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Das Leben des Timon, 06.06.2013, Theater Viel Lärm um Nichts in der Pasinger Fabrik

Das Leben des Timon Ein Stück von Shakespeare, das ich nicht kenne? Kein Wunder, handelt es sich bei Das Leben des Timon doch um das am wenigsten gespielte Stück des großen englischen Dichters. Dem Theaterensemble “Viel Lärm um Nichts” ist es gelungen, es aus der Versenkung zu holen, aufzupolieren und es zu einem brandaktuellen Stück zu machen.
Geld regiert die Welt, und die Freundschaften. Timon ist sehr freizügig und gibt sein Geld mit vollen Händen aus. Er ist ein Kunstmäzen, er greift Freunden, die in Not sind, unter die Arme, er schmeißt rauschende Partys, bei denen sich zwielichtige Gestalten auf seine Kosten bestens amüsieren. Apemantus ätzt als einziger gegen ihn, während alle anderen ihm förmlich in den Hintern kriechen. Sein Verwalter Flavius warnt vor dem drohenden Ruin, aber Timon will nicht hören. Und im übrigen würden sich seine Freunde ja um ihn kümmern, wenn es ihm schlecht ginge. Denkt er. Und dann ist es passiert, Geld alle, Kreditwürdigkeit dahin, Freunde weg. Timon wird vom Menschenfreund zum Menschenfeind und verbarrikadiert sich im Wald. Dort findet er per Zufall Gold und schon stehen alle wieder auf der Matte. Diesmal durchschaut Timon sie aber und rächt sich mit Hilfe des Feldherren Alkibiades an den Athenern.
Die Neuübersetzung von Regisseurin Margrit Carls bringt Aktualität ins Stück, ohne die elisabethianischen Bezüge zu verlieren. Ihre Regie ist sehr personenfokussiert und so gelingt es spielend, dass Daniel Pietzuch, Sven Schöcker, Catalina Navarro Kirner und Alexander Wagner ohne große Kostümwechsel 26 verschiedene Personen darstellen und diese auch authentisch und glaubhaft rüberbringen. Besonders eindringlich ist das Spiel von Andreas Seyferth in der Rolle des Timon, er zieht alle Register und schlägt das Publikum in seinen Bann. Astrid Polak als Flavius besticht mit ruhigem, intensiven Spiel. Die Figuren sind in graue Einheitsanzüge gekleidet, und unterscheiden sich nur durch verschiedenfarbig geschminkte Gesichtsmasken, mit Ausnahme von Timon und Flavius. Das bewirkt, dass auch vier Personen eine Masse darstellen. Das ist wirklich sehr geschickt gemacht, ebenso wie das zwar spartanische aber durch seine Wandlungsfähigkeit trotzdem ausdrucksstarke Bühnenbild.
Ein Theaterabend auf sehr hohem Niveau. Weitere Vorstellungen jeweils Donnerstag bis Samstag um 20 Uhr, Karten von 10€ bis 18€ (Donnerstag 7€ bis 15€) können hier vorbestellt werden oder sind an der Abendkasse erhältlich.

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Der grüne Kakadu, 10.01.2013, Theater Viel Lärm um Nichts (in der Pasinger Fabrik)

Der grüne Kakadu Ein Bühnenbild, das fast komplett mit rotem Samt ausgeschlagen ist, Tische am Rand, an denen das Publikum quasi mitten im Geschehen sitzt, eine Wirtin, die die Marsellaise komponiert.
So beginnt Arthur Schnitzlers Farce Der grüne Kakadu in der Inszenierung von Andreas Seyferth für das Theater Viel Lärm um Nichts. Prospère, die Wirtin, hatte eine Erbschaft gemacht und sich davon ein Theater eingerichtet. Doch das ging pleite und getreu dem alten Sprichwort mit dem Wirt leitet sie jetzt eine Spelunke in einem Pariser Kellerloch. Ihre alte Truppe zählt zu ihren Stammgästen und so wird auch die Kaschemme zur Bühne. Zur Belustigung der Adeligen, die sich ebenfalls dort vergnügen, erzählen sie ausgedachte Verbrechen. Oder doch nicht ausgedacht? Hier verschwimmen Realität und Trugbild zu einem einzigen atemlosen Wirbel. Am 14.07.1789 hört man dem Sturm auf die Bastille quasi live zu, als Henri, der Star der skurilen Truppe, seinen letzten und besten Auftritt hat, den Bericht von der Ermordung des Herzogs von Cadignan. Man amüsiert sich köstlich bis die Realität gnadenlos zuschlägt.
Andreas Seyferth gelingt es, den aus meiner Sicht etwas problematischen Bühnenraum optimal zu bespielen. Mit einer nach zwei Seiten offenen Bühne gewährte er optimale Einblicke. Die Personenführung war gut und kleine eingebaute Gags ließen auch immer wieder ein befreiendes Lachen zu. Die Kostüme von Johannes Schrödl waren teils zeitgemäß, teils zeitlos und teils überzeichnet. Das ergab eine sehr schöne Mischung, die trotzdem homogen wirkte.
Viele Personen treten auf, doch am Ende sind es nur acht Schauspieler, die sich verbeugen. Innerhalb kürzester Zeit mussten die meisten nicht nur Kostüme, sondern auch Persönlichkeiten wechseln. Das gelang immer fabelhaft, nur die teilweise etwas überzogenen Dialekte bzw. Spracheigenheiten haben mich ein wenig gestört. Marion Niederländer in der Rolle wirkt wie eine Dompteuse im Raubtierkäfig, fast erwartet man die Peitsche in ihrer Hand zu sehen, ihre Rolleninterpretation hat mir ganz ausgezeichnet gefallen. Theresa Bendel ist ein ganz entzückend tollpatschiger junger Adeliger vom Land, der zum ersten Mal allein unterwegs ist und gleich mit dem Lauf der Weltgeschichte konfrontiert wird. Stephan Joachim zeichnete ein intensives Portrait von Henri, dem Star der Truppe, der die Fantasie zur Wirklichkeit werden lässt oder auch nicht. Judith Bopp zauberte als Juliette immer wieder ein Lächeln in die Gesichter der Zuschauer, während sie als Léocadie eher kühl wirkte. Ute Pauer und Walter von Hauff konnten mich sowohl als vergnügungssüchtiges, dekadentes Adelspärchen überzeugen wie auch in ihrer jeweils anderen Rolle. Sven Schöcker war ein herrlich überzeichneter Strolch ebenso wie Rollin, der Dichter und konnte mich auch als Philosoph überzeugen. Die meisten unterschiedlichen Rollen, sechs, hatte Robert Ludewig zu stemmen und er meisterte diese Aufgabe ganz hervorragend. Da sah, hörte, fühlte ich wirklich sechs verschiedene Menschen auf der Bühne stehen, ganz besonders in der Rolle des Herzogs von Cadignan.
Ein gutes Stück in gelungener Umsetzung, das es sich anzuschauen lohnt. Weitere Vorstellungen bis 9. März (außer 22. Februar) jeweils Donnerstag bis Samstag um 20 Uhr. Karten Donnerstags 15€, sonst 18€. Reservierungen über die Homepage des Theaters.

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