhren ihres Gatten sabotiert und nur ihr persönliches Vergnügen im Sinn hat. Es macht großen Spaß zuzusehen, wie sie mit den vier Männern spielt und die Aufmerksamkeit genießt, die sie ihr entgegen bringen. Ramiro wird von Matija Meić wundervoll als „Poser“ verkörpert, der der schönen Frau vom ersten Moment an mit seinen Muskeln imponieren will. Er ist fast permanent auf der Bühne und kämpft im Hintergrund mit dem Transport der Standuhren – der in dieser Inszenierung sehr kreativ gelöst ist – oder muss sich am Erste-Hilfe-Kasten der Probebühne bedienen, um seine Rückenschmerzen zu kurieren. Juan Carlos Falcón als Torquemada scheint hier als typisch verpeilter Künstler, der offenbar mehr Liebkosungen für seine Uhren und sein Werkzeug übrig hat als für seine Frau. Dieser Ansatz macht es dann auch irgendwie verständlich, dass die junge Concepción bei anderen Männern ihr Liebesglück sucht. Gyula Rab darf als etwas egozentrischer Poet Gonzalvo alles an Schmalz auspacken, was eine Tenor-Rolle zu bieten hat und zeigt so vor allem eine schöne Parodie auf die typischen Frauenhelden in anderen Opern. Der reiche Geschäftsmann Don Inigo Gomez wird vom Bass Christoph Seidl gespielt. Er möchte für seine junge Geliebte auch etwas weniger ernst wirken und tarnt sich deshalb als eine Uhr, die aus einem überdimensionalen Auge besteht, mit seinem Gehstock als Pendel.

Der Spaß, den die Solisten angesichts ihrer Charaktere an den Tag legen, hat sich sehr schnell auf meine Begleiterin und mich übertragen. Auch gesanglich meistern sie die fließende, sicher nicht ganz einfache, Musik perfekt. Das kleine Orchester unter der Leitung von Kiril Stankow sitzt hinter dem leicht durchsichtigen Bühnenbild und auch sie lassen den Raum mit den Klängen Ravels schweben, sodass die fast einstündige Spielzeit wie im Flug vorüber geht.

Der große Applaus am Ende war für alle Beteiligten voll und ganz verdient, denn diese Inszenierung macht einfach großen Spaß. Die Tatsache, dass Publikum hier ganz nah am Geschehen ist und auch ab und an einbezogen wird, ist nach wie vor ein großer Pluspunkt der kleinen Studiobühne.

 

Musikalische Leitung: Kiril Stankow
Regie: Lukas Wachernig
Bühne / Kostüme: Stephanie Thurmair
Licht: Michael Heidinger
Dramaturgie: Daniel C. Schindler

Concepción: Valentina Stadler
Gonzalvo: Gyula Rab
Torquemada, Uhrmacher: Juan Carlos Falcón
Ramiro, Mauleseltreiber: Matija Meić
Don Inigo Gomez: Christoph Seidl

weitere Termine: 6. / 8. Mai / 19. Juni, 19.30 Uhr und 20. Juni, 18.00 Uhr

https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/heure-espagnole.html?m=362

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